„pro petitione lacrimarum“ – Bitte um die Gabe der Tränen

Das Missale Romanum hat ein Gebet „pro petitione lacrimarum“ bewahrt:

Omnipotens et mitissime Deus, qui sitienti populo fontem viventis aquae de petra produxisti: educ de cordis nostril duritia lacrimas compunctionis; ut peccata nostra plangere valeamus, remissionemque eorum, te miserante mereamur accipere.

„Allmächtiger und mildester Gott,
Du ließest dem dürstenden Volke
den Quell lebendigen Wassers
aus dem Felsen entspringen;
entlocke unserem steinharten Herzen
die Tränen der Zerknirschung:
lass uns unsere Sünden beweinen
und so durch Dein Erbarmen
Verzeihung für sie erlangen.“

Der allmächtige Gott, der zugleich voll der Süßigkeit ist, ließ die Quelle des lebendigen Wassers für das ausgedürstete Volk hervorsprudeln. Die mit den Gütern der Welt gesättigt sind, können von ihr nicht trinken. Sie bietet sich nur denen dar, deren steinernes Herz durch die göttliche Zuchtrute erweicht worden ist. Ohne die Tränen der Zerknirschung kann das fleischerne Herz, das Gott von uns erwartet, in uns nicht geschaffen werden. Wer aber über seine Sünden Tränen vergießt, dem schenkt Gott Verzeihung; denn solche Tränen zu vergießen ist bereits die erste Gabe.

(Aus: Louis Bouyer, Vom Geist des Mönchtums, Otto Müller Verlag 1958)

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Wie ich den überlieferten Ritus wiederentdeckt habe und Zeugnis gebe.

Ihr, die ihr euch erlaubt, die apostolische Heilige Messe zu verbieten, habt ihr sie jemals zelebriert? Ihr, die ihr von euren hohen liturgischen Lehrstühlen aus scharfe Urteile über die „alte Messe“ sprecht, habt ihr jemals über ihre Gebete, ihre Riten, ihre uralten und heiligen Gesten nachgedacht? …

Ich hatte diese Messe vergessen, die auch die meiner Priesterweihe am 24. März 1968 war: eine Zeit, in der man bereits die Zeichen der Revolution spüren konnte, die die Kirche bald ihres wertvollsten Schatzes berauben würde, um einen gefälschten Ritus einzuführen. …

Wir wollten glauben, daß der wirtschaftliche Wohlstand irgendwie mit einer moralischen und religiösen Wiedergeburt des Landes einhergehen könnte. Trotz 68, der Besetzungen, des Terrorismus, der Roten Brigaden, der Nahostkrise. Inmitten von Tausenden von kirchlichen und diplomatischen Verpflichtungen hatte sich in meinem Gedächtnis aber die Erinnerung an etwas herauskristallisiert, das eigentlich ungelöst geblieben war und jahrzehntelang „vorübergehend“ beiseitegelegt wurde. Etwas, das geduldig wartete, mit der Nachsicht, die nur Gott uns entgegenbringt. …

Und was ich bis dahin nicht verstanden hatte, wurde mir durch einen scheinbar unerwarteten Umstand klar, als meine persönliche Sicherheit in Gefahr zu sein schien und ich mich trotz allem gezwungen sah, fast im Untergrund zu leben, weit weg von den Palästen der Kurie.

Damals führte mich diese gesegnete Absonderung, die ich heute als eine Art mönchische Entscheidung betrachte, zur Wiederentdeckung der heiligen tridentinischen Messe. …

Lesen Sie den ganzen Brief von Erzbischof Carlo Maria Viganò,
das beste, was ich von ihm kenne:

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Papst Franziskus sucht im Plattenladen nach alten gregorianischen Gesängen

Papst Franziskus hat am Dienstagabend den 11. Januar 2022 persönlich einen Musikshop im Zentrum von Rom aufgesucht. Den Plattenladen in der Nähe des Pantheons kannte er bereits als Erzbischof, als er hier öfter vorbeischaute. Laut Vatican News traf der Heilige Vater gegen 19 Uhr Ortszeit ein, um das neu renovierte Haus zu segnen. Er sprach mit Letizia, der älteren Ladenbesitzerin, ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn.

