Über die Reue

Die vollkommene Reue ist ein Schmerz und Abscheu über die Sünden aus Liebe zu Gott, nämlich deswegen, weil Gott, das höchste, liebenswürdigste Gut, beleidigt worden ist. Die vollkommene Reue tilgt sofort die Sünden und versöhnt den Menschen mit Gott, auch außerhalb des Bußsakramentes, jedoch nicht ohne den in der vollkommenen Reue enthaltenen Vorsatz, zu beichten.

„Die unvollkommene Reue ist ein übernatürlicher Schmerz und Abscheu über die Sünden, der gewöhnlich aus der Betrachtung der Schändlichkeit der Sünde oder aus der Furcht vor der Hölle und anderen Strafen hervorgeht.“ (Katechismus von Pietro Kardinal Gasparri)

Das Konzil von Trient empfiehlt:
Der Christ sollte es sich zur Gewohnheit machen, den Akt der vollkommenen Reue oft zu erwecken. Vor allem dann, wenn er das Unglück hatte, eine Todsünde zu begehen. Dann soll er diese sogleich durch eine vollkommene Reue tilgen und nicht zu lange mit der Beichte warten. Auf diese Weise bleibt kein gutes Werk, das er verrichtet, ohne Frucht für die Ewigkeit, und er braucht vor einem plötzlichen Tod nicht zu erschrecken. Gar manche erlangen das ewige Heil nur, weil sie in vollkommener Reue aus diesem Leben scheiden, nämlich jene, die zu einer Zeit sterben, wo sie die Sakramente nicht empfangen können.

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Jesus, mein Gott,
über alles liebe ich Dich!
Jesus. Dir lebe ich.
Jesus. Dir sterbe ich.
Jesus. Dein bin ich
im Leben und im Tode. Amen.

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Durchhalten bis zum seligen Ende

Auch wer kein Held ist, schafft es, eine Stunde lang einen lästigen Kollegen zu ertragen. Etwas schwerer ist es, nicht nur eine Stunde, sondern einen ganzen Tag lang darin auszuhalten. Wer in der Tugend der Nächstenliebe geübt ist, dem wird es auch eine ganze Woche lang gelingen und vielleicht sogar einen ganzen Monat lang. Sollen wir aber einen schwierigen Menschen ein ganzes Jahr lang ertragen oder sogar ein Leben lang, dann ist das schwer; so schwer, daß zur Nächstenliebe noch eine Tugend hinzukommen muß – eine Tugend, die uns hilft, in schwierigen Situationen durchzuhalten. Das ist die Tugend der Beharrlichkeit.

Thomas beschreibt sie so: Die Beharrlichkeit hilft, in etwas Gutem auszuhalten bis zur Vollendung.

Von zwei Faktoren hängt es ab, wie schwer es fällt, im Gutes-Tun auszuharren: zum einen von der Dauer, zum anderen von der Menge der verschiedenen Schwierigkeiten, die wir gleichzeitig aushalten müssen.

Beharrlich ist der, der nicht aufgibt, das Gute zu tun, auch wenn es lange dauert: „Es gehört wesentlich zur Beharrlichkeit, daß jemand ausharrt bis zum Ende des tugendhaften Werkes; wie der Soldat ausharrt bis zum Ende des Kampfes“ (ad 2). Manche guten Werke haben eine überschaubare Dauer, das Fasten zum Beispiel: Beharrlich im Fasten ist der, der fastet bis zum Ende der Fastenzeit. Andere gute Werke dauern länger. Vierzig Tage reichen für die meisten guten Werke nicht aus. Glauben, hoffen, lieben sollen wir nicht nur ein Jahr lang und auch nicht nur zehn Jahre lang, sondern bis zu unserem Heimgang. „Es gibt bestimmte Tugenden, deren Übung das ganze Leben hindurch dauern muß, wie der Glaube, die Hoffnung und die Liebe. Denn diese richten sich auf das Endziel des ganzen menschlichen Lebens“ (ad 2). Mit dem Fasten sind wir am Ostersonntag fertig, mit dem Glauben, Hoffen und Lieben erst bei unserem Tod.

