Gewissenserforschung – oder: wenn ich in dieser Nacht sterbe

Ein geistliches Testament

Allmächtiger, ewiger Gott,
wenn es Deiner Majestät gefallen sollte,
daß ich in dieser Nacht im Tode entschlafe,
so geschehe Dein heiliger Wille.

An Dich glaube ich, weil Du die ewige Wahrheit bist;
auf Dich hoffe ich, weil Du unendlich gütig und getreu bist;
Dich verlange ich über alles zu lieben, weil Du das allerhöchste Gut und aller Liebe würdig bist.
Von dieser Liebe angetrieben, bereue ich alle meine Sünden
und empfehle mich Deiner heiligen Vorsehung und Güte.
O mein Jesus!
Dir lebe ich; Dir sterbe ich;
Dein bin ich im Leben und im Sterben.
Mache mich armen Sünder ewig selig.
In Dein offenes, verwundetes Herz
lege ich meinen letzten Willen, der also lautet:
Meine unsterbliche Seele übergebe ich in die Hände ihres Schöpfers und Erlösers.
Meinen verweslichen Leib lasse ich der Erde zurück, von welcher er genommen ist.
Die drei Kräfte meiner Seele widme ich den drei Personen der ungeteilten Dreifaltigkeit.
Die fünf Sinne meines Leibes vereinige ich mit den glorreichen Wundmalen des gekreuzigten Heilandes.
Was ich Böses gedacht, geredet und getan habe, von meinem Vernunftgebrauche an bis auf die gegenwärtige Stunde, bereue ich noch einmal aus Liebe zu Gott, und was ich Gutes getan und Widerwärtiges gelitten habe, möchte ich gerne zum Genugtuungsopfer bringen, vereiniget mit den Leiden, mit dem Tode und mit den unendlichen Verdiensten meines Erlösers.
Meine lieben Anverwandten, Freunde, Wohltäter und Angehörigen
empfehle ich dem allmächtigen Schutz und Beistand des himmlischen Vaters.
Endlich begehre ich, o mein Gott, zu Deiner größeren Ehre
mein Leben heilig zu enden,
im Todeskampfe noch Dich anzubeten
und in Deiner Gnade zu sterben.

Um diesen meinen letzten Willen
durch Zeugen zu bekräftigen, rufe ich euch an,
o seligste Jungfrau Maria, heiliger Joseph, heiliger Schutzengel,
heiliger Namenspatron und euch alle meine himmlischen Beschützer,
die ich in meinem Leben verehrt habe!
Nehmet die Wünsche und Vorsätze eures Dieners gnädig auf
und bringet sie vor das Angesicht des dreieinigen Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

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Der gute Eifer

Wie es einen bitteren und bösen Eifer gibt, der von Gott trennt und zur Hölle führt, so gibt es den guten Eifer, der von den Sünden trennt, zu Gott und zum ewigen Leben führt. Diesen Eifer sollen also die Mönche mit glühender Liebe in die Tat umsetzen, das bedeutet: Sie sollen einander in gegenseitiger Achtung zuvorkommen; ihre körperlichen und charakterlichen Schwächen sollen sie mit unerschöpflicher Geduld ertragen; im gegenseitigen Gehorsam sollen sie miteinander wetteifern; keiner achte auf das eigene Wohl, sondern mehr auf das des anderen; die Bruderliebe sollen sie einander selbstlos erweisen; in Liebe sollen sie Gott fürchten; ihrem Abt seien sie in aufrichtiger und demütiger Liebe zugetan. Christus sollen sie überhaupt nichts vorziehen. Er führe uns gemeinsam zum ewigen Leben.

