Mehr denn je aktuell: Wohin steuert der Vatikan?

(Reinhard Raffalt’s Analyse von 1973:)

Unter Paul VI. dagegen reichte die Tendenz zum Hominismus bei der Reform bis in die Sprache der Meßtexte hinein. Im alten Missale Romanum war beim Offertorium das Brot als „immaculata hostia“, als makellose Opfergabe bezeichnet worden. Der Ordo Novus nannte es „fructurn terrae et operis manuum hominum“ – die Frucht der Erde und der Arbeit menschlicher Hände. Ebenso wurde der Wein, einstmals Kelch des Heiles, zur Frucht der Traube und – natürlich wieder – der Arbeit menschlicher Hände.

Während man in Rom noch um die Endfassung des Ordo Novus rang, ergriff einen beträchtlichen Teil des Klerus in allen Ländern der Welt bereits die Welle der Purifizierung. Im Hochgefühl nachkonziliarer Freiheit wurden Hochaltäre ausrangiert, Tabernakel entfernt oder nicht mehr benützt, Darstellungen von Heiligen verpönt. Neupriester verlangten als Bedingung für die Annahme ihrer Weihe die Zusicherung des Bischofs, sie würden niemals in einer barocken Kirche Dienst tun müssen.

Wie hoch die Dinge gediehen waren, zeigte der Verlauf der Messe, die Paul VI. am 17. September 1972 zum Abschluß des italienischen Eucharistie Kongresses in Udine feierte. 150.000 Menschen hatten sich eingefunden. Der Altar, sinnigerweise errichtet über einem camouflierten deutschen Wehrmachtsbunker, war ein riesiger weißgedeckter Tisch. Trotz seiner Größe reichte er nicht aus für die geplante Konzelebration. Die Veranstalter hatten errechnet, daß wenigstens zwei Drittel der zusammengeströmten Gläubigen den Wunsch hegen würden, die Kommunion zu empfangen. Folglich traten zur Konzelebration zweihundert Priester in Albe und Stola an, jeder mit einem Kelch voller Hostien. Sie wurden nicht um den Altar gruppiert, sondern hinter ihm in Fünferreihen gestaffelt. Für alle sprach der Papst die Wandlungsworte. Zur Austeilung des Sakraments verließen die Priester in langer Reihe die Plattform. Je zweien von ihnen wurde ein Jugendlicher beigegeben, der sie zu ihrem vorbestimmten Bezirk geleiten sollte. Alle diese Jugendlichen hatten es aus überzeugung verschmäht, durch Meßdienerkleidung und gereinigtes Haupthaar als Glieder des liturgischen Geschehens kenntlich zu sein. Also gab man ihnen ein Kreuz in die Hand, das sie ermächtigte, den nachfolgenden Priestern Raum zu schaffen. Hundert solcher Kreuze zu finden, war nur bei einer Firma möglich gewesen, die provisorische, mit leeren Emailschildern versehene Friedhofskreuze herstellte. Solcherart geleitet, gelangten die Priester mit dem Sakrament zu den Gläubigen. Nur recht wenige nahmen die Kommunion. Bald standen die Priester mit halbgefüllten Kelchen in der Menge und riefen: „Chi vuole ancorai“ – Wer möchte noch? Schließlich entdeckte ich zwei, die einander, die Hostien in der Hand, eine anscheinend komische Geschichte erzählten. Ein Mann neben mir sagte: „Und die wollen uns weismachen, daß das, was sie da austeilen, der Leib des Herrn ist.“ Auf der Ebene des Papstaltares hatte die neue Liturgie gerade noch gehalten. Fünf Meter tiefer, auf dem Parterre der Massen, war ihr Sinn verflogen.

Man kann verstehen, daß kompromißlose Priester – selbst in Rom, unter den Augen des Papstes – einen Schritt weiter gingen und auf die Liturgie überhaupt verzichteten. Einer von ihnen war Don Gerardo Lutte, ein Salesianerpater aus Belgien, den das alsbald verhängte Berufsverbot wenig kümmerte. Die Barackensiedlung Monte Rotondo, in der Don Lutte arbeitete, ist umstellt von modernsten Luxusappartements. Als Besitzer fungiert ein römischer Aristokrat, dessen Vermögen aufs innigste mit den vatikanischen Finanzen verflochten ist. Jedes. Kind weiß, daß hier mit Riesensummen spekuliert wurde, deren Hauptgewinn in die päpstlichen Kassen fließt. Hundert Meter davon entfernt hielt Don Lutte seine Art von Messe in einem kahlen ungefegten Raum. Als ich hinkam, fand ich ihn und seine Anhänger mitten in einer politischen Diskussion. Don Lutte saß an einem alten Schreibtisch, neben sich eine wohlgekleidete, gepflegte Studentin der Soziologie, die plötzlich begann, aus dem Evangelium vorzulesen. In der anschließenden Aussprache sagte Don Lutte: „Ich weiß schon, warum heutzutage so wenig Leute zur Messe gehen. Die Kirche hat sich zu oft auf die Seite der Reichen gestellt. Sie hat das Wort des Herrn verleugnet, der gesagt hat, die Kirche müsse vor allem für den Dienst an den Armen da sein. Statt dessen hat sie die Rechte der Reichen gegen die Armen verteidigt. Für viele, die sich das klarrnachen, ist der Besuch der Messe wie ein Verrat – ein Verrat an den Arbeitern, an den Menschen, die leiden, die unterdrückt sind und ausgenützt werden. Nur wer sich dem Dienst an den Armen hingibt, darf ein Recht auf Autorität haben.“ Darauf ein junger Mann: „Wir untersuchen viel zu wenig, ob man sich gegen Autorität nicht empören, ob man sie nicht zusammenschlagen müßte. Ich glaube, es ist besser, aus der Kirche draußen zu bleiben, weil es wichtig ist, zu protestieren, auch wenn man im Irrtum ist.“ In den Augen der Zuhörer glänzte Zustimmung.

