Der Priester betritt die Opferstätte

Die Seele gewappnet mit dem Helm der schützenden und wehrenden Gnade, gekleidet in das Gewand der heiligmachenden Gnade, umgürtet mit Kampfbereitschaft gegen die sinnlichen Triebe, erfüllt mit frohem Leidensmut, sehnend ausschauend nach der verheißene Unsterblichkeit, bereit, uns mit Christus zum Opfer zu machen, finden wir uns vor dem Altar zum heiligen Opfer ein.

Es ist gut, unseren Platz möglichst nahe dem Altar zu wählen, jedenfalls aber so, daß wir der heiligen Handlung genau folgen können. …

Der Priester tritt an den Altar, entblößt das Haupt und macht eine tiefe Verneigung. Sie ist ein Zeichen der Ehrfurcht vor Christus, dessen Sinnbild der Altar ist, dessen Opferplatte, …, die Zeichen seiner heiligen fünf Wunden trägt.

Wird auf dem Altar das Allerheiligste Sakrament aufbewahrt, ist also Christus nicht bloß im Symbol, sondern wahrhaft, wirklich und wesentlich zugegen, so macht der Priester statt der Verneigung die Kniebeugung.

Wunderschön hat der heilige Petrus die Gesinnungen ausgedrückt, in denen wir vor dem Altare erscheinen sollen:

»Nahet euch ihm, dem lebendigen Steine, der zwar von den Menschen verworfen, von Gott aber auserwählt zu Ehren gebracht worden ist, und bauet euch selbst als lebendige Steine auf ihn zum geistigen Hause, zum heiligen Priestertum, um geistige Opfer darzubringen, welche Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus« (1. Petr. 2,4,5.)

(Joseph Minichthaler)

Stufengebet

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HYMNUS – am Sonntag zur PRIM

Hymnus: Jam lucis orto sidere

Schon ist erwacht der Sonne Strahl,
Drum fleh’n zu Dir wir allzumal,
Dass Du in allem Tun uns heut’ /
Bewahrest frei vor Sünd’ und Leid.

Der Zunge lege Zügel an, /
Dass nimmer Streit anheben kann, /
Und unsre Augen decke Du /
Vor allem eitlen Trugbild zu.

Des Herzens Innerstes soll rein /
Und frei von aller Torheit sein. /
In Speis und Trank durch rechtes Maß /
Der Sinne Übermut uns zügeln lass,

Dass, wenn der Tag sich wieder neigt, /
Die Nacht zur Erde niedersteigt, /
Wir durch Entsagung froh und rein /
Dir, unserm Gott, das Danklied weih’n.

Lob sei dem Vater auf dem Thron /
Und seinem eingebornen Sohn, /
Dem Heiligen Geist auch allezeit /
Von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

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Jam lucis orto sidere,
Deum precemur supplices,
Ut in diurnis actibus
Nos servet a nocentibus.

Linguam refrænans temperet,
Ne litis horror insonet :
Visum fovendo contegat,
Ne vanitates hauriat.

Sint pura cordis intima,
Absistat et vecordia,
Carnis terat superbiam
Potus cibique parcitas.

Ut cum dies abscesserit,
Noctemque sors reduxerit,
Mundi per abstinentiam
Ipsi canamus gloriam.

Deo Patri sit gloria,
Ejusque soli Filio,
Cum Spiritu Paraclito,
Et nunc, et in perpetuum. Amen.

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Sonntag – Kommunionempfang oder?

Am 21. Juni hat DIE TAGESPOST einen Beitrag von Pater Sven Leo Conrad FSSP veröffentlicht. Dieser hat sich darin Überlegungen über den „Empfang der Eucharistie in Form der Mundkommunion im Kontrast zur Handkommunion“ angestellt.

Er stellt folgendes fest, dass es „schlicht um die Frage“ gehe, „ob Mundkommunion und Handkommunion ihrer äußeren Form nach wirklich ebenso würdig“ sind.