Regula Benedictus
Kapitel 72 – Der gute Eifer der Mönche

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Tage des Heiligen Geistes

Gebet um Herzensreinheit

O Gott Heiliger Geist, wir beten Dich an und benedeien Dich als den Vater der schönen Liebe und göttlichen Bräutigam der allerreinsten Jungfrau Maria. Demütig danken wir Dir und preisen wir Dich für die Gnadenfülle und Tugendschönheit, ganz besonders für den Ehrenvorzug der unbefleckten Empfängnis, mit der Du Deine reinste Braut geschmückt hast.

Durch ihre Reinheit und Unversehrtheit flehen wir zu Dir, reinige auch unser Herz von allen Makeln der Sünde und schütze uns vor dem verderblichen Geist der Unreinheit. Aus Liebe zu Deiner unbefleckten Braut schenke uns huldvoll jene Unschuld wieder, mit der Du uns bei der heiligen Taufe bekleidet hast.

O mildreichster Heiliger Geist, Du göttliche Liebesflamme, entzünde unsere Herzen mit glühender Liebe zu Maria, unserer gütigsten Mutter. Hilf uns mit dem Beistand Deiner Gnade, dass wir Dir als ihre wahren Kinder mit keuschem Leib und reinem Herzen dienen und so unserer unbefleckten Mutter Freude und Ehre bereiten. Amen.

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Seele Christi, heilige mich! – Betrachtungen zum Gebet des heiligen Ignatius

Anima Christi, Gebet des heiligen Ignatius.

Seele Christi, heilige mich
Leib Christi, erlöse mich
Blut Christi, berausche mich
Wasser der Seite Christi, wasche mich
Leiden Christi, stärke mich
O guter Jesus, erhöre mich
Von Dir laß niemals trennen mich
Vor dem bösen Feinde beschütze mich
In meiner Todesstunde rufe mich
Zu Dir zu kommen heiße mich
Mit Deinen Heiligen zu loben Dich
In Deinem Reiche ewiglich! Amen.

Betrachtungen von P. Anton Loetscher S.M.B.

Seele Christi, heilige mich!

Seele meines Heilandes, aufgenommen in die Personeinheit mit dem allheiligen Gott und darum heilig durch und durch!
In Dir ist alle Fülle der Heiligkeit.
Nur im Empfangen aus Deiner Fülle vermögen wir Menschen heilig zu werden.
Du bist die einzige Quelle der Heiligkeit.
Heiligste Seele meines Herrn, Du vereinigst Dich in der heiligen Kommunion mit meiner Seele.
Laß da jedesmal die Glut Deiner Heiligkeit meine Seele erwärmen.
Heiligste Seele meines Heilandes, aufgenommen in die Gottheit und daher wunderbar frei von allem Hängen am Irdischen, löse auch mich von jedem ungeordneten Hängen an irdischen Dingen.
Seele Christi, heilige mich!

Leib Christi, erlöse mich!

Du heiliger Leib meines Herrn,
Du bist gebildet worden im Schoße der jungfräulichen Mutter, auf daß Du Opfergabe werden könntest für unsere Sünden – also auch für meine.
Heiliger Leib meines Herrn, schon kurz nach seiner Geburt dem Himmlischen Vater zu meiner Erlösung aufgeopfert mit den Worten: „Einen Leib hast Du mir bereitet: Siehe ich komme, Deinen Willen zu erfüllen.“
Leib meines Herrn, für unsere, ja für meine Erlösung in Leiden und Tod gegeben – in den qualvollen Tod am Kreuz.
Leib meines Herrn, für uns Menschen und um unseres Heiles willen gekreuzigt, begraben, aber wieder auferweckt in Herrlichkeit.
Leib meines Jesu, vergeistigt und verklärt zugegen in der heiligen Hostie, die ich empfange.
Vereinige meinen Leib mit Deinem Leibe.
Befreie meinen Leib von der Schwere der Sünde,
verkläre ihn schon hienieden mehr und mehr,
mache ihn immer freier für Gottes Dienst,
immer bereitwilliger zum Guten,
immer adeliger.
Leib Jesu Christi, laß meinen Leib immer mehr sein eine Verherrlichung seines Schöpfers!
Leib Christi, erlöse mich, erlöse mich nicht vom Leibe, sondern vom einzigen wriklichen Übel, von der Sünde.
Leib Christi, erlöse mich!

