Das Stufengebet

Der Priester betet vor der untersten Stufe des Altares, gleichsam noch „im Vorhof des Heiligtums“ (Ex 27,9). Er betet das Stufengebet (aus Ps. 42), angetan mit den heiligen Gewändern, … abwechselnd mit dem Messdiener. Er tut es im Bewusstsein seiner menschlichen Unwürdigkeit und im Verlangen nach letzter Entsühnung, ganz im Geist des reumütigen Zöllners (Lk 18,13).

Wir schließen uns dieser Gesinnung des Priesters an,
knien uns nieder und machen das Kreuzzeichen.

+

Priester:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Zum Altare Gottes will ich treten.

Messdiener:
Zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf.

Priester:
Schaff Recht mir, Gott, und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk;
von frevelhaften, falschen Menschen rette mich.

Messdiener:
Gott, Du bist meine Stärke. Warum denn willst Du mich verstoßen?
Was muss ich traurig gehen, weil mich der Feind bedrängt?

Priester:
Send mir Dein Licht und Deine Wahrheit, dass sie zu Deinem heiligen Berg mich leiten und mich führen in Dein Zelt.

Messdiener:
Dort darf ich zum Altare Gottes treten,
zu Gott, Der mich erfreut von Jugend auf.

Priester:
Dann will ich Dich mit Harfenspiel lobpreisen, Gott, mein Gott.
Wie kannst Du da noch trauern, meine Seele,
wie mich mit Kummer quälen?

Messdiener:
Vertrau auf Gott, ich darf Ihn wieder preisen;
Er bleibt mein Heiland und mein Gott.

Priester:
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.

Messdiener:
Wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Priester:
Zum Altare Gottes will ich treten.

Messdiener:
Zu Gott, Der mich erfreut von Jugend auf.

Priester:
Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn.

Messdiener:
Der Himmel und Erde erschaffen hat.

Priester:
Ich bekenne Gott dem Allmächtigen, der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria, dem heiligen Erzengel Michael, dem heiligen Johannes dem Täufer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus, allen Heiligen und euch, Brüder, dass ich viel gesündigt habe in Gedanken, Worten und Werken: durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine übergroße Schuld.
Darum bitte ich die selige, allzeit reine Jungfrau Maria, den heiligen Erzengel Michael, den heiligen Johannes den Täufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, alle Heiligen und euch, Brüder, für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.

Messdiener:
Der allmächtige Gott erbarme Sich deiner.
Er lasse dir die Sünden nach und führe dich zum ewigen Leben.

Priester:
Amen.

Messdiener:
Ich bekenne Gott dem Allmächtigen, der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria, dem heiligen Erzengel Michael, dem heiligen Johannes dem Täufer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus, allen Heiligen und dir, Vater, dass ich viel gesündigt habe in Gedanken, Worten und Werken: durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine übergroße Schuld.
Darum bitte ich die selige, allzeit reine Jungfrau Maria, den heiligen Erzengel Michael, den heiligen Johannes den Täufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, alle Heiligen und dich, Vater, für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.

Priester:
Der allmächtige Gott erbarme Sich euer.
Er lasse euch die Sünden nach und führe euch zum ewigen Leben.

Messdiener:
Amen.

Priester:
+ Nachlass, Vergebung und Verzeihung unserer Sünden
schenke uns der allmächtige und barmherzige Herr.

Messdiener:
Amen.

Priester:
Gott, wende Dich zu uns und gib uns neues Leben.

Messdiener:
Dann wird Dein Volk in Dir sich freuen.

Priester:
Erzeige, Herr, uns Deine Huld.

Messdiener:
Und schenke uns Dein Heil.

Priester:
Herr, erhöre mein Gebet.

Messdiener:
Und lass mein Rufen zu Dir kommen.

Priester:
Der Herr sei mit euch.

Messdiener:
Und mit deinem Geiste.

Priester (Zum Altar aufsteigend):
Lasset uns beten.
Herr, wir bitten Dich: nimm unsere Sünden von uns weg
und lass uns mit reiner Seele ins Allerheiligste eingehen.
Durch Christus, unseren Herrn, Amen.