Kein geringerer als der hl. Papst Paul VI. war eindeutig anderer Meinung. In dem von ihm angeordneten und gutgeheißenen Schreiben Memoriale Domini, mit dem die Kongregation für den Gottesdienst 1969 die Handkommunion als Sonderfall ermöglicht, heißt es über die Mundkommunion, sie „gewährleist[e] auch zuverlässiger die erforderliche Ehrfurcht und die geziemende Würde bei der Spendung der heiligen Kommunion.“ Zudem verhindere sie die Profanierung kleinster Teilchen. Wer hier eine scholastische Spitzfindigkeit vermutet, der sei auf die Kirchenväter verwiesen, an die auch Memoriale Domini erinnert: „Nimm es entgegen! Aber achte darauf, dass dir nichts verlorengehe“ (Cyrill v. Jerusalem). Die Einführung der Handkommunion steht theologiegeschichtlich ohne Zweifel im Kontext jener „nicht geringe[n] Verwirrung bezüglich der Glaubenswahrheiten“ über die Eucharistie, die Paul VI. in seiner Enzyklika Mysterium fidei beklagt. Man kann kaum leugnen, daß dieser Papst die neue Praxis konzediert hat, weil sie im Ungehorsam schon geübt wurde. Damals legte der Hl. Stuhl den Bischöfen „die schwere Last“ auf, „[j]egliche Gefahr einer Minderung der Ehrfurcht oder falschen Auffassung über die allerheiligste Eucharistie … abzuwenden“.

Quelle

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Gregorianik: „Unsere Stimme schmettere dir Lieder“ – 2/2

(über die letzten Jahre in der Trappistenabtei Mariawald, bevor der „frische Wind des 2. Vatikanischen Konzils den Mief der Jahrhunderte“ Begann hinauszuwehen; darüber schreibt ein ehemaliger Mönch dieses Klosters, der 1966 eingetreten ist:)

Wenn ich mich an hohen Feiertagen nach zweieinhalb oder fast drei Stunden Gesang von den Vigilien zum Frühstück ins Refektorium begab, war ich ganz benommen von einer eigenartigen Mischung aus Erschöpfung und Euphorie.

Ich glaube, der gregorianische Choral konnte seine ganze Schönheit und Tiefe, ja hinreißende Gewalt nur vollkommen im Rahmen jener sprachlichen und kulturellen Ganzheit entfalten, die ich gerade noch einige Jahre erleben durfte. Das Latein, in dem er gesungen wurde, war die Sprache der Vulgata, in der wir auch die Bibel lasen, und genauso die Sprache der wenigen Literatur, die wiederum vorwiegend von biblischen Themen und Bildern durchsetzt war. Wir hoben also sozusagen all das Sprachliche und Gedankliche, womit wir den ganzen Tag beschäftigt waren, unmittelbar auf die Ebene des Gesangs. Die Ränder zwischen Lektüre, Sprache und Gesang waren fließend. Unser Choral erhob sich aus dem Schweigen, tanzte in jubelnde Höhen, spielte auf den Wellen seiner meditativen Melodien, tauchte in traurige Abgründe und glitt schließlich wieder ins Schweigen unseres Alltagslebens zurück. Mich fragte in diesen Jahren einmal jemand, ob ich es nicht als Entbehrung empfände, niemals Musik hören zu können. Mir kam spontan die Antwort: »Ich lebe doch den ganzen Tag in der Musik.«

(aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Bernardin Schellenberger
Gott suchen – sich selbst finden – Erfahrungen mit der Regel Benedikts
Verlag der Ideen 2016
ISBN: 978-3942006217
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vronlichnam = Herrenleib

