Einheimischer Zisterziensermönch in Eritrea wird 100 Jahre alt

Am  7. Juli 2019 wurde Pater Hailemariam Teclemariam aus der Zisterzienser-Abtei von Asmara (BMV in Coelum Assumptae) 100 Jahre alt.

Er wurde in Adengefom (Segheneiti), Eritrea, am 07.07.1919 geboren. 1937 trat er in das Diözesanseminar von Keren ein. Am 15. Februar 1948 wurde er von Bischof Kidanemariam zum Diözesanpriester geweiht. 8 Jahre lang war er in verschiedenen Pfarreien tätig. Am 14. April 1956 trat er in das 1940 von Casamari gegründete Zisterzienserkloster von Asmara ein. Für das Noviziat wurde er in das Mutterkloster nach Casamari in Italien geschickt. Danach kehrte er nach Asmara zurück. Am 1. Oktober 1961 legte er seine feierliche Profeß ab. Er war Novizenmeister von 1967 bis 1973 in Asmara und dann von 1976 bis 1979 in Keren. Er übersetzte die Regel des Hl. Benedikt 1975 in Tigrinus.

Pater Hailemariam Teclemariam – Zisterzienser-Abtei von Asmara, Eritrea

Quelle

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Der zentrale Punkt: die Liebe – oder: die Versuchung lau zu werden

Der zentrale Punkt: die Caritas, die Liebe!

Wiederum hat Mauro-Giuseppe Lepori, der Generalabt der Zisterzienser, allen Mitglieder des Ordens mit seinem diesjährigen Pfingst-Brief einen Spiegel vorgehalten. Er schreibt, wie er bei seinen Besuchen in den Klöstern des Zisterzienserordens die Kommunitäten vorfindet. Erschütternd. Doch diese Beschreibung gilt nicht nur für die Mönche und Nonnen hinter Klostermauern. Auch UNS wird ein Spiegel vorgehalten. Der Generalabt erteilt nun praktische wie geistliche Aufgaben. Auch wenn seine Worte in dem Brief nicht an Laien gerichtet sind, so dürfen sich dennoch alle angesprochen sehen, die sich dem Ruf Jesu in die Nachfolge Christi verpflichtet fühlen.

(Ausschnitte aus dem Brief)

Die Probleme, mit denen wir heute im Leben unserer Berufung konfrontiert werden, sind vielfältig und nicht neu. Die ständige Auseinandersetzung mit diesen Problemen, wie auch der Umstand, dass uns der Wunsch nach Einheit und der Auftrag, nach Lösungen zu suchen, häufiger zusammenführen, machen eine entscheidende Frage immer drängender: Was vereint uns? Warum gehen wir einen gemeinsamen Weg? Sind es wirklich die Probleme, die Schwierigkeiten, die Schwächen, die uns verbinden? Sind es nur die kanonischen Gesetze, die Pflichten, die wir mit unseren Gelübden auf uns genommen haben? Ist es nicht etwas viel Tieferes?

Diese Frage wird in dem Mass akuter, wie wir uns bewusst werden, dass uns eben nicht diese Faktoren und nicht nur die Aufgabe, die Schwierigkeiten anzugehen und durchzustehen, tatsächlich verbinden. Viele meiden die Gemeinschaft unter uns oder fliehen vor ihrer eigenen Gemeinschaft, gerade um den Problemen auszuweichen, oder weil sie eine nur auf Gesetz gegründete Treue und durch Gelübde eingegangene Verpflichtung nicht mehr ertragen.

Mitten in dieser Situation, in der die Zahl derer, die mit Freude Verantwortung im Orden, sein Charisma, seine Berufung und Sendung anzunehmen bereit sind, immer geringer wird, ist es, als würde der Briefträger an unserer Türe läuten und uns einen Brief aushändigen, der vor 900 Jahren abgeschickt wurde. Das Datum des Poststempels erstaunt uns: 23. Dezember 1119!