Herr, wir bitten Dich:
Durch die Verdienste Deiner Heiligen, deren Reliquien hier ruhen,
sowie aller Heiligen, verzeih mir gnädig alle Sünden. Amen.

+

Sacerdos:
In nomine Patris et Filii, et Spiritus Sancti. Amen.
Introibo ad altare Dei.

Ministri:
Ad Deum, qui laetificat juventutem meam.

Sacerdos:
Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta: ab homine iniquo et doloso erue me.

Ministri:
Quia tu es, Deus, fortitudo mea; quare me repulisti, et quare tristis incedo, dum affligit me inimicus?

Ministri:
Et introibo ad altare Dei: ad Deum, qui laetificat juventutem meam.

Sacerdos:
Confitebor tibi in cithara, Deus, Deus meus: quare tristis es, anima mea, et quare conturbas me?

Sacerdos: Emitte lucem tuam et veritatem tuam: ipsa me deduxerunt, et adduxerunt in montem sanctum tuum et in tabernacula tua.

Ministri:
Spera in Deo, quoniam adhuc confitebor illi: salutare vultus mei, et Deus meus.

Sacerdos:
Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto.

Ministri:
Sicut erat in principio, et nunc, et semper: et in saecula saeculorum. Amen.

Sacerdos:
Introibo ad altare Dei.

Ministri:
Ad Deum, qui laetificat juventutem meam.

Sacerdos:
Adjutorium nostrum in nomine Domini.

Ministri:
Qui fecit caelum et terram.

Sacerdos:
Confiteor Deo omnipotenti, beatae Mariae semper Virgini, beato Michaeli Archangelo, beato Joanni Baptistae, sanctis Apostolis Petro et Paulo, omnibus Sanctis, et vobis fratres: quia peccavi nimis cogitatione, verbo et opere: mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.
Ideo precor beatam Mariam semper Virginem, beatum Michaelem Archangelum, beatum Joannem Baptistam, sanctos Apostolos Petrum et Paulum, omnes Sanctos, et vos, fratres, orare pro me ad Dominum, Deum nostrum.

Ministri:
Misereatur tui omnipotens Deus, et dimissis peccatis tuis, perducat te ad vitam aeternam.

Sacerdos:
Amen.

Ministri:
Confiteor Deo omnipotenti, beatae Mariae semper Virgini, beato Michaeli Archangelo, beato Joanni Baptistae, sanctis Apostolis Petro et Paulo, omnibus Sanctis, et tibi pater: quia peccavi nimis cogitatione, verbo et opere: mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.
Ideo precor beatam Mariam semper Virginem, beatum Michaelem Archangelum, beatum Joannem Baptistam, sanctos Apostolos Petrum et Paulum, omnes Sanctos, et te, pater, orare pro me ad Dominum, Deum nostrum.

Sacerdos:
Misereatur vestri omnipotens Deus, et dimissis peccatis vestris, perducat vos ad vitam aeternam.

Ministri:
Amen.

Sacerdos:
Indulgentiam, absolutionem et remissionem peccatorum nostrorum tribuat nobis omnipotens et misericors Dominus.

Ministri:
Amen.

Sacerdos:
Deus, tu conversus vivificabis nos.

Ministri:
Et plebs tua laetabitur in te.

Sacerdos:
Ostende nobis, Domine, misericordiam tuam.

Ministri:
Et salutare tuum da nobis.

Sacerdos:
Domine, exaudi orationem meam.

Ministri:
Et clamor meus ad te veniat.

Sacerdos:
Dominus vobiscum.

Ministri:
Et cum spiritu tuo.

Ascendens ad altare:
Sacerdos:
Oremus. Aufer a nobis, quaesumus, Domine, iniquitates nostras: ut ad Sancta sanctorum puris mereamur mentibus introire. Per Christum, Dominum nostrum. Amen

Continuens:
Sacerdos: Oramus te, Domine, per merita Sanctorum tuorum, quorum reliquiae hic sunt, et omnium Sanctorum: ut indulgere digneris omnia peccata mea. Amen.