Die erste Anregung, wenn auch nicht den entscheidenden Grund zu einer eucharistischen Festfeier an diesem Tage, bot eine Vision der hl. Juliana von Lüttich (+ 5. April 1258). Für den Lütticher Sprengel führte Bischof Robert das Fest im Jahr 1246 ein; 1252 ordnete es der Dominikanerkardinal Hugo für Westdeutschland und die Niederlande an; 1264 wurde es durch Papst Urban IV., ehemals Erzdiakon zu Lüttich, als «Fest des Leibes Christi» (im Deutschen gut mit vronlichnam = Herrenleib wiedergegeben) dem Festkranze der ganzen lateinischen Kirche eingereiht. Der hl. Thomas von Aquin wurde beauftragt, die Texte für das Offizium und die Messe des neuen Festes zusammenzustellen. Einen weiteren Ausbau erhielt die Festfeier durch die Prozession (in Köln schon i. J. 1279), in der die glaubensvolle Einheit der Katholiken kraftvoll zum Ausdruck kommt.

Lesung (1 Kor. 11, 23-29)

Brüder! Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe: Der Herr Jesus nahm in der Nacht, da Er verraten wurde, Brot, dankte, brach es und sprach: «Nehmet hin und esset; das ist Mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu Meinem Andenken.» Ebenso nahm Er den Kelch nach dem Mahle und sprach: «Dieser Kelch ist der Neue Bund in Meinem Blute. Tut dies, so oft ihr ihn trinkt, zu Meinem Andenken.» Denn so oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis Er wiederkommt. Wer also unwürdig dieses Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn. Daher prüfe sich der Mensch, und so esse er von diesem Brote und trinke aus diesem Kelche. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, da er den Leib des Herrn nicht [von gewöhnlicher Speise] unterscheidet.

Sequentia

Lauda, Sion, Salvatorem,
Lauda ducem et pastorem,
In hymnis et canticis.

Deinen Heiland, Sion preise,
Lobe Ihn in Wort und Weise,
Der dir Hirt und Führer ist.

Quantum potes, tantum aude;
Quia major omni laude,
Nec laudare sufficis.

Was du kannst,das sollst du wagen;
Ihm gebührend Lob zu sagen,
man vergebens sich vermißt.

Laudis thema specialis,
Panis vivus et vitalis
Hodie proponitur.

Brot, des Lob das Lied verkündet,
Das, lebendig, Leben zündet,
Beut sich heute festlich dar.

Quem in sacræ mensa cœnæ,
Turbæ fratrum duodenæ
Datum non ambigitur.

Daß Er es im heil’gen Saale.
Den zwölf Brüdern gab beim Mahle,
Ist ohn‘ jeden Zweifel wahr.

Sit laus plena, sit sonora,
Sit jucunda, sit decora
Mentis jubilatio.

Lob erschalle, Lob ertöne,
Gott genehm, voll hoher Schöne,
Sei des Herzens Jubellaut.

Dies enim solemnis agitur,
In qua mensæ prima recolitur
Hujus institutio.

Denn das Fest wird heut begangen,
Von des Tages Glanz umfangen,
Der uns dieses Pfand vertraut.

In hac mensa novi Regis,
Novum Pasha novæ legis
Phase vetus terminat.

Neuen Königs Tafelrunde,
Neues Lamm im Neuen Bunde
Hat des Alten End‘ gebracht.

Vetustatem novitas,
Umbram fugat veritas,
Noctem lux eliminat.

Neues treibt das Alte fort,
Schatten scheucht der Wahrheit Wort
Und das Licht verbannt die Nacht.

Quod in cœna Christus gessit,
Faciendum hoc expressit
In sui memoriam.

Was beim Mahl durch lhn geschehen,
Das hieß Christus uns begehen
Zum Gedächtnis Seinem Tod.

Docti sacris institutis,
Panem, vinum in salutis
Consecramus hostiam.

Treu befolgend heil’ge Lehren,
Weihen, unser Heil zu mehren,
Wir als Opfer Wein und Brot.

Dogma datur Christianis,
Quod in carnem transit panis
Et vinum in sanguinem.

Wie des Christen Glaube lehret,
Brot in Christi Fleisch sich kehret,
Und in Christi Blut der Wein.

