Die Bernhardinerinnen von Esquermes

Bernhardinerinnen sind heute eine eigene Kongregation (Zweig) des Zisterzienserordens. In der Frühzeit der Zisterzienser wurden die Nonnen des Ordens, da sie dem heiligen Bernhard folgen wollte, oft Bernhardinerinnen genannt.

Die nordfranzösischen Nonnen-Abteien Notre Dame de la Brayelle in Annay (1196), Notre Dame de la Woestine in St. Omer (1217) und Notre Dame des Près in Douai (1221) waren drei Zisterzienserinnenklöster für Frauen in Flandern in Frankreich. Wie alle Klöster des Landes wurden auch diese Abteien mit der Französischen Revolution 1789 aufgelöst und die Mitglieder zerstreut.

Drei Nonnen aus jeder der oben genannten Abteien trafen sich nach der Revolution mit dem einzigen Ziel, ihr klösterliches Leben als Zisterzienserinnen wieder aufzunehmen. Nach vielen Jahren im Exil und auf Reisen von Ort zu Ort konnte sich schließlich eine neu gebildete Gemeinschaft in dem kleinen Dorf Esquermes in der Nähe von Lille niederlassen, wo sie 1827 offiziell anerkannt wurde.

1936 wurde zunächst eine geistliche und informelle Verbindung zu den „Zisterziensern der strikten Observanz“ (Trappisten) hergestellt. Im Jahr 1955 wurden die Bernhardinerinnen von Esquermes offiziell als Kongregation im Orden der Zisterzienser mit feierlichen Gelübden anerkannt: „Ordo Monialium Cisterciensium Bernardinarum de Esquermes“.

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Aus dem Orden der Kongregation der Bernhardinerinnen von Esquermes verstarb am Fest der unbefleckten Empfängnis, dem 8. Dezember 2021, im Alter von 99 Jahren Schwester Marie-Helene.

Nach einem ausgezeichneten Studium in Mathematik, Physik und Chemie trat sie in den Karmel ein. Obwohl sie dort sehr glücklich war, erlaubt es ihre angegriffene Gesundheit nicht, Profess ablegen zu können. Man rät ihr zum Übertritt zu den Bernhardinerinnen.

In dem neuen Orden fühlt sie sich wohl. Ihre Persönlichkeit wie ihre Studien lenken die Aufmerksamkeit der Oberen auf sie. In den Gemeinschaften und im Orden werden ihr verschiedene Verantwortlichkeiten anvertraut. U. a. wirkt sie als Lehrerin in Lille und in Cambrai, wo sie Direktorin wird. Etwa zwanzig Jahre ist sie Generalökonomin und Generalpriorin in Péruwelz (Belgien) und später im Kloster „Monastère N.­D. de la Plaine„.

Das lange Leben von Schwester Marie-Helene verlief dennoch in großer Einfachheit, in der totalen Hingabe ihrer selbst an die Gemeinschaften, in denen sie lebte. Sie war zurückhaltend und diskret, aufmerksam für jeden. Sie zeichnete sich auch durch eine freudige, schnelle und effiziente Dienstbarkeit aus.

Es wird berichtet, dass Schwester Marie-Helene eine Beterin gewesen sei. Früh morgens sah man sie als Erste in der Kirche; hier war sie vor und bei den Gottesdiensten des Tages in ein tiefes Gebet eingetaucht.

Friedlich und schweigsam schuf sie durch ihre Anwesenheit eine heitere Atmosphäre um sich herum. Ihr feiner Humor, der von einem guten Urteilsvermögen und einem richtigen Blick geprägt war, sorgte für Distanz bei den kleinen Reibereien des Alltags und den Unwägbarkeiten des Alters. Man liebte ihre diskrete und intensive Präsenz. Sie diente der Gemeinschaft fast bis zu ihrem Ende; sie legte Wert darauf, die Dienste zu leisten, die ihre völlig zusammengekrümmten Hände ihr noch erlaubten.

Erst durch einen Sturz ein Jahr vor ihrem Tod wurde sie plötzlich völlig von anderen abhängig. Ohne zu klagen akzeptierte sie ihren neuen Zustand. Es schien ihr nichts auszumachen.