Don Lutte war kein Einzelfall. In Florenz hatte ich Gelegenheit, Zeuge eines Gottesdienstes zu sein, den der weitberühmte Don Mazzi auf dem Kirchenplatz des Isolotto hielt. Es regnete in Strömen. Unter Schirmen standen zweihundert Menschen im Kreis um einen improvisierten Altar. Zum Schluß sagte Don Mazzi, für das Ausharren der Gemeinde dankend: „Wir sind die Kirche der Armen, der Rechtlosen, Ausgesetzten und Unterdrückten. Wir sind stolz darauf, nichts mit den Prälaten gemein zu haben, die in ihren Basiliken sitzen und sich den Segnungen der Zentralheizung hingeben.“ Im Elendsviertel unter dem claudischen Aquädukt unweit der Via Appia nuova erklärte mir Don Roberto in franziskanischer Heiterkeit: „Ich bin kein Intellektueller, der am grünen Tisch ein vorgeformtes Schema ausheckt, mit dessen Hilfe er der Kirche suggerieren könnte, wie sie sich reformieren soll. Ich überlasse diese Frage den Armen. Wenn es wahr ist, daß die Armen der lebende Christus in der Geschichte sind, dann soll dieser Christus reden. Es muß ein Ende damit haben, daß das Schicksal der Kirche im Studierzimmer der Theologen entschieden wird oder gar in der Taubheit und Kälte der Kurie.“ In Ravenna gab es einen Priester namens Don Ulisse Frascali, der seinen Beruf als Busfahrer ausübte. Er ging von der Voraussetzung aus, das Christentum könne sich nur erneuern durch radikale Politisierung. Die Methode dazu biete der Marxismus, der aber nicht das Ziel sei. Dieses definierte Don Ulisse mit der totalen Selbstverwirklichung des Menschen in der Gemeinschaft. Er selber hatte am Stadtrand von Ravenna ein Kinderheim gegründet, dessen kleine Insassen sich darin angeblich so wohl fühlten, daß es ihnen als Strafe erschien, wenn sie hin und wieder in die eigene Familie zurück mußten. Damit bewies Don Ulisse seine These, die Familie sei eine Erfindung der bürgerlichen Gesellschaft zur Unterdrückung der freien Willensbildung der Kinder. Analog dazu seien die Sakramente eine Erfindung der amtlichen Hierarchie zur Unterdrückung der freien Willensbildung der Christen. Die Messe in ihrer rituellen Form feiere er noch, weil alte Leute daran gewöhnt sind und nicht enttäuscht werden dürfen. Im übrigen hielte er jede Art von Liturgie für einen Ausfluß des „Kultualismus“, der von Hierarchie und Bourgeoisie zusammen kreiert worden sei, um den Menschen durch den Zwang zur Verehrung unkontrollierbarer Mächte an seiner Selbstverwirklichung zu hindern. Da die Übernatur außerhalb der überschaubaren Welt liege, könne sie nicht in den Auftrag des Evangeliums einbegriffen sein. Deshalb stelle er einem Sterbenden stets als letzten Trost vor Augen, wie vollkommen er in der Gemeinschaft aufgegangen sei – Grund genug, um das Schicksal seiner Seele beruhigt Gott zu überlassen. „Wenn aber“, so fragte ich dagegen, „ein Mensch ganz und gar nicht so gelebt hat, wie Sie es wollen, wenn er ein Egoist, ein Geizhals, ein Verräter war und dies im letzten Augenblick einsieht – was sagen Sie ihm dann?“ – „Das“, so antwortete er, „muß ich bei der nächsten Versammlung diskutieren.“

Beispiele, die für Hunderte stehen. Sie sollen zeigen, daß der Kampf, der unter den Augen des Papstes tobte, nicht abzutun war mit Begriffen wie „Häresie“ und „Sektierertum“. Die dissidenten Priester bildeten längst eine weltweite Bundesgenossenschaft. Wer sie am Werke sah, mochte über die Blindheit klagen, mit der sie die Erlösungsbedürftigkeit der menschlichen Natur mißkannten, er mochte bestürzt sein über die Kraft, die hier vergeudet wurde, anstatt der Kirche neues Leben zuzuführen. Aber er konnte jenen Priestern nicht den Idealismus absprechen. Sie liebten es sehr, den heiligen Franziskus als Vorbild anzuführen. In der Tat hat der Poverello von Assisi ihre Grundsätze an Radikalismus womöglich noch übertroffen. Aber in einem unterscheidet er sich von ihnen. Er hat die Kirche, deren damaliger Feudalismus ihm höchst unchristlich erscheinen mußte, niemals angetastet. Er starb in der Überzeugung, gescheitert zu sein – nicht weil er an seiner Idee irre geworden wäre, sondern weil er in der Kirche verblieb. Ich fragte Don Ulisse, was nach seiner Ansicht die Kirche der Zukunft tun solle. „Selbstzerstörung“, sagte er, „ist ihr einziger Weg, und sie wird ihn gehen.“ – „Ist das eine Voraussage?“ – „Mehr – eine Forderung an die ganze Hierarchie.“ – „Und wenn sie erfüllt ist?“ – „Dann wird es keine Kirche mehr geben, keinen Vatikan, keine Priester, aber eine christliche Menschheit.“ Joachim von Fiore hat am Ende des dreizehnten Jahrhunderts für das letzte Zeitalter der Welt das gleiche prophezeit. Er war ein Mystiker. Don Ulisse dagegen behauptete, er sei ein Realist.

