Zuerst wurden die Kreuzzeichen gestrichen

Schon während des 2. Vatikanischen Konzils, unmittelbar nach der Verabschiedung der Konstitution über die heilige Liturgie SACROSANCTUM CONCILIUM (SC) wurden in Pfarrkirchen und Klosterkirchen die ersten Veränderungen eingeführt. Es waren nicht nur etwa ein Teil der Gebete, die die Ministranten zu verrichten hatten, die wegfielen, ohne dass dies ein Kirchenbesucher gemerkt haben müsste. Ein weiterer Handstreich, den die Gläubigen nicht mitbekamen, geschah im Missale des Priesters auf dem Altar. Tatsächlich wurden von den Priestern (!!!) buchstäblich im Handstreich, nämlich mit einem Schreibstift, die vorgeschriebenen Kreuzzeichen aus dem CANON der Heiligen Messe ausgestrichen, getilgt. Dabei berief man sich auf Art. 25 SC: „Die liturgischen Bücher sollen baldigst revidiert werden; dazu sollen aus den verschiedenen Gebieten des Erdkreises Fachleute herangezogen und Bischöfe befragt werden.

Nur ein kleiner Handstreich. – Missale Romanum.

(Tridentinisches Konzil, 22. Sitzung 17. Sept. 1532:
Die Lehre vom Opfer der Messe):

„4 . Kapitel: Vom Kanon der Heiligen Messe
Und da es sich geziemt, dass das Heilige heilig verwaltet werde und dieses unter allen das heiligste Opfer ist, so hat die Katholische Kirche, damit es würdig und ehrfurchtsvoll aufgeopfert und empfangen werde, vor vielen Jahrhunderten den heiligen Kanon eingeführt, von allen Irrtum so rein, dass nichts zu ihm enthalten ist, welches nicht ganz vorzüglich von Heiligkeit und Frömmigkeit duftend, die Gemüter der Opfernden zu Gott erhebe. Da ja derselbige sowohl aus Worten des Herrn selbst, als aus Überlieferungen der Apostel und auch aus frommem Einrichtungen heiliger Päpste besteht.“

(Quelle)

Da Heiliges heilig verwaltet werden soll und dieses Opfer das heiligste von allem ist, hat die katholische Kirche, damit es würdig und ehrfürchtig dargebracht und empfangen werde, vor vielen Jahrhunderten den heiligen Kanon eingeführt, der so von allem Irrtum rein ist, daß nichts in ihm enthalten ist, das nicht in höchstem Maße den Duft einer gewissen Heiligkeit und Frömmigkeit verströmen läßt und die Gemüter derer, die es darbringen, zu Gott emporrichtet…“ (DH 1745)

Knapp und scharf wird daraus im dazugehörigen Kanon – sozusagen dem „Kanon über den (römischen) Kanon“ – die Folgerung gezogen: „Wer sagt, der Kanon der Messe enthalte Irrtümer und sei deshalb abzuschaffen, der sei im Banne.“ (DH 1756)

(P. Bernward Deneke FSSP: Konzil von Trient und heilige Messe; in: Dominus Vobiscum, April 2014).

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Die Sonntagspredigt – Schon vor dem Konzil: Wirres Durcheinander von Wahrheiten, Halbwahrheiten und unzutreffenden Behauptungen

Sehr geehrter Herr Pastor!

Eben komme ich aus der heutigen 10 Uhr-Messe. Ich halte mich als Mitglied der Pfarre für verpflichtet, Ihnen folgendes zu schreiben:

Ihre Predigten sind gut, wenn Sie sie vorbereitet haben, schlecht, wenn das nicht der Fall ist. Leider kommt das häufig vor.

Die heutige Predigt war unerträglich, Sie war mit Ihren Pflichten als Geistlicher auf der Kanzel einfach unvereinbar; […]

Es war ein wirres Durcheinander von Wahrheiten – Halbwahrheiten – unzutreffenden Behauptungen. Sie war daher voll von Widersprüchen […]

Sie dürfen den zahlreichen Besuchern des Gottesdienstes nicht bieten. Das gilt gleichfalls, abgesehen von besonderen hohen Festtagen, von der seelenlosen Ausgestaltung des Gottesdienstes, schlechter Gesang, unbekannte Lieder, Fehlen einer der Würde und der Bedeutung der hl. Messe entsprechenden Ausschmückung des Altares und des Chores […].