Blut Christ, berausche mich!

Blut meines Erlösers, vergossen als kostbarer Lösepreis für meine Sünden,
Blut, strömend aus den Wunden meines Herrn,
Blut aus dem Herzen, das geliebt hat wie keines so stark und treu,
Blut, von dem ein Tropfen genügte, um alle Sünden der ganzen Welt wegzuspülen,
du starkes Blut, tränke mich!
Nein, tränke mich nicht nur, sondern berausche mich!
Berausche mich, daß ich mich selbst vergesse und von Dir getragen nur noch lebe für Gott.
Blut Christi, berausche mich,
daß ich alle Hemmungen der Menschenfurcht verliere
und mutig für meinen Heiland einstehe.
Blut Christi, berausche mich mit jenem heiligen Rausche, der die Freiheit nicht mindert oder aufhebt, sondern erhöht.
Blut Christi, berausche mich!

Wasser der Seite Christi, wasche mich!

Wasser, mit dem Blute geflossen aus der mit der Lanze eröffneten Seite des Herrn,
Du bist das Sinnbild der heiligen Taufe.
Du hast mich schon gewaschen von der Makel der Erbschuld.
Wasser der Seite Christi, fließe im Bußgericht immer wieder über meine arme Seele.
Wasche mich immer und immer wieder von den Flecken persönlicher Schuld, der schweren und der läßlichen Schuld.
Wasser der Seite Christi, ich halte Dir meine Seele hin
mit einem tiefen Verlangen nach Reinheit.
Rinne über sie, reinige sie, erfrische sie, erneuere sie.
Wasser der Seite Christi, wasche mich!

Leiden Christi, stärke mich!

Ja stärke mich,
stärke mich besonders zum heilbringenden Leiden.
Dem Leiden gegenüber fühle ich nämlich meine größte Schwäche.
Wenn das Leiden kommt, das Unangenehme, das Schwere, dann bin ich sofort versucht zu fliehen, feige davonzulaufen.
Du Leiden des Herrn,
du unverdientes Leiden,
du ganz frei getragenes Leiden,
du heilbringendes Leiden,
du Leiden, aus dem mir und der ganzen Welt Freude erblüht und Leben,
Leiden meines Heilandes, stärke mich!
Mach mich mutig und stark dem Kreuze gegenüber.
Zeige mir, daß auch ich nur durch Leiden und Kreuz eingehen kann in die Herrlichkeit ewigen Lebens,
die ich ersehne und erhoffe.
Leiden meines Herrn,
für mich getragenes Leiden, trage mich.
Leiden Christi, stärke mich!

O guter Jesus, erhöre mich!

Guter Jesus,
gut nenne ich Dich, nicht nur gütig,
denn Du bist gut durch und durch, wesenhaft gut.
Du bist als Gott der allein Gute
und als Mensch die leibhaftige Güte Gottes.
Du bist der Quell alles Guten und aller Güte.
Daher bitte ich: Erhöre mich!
Neige Dich, Du Guter, zu mir.
Schenk mir Deine Aufmerksamkeit und höre mich an,
Wenn auch noch so armselig ist, was ich Dir zu sagen habe.
Und wenn auch noch so geringfügig die Dinge sind, um die ich bitte…,
gib sie mir, wenn sie gut sind für mich.
Guter Jesus, erhöre mich —
mich, den Unguten, der so dringend des Gutseins bedarf.
Erhöre mich, daß ich werde ein Abglanz und ein Werkzeug Deines Gutseins an vielen.
Erhöre mich, daß durch mich das Gute in der Welt wachse.
Guter Jesus, erhöre mich!