Hier wurde bloßgelegt, wie sehr die offenkundige Verwirrung in der katholischen Kirche ein Klerusproblem war. Man hatte sich angewöhnt, diesen Klerus nach einem Schema zu ordnen, das zwar bequem, aber falsch war. Im Vatikan fluktuierten Vertreter aller Richtungen, die wechselweise das Ohr des Papstes erreichten. Paul VI. selbst war stets im Geiste fortschrittlich, im Herzen aber konservativ, folglich als Regent ein Janus mit zwei Gesichtern. Schließlich konnte man in Rom deutlich wahrnehmen, daß den drei scheinbar wohlunterschiedenen Gruppen stets eines gemeinsam war – die Angst, unmodern zu sein.

Aus: Reinhard Raffalt. Wohin steuert der Vatikan? Papst zwischen Religion und Politik.
Verlag R. Piper & Co. München, Zürich 1973.

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Warum sollte Paul VI. nicht heilig sein?

… oder warum ihn der regierende Papst nicht hätte heilig sprechen dürfen.

Peter Kwasniewski schreibt in seinem sieben Punkte umfassenden Artikel „Warum wir Paul VI. nicht ‚heilig‘ nennen müssen (und es auch nicht tun sollten)“ bedenkenswertes über eine Heiligsprechung als solche und über jene des Montini-Papstes im Besonderen.

Unter Punkt 5 ist u. a. zu lesen:

„Was ist an Paul VI. bewundernswert?“

Gibt es Gründe für traditionelle Katholiken, Paul VI. für irgend etwas zu bewundern? Ja, durchaus. Wir wären töricht, würden wir seine guten Taten nicht anerkennen. Aber dieses Gute reicht nicht hin, um die vielen ernsten Probleme aufzuwiegen, die wir im letzten Abschnitt angesprochen haben. Die Geschichte des Montinischen Pontifikats ist faktisch eine äußerst prägnante Demonstration des Unterschieds zwischen der Person und dem Amt. Im Fall heiliger Päpste hat man den Eindruck, die Amtsgnade nehme die Person auf und umhülle sie und verwandle sie in eine strahlende Ikone des heiligen Petrus und Jesu Christi. Im Fall schlechter oder mittelmäßiger Päpste ist die Amtsgnade etwas, das stellenweise aufflackert, das in Notsituationen aus der Verborgenheit zum Vorschein kommt, das aber den Inhaber nicht auf dieselbe Weise verwandelt. Letzteres können wir bei Paul VI. beobachten […]

Papst Paul VI. wird von den meisten Historikern als eine Art tragische Gestalt beschrieben, der versuchte, der ihn umgebenden Ereignisstürme Herr zu werden, allerdings unfähig war, viel auszurichten. Wahrscheinlich deswegen, und weil man den Eindruck hatte, Montini beuge sich häufig den Meinungen der Welt; weil man den Eindruck hatte, er habe häufig (mit nur ganz geringen Veränderungen) die vorgefertigten Begriffe und Vorstellungen einfach übernommen, die ihm falsche Experten lieferten; wahrscheinlich stechen aus diesen Gründen die Augenblicke, in denen er sich nicht beugte, mit der schlichten Helligkeit des Petrus so klar hervor. Die Nota Praevia (vorangestellte Notiz) zu Lumen Gentium, die energische Verteidigung traditioneller eucharistischer Lehren (in Mysterium Fidei) und der Lehren über Ablässe (in Indulgentiarum Doctrina), das Credo des Gottesvolkes sind Pfeiler, die in einem zerfallenden Gebäude unerschütterlich stehenbleiben, Zeichen übernatürlichen Schutzes. Mitten im moralischen Zusammenbruch der 1960er Jahre und im Widerspruch zu der Kommission, die von seinem Vorgänger eingesetzt worden war, um die Frage erneut zu untersuchen, sprach Petrus durch [Papst] Paul in Humanae Vitae: „Es ist niemals erlaubt – auch aus noch so ernsten Gründen nicht –, Böses zu tun um eines guten Zweckes willen.“

Wenn solche guten Taten und Lehren für Paul VI. eine Gewohnheit, normal und charakteristisch gewesen wären, und wenn sie mit dem Schmuck christlicher Tugenden versehen, von den christlichen Tugenden erfüllt gewesen wären, die der heilige Thomas im Zweiten Teil der Summa behandelt, und wenn sich darüber hinaus noch ein volkstümlicher Kult um einen geliebten Papst gebildet hätte, der sich in vielen unstrittigen Wundern manifestiert hätte, dann – und nur dann – hätten wir einen berechtigten Anlaß gehabt, Paul VI. zur Ehre der Altäre zu erheben. […]

Quelle

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Das Ende für Kloster Mariawald und für die Trappisten

Am kommenden Samstag den 15. September 2018 werden im Kloster Mariawald der vom Präfekten der „Kongregation für die Institute geweihten Lebens“ João Kardinal Bráz de Aviz beauftragte „Apostolische Kommissar“ Dom Bernardus Peeters (Abt der Trappistenabtei Koningshoeven, Tilburg, NL, sowie Weihbischof Karl Borsch als Vertreter des Aachener Diözesanbischofs Dr. Helmut Dieser, offiziell die Trappistenmönche entlassen und das Kloster schließen. Damit ist die Römischen Anweisung vollzogen, deren Sinnen daran bestand, wieder ein Kloster zu schließen, welches das Angebot von Papst Benedikt XVI. ergriffen hat und die liturgischen Riten einführte, die im „Motu Proprio“ „Summorum Pontificum“ geregelt wurden.