Voller Erwartung und Neugierde öffnen wir und entdecken, dass es ein Liebesbrief ist. Was für eine Überraschung! Wir erröten, denn schliesslich sind wir nicht gewohnt, solche Briefe zu bekommen. Beim Lesen überrascht uns seine Frische. Er ist 900 Jahre alt und erstaunlich aktuell, so passend für uns heute! Woher hat er dieses immer Neu-sein? Es kommt davon, dass er die Liebe, die Caritas ins Zentrum stellt. So lässt er uns verstehen, wie wir den Schwierigkeiten und Problemen begegnen können, vor allem aber, wie wir unsere Berufung und Sendung leben können, wenn wir in diesem Zentrum verankert sind und es das Licht ist, das unser Zusammensein und unsern Umgang mit den schwierigen Situationen erleuchtet.

Eine grundsätzliche Frage

Die Carta caritatis stellt uns somit eine grundsätzliche Frage: Leben wir unsere Berufung im Licht der Caritas? Leben wir sie mit Liebe? Gehen wir den gemeinsamen Weg in Liebe? Sind wir eins in der Liebe? Leben wir unsere Zugehörigkeit zum Orden als Gemeinschaft der Liebe?

Wenn ein Verliebter seiner Erwählten einen Liebesbrief schreibt, dann erklärt er ihr vor allem seine Liebe und bittet sie darum, dass auch sie ihm ihre Liebe ausdrücke. Uns ist wohl das feine Gespür für so etwas abhanden gekommen. Wir täten aber gut daran, die grundlegenden Texte unseres Glaubens und unserer Berufung gerade wie eine Liebeserklärung zu lesen, die auf unsere Liebeserklärung wartet. Ist nicht die Heilige Schrift, ist nicht das Evangelium eine Liebeserklärung? Sind das nicht auch die Benediktsregel oder die Werke unserer Autoren? Und gerade das ist die Carta caritatis des heiligen Stephan Harding und seiner Zeitgenossen.

Wir müssten es eigentlich deutlich spüren, dass wir geliebt, dass wir privilegiert sind, wenn wir einen Text in der Hand haben, der sich seit 900 Jahren darum bemüht uns zu zeigen, wie wir voll und ganz unsere Berufung leben können, und uns dafür Ratschläge und die geeigneten Mittel gibt: Zeiten gemeinsamen Lebens, gemeinsamen Betens gemeinsamer Ausbildung, Gesten gegenseitiger Zurechtweisung, um uns ständig zu läutern von unserer Tendenz, die „erste Liebe“ erkalten zu lassen, lau zu werden gegenüber unserer fundamentalen Berufung, nämlich „der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen“ (RB 4,21).

Die Versuchung lau zu werden

Was ist Lauheit, diese Lauheit der Kirche von Laodikia, die Christus so anwidert, dass ihn davor ekelt (vgl. Offb 3,15-16)? Lau sein, weder warm noch kalt, heisst, sich an die Temperatur der Umgebung anzupassen. Lauheit ist die Temperatur der Welt. Lau sein bedeutet im Grunde sich nach der Welt richten. Es ist niederschlagend zu sehen, wie leicht wir uns an die Welt, an ihre Eitelkeit anpassen in allem, was uns im Gegenteil eine andere Temperatur geben sollte selbst bei der Verrichtung von Dingen, die auch alle anderen tun: Gebet, Arbeit, Erholung, menschliche Beziehungen … Lauheit ist die Versuchung, in die wir leicht hineinschlittern, weil die Glut des Heiligen Geistes etwa so verlorengeht, wie ein Kaffee erkaltet oder ein erfrischendes Getränkt sich erwärmt: Allmählich gleicht sich die Flüssigkeit, die nicht frisch erwärmt oder abgekühlt wird, der Raumtemperatur an und verliert ihren Geschmack und wir das Vergnügen, sie zu trinken.

Diese Erfahrung machen wir alle. Wir verlieren den Eifer, die Begeisterung, die Freude an unserer Berufung. Wir verlieren den Geschmack an dem, was uns einmal angefeuert hat, z.B. den Geschmack am Wort Gottes oder am Gebet, oder den Geschmack am brüderlichen Leben, oder den Geschmack am Dienst für die Gemeinschaft, den Orden, die Kirche.