In Deine Wunden verbirg mich!

So wie es im Alten Bunde Zufluchtsstätten gab, in denen sich bergen konnten und sichern vor ihren Verfolgern, die wegen einer Schuld verfolgt waren, so sind uns im Neuen Bunde Deine Wunden zur Zufluchtsstatt geworden, wenn Gottes Strafgerichte uns verfolgen.
Du hast Deine Wundmale nach der Auferstehung beibehalten, um sie dem Vater zu zeigen,
auf daß er uns schone um ihretwillen.
Siehe, Herr, auch ich bin ein Schuldiger.
Auch ich habe schon oft Gottes Strafe verdient.
Da nehme ich Zuflucht zu Deinen heiligen Wunden.
Zeige sie dem Vater, damit er um ihretwillen auch mich verschone.
Birg mich in Deinen Wundmalen,
sichere mich in ihnen vor den Strafgerichten,
vor den wohlverdienten Strafen.
In Deinen Wunden verbirg mich!

Von Dir laß niemals trennen mich!

Mein König und Herr,
laß niemals zu, daß ich mich trenne von Dir; denn Du bist mein Reichtum.
Ohne Dich stünde ich arm vor dem ewigen Vater.
Du bist meine Stäke,
Von Dir getrennt wäre ich schwach zu allem übernatürlichen Guten.
Mit Dir aber, wenn Du mich stärkst, vermag ich alles.
Du bist meine Freude,
die wahre Freude, die tief innen und dauernd beglückt,
die auch von irdischem Unglück nicht ausgelöscht wird.
Du bist mein Licht,
getrennt von Dir tappe ich im tiefsten Dunkel.
Du bist mein Weg,
getrennt von Dir ginge ich in die Irre.
Du bist mein Leben,
getrennt von Dir fiele ich in den Tod.
Herr, ich dürste nach Licht und Leben,
ich suche Freude und Reichtum, Sicherheit und Kraft.
Darum bitte ich innig:
Von Dir laß niemals trennen mich!

Vor dem bösen Feind beschütze mich!

Vor dem bösen Feind, der umhergeht und sucht, wen er verschlinge.
Vor dem bösen Feind, den Du selber einen Lügner nennst und den Vater der Lüge,
vor dem bösen Feind, dem Satan, dem Verführer und der alten Schlange,
vor dem bösen Feind, der das Böse unter dem Schein des Guten mir vorstellt,
vor dem bösen Feind, der, einmal abgewiesen, nicht ruht, sondern hingeht und noch andere böse Geister zu Hilfe ruft,
vor dem bösen Feind, der mit List und Gewalt mich von Dir, meinem Heiand und Glück, abzubringen sucht,
vor diesem bösen Feinde, der immer böse ist, der auch an Dich, den Heiligsten, als Versucher herantrat.
Vor dem bösen Feind, den Du überwunden hast,
vor dem bösen Feind beschütze mich!

In meiner Todesstunde rufe mich!

In meiner Todesstunde,
die unaufhaltsam näher kommt,
mit jedem Pulsschlag, mit jedem Atemzug;
in meiner Todesstunde,
die vielleicht schon sehr nahe ist, viel näher als ich meine;
in meiner Todesstunde, die sicher näher kommt,
und der ich nicht zu entgehen vermag;
in meiner Todesstunde,
wenn meine Kräfte mich verlassen,
wenn meine Sinne schwinden,
wenn es einsam wird um mich,
wenn die Angst nach meinem Herzen greift,
wenn die Welt mit all ihrer Pracht und mit all ihrer Kunst und Technik mir keinen Halt mehr bieten kann,
wenn auch meine Freunde mir nicht mehr zu helfen vermögen,
wenn meine Hände nach einem Halt tasten,
dann rufe Du mich, guter Herr!
In meiner Todesstunde rufe mich!

Zu Dir zu kommen heiße mich!