Dem Orden der Trappisten (Zisterzienser von der strengeren Observanz – OCSO) ist zugute zu halten, dass er nicht die letztendliche Entscheidung getroffen hat. Vielmehr hat der beim Generalkapitel 2017 entschieden, aufgrund der internen Situation, die u. a. durch die Altersstruktur bedingt war, Mariawald vom Orden auszugliedern, dem Kloster aber dennoch einige Jahre zugesprochen, um sich zu konsolidieren, damit es wieder in der Kreis der Klöster des Ordens aufgenommen werden könne. Diese interne Regelung wurde seitens Rom nicht akzeptiert. Kardinal Bráz de Aviz, der bereits für die Zerschlagung des blühenden Ordens der „Franziskaner der Immaculata“ verantwortlich war, hat die Schließung Mariawalds und die „Vertreibung der Mönche“ angeordnet.

So ist es nicht verwunderlich, dass an „Sieben Schmerzen Mariens“, dem Patrozinium von Mariawald, die Vertreter der Kirche einer „Jahrhunderte lange Präsenz“ danken wollen; – wobei der Trappistenorden, der ein Reformorden der Zisterzienserordens ist „erst“ seit 1860 Mönche nach Mariawald geschickt hat.

Diese Trappisten kamen damals aus Oelenberg im Elsaß. Seither ist der Abt von Oelenberg (= Mutterabtei) der Pater Immediat (Vater-Abt, direkter kirchlicher Oberer) für Mariawald. So könnte man verstehen, dass der Abt dieses Gründungsklosters Dom Dominique-Marie Schoch auch anwesend sein wird. Doch weder er noch seine unmittelbaren Vorgänger haben sich wirklich für Mariawald eingesetzt; ja man kann sagen, Dom Dominique-Marie hat sich nicht wie ein Vater zu seiner Tochter verhalten.

Dieses und anderes mag manchen recht heuchlerisch erscheinen. So ist es auch verwunderlich, wenn zwei ehemalige Mariawalder Äbte zu dieser Veranstaltung erscheinen, die in ihrer über zwölfjährigen Amtszeit kaum etwas für Mariawald erreicht haben. Unter Dom Francois de Place (1993–1999) als auch unter dem Abbatiat von Dom Bruno Gooskens (1999–2005) ist beispielsweise nicht ein einziger Novize zu einer feierlichen Profess gelangt und für immer im Kloster geblieben.

Bei aller Trauer und Klage über die vergangenen Jahre und über das kommende Ereignis am 15. September 2018 sollte aber etwas anderes in den Vordergrund gerückt werden. Kloster Mariawald wurde in den vergangenen Jahrhunderten schon mehrmals aufgehoben und die Mönche vertrieben. Freilich noch nie von der kirchlichen Obrigkeit. Aber immer wieder kamen die Mönche zurück in ihr klösterliches Kleinod Mariawald. Die „Schmerzhafte Muttergottes von Mariawald“ soll und wird auch diesmal für ein gutes Ende sorgen, der so Gott will, eines Tages die Trappisten wieder zurück nach Mariawald führt. Ebenso beten und hoffen viele, dass zu gegebener Zeit auch die liturgischen Traditionen der Kirche, so wie sie durch Jahrhunderte überliefert wurden, wieder gelten und in Mariawald gefeiert werden können.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Ihr, die ihr alles verlassen habt
und mir nachgefolgt seid,
werdet hundertfach empfangen
und das ewige Leben besitzen.
(Mt 19,28,29; Communio eines Bekenners)

Frost über der Trappisten-Abtei-Mariawald – Foto https://www.youtube.com/watch?v=gKtIJJTCThI

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Einhundertjähriger Messkoffer

Vor einigen Tagen berichtete die facebook-Seite vom Zisterzienserstift Heiligenkreuz, dass Pater Edmund „ein originelles und interessantes Geschenk“ bekommen hätte, denn „seine Schwester hat in einem Antiquariat in Oberösterreich“ einen „Messkoffer für Feldgeistliche im Ersten Weltkrieg entdeckt, gekauft und Pater Edmund geschenkt“. Dieser Messkoffer sei jetzt hundert Jahre alt und „in sehr gutem Zustand“. Der Autor der Veröffentlichung meint, der Koffer mit allen Utensilien sei deswegen so gut erhalten geblieben, weil er „offensichtlich“ „kaum verwendet worden“ sei.
Dazu schrieb jemand, der gute Zustand käme wahrscheinlich nicht wegen seltenem Einsatz zustande, sondern wegen der liebevoller Behandlung, die man ihm angedeihen ließ. Beides ist möglich…

Das Beste an dem Geschenk der Schwester an den Priesterbruder ist wohl, dass Pater Edmund den Koffer mit Inhalt wirklich auch seiner Bestimmung gemäß benutzen kann. Denn Pater Edmund Waldstein zelebriert wirklich im tridentinischen Ritus die Messe aller Zeiten. Deo Gratias.

