Herr, mir geschehe Dein Wille

(zum gestrigen Festtag der heiligen Teresa von Jesus)

Je mehr man durch sein Leben erweist, daß es sich nicht um leere Worte handelt, um so enger und enger vereint sich uns der Herr und hilft uns, alles Geschaffene wie uns selbst zu übersteigen, um seine großen Gnaden zu empfangen, die er denen, die ihm in diesem Leben dienen, unaufhörlich schenkt. So reich sind seine Gaben, daß wir gar nicht mehr wissen, um was wir noch bitten sollen, und seine Majestät wird niemals müde zu geben.

Ja, es genügt ihm noch nicht, daß er unsere Seele mit sich vereinte, er beginnt auch, sich an ihr zu erfreuen, ihr Geheimnisse mitzuteilen und zu sehen, wie sie durch ihr Verstehen vorankommt und zu ahnen beginnt, was er zu schenken vermag. Er läßt sie den Gebrauch ihrer äußeren Sinne verlieren, damit sie nichts anderes mehr wahrnehme. Das nennt man Ekstase. Und er beginnt ihr solche Freundschaft zu bezeugen, daß er ihr nicht nur ihren Willen zurückgibt, sondern noch den seinen dazu. Denn es freut den Herrn in dieser liebevollen Freundschaft, daß er sich den Wünschen der Seele unterwirft, so wie sie sich den seinen, nur viel vollkommener, denn er ist allmächtig und vollbringt, was er wünscht so, daß nichts zu wünschen übrig bleibt.

Die arme Seele aber kann nicht alles, was sie wünscht vollbringen, sie vermag gar nichts, wenn er es ihr nicht schenkt: Das ist ihr größter Reichtum. Ich möchte euch eines raten: Meint nie, ihr könntet aus eigener Kraft und durch eigenes Bemühen zu diesem Gebet gelangen. Wenn ihr es versucht, werdet ihr scheitern und nur Kälte und Trockenheit empfinden. Ihr könnt nichts anderes tun, als in Schlichtheit und mit allumfassender Demut sagen: Dein Wille geschehe.

(Teresa von Avila,
vgl. Erika Lorenz: Ich bin ein Weib und obendrein kein gutes)

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Teresa von Jesus (von Avila) – 15. Oktober

IHM
schenk ich mein ganzes Streben,
alles, was ich bin, ist sein.
So ist mein Geliebter mein,
und ich bin ihm hingegeben.
Ja, sein Pfeil hat mich gefunden,
und sein Lieben traf mein Leben.
Ewig bin ich so verbunden
Meinem Schöpfer, daß danaben
andre Liebe ganz schwunden,
er erfüllt mein ganzes Sein:
So ist mein Geliebter mein,
und ich bin ihm hingegeben.

(Teresa von Avila,
Übertragung Erika Lorenz)

Horace Le Blanc, Tranverberazione di S. Teresa, 1621,
Musée des Beaux-Arts de Lyon
Photo: https://carmelitasalba.org/portfolio-items/el-transverberacion-de-santa-teresa/

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O freier Wille, welch Sklave deiner Freiheit bist du doch

(zum morgigen Festtag der heiligen Teresa von Jesus)

Wie armselig ist die Weisheit der Sterblichen und wie unsicher ihre Vorsorge! Gebe doch, Herr, Deine Vorsehung meiner Seele, wessen sie bedarf, um mehr Deinen Wünschen als ihren eigenen zu dienen. Straf mich nicht, indem Du mir gibst, was ich will und wünsche, wenn es Deiner Liebe, die immer in mir leben möge, nicht entspricht. Möge doch dieses mein Ich sterben, auf daß ein neues, größeres und besseres in mir lebe, dem mein kleines Ich zu dienen vermag: Dieses große Ich lebe in mir und gebe mir Leben. Es herrsche, und ich sei seine Gefangene, denn meine Seele will keine Freiheit mehr. Wie wäre denn frei, wer sich vom höchsten Gut entfernte? Gibt es denn für die Seele eine elendere Gefangenschaft, als wenn sie sich aus der Hand des Herrn löste? Glücklich, die sich durch starke Gitter und Ketten des göttlichen Erbarmens gefangen sehen und sich nicht daraus befreien können. Stark wie der Tod ist die Liebe und hart wie die Hölle. O hätten mich doch die Hände Deiner Liebe schon getötet und in diese göttliche Hölle geworfen, aus der es keinen Ausgang geben möge, oder besser gesagt, daß man nicht mehr fürchten müsse, sie zu verlassen! Denn, ach mein Herr, so lange dieses irdische Leben dauert, besteht auch die Gefahr, daß wir das ewige verlieren!