Quod non capis, quod non vides,
Animosa firmat fides,
Præter rerum ordinem.

Sehen kannst du’s nicht, noch fassen;
Starker Glaube wird’s nicht lassen
Trotz Natur und Augenschein.

Sub diversis speciebus,
Signis tantum, et non rebus,
Latent res eximiæ.

Unter beiderlei Gestalten,
Die als Zeichen nur hier walten,
Birgt Sich göttliche Substanz.

Caro cibus, sanguis potus:
Manet tamen Christus totus
Sub utraque specie.

Blut als Trank und Fleisch als Speise:
Christus ist auf beide Weise
Bei uns ungeteilt und ganz.

A sumente non concisus,
Non confractus, non divisus:
Integer accipitur.

Wer Ihn aufnimmt, bei Ihm weilet,
Hat Ihn voll und ungeteilet,
Ungebrochen, unbrechbar.

Sumit unus, sumunt mille:
Quantum isti, tantum ille:
Nec sumptus consumitur.

Einer nimmt und tausend nehmen,
Gleichviel stets, soviel auch kämen,
Immer bleibt Er, was Er war.

Sumunt boni, sumunt mali:
Sorte tamen inæquali,
Vitæ vel interitus.

Gute kommen, Böse kommen,
Doch nicht jedem will es frommen,
Leben bringt’s und Todesbann.

Mors et malis, vita bonis:
Vide, paris sumptionis
Quam sit dispar exitus.

Bösen: Tod; den Guten: Leben;
Sieh, das Gleiche wird gegeben,
Doch nicht Gleiches man gewann.

Fracto demum sacramento,
Ne vacilles, sed memento,
Tantum esse sub fragmento,
Quantum toto tegitur.

Wird die Hostie gespalten,
Zweifle nicht! Laß Glauben walten:
Jedem Teile bleibt erhalten
Doch des ganzen Vollgehalt.

Nulla rei fit scissura:
Signi tantum fit fractura:
Qua nec status nec statura
Signati minuitur.

Brechen kann man nur das Zeichen.
Doch nie dessen Sein erreichen;
Nichts von Christus kann da weichen,
Weder Zustand, noch Gestalt.

Ecce panis Angelorum,
Factus cibus viatorum:
Vere panis filiorum.
Non mittendus canibus.

Sieh, das Brot, der Engel Gabe,
Wird den Pilgern hier zur Labe,
Wahrhaft ist’s der Kinder Habe,
Nicht den Hunden werft es hin.

In figuris præsignatur,
Cum Isaac immolatur:
Agnus paschæ deputatur:
Datur manna patribus.

Längst im Bild war’s vorbereitet:
Isaak, der zum Opfer schreitet,
Osterlamm, zum Mahl bereitet,
Manna nach der Väter Sinn.

Bone pastor, panis vere,
Jesu, nostri miserere:
Tu nos pasce, nos tuere:
Tu nos bona fac videre
In terra viventium.

Guter Hirt, Du wahre Speise,
Dich barmherzig uns erweise;
Nähre uns auf unsrer Reise;
Deine Güter, Jesu, weise
Uns im wahren Lebensland.

Tu, qui cuncta scis et vales:
Qui nos pascis hic mortales:
Tuos ibi commensales,
Coheredes et sodales
Fac sanctorum civium.
Amen. Alleluja.

Du, der alles weiß und leitet,
Hier im Todestal uns weidet:
Dort, wo Licht Dein Reich sich breitet,
Sei uns Los und Tisch bereitet
In der Heiligen Verband.
Amen. Alleluja.

