Echte Reue ohne Routine

Die Notwendigkeit, Gott häufig für dieselben Sünden und Fehler um Vergebung bitten zu müssen, ist nicht verwunderlich.Schaut“ – sagt der hl. Augustinus – „wie das Meerwasser durch die Ritzen des Rumpfes einsickert und nach und nach die Schiffsräume füllt. Wenn man es nicht aus-pumpt, versinkt das Schiff (…). Die leichten Sünden, ohne die der Mensch sein Leben nicht fristen kann, dringen nach und nach unmerklich durch die Ritzen der menschlichen Schwäche ein und füllen das Innere der Seele. Ahmt die Schiffer nach! Ihre Hände ruhen nicht, bis der Schiffsboden trocken ist. Auch die euren mögen nicht aufhören, das Gute das Gute zu tun. Trotz allem wird sich der Boden des Schiffes erneut füllen, weil die Ritzen der menschlichen Schwachheit weiterbestehen. Und wieder wird man Wasser schöpfen müssen.“ [Augustinus, Sermo, 16,7]

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Wiederherstellung

Die Selbstüberwindung ist nicht Selbstzweck,
ihr Ziel ist die Heiligkeit des Lebens,
zu der alle Jünger Jesu berufen sind.

Es geht in ihr um die Wiederherstellung der Harmonie der niederen und der höheren Kräfte, es geht darum, dass den höheren Kräften wieder der Primat verschafft wird und dass sie ihn behalten. Die Askese soll der christlichen und menschlichen Bildung dienen als ihre wertvollste, unentbehrlichste Hilfe. Erst das Opfer ermöglicht die Weltüberwindung des Christen und verbürgt die durch die Ursünde geschwächte innere Freiheit. Schon im natürlichen Leben gilt, dass Liebe und Freude Opfer und Verzicht zur Voraussetzung haben.

(Joseph Schumacher. Die Identität des Katholischen)

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Was ist keuscher als die Liebe?

„Es ist unmöglich, dass ein Mensch zur Gnade gelangt, wenn er nicht die Fleischesart von sich tut. Unter allen Tugenden würde ich der heiligen Keuschheit den ersten Platz einräumen.“ – sagte Bruder Ägidius

Ein Bruder stellte die Frage:
„Ist die Liebe nicht
eine größere Tugend als die Keuschheit?“

Darauf Bruder Ägidius:
„Und was ist keuscher als die Liebe?“

So fragte ein Bruder:
„Was nennst du Keuschheit?“

Die Antwort von Bruder Ägidius:
„Keuschheit nenne ich es, alle Sinne für die Gnade Gottes zu bewahren.“

„O Herrin Keuschheit, du bist so zart und gut,
dass Toren dich nicht finden noch besitzen können.“

(Dienst am Glauben 3, 2014)

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Wer sich selbst verschenkt, wird frei

… Kaum einer unter den zahlreichen Kritikern des Opus Dei weiß, dass es kein Thema gibt, über das der heilige Josefmaria öfter gesprochen hat. In einer seiner Homilien aus dem Jahre 1963 bekennt er: Ich liebe die Freiheit über alles, und gerade deshalb liebe ich so sehr die christliche Tugend des Gehorsams. Denn wenn ich dasselbe will, was Gott will, dann bin ich frei. Wenn ich mich entschließe, zu wollen, was der Herr will, dann bin ich befreit von allen Ketten, die mich an Dinge und Sorgen gefesselt haben […]. Der Geist des Opus Dei, den ich seit mehr als 35 Jahren zu leben und zu lehren trachte, hat mich diese Freiheit verstehen und leben gelehrt. (vgl. Christus begegnen, Nr. 17 und Freunde Gottes, Nr. 38)

Aus einer Predigt von Karl-Heinz Menke am 25.6.2022, zum Gedenktag des hl. Josefmaria Escrivá in Köln, St. Ursula.

Quelle: CNA

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Christus wahrhaft lieben

Gerade die Liebe sind wir … dem Heiligen Geiste schuldig!

Weil er Gott ist: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele und aus allen deinen Kräften (Dtn 6,5). Ihm gebührt ferner Liebe, weil er die wesenhafte, die erste, die ewige Liebe ist. Nichts ist ja liebenswerter als die Liebe selbst. Umso mehr sind wir dazu verpflichtet, als er uns mit den größten Wohltaten überhäuft, die im gleichen Maße, wie sie Beweise seines Wohlwollens sind, vom Empfänger wahre Herzensdankbarkeit fordern.

Diese Liebe trägt uns doppelten Segen ein, und zwar keinen geringen; denn einmal wird sie unseren Verstand schärfen, damit wir die Wahrheiten über den Heiligen Geist stets klarer erkennen; sagt doch der heilige Thomas: ‚Der Liebende ist nicht zufrieden mit einer oberflächlichen Erfassung dessen, was er liebt, sondern er sucht alle Einzelheiten des geliebten Gegenstandes eingehend zu erforschen; so dringt er tief in dessen Inneres ein, wie es vom Heiligen Geist, der die Liebe Gottes ist, heißt, daß er auch die Tiefen der Gottheit erforscht‘ (I-II q. 28 a.2. – vgI. 1 Kor 2,10).

Sodann wird sie uns ein reicheres Maß von übernatürlichen Gaben sicherstellen; wie nämlich Herzenskälte die Hand des Gebers verschließt, so wird diese durch einen dankbaren und erkenntlichen Sinn geöffnet.

