Seraphin von Montegranaro (1540-1604) – 12. Oktober

Vor wenigen Tagen gedachte die Kirche des heiligen Serafino von Montegranaro.

Täglich betete er:

„Heilige Mutter, durchdringe mich.
In meinem Herzen erneuere sich jede Wunde
meines gekreuzigten Erlösers.“

Heiliger Serafino von Montegranaro

Seraphin von Montegranaro wurde als Felix (Felice) Rapagnano in Montegranaro geboren und war das zweite von vier Kindern von armen, frommen Eltern, Gerolamo Rapagnano und Teodora Giovannuzzi. Der Vater war Maurer. Wegen ihrer Armut war die Familie von der Leistungsbereitschaft aller Familienmitglieder abhängig. Der älteste Sohn, Silenzio, folgte in die Fußstapfen seines Vaters als Maurer. Der kleinere und weniger handwerklich begabte Felix wurde als Hirte an einen ortsansässigen Bauern vermietet. Felix genoss das Hirtenleben, da es ihm Zeit zum Gebet gab. Schon in jungen Jahren hatte er die Neigung zum Schweigen, zur Abgeschiedenheit und zum Gebet, was die Menschen bewundernd auf ihn aufmerksam machte. Als ihr Vater starb sollte Felix seinem älteren Bruder auf den Baustellen behilflich sein. Er war dazu nicht fähig und musste lernen, körperliche und psychische Unterdrückung seines jähzornigen Bruders zu ertragen.

Felix träumte davon als Asket in der Wüste zu leben und zu Fasten und Buße zu tun. Er hörte, dass auch die Kapuziner ein Bußfertiges Leben führen und wollte dort eintreten. 1556 wurde er endlich aufgenommen und kam ins Noviziat in Jesi. Nach einem Jahr der Probezeit erhielt Felix seinen Ordensnamen Seraphin (Seraphim). Als er in den Orden eintrat, sagte er:

„Ich habe nichts, nur ein Kruzifix und einen Rosenkranz, aber mit diesen hoffe ich, den Brüdern zu nützen und ein Heiliger zu werden.“

Seraphin pflegte von Anfang an eine ungekünstelte Einfachheit, unterwarf sich Kasteiungen und dem Gehorsam, und er hatte eine große Nächstenliebe gegenüber den Armen. Besonders pflegte er eine außergewöhnliche Hingabe zum Allerheiligsten Sakrament und zur Muttergottes.

Seraphin war mit der Gabe ausgestattet, die Geheimnisse der Herzen zu lesen. Auch konnte er Prophezeiungen aussprechen und Wundern vollbringen. Seine Ratschläge wurden von weltlichen und von kirchlichen Würdenträgern erbeten.

Äußerlich war Seraphin unansehnlich. Sein Haar war immer durcheinander; er war ungeschickt bei manuellen Aufgaben; und er konnte nicht lesen noch schreiben. Seine Heiligkeit jedoch wurde von vielen erkannt. Manchmal wurde Seraphin durch den Spott seiner Kapuziner-Mitbrüder entmutigt. Er erklärte einmal:

„Als ich in das Ordensleben begann, war ich ein armer, ungelernter Arbeiter, dem Talent und Potential fehlten. Ich blieb so wie ich war und dies verursachte so viele Erniedrigungen und Rügen, die der Teufel als Gelegenheit nutzte, mich aus dem religiösen Leben zu verführen. Ich zog mich in eine Wüste zurück, zog mich in mich zurück und vertraute mich dem Herrn an. Eines Nachts hörte ich eine Stimme aus dem Tabernakel; sie sagte: ‚Um Gott zu dienen, musst du für dich selbst sterben und Widrigkeiten jeglicher Art akzeptieren.‘ Also nahm ich sie an und beschloss, einen Rosenkranz für jeden zu beten, der mir Ärger machte. Bald hörte ich die Stimme aus dem Tabernakel sagen: ‚Deine Gebete für die, die dich beschämen, sind sehr angenehm für mich. Dafür bin ich bereit, dir viele Gnaden zu geben.‘“