Wenn ich es recht überdenke, ach Du mein Herr, so ist meine Verbannung lang. Kurz aber ist die Zeit, die uns gegeben wurde, um uns Ewigkeit zu erwirken. Lang ist ein einziger Tag, eine einzige Stunde für den, der fürchtet, Dich beleidigt zu haben. O freier Wille, welch Sklave deiner Freiheit bist du doch, solange dich nicht Furcht und Liebe an den Schöpfer binden. Wann werde ich ihn sehen, den glückseligen Tag, da du verschlungen bist vom unendlichen Meer der höchsten Wahrheit! Da du nicht mehr frei bist zu sündigen, noch frei sein möchtest, weil du, vor allem Elend sicher, ganz eingingst in das Leben deines Gottes.

(Teresa von Avila,
vgl. Erika Lorenz: Ich bin ein Weib und obendrein kein gutes)

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Sieben Gedanken …

der heiligen Teresa von Jesus,
deren Gedenktag am 15. Oktober begangen wurde:

1 – Es ist erschütternd, wenn jemand behauptet,
alles zu wissen und sich noch für bescheiden hält.

2 – Wie schnell sind wir bereit, Gott zu beleidigen,
und wie viel schneller ist er bereit, uns zu verzeihen.

3 – Wem Gott keine körperlichen Kräfte schenkt,
der bedarf ihrer auch nicht.
Der Herr ist zufrieden,
wenn jeder von dem gibt,
was er hat.

4 – Solange jemand allein lebt, kann er sich leicht für heilig halten;
erst in der Gemeinschaft wird er spüren,
ob er wirklich demütig und geduldig ist.

5 – Es kommt vor allem darauf an, entschlossen zu beginnen.
Wer entschlossen beginnt,
hat schon einen guten Teil des Weges hinter sich.

6 – Stört dich ein Fehler eines andern,
so übe an dir selbst
das entgegengesetzte Gute.
Denn Beispiel wirkt mehr als Worte.

7 – Es kommt nicht darauf an, viel zu denken,
sondern viel zu lieben.
Darum tut, was in euch am meisten Liebe weckt.

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Heilige Teresa von Jesus – 15. Oktober

Papst Benedikt XVI. spricht über die heilige Teresa von Jesus
bei der GENERALAUDIENZ am 2. Februar 2011:

Sie wird 1515 in Ávila in Spanien geboren, mit dem Namen Theresia de Ahumada. In ihrer Autobiographie erwähnt sie selbst einige Einzelheiten aus ihrer Kindheit: Von »tugendhaften und gottesfürchtigen Eltern« wird sie in eine kinderreiche Familie hineingeboren; es waren neun Brüder und drei Schwestern. Schon als Kind – sie ist noch keine neun Jahre alt – liest sie die Lebensbeschreibungen einiger Märtyrer, die in ihr den Wunsch nach dem Martyrium wecken. Sie läuft sogar kurz von zu Hause weg, um als Märtyrerin zu sterben und in den Himmel einzugehen (vgl. Das Buch meines Lebens 1,4): »Ich will Gott schauen«, sagt die Kleine zu ihren Eltern. Einige Jahre später wird Theresia über ihre Kindheitslektüre sagen, daß sie darin die Wahrheit gefunden hat, die sie in zwei grundlegenden Prinzipien zusammenfaßt: auf der einen Seite »die Tatsache, daß alle Dinge dieser Welt vergehen«, und auf der anderen Seite, daß nur Gott allein »für immer, für immer« ist. Dieses Thema kehrt wieder in ihren berühmten Versen: »Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken! Alles geht vorüber: Gott, er bleibt derselbe. Geduld erreicht alles. Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.« Als sie mit zwölf Jahren ihre Mutter verliert, bittet sie die allerseligste Jungfrau Maria, ihre Mutter zu sein (vgl. Das Buch meines Lebens 1,7).