Dieser Lauheit kann man nicht mit Thermosflaschen beikommen, die künstlich die ursprüngliche Begeisterung erhalten. Es genügt nicht die Wärme, die Flamme, die unmittelbar und ununterbrochen die Temperatur des Herzens und des Lebenserwärmt, zu konservieren, man muss sie anfeuern. Ist nicht gerade das der Sinn jeglicher monastischen Disziplin, das Ziel all dessen, was die Regel des heiligen Benedikt uns rät und vorschreibt? Die treue Wiederholung der Gesten und Zeiten der Gemeinsamkeit mit Gott und den Brüdern und Schwestern bekämpft das unweigerliche Lauwerden, in das wir so leicht abrutschen, oder in das uns die illusorische Faszination der Welt hineinziehen will.

Das Feuer, das wir dringend benötigen und das wir ständig unterhalten müssen, ist die Liebe, die Liebe Gottes, die uns der Heilige Geist mitteilt. Ein Hymnus für die Terz lässt uns den Heiligen Geist darum bitten: „flammescat igne caritas – in Feuer entflamme die Liebe“. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns gegenseitig helfen, die Flamme der Liebe zu Christus lebendig zu erhalten, wie die Carta caritatis uns lehrt.

Quelle OCIST

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SALVE REGINA – Trost- und Sehnsuchtsgebet

Rund um Ostern nimmt orden.de das „Gebet“ in den Fokus. Zu diesem Kernaspekt des geistlichen Lebens kommen Ordensmänner und Ordensfrauen mit den Prägungen ihrer Gemeinschaften zu Wort. Alle Beiträge zum Thema können hier nachgelesen werden.

Das Salve Regina ist eines der ersten großen liturgischen Gebete bzw. Gesänge des Stundengebets, die mir bereits als Schüler begegnet sind. Dies hängt damit zusammen, dass die Komplet die erste Gebetszeit des Stundengebets war, die ich näher kennen lernte. Sie endete stets mit dem gesungenen Salve Regina. Etwas später erfuhr ich, dass in manchen Gemeinschaften auch andere Mariengesänge zur Komplet gesungen wurden je nach liturgischer Zeit. Bei den Zisterziensern lernte ich dann wieder das täglich wieder kehrende Salve Regina kennen, das den Tag beschloss, während dort die Mariengesänge zur Vesper gemäß der liturgischen Zeit wechselten.

Als Zisterzienser ist mir das Salve Regina besonders an das Herz gewachsen, weil es die tiefe, aber auch nüchterne Marienfrömmigkeit unseres Ordens zeigt, und weil der heilige Bernhard selbst zum heutigen Wortlaut beigetragen haben soll. Auf ihn sollen die letzten drei Anrufungen zurückgehen: „o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria“. Wenn es auch nicht nachweisbar ist; wer die Schriften des heiligen Bernhard kennt, weiß, dass diese Annahme nachvollziehbar ist.

Wenn ich die Komplet als Abschluss des Tagwerks und Einladung zur Nachtruhe ansehe, eröffnet mir das Salve Regina eine neue Dimension und bildet den Höhepunkt zum Horenabschluss. In den Zisterzienserklöstern wird dies besonders erlebbar, da alle Lichter im Kirchenraum gelöscht werden. Es brennen nur Kerzen an der Marienstatue und am Altarkreuz. Die gesamte Klostergemeinschaft steht in feierlicher Haltung im Chorgestühl und blickt zum Altar und zur Marienstatue.

Mit dem Blick auf Maria eröffnet sich die neue Dimension. Mit ihr dürfen wir auf den vollendeten Menschen schauen, den sie darstellt. Mit ihr werden uns aber auch unsere Schwächen und Fehler, Leiden und Sorgen bewusst – besonders wenn wir am Abend auf den vergangenen Tag zurückblicken. Mit dem Blick auf Maria schauen wir aber auch auf eine gute Mutter im Himmel, die für uns da ist. All dies wird in schlichte, aber inhaltsreiche Worte gekleidet und im Gesang ausgedrückt. Maria ist unser Leben, sie unsere Süßigkeit und unsere Hoffnung – aber auch nur als vorläufige. Es geht um Jesus. Es geht um Gott. Ihn soll sie uns zeigen. Die Gebetsworte des Salve Regina vergessen ihn nicht. Maria ist nicht Selbstzweck, sondern sie trägt „nur“ die Frucht aus, die sie uns zeigen soll.