Seraphin wurde hauptsächlich als Pförtner in verschiedenen Klöstern eingesetzt. Eine Kapuziner-Brauch bestand darin, Räume in der Nähe des Pförtnerbüros für Reisende und Pilger zugänglich zu halten. Gleich zu welcher Stunde in der Nacht jemand anklopfte, öffnete Seraphin die Pforte. Viele erzählten, dass sie, nachdem die Stadttore für die Nacht geschlossen worden waren, Zuflucht im Kapuzinerkloster suchten, das damals meistens außerhalb der Stadtmauern lag.

Bruder Seraphin verbrachte ganze Nächte in der Kirche. Seine Mitbrüder bezeugten, dass, nachdem alle anderen zu Bett gegangen waren, sie Seraphin oft zur Kirche gehen sahen, wo er die Nacht in Anbetung vor dem Allerheiligsten verbrachte. Manchmal hörte man beten: „Friede, Herr, ich bitte Frieden für das und das.“ Seraphin vertraute jemanden an, dass der Grund, warum er so viele Nächte in der Kirche verbrachte, darin lag, dass er in seinem Zimmer stark gegen die Keuschheit versucht war.

Seraphin war streng mit sich selbst. 40 Jahre hindurch aß er nur Suppe oder Salat. Dennoch besaß er einen großartigen Sinn für Humor. Obwohl Bruder Seraphin ein Analphabet war, sagte man, dass er von Gott beredter sprechen konnte als jeder Theologe. Sogar der Bischof von Ascoli, der bedeutende Theologe Kardinal Girolamo Bernerio, suchte Seraphins Rat.

Bruder Seraphin heilte einmal einen sterbenden Bischof. Der Bischof sagte ihm: „Ich habe eine lange Reise gemacht und habe gehofft, ins Paradies zu kommen. Aber dank dir haben sie die Himmelstür wieder verschlossen und mich die Treppe hinuntergeworfen; also bin ich zurück in dieser Welt.“

Der Kapuzinerbruder Seraphin starb am 12. Oktober 1604 in Ascoli Piceno. Am 16. Juli 1767 wurde er von Papst Clemens XIII. heiliggesprochen, gemeinsam mit anderen großen Heiligen: Johannes Cantius , Joseph Calasanz , Joseph von Cupertino , Jerome Emiliani und Johanna Franziska von Chantal .

In der päpstlichen Kanonisierungsbulle wurde der ungebildete und körperlich ungeschickte Kapuziner als eine Person gefeiert, die „das große Buch des Lebens zu lesen und zu verstehen verstand, das unser Erretter Jesus Christus ist. Aus diesem Grund verdient er, in die Liste Christi aufgenommen zu werden.“ Sein Festtag ist der 12. Oktober. Sein Grab befindet sich im Kapuzinerkloster von Ascoli Piceno.

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Pater Domenico da Cese OFMCap. Ein Leben in Bildern – Buchempfehlung

Bereits das erste Wort des vorliegenden Buches der Ordensschwester Petra-Maria Steiner über den Kapuziner Pater Domenico da Cese ist geeignet, Menschen aufzurütteln aus dem Tiefschlaf eines verweltlichten Lebens. Sr. Petra-Maria lässt, bevor sie selbst das Wort ergreift, zunächst aber den Karmelitenpater Joseph de Sainte Marie zu Wort kommen: „Herr Jesus Christus, Du betest für die, die Dich kreuzigen und kreuzigst jene, die Dich lieben.“

Damit bezeugt die Ordensfrau nicht nur das Geheimnis des Lebens und Leidens, sondern sie führt direkt hinein in die Lebensgeschichte des „Dieners Gottes Pater Domenico da Cese“. Er, der als Junge von zehn Jahren voraussehen konnte, dass ein Erdbeben seinen Heimatort verwüsten würde, und es doch nicht vermeiden konnte, dass er selbst mit seinem Vater bei der Frühmesse in der Kirche von den herabstürzenden Baumassen begraben wurde. Doch er wurde von einem Fremden aus den Trümmern gerettet. Der Junge erkannte das Gesicht des Retters, doch fand er diesen Menschen nachher nicht mehr im Getriebe nach seiner Rettung. Erst Jahrzehnte später sah er das Gesicht wieder, als er, schon seit Jahrzehnten Kapuziner, nach Manoppello versetzt wurde und im „Volto Santo“ das Antlitz seines Retters Jesus erkannte.

