Das Stundengebet bei den Trappisten (1/14) – Siebenmal und in der Nacht

(Ausschnitte aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

[Bernardin Schellenberger trat 1966 als Postulant in die Abtei Mariawald in der Eifel ein, einem Kloster der Reformierten Zisterzienser (OSCO), auch weithin ‚Trappisten‘ genannt. Er erlebte und beschreibt in seinem Buch „Gott suchen…“) die letzten Jahre einer Klosterwelt, „die es inzwischen in dieser Form nicht mehr gibt.“ Bedingt durch die Wirren der Nachkonzilszeit und der damit einhergehenden Veränderungen brach die alte Ordnung zusammen. Viele Mönche verließen den Orden und in Mariawald blieb am Ende von denen, die einmal eingetreten sind, nur ein Bruchteil übrig. – Weltweit finden sich heute wieder Menschen zusammen, die als Mönche so leben, wie es die alten Mönchsväter vorgelebt und überliefert haben. Manche dieser neuen Klöster stehen bereits in voller Blüte, andere befinden sich noch oder wieder im Aufbruch, so auch das Trappistenkloster Mariawald, wo seit einigen Jahren die alten Gebräuche aus jener Zeit wieder eingeführt wurden, von denen Bernardin Schellenberger in seinem Buch ausführlich berichtet.]

Bernhard von Clairvaux, Vater der Zisterzienser und der Trappisten, dem unzählige Mönche und Nonnen gefolgt sind, wie auch die Trappisten-Mönche von Mariawald, sprach:
„Es erleichtert uns die Mühen des gegenwärtigen Lebens und alles wird erträglicher, wenn wir uns mit Hingabe dem Lob Gottes widmen. Außerdem gibt nichts so sehr der Erde den Charakter einer Wohnstatt, in die der Himmel einkehrt, wie die frohe Begeisterung derer, die Gott loben. Darum heißt es in der Heiligen Schrift: ‚Selig, die in deinem Hause wohnen, Herr. In alle Ewigkeit werden sie dich loben‘ (Ps 83,5)“.

Wir hielten uns an seinen Rat: Siebenmal am Tag und einmal in der Nacht versammelten wir uns in der Kirche zum Gotteslob. Es bestand im Wesentlichen aus dem Singen von Psalmen und Bibeltexten und einigen Lesungen aus der Bibel. Dieses so genannte Stundengebet hat in der Kirche eine uralte Tradition. Es stellte bereits im 12. Jahrhundert, zur Zeit der ersten Zisterzienser, eine Art Synthese aus verschiedenen Gebetsübungen der frühen Kirche dar.

Ganz alt ist der Brauch der Christen, zur dritten, sechsten und neunten Stunde der römischen Tageseinteilung ein Gebet zu verrichten. Er geht auf die im Neuen Testament, nämlich in der Apostelgeschichte, genannten Gebetszeiten der Apostel, oder genauer: des Petrus zurück. Nachdem auf die am Pfingsttag Versammelten der Heilige Geist herabgekommen war und sie in ihrer Ekstase wie Betrunkene wirkten, versicherte Petrus in seiner Predigt: „Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen“ (2,15). Als Petrus später in Joppe unterwegs war, „stieg er auf das Dach, um zu beten; es war um die sechste Stunde“ (10,9). Und an einer anderen Stelle wird gesagt: „Petrus und Johannes gingen um die neunte Stunde zum Gebet in den Tempel“ (3,1).

An den Bischofskirchen wurde außerdem schon früh ein gemeinsames liturgisches Morgen- und Abendgebet des Bischofs mit seinem Klerus üblich, aus dem sich die so genannten Laudes (ein Plural-Wort: „Lobpreisungen“) und die Vesper (vom römischen Begriff hora vespertina, „Abendstunde“) entwickelt haben dürften. Daneben gab es das Morgen- und Abendgebet der Gläubigen nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen, das man als Vorläufer der Prim (vom lateinischen prima, „erste“ Gebetszeit) und der Komplet (vom lateinischen completus, von dem unser „komplett“ abgeleitet ist: also wenn der Tag beendet ist) betrachten könnte.

(B. Schellenberger. „Gott suchen…“. Das Stundengebet)

Siehe: Buchvorstellung

 

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Vom Leben der Trappisten – Buchvorstellung

Bernardin Schellenberger war einst „Zisterzienser von der strengeren Observanz“ (OCSO), einem katholischer Orden, der weithin als „Trappisten“ bekannt ist und berühmt ob der strengen Lebensweise der „schweigenden Mönche“. Über seine 15 Jahre (1966-1981) als Trappist der Abtei Mariawald berichtet Schellenberger autobiographisch in dem nun vom „Verlag der Ideen“ herausgegebenen Buch „Gott suchen – sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“.