Das Salve Regina wirkt auf mich als großes Trost- und Sehnsuchtsgebet, das sehr schön an den Abend des Tages passt und das bei uns auch am Abend des Lebens gesungen wird: am offenen Grab eines Mitbruders, der aus diesem Leben geschieden ist. Jesus als Erlöser möge erscheinen, der alle Lasten von uns nimmt.

Bruno Robeck  –  Quelle

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Robertus – Albericus – Stephanus

Am 26. Januar begehen die verschiedenen Zweige aller Zisterzienser ihr großes Ordensfest. Sie feiern die Gründeräbte:

Robert von Molesme
* um 1027 in der Champagne
† 1111 in Molesme

Alberich von Cîteaux
* um 1050 in Frankreich
† 26. Januar 1109 in Cîteaux

Stephan Harding
* 1059 in Merriott, Somerset, England
† 28. März 1134 in Cîteaux

Diese drei und weitere achtzehn Mönche aus Molesme wollten ganz treu nach der Regel des heiligen Benedikt leben. Die Lebensweise der Mönche von Cîteaux wollte sich unterscheiden von der des damals üblichen benediktinischen Lebensstiles, der geprägt war durch die Abtei Cluny in Burgund, nicht weit von Citeaux. Es entstand aus dieser Reform innerhalb des benediktinischen Mönchtums ein neuer Orden: die Zisterzienser.

Hll. Zisterziensergründer: Robertus – Albericus – Stephanus

Freilich wird oft auch weithin auch Bernhard von Clairvaux als Mitbegründer des Zisterzienserordens genannt. Aber er war kein Ordensgründer, er war Ordensreformator und Motor dieser neuen geistlichen Bewegung. Bernhard trat 1113 zusammen mit 30 weiteren Gefährten, die meisten waren mit ihm verwandt, als Novize in Citeaux ein. Durch den Einfluss seiner starken Persönlichkeit begann ein enormer Aufschwung im neuen Orden. Sehrschnell wurden die ersten Tochterklöster gegründet werden: 1113 La Ferté, 1114 Pontigny, 1115 Morimond.

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Mönche glaubten offenbar an Auferstehung des Fleisches

In der berühmten, seit 1539 mehr oder weniger ruinösen nordenglischen Cistercienserabtei Fountains sind mehr als 500 Mönchsgräber gefunden worden. Besonders beachtenswert ist die Lagerung der unüberschaubaren Schar von Leichen in symmetrisch zusammengestellten, unterirdischen Steingehäusen, die bis zu vier Leichen in der Art von Lagerbetten übereinander stellten. Jüngste Technologie war bei dem Fund ausschlaggebend: Man hat mit geophysischen Messgeräten die genaue Aufstellung der Gräberreihen identifiziert. Sie erstrecken sich österlich der Abteikirche auf ein Areal von 60 m x 80 m.

Tragisch an der Berichterstattung in den englischen Medien ist der Hinweis in vielen Zeitungsberichten, dass der Fund den Auferstehungsglauben der Mönche bestätige. In einem Bericht hieß es: „Moderne christliche Theologie erwartet zwar die Auferstehung der Seele, nicht aber des Leibes. Islam und Judentum erwarten eine leibliche Auferstehung“. Zur Entschuldigung der theologischen Ignoranz der britischen Journalisten sei auf die erlaubte und immer populärere Urnenbestattung hingewiesen. Welche Religion, die an die Auferstehung des Fleisches glaubt, würde die Verbrennung von Leichen erlauben?

Fountains gehört mit seinen mehr als 300.000 jährlichen Einzelbesuchern zu den meistfrequentierten Objekten des National Trust. Was erzählt man den Touristen über den Glauben, der zur Errichtung der atemberaubend schönen Bauten geführt hat? Scheinbar wenig.