Eine „Hinführung von Paul Badde“ führt in das Leben Pater Domenicos ein und bezeichnet ihn als denjenigen, der den „Staffelstab der Heiligkeit“ von Pater Pio übernommen habe. Die enge Verbindung dieser beiden italienischen Kapuzinerpatres wird aber nicht nur durch Manoppello deutlich.

Pater Domenico erblickte am 27. März 1905 als Emido Petracca das Licht der Welt. Den Gedanken Kapuziner zu werden bekam der Zwölfjährige, als die Minderbrüder in Cese, seinem Heimatort, eine Volksmission durchführten. Mit 16 Jahren trat Emido am 3. November 1921 bei den Kapuzinern ein. Zunächst musste er seine Gymnasialstudien machen, bevor er endlich ab 1922 das Noviziat beginnen konnte. So konnte aus dem Jungen Emido „Fra Domenico“ werden. Während seiner Studienzeit musste er noch den Wehrdienst ablegen. 1928 legte er seine Ewige Profess ab, und am 11. Oktober 1931 wurde Fra Domenico die Priesterweihe erteilt. 1940 musste er Soldat werden. Von ihm wird bezeugt, dass er „durch seine religiöse Authentizität beeindruckt“ habe und unangenehm gewesen sei „in seiner Radikalität zur Wahrheit“. Am 18. Oktober 1941, dem letzten Tag als Soldat in Kroatien, wird das folgende Ereignis berichtet, bei dem mehrere Zeugen zugegen waren: „Während ich den Rosenkranz betete und die schmerzhaften Geheimnisse betrachtete, floss bald aus allen heiligen Wunden des Kreuzes reichlich warmes, rotes Blut heraus.“ „Das Blut des Gekreuzigten kam aus der Seite und aus der ganzen Brust und Dornenkrone. Es bildeten sich Tropfen. Als wir das sahen, kamen uns die Tränen und wir weinten.“ Als Pater Domenico am nächsten Tag wieder in sein Kloster zurückkehren konnte, litt er für mehrere Tage unter hohem Fieber zwischen 41 und 43 Grad.

Nach vielen segensreichen Jahren an verschiedenen Orten sollte Pater Domenico 1967 nach Manoppello versetzt werden, was ihm überhaupt nicht passte. So bat er erstmals in seinem Leben seine Oberen darum, ihm den Wunsch zu erfüllen und ihn nicht mehr zu versetzen. Er begründete dies mit einer chronischen Krankheit, die an seinem damaligen Wohnort gut behandelt werden konnte. Doch sein Vorgesetzter bestand darauf, dass er zu gehorchen habe. In Manoppello war Pater Domenico beim Volto Santo. Er erkannte, „dass jenes Schweißtuch, das im Grab auf dem Kopf Jesu gelegen hatte, das Volto Santo ist und dass es den ersten Moment der Auferstehung zeigt“. Dieses Heiligtum ließ Pater Domenico „das große Geheimnis des Heiligen Messopfers tiefer erfassen“. Fortan war er der erste Botschafter des Volto Santo. Durch seine Initiativen wurden dazu in den siebziger Jahren die ersten Vorträge und Konferenzen durchgeführt.