„Man klappte den Koffer auf, steckte oben ein Kreuz und Kerzen an, legte die mit einem Altarstein ausgestattete Altarmensa auf, bereitete alles vor und konnte die Heilige Messe feiern. Sogar Messgewänder in allen liturgischen Farben sind in dem Koffer erhalten. Ein besonders interessantes Stück Geschichte, das Einblick in die Seelsorge für Soldaten Anfang des 20. Jahrhunderts gibt und auch von einer großen Liebe zur Feier der Liturgie zeugt.“

Foto: Pater Edmund mit dem historischen Messkoffer aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Stift Heiligenkreuz. – https://www.facebook.com/stiftheiligenkreuz/photos/a.156147794020.117509.151746389020/10155684097729021/?type=3&theater

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Parteipolitik und Liturgiereform

„Kirchfahrter Archangelus“ macht sich Gedanken über die
Illusionen der „Generation Konzil“ in Kirche und Politik.

Er beschäftigt sich als „Noch-CDU-Mitglied“ mit dieser Partei, insbesondere mit dem Vorurteil, bei ihr handle es sich tatsächlich um eine dezidiert christliche Partei, in der das Katholische tatsächlich auch Einfluss habe. Dem ist offenbar nicht so. Es wird hier sogar von „Lebenslüge“ gesprochen. Interessant ist an diesem sehr lesens- und bedenkenswerten Artikel ist seine Weiterführung und die Verbindung mit dem 2. Vatikanischen Konzil und seinen Früchten. Der Leser kann nicht umhin festzustellen, dass das Konzil wesentlich mit der 68.er Geschichte zu tun hat, obwohl es ein paar Jahre vorher stattgefunden hat. Aber es geht um das „Lebensgefühl“(?) dieser kurzen Zeitspanne, in der offenbar so ziemlich alles aus den Fugen geraten ist, was möglich war. Mich erinnert das an pubertierende Jugendliche, die alles ablehnen, verwerfen, oder zumindest auf den Prüfstand stellen, dessen, was die Werte der Eltern sind/waren. Auch die katholische Kirche verhielt sich in Teilen so. „Kirchfahrter Archangelus“ geht als für alle nachvollziehbar auf das Ereignis der Liturgiereform ein. Er entdeckt nämlich eine hochinteressante Parallele in den örtlichen Pfarrgemeinden und Diözesen. Auch werden noch einmal wichtige Tatsachen genannt, die heute fast vergessen sind oder von jungen Menschen nicht einmal gewußt werden. Und dazu erteile ich Archangelus nun das Wort:

Die Liturgiereform sorgte in deren Augen dafür, dass alles volksnaher wurde, bei der Sprache mal angefangen. Latein konnten sowieso nur noch die wenigsten (was soll man die Leutchen und vor allem die Kinder mit sowas quälen?). Ob nun die Hostie in die Hand oder den Mund gelegt wurde, wird ja schon so wichtig kaum sein und durch den Volksaltar sah man wenigstens nunmehr etwas vom Pfarrer. Nach dem Bruch mit Altvätersitte hatte sich später dann kaum etwas geändert (ja, gut, das Händeschütteln beim „Friedensgruß“, sicher) , die Messe wurde in der Regel würdig gefeiert, da sich sowohl Priester als auch die überwiegende Mehrzahl der Gottesdienstbesuchter unwillkürlich an der überlieferten Messe orientierten. Die Mitzwanziger und -dreißiger schufen sich die bequeme Fiktion „es ist ja eigentlich großartig nichts Neues passiert“, übersahen geflissentlich die bereits damals von den Bischöfen geduldeten „liturgische Experimente“ mit ihren „Gestaltungsmöglichkeiten“ eines Gottesdienstes. Ob beim späteren Heidenspektakel von Assisi oder jüngst „Amoris laetitia“, immer ist ein Zurückschrecken dieser Jahrgänge vor der Realität wahrnehmbar. Ob aus psychologischem Selbstschutz, Gewöhnung oder Denkfaulheit, das ach-so-mündige nachkonziliare Gottesvolk meint unverdrossen, es habe sich ja „eigentlich“ kaum etwas geändert. Ärgerlich diese Drewer- und Ranke-Heinemänner, dieser Küng, aber man vertraut auf die Hierarchie, an der Spitze der Heilige Vater. Die noch vorkonziliar geprägten „Alten“ starben, standen verbittert abseits oder gingen gleich zur FSSPX; die in den wilden 70ern „neugeformten“ Pfarrer hingegen begannen nunmehr, mit den nun ihrerseits ins mittlere Alter vorgerückten, vormaligen Jugendlichen als unermüdliche Laienspielschar im Rücken allsonntäglich „Liturgie zu gestalten“.