Zu Dir, meinem Richter,
der gerecht ist und barmherzig zugleich,
der von meiner Schuld abzieht die Schuld meiner Vorfahren und meiner Umgebung.
Zu Dir zu kommen heiße mich!
Zu Dir, meinem gütigen Erlöser,
der mich in der Taufe geheiligt und zu seinem Bruder gemacht hat,
zu Dir, der im Bußsakrament mir sooft verziehen hat,
zu Dir, der in der heiligen Kommunion sooft mich mit seiner Freundschaft beglückt hat,
zu Dir, der sich sooft in seinen Einsprechungen zu mir geneigt hat,
zu Dir zu kommen heiße mich!
Zu Dir, meinem König und Gott,
zu Dir, dem ewigen Sieger,
der mir an seinem strahlenden Siege Anteil geben will.
Zu Dir, meinem Glück, meiner Wonne und Seligkeit,
zu Dir,
ja zu Dir zu kommen heiße mich!

Mit Deinen Heiligen zu loben Dich

Mit Deinen Heiligen,
Deinen Freunden,
meinen Brüdern.
Mit Deinen Heiligen,
die in ihrer Gesamtheit Deine Größe und Herrlichkeit widerstrahlen, weil sie heilig sind durch Deine Heiligkeit;
mit Deinen Heiligen, die ohne Unterlaß Dein Erbarmen besingen,
Deine Größe und Herrlichkeit,
mit diesen Heiligen laß mich Dich loben!

In Deinem Reiche ewiglich!

ewig, ohne Ende, ohne Pause, ohne Ermüdung.
Immerdar laß mich Dich loben
in Deiner strahlenden Herrlichkeit,
in Deinem Reiche.
Amen. So soll es sein. So gib Du es. — Du!

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Seele Christi, heilige mich! – Betrachtungen zum Gebet des heiligen Ignatius
Von P. Anton Loetscher S.M.B.
Imprimatur: Friburgi Helv., die 11. V. 1960, L. Waeber, vic. gen.
Kanisius-Verlag, Freiburg/Schweiz; Konstanz/Baden; München 23

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Über Tränen

Die umwandelnde Kraft der Tränen, die aus dem Herzen kommen.

Die heilige Caterina von Siena sagte einmal, so wird überliefert: Jede Träne ist aus dem Herzen geboren. Kein Körperglied ist so empfindsam auf die Impulse des Herzens wie die Augen; wenn das Herz leidet, werden es die Augen bald enthüllen.

Niemand hat niemals geweint.

Sobald ein Kind geboren ist, werden Nase und Mund abgesaugt, um alle Sekrete, die sich in den Atemwegen des Kindes befinden, zu entfernen. Mund, Nase und Rachen werden gereinigt, um dem Neugeborenen die erste Sauerstoffaufnahme zu erleichtern. Das Baby sollte ja nach Möglichkeit bereits in der ersten Minute seines irdischen Lebens, also außerhalb der Gebärmutter, beginnen zu atmen, zu schreien; dieses Schreien ist weinen. Weinen bedeutet hier die Fähigkeit atmen zu können. Und atmen können heißt: leben.

Wenn ich weinen kann, dann deshalb, weil ich lebe.

Der vielleicht wichtigste Ausdruck des menschlichen Herzens sind die Tränen. Sie sprechen alle Sprachen, unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft. Sie drücken alle möglichen Gefühle aus: Freude, Traurigkeit, Trauer, Sehnsucht, Hass, Enttäuschung, Verzweiflung, Ungerechtigkeit, Sieg, Niederlage; alles durch vielfältige Gemüts- und Gefühlsregungen hervorgerufen.

Es scheint, dass, wenn alles versagt,
die Tränen als letzter Ausweg die letzte Hoffnung sind.