Als nach 45 Jahren erstmals 1978 wieder das Turiner Grabtuch öffentlich ausgestellt wurde, wollte auch Pater Domenico dabei sein. Am 13. September konnte er vor dem heiligen Grabtuch verweilen. Am Abend wurde auf dem Bürgersteig von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Am 17. September 1978 ist Pater Domenico im Krankenhaus verstorben. Nur wenige Menschen wussten zu seinen Lebzeiten, dass er, wie sein Mitbruder Pater Pio, die Wundmale Jesu an seinem Leib trug. Erst nach seinem Tod wurde dies erkannt. „Könnte es sein, dass er erwählt war, ganz im Verborgenen das Leiden seines Herrn mitzutragen und mitzusühnen, wenn es der Wille des Vaters war?!“

Sr. Petra-Maria Steiner
Pater Domenico da Cese OFMCap. Ein Leben in Bildern.
„Vita Communis – Maria, Mutter der heiligen Familie“, 2018
Ca. 150 Seiten

Erstveröffentlicht bei kath.net

 

 

 

Das großformatige Buch umfasst über 140 Seiten, zeigt ein „Leben in Bildern“ und versucht den Lesern und Betrachtern das Leben des „Diener Gottes Pater Domenico da Cese“ näher zu bringen. Leider ist das im Selbstverlag erschienene, sehr empfehlenswerte Buch, nur über diese Anschrift zu beziehen:

Vita Communis – Maria, Mutter der Heiligen Familie
Schwester M. Katharina
Schwester Petra-Maria
Ossweiler Weg 45
D-71334 Waiblingen-Hegnach
Tel.: 07151 / 50 49 77
E-Mail: vita-communis@t-online.de

https://www.vitacommunis.de/impressum/index.htm

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Bruder Konrad von Parzham, Kapuziner – 21. April

„Das Kreuz ist mein Buch.
Ein Blick auf das Kreuz lehrt mich bei jeder Gelegenheit, wie ich mich zu verhalten habe. Da lerne ich Geduld und Demut. Da lerne ich jedes Kreuz mit Geduld tragen, ja es wird mir süß und leicht.“

(Bruder Konrad in einem seiner wenigen Briefe)

Anläßlich einer Wallfahrt nach dem fünf Stunden entfernten Aigen lernte der Zweiundzwanzigjährige Johann Evangelist Birndorfer in Benefiziat Dullinger seinen Seelenführer kennen. Alle acht oder vierzehn Tage ging er dorthin, um zu beichten, den Gottesdiensten beizuwohnen, zu kommunizieren und einen Rat zu erbitten. Bereits um ein Uhr nachts brach er auf. Auch strömender Regen, hoher Schnee oder Glatteis konnten ihn nicht davon abhalten. Wenn er nach zehnstündigem Marsch, auf dem er ständig betete, am Spätnachmittag nach Hause kam, war er noch nüchtern. Nach einer kleinen Stärkung zog er sich auf seine Kammer zurück, um zu beten oder ein geistliches Buch zur Hand zu nehmen. An diesem Gang nach Aigen hielt er neun Jahre fest, bis er ins Kloster eintrat.

In seinem Eifer kam er schon um halb vier zur Kirche, wo er dann kniend bis zum öffnen vor dem Portal in Anbetung verharrte. Diese Wertschätzung der heiligen Messe verdankte er dem Volksbuch des Martin von Cochem über die heilige Messe. Er hat es eifrig gelesen, betrachtet und sich zum geistigen Eigentum gemacht. Der sonst so in sich Gekehrte konnte begeistert reden, wenn man von der Eucharistie sprach. Im Glauben wußte Johannes sich bei der Meßfeier auf Golgotha versetzt, das Todesleiden des Herrn stand ihm lebendig vor Augen. Hier holte er sich auch die Kraft zur Nachfolge seines gekreuzigten Herrn für den kommenden Tag. So bildete das Geheimnis der Eucharistie die Mitte und Quelle seiner Frömmigkeit.