In der Jugend hatte die Lektüre profaner Bücher sie zu den Ablenkungen eines weltlichen Lebens geführt, aber die Erfahrung als Schülerin der Augustinerinnen von »Nuestra Señora de Gracia« in Ávila und der Umgang mit geistlichen Büchern, vor allem Klassikern der franziskanischen Spiritualität, lehren sie die Sammlung und das Gebet. Mit 20 Jahren tritt sie, ebenfalls in Ávila, in das Karmelitinnenkloster der Menschwerdung ein; im Ordensleben nimmt sie den Namen Theresia von Jesus an. Drei Jahre später wird sie so schwer krank, daß sie für vier Tage ins Koma fällt und scheinbar tot ist (vgl. Das Buch meines Lebens 5,9). Auch der Kampf gegen ihre Krankheiten ist für die Heilige ein Kampf gegen die Schwächen und die Widerstände gegen den Ruf Gottes. Sie schreibt: »Ich sehnte mich danach zu leben, denn ich verstand sehr wohl, daß ich nicht eigentlich lebte, sondern mit einem Schatten des Todes rang, aber es gab niemanden, der mir Leben gab, selbst geben konnte ich es mir aber auch nicht; der es mir aber geben konnte, hatte Recht, mir nicht zu Hilfe zu kommen, denn viele Male hatte er mich wieder an sich gezogen, während ich ihn im Stich gelassen habe« (Das Buch meines Lebens 8,12). 1543 verliert sie die Nähe ihrer Angehörigen: Der Vater stirbt, und all ihre Brüder wandern einer nach dem anderen nach Amerika aus. In der Fastenzeit des Jahres 1554 erreicht Theresia mit 39 Jahren den Höhepunkt des Kampfes gegen ihre Schwächen. Die zufällige Entdeckung des Bildes »eines ganz mit Wunden bedeckten Christus« zeichnet ihr Leben zutiefst (vgl. Das Buch meines Lebens 9). Die Heilige, die zu jener Zeit in tiefem Einklang mit dem Augustinus der Bekenntnisse steht, beschreibt den entscheidenden Tag ihrer mystischen Erfahrung so: »Es widerfuhr mir …, daß mich ganz unverhofft ein Gefühl der Gegenwart Gottes überkam, so daß ich in keiner Weise bezweifeln konnte, daß er in meinem Innern weilte oder ich ganz in ihm versenkt war« (Das Buch meines Lebens 10,1).

Mit dem Heranreifen ihrer Innerlichkeit beginnt die Heilige, das Ideal der Reform des Karmelordens konkret zu entwickeln: 1562 gründet sie in Ávila mit Unterstützung des Bischofs der Stadt, Alvaro de Mendoza, den ersten reformierten Karmel, und wenig später erhält sie auch die Approbation des Generaloberen des Ordens, Giovanni Battista Rossi. In den folgenden Jahren gründet sie weitere neue Karmelklöster, insgesamt 17. Grundlegend ist die Begegnung mit dem hl. Johannes vom Kreuz, mit dem sie 1568 in Duruelo bei Ávila das erste Kloster der Unbeschuhten Karmeliten gründet. 1580 erhält sie von Rom die Genehmigung zur Errichtung einer autonomen Provinz für ihre reformierten Karmelklöster: der Ausgangspunkt des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten. Theresia beendet ihr irdisches Leben inmitten ihrer Gründungstätigkeit: Nachdem sie 1582 den Karmel von Burgos errichtet hat und sich auf der Rückreise nach Ávila befindet, stirbt sie in der Nacht auf den 15. Oktober in Alba de Tormes, während sie demütig folgende Sätze wiederholt: »Letztlich sterbe ich als Tochter der Kirche « und »Mein Bräutigam, die Stunde ist gekommen, daß wir uns sehen«. Ihr Leben spielte sich innerhalb von Spanien ab, wurde aber für die ganze Kirche hingegeben. Sie wird 1614 von Papst Paul V. selig- und 1622 von Gregor XV. heiliggesprochen. Vom Diener Gottes Paul VI. wird sie 1970 zur Kirchenlehrerin erklärt.