+

 

Gesegnete Ostern!

Wahrhaft auferstanden

Resurrexi et adhuc tecum sum, alleluia.

„Ich bin auferstanden und immer bei dir.
Alleluja.
Du hast deine Hand auf mich gelegt.
Wie wunderbar ist für mich dieses Wissen.
Alleluja.“

Graduale der Cistercienser und Trappisten

+

 

Gedenke, Herr und erbarme Dich!

„Gedenke, Herr, deines Bundes,
und sage zu dem Engel, der das Verderben bringt:
Deine Hand höre auf, damit die Erde nicht verödet wird.
Und damit du nicht jede legende Seele vernichtest.“
(vgl. 2 Sam 24, 16).

(aus d. Introitus d. Votivmesse:
Missa pro vitanda mortalitate vel tempore pestilentiae):

Recordáre, Dómine, testaménti tui,
et dic Ángelo percutiénti:
Cesset iam manus tua,
et non desolétur terra,
et ne perdas omnem ánimam vivéntem.
(T.P. Allelúia, allelúia.)
Ps. 79:2.
Qui regis Israël, intende:
qui deducis, velut ovem, Ioseph.
℣. Glória Patri, et Fílio, et Spirítui Sancto.
Sicut erat in princípio, et nunc, et semper,
et in sǽcula sæculórum. Amen.
Recordáre …

+

 

ASCHERMITTWOCH

Der Aschermittwoch bildet seit Gregor d. Gr. das Eingangstor in die hl. Fastenzeit, und heißt deshalb auch „in capile ieiunii“. Im 4. Jahrhundert begann mit dem heutigen Tage die kanonische Bußzeit für die öffentlichen Sünder, die mit der Lossprechung am Gründonnerstag ihren Abschluß fand.

Nach den Ritualien des 7. Jahrhunderts gingen die betreffenden Gläubigen zu den eigens dazu angestellten Priestern in die Titelkirchen und Patriarchalbasiliken, um ihnen ihre Sünden zu beichten. Waren die Sünden schwer und öffentlich, so überreichte der Beichtvater dem Beichtkinde ein rauhes, mit Asche bestreutes Bußkleid und wies es in ein Kloster — deren es damals gegen 100 in der Ewigen Stadt gab — um da die auferlegte Buße von vierzig Tagen — Quadragene — zu verrichten. Aus diesem Brauche entstand der später so genannte Ablaß von einer oder mehreren Quadragenen, wie er sich in den alten Ablaßbewilligungen findet.

Die heutige Auflegung der geweihten Asche am Beginn der Fastenzeit ist eine letzte Erinnerung an die kanonische Buße, die einst die öffentlichen Büßer auf sich nahmen. Im Altertum hatte man eine so hohe Auffassung von der Würde und Heiligkeit des Priester-tums, daß man die Diener des Heiligtums zu einer solchen Demütigung nicht zuließ. Erst als gegen das 11. Jahrhundert die öffentliche Buße außer Übung gekommen war, traten bei dieser Zeremonie an die Stelle der ehemaligen Büßer das römische Volk, der Klerus und sogar der Papst. Alle zogen barfuß, das Haupt mit Asche bestreut, zur Basilika der hl. Sabina. Im 9. Jahrhundert war die Auflegung der Asche noch ein Bußritus für sich und hatte keinerlei Beziehung zur eucharistischen Stationsfeier: Gegen die siebente Stunde beendete der Römer sein Tagewerk, badete dann in den Thermen und nahm die coena, die Hauptmahlzeit, ein.

Zu dieser Zeit versammelte sich nun das Volk mit dem Papst und Klerus an der Spitze in der Basilika St. Anastasia, das in der schmalen Senke zwischen Palatin und Aventin liegt, und zog von da unter dem flehentlichen Gesang der Litanei nach St. Sabina. Hier begann man sogleich mit dem eucharistischen Opfer, ohne einen Introitus vorauszuschicken, da dieser bereits in St. Anastasia gesungen war. Nach dem letzten Segensgebet und Entlassung durch den Diakon ging das Volk nach Hause. Das Fasten war zu Ende.