Im Kloster genügte es ihm nicht, drei- oder viermal in der Woche, wie es damals üblich war, zum Tisch des Herrn zu gehen. Seine große Herzensreinheit und außerordentliche Sehnsucht nach der eucharistischen Speise bewogen seine Oberen zu einer Ausnahme. Um Aufhebens zu vermeiden, wurde ihm die Kommunion an diesen Tagen vor dem Aufstehen der Klosterfamilie schon um halb fünf Uhr gereicht. Aus Dank für diese Gnade, die ihm neununddreißig Jahre lang zuteilwerden sollte, kniete Bruder Konrad seit drei Uhr vor dem Tabernakel.

Bruder Konrad, Kapuziner – *22. Dezember 1818 Parzham, +21. April 1894 Altötting

Einundvierzig Jahre versah der Kapuziner Bruder Konrad den Pfortendienst des St.-Anna-Klosters in Altötting. Hier waren nicht nur sein Gebetseifer, sondern auch seine Dienstbereitschaft und seine aufopfernde Liebe für Wallfahrer, Wanderer und Arme waren unermüdlich. Jeden freien Augenblick zog es ihn in die Alexiuszelle, einen dunklen engen Raum unter der Klosterstiege mit einem Durchblick zum Tabernakel.

Wenn es am Abend an der Pforte ruhig geworden war, verbrachte er hier noch viele Stunden bis in die tiefe Nacht. In den ersten dreißig Ordensjahren beschränkte er den Schlaf auf ein Minimum von zwei bis drei Stunden. Von diesen Stunden gestand er einmal, sie enteilten ihm im Lieben und Leiden, im Staunen und Anbeten und Bewundern der namenlosen Liebe seines Gottes zu uns armen Geschöpfen; in dieser Liebe seines Gottes komme er an kein Ende.

Wenn Bruder Konrad an einem Kreuzbild vorüberkam, blieb er stehen, verneigte sich tief, küsste seine Fingerspitzen und berührte damit die Fußwunde des Erlösers.

Auf den Tod erkrankt, musste sich Bruder Konrad am 18. April 1884 in der Krankenzelle des Klosters Ruhe gönnen. Ohne jede Klage, ganz in sich gekehrt lag der Kranke auf seinem harten Lager, ruhig, zufrieden, schweigend, gesammelt und ganz gottergeben. Einem Bruder sagte er: „Ich red jetzt nichts mehr, ich muss mich vorbereiten auf die Ewigkeit.“ – Am 21. April 1884 abends, während des samstäglichen Abendläutens, schied Bruder Konrad von dieser Erde.

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Bruder Konrad – ein Mann, der nie narrisch wurde

„Bruder Konrad von Parzham wirkt in der heutigen Zeit geradezu paradox. Der 1934 heiliggesprochene Kapuziner war dem Anschein nach gänzlich frei von Wut, Aggression und Arglist. Stattdessen beherzigte er jene Tugenden, die zurzeit in der Politik, im Sport und in der Wirtschaft nichts mehr taugen. Alte Altöttinger bezeichnen den Bruder Konrad heute noch als ‚den Mann, der nie narrisch wurde‘.“

(Hans Kratzer, SZ)

Das einzig echte Foto von Bruder Konrad auf seinem Sterbebett

Bruder Konrad, Kapuziner – Foto: https://reliquienjaeger.wordpress.com/

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Mich frei machen für den Abschied aus der Welt

Am 11. August 1912 wurde Richard Schepperle in Stetten bei Lörrach in Südbaden geboren. Mit 21 Jahren ist er in den Kapuzinerorden eingetreten. Am 9. März 1940 erhielt er die Priesterweihe. Wie viele andere Kapuziner, Ordensleute und unzählige Priester wurde auch er zum Kriegsdienst eingezogen. In Rußland ist er am 20. Oktober 1943 gefallen.