Schwester Marie-Helene starb diskret und friedlich im 70. Jahr ihrer klösterlichen Profess, am Tag der Unbefleckten Empfängnis Mariens, zu der sie stets fleißig betete.
Der zum Schmunzeln einladende schöne Spruch auf der Benachrichtigung des Todes der fast hundertjährigen Schwester Marie-Helene lautet:

„Ich hüpfe vor Freude in dem Herrn,
meine Seele jubelt in meinem Gott.“
(Jes 61,10)

Schwester Marie-Helene möge ruhen in Frieden!

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Benediktinische Klöster in denen im alten Ritus zelebriert wird

Als „benediktinische Klöster“ werden Abteien und Priorate bezeichnet, in denen die „Regel des hl. Benedikt“ die Grundordnung des Klosterlebens bestimmt. Dazu gehören Klöster aus den Familien der Benediktiner, der Zisterzienser und der Trappisten.

Trotz aller Widerstände die der überlieferten Liturgie entgegengebracht werden, nicht zuletzt durch das Motu proprio von Papst Franziskus „Traditionis custodes“, gibt es zahlreiche Klöster der verschiedenen benediktinischen Orden, in denen der Alte Ritus die normale Form des liturgische Betens und der heiligen Messe ist.

Beachten Sie das PDF

 

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Pater Gerhard Winkler +

Der große Kenner des heiligen Bernhard von Clairvaux, DDr. Pater Gerhard Bernhard Winkler OCist, u. a. emeritierter Professor für Kirchengeschichte an der Universität Salzburg, ist 22. September 2021 vom Herrn über Leben und Tod in seinem 91. Lebensjahr in die ewige Heimat abberufen worden.

Requiescat in pace!

Zisterzienser von Wilhering und wird als solcher am Montag, 27. September, um 14 Uhr nach dem Requiem in der Stiftskirche, auf dem Klosterfriedhof beerdigt.

Pater Gerhard Winkler hat vor zwanzig Jahren eine Gesamtausgabe der Werke des hl.
Bernhard von Clairvaux im Verlag Tyrolia vorgelegt.

Band I: Traktate
Band II: Traktate und Briefe 1-180
Band III: Briefe 181-551
Band IV: Sentenzen und Parabeln = vergriffen!
Band V: Predigten über das Hohelied 1-38
Band VI: Predigten über das Hohelied 39-86
Band VII: Predigten zum Kirchenjahr und über den Psalm „Qui habitat“
Band VIII: Predigten zum Kirchenjahr
Band IX: Predigten
Band X: Register

Niedere Weihen im Zisterzienserkloster Hohenfurth – UPDATE:

UPDATE:

Den beiden Fraters Bernardus und Raphael wurde am Samstag, 19.12.2020, im Zisterzienserkloster Vissy Brod (Hohenfurth) die Niederen Weihen erteilt. Weihespender war der ehemalige und letzte Abt der Trappisten-Abtei Mariawald, Dom Josef Vollberg.

Frater Raphael:

„Die niederen Weihen bedeuten traditionell ein schrittweises Wachsen in der priesterlichen Berufung und helfen auch dabei, die Berufung weiter abzuklären. Als Ostiarier wird man dazu ermahnt, Sorge zu tragen, dass das Heilige geschützt wird – gerade in Zeiten der Anschläge auf Kirchen von aktueller Bedeutung. Der Lektor darf offiziell die Lesungen (Epistel, Propheten) in der hl. Messe vortragen und wird daran erinnert, dass er auch in seinem eigenen Lebenswandel das umsetzen soll, was er liest. Der Exorzist wird als Befehlshaber über die bösen Mächte bezeichnet. Er soll vor allem die schlechten Regungen in sich selbst beherrschen lernen. Die regelrechte Austreibung böser Geister, wozu Jesus ja die Jünger schon beauftragt hat, ist rechtlich nur speziell dazu vom Bischof beauftragten Priestern erlaubt. Der Akolyth ist ursprünglich der Kerzenträger und Ministrant, ein Amt, das wir natürlich schon ausüben. Hier geht es aber um eine besondere Nähe zur eucharistischen Handlung. Das Licht ist Symbol dafür, dass wir für andere Licht sein sollen („Ihr seid das Licht der Welt.“), auch in unserer heutigen Welt, in der es viel Dunkelheit gibt, besonders wichtig.“

Um das Gebet für die beiden Priesteranwärter wird gebeten!