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Gregorianik: „Unsere Stimme schmettere dir Lieder“ – 1/2

(über die letzten Jahre in der Trappistenabtei Mariawald, bevor der „frische Wind des 2. Vatikanischen Konzils den Mief der Jahrhunderte“ Begann hinauszuwehen; darüber schreibt ein ehemaliger Mönch dieses Klosters, der 1966 eingetreten ist:)

Im Werktagsvesper-Hymnus Deus creator omnium sangen wir Gott zu:

Te cordis ima concinant,
te vox canora concrepet,

was sich mit keiner Übersetzung derart prägnant und zugleich poetisch wiedergeben lässt und jedenfalls heißt:

»Der tiefste Grund unseres Herzens singe dir zu,
unsere Stimme schmettere dir Lieder

Das Singen aus voller Kehle war nicht nur eine emotionale, sondern geradezu körperliche Erfahrung:
Man wurde selbst zum Klangkörper; es war, als vibriere man von Kopf bis Fuß, schaukle leibhaftig auf den sanften Wellen der Choralmelodien, die nicht betäuben, sondern eher eine spirituelle Sensibilität und Wachheit wecken – jene sobria ebrietas, »nüchterne Trunkenheit«, von der in einem Hymnus und in etlichen spirituellen Werken der Mönche die Rede ist.

(aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Bernardin Schellenberger
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Lesung vor der Komplet und die Komplet / Zisterzienser + Trappisten – 2 / 2

Nach dem kurzen Abendessen und einer halben oder dreiviertel Stunde freier Zeit kamen wir um 18.15 Uhr für eine Viertelstunde im Kapitelsaal zur so genannten Kompletlesung zusammen. Dort wurde ein Text als spiritueller Impuls zum Tagesabschluss vorgelesen oder der Abt formulierte selbst einen solchen oder gab noch irgendetwas bekannt.

Von dort aus zogen wir um 18.30 Uhr ein letztes Mal in die Kirche. Die dortige Tagzeit-Feier der Komplet führte das Thema „Schlaf“ aus der Vesper weiter – und auch das Thema „Mystik“. Die im höchsten Maß mystische Feier war trotzdem für mein Empfinden die Vesper, weil in ihr die Vollendung mit der Klarheit des Geistes einherging – „Den Geist lass nicht entschlummern“, hieß eine Stelle im dortigen Hymnus, und weil dort das Herz, gemäß der Hoheliedstelle: „Ich schlief, doch mein Herz war wach“ (5,2), als wach und aktiv vorgestellt wurde: in seiner tiefsten Tiefe singend, auf seiner höchsten Höhe Gott träumend.

Die Komplet musste jeder ganz auswendig können. Da wir sie früh am Abend hielten, sangen wir sie monatelang im Hellen, ja um Mitte Juni sogar einige Zeit im hell hereinflutenden Abendlicht. Es gab aber auch Zeiten, wo zu Beginn die Dämmerung schon vorgeschritten war und, weil während der Komplet grundsätzlich kein Licht brannte, gegen Ende die andere Chorseite nicht mehr zu sehen war und wir einander durch die Nacht die Psalmverse zusangen.

Von ungefähr Mitte November bis Mitte Januar brannte das kleine Licht über dem Eingang, bis alle ihre Plätze gefunden hatten; dann wurde es gelöscht und wir fingen in schwarzer Nacht unsere Loslass-Übung in die mystische Nacht der Sinne und des Geistes an. Die bei der geringsten Innenbeleuchtung fahl und stumpf wirkenden die Scheiben der hohen Fenster glänzten in einer zauberhaften schwarzen oder grauen, kristallklaren Transparenz. Manchmal schienen vom Mond beleuchtete Wolken schwach herein. Da gefiel mir die Komplet am besten.

Jetzt wirkten die Bilder der drei Psalmen am stärksten, etwa aus Psalm 3: „Getreide, Wein und Öl haben wir in Fülle empfangen. So kann ich jetzt in Frieden einschlafen und ruhen. Denn mit einer einzigartigen Hoffnung hast du, Herr, mich ausgerüstet.“ Oder aus Psalm 90: „Du brauchst vor keinem nächtlichen Schrecken – a timore nocturno – Angst zu haben, auch nicht vor Machenschaften, die im Finstern laufen – a negotio perambulante in tenebris. Denn seinen Engeln hat Gott dich anvertraut, dass sie dich auf allen deinen Wegen behüten. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit du nicht versehentlich mit deinem Fuß an einen Stein hinstößt.“ Was wir da Tag für Tag bewegten, aufsogen, von uns gaben, einander zusangen, waren nicht Gesänge nur für eine Nacht, sondern zugleich Prophetien, Vor-Erfahrungen für die letzte Nacht, denn der Psalm endete ausdrücklich mit dem Ausblick: „Mit einer Länge über alle Tage hinaus werde ich dich erfüllen und mein Heil dich schauen lassen.“

