Das Herz des Vaters

„Wahrlich,
das Herz Gottes des Vaters zu uns
ist genau so, wie es uns
von dem offenbart wurde,
der aus diesem Herzen hervorkam.“

Profecto enim tale est erga nos cor Dei Patris, quale nobis expressit qui de eius corde processit.

(Bernhard von Clairvaux, Predigt II über die Erscheinung des Herrn)

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Das wahre Gesetz der Liebe …

Die heilige Klarissin Camilla Battista von Varano (1458-1524) ist eine Lehrmeisterin des geistlichen Lebens. Sie liebte das göttliche Herz Jesu über alles. In ihrer Abhandlung über die Reinheit des Herzens schreibt sie die starken, törichten, uns heutigen fast unverständlichen Worte:

„Das Gesetz der Liebe führt die Seele zu einem Verlangen, das von der Welt als Verrücktheit angesehen wird, wenn die Seele mit wahrer und inniger Zuneigung ruft: Mein lieber Gott, warum bestrafst du mich nicht, warum erträgst du meine Sünden? Schick mich in die Hölle, die ich verdiene, damit ich dich dort liebe.“

 

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Acht Gedanken der Schlechtigkeit

[…] So ist es denn nötig, daß wir auch die Erkenntnis der leidenschaftlichen Gedanken verleihen, durch welche jegliche Sünde vollbracht wird. Acht sind alle Gedanken, welche die Schlechtigkeit umfassen:

jener der Völlerei,
jener der Unzucht,
jener der Geldgier,
jener des Zornes,
jener der Traurigkeit,
jener der Unlust,
jener der eitlen Ehrsucht und
jener des Hochmuts.

Ob uns diese acht Gedanken belästigen oder nicht belästigen, das steht nicht in unserer Macht.

Ob sie aber in uns verweilen oder nicht verweilen, Leidenschaften erregen oder nicht erregen, das steht in unserer Macht.

Eines ist die Einflüsterung und etwas anderes die Verbindung mit ihr; eines das Ringen und etwas anderes die Leidenschaft sowie auch die Zustimmung, welche sich der Ausführung nähert und angleicht. Und eines ist die Tat und etwas anderes die Gefangenschaft.

Einflüsterung nun ist die einfachhin vom Feind her geschehende Erinnerung, z. B.: „Tu das oder jenes“, wie bei unserem Herrn und Gott: „Sprich, daß diese Steine zu Brot werden.“ Dies steht, wie gesagt, nicht in unserer Gewalt. Verbindung aber ist die Annahme des vom Feind eingegebenen Gedankens und die gleichsam zusammen mit ihm erfolgende Erwägung und lustvolle Unterhaltung, welche von unserer freien Entscheidung ausgeht. Leidenschaft aber ist die aufgrund der Verbindung erfolgende Gewöhnung an die vom Feind eingegebene Leidenschaft und ihre gleichsam fortwährende Erwägung und Vorstellung.

Das Ringen hingegen ist der Widerstand des Gedankens — entweder, um die im Gedanken sich findende Leidenschaft, d. h. den leidenschaftlichen Gedanken, auszutilgen, oder um ihm zuzustimmen. So spricht auch der Apostel: „Das Fleisch nämlich begehrt wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; sie stehen einander feindlich gegenüber.“ Gefangenschaft aber ist die gewaltsame und unfreiwillige Fortführung des Herzens, wenn es von subjektiver Einstellung und langer Gewohnheit gewaltsam beherrscht wird. Zustimmung hingegen ist das Herabneigen zu der Leidenschaft des Gedankens. Tat hingegen ist die unmittelbare Ausführung des leidenschaftlichen Gedankens, dem man zugestimmt hat.

(Johannes von Damaskus, Abhandlung, 10)

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Dein Glaube wird sich prüfen lassen müssen!

Jeder, der versucht, Christus nachzufolgen, wird Prüfungen erleben, genau wie Er es versprochen hat, und wenn Christen es mit der Nachfolge ernst meinen oder wenn sie eine Führungsposition innehaben, können sie garantiert mit massiven inneren Krisen rechnen. Die Frage, die ich mir stellen muss – die Frage, die Sie sich selbst stellen müssen – ist folgende: Tu ich das, was zu tun ist, um meinen Glauben zu nähren?

Ich habe einmal einen Priester in einer Predigt sagen hören:

„Der Glaube ist wie ein Muskel:
Er wird stärker, wenn man ihn trainiert,
und schwächer, wenn man es nicht tut.“

Peter Kwasniewski

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Für mich geschrieben – und wenn Du magst, auch für Dich …

Ärgere dich nicht über Menschen, die sündigen …

Sei frei von der Leidenschaft,
bei anderen
alle möglichen Sünden zu sehen
und sie dafür zu verurteilen,
wie das unsere Gewohnheit ist.

Jeder wird für sich selbst vor Gott Antwort stehen …

Sieh insbesondere nicht auf die Sünden derer,
die älter sind als du
und die dich nichts angehen …

Kümmere dich um deine Sünden,
berichtige dein Herz.

(vom serbisch-orthodoxen hl. Johannes von Kronstadt)

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Echte Reue ohne Routine

Die Notwendigkeit, Gott häufig für dieselben Sünden und Fehler um Vergebung bitten zu müssen, ist nicht verwunderlich.Schaut“ – sagt der hl. Augustinus – „wie das Meerwasser durch die Ritzen des Rumpfes einsickert und nach und nach die Schiffsräume füllt. Wenn man es nicht aus-pumpt, versinkt das Schiff (…). Die leichten Sünden, ohne die der Mensch sein Leben nicht fristen kann, dringen nach und nach unmerklich durch die Ritzen der menschlichen Schwäche ein und füllen das Innere der Seele. Ahmt die Schiffer nach! Ihre Hände ruhen nicht, bis der Schiffsboden trocken ist. Auch die euren mögen nicht aufhören, das Gute das Gute zu tun. Trotz allem wird sich der Boden des Schiffes erneut füllen, weil die Ritzen der menschlichen Schwachheit weiterbestehen. Und wieder wird man Wasser schöpfen müssen.“ [Augustinus, Sermo, 16,7]

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Wiederherstellung

Die Selbstüberwindung ist nicht Selbstzweck,
ihr Ziel ist die Heiligkeit des Lebens,
zu der alle Jünger Jesu berufen sind.

Es geht in ihr um die Wiederherstellung der Harmonie der niederen und der höheren Kräfte, es geht darum, dass den höheren Kräften wieder der Primat verschafft wird und dass sie ihn behalten. Die Askese soll der christlichen und menschlichen Bildung dienen als ihre wertvollste, unentbehrlichste Hilfe. Erst das Opfer ermöglicht die Weltüberwindung des Christen und verbürgt die durch die Ursünde geschwächte innere Freiheit. Schon im natürlichen Leben gilt, dass Liebe und Freude Opfer und Verzicht zur Voraussetzung haben.

(Joseph Schumacher. Die Identität des Katholischen)

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