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Der aus Deutschland stammende Zisterziensermönch
Frater Raphael O.Cist.

erhält am heutigen 19. Dezember 2020

in seinem Kloster Hohenfurt in Tschechien
die Niederen Weihen

Es sind dies die Weihen
– des Ostiariers (Türhüters),
– des Lektors,
– des Exorzisten und
– des Akolythen.

Den Niederen Weihen folgen, so Gott will, alsbald die Weihe zum Subdiakon, die bereits zu den Höheren Weihen zählt. Danach folgen die Weihe zum Diakon und zuletzt die Weihe zum Priester.

Gott segne Frater Raphael O.Cist.!

Prozession im Kreuzgang des Zisterzienserklosters Hohenfurth.

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Zukunft des monastischen Lebens

Frage an Dom Marc de Pothuau, Abt der Zisterzienser-Abtei Hauterive im Kanton Freiburg, Schweiz:

Wie sieht die Zukunft des monastischen Lebens aus?

„Wer sich auf die Zukunft fixiert, läuft seinem Vorhaben hinterher und opfert sich dafür auf. Dabei ist Gott die Zukunft! Er kommt und bittet darum, von Augenblick zu Augenblick willkommen geheissen zu werden. Als Geschenk im Jetzt! Das monastische Leben ist eine Feier dieser Aufnahme. Monastisches Leben bedeutet: Platz zu machen für die bewegende und entwaffnende Demut Gottes.“

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Lesung vor der Komplet und die Komplet / Zisterzienser + Trappisten – 2 / 2

Nach dem kurzen Abendessen und einer halben oder dreiviertel Stunde freier Zeit kamen wir um 18.15 Uhr für eine Viertelstunde im Kapitelsaal zur so genannten Kompletlesung zusammen. Dort wurde ein Text als spiritueller Impuls zum Tagesabschluss vorgelesen oder der Abt formulierte selbst einen solchen oder gab noch irgendetwas bekannt.

Von dort aus zogen wir um 18.30 Uhr ein letztes Mal in die Kirche. Die dortige Tagzeit-Feier der Komplet führte das Thema „Schlaf“ aus der Vesper weiter – und auch das Thema „Mystik“. Die im höchsten Maß mystische Feier war trotzdem für mein Empfinden die Vesper, weil in ihr die Vollendung mit der Klarheit des Geistes einherging – „Den Geist lass nicht entschlummern“, hieß eine Stelle im dortigen Hymnus, und weil dort das Herz, gemäß der Hoheliedstelle: „Ich schlief, doch mein Herz war wach“ (5,2), als wach und aktiv vorgestellt wurde: in seiner tiefsten Tiefe singend, auf seiner höchsten Höhe Gott träumend.

Die Komplet musste jeder ganz auswendig können. Da wir sie früh am Abend hielten, sangen wir sie monatelang im Hellen, ja um Mitte Juni sogar einige Zeit im hell hereinflutenden Abendlicht. Es gab aber auch Zeiten, wo zu Beginn die Dämmerung schon vorgeschritten war und, weil während der Komplet grundsätzlich kein Licht brannte, gegen Ende die andere Chorseite nicht mehr zu sehen war und wir einander durch die Nacht die Psalmverse zusangen.

Von ungefähr Mitte November bis Mitte Januar brannte das kleine Licht über dem Eingang, bis alle ihre Plätze gefunden hatten; dann wurde es gelöscht und wir fingen in schwarzer Nacht unsere Loslass-Übung in die mystische Nacht der Sinne und des Geistes an. Die bei der geringsten Innenbeleuchtung fahl und stumpf wirkenden die Scheiben der hohen Fenster glänzten in einer zauberhaften schwarzen oder grauen, kristallklaren Transparenz. Manchmal schienen vom Mond beleuchtete Wolken schwach herein. Da gefiel mir die Komplet am besten.

Jetzt wirkten die Bilder der drei Psalmen am stärksten, etwa aus Psalm 3: „Getreide, Wein und Öl haben wir in Fülle empfangen. So kann ich jetzt in Frieden einschlafen und ruhen. Denn mit einer einzigartigen Hoffnung hast du, Herr, mich ausgerüstet.“ Oder aus Psalm 90: „Du brauchst vor keinem nächtlichen Schrecken – a timore nocturno – Angst zu haben, auch nicht vor Machenschaften, die im Finstern laufen – a negotio perambulante in tenebris. Denn seinen Engeln hat Gott dich anvertraut, dass sie dich auf allen deinen Wegen behüten. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit du nicht versehentlich mit deinem Fuß an einen Stein hinstößt.“ Was wir da Tag für Tag bewegten, aufsogen, von uns gaben, einander zusangen, waren nicht Gesänge nur für eine Nacht, sondern zugleich Prophetien, Vor-Erfahrungen für die letzte Nacht, denn der Psalm endete ausdrücklich mit dem Ausblick: „Mit einer Länge über alle Tage hinaus werde ich dich erfüllen und mein Heil dich schauen lassen.“