Nun fühlte man sich als älterer Mensch langsam nicht mehr heimisch bei den verquasten Predigten und politischen Fürbitten, die eher von der IG Metall oder Amnesty International zu stammen schienen, aber man hielt halt den Mund, um den „verstockten erzreaktionären Levebvrianern“ ja keinen Triumph zu gönnen. Hatte man doch selbst freudig als Kommunionhelfer oder Lektionarin „am Altar gedient“ – sollte dies alles falsch gewesen sein? Sollte dieser lächerliche mittelalterliche Bußprediger aus Hattersheim etwa Recht behalten?
Nein, nein und nochmals nein! Dann lieber zu den Kapriolen schweigen und nur hinter vorgehaltener Hand mosern, da wird im vertrauten Kreis der Pfarrgemeinderats-Veteranen reklamiert und räsoniert („Hast Du schon gehört, was der Bischof jetzt gesagt hat?„), man hangelt sich fortweg von Aufreger zu Aufreger, ohne im Geringsten irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Man wehrt sich verzweifelt gegen die sich gnadenlos aufdrängende Einsicht, dass die „Neue Messe“ lediglich ein zeitbedingter Reißbrett-Entwurf der 60er war und ist. Da dieser spirituell steril blieb, mußte die liberale Hierarchie notgedrungen seine Blößen notdürftig mit aktueller Tagespolitik, Gemeinschaftsfolklore und Entertainment-Elementen wie Gesangsvortrag oder klassischen Musikstücken bedecken. Es regiert der „Kult des Menschen“, den nicht zufällig Papst Paul VI. als Vollstrecker der Liturgiereform lobte, seine Bedürfnisse treten in den Vordergrund, die Gebote Gottes mußten dafür Platz machen. Das Gespräch des Herrn am Jakobsbrunnen wurde modernistisch interpretiert: man müsse nun in Afrika Brunnen für sauberes Wasser finanzieren – das „lebendige Wasser“ des Herrn wurde darüber vergessen.
Da konziliar geprägt, sind besagte Jahrgänge „gut ökumenistisch“ gesonnen, sie waren allzeit bereit, Glaubenspositionen nicht so wichtig zu nehmen, da die „Einheit der Christen“ ja oberstes Ziel sei. Sie machten daher auch unbesehen bei allem mit, ob Weltgebetstag der Frauen oder „ökumenische Andachten“, wenn es nur als „ökumenisch“ bezeichnet wurde.

Allerdings wurde beim sog. „Reformationsjubiläum“ doch sehr deutlich, dass sich seit dem Konzil in den vergangenen fünf Jahrzehnten in Sachen Ökumene rein gar nichts getan hatte – von fortlaufenden Zugeständnissen auf katholischer Seite einmal abgesehen. Die katholischen und protestantischen Gesprächspartnern konnten sich weder in Sachen Anzahl der Sakramente, noch Bibelkanon, Priesterweihe oder der Realpräsenz Christi im allerheiligsten Altarsakrament einigen – die eilfertig gemeldeten „entscheidenden theologischen Übereinstimmungen“ konnten daher auch bezeichnenderweise nicht präzise benannt werden.

Den konzilsgeprägten Ökumene-Begeisterten vergangener Tage dämmert langsam, dass sie einer Illusion aufgesessen sind. Eine „evangelische Kirche“ als Pendant zur katholischen gibt es nicht, auch die öffentlich-rechtliche Körperschaft Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist lediglich ein Dachverband und besteht aus nicht weniger als 20 selbständigen lutherischen, unierten und reformierten Gliedkirchen. Seit der Reformation existierten und existieren eine unübersehbare Vielzahl einzelner, untereinander zerstrittene protestantischer Denominationen, folglich gibt es übrigens auch kein „evangelisches Verhandlungsmandat“, welches alle protestantischen Denominationen inhaltlich binden könnte.

Davon abgesehen nimmt die ältere Generation unbewußt wahr, dass – mangelnder Fortschritte ungeachtet – gleichwohl der Endzweck die Protestantisierung der eigenen Kirche zu sein scheint: die kirchlichen Strukturen in Deutschland werden von den diözesanen Apparaten schrittweise an die Strukturen der protestantischen Gemeinschaften angeglichen: Zölibatswegfall, Frauen-„Priestertum“ durch die Hintertür der priesterlosen „Wort-Gottes-Feiern“ mit Albe und Schal ausstaffierter Gemeindereferentinnen, Interkommunion, kommender interkonfessionelle Religionsunterricht und protestantisierte, weil laiengeleitete, Pfarreien.

Eine ökumene-begeisterte Generation realisiert nun langsam, dass sie ihr Kirchenbild auf eine Illusion aufbauten. Die ganzen Änderungen blieben einzig auf ihre Kirche beschränkt, es änderte sich nur die Messe, diese wurde immer protestantischer:
• Der Altar wurde in einen Tisch ohne Altarstein umgewandelt.
• Die Einführung, daß der Priester die Messe dem Volk zugewendet zelebriert.
• Die Konzelebration.
• Die Messe wird in der Landessprache zelebriert.
• Die Messe wird laut gelesen.
• Die Messe zerfällt in zwei Teilen: die Liturgie des Wortes und die der Eucharistie.
• Das profanierte Altargerät.
• Das gesäuerte Brot.
• Die Austeilung der Eucharistie durch Laien.
• Die Handkommunion.
• Die Unterbringung des Allerheiligsten in der Wand.
• Die Vornahme der Lesungen durch Frauen.
• Die Spendung der Kommunion an Kranke durch Laien

Die evangelischen Gottesdienste hingegen wurden im Gegenzug keinen Deut katholischer. Auch die sog. „Einheitsübersetzung“ der Bibel wird ausschließlich in der katholischen Kirche gebraucht, die protestantischen Gemeinschaften bleiben lieber bei ihren Übersetzungen. In der neuesten Auflage des Gotteslobes finden sich demzufolge auch mehrere Texte von Martin Luther, auf Kreuze o.ä. verzichtete man zugunsten obskurer Schlangenlinien und schwer deutbarer Symbole.