Ähnliches hatte Schellenberger schon in seinem 2005 erschienenen (und inzwischen vergriffenen) großformatigen Buch „Die Stille atmen“ unternommen, das mit großformatigen Fotos einen Einblick in das Leben der Mönche von Mariawald gegeben hat. Diese visuelle Darstellung macht den einen wesentlichen Unterschied der beiden Bücher aus. Das neue, 430 Seiten starke Buch ist zwar auch bebildert, sogar mit anderen Fotos, doch diese sind, sicher dem handlichen Format des Buches geschuldet, nur kleinformatig. Der damalige Text indes ist geblieben.

Somit ergibt sich ein zweiter Unterschied zu dem großformatigen Buch von 2005, das man nur durchblättern konnte, wenn man es auf einen Tisch legte: Das Lesen wird einfacher gemacht, denn dem interessierten Leser wird jetzt die Möglichkeit gegeben, das Buch in die Hand zu nehmen und zu lesen wo er es möchte.

Schellenberger berichtet aber nicht über das Leben der Mariawalder Trappistenmönche wie es war, als er es 1981 sein Mönchsleben aufgegeben hat, sondern er beschreibt die Lebensweise, die er angetroffen hatte, als er 1966 eingetreten ist, um freiwillig dieses Leben zu führen und zu teilen. Es war die Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, in dessen Folge sich Vieles in der Kirche verändern sollte. Auch die „Zisterzienser von der strengeren Observanz“ begannen, Veränderungen ihrer Lebensweise vorzunehmen und zum Teil gravierende Neuerungen einzuführen. Das Anliegen des Autors ist es, jenen Alltag der Trappisten von Mariawald zu beschreiben, wie er damals noch gemäß den traditionellen Gebräuchen gelebt wurde.

So gibt dieses Buch oft bis in die kleinsten Details eine Vorstellung davon, wie das Klosterleben der Trappisten war. Schellenberger schreibt einfach und beeindruckend über das Leben der Mönche, von ihrem Eintritt bis zu ihrem Tod. Man erfährt von dem Glück, das die Mönche verspüren, und wie zufrieden sie sind in ihrem Leben voller Gebet und Arbeit. Auch dass die Trappisten nicht ewig schweigen erfährt der Leser, vielmehr werden nur noch die Worte gesprochen, die wirklich notwendig sind. Außerdem gibt es eine praktische Zeichensprache. So wird das Überflüssige einfach weggelassen – undenkbar in unserer heutigen so hektischen Welt, in der alles und jedes „sofort“ ausgesprochen und erledigt werden muss.

Neben dem umfassenden Einblick in das alte Mönchsleben sind Schellenbergers Zitate vieler Zisterzienserväter ein Genuss für den am geistlichen Leben interessierten Leser. Zur schweren Arbeit und Strenge des Mönchslebens zitiert Schellenberger den englischen Mönch Matthäus von Rievaulx: „Uns erschöpft die Arbeit, das Kloster hält uns am Zügel, die Disziplin hält uns stramm, die knappe Nahrung schmal, die Entbehrung drückt. Uns brennt der Winter, der Sommer kocht uns, und dieser Schmelzofen ist ein Quell für die Seele. Durch das Feuer wird sie bewährt.“

Das harte Mönchsleben änderte sich in den folgenden Jahren stark. Besonders die Strenge wurde aufgegeben, dem Einzelnen wurde mehr Eigenverantwortung überlassen. Auch im mönchischen Alltag „verarmte“ Vieles: Die Nachtruhe wurde verlängert, die Nachtwachen und das gesamte Göttliche Offizium wurden verkürzt. Gesprächskreise und gemeinsame Feiern wurden hie und da eingeführt. Aus Schlafsälen wurden Einzelzimmer; und man hört sogar, es gäbe Urlaub für die Mönche. Kein Wunder, wenn Schellenberger am Ende seines Buches schreibt: „So gut wie alle Mitbrüder meiner Generation haben sich binnen weniger Jahre in alle Winde zerstreut.“ Dies ist das Drama dieses biographischen Buches: kein Happy-End. Dennoch sei all jenen dieses Buch empfohlen, die sich aus historischen und biographischen Gründen für das Mönchsleben interessieren, sowie jenen, die womöglich entdecken wollen, wie kraftvoll, fruchtbar und schön ein strenges Leben heute sein kann. Gott sei Dank gibt es heute weltweit wieder solche Aufbrüche, nicht zuletzt auch in Mariawald.

Erstveröffentlicht bei kathnews
http://www.kathnews.de/vom-leben-der-trappisten

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Bernardin Schellenberger
Gott suchen – sich selbst finden
Erfahrungen mit der Regel Benedikts
Verlag der Ideen, 2016
437 Seiten; 24,90 Euro
ISBN 978-3-942006-21-7
http://www.verlagderideen.de/portfolio/gott-suchen-sich-selbst-finden/

die-stille-atmen-cover
Bernardin Schellenberger
Die Stille atmen. Leben als Zisterzienser
208 Seiten. Format: 24,9 x 32,6 cm
Kreuz Verlag 2005
ISBN: 978-3783126051
Dieses Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich.