Im 12. Jahrhundert hatte dieser Ritus, wie der Ordo des Kanonikers Benedikt beweist, eine weitere Entfaltung erfahren: Der Papst streut zuerst in St. Anastasia den Gläubigen die Asche auf das Haupt, dann steigt die Prozession in Bußgewändern und barfuß den sanften Hügel des Aventin empor und feiert in St. Sabina das hl. Opfer.

Vor der Kommunion verkündet ein Regionarsubdiakon die Station des folgenden Tages: „Morgen ist die Statio bei St. Georg im Velabrum.
Darauf antworten die Anwesenden: „Deo gratias“.

War der Papst wegen dringender Geschäfte im Lateran zurückgehalten, so tauchte ein Akolyth nach der Feier etwas Baumwolle in das wohlriechende Öl der Lampen, die vor dem Altare der Stationskirche brannten, und begab sich damit in das Patriarchium. Vor den Papst geführt, sprach der Kleriker bescheiden: „Jube, domne, benedicere“, und reichte dann nach empfangenem Segen dem Papste die Baumwolle mit den Worten dar: „Heute war die Stationsfeier bei der hl. Sabina; sie grüßt dich.“ Der Papst küßte die Baumwolle und übergab sie darauf seinem cubicularius, damit man sie in sein Sterbekissen tue. So geschah es stets, wenn der Papst nicht zur Stationsfeier kam.

Alles weitere siehe:

ASCHERMITTWOCH bis 1. Fasten-SO

+

 

QUINQUAGESIMA

Mit der heutigen Feier am Grabe des Apostelfürsten schließt die Vorbereitungszeit auf die „veneranda solemnitas ieiunii“ (ehrwürdige Fastenzeit). Voll Vertrauen dürfen wir nun, des Schutzes der hl. Laurentius, Petrus und Paulus sicher, am kommenden Sonntag die hl. Bußzeit in der Lateranbasilika beginnen. Nach orientalischem Vorbilde entsagten in alter Zeit eifrige Christen und Ordensfamilien schon in dieser Woche dem Fleischgenusse. Die hl. Kirche hat diesen Brauch teilweise zu dem ihrigen gemacht, indem sie den Beginn des Fastens auf den Aschermittwoch festgelegt hat.

… Unergründlich tief ist das Geheimnis des Kreuzes. So tief, daß selbst die Apostel nach dreijähriger Lehrzeit in der Schule des göttlichen Meisters es nicht erfaßten, weder heute beim Hinaufsteigen nach Jerusalem, noch beim letzten Abendmahle, als sie zu Bischöfen des Neuen Bundes geweiht wurden. Nur wenige Augenblicke später und „sie verließen ihn alle und flohen“. Jesus mußte allein seinen Todesgang nach Golgotha gehen. Wie tief muß sich eine Seele in das Geheimnis des göttlichen Gekreuzigten versenken, um nicht zu irren in einer so wichtigen Sache, auf die unser ganzes übernatürliches Leben hinzielen soll: Sühne durch das Leiden.

Das gregorianische Antiphonar hat nur für den Mittwoch und Freitag nach Quinquagesima eigene Gesänge, für den Donnerstag und Samstag müssen sie anderen Formularien entlehnt werden. Die Ausnahme für die beiden erstgenannten Tage hat vielleicht darin ihren Grund, daß seit dem 2. Jahrhundert in Rom und Afrika an allen Mittwochen und Freitagen des Jahres Stationsversammlungen stattfanden. Man hätte ganz leicht für die vier Fasttage vor Quadragesima die beiden Stationsmessen zugrunde legen können, ohne dadurch die Ordnung im Antiphonar merklich zu stören. Die Fastenzeit hatte ihre fest bestimmten Stationsmessen; für diese später hinzugefügten Fasttage aber, die rein privater Frömmigkeit entsprangen, hätten die beiden althergebrachten Messen wohl genügt, die seit apostolischer Zeit das wöchentliche Fasten des Mittwochs und Freitags weihten.