Die Lebenslüge diese Generation bestand darin, anzunehmen, dass man als guter Katholik mit der CDU das Gemeinwesen christlich prägen könnte. Dabei war klar, dass ethisch-moralische Aspekte wie etwa der § 218 StGB lediglich in die Funktion hatten, in den Koalitionsverhandlungen mit der FDP die notwendige Verhandlungsmasse darzustellen, um die eigenen, wichtigen, Ziele in Fragen der inneren und äußeren Sicherheit sowie der Wirtschaft zu erreichen. So dachte in der CDU/CSU niemand daran, den bestehenden § 218 zu verändern und gesellschaftliche Verwerfungen zu provozieren . Auch für ethische Fragen wie etwa Präimplantationsdiagnostik, Klonen oder andere bioethische Fragen hat sich die Union nie ernsthaft interessiert. Solche Themen wurden zuverlässig in Wahlkämpfen angesprochen und nach Schließung der Wahllokale ebenso zuverlässig wieder vergessen. Nicht von ungefähr berichtet der Artikel „Die neuen Gesichter der CDU“ in der DT-Ausgabe vom 1. März über die Reaktion der Parteitagsdelegierten zur Feststellung des Delegierten Eugen Adler, die CDU habe wenig Interesse am Thema Abtreibung: „und der Sender Phoenix übertrug dazu Bilder von intensiv quatschenden und lachenden Delegierten“.

Es gehört schon eine gehörige Portion Schizophrenie zur Behauptung, die CDU hätte das Gemeinwesen christlich prägen wollen. Als dies in den 80er Jahren immer deutlicher zu Tage trat, kam verstärkt die bekannte Phrase vom „kleineren Übel“ zum Einsatz. Dieses hieß nichts anderes, als dass die anderen halt noch viel schlimmer wären.

Spätestens durch die handstreichartige Entscheidung von Frau Merkel in Sachen „Ehe für alle“ wurde wohl überdeutlich, dass selbst christliche Grundsatzfragen in der Union keinerlei Rolle spielen, sondern lediglich als Staffage für christlich-orientierte Wähler benutzt werden. Da es solche immer weniger gibt, müssen führende Unionspolitiker ihre Ignoranz gegenüber religiös-ethischen Fragen auch immer weniger verhehlen.

Die FAZ berichtet über eine Absprache zwischen der Union und der SPD über das Werbeverbot für Abtreibungen im deutschen Strafgesetzbuch […]

Trotzdem die Illusion zu pflegen, für christliche Werte mit der CDU Mehrheiten erringen zu können, zeigt die Schizophrenie der Halb-und Halben auf: irgendwie schon katholisch sein wollen, aber zugleich bemüht sein, als „aufgeklärt“ von der modernen Umwelt akzeptiert zu werden.

So gesehen sind es eigentlich nicht zwei Lebenslügen, sondern nur eine einzige, allerdings mit zwei Seiten. Die eine Seite der Lebenslüge war, mittels der CDU die liberal verfaßte Gesellschaft der Bundesrepublik katholisch beeinflussen zu können. Die andere Seite war, den katholischen Glauben einer glaubensfernen Umwelt, als aufgeklärt und modern präsentieren zu können und so im Konzilsüberschwang die Welt zu christianisieren.

Bei Licht besehen ist die „Generation Konzil“ mit beiden Vorhaben gescheitert.

„Kirchfahrter Archangelus“

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Sr. Maria-Gabriella, Trappistin – und die Einheit der Christen

Ein Beitrag zur Gebetswoche für die Einheit der Christen

Der katholische Priester Paul Couturier, der den Kartäusern nahe stand, aber dann Oblate einer benediktinischen Gemeinschaft wurde, war es, der den Gedanken einer ökumenischen Gebetswoche neu entfachte. Nachdem diese Gebetswoche 1908 von Vertretern protestantischer Gemeinschaften ins Leben gerufen wurden, und daraufhin eine solche Gemeinschaft in die katholische Kirche übertrat, stockten weitere Aktionen, weil sich orthodoxe und protestantische Christen nicht imstande sahen an einer solchen Gebetswoche teilzunehmen. Erst 1932 kam wieder Bewegung in die Angelegenheit. Couturier begeisterte sich an dem Wort von Kardinal Mercier: „Um sich zu vereinigen muss man sich lieben. Um sich zu lieben muss man sich kennen. Um sich kennenzulernen muss man zusammenkommen.

Nun sollte die Weltgebetswoche bei allen Christen auf drei Pfeilern ruhen:
1. Ein Schuldbekenntnis
2. Das Gebet um die Einheit
3. Respektierung der Bekenntnisse und Traditionen.
Dieser eifrige Priester lud vor allem die beschaulichen Orden ein, sich an der Gebetswoche zu beteiligen. So kam die Einladung 1936 in die Trappistinnenabtei Grottaferrata (südl. v. Rom).

Die 77jährige Sr. Immaculata Scalvini war von diesem Gedanken ergriffen und wollte „ihr bisschen Leben Gott anbieten“. Bei ihrem Sterben am folgenden 25. Februar war eine junge Nonne zugegen, die sich Sr. Immaculata zum Vorbild nahm: Sr. Maria-Gabriella Sagheddu, die schon ein Jahr später ihr irdisches Leben vollenden wird.

Gabriella wurde am 17. März 1914 auf Sardinien geboren. Sie wird als schwieriges und trotziges Kind beschrieben. Am 30. September 1935 ist sie in das Kloster Grottaferrata eingetreten und legte am Christkönigsfest, am 31. Oktober 1937 ihre ersten Ordensgelübde ab. Zu Beginn des folgenden Jahres brachte Gabriella ihre Ganzhingabe dem Herrn dar, in die Gebetswoche „für die Einheit der Christen“. Bald darauf diagnostizierten Ärzte bei ihr Lungentuberkulose. Deswegen lag sie mehrere Wochen in einem Krankenhaus in Rom. „Der Herr hat mir diesen Schatz gegeben, diese Krankheit, und ich möchte ihn mit niemandem teilen“ sagte sie zu einer Mitschwester kurz vor ihrem Tode, nachdem sie wieder in ihr Kloster zurückgekehrt war.