Die frühen Zisterzienser hatten nach den Psalmen einen siebenstrophigen Hymnus gesungen, der bei uns inzwischen durch den kurzen, in der römischen Liturgie üblichen Te lucis ante terminum ersetzt war. Er hatte mit der Anrufung begonnen: „Christus, du bist Licht und Tag, deckst die Finsternisse jeder Nacht auf“ – Christe, qui lux es et dies, noctis tenebras detegis, und die im Lateinischen viel markanter klingenden Bitten enthalten: Sit nobis in te requies, „in dir sei unsere Ruhe“, oculi somnium capiant, cor ad te semper vigilet, „unsere Augen mögen den Schlaf einfangen, das Herz dagegen bleibe immer zu dir hin wach.“

Bereits gegen Ende des letzten Psalms hatte sich derweil der Dienst habende Kirchendiener nach vorn in den Altarraum getastet und die beiden Altarkerzen und das Licht in der Ampel vor der Marienstatue angezündet. Waren der Hymnus, die Bibeltexte und die Schlussgebete der Komplet gesungen, so stellten sich alle außerhalb ihrer Stallen in Richtung dieses Marienbildes und der Kantor stimmte mit einem jubelnden Melisma den Minnegesang des zisterziensischen Salve Regina an Maria an, in dessen wogende Melodie der ganze Chor einfiel. Es ist eine der kostbarsten Perlen aus dem Erbe unserer Zisterzienser-Troubadoure. Der Gesang endete mit der Bitte: „Und nach diesem Exil zeige uns Jesus, die gesegnete Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!“

(aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Singulis Diebus ad COMPLETORIUM
An den einzelnen Tagen zur Komplet:

MARIAWALDER MESSBUCH

SALVE REGINA

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Lesung vor der Komplet und die Komplet / Zisterzienser + Trappisten – 1 / 2

(aus: Rituale cisterciense von 1892)

Von der Kollatslesung und der Komplet

[1.] Wenn das Zeichen zur Kollation – das ist die Lesung vor der Komplet – gegeben wurde, gehen die Brüder, sobald sie durch die läutende Glocke zusammengerufen werden, in den [Lesegang] Kreuzgang der Kollation bei der Kirche, oder, wenn die Kälte es dringlich erscheinen lässt, in den Kapitelsaal, nicht jedoch in die Kirche. Und, sich voreinander verneigend, setzen sie sich dergestalt, dass unterhalb des Priors zum unteren Kreuzgang hin die Priester seines Chores sind, die Jüngeren jedoch entgegengesetzt. Auf der anderen Seite hingegen zur Kirche hin die Priester des Abtschores, und entgegengesetzt die jüngeren Mönche und alle Novizen. Wer der Kollatslesung vorsteht, sitzt in der Mitte der Älteren vor dem Analogium, auf das der vorlesende Bruder das geöffnete Buch gelegt hat, bis jener [Obere] kommt. Und er liest sitzend an seinem Platz, wenn er es möchte, [jedoch] schweigend.

2. Sobald der Obere kommt, stehen alle auf und es verneigen sich vor ihm, wenn es der Abt ist, diejenigen, vor denen er hergeht; und sie stehen so unbedeckten Hauptes und mit seitlich herabgelassenen Armen da, bis für den Leser der Segen gesprochen wurde [und] ohne neuerliche Verneigung setzen sie sich mit bedecktem Haupt, sobald der Obere sitzt. Sodann liest der Leser, der in der vorherige Woche zur Mahlzeit gelesen hat, den Stoff für die im Chor zu machende Betrachtung. An den Samstagen jedoch, wenn die Füße gewaschen werden, liest er nicht, noch empfängt er den Segen, außer nach dem Mandatum: Denn gleich, wenn der Obere dazukommt, setzen sich alle zusammen mit ihm.