Theresia von Jesus hatte keine akademische Ausbildung, aber sie hat sich die Lehre von Theologen, Literaten und geistlichen Lehrern stets zunutze gemacht. Als Schriftstellerin hat sie sich immer an das gehalten, was sie persönlich erlebt oder in der Erfahrung anderer gesehen hatte (vgl. Vorwort zum Weg der Vollkommenheit); sie ging also von der Erfahrung aus. Theresia kann geistliche Freundschaften mit vielen Heiligen knüpfen, insbesondere mit dem hl. Johannes vom Kreuz. Gleichzeitig zieht sie Nahrung aus der Lektüre der Kirchenväter: aus dem hl. Hieronymus, dem hl. Gregor dem Großen, dem hl. Augustinus. Zu ihren größten Werken gehört vor allem ihre Autobiographie mit dem Titel Das Buch meines Lebens; sie nennt sie Von den Erbarmungen Gottes. Sie wurde 1565 im Karmel von Ávila verfaßt und berichtet über den biographischen und geistlichen Weg, der niedergeschrieben wurde, um – wie Theresia selbst sagt – ihre Seele der Begutachtung durch den »Meister der geistlichen Menschen «, den hl. Johannes von Ávila, zu unterziehen. Ziel ist es, die Gegenwart und das Wirken des barmherzigen Gottes in ihrem Leben hervorzuheben; daher gibt das Werk oft den Gebetsdialog mit dem Herrn wieder.

Es ist eine faszinierende Lektüre, denn die Heilige erzählt nicht nur, sondern sie zeigt, daß sie die tiefe Erfahrung ihrer Beziehung zu Gott noch einmal durchlebt. 1566 schreibt Theresia den Weg der Vollkommenheit; sie nennt ihn »Anweisungen und Ratschläge, die Theresia von Jesus ihren Töchtern, den Ordensschwestern, gibt«. Empfängerinnen sind die zwölf Novizinnen des Karmel »San José« in Ávila. Ihnen bietet Theresia ein tiefgreifendes Programm des kontemplativen Lebens im Dienst der Kirche, dessen Grundlage die evangelischen Tugenden und das Gebet sind. Einer der wertvollsten Abschnitte ist der Kommentar zum »Vaterunser«, dem Vorbild für das Gebet. Das berühmteste mystische Werk der hl. Theresia ist die Innere Burg, das sie 1577 schrieb, in voller Reife. Es ist eine neue Auslegung ihres geistlichen Weges und gleichzeitig eine Kodifizierung des möglichen Ablaufs des christlichen Lebens auf seine Fülle, die Heiligkeit, hin, unter dem Wirken des Heiligen Geistes. Theresia greift dabei zurück auf die Struktur einer Burg mit sieben Wohnungen als Bild der Innerlichkeit des Menschen und führt gleichzeitig das Symbol der Seidenraupe ein, die als Schmetterling neu geboren wird, um den Übergang vom Natürlichen zum Übernatürlichen zum Ausdruck zu bringen. Inspiriert durch die Heilige Schrift, besonders durch das Hohelied, gelangt die Heilige am Ende zum Symbol der beiden »Brautleute«, mit dem sie in der siebten Wohnung den Höhepunkt des christlichen Lebens unter seinen vier Aspekten beschreiben kann: dem dreifaltigen, dem christologischen, dem anthropologischen und dem kirchlichen Aspekt. Ihrer Tätigkeit als Gründerin der reformierten Karmelklöster widmet Theresia Das Buch der Gründungen, das zwischen 1573 und 1582 entstanden ist und in dem sie über das Leben der entstehenden Ordensgemeinschaft spricht. Wie bei der Autobiographie soll der Bericht vor allem das Wirken Gottes beim Werk der Gründung der neuen Klöster hervorheben.