Die frühen Zisterzienser hatten nach den Psalmen einen siebenstrophigen Hymnus gesungen, der bei uns inzwischen durch den kurzen, in der römischen Liturgie üblichen Te lucis ante terminum ersetzt war. Er hatte mit der Anrufung begonnen: „Christus, du bist Licht und Tag, deckst die Finsternisse jeder Nacht auf“ – Christe, qui lux es et dies, noctis tenebras detegis, und die im Lateinischen viel markanter klingenden Bitten enthalten: Sit nobis in te requies, „in dir sei unsere Ruhe“, oculi somnium capiant, cor ad te semper vigilet, „unsere Augen mögen den Schlaf einfangen, das Herz dagegen bleibe immer zu dir hin wach.“

Bereits gegen Ende des letzten Psalms hatte sich derweil der Dienst habende Kirchendiener nach vorn in den Altarraum getastet und die beiden Altarkerzen und das Licht in der Ampel vor der Marienstatue angezündet. Waren der Hymnus, die Bibeltexte und die Schlussgebete der Komplet gesungen, so stellten sich alle außerhalb ihrer Stallen in Richtung dieses Marienbildes und der Kantor stimmte mit einem jubelnden Melisma den Minnegesang des zisterziensischen Salve Regina an Maria an, in dessen wogende Melodie der ganze Chor einfiel. Es ist eine der kostbarsten Perlen aus dem Erbe unserer Zisterzienser-Troubadoure. Der Gesang endete mit der Bitte: „Und nach diesem Exil zeige uns Jesus, die gesegnete Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!“

(aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Singulis Diebus ad COMPLETORIUM
An den einzelnen Tagen zur Komplet:

MARIAWALDER MESSBUCH

SALVE REGINA

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Lesung vor der Komplet und die Komplet / Zisterzienser + Trappisten – 1 / 2

(aus: Rituale cisterciense von 1892)

Von der Kollatslesung und der Komplet

[1.] Wenn das Zeichen zur Kollation – das ist die Lesung vor der Komplet – gegeben wurde, gehen die Brüder, sobald sie durch die läutende Glocke zusammengerufen werden, in den [Lesegang] Kreuzgang der Kollation bei der Kirche, oder, wenn die Kälte es dringlich erscheinen lässt, in den Kapitelsaal, nicht jedoch in die Kirche. Und, sich voreinander verneigend, setzen sie sich dergestalt, dass unterhalb des Priors zum unteren Kreuzgang hin die Priester seines Chores sind, die Jüngeren jedoch entgegengesetzt. Auf der anderen Seite hingegen zur Kirche hin die Priester des Abtschores, und entgegengesetzt die jüngeren Mönche und alle Novizen. Wer der Kollatslesung vorsteht, sitzt in der Mitte der Älteren vor dem Analogium, auf das der vorlesende Bruder das geöffnete Buch gelegt hat, bis jener [Obere] kommt. Und er liest sitzend an seinem Platz, wenn er es möchte, [jedoch] schweigend.

2. Sobald der Obere kommt, stehen alle auf und es verneigen sich vor ihm, wenn es der Abt ist, diejenigen, vor denen er hergeht; und sie stehen so unbedeckten Hauptes und mit seitlich herabgelassenen Armen da, bis für den Leser der Segen gesprochen wurde [und] ohne neuerliche Verneigung setzen sie sich mit bedecktem Haupt, sobald der Obere sitzt. Sodann liest der Leser, der in der vorherige Woche zur Mahlzeit gelesen hat, den Stoff für die im Chor zu machende Betrachtung. An den Samstagen jedoch, wenn die Füße gewaschen werden, liest er nicht, noch empfängt er den Segen, außer nach dem Mandatum: Denn gleich, wenn der Obere dazukommt, setzen sich alle zusammen mit ihm.