3. Wenn vier oder fünf [Doppel-]Seiten gelesen sind, oder wie viel die Zeit erlaubt, sage der Obere: Tu autem [Du aber…], der Lektor [hingegen fährt fort]: Domine miserere nobis [Herr, erbarme dich unser]; und der Konvent [antwortet] aufstehend: Deo gratias. Dann wenden sich alle nach Osten oder zum Kreuzgang des Kapitels [und] der Obere singe, ohne sich zu bekreuzigen, mit der Flexa: Adjutorium nostrum, etc. [Unsere Hilfe, etc.] und wenn der stehende Konvent geantwortet hat: Qui fecit, etc. [Der Himmel und Erde gemacht hat.], verneigen ich alle und treten in folgender Ordnung in die Kirche ein:
1. Zuerst gehen die Novizen, gefolgt vom Magister,
2. [dann] die Priester und Jüngeren des Chores, die in der Nähe der Kirche sitzen,
3. [dann] der, der den Konvent leitet,
4. [dann] die Priester und Jüngeren des anderen Chores.

4. Nach dem Zeichen, auf einen Laut des Oberen hin, sprechen alle kniend oder verneigt, der [liturgischen] Zeit entsprechend, das Vater unser und das Gegrüßet seist du, Maria, unter Schweigen, und nach dem Lautzeichen wird die Hore begonnen, wie anderweitig [beschrieben], unter Voranschickung des Verses Converte nos, etc. [Bekehre uns, etc.], indirectum [auf einem Ton gesungen]. Die Psalmen psalliert man stehend und ohne Gesang: der Hymnus jedoch mit Noten [unterlegt]. Zum Vers Custodi nos [Behüte uns] wird die gewisse Glocke geläutet bis zum Deo gratias. Wenn der Priester spricht Benedicat, etc. [Es segne, etc.], bekreuzigen sich alle und sprechen darauf still kniend oder verneigt, wie zu Beginn der Hore, Vater unser, Gegrüßet seist du und Ich glaube. Wenn diese [Gebete] gesprochen wurden, wird die Komplet der Seligen [Jungfrau Maria] begonnen, ausgenommen am Vigiltag des Osterfestes; gegen deren Ende, also wenn der letzte Psalm gebetet wird, zündet der Kirchendiener zwei Kerzen an der Altarstufe an, oder aber beim Altar.

5. Nach dem Vers Dulce nomen, etc. [Süßer Name; der Komplet B.M.V.] erheben sich alle und stehen „extra stalla“, außerhalb der Stalle zum Altar gewendet, und, vom Kantor begonnen, singen alle feierlich die Antiphon Salve Regina weiter. Zum Vers Ave Maria beugen sie die Knie über die Artikel [Fingerknochen] der Hände, und während vom stehenden Oberen die Collecta gebetet wird, bleiben sie über die Knie gebeugt. Darauf knien sie oder verneigen sich über die Miserikordien, wenn derselbe [Obere] kniend oder gestützt wie die übrigen Divinum auxilium [Die göttliche Hilfe] und Fidelium, etc. [Die Seelen der Gläubigen] spricht.

6. Dann wird, außer am Vigiltag der Geburt des Herrn, das Zeichen zum Englischen Gruß gegeben, damit sie [die Klostergemeinde] drei Mal Gegrüßet seist du, Maria sprechen, stehend oder kniend über den „Artikeln“ [Handknöcheln], wie in Buch I, Kap. 2 [gesagt] und darauf halten sie mit gebeugten Knien stehend [!] zum Altar das Gebet bis zum Lautzeichen des Oberen: Wenn sie es gehört haben, stehen alle auf, verneigen sich, gehen in der Ordnung einer nach dem anderen durch den oberen Zugang des Chores hinaus, [wobei] der Obere vorausgeht, [und] verneigen sich wiederum, wenn sie am Hochaltar vorbeigehen. Der Obere steht bei dem Gefäß mit Weihwasser an der untersten Stufe der Dormitorium[streppe], wo er, wenn er das Aspergill entgegengenommen hat, die einzelnen besprengt, die sich vor ihm verneigen und ins Dormitorium hinaufgehen. Danach gehen sie, wenn die Nola [die kleine Glocke] des Dormitoriums für die Dauer etwa eines De profundis [Ps.129] geläutet hat, ohne Verzug ins Bett.