Pater Medard, so sein Ordensname, hat das nun folgende Testament verfasst und der Nachwelt hinterlassen. Es möge all jene, die es lesen, anregen und ermutigen, Christus in diesem Leben nachzufolgen:

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Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Heute will ich endlich tun, wozu es mich schon lange drängt: Mich frei machen für den Abschied aus der Welt. Zwar bin ich, von Augenblicksstimmungen abgesehen, keiner von denen, die alles durch eine schwarze Brille sehen, im Gegenteil, ich trage stets eine starke Hoffnung auf Gottes Güte in mir, die mich bisher in allen Lebenslagen treu begleitet und beschützt hat. Diese Hoffnung gab mir immer wieder Sicherheit und Ruhe, wenn Lebensgefahr mich bedrohte. Und doch wäre es vermessen, wo ich so oft den Tod anderer vor Augen sehe, für mich das Privileg der Unversehrtheit zu beanspruchen. Darum habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschlossen, für den Fall meines Todes dieses Abschiedswort denen zu hinterlassen, die mich in diesem Leben geliebt und die ich geliebt habe.

Zugleich will ich mir dadurch die Freiheit erwerben, unbeschwert von allen irdischen Banden mich zu Gott zu erheben und mich in den Abgrund seiner Barmherzigkeit versenken zu können.

Ich schreibe diese Worte nicht, um mich irgendwie ins Licht zu stellen, denn ich bin mir meiner Schwächen und Fehler schmerzlich bewußt; es ist mir vielmehr ein Bedürfnis, das zu schreiben, weil ich den Tod in der Mitte der Jahre als einen plötzlichen Abriß dessen ansehe, was noch seiner Vollendung harrte, als etwas Unnatürliches insofern, als es der Schöpfungsordnung Gottes, die das reife und vollendete Leben will, nicht voll entspricht. Das leibliche Leben zieht hin zur Fülle der Jahre und zum langsamen Ersterben der reif gewordenen Kräfte. Das Leben der Gnade strebt nach der bestmöglichen Vollendung schon in dieser Zeit im Zusammenklang mit der Reife der natürlichen, auch nach dem Tod bleibenden Kräfte. Beiden wird durch den Tod in des Lebens Mitte die naturgemäße Vollendung genommen.

Besonders schmerzlich wird mir dieser Abriß durch den Gedanken an das gottgeschenkte Priestertum, das ich bisher nur unvollkommen ausüben konnte, mein Priestertum auf der Grundlage meines Berufes als Kapuziner.

Im Gefühl dieses meines Unvollendetseins möchte ich durch diese Worte meinem Leben einen gewissen Abschluß geben zum Trost derer, die um mich trauern werden.

Für den Fall, daß ich sterben soll, füge ich mich ganz in Gottes heiligen Willen, in dem Bewußtsein, daß er, der Herr über Leben und Tod, das auf wunderbare Weise vollenden wird, was unvollendet geblieben ist, und daß er auf Christi Verdienste hin mir all das verzeihen wird, was ich gegen meine Berufung als Mensch, Christ und Ordenspriester gefehlt habe.

Ich danke allen, die mir im Leben Gutes getan haben, vorab meinen lieben Eltern, denen ich das Leben und eine glückliche Jugend und die mir in all den Jahren der Trennung immer lieber gewordene Heimat verdanke; meinen Geschwistern, die wir immer in Liebe und Treue zusammenhielten und die mit mir um gleiche Ideale strebten; meinen Verwandten und Freunden in der Heimat, die mir so viel Gutes erwiesen haben.

Im danke den Priestern meiner Heimatpfarrei, vor allem denen, die meinen Priester- und Ordensberuf großzügig gefördert haben. Ich danke meinen Lehrern, besonders der Ordensschulen in Zell und Bensheim und den Lehrmeistern im Kloster, die mit viel Mühe an meiner sittlichen und geistigen Entwicklung gearbeitet haben. Ich danke den Ordensobern und allen Mitbrüdern, die mir Väter und Freunde geworden sind.