Von dem ökumenischen Dialog war Sr. Maria-Gabriella kaum beeindruckt. Sie betete und opferte. Und sie wusste, dass die wahre Ökumene nur im Schoß der heiligen Mutter Kirche möglich ist. Ein Mönch eines anglikanischen Klosters schrieb ihr: „… bitte erlauben sie mir, einem ihrer getrennten Brüder, ihnen aus tiefstem Herzen für das Opfer zu danken, das sie für die Einheit der Christen darbringen. … Ich kann ihnen versichern, dass jetzt, wo sie sich Stunde um Stunde mehr der göttlichen Liebe anvertrauen, ihre Brüder durch ihr Opfer die Größe und faszinierende Anziehungskraft des Heiligsten Herzens Jesu neu verehren. …

Die Leidenszeit für Gabriella war lang und schwer. Der Herr holte sie zu sich am Sonntag des Guten Hirten, am 23. April 1939.

Papst Johannes Paul II. sprach sie selig am 25. Januar 1983.
Ihr Gedenktag ist am 22. April.

Sr. Maria-Gabriella, 17.3.1914 – 23.4.1939. Grabstätte.

Die südlich von Rom gelegene Trappistinnenabtei Grottaferrata wurde bald nach dem Krieg aufgegeben. Die Nonnen übertrugen die Gemeinschaft 1957 in ein neuerbautes Kloster nördlich von Rom in Vitorchiano, in der Nähe von Viterbo.

Diese Klostergemeinschaft von Trappistinnen hat, offenbar auf die Fürsprache der sel. Sr. Maria-Gabriella, einen ständigen Zuwachs an Berufungen, so dass seither 7 Tochterklöster gegründet werden konnten (Valserena, Italien 1968, Hinojo, Argentinien 1973, Quilvo, Chile 1981, Humocaro, Venezuela 1984, Gedono, Indonesien 1987), Matútum, Philippinen 1995, Naší Paní, Tschechien 2007).

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18. bis 25. Januar: Weltgebetswoche für die Einheit der Christen …

… durch die Rückkehr der getrennten Glieder zur heiligen römisch-katholischen Kirche!

Papst Leo XIII. definierte am 29. Juni 1896 in seiner Enzyklika Satis cognitum das Ziel aller ökumenischen Bemühungen: Rückführung der Getrennten in die Kirche!

Wer die Kirche bisher nicht recht erkannt oder aus eigener Schuld verlassen hat, muss die Rückkehr zur liebenden Mutter zwar nicht wie Christus mit dem eigenen Blut, aber doch mit einiger, wenn auch geringerer Mühe und Beschwerde bezahlen. Dabei wird es jedermann einleuchten, dass dieses Opfer dem Menschen nicht von Menschen, sondern durch Gottes Befehl und Anordnung auferlegt wurde.“

„Wer die Wahrheit sucht, muss auf diesen Grundlehren aufbauen: Christus hat die Kirche gegründet und eingerichtet. Will man also untersuchen, welches ihr Wesen ist, so muss man vor allem wissen, was Christus gewollt und tatsächlich getan hat. Gemäß dieser Norm ist insbesondere die Einheit der Kirche zu bestimmen, von der Wir zum allgemeinen Nutzen in diesem Schreiben einiges sagen wollen.“

„Tatsächlich geht die Einheit der wahren Kirche Jesu Christi nach jedermanns Urteil so klar aus den herrlichen und zahlreichen Zeugnissen der Heiligen Schrift hervor, dass kein Christ sie zu bestreiten wagt. Aber in der näheren Beurteilung und genaueren Bestimmung des Wesens dieser Einheit hat vielfacher Irrtum manche vom rechten Wege abgebracht. Nicht nur die Gründung der Kirche, sondern auch ihre Verfassung gehört zu den Werken, die aus einem freien Willensakt hervorgehen. Deshalb hat die Beurteilung sich einzig an das zu halten, was wirklich geschehen ist, und sie hat nicht zu untersuchen, welche Form die Einheit der Kirche etwa haben könnte, sondern welche Einheit ihr Stifter beabsichtigt hat.

Fassen wir das ins Auge, was wirklich geschehen ist, so hat Christus die Kirche nicht in der Weise gebildet und gestaltet, als sollte sie eine Vereinigung von mehreren Gemeinschaften sein, die zwar einander in der Art ähnlich wären, sich aber von einander unterscheiden würden und nicht durch solche Bande geeint wären, welche die eine und einzige Kirche bilden könnten, in dem Sinne, wie wir im Glaubensbekenntnis sagen: ‚Ich glaube an die eine … Kirche‘.

‚Zur Einheit ist die Kirche ihrem Wesen nach bestimmt, da sie auch wirklich einzig und eins ist, aber die Irrlehrer wollen sie in viele Kirchen zerstückeln. Wir sagen also, die alte und katholische Kirche ist nur eine einzige ihrem Wesen und ihrer Überzeugung nach, ihrem Ursprung und ihrer Würde nach. Die erhabene Würde der Kirche wie der Grundgedanke ihres Aufbaues stammt übrigens aus der Einheit und übertrifft alles andere und hat nicht ihresgleichen‘. Als Jesus Christus von diesem mystischen Bau sprach, erwähnte er nur eine Kirche, er nannte sie Seine Kirche: Ich werde meine Kirche bauen. Jede andere außer dieser, welche auch immer man sich denken mag, kann die wahre Kirche Christi nicht sein, da sie nicht von Christus gestiftet ist.“

Enzyklika Satis cognitum

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