Konrad Adenauer am 17. Juli 1960 an Pastor Lemmen in Rhöndorf.

(Quelle: Konrad Adenauer. Der Kanzler aus Rhöndorf. WBG 2018)

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Erste Begegnung mit der „alten Messe“

Es sind allem voran bestimmte Begegnungen, die unserem Leben Richtung und Prägung geben.

Begegnungen, die aus dem flüchtigen Grau-in-Grau des Alltags hervorstechen. Die ihr Zeichen tief in Seele und Herz drücken. Und die uns wie verwandelt entlassen. Rückblickend erkennen wir sie als Fügungen göttlicher Vorsehung; als Wege der Gnade hin zum Leben in Fülle.

Die bescheidene Begegnung, von der hier die Rede sein soll, ereignete sich vor über 3 Jahrzehnten in einer Kapelle. Deren Besonderheit liegt nicht in hohem Alter und bedeutenden Kunstschätzen, sondern darin, daß sie zur Versammlungsstätte jener Katholiken geworden ist, die die heilige Messe im „alten Ritus“ besuchen wollen.

Der Verfasser dieser Zeilen hatte eigentlich keine Veranlassung, sich in den Kreis solcher Außenseiter zu begeben. Selbst Ministrant in seiner Pfarrei und aktiv in deren Jugendgruppen, war er im „normalen“ kirchlichen Leben zuhause und vertraut mit der Form des Gottesdienstes, die er von Kindertagen an als einzige kennengelernt hatte. Warum etwas Neues, auch wenn es das Ältere wäre?

Aber einige Vorkommnisse, teils abschreckender, teils erfreulicher Art, trieben zur Suche an und drängten mit wachsender Eindeutigkeit auf den Pfad der Tradition. So erlebte er auf der einen Seite die offene In-Frage-Stellung von Glaubenswahrheiten im Religionsunterricht und Abstoßendes in der Jugendarbeit und in Jugendgottesdiensten, an deren Gestaltung er selbst Anteil hatte.

Auf der anderen Seite standen Begebenheiten, die neue Horizonte eröffneten: eine intensiv religiöse Wallfahrt, die Entdeckung und Pflege „altertümlicher Frömmigkeitsformen“ (besonders des Rosenkranzgebetes) sowie die Lektüre wahrhaft katholischen Schrifttums.

Zum ersten Mal wurde der Glaube hier in seiner erregenden Größe und Schönheit, in seinem bindenden und bannenden Anspruch erfahren. Schwindelerregend hoch und abgrundtief, erhaben und innig zugleich erschien die Lehre von der eucharistischen Gegenwart Jesu und von der unblutigen Vergegenwärtigung Seines Liebes- und Lebensopfers in der heiligen Messe.

Warum nur waren dem praktizierenden und engagierten Jugendlichen alle diese Wahrheiten so lange beinahe vollständig vorenthalten geblieben? Und wo fanden sie überhaupt einen angemessenen Ausdruck? Im gewohnten gottesdienstlichen Leben jedenfalls war davon wenig auszumachen. Trotz – oder vielmehr: wegen? – der vielgepriesenen „Verständlichkeit“ der neuen Liturgie.

So wurde der Wunsch unabweislich, das, was bisher nur vom Hörensagen her bekannt war, mit eigenen Augen und Ohren mitzuerleben: die „alte Messe“. War sie, die von den Bauleuten Verworfene, nicht schon durch die bloße Kunde zum Eckstein im Herzen des Suchenden geworden?

Fast immer erspäht der junge Mensch in neuer Umgebung zuerst, was er denn da für Leute um sich habe. Erfreulich war die Entdeckung, daß sich in der Kapelle alle Altersstufen einfanden; und daß es sich keineswegs um lauter religiöse Fanatiker und frömmelnde Exzentriker (die es natürlich auch gab) handelte.

Die Formen der Ehrfurcht, im pfarrlichen Leben auf ein kaum noch zu unterbietendes Minimum reduziert und nur von wenigen Randexistenzen beibehalten, hatten bei diesen Gläubigen so gar nichts Übertriebenes an sich. Reine Selbstverständlichkeiten.