Ebenso bitte ich alle, denen ich Unrecht getan habe oder deren Liebe ich unwürdig war, im Namen Gottes um Verzeihung, wie ich selber allen verzeihe, die an mir eine Schuld haben sollten.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, darf ich sagen: Ich habe trotz mancher Nöte ein schönes Leben hinter mir. So habe ich allen Grund, Gott, meinem Schöpfer und Herrn, zu danken und mich dankbar seinem Willen zu fügen, wenn er mich ruft, noch ehe ich das Große in seinem Reich auf Erden gewirkt habe, zu dem ich mich berufen glaubte.

Er weiß auch, wie schmerzlich es mir ist, daß ich auf die Lebensweise, zu der er mich berufen und ich mich verpflichtet habe, schon so lange fern der brüderlichen Gemeinschaft verzichten muß, um als Soldat ein geistig und religiös kümmerliches Dasein zu fristen. Doch auch für das will ich dem Herrn danken, zumal er meine „Diaspora“ durch die Gnade des öfteren heiligen Meßopfers erleichtert hat.

„Gratias agamus Domino Deo nostro – Laßt uns Dank sagen unserm Herrn und Gott!“

Dieser Wahlspruch meines Weihetages soll auch die Parole sein, mit der ich zu meinem Schöpfer heimkehren will, um, wie ich trotz meiner Sünden zuversichtlich hoffe, teilzunehmen am ewigen Hochzeitsmahl des Lammes. Ich bitte vor allem Euch, meine Eltern und Geschwister: Weint nicht zu sehr um mich und gebt Euch nicht übermäßiger Trauer hin. Ohne Zweifel ist das für jeden das Beste, was Gott für ihn bestimmt hat. Er, der durch mich, wie ich glaube, einige Menschen getröstet hat, wird auch Euch den Trost nicht versagen. Und vor allem vergeßt nicht: Wir werden uns bald wiedersehen!

Zum Schluß bekenne ich mit meinem Bruder Albert, daß auch ich, wenn es so Gottes Wille ist, mein Leben hingebe für Christi Reich im neuen Deutschland.

Und auch im Angesicht des Todes, der in diesem Land so vielfach droht, will ich mich zu dem bekennen, was ich bei meiner heiligen Profeß im Orden geschworen habe:

Ich gelobe und verspreche Gott dem Allmächtigen, der allerseligsten Jungfrau Maria, dem heiligen Vater Franziskus und allen Heiligen, allzeit meines Lebens die vom Herrn Papst Honorius bestätigte Regel der Minderen Brüder zu halten durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit.

Geschrieben in Rußland um das Fest Maria Himmelfahrt 1943.

Gelobt sei Jesus Christus – in alle Ewigkeit! Amen!

Richard – P. Medard.

 

(Quelle: Gedenkbuch der Kriegsopfer OFMCap 1952)

Als PDF zum ausdrucken : Pater Medard OFMCap – Testament

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Kapuziner suchen Identität

Mit dem Aufmacher „Treffen in Innsbruck: Kapuziner suchen Identität“ veröffentlichte die in Innsbruck erscheinende „Tiroler-Tageszeitung“ vom 17.10.2016 einen Bericht über ein „Treffen der drei ranghöchsten Kapuziner im deutschen Sprachraum“.

sreenshot, Tiroler-Tageszeitung
sreenshot, Tiroler-Tageszeitung

Von einem kleinem Gipfeltreffen schreibt die Tiroler-Tageszeitung. Denn die Provinziale der Kapuzinerprovinzen aus Österreich mit  Südtirol, Deutschland und der Schweiz trafen sich, damit gemeinsam über „Entwicklungen, Zukunftsperspektiven und nötige Maßnahmen“ geredet werden konnte.

Die Zukunft des Kapuzinerordens steht auf dem Prüfstein.

Wir leben in einer Zeit der Umbrüche in Gesellschaft und Kirche, und sie ist noch nicht vorbei. Wir wollen nicht warten, sondern gemeinsam aktiv werden. Es braucht klare Entscheidungen, die auch weh tun“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es bis zu viermal so viele Brüder wie heute gegeben, erfährt man, und man hatte keine Nachwuchssorgen. „Wir werden älter und weniger. Unsere Häuser, Werke und Aufgaben aber sind eher gewachsen, wir müssen sie an unsere personelle Situation anpassen“, ist zu lesen; und das bedeute, dass weitere Standorte verlassen werden müssen.