Nicht allen Menschen fällt es gleich schwer, dauerhaft das Gute zu tun. Wer im Masshalten nur wenig Übung hat, für den ist es hart, vierzig Tage lang zu fasten. Leichter fällt das Durchhalten dem, der geübt ist im Mäßig-Sein. Das gleiche gilt für alle anderen Tugenden. Wer sich nie bemüht hat, in der Nächstenliebe zu wachsen, der tut sich schwer, einen lästigen Zeitgenossen dauerhaft zu ertragen. Wer dagegen in der Nächstenliebe vorangeschritten ist, für den ist es einfacher. Unter diesem Blickwinkel müssen die Tugendhafteren weniger Kraft aufwenden, um auszuharren im Guten.

Aber nicht nur die Dauer macht das Ausharren schwierig. Es kommt auch auf die Menge der Schwierigkeiten an, von denen wir bedrängt werden. Nur in der Mäßigkeit auszuhalten, sich aber im Zorn und Neid gehen zu lassen, ist keine echte Beharrlichkeit. Die Beharrlichkeit, die diesen Namen verdient, läßt sich von keiner Schwierigkeit davon abbringen, das Gute zu tun. Das Christenleben verlangt, sich gegen ganz verschiedene Hindernisse robust zu zeigen: da gilt es, am Glauben festzuhalten, auch wenn das Spott und Nachteile einbringt. Da wird verlangt, sein Leben lang sonntagmorgens auf das Ausschlafen zu verzichten, eine Menge Vergnügen sich zu versagen, seinen Zorn in Schach zu halten, den Neid zu bekämpfen und so weiter.

In all dem auszuhalten ist auch für den nicht leicht, der in jeder Hinsicht tugendhaft ist. Darum ist ihm neben allen anderen Tugenden auch noch die Beharrlichkeit nötig.

Dieses Festhalten an jedem Guten bis zum seligen Ende gegen egal welche Hindernisse geht über Menschenkraft. Es gelingt nur mit der Kraft von oben. Die Tugend der Beharrlichkeit kann darum nur der haben, der die heiligmachende Gnade besitzt. Aber damit allein ist noch nicht alles gewonnen. Eine Tugend nützt uns nur dann, wenn wir sie auch betätigen. Um die Beharrlichkeit auszuüben, brauchen wir jedes Mal noch die helfende Gnade. Unser Wille ist frei, es ist ihm bis zum Tod möglich, vom Guten abzulassen und sich für das Böse zu entscheiden.

Darum brauchen wir bei jeder Entscheidung zum Guten die helfende Gnade.

Pater Gerd Heumesser – KU 2019,10 – Kirchliche Umschau

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Unheilbar krank

Welches ist die richtige Haltung angesichts einer unheilbaren Krankheit?

Wenn die Krankheit unheilbar wird, nützen Worte nicht mehr viel. Wir müssen die Stille wahren und den Leidenden liebevoll pflegen können, um ihm die Nähe, die Wärme und das Mitgefühl Gottes zu überbringen. Es genügt, seine Hand zu halten und sich schweigend anzuschauen. Die Zärtlichkeit eines Blickes kann den Trost und den Halt Gottes bringen. Vor einem Kranken, der leidet, muss man nicht sprechen. Man muss still mitfühlen, lieben und beten, mit der Gewissheit, dass die einzige Sprache, die zur Liebe passt, das Gebet und die Stille ist.

Der Kranke wird durch seinen eigenen Zustand in die Stille eingeführt. Er ist im Geheimnis der Stille Gottes weiter fortgeschritten als der Gesunde. Der leidende Mensch ist ohne Worte in der frohen Erwartung des Herrn. Aber in seinem Herzen schlagen die Hoffnung und die Hingabe, die ihn in Gott eintauchen.

Die Krankheit ist eine Teilnahme an der ewigen Stille.

Kardinal Sarah in Kraft der Stille (347-349)

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Die Braut des Priesters: das Brevier!

Früher nannten Priester ihr Brevier noch zuweilen: „meine Braut“. Damit sollte wohl gesagt sein, dass sie das Stundenbuch überallhin mitnahmen – wie heute das Handy. Selbstverständlich: Es geht nicht um das Buch als Gegenstand, sondern um die Vertrautheit mit dem Wort Gottes, das nicht nur gelesen, sondern durchbetet, ja wie von den Propheten „gegessen“ werden soll.