Prof. P. DDr. Alkuin Schachenmayr OCist

FOTO – https://www.nationaltrust.org.uk/fountains-abbey-and-studley-royal-water-garden/features/fountains-abbey

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Prostratio nach den Exequien von Zisterziensern

Bei Exsequien kommt die Prostratio in folgender Weise vor:

Im letzten Teil der Beerdigungsliturgie, nach der Versenkung des Verstorbenen ins Grab, kehrt die Mönchsprozession in die Kirche zurück; die Mönche stellen sich der Seniorität nach entlang der Altarstufe auf und prosternieren sich mit dem Kopf zum Altar. Ist der Konvent groß, bildet sich eine zweite Reihe, eine Körperlänge dahinter, die sich ebenso zu Boden wirft. Der Abt kehrt, nachdem er in der Sakristei die Messgewänder abgelegt hat, an die Stufe zurück und nimmt seinen Platz auf dem Boden ein, den die ältesten Mönche ihm freihielten.

Aus: Cist. Chronik 27 (1915) 218-221.

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Dom Alexis Presse

Am Gedenktag des heiligen Alexis sei an einen seiner vielen Namensvetter erinnert. Auch Dom Alexis Presse trug seinen Namen. Darum sei heute an diesen großen Trappistenabt erinnert.

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Dom Alexis Presse wurde geboren am 26. Dezember 1883 in Plouguenast/Bretagne und erhielt in der Taufe den Namen Mathurin. Nachdem er sich die notwendige Schulbildung angeeignet und erste Studien im Priesterseminar von Saint-Brieuc absolviert hatte, trat er 1903 in die Zisterzienserabtei Timadeuc ein. Nach seiner zeitlichen Profess am 11. Februar 1905, der Feierlichen Profess am 16. Februar 1908 und seiner Priesterweihe am 29. Juni des gleichen Jahres setzte er seine Studien in Rom fort, bei dem er sich speziell mit kirchenrechtlichen Fragen beschäftigte und im Jahr 1914 zum Doktor des kanonischen Rechts promoviert wurde.

Nach seiner Teilnahme am 1. Weltkrieg konnte er nach einem Aufenthalt in Timadeuc für drei Jahre, von 1920 bis 1923, als Lehrer in der Abtei Bonnecombe wirken. Schon 1923 wurde er jedoch als Superior in die Abtei Tamié geschickt, deren Mönche ihn 1925 zu ihrem Abt wählten.

Die Abtei, der er nun vorstand, hatte schwere Prüfungen zu bestehen. Die Gemeinschaft war aus zwei Klöstern zusammengelegt worden und dadurch nicht wirklich geeint. Finanzielle Probleme und fehlender Nachwuchs bedrängten die Gemeinde, die nach tatkräftiger Führung verlangte. Dom Alexis verstand es, die Mönche und Konversen zu fördern und zu ermutigen. Er brachte unter vielen Mühen die desolate Finanzsituation wieder ins Lot und versuchte, mit neuen Einnahmequellen der angespannten Lage Herr zu werden. Seiner Gemeinde war er ein liebevoller Abt, seine Kontakte zum Klerus der Diözese waren hervorragend und seine Begeisterung für das zisterziensische Leben mitreißend. Er hatte intensiven Kontakt zu dem unermüdlichen Verbreiter der in Vergessenheit geratenen Schriften der frühen Zisterzienserväter, Dom Anselme Le Bail.

Schon bald nach seiner Berufung nach Tamié im Jahr 1923 sanierte er das Kloster etappenweise. Junge Novizen traten der Gemeinde bei, unter ihnen auch der später sehr bekannte Kunsthistoriker P. Anselme Dimier, der schließlich nach Scourmont übertreten sollte. Nicht alle Änderungen und Neuerungen, die Dom Alexis in Tamié einführte, stießen auf Zustimmung bei den Ordensoberen.

Die Einführung altzisterziensischer Gebräuche wurde nur widerstrebend geduldet, so dass sogar in Rom Beschwerden gegen ihn eingingen. Auf den Generalkapiteln der Strengeren Observanz musste er sich wiederholt rechtfertigen. Allerdings stärkte der einflussreiche Vater Immediat von Tamié, Dom Jean-Baptiste Chautard von Sept-Fons, dem temperamentvollen jungen Abt oft den Rücken.