Es ist nicht leicht, die tiefe und vielschichtige Theresianische Spiritualität in wenigen Worten zusammenzufassen. Erstens verweist die hl. Theresia auf die evangelischen Tugenden als Grundlage des ganzen christlichen und menschlichen Lebens: insbesondere die Abkehr von den Gütern oder die evangelische Armut, und das betrifft uns alle; die Liebe zueinander als wesentliches Element des Gemeinschaftslebens und des gesellschaftlichen Lebens; die Demut als Liebe zur Wahrheit; die Entschlossenheit als Frucht des christlichen Wagemuts; die theologische Hoffnung, die sie als Durst nach dem lebendigen Wasser beschreibt. Sie vergißt darüber jedoch nicht die menschlichen Tugenden: Freundlichkeit, Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit, Höflichkeit, Fröhlichkeit, Bildung. Zweitens verweist Theresia auf eine tiefe Übereinstimmung mit den großen biblischen Gestalten und das aufrichtige Hören auf das Wort Gottes. Sie fühlt sich im Einklang vor allem mit der Braut des Hohenlieds und mit dem Apostel Paulus sowie mit dem leidenden Christus und dem eucharistischen Jesus. Die Heilige hebt außerdem hervor, wie wesentlich das Gebet ist. Sie sagt: Beten ist »nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, daß er uns liebt« (Das Buch meines Lebens 8,5). Die Idee der hl. Theresia stimmt mit der Definition der theologischen Liebe durch den hl. Thomas von Aquin als »amicitia quaedam hominis ad Deum« überein: eine Art Freundschaft des Menschen mit Gott, der dem Menschen als erster seine Freundschaft angeboten hat; die Initiative geht von Gott aus (vgl. Summa theologiae II-II,23,1). Das Gebet ist Leben, und es entwickelt sich nach und nach zusammen mit dem Wachstum des christlichen Lebens: vom gesprochenen Gebet über die Verinnerlichung durch Betrachtung und Sammlung bis hin zur liebenden Vereinigung mit Christus und mit der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Natürlich handelt es sich nicht um eine Entwicklung, bei der man beim Aufstieg zu den höheren Stufen die vorhergehende Art des Gebets zurückläßt, sondern vielmehr wird die Beziehung zu Gott, die das ganze Leben umfaßt, nach und nach vertieft. Bei Theresia handelt es sich nicht so sehr um eine Unterweisung im Gebet als vielmehr um eine »Mystagogik«: Sie lehrt den Leser ihrer Werke beten, indem sie selbst mit ihm betet; häufig unterbricht sie den Bericht oder die Darlegung, um ein Gebet hervorzubringen. Ein weiteres Thema, das der Heiligen am Herzen lag, ist die Zentralität der Menschheit Christi.

Für Theresia ist das christliche Leben eine persönliche Beziehung zu Jesus, das seinen Höhepunkt in der Vereinigung mit ihm aus Gnade, aus Liebe und in der Nachahmung findet. Daher mißt sie der Betrachtung des Leidens große Bedeutung bei, ebenso wie der Eucharistie als Gegenwart Christi in der Kirche, durch das Leben eines jeden Gläubigen und als Herzstück der Liturgie. Die hl. Theresia lebt eine bedingungslose Liebe zur Kirche: Sie offenbart einen aufrichtigen »sensus Ecclesiae« angesichts der Spaltungen und Konflikte in der Kirche ihrer Zeit. Sie reformiert den Karmelorden in der Absicht, der »heiligen römisch-katholischen Kirche« besser zu dienen und sie besser zu verteidigen, und ist bereit, ihr Leben für sie hinzugeben (vgl. Das Buch meines Lebens 33,5). Ein letzter wesentlicher Aspekt der Theresianischen Lehre, den ich hervorheben möchte, ist die Vollkommenheit als Bestreben und Endziel des gesamten christlichen Lebens. Die Heilige hat eine sehr klare Vorstellung von der »Fülle« Christi, die der Christ aufs neue lebt. Am Ende des Weges der Inneren Burg, in der letzten »Wohnung«, beschreibt Theresia diese Fülle, verwirklicht in der Einwohnung der Dreifaltigkeit, in der Vereinigung mit Christus durch das Geheimnis seiner Menschheit.

Liebe Brüder und Schwestern, die hl. Theresia von Jesus ist eine wahre Lehrerin des christlichen Lebens für die Gläubigen jeder Zeit. In unserer Gesellschaft, in der es oft an geistlichen Werten mangelt, lehrt uns die hl. Theresia, unermüdliche Zeugen Gottes, seiner Gegenwart und seines Wirkens zu sein; sie lehrt uns, wirklich diesen Durst nach Gott zu spüren, der in der Tiefe unseres Herzens vorhanden ist, dieses Verlangen, Gott zu schauen, Gott zu suchen, mit ihm im Gespräch zu stehen und seine Freunde zu sein. Das ist die Freundschaft, die wir alle brauchen und nach der wir jeden Tag aufs neue suchen müssen.