Es ist jedoch sehr darauf zu achten, daß sich diese Liebe nicht nur auf dürres Wissen und auf äußerliche Ehrerbietung beschränke; sie soll sich vielmehr in unserem ganzen Tun und Lassen bekunden, am allermeisten in der Vermeidung der Sünde, beleidigt sie doch in besonderer Weise den Heiligen Geist. Denn was immer wir sind, das verdanken wir der göttlichen Güte, die insbesondere dem Heiligen Geiste zugeeignet wird. Ihn, seinen Wohltäter, beleidigt also der Sünder, der gerade im vermessentlichen Vertrauen auf die Gaben seiner Güte sich täglich anmaßender gebärdet.

Freilich, wenn jemand aus Schwäche oder Unverstand sündigt, so ist er vielleicht vor Gott noch entschuldbar, da der Heilige Geist der Geist der Wahrheit ist; wer jedoch aus Bosheit der Wahrheit widersteht und sich von ihr abwendet, der versündigt sich sehr schwer gegen den Heiligen Geist. (…) Da aber, wie Wir oben erwähnt haben, der Heilige Geist in uns wie in einem Tempel wohnt, sollen wir auch jene Worte des Apostels beherzigen: Betrübet nicht Gottes Heiligen Geist, mit dem ihr besiegelt seid (Eph 4,30). Dabei genügt es aber nicht, alles Ungeziemende zu meiden; um seinem großen und gütigen Gaste zu gefallen, muß der Christ vielmehr im Glanze aller Tugenden leuchten, besonders durch Keuschheit und Frömmigkeit. Denn Keuschheit und frommer Sinn sind der Schmuck des Tempels. Deshalb lesen wir bei demselben Apostel: Wißt ihr nicht, daß ihr ein Tempel Gottes seid, und daß der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn aber jemand den Tempel Gottes entheiligt, wird ihn Gott zugrunde richten, denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr (1 Kor 3,16). Eine furchtbare, aber vollkommen gerechte Drohung!

Schließlich müssen wir den Heiligen Geist inständig anrufen, da jeder von uns seines Schutzes und Beistandes dringend bedarf.

Auszug aus der Enzyklika Divinum illud munus über den Heiligen Geist von Papst Leo XIII. (1810–1903) aus dem Jahr 1897.

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Geht … Tauft … Lehrt …

„Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
(Mt 28,19-20)

Es ist notwendig, dass Christus immer bei uns bleibt. Er liebt uns so, wie der Vater ihn liebt, und auf diese Weise nährt er die brüderliche Gemeinschaft, die sich unter allen Völkern ausbreiten soll.

Ich habe den Eindruck, dass die große Krise der Sendung der Kirche auf allen Ebenen, auch in unseren monastischen Orden, nicht so sehr eine Krise des missionarischen Einsatzes als vielmehr eine Krise des Eins-Seins ist, eine Krise, die Gemeinschaft Christi zu leben. Wir laufen Gefahr, die Gnade unserer Zeit zu vergeuden, wenn wir nicht verstehen, welche Umkehr zur Gemeinschaft die Synodalität von uns verlangt, damit unsere Sendung fruchtbar sei. Mit anderen Worten: Ich habe das Gefühl, dass im Leben der Kirche auf allen Ebenen nicht so sehr die Sendung, die Aufgabe Angst macht, sondern die Gemeinschaft.

Warum? Weil die Gemeinschaft leben nicht so sehr eine äußerliche Entscheidung, einen äußeren Einsatz verlangt, als vielmehr eine innere Umkehr. Und diese Umkehr ist ein Prozess, der uns tiefgreifend verändert. Auch unsere Sendung fordert gewiss eine innerliche Entscheidung, sie verlangt Nächstenliebe, Opferbereitschaft, die Fähigkeit, zu verkünden und Zeugnis abzulegen bis zum Martyrium. Aber es ist vor allem die Gemeinschaft, die eine folgenschwere Bekehrung des Ich abverlangt, einen Übergang mit österlichem Charakter, ein Sterben, das zum Leben führt. Denn die Gemeinschaft fordert den Übergang vom Ich zum Wir, einen Wandel, in welchem das Ich sterben muss, um aufzuerstehen.

Ein „Wir“ entsteht nicht durch bloße Addition, sondern durch eine österliche Verwandlung. Das Ich wird nicht ein „Wir“, einfach weil andere Ich mit meinem Ich addiert werden, so wie man andere Geldstücke zu meinen Geldstücken hinzufügt. Jesus hat uns mit dem Gleichnis des Samenkorns erklärt, wie das Ich zum Wir wird: „Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ (Joh 12,24-25)

Jesus erinnert uns daran, dass die Fruchtbarkeit darin besteht, nicht allein zu bleiben, ein „Wir“ zu werden. Wir sind nicht fruchtbar, weil wir stark, schön, intelligent, zahlreich sind. Wir sind fruchtbar, wenn wir die Gemeinschaft leben. Wer glaubt, er liebe sein Leben, weil er seinen Individualismus liebt, seinen eigenen Komfort, seinen Verdienst, seine eigenen Interessen, die eigene Ehre, der verliert sein Leben. Deshalb fordert Jesus, dass wir nicht das Leben an sich, sondern sein falsches, egozentrisches und unabhängiges Bild, das wir wegen der Sünde in uns tragen, „gering achten“, ja sogar „hassen“, wie es im griechischen Text wörtlich heißt.

Gemeinschaft macht Angst, weil es sie nur gibt, wenn wir uns selber sterben. Johannes schreibt in seinem ersten Brief: „Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod“ (1 Joh 3,14). Damit gibt er uns zu verstehen, dass wir notwendigerweise dem irrigen Leben in egozentrischer Eigenliebe sterben müssen, damit die brüderliche Liebe uns vom Tod zum Leben führen kann.

(Aus einem Brief des Generalabtes der Zisterzienser, Mauro-Giuseppe Lepori OCist, an Pfingsten 2022)

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