Gebet zum Gekreuzigten nach der Heiligen Messe

Obsecro te, dulcissime Domine Jesu Christe, ut passio tua sit mihi virtus, qua muniar, protegar atque defendar; vulnera tua sint mihi cibus potusque, quibus pascar, inebrier atque delecter; aspersio Sanguinis tui sit mihi ablutio omnium delictorum meorum; mors tua sit mihi vita indeficiens, crux tua sit mihi gloria sempiterna. In his sit mihi refectio, exsultatio, sanitas et dulcedo cordis mei: Qui vivis et regnas in sæcula sæculorum. Amen.

Gütiger Herr Jesus Christus, ich flehe Dich an:
Laß Dein Leiden mir Kraft sein, durch die ich gefestigt,
beschützt und verteidigt werde;
laß Deine Wunden als Speise und Trank für mich Sättigung,
Labung und Freude sein;
durch die Besprengung mit Deinem Blute
wasche all meine Sünden ab;
Dein Tod sei mir unversiegliches Leben,
Dein Kreuz ewige Glorie: All dies
sei Erquickung, Wonne, Heil und
Süßigkeit für mein Herz:
der Du lebst und herrschest
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Nehmet euch der Schwachen an!

In aller Milde und Sanftmuth sollt ihr die Kleinmüthigen trösten, euch der Schwachen annehmen und Geduld haben mit Allen. Denn wer mit Härte und Bitterkeit getadelt wird, der gibt gar leicht das Streben, wieder auf den rechten Weg zu kommen, ganz auf, kümmert sich immer weniger um die Autorität des Priesters und schüttelt am Ende das Joch derselben ganz ab. Darum gibt der Apostel den Vorstehern die Vorschrift, sie sollen die ihrer Natur nach bittere Arznei der Zurechtweisung durch eine milde Form der Mahnung möglichst versüßen. Was hat man aber unter den „Ungefügen“ zu verstehen? Das sind Diejenigen, welche nicht nach dem Willen Gottes handeln. Denn in der Kirche muß eine noch viel größere Ordnung herrschen als in einem Kriegsheere.

Darum ist der Schmähsüchtige ein Ungefüger, ist der Trunksüchtige und Habsüchtige ein Ungefüger, und Alle, so da Sünde begehen, sind Ungefüge, denn sie fügen sich nicht in die ihnen vorgezeichnete Ordnung, treiben sich außerhalb der ordnungsgemäßen Kampfreihe herum und gehen daher zu Grunde. Außer den genannten Sünden gibt es noch eine andere Art, zwar nicht von so grober Beschaffenheit, aber doch auch eine Sündengattung, das ist die Schwachherzigkeit mit all ihren Folgen. Denn sie kann die Menschen ebenso ins Verderben stürzen wie geistige Trägheit. Wer nicht im Stande ist, Beleidigungen willig hinzunehmen, der ist schwachherzig; wer Versuchungen nicht starkmüthig widerstehen kann, der ist schwachherzig. Bei den Schwachherzigen fällt der gute Samen auf felsiges Erdreich.

Eine andere Form der sündhaften Unvollkommenheit ist die Schwäche. Mit Beziehung hierauf sagt der Apostel: „Nehmet euch an der Schwachen!“ Er meint hiemit die Schwachen im Glauben, denn auch in dieser Beziehung gibt es eine krankhafte Schwäche. (Kap. 10,3)

(aus: Hl. Johannes Chrysostomos.
Homilien über den I. Thessalonicher-Brief.
Bliothek der Kirchenväter)

Pauli Bekehrung

Die Bekehrung des hl. Paulus dient uns als Vorbild und zeigt uns den Weg, um in Richtung auf die volle Einheit voranzugehen. Die Einheit erfordert nämlich eine Bekehrung: von der Trennung zur Gemeinschaft, von der verletzten Einheit zur wieder geheilten und vollständigen Einheit. Diese Bekehrung ist Gabe des auferstandenen Christus, wie sie es für den hl. Paulus war. Das haben wir aus den Worten des Apostels selbst in der vorhin verkündeten Lesung gehört: »Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin« (1 Kor 15,10). Derselbe Herr, der Saulus auf der Straße vor Damaskus rief, wendet sich an die Glieder seiner Kirche – die eine und heilig ist –, und während er jeden bei seinem Namen ruft, fragt er ihn: Warum hast du mich gespalten? Warum hast du die Einheit meines Leibes verletzt? Die Bekehrung beinhaltet zwei Dimensionen. In einem ersten Schritt lernt man im Licht Christi die Schuld erkennen und anerkennen, und aus dieser Erkenntnis erwächst Schmerz und Reue, die Sehnsucht nach einem Neubeginn.

BENEDIKT XVI. am 25. Januar 2009