(Stationskirche: St. Peter)

(Ildefons Schuster in Liber Sacramentorum)

+

 

SEXAGESIMA

Die Strenge des Winters hat schon etwas nachgelassen und die milde Luft eines schönen Morgens lädt die Bewohner der „Ewigen Stadt und das togatragende Volk“ zu einer Wanderung nach der Paulskirche ein, die man einst unter einem gedeckten Gange vom Mittelpunkte der Stadt aus bis zur Basilika unternehmen konnte. Natürlich noch, bevor die eigentliche Fastenzeit beginnt. In der heutigen Messe mischen sich ernste Bußgedanken mit jubelnder Freude über den großen Völkerapostel. Vielleicht hat die rätselhafte „translatio St. Pauli“, welche das Hieronymianum am 25. Januar verzeichnet, den Anstoß zur heutigen Stationsfeier gegeben, und der heutige Sonntag ist noch eine letzte Erinnerung an dieses Fest.

Es bestand nämlich in Rom im 7. Jahrhundert das Bestreben, einige Feste von geringerer Bedeutung, die auf einen Werktag fielen, auf den darauffolgenden Sonntag zu verlegen.

Bemerkenswert ist ferner, daß sich während der Weihnachtszeit in den verschiedenen alten orientalischen und gallikanischen Liturgien stets ein Fest der Apostelfürsten von höherem oder geringerem Range findet. Dieses Fest wurde entweder unmittelbar nach Weihnachten oder im Verlaufe des Januar gefeiert.

Die heutige Statio in St. Paul ergibt sich überdies aus der aufsteigenden Ordnung, in der man die Titelheiligen der großen römischen Patriarchalbasiliken an den Sonntagen vor der Fastenzeit feiern wollte. Die Reihe eröffnet Laurentius als der Bannerträger (Staurophoros), ihm folgen die Apostel Petrus und Paulus, und den Ehrenplatz nimmt der göttliche Erlöser selbst ein.

… Das Leiden ist ein Gesetz im Reiche der Gnade, und läßt in der gegenwärtigen Heilsordnung keine Ausnahmen zu. Es ist gleichsam die übernatürliche Atmosphäre, in welcher ein Christ leben muß, der auf den Tod Jesu getauft ist.

Die Perikope [Epistel 2 Kor 11,19-33; 12,1-9] enthält auch die Selbstverteidigung des Apostels gegenüber der mächtigen Partei der judaisierenden Christen, die den Heidenchristen das jüdische Gesetz aufzwingen wollten. In Korinth hielt man diese Prediger aus dem Stamme Abrahams für bedeutendere Männer als Paulus, der den Korinthern seines leisen und wenig Eindruck machenden Vortrags wegen ganz geringfügig vorkam. Paulus fügt sich vorerst in die Schätzung der Korinther, hält aber dann den hochtrabenden Titeln seiner Gegner die eigenen Vorzüge entgegen, die seine apostolische Sendung erweisen: „Sie sind Hebräer, ich auch; sie sind Israeliten, ich auch; sie sind Nachkommen Abrahams, ich auch; sie sind Diener Christi (ich spreche wie ein Tor), ich noch mehr.

Dann zeigt er, wie schwer der Dienst Christi auf seine Schultern drückt; sie sind bereits gebeugt durch Entbehrungen, Verfolgungen und Geißelungen, die er um des Glaubens willen ertragen. Und bei all diesen Leiden obliegt ihm noch die Sorge für die Kirche des Abendlandes. Wohl könnte er sich seiner Gesichte rühmen und seiner Entzückung in den dritten Himmel, wo er Dinge vernahm, die kein Mensch aussprechen darf. Doch diese Gnaden schätzt er wenig oder überhaupt nicht. Wert haben für ihn bloß die Mühen und Drangsale des Lebens, denn auf den Ruinen der „Hoffart des Lebens“ pflanzt der Herr die Siegeszeichen seiner Gnade auf.