(Marianne Schlosser: Überlegungen zum priesterlichen Zölibat, Tagespost 14.10.2019)

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Der Gegenstand der christlichen Abtötung – 9 / 9

Schlußfolgerung:

Im allgemeinen sollten Sie die Kraft haben, Ihrer Natur das zu verweigern, was sie von Ihnen, ohne daß eine Notwendigkeit vorliegt, fordert. Haben Sie die Kraft, ihr das abzufordern, was sie ihnen ohne Grund vorenthält. Ihre Fortschritte in der Tugend, sagt der Verfasser der NACHFOLGE CHRISTI, werden im Verhältnis zu der Gewalt stehen, die Sie imstande sind, sich anzutun.

„Wir müssen sterben“, sagte der heilige Bischof von Genf, „wir müssen sterben, damit Gott in uns lebt: denn es ist unmöglich, auf einem anderen Weg zur Vereinigung unserer Seele mit Gott zu gelangen, als durch die Abtötung. Diese Worte: Wir müssen sterben, sind hart; aber sie werden gefolgt sein von großer Milde, denn man stirbt nur deshalb sich selbst ab, um durch diesen Tod mit Gott vereint zu sein.“ Möge es Gott gefallen, daß wir dazu berechtigt seien, diese schönen Worte des heiligen Apostels Paulus an die Korinther auf uns zu beziehen: „In allen Dingen erleiden wir Drangsal. … Immer und überall tragen wir das Hinsterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe sichtbar werde.“ (2 Kor.4;8,10)

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Der Gegenstand der christlichen Abtötung – 8 / 9

Punkt 5: Abtötungen, die in unseren Beziehungen zum Nächsten zu praktizieren sind.

1. ) Ertragen Sie die Unzulänglichkeiten Ihres Nächsten, Mangel an Bildung, an Geist, an Charakter. Ertragen Sie alles, was Ihnen an ihm mißfällt, die Gangart, die Haltung, den Klang seiner Stimme, den Tonfall, und was weiß ich noch alles.

2. ) Ertragen Sie ihn in seiner Gesamtheit, ertragen Sie ihn bis zum Schluß und in christlicher Gesinnung. Niemals jene hochmütige Unduldsamkeit, die uns sagen läßt: ,Was habe ich mit dem oder jenem zu schaffen?‘, ,Was geht mich das an, was er sagt?‘, ,Wozu brauche ich die Zuneigung, das Wohlwollen oder auch die Höflichkeit irgendeiner Person und dieser hier im besonderen?‘. Nichts entspricht Gott weniger, als dieses hochmütige Zurückstoßen und diese verächtliche Gleichgültigkeit: da wäre gewiß eine einfache Ungeduld noch besser.

3. ) Befinden Sie sich in der Versuchung, wütend zu werden?
Um der Liebe Jesu willen: seien Sie sanftmütig.
Wollen Sie sich an jemandem rächen?
Vergelten Sie Böses mit Gutem;
man sagt, daß das große Geheimnis, das Herz der heiligen Theresia zu rühren,
darin bestand, ihr etwas Böses anzutun.
Wollen Sie gegenüber einem anderen eine grimmige Miene machen?
Lächeln Sie ihm voll Güte zu.
Wollen Sie ihm aus dem Wege gehen?
Suchen Sie ihn, aus Tugend.
Wollen Sie schlecht über ihn sprechen?
Sagen Sie Gutes über ihn.
Wollen Sie in strengem Ton mit ihm reden?
Reden Sie sehr sanftmütig und herzlich mit ihm.

4. ) Lieben Sie es, Ihren Mitbrüdern ein Lob auszusprechen, vor allem jenen, die Sie von Natur aus am meisten beneiden.

5. ) Machen Sie keine dummen Witze auf Kosten der Nächstenliebe.

6. ) Wenn man sich in Ihrer Gegenwart wenig anständige Reden erlaubt oder Unterhaltungen pflegt, die ihrer Art nach dem Ruf des Nächsten schaden, so können Sie zuweilen in aller Sanftmut den Sprecher tadeln; aber meistens wird es besser sein, die Unterhaltung geschickt in eine andere Richtung zu lenken oder mittels einer Geste des Mißfallens oder der gewollten Unaufmerksamkeit zu bekunden, daß das, was vorgebracht wurde, Ihnen mißfällt.

7. ) Wenn es Sie viel Uberwindung kostet, einen kleinen Dienst zu tun, dann erbieten Sie sich freiwillig, ihn zu tun: so erwerben Sie ein doppeltes Verdienst.

8. ) Empfinden Sie Abscheu davor, sich gegenüber sich selbst und gegenüber den anderen als Opfer hinzustellen. Weit davon entfernt, Ihre Lasten zu überschätzen, bemühen Sie sich, sie leicht zu finden. Sie sind es auch tatsächlich, und viel öfter als Ihnen scheint; und sie wären es immer, wenn Sie tugendhafter wären.