Tränen begegnen uns auch in der Heiligen Schrift, sowohl im Alten wie im Neuen Testament. Auch von Jesus wird berichtet dass er geweint hat (vgl. Lazarus-Geschichte, Johannes 1. Kap.). Wir erinnern uns an die Tränen Maria Magdalenas und natürlich an jene der Mutter Jesu, Marias.

Dennoch ist es nicht allen Menschen gegeben zu weinen. In unserer Gesellschaft ist es für viele oft sogar ein Zeichen von Schwäche. Manche sagen auch, weinen geschehe gewissermaßen natürlich, sei eine Tribut an die Dinge des Lebens. Oder weinen ist so etwas wie ein Geständnis. Weinen passiert. Deckt weinen vielleicht auch Gefühle auf oder zu?

Wir weinen vielleicht angesichts von Tod, Versagen, Schmerz, Enttäuschung, Verrat usw., – es ist dies sicher kein Zeichen von Schwäche.

Aber weinen wir auch über uns?
Weinen wir im Glauben, über unser Versagen im Glauben?

Menschen in Tränen zu sehen ist manchmal anstrengend und schwer zu ertragen. Vielleicht weil wir nicht wissen warum, – wir sind selbst hilflos. Doch der Herr spricht zum Weinenden: „Komm zu mir, ich weiß, du bist müde und belastet.“ Damit will Jesus unser Heiland uns sagen: „Sei nicht müde oder stolz, um zu mir zu kommen, Du sollst nicht denken, du würdest mich belästigen; ich möchte von dir belästigt werden, mit dir in Liebe leiden.“

Der heilige Augustinus sagte, dass seine Mutter jeden Tag vor dem Allerheiligsten Tränen vergoss, um ihn zu bekehren. Er schrieb in seinen Bekenntnissen, dass einst seine Mutter, die wegen seinem Festhalten an der Häresie untröstlich war, die Hilfe eines Bischofs suchte und diesen drängte, mit Augustinus zu sprechen und ihn von dem Irrtum dieser Auffassung zu überzeugen. Doch der Bischof lehnte dies ab und meinte, dass der junge Augustinus die Täuschung, in der er sich befand, für sich selbst entdecken müsse. Aber Monica, seine Mutter, war nicht zufrieden und flehte den Bischof nochmals an, etwas zu tun. Schon beinahe ärgerlich antwortete er „Geh in Frieden, Frau, und lebe weiter so, dass es deinem Kind nicht möglich ist, wegen so vieler Tränen verlorenzugehen und zu sterben.“ Ihre Tränen waren das stille Gebete, das das Herz Jesu berührte. – Kann es ein stärkeres Gebet geben?

„Seine Tränen waren das Blut seines Herzens, das in ihren Augen destilliert wurde.“

Begieße deine Gebete mit Tränen und wirf sie selbstbewusst in das barmherzige Herz Jesu.
Schau auf das Kreuz Jesu und sieh auf das durchbohrte Herz Mariens

Bleibe stehen am Fuß des Kreuzes.
Jesus erlöst die Verzweifelten und die Entmutigten.

Bleib stehen mit unsere Mutter, ihrem Schmerzen und ihren Tränen,
lass zu, dass sie sich um alles kümmere.

Ihre Tränen waren das stille Gebete, das das Herz Jesu berührte.
Kann es ein stärkeres Gebet geben?

„Seine Tränen waren das Blut seines Herzens, das in ihren Augen destilliert wurde.“
Begieße deine Gebete mit Tränen und wirf sie selbstbewusst in das barmherzige Herz Jesu.

Schau auf das Kreuz Jesu und sieh auf das durchbohrte Herz Mariens.
Bleibe stehen am Fuß des Kreuzes.
Jesus erlöst die Verzweifelten und die Entmutigten.

Bleib stehen mit unsere Mutter, ihrem Schmerzen und ihren Tränen, lass zu, dass sie sich um alles kümmere.

Rogier van der Weyden. Kreuzabnahme Jesu, Detail li.o.

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