Rituale Cisterciense Deutsch, 3. Buch, 11. Kapitel: Von der Kollatslesung und der Komplet

Während die Mönche aus der Kirche ausziehen, läutet der Glöckner die Glocke

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Das Aufgezwungene in Freiheit leben

„Was bedeutet das in dieser aktuellen Situation?

Dass wir sie in Freiheit leben können, auch wenn sie uns aufgezwungen ist.

Freiheit heisst nicht, immer und überall auswählen können, was man will. Freiheit ist die Gnade wählen zu können, was unserem Herzen Erfüllung zu schenken vermag, selbst wenn uns alles weggenommen wird. Sogar wenn uns die Freiheit genommen wird, bewahrt und schenkt uns die Gegenwart Gottes die höchste Freiheit, vor ihm innezuhalten, ihn zu erkennen als den anwesenden Freund. Das ist das grossartige Zeugnis der Märtyrer und aller Heiliger.“

P. Mauro-Giuseppe Lepori OCist,
Generalabt der Zicterzienser

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Berufen sein um Mönch zu werden

Werde Zisterzienser in Hohenfurth!

Wie wird man Mönch?

Berufen sein ist, wenn ein junger Mann (alles Entsprechende gilt auch für eine Frau) die Sehnsucht in sich verspürt, als Mönch (Nonne) allein Christus zu folgen und Ihm zu gehören.

Man stellt sich dem Oberen vor und lernt das Klosterleben näher kennen. Es beginnt die unbestimmte Zeit der Kandidatur. Ihr folgen einige Wochen als Postulant innerhalb des Klosters.

Nach dieser Zeit kann er als Novize das Noviziat beginnen. Er wird eingekleidet mit dem Mönchshabit. Nach dem ein Jahr dauernden Noviziat legt er die einfache, d. h. zeitliche Profess auf drei Jahre ab.

Nach Zustimmung des Konventskapitels kann der einfache Professe nach weiteren drei Jahren die feierliche ewige Profess ablegen und sich Gott auf immer weihen.

Einige Brüder sind von Gott auch zum Priestertum berufen. Diese lässt der Abt (der Obere des Klosters) nach einem Theologiestudium und nach seiner reiflicher Überlegung von einem Bischof zum Priester weihen.

Zisterzienserkloster Hohenfurth – Einkleidung eines Novizen

Wer ist ein Mönch?

Der Mönch ist ein normaler Mann, den der Ruf Gottes aus seiner bisherigen Existenz herausgerissen hat, und der nun sein Leben ganz auf Christus auszurichten versucht.

Er ist ein Mann, der in Gott für sich selbst die absolute Liebe gefunden hat und dieser Liebe nichts mehr vorziehen will. Gott wird das einzige Ziel seines Lebens sein. Der Mönch ist kein eitler Tugendbold, kein selbstgenügsamer Weltverächter, der sich in die Einsamkeit seines Ichs zurückzieht. Das Gegenteil ist wahr! Der Mönch bemüht sich dem Ruf der Liebe zu antworten, indem er alle Dinge, an denen er bisher hing, aufgibt, um in diese Freiheit sich Jesus Christus als seinem einzigen Herrn zu weihen.

„Wenn du vollkommen sein willst, geh,
verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen;
so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben;
dann komm und folge mir nach“ (Mt 19,21).

Wenn der Mönch seine Berufung von Gott beantworten will, wird ihm im Kloster eine Struktur gegeben, die zur Förderung des monastischen Lebens am besten geeignet ist. Dazu hilft ihm die von einem Abt (od. Prior) geführte Gemeinschaft der Mitbrüder. Die alleinige Ausrichtung auf Gott hin benötigt die äußerliche Trennung von der Welt und das innere Schweigen; beides ermöglicht die Klausur des Klosters.

Um das Leben mit Gott zu vertiefen, helfen die drei monastische Grundelemente:
1. oratio – das Chorgebet und das persönliche Gebet,
2. lectio – Lesung der Hl. Schrift, der Kirchenlehrer und geistlichen Schriftsteller,
3. labor – die körperliche Arbeit innerhalb der Klosteranlage.

Der Mönch führt ein einfaches und strenges Leben, das ihn zu einem Jünger Jesu formt, einem vertrauten Freund seines Herrn und Meisters.

Zisterzienserabtei Hohenfurth

Cisterciácké opatství Vyšší Brod
Zisterzienserabtei Hohenfurth
Klášter 137
CZ-382 73 Vyšší Brod
Česká republika / Tschechische Republik

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