Schließlich jedoch wurden die Übertretungen der Ordensdisziplin in Tamié in bestimmten Punkten zum Anlass genommen, Dom Alexis streng zurechtzuweisen und auf sofortigen und strikten Gehorsam zu pochen. Nachdem er sich geweigert hatte, sich öffentlich zu den Maßnahmen zu äußern, die gegen ihn ergriffen werden sollten, falls er nicht bedingungslos einlenken würde, zitierte ihn das Generalkapitel nach Cîteaux und verhängte über ihn die Exkommunikation des Ordens, indem es ihm mit sofortiger Wirkung verbot, nach Tamié zurückzukehren und mit seinen Mönchen und Konversen Kontakt zu haben.

Dom Marie Godefroy als Vaterabt hatte diese Strafe der erschütterten Gemeinschaft in Tamié zu verkünden und die weiteren Schritte zu regeln, die sich als Konsequenzen aus der Exkommunikation von Dom Alexis ergaben. Er und seine Begleiter gestatteten dem ratlosen Abt allerdings aus Freundschaft, die notwendigen persönlichen Dinge aus seinem bereits versiegelten Zimmer zu holen. Alexis Presse war kein sehr diplomatischer Mensch. Die Differenzen zwischen der Ordensleitung und seiner Person waren die Folge des ungestümen bretonischen Charakters von Dom Alexis und einer Konzeption des Ordenslebens seitens der Ordensleitung, die sich ganz auf aszetische und rubrizistische Ideale stützte.

Dom Alexis Press in Bocuqen

Relativ bald, schon im Oktober 1936, besiedelte Alexis Presse daraufhin die alte Zisterzienserabtei Boquen wieder. Als Gebäude fast ganz ruiniert und zerstört, baute Dom Alexis in geduldiger und harter Arbeit Teile des ursprünglichen Klosters wieder auf. Eine kleine Gemeinschaft begann ein Leben nach den ursprünglichen Gebräuchen von Cîteaux, wie sie Dom Alexis interpretierte.

Das Leben in Boquen zeichnet sich durch große Flexibilität und gesundes Maßhalten aus, zeigte aber auch Tendenzen zu historisierenden Engführungen, vor allem in hygienischer Hinsicht. Alexis Presse war es vergönnt, Unterstützung zu finden von den verschiedenen Generaläbten ocist.

Im Jahr 1950 wurde er offiziell zum Abt von Boquen ernannt. Die Narben der Verwundungen von 1936 konnten langsam heilen und voller Freude durfte Alexis Presse zu seinem goldenen Priesterjubiläum im Jahr 1958 den ehemaligen Generalabt ocso und einstigen Wegbegleiter aus seiner Zeit in Timadeuc in Boquen begrüßen. Seine große Liebe zum Zisterzienserorden und seine außerordentliche Gelehrsamkeit ließen ihn den Versuch wagen, auch im 20. Jahrhundert der ursprünglichen Observanz des frühen Cîteaux gerecht zu werden. Dazu führte er in Boquen den mittelalterlichen Tagesplan wieder ein, der die Stunden nach dem Sonnenstand berechnete und harmonisch dem natürlichen menschlichen Rhythmus folgte. Schon in Tamié hatte Dom Alexis mit Sorgfalt nach den alten Melodien des zisterziensischen Offiziums (vor allem der gesungenen Teile des Nachtgottesdienstes) gesucht und konnte daher in Boquen auf seinen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Dormitorium in Bocquen. LIFE-Magazin-Photo

Die Weihe der wiedererrichteten Abteikirche am 22. August 1965 unter großer Anteilnahme der offiziellen Förderer und vieler Freunde von Boquen konnte Dom Alexis vom Rollstuhl aus mitfeiern.

Allerdings waren ihm nur noch wenige Wochen zu leben vergönnt. Wie er es sich gewünscht hatte, starb Dom Alexis, erschöpft und krank, in der Nacht des Festes Allerheiligen, das er schon im Himmel feiern wollte, und wurde unter zahlreicher Beteiligung in der Abteikirche von Boquen bestattet.

Text: Cistopedia

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