(Wird fortgesetzt)

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Der Gegenstand der christlichen Abtötung – 7 / 9

Punkt 4: Abtötungen, die in unseren äußeren Handlungen zu praktizieren sind.

1. ) Bei der Beobachtung aller Punkte Ihrer Lebensregel müssen Sie mit der größten Genauigkeit vorgehen und ohne Zögern gehorchen, wobei Sie sich an den heiligen Johannes Berchmans erinnern, der sagte: „Meine Buße ist für mich, mich in das Gemeinschaftsleben einzufügen.“ – „Auf die geringsten Dinge den größten Wert legen, das ist meine Devise.“ – „Lieber sterben, als eine einzige Regel zu verletzen!“

2. ) Versuchen Sie in der Ausübung Ihrer Standespflichten höchst zufrieden gerade über das zu sein, was am meisten dazu angetan ist, Ihnen zu mißfallen und Sie zu langweilen, und erinnern Sie sich dabei an das Wort des heiligen Franz von Sales: „Niemals fühle ich mich wohler, als wenn ich mich nicht wohl fühle.“

3. ) Gewähren Sie der Trägheit niemals auch nur einen Augenblick; sorgen Sie dafür, daß Sie vom Morgen bis zum Abend unablässig beschäftigt sind.

4. ) Wenn Ihr Leben sich, wenigstens teilweise, im Studium abspielt, dann machen Sie sich die Ratschläge des heiligen Thomas von Aquin an seine Schüler zu eigen: „Begnügt euch nicht damit, oberflächlich das in euch aufzunehmen, was ihr lest oder hört; sondern versucht, darin einzudringen und alle eure Sinne hineinzuvertiefen. – Verbleibt niemals im Zweifel über die Dinge, über die ihr euch Gewißheit verschaffen könnt. – Arbeitet mit heiligem Verlangen daran, euren Geist zu bereichern; reihet mit Ordnung alle jene Kenntnisse in euer Gedächtnis ein, die ihr erwerben könnt. — Suchet indessen nicht in die Geheimnisse einzudringen, die euren Verstand übersteigen.“

5. ) Beschäftigen Sie sich einzig und allein mit der vorliegenden Handlung, ohne sich mit dem Vorhergegangenen abzugeben, und nicht in Gedanken das vorwegnehmeuu, was folgen wird; sagen 6ie sich mit dem heiligen Franziskus: „Während ich das eine tue, bin ich nicht verpflichtet, etwas anderes zu tun.“ – „Beeilen wir uns im rechten Maß; früh genug, wenn gut genug.“

6. ) Seien Sie bescheiden in Ihrer äußeren Haltung. Nichts war so vollkommen wie die Haltung des heiligen Franz: er hielt das Haupt immer gerade, wobei er sowohl die Leichtfertigkeit vermied, es nach allen Richtungen zu wenden, als auch die Nachlässigkeit, es nach vorne zu neigen, ebenso wie die stolze und hochmütige Laune, es nach hinten (in den Nacken) zu werfen. Sein Antlitz war immer ruhig, frei von jeder Hemmung, immer fröhlich, heiter und offenherzig, indessen ohne Ausgelassenheit oder taktlose Spaße, ohne lautes, unmäßiges oder allzu häufiges Gelächter.

7. ) Wenn er allein war, war er genau so gesammelt wie in einer großen Versammlung. Er schlug die Beine nicht übereinander und stützte den Kopf nicht auf dem Ellenbogen auf. Wenn er betete, war er unbeweglich wie eine Säule. Wenn seine Natur ihm eingab, seine Bequemlichkeiten wiederaufzunehmen, hörte er nicht auf sie.

8. ) Sehen Sie Sauberkeit und Ordnung als eine Tugend an, Unsauberkeit und Unordnung aber als ein Laster; keine schmutzigen, fleckigen oder zerrissenen Kleidungsstücke. Betrachten Sie aber auf der anderen Seite den Luxus und den Hang zur Veräußerlichung als ein noch größeres Laster. Machen Sie es so, daß niemand, der Ihre Kleidung sieht, sagen kann: das ist unsauber, oder: das ist elegant; aber daß jedermann zugeben muß: das ist ordentlich.

(Wird fortgesetzt)

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