3. Wenn vier oder fünf [Doppel-]Seiten gelesen sind, oder wie viel die Zeit erlaubt, sage der Obere: Tu autem [Du aber…], der Lektor [hingegen fährt fort]: Domine miserere nobis [Herr, erbarme dich unser]; und der Konvent [antwortet] aufstehend: Deo gratias. Dann wenden sich alle nach Osten oder zum Kreuzgang des Kapitels [und] der Obere singe, ohne sich zu bekreuzigen, mit der Flexa: Adjutorium nostrum, etc. [Unsere Hilfe, etc.] und wenn der stehende Konvent geantwortet hat: Qui fecit, etc. [Der Himmel und Erde gemacht hat.], verneigen ich alle und treten in folgender Ordnung in die Kirche ein:
1. Zuerst gehen die Novizen, gefolgt vom Magister,
2. [dann] die Priester und Jüngeren des Chores, die in der Nähe der Kirche sitzen,
3. [dann] der, der den Konvent leitet,
4. [dann] die Priester und Jüngeren des anderen Chores.

4. Nach dem Zeichen, auf einen Laut des Oberen hin, sprechen alle kniend oder verneigt, der [liturgischen] Zeit entsprechend, das Vater unser und das Gegrüßet seist du, Maria, unter Schweigen, und nach dem Lautzeichen wird die Hore begonnen, wie anderweitig [beschrieben], unter Voranschickung des Verses Converte nos, etc. [Bekehre uns, etc.], indirectum [auf einem Ton gesungen]. Die Psalmen psalliert man stehend und ohne Gesang: der Hymnus jedoch mit Noten [unterlegt]. Zum Vers Custodi nos [Behüte uns] wird die gewisse Glocke geläutet bis zum Deo gratias. Wenn der Priester spricht Benedicat, etc. [Es segne, etc.], bekreuzigen sich alle und sprechen darauf still kniend oder verneigt, wie zu Beginn der Hore, Vater unser, Gegrüßet seist du und Ich glaube. Wenn diese [Gebete] gesprochen wurden, wird die Komplet der Seligen [Jungfrau Maria] begonnen, ausgenommen am Vigiltag des Osterfestes; gegen deren Ende, also wenn der letzte Psalm gebetet wird, zündet der Kirchendiener zwei Kerzen an der Altarstufe an, oder aber beim Altar.

5. Nach dem Vers Dulce nomen, etc. [Süßer Name; der Komplet B.M.V.] erheben sich alle und stehen „extra stalla“, außerhalb der Stalle zum Altar gewendet, und, vom Kantor begonnen, singen alle feierlich die Antiphon Salve Regina weiter. Zum Vers Ave Maria beugen sie die Knie über die Artikel [Fingerknochen] der Hände, und während vom stehenden Oberen die Collecta gebetet wird, bleiben sie über die Knie gebeugt. Darauf knien sie oder verneigen sich über die Miserikordien, wenn derselbe [Obere] kniend oder gestützt wie die übrigen Divinum auxilium [Die göttliche Hilfe] und Fidelium, etc. [Die Seelen der Gläubigen] spricht.