Die Gemeinschaften werden kleiner, doch kreative Ideen sollen sie wieder wachsen lassen: Enger zusammenrücken, sich zurückziehen und gleichzeitig öffnen, lautet der Leitsatz.

Viele Beispiele zur Wiederbelegung und Nutzung sich leerender Klöster wurden besprochen, bei allen geht es darum, die lange Zeit verborgene Welt hinter den hohen Mauern zugänglich zu machen. Da sind etwa die Klöster zum Mitleben – Rückzugsorte für gestresste Berufstätige oder für Studenten, die dort in Ruhe lernen können, so ein Angebot in Deutschland. Der aus der Schweiz angereiste Provinzial Agostino del Pietro erzählt von einem Projekt in Luzern: Im dortigen Kloster wurden Wohnungen für Menschen eingerichtet, die das Bedürfnis haben, am Leben der Brüder teilzunehmen. Viele der großen Klostergärten werden geöffnet – aus der Not heraus, wie etwa in Deutschland, wo die Menschen einer benachbarten Einrichtung für psychisch Kranke die Gartenarbeit übernommen haben. Alle profitieren davon. Generell haben viele Brüder ihre Leistungsgrenzen überschritten, in Deutschland gibt es einen Grundsatzbeschluss, die Arbeit zu reduzieren. In Luzern legen die Bewohner neben dem Kloster Schrebergärten an, und in Innsbruck spielen Kindergartenkinder und gehen Bewohner des benachbarten Altenheims spazieren.

Die Menschen kommen, um aufzutanken“. „Viele sind getrieben und suchen die Stille, aber auch die Sehnsucht nach Spiritualität ist groß“.

Die Kapuziner von heute fragen sich: „Was brauchen die Menschen heute von uns? Welche Bedeutung haben wir im 21. Jahrhundert? Wer sind wir geworden und wer wollen wir sein?

Die Kapuziner befinden sich mitten in einem „Identitätsprozess“.

Die Menschen suchen nach Begleitung und nach Räumen, wo sie leben können, wonach sie sich sehnen – in guten Beziehungen in einer Gemeinschaft. Ein Kloster steht für diese Lebensform.“ – „Es ist wohl die ,Aura des Wohlwollens‘, die selbstlose Art zu leben, die viele fasziniert“.

Wir können nicht warten, bis in jedem Kloster nur noch ein Kapuziner lebt.“ „Natürlich klagen die Leute, sie sind traurig und fühlen sich im Stich gelassen. Aber viele Brüder sind über 80, wir können nicht einfach zuschauen und nichts tun!

Tiroler-Tageszeitung

 

Wieder ein Kapuzinerkloster zu

Marinus Parzinger OFMCap, Provinzialminister der Deutschen Kapuzinerprovinz:

„Leider sind unsere Bemühungen, die Gemeinschaft zu stärken, gescheitert. Das ist schmerzlich, denn Rosenheim war und ist ein Ort, an dem unser Orden das Wohlwollen der Menschen erfahren hat“, sagt Bruder Marinus. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir bedauern sehr, dass wir uns aus Rosenheim zurückziehen müssen.“ Wesentlicher Grund sei der Mangel an Berufungen, so der Provinzialminister: „Wir würden uns etwas vormachen, wenn wir meinten, wir könnten alle Klöster so fortführen, wie wir es bisher kennen. Wir können Schließungen leider nicht vermeiden.

Auch die Klarissen-Kapuzinerinnen von Rosenheim werden ihr Apostolat der Ewigen Anbetung deshalb in Bad Adelholzen fortführen.

HIER weiter Informationen dazu

Die letzten Kapuziner des im November 2012 aufgelassenen Klosters in Dieburg
Die letzten Kapuziner des im November 2012 aufgelassenen Klosters in Dieburg