Das Vorbild dieser Heiligen, die zutiefst kontemplativ war und tatkräftig ans Werk ging, möge auch uns anspornen, jeden Tag die rechte Zeit dem Gebet , der Öffnung gegenüber Gott und diesem Weg zu widmen, um Gott zu suchen, ihn zu schauen und seine Freundschaft und somit das wahre Leben zu finden. Denn in Wirklichkeit müßten viele von uns sagen: »Ich lebe nicht, ich lebe gar nicht wirklich, denn ich lebe nicht das Eigentliche meines Lebens.« Die Zeit des Gebets ist daher keine verlorene Zeit, sondern eine Zeit, in der sich der Weg des Lebens öffnet, in der sich der Weg öffnet, um von Gott eine glühende Liebe zu ihm, zu seiner Kirche und eine konkrete Liebe zu unseren Brüdern zu lernen. Danke.

Quelle

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O meine Seele

O meine Seele
betrachte doch die große Wonne
und die große Liebe
des Vaters in der Erkenntnis Seines Sohnes
und des Sohnes in der Erkenntnis Seines Vaters
und betrachte die flammende Liebe,
in der Sich der Heilige Geist mit Ihnen vereint.

Betrachte, wie keine dieser drei Personen
von dieser Erkenntnis und Liebe
Sich ausschließen kann,
weil Sie ja ein Wesen sind!
Diese göttlichen Personen erkennen und lieben Sich
und haben Ihre Wonne aneinander.

Wie kannst Du, mein Gott,
da noch meiner Liebe bedürfen?
Wozu willst Du sie,
oder was hast Du von ihr?
Sei gepriesen, mein Gott,
sei gepriesen in Ewigkeit!
Lobpreisen sollen Dich, o Herr,
alle Geschöpfe ohne Ende,
denn bei Dir kann es kein Ende geben!

Freue dich, meine Seele,
dass es eine Liebe gibt,
die deinen Gott so liebt, wie Er es verdient!
Freue dich, dass es eine Erkenntnis gibt,
die Seine Güte
und Seinen unendlichen Wert erkennt!

Sage Ihm Dank,
dass Er uns auf Erden Einen gegeben hat,
der Ihn so erkennt;
das ist der eingeborene Sohn des Vaters.

Unter diesem Schutz
kannst du zu Ihm gelangen und Ihn bitten,
es möchten alle Dinge dieser Erde,
da Seine Majestät bei dir Ihre Wonne findet,
nicht imstande sein,
dich der Wonne an deinem Gott zu berauben
und zu verhindern,
deiner Größe dich zu erfreuen und zu frohlocken,
dass Er so sehr gelobt
und gepriesen zu werden verdient.

Da kannst du Ihn bitten, Er wolle dir beistehen,
dass auch du etwas beitragest
zum Lobpreis Seines Namens
und in Wahrheit sagen könntest:

Meine Seele
lobpreist den Herrn, den dreifaltigen Gott!

(Teresa von Avila)

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Schlaft nicht!

Teresa von Avila im Interview (4/4)

Eines Deiner vielen Gedichte heißt „Schlaft nicht“. Du willst keine mittelmäßigen Christen, sondern heilige Helden; keine frömmelnde Zwerge, sondern in der Tugend bewährte Riesen…Warum?

„Gott will die Erde, kein Feigling sei unter euch; wagen wir das Leben, denn der wird es sich am besten bewahren, der es verloren gibt. Christus ist unser Feldherr und der Lohn dieses Krieges. Schlaft nicht, schlaft nicht, denn es gibt keinen Frieden auf Erden.

Wie kann unser normales, christliches Leben zu einem heldenhaften werden?

Richtet eure Augen auf den Gekreuzigten, und alles wird euch leicht werden. Wenn der Herr uns seine Liebe erwiesen hat in solch ungeheuren Werken und Qualen – wie wollt ihr ihn da allein mit Worten zufriedenstellen? Wisst ihr, was es heißt, wahrhaft geistlich zu leben? Allein mit Gebet und Beschauung könnt ihr euer Fundament nicht legen. Wenn ihr nicht nach Tugenden trachtet und euch nicht tätig darin übt, werdet ihr immer Zwerge bleiben.