6. Dann wird, außer am Vigiltag der Geburt des Herrn, das Zeichen zum Englischen Gruß gegeben, damit sie [die Klostergemeinde] drei Mal Gegrüßet seist du, Maria sprechen, stehend oder kniend über den „Artikeln“ [Handknöcheln], wie in Buch I, Kap. 2 [gesagt] und darauf halten sie mit gebeugten Knien stehend [!] zum Altar das Gebet bis zum Lautzeichen des Oberen: Wenn sie es gehört haben, stehen alle auf, verneigen sich, gehen in der Ordnung einer nach dem anderen durch den oberen Zugang des Chores hinaus, [wobei] der Obere vorausgeht, [und] verneigen sich wiederum, wenn sie am Hochaltar vorbeigehen. Der Obere steht bei dem Gefäß mit Weihwasser an der untersten Stufe der Dormitorium[streppe], wo er, wenn er das Aspergill entgegengenommen hat, die einzelnen besprengt, die sich vor ihm verneigen und ins Dormitorium hinaufgehen. Danach gehen sie, wenn die Nola [die kleine Glocke] des Dormitoriums für die Dauer etwa eines De profundis [Ps.129] geläutet hat, ohne Verzug ins Bett.

Rituale Cisterciense Deutsch, 3. Buch, 11. Kapitel: Von der Kollatslesung und der Komplet

Während die Mönche aus der Kirche ausziehen, läutet der Glöckner die Glocke

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Heiligste Dreifaltigkeit

Lobgesang des Dreieinigen Gottes

Dich, Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle,
dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Kerubim dir und die Serafim,
mit niemals endender Stimme zu:
Heilig, heilig, heilig der Herr, der Gott der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde von deiner hohen Herrlichkeit.
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
Dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.

Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht,
bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel
und denen, die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.
Du sitzest zur Rechten Gottes in deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir, kehrst du einst wieder.
Dich bitten wir denn,
komm deinen Dienern zu Hilfe, die du erlöst mit kostbarem Blut.
In der ewigen Herrlichkeit zähle uns deinen Heiligen zu.

(Rette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe;
und führe sie und erhebe sie bis in Ewigkeit.
An jedem Tag benedeien wir dich
und loben in Ewigkeit deinen Namen, ja in der ewigen Ewigkeit.
In Gnaden wollest du, Herr, an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.
Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser.
Lass über uns dein Erbarmen geschehn, wie wir gehofft auf dich.
Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt.
In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.)

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TE DEUM

Te Deum laudamus: *
te Dóminum confitémur.
Te aetérnum Patrem, *
omnis terra venerátur.
Tibi omnes ángeli, *
tibi caeli et univérsae potestátes:
tibi cherubim et seraphim *
incessábili voce proclámant:
Sanctus, * Sanctus, * Sanctus *
Dóminus Deus Sábaoth.
Pleni sunt caeli et terra *
maiestátis glóriae tuae.
Te gloriósus *
Apostolórum chorus,
te prophetárum *
laudábilis númerus,
te mártyrum candidátus *
laudat exércitus.
Te per orbem terrárum *
sancta confitétur Ecclésia.
Patrem *
immébsae maiestáis;
venerádum tuum verum *
et únicum Filium;
Sanctum quoque *
Paráclitum Spiritum.
Tu rex glóriae Christe.
Tu Patris *
sempitérnus es Fíius.
Tu, ad liberándum susceptúrus hóminem, *
non horruisti Vírginis úterum.
Tu, devícto mortis acúleo, *
aperuisti credéntibus regna caelórum.
Tu ad déxteram Dei sedes, *
in glória Patris.
Iudex créderis *
esse ventúrus.
Te ergo quaesumus, tuis fámulis súbveni,
quos pretióso sánguine redemísti.
Aetérna fac cum sanctis tuis *
in gloria numerari.
(Salvum fac pópulum tuum, Dómine, *
et benedic hereditáti tuae.
Et rege eos, *
et extólle iIlos usque in aetérnum.
Per síngulos dies *
benedícimus te;
et laudámus nomen tuum in saeculum, *
et in saeculum saeculi.
Dignare, Dómine, die isto *
sine peccáto nos custodíre.
Miserére nostri, Dómine, *
miserére nostri.
Fiat misericórdia tua, Dómine, super nos, *
quemádmodum sperávimus in te.
In te, Dómine, sperávi: *
non confúndar in aetérnum.)

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