GLOSSE – Der Papst erkundigte sich nach gregorianischen Gesängen. Insbesondere interessierte er sich für die neue CD des Priesterseminars der Petrusbruderschaft in Wigratzbad: „Sancta Nox“. Ebenso hat er sein Interesse an der CD „Requiem“ bekundet, die vom Priesterseminar der FSSP in Denton produziert wurde. Offenbar hatte er, als er sich daraus das „Diae irae“ anhörte großen Gefallen daran, – wie das Foto vermuten läßt:

Der Tochter der Ladenbesitzerin vertraute Papst Franziskus an, dass ihm in Santa Marta traditionelle geistliche Gesänge verweigert würden. Auch bedauerte er, dass die Kardinäle und Bischöfe mit denen er zu tun habe, ihn immer wieder dazu drängten, seine Vorliebe für traditionelle Liturgie, für die Gregorianik und überhaupt für die katholische Tradition, verborgen zu halten.

Zum Abschied schenkte sie ihm eine Schallplatte. Dass es sich dabei um eine alte Single mit Aufnahmen aus dem Jahr 1958 aus Maria Laach handelt, ist bisher ein Gerücht.

Ein Video vom Papstbesuch im Plattenladen:
https://www.youtube.com/watch?v=HL6Pl_hs83s&t=20s

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Gebetsmeinung oder Heuchelei in Vollendung

Gemessen an dem was Papst Franziskus entscheidet – z. B. mit „Traditionis custodes“ und den dazu gehörigen Ausführungsbestimmungen „Responsa ad dubia“ – und dann als „Gebetsmeinung des Papstes für Januar 2022″ ausgibt, kann man sich nur wundern. Manche meinen auch, dies sei Heuchelei in Vollendung.

„Wir beten für alle,
die unter religiöser Diskriminierung
und Verfolgung leiden;
ihre persönlichen Rechte mögen anerkannt
und ihre Würde geachtet werden,
weil wir alle Schwestern und Brüder
einer einzigen Familie sind.“

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Oratio : Vigil von Weihnanchten

Deus, qui nos redemptionis nostræ annua exspectatione lætificas:
præsta; ut Unigenitum tuum, quem Redemptorem læti suscipimus,
venientem quoque Judicem securi videamus,
Dominum nostrum Jesum Christum, Filium tuum:
Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus:
per omnia sæcula sæculorum. Amen.

Gott, Du erfreust uns alljährlich durch die Erwartung unsrer Erlösung;
so gib denn, daß wir Deinen Eingeborenen,
den wir freudig als Erlöser aufnehmen,
einstens auch als Richter mit Zuversicht kommen sehen,
unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn,
der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes,
Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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Rorate – Die Engelmesse

Die Messe vom vierten Adventssonntag, welche ihren Namen nach der Antiphon des Introitus-Gesanges „Rorate“, ist die eigentliche „Roratemesse“.

Als Roratemessen werden aber auch die Messen bezeichnet, die im Advent zu Ehren der Muttergottes frühmorgens vor Sonnenaufgang, manchmal auch am Abend, bei Kerzenschein gefeiert werden.

Der Text des Introitus lautet:

Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum: aperiatur terra, et germinet Salvatorem.
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Tauet Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor.

Es handelt sich hier um einen Vers aus dem alttestamentlichen Buch Isaias (Is. 45,8).

Er verweist auf die zukünftige Menschwerdung. Die Erde, die sich öffnet, ist das Bild für die Gottesmutter:

„Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben:
Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn
und wird ihm den Namen Immanuel geben.“

Die Muttergottesmesse im Advent ist eine Votivmesse zu Ehren der Gottesmutter, die einen besonderen Platz in der Liturgie hat. Traditionell wurde sie an den Samstagen der Adventszeit gefeiert. Beim Volk aber war sie so beliebt, dass sie vielerorts auch an anderen Tagen der Woche zelebriert wurde.

Der Ursprung der Roratemessen reicht weit zurück. Vermutlich wurden schon kurz nach der Ausbildung der Adventsliturgie die ersten Rorate-Ämter gefeiert. Die Grundlage für die Feier dieser Messe ist das Dogma „Maria als Gottesgebärerin“ aus dem Jahre 451.

Wegen des Evangeliums von der Verkündigung des Herrn durch den Erzengel Gabriel an Maria bezeichnete man die Roratemesse (vor allem in den Alpenländern) als Engelamt.

In den Niederlanden und in Belgien wird die Roratemesse ausschließlich am Mittwoch in der dritten Adventswoche, am Quatembermittwoch, gefeiert. In diesen Ländern trägt sie den Namen „Goldene Messe“ oder „Gulden Mis“. Dem Besuch dieser Messe wird ein besonderer Wert beigemessen, worauf das Wort Gulden (dem ehemaligen Zahlungsmittel) hinweist. Der Volksglaube geht davon aus, dass man bei allen Bitten, die man in dieser Messe an Maria richtet, immer erhört wird. In der Vergangenheit übte die Goldene Messe eine besondere Anziehungskraft auf Menschen in Not oder auf Menschen, deren Angehörige auf See waren, aus. Aus diesem Grund wurde die Messe auch „Messe der Seeleute“ genannt.