… Von welchen Gefahren ist unser ewiges Heil im Weltgetriebe bedroht! Guter Same fällt mitunter auch auf steinigen Weg. Wird er aber Von den Vorübergehenden nicht zertreten, picken ihn die Vögel nicht auf und wird das Pflänzlein des Evangeliums nicht von Gestrüpp und Dornen überwuchert, so droht ihm immer noch das furchtbare Wort Jesu: „Es kommt der Teufel, und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.

Auf eine so wichtige Angelegenheit, von welcher das ewige Heil abhängt, müssen wir also mit der ganzen Anspannung unseres Geistes bedacht sein. Am Fuße des Altares wollen wir versprechen, zur Erreichung unseres letzten Zieles alle Kraft einzusetzen, wie der hl. Paulus es wünscht. Aus diesen Gedanken heraus entstanden in den alten Zeiten unzählige Klöster und bevölkerten sich mit Scharen von Heilsbegierigen jeden Alters, Geschlechts und Standes. Welchen Nutzen hat der Mensch, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dafür Schaden an seiner Seele leidet?

(Stationskirche: St. Paul)

(Ildefons Schuster in Liber Sacramentorum)

+

 

SEPTUAGESIMA

Im Orient galten die Samstage und Sonntage als Festtage, an denen nicht gefastet wurde. Um nun die Zahl von 40 Fasttagen voll zu machen, fingen die Griechen die Abstinenz um einige Wochen früher an. Vom heutigen Sonntage an enthielt man sich vom Genüsse des Fleisches, in der folgenden Woche fielen auch die Laktizinien fort und mit dem Montag nach Quinquagesima begann das strenge Fasten zur Vorbereitung auf Ostern.

Im Abendlande war die Fastenübung nicht einheitlich. Als die Fastenzeit mit dem Sonntag Quadragesima anfing, ergaben sich wohl 40 Tage Vorbereitungszeit auf Ostern, wie St. Gregor bemerkt, aber von diesen waren nur 36 dem Fasten geweiht. Um diese 4 Tage zu ersetzen, entsagten die Ordensleute und geistlichen Personen schon frühzeitig dem Fleischgenusse, und zwar vom Montag nach Quinquagesima ab („in carnis privio“ oder „in carne levario“, daraus entstand Karneval). Erst Gregor d. Gr. hat das „caput ieiunii“ auf den Mittwoch nach Quinquagesima festgesetzt.

Die Gläubigen waren jedoch mit diesen 4 Tagen nicht zufrieden. Die Griechen begannen zuerst ein längeres Fasten, und da sie in der byzantinischen Periode in Rom mit den L a teinern zusammenlebten, so durften diese nicht zurückstehen. Gregor d. Gr. führte deshalb die entferntere Vorbereitungszeit (von 3 Wochen) auf die Quadragesima ein, oder gab ihr doch wenigstens Stil und Form. Als Stationskirchen wählte er die 3 großen Patriarchalbasiliken: St. Laurentius, St. Paul und St. Peter, und stellte so das Osterfasten unter den Schutz der 3 großen Stadtpatrone.

Die Reihenfolge der Stationskirchen bildet eine aufsteigende Linie, denn St. Laurentius nimmt unter den päpstlichen Basiliken erst den vierten Platz ein. Der Grund dafür ist wohl darin zu suchen, daß die Päpste bereits seit dem 4. Jahrhundert das „sacrificium quadragesimalis initii“, wie es im Sakramentar heißt, in der Lateranbasilika darbrachten, und man der päpstlichen Hauptkirche nicht gut ihr Privileg nehmen konnte.

Die Meßformularien für die 3 Vorfastensonntage stammen ziemlich bestimmt aus der Zeit Gregors d. Gr. Inhaltlich sind sie ein zu getreues Spiegelbild jener tieftraurigen Zeit, in welcher Krieg, Pest und Erdbeben wüteten und die alte Königin der Welt zu vernichten drohten.

(Stationskirche: St. Laurentius vor den Mauern)

(Ildefons Schuster in Liber Sacramentorum)

+