Würdest Du noch einmal auf Erden leben, was würdest Du anders machen?

„Sicher hast Du schon manche Gebetsbücher gesehen, in denen der Seele geraten wird, in sich selbst einzutreten. Nun, genau darum geht es. Denn nach meinem besten Verständnis ist das Gebet das Eingangstor zu diesem Schloss. Hätte ich früher erkannt, dass der winzige Palast meiner Seele einen so großen König beherbergt, dann hätte ich ihn nicht so häufig allein gelassen.

(Monsignore Florian Kolfhaus „Interview mit einer Heiligen: Teresa von Avila in ihren eigenen Worten“ – gefunden bei catholicnewsagency -)

 

Sei gerne beim Herrn!

Teresa von Avila im Interview (3/4)

Hast Du einen einfachen Tipp, wie wir besser an der heiligen Messe teilnehmen können?

„Wenn ihr gerade den Herrn empfangen und ihn in eigener Person in euch habt, dann versucht, die Augen des Leibes zu schließen, die der Seele zu öffnen und in euer Herz zu blicken! Bleibt nur gerne bei ihm! Versäumt eine so gute Gelegenheit wie die Stunde nach der heiligen Kommunion nicht, um euch mit ihm auszutauschen.“

(Monsignore Florian Kolfhaus „Interview mit einer Heiligen: Teresa von Avila in ihren eigenen Worten“ – gefunden bei catholicnewsagency -)

 

Der Orden der Karmeliten

Teresa von Avila im Interview (2/4)

Du hast den Orden der Karmeliten reformiert, zu seiner alten und strengeren Ordnung zurückgeführt, obwohl Du gegen gewaltige Widerstände innerhalb und außerhalb der Kirche zu kämpfen hattest. Wieso hast Du angesichts so vieler Gegner nicht aufgegeben?

„Gott und ich, wir zusammen sind immer die Mehrheit.“

„Alles geht vorüber. Gott allein bleibt derselbe. Wer Gott hat, der hat alles. Gott allein genügt.“

Waren Deine Reformideen nicht zu radikal und gerade mit Blick auf Gebet und Bußwerke viel zu schwer für die meisten, die sich Dir anschließen wollten?

Es ist eine wichtige Angelegenheit, dass die Seelen von Anfang an mit dem Entschluss hineingehen, einzig Christus beim Kreuztragen zu helfen. Wie groß euch die Prüfungen auch vorkommen und wie schmerzlich sie für euch sein mögen: Ihr werdet Trost finden, wenn ihr erkennt, wie lächerlich klein sie im Vergleich zu denen sind, die der Herr erduldet hat.

Warum wolltest Du mit anderen Ordensschwestern hinter „Klausurgittern“ leben anstatt in der Welt zu wirken? Warum so viele Regeln, über die man täglich stolpert; warum nicht mehr Freiheit in „weltlichen Dingen“?

Die wahre Abhilfe, um nicht zu fallen, besteht darin, dass wir uns ans Kreuz klammern und auf den vertrauen, der daran hing. Ihn empfinde ich als wahren Freund, so dass mir scheint, als könnte ich der ganzen Welt, die sich mir entgegenstellt, widerstehen, sofern mir nur Gott nicht fehlt. Wer von diesem Wasser trinkt, wird nicht mehr nach den Dingen des Lebens dürsten. Der Durst nach den Dingen des anderen Lebens wird viel stärker als wir es uns durch den natürlichen Durst vorstellen können. Wie brennend ist das Verlangen nach diesem Durst. Denn die Seele erkennt seinen großen Wert. Die größte Gnade, die Gott der Seele erweisen kann, wenn er ihren Durst stillt, ist daher, sie weiterhin dürsten zu lassen. So verlangt sie immer mehr danach, von diesem Wasser zu trinken“.

(Monsignore Florian Kolfhaus „Interview mit einer Heiligen: Teresa von Avila in ihren eigenen Worten“ – gefunden bei catholicnewsagency -)