Und dann die heilige Messe selbst. Der Neuling sah sich einer eigenen Welt gegenüber. Die war ihm noch weithin verschlossen. Aber in ihrer erfüllten Stille und im erahnten Tiefsinn der Zeichen übte sie eine unaufdringliche und zugleich kraftvolle Anziehung aus. Bis auf die Predigt, weit und wogend wie das Meer, machte dieser Gottesdienst nicht den Eindruck eines Vortrages von Mensch zu Mensch, sondern einer Handlung, genauer noch: einer Begegnung.

Die Haltung und Ausrichtung des Zelebranten, der Ministranten und Gläubigen ließen keinen Zweifel mehr darüber, wer da im Mittelpunkt stand. Es fiel gar nicht schwer, an die wirkliche und persönliche Gegenwart des Erlösers in Seinem Opfer zu glauben. Alles redete ja davon. Alles lenkte die Aufmerksamkeit auf Ihn hin. Anstatt seine Person hervorzuheben, verschwand der Priester nahezu. Er tauchte gleichsam in dem liturgischen Vollzug unter und ging völlig auf in der Stellvertretung des einen Hohenpriesters Jesus Christus.

Aus der Hinwendung zum „Geheimnis des Glaubens“ heraus wandte er sich dann auch den Gläubigen zu. Aber ohne den Blick auf den Herrn zu verstellen. Keine störenden subjektiven Einlagen. Die heilige Messe hatte nicht das Gesicht ihres menschlichen Zelebranten. Sie war theozentrisch, christozentrisch.

Endlich hatte der Sucher den Ausdruck jenes eucharistischen Glaubens, der aus den Worten und Gebeten der Heiligen spricht, gefunden! Wohl waren die Zelebrationsrichtung, die lateinische Kultsprache und die lang empfundenen Phasen des Schweigens für den an Verständlichkeit und Abwechslung gewöhnten Meßbesucher zunächst fremdartig.

Durch den Entzug äußerer Beschäftigungen sah er sich plötzlich auf sein eigenes, armes Inneres zurückgeworfen: auf die Leere, den schwachen Glauben, die verkümmerte Fähigkeit zur Anbetung…

Doch gerade dadurch kam auch die Einsicht: Die heilige Messe ist eben ein Mysterium; ein Geheimnis, das nicht dem Fassungsvermögen des Menschen angepaßt werden darf, sondern dem sich dieses Fassungsvermögen durch die Gnade und eigenes Bemühen mehr und mehr anpassen soll.

Der innerste Mittelpunkt des Glaubenslebens kann nicht nach den Maßstäben Fernstehender gestaltet werden. Nur dem gläubigen Mitvollzug erschließt er sich nach und nach. In das wahrhaft Große wächst man erst mit der Zeit hinein.

Der Blick muß geläutert, das übernatürliche Sensorium geschärft werden. Dann beginnt das Abenteuer immer neuer, immer noch herrlicherer Entdeckungen.

Diese erste Begegnung läutete für den Verfasser eine Entdeckungsreise ein, die bis heute kein Ende gefunden hat. Auch die spätere „Gewöhnung“ an den traditionellen Meßritus im Priesterseminar und als Priester hat daran nichts geändert.

Während das Moderne in seiner Ausrichtung auf den „Menschen von heute“ veraltet, offenbart das Alte sich in ewiger Jugend, denn es ist in erster Linie ein „Hintreten zum Altare Gottes, zu Gott, der meine Jugend erfreut“ (Stufengebet der hl. Messe). In der Begegnung mit diesem Wunderwerk des Glaubens findet das abenteuerliche Herz, was es sucht: den unerschöpflichen Reichtum des Lebens in der Begegnung mit dem Herrn.

Von P. Bernward Deneke FSSP im Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt

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Quem vidisti – zur PRIM, am frühen Morgen

Wen habt ihr gesehen
ihr Hirten?
Sprecht und verkündet es uns!
Wer ist auf Erden erschienen?

Wir haben ein Kind gesehen
und Chöre vom Himmel vernommen,
die dem Herrn lobsangen,
alleluja, alleluja.

Prim-Antiphon

Quem vidistis, pastores? dicite, annuntiate nobis, in terris quis apparuit?
Natum vidimus, et choros Angelorum collaudantes Dominum, alleluia, alleluia.

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