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Rorate caeli desuper

(außerliturgischer adventlicher Wechselgesangklicken und hören)

Rorate caeli desuper,
et nubes pluant justum.

Ne irascaris Domine,
ne ultra memineris iniquitatis:
ecce civitas Sancti facta est deserta:
Sion deserta facta est:
Jerusalem desolata est:
domus sanctificationis tuae et gloriae tuae,
ubi laudaverunt te patres nostri.

Peccavimus, et facti sumus tamquam immundi nos,
et cecidimus quasi folium universi:
et iniquitates nostrae quasi ventus abstulerunt nos:
abscondisti faciem tuam a nobis,
et allisisti nos in manu iniquitatis nostrae.

abscondisti faciem tuam a nobis,
et allisisti nos in manu iniquitatis nostrae.

Rorate caeli desuper,
et nubes pluant justum.

Vide Domine afflictionem populi tui,
et mitte quem missurus es:
emitte Agnum dominatorem terrae,
de Petra deserti ad montem filiae Sion:
ut auferat ipse jugum captivitatis nostrae

Rorate caeli desuper,
et nubes pluant justum.

Consolamini, consolamini, popule meus:[9]
cito veniet salus tua:
quare maerore consumeris,
quia innovavit te dolor?
Salvabo te, noli timere,
ego enim sum Dominus Deus tuus,
Sanctus Israël, Redemptor tuus

Rorate caeli desuper,
et nubes pluant justum.

Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.

Zürne nicht länger, Herr,
nicht länger gedenke unserer Missetaten.
Siehe, die Heilige Stadt ist zur Wüste geworden,
Zion ist zur Wüste geworden.
Jerusalem ist verödet,
das Haus deiner Heiligung und deiner Herrlichkeit,
wo dich gepriesen haben unsere Väter.

Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.

Wir haben gesündigt und sind unrein geworden
und sind gefallen wie ein Blatt,
und unsere Missetaten haben uns wie der Wind fortgetragen.
du hast dein Antlitz verborgen vor uns
und uns zerschmettert durch die Wucht unserer Schuld.

Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.

Sieh an, Herr, die Betrübnis deines Volkes,
und sende, den du senden willst.
Sende aus das Lamm, den Beherrscher der Erde,
vom Felsen der Wüste zum Berg der Tochter Zion,
dass es hinwegnehme das Joch unserer Knechtschaft

Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.

Tröstet, tröstet, mein Volk!
Bald wird kommen dein Heil.
Warum verzehrst du dich in Trauer,
weil sich erneuert hat dein Schmerz?
Ich werde dich retten, fürchte dich nicht.
Denn ich bin der Herr, dein Gott,
der Heilige Israels, dein Erlöser.

Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.

Alma Redemptoris Mater – Marianische Antiphon im Advent

Alma Redemptoris Mater,
quae pervia caeli Porta manes
et stella maris,
succurre cadenti,
Surgere qui curat populo;
tu quae genuisti,
Natura mirante,
tuum sanctum Genitorem.
Virgo prius ac posterius,
Gabrielis ab ore
Sumens illud Ave,
peccatorum miserere.

Erhabne Mutter des Erlösers,
du allzeit offene Pforte des Himmels
und Stern des Meeres,
komm, hilf deinem Volke,
das sich müht, vom Falle aufzustehn.
Du hast geboren,
der Natur zum Staunen,
deinen heiligen Schöpfer.
die du, Jungfrau davor und danach,
aus Gabriels Mund
vernahmst das selige Ave,
o erbarme dich der Sünder.

Die auf Dich warten: werden nicht enttäuscht!

Ad te levavi animam meam:
Deus meus, in te confido,
non erubescam:
neque irrideant me inimici mei:
etenim universi, qui te exspectant,
non confundentur.

Zu Dir erhebe ich meine Seele;
mein Gott, auf Dich vertraue ich.
Drob werd ich nicht erröten,
noch sollen meine Feinde mich verlachen.
Denn all die vielen, die auf Dich warten,
werden nicht enttäuscht.

(Introitus 1. Advent
Ps 24,1-3)

Ad te levavi animam meam

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