Gott, Du alte und zugleich neue Schönheit

„Das ist unser Gott und es kann nebst Ihm keinen anderen als diesen geben. Danach suche ich, suche ich nach meinem Gott. Dies liebe ich, wenn ich meinen Gott liebe. Erst nach langer Zeit habe ich Dich lieben gelernt, Du alte und zugleich neue Schönheit. Erst nach langer Zeit habe ich Dich lieben gelernt. Du warst in mir, und ich war draußen; dort war ich auf der Suche nach Dir und ich Ahnungsloser suchte unter den Formen, die Du erschaffen hattest!

Du warst mit mir, doch ich nicht mit Dir …

Oh Licht, Du hast mich erleuchtet, ich sah Dich, und ich liebte Dich. Denn niemand liebt Dich, außer wer Dich geschaut hat. Und keiner sieht Dich, außer wer Dich liebt. Erst nach langer Zeit habe ich Dich lieben gelernt, oh Schönheit von alters her! Erst nach langer Zeit habe ich Dich lieben gelernt; Schmach über jene Zeit, da ich Dich nicht liebte“.

(Hl. Augustinus. Questionibus 32)

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Widerspiegeln

„Wahrhaftige und verehrenswerteste Schönheit, die nur dem geläuterten Geist sichtbar wird, ist die, die die göttliche und selige Natur umgibt. Wer solche Lichtblitze und Strahlen geschaut hat, der empfängt etwas von diesem Licht – gerade so wie der Anflug einer leuchtenden Farbe, der auf uns trifft, auf unserem Antlitz widergespiegelt wird. So wurde auch bei Mose durch die Teilnahme an dieser Schönheit im Gespräch mit Gott sein Antlitz verherrlicht.“

(Hl. Basilius. Über die Jungfräulichkeit)

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Jenseits des Begreifens

„Steigt der Geist auf unerklärliche Weise zu dem Einen auf, der jenseits des Begreifens ist, so ist es ihm unmöglich, sich nicht in diesen zu verlieben. Denn er begegnet einer unsäglichen und unbegreiflichen Schönheit, die aus Ihm entströmt wie aus einer mächtigen Quelle. In diesem Zustand, eingetaucht ins göttliche Licht, ähnelt der Geist einem Fischernetz, das wegen des Gewichts der vielen Fische, die es enthält, zu reißen droht. In Staunen steht der Geist vor Gottes Schönheit und ist berauscht wie von Wein. Wie von Sinnen gerät er außer sich und wird er von einer Bewunderung erfasst, die alles Begreifliche übersteigt; denn er ist außerstande, die Schau solch außergewöhnlicher Schönheit über aller Schönheit zu ertragen. Darum ist er von der Liebe Banden gebunden und brennt er vor lauter Durst nach Gott“

(Hl. Kallistos. Philokalie, Kap. 24)

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Morgengruß zum Herzen Jesu – Herz-Jesu-Freitag

Wenn ich erwach am frühen Morgen,
Herz Jesu, dann begrüß‘ ich Dich,
um für des Tages Müh‘ und Sorgen,
Dir innig zu empfehlen mich.

Auf Dich, o Herz, will ich nur schauen,
Du bist mein Stern, mein Trost, mein Licht!
Und immer will ich Dir vertrauen;
denn Deine Treue wanket nicht.

So nimm mein Herz Dir ganz zu eigen;
gib Du ihm Kraft zur guten Tat.
Und sollte es zur Sünde neigen,
halt‘ Du es fest in Deiner Gnad‘!

Von Dir soll heute nichts mich scheiden,
verbirg in Deine Wunden mich!
Dort will ich beten, opfern, leiden
und sterben, wenn Du willst, für Dich!

So oft wie heut‘ mein Herz wird schlagen,
will ich es stets aufs neu‘ Dir weih’n,
und jeder Pulsschlag soll Dir sagen:
„Herz Jesu, für Dich ganz allein!“

In Deine Liebe ich empfehle
auch alle, die mir nahestehen;
behüte sie an Leib und Seele,
lass keinen heute irre geh’n!

Und nun gib mir (uns) den Morgensegen,
er weihe diesen Tag mit (uns) ein,
und sei mit mir (uns) auf allen Wegen,
bis ich werd‘ ewig bei Dir sein!

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Erleuchte DU mein Herz

Wie jene Blume nie von ihrer Sonne weicht,
So folgt mein Herz Gott nach aus heil’gem Triebe
Mit reiner Liebe, der nichts gleicht,
Die mich in den verwandelt, den ich liebe.

Gewiß ich kann nicht mehr auf etwas anders denken,
Als nur auf Gott, der groß und alle Fülle hat;
Nichts ist auf dieser Welt, das mich mag zu sich lenken:
Er ist’s, der mich bewegt, die Liebe macht mich satt.

Unendlich Wesen, stark, o Licht, das zu verehren,
Woraus die Wahrheit und die Liebe quillt;
Erleuchtest du mein Herz, pflegst mein Aug abzukehren
Von dem, was mich mit Eitelkeit erfüllt.

Jeanne-Marie Guyon

(G. Teerstegen und andere ins Deutsche übersetzt.
Erster Theil Frankfurt und Leipzig 1802, S.94)

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Das Wichtigste – SICH Gott überlassen

Geht zum Gebet, nicht um Gott zu genießen, sondern um darin so zu sein, wie er es will.

Das Sich-Überlassen ist das Wichtigste auf dem ganzen Weg. Es ist der Schlüssel zum Inneren. Wer sich ganz überlassen kann, wird bald vollkommen sein.

Sich Gott überlassen, dabei bleibe man fest, ohne auf Einreden des Verstandes oder Vernünfteleien zu achten. Ein großer Glaube bewirkt eine vollkommene Loslösung von allem.

Man muß sich auf Gott verlassen und „hoffen wider alle Hoffnung“ (Röm 4,18).

Das Sich-Überlassen heißt, daß wir uns von aller Sorge um uns selbst entledigen und uns ganz der Führung Gottes anheimstellen.

„Sorgt euch nicht um morgen, denn euer himmlischer Vater weiß, was ihr alles braucht“ (vgl. Mt 6,34.32).
„Denkt an ihn auf allen euren Wegen, und er selbst wird eure Schritte lenken“ (vgl. Spr 3,6).
„Gebt dem Herrn euer Tun anheim, und er läßt euer Planen gelingen“ (vgl. Spr 16,3).
„Befiehl dem Herrn deinen Weg, und hoffe auf ihn, er wird es fügen“ (Ps 37,5).

Das Sich-Überlassen muß also, sowohl was das äußere wie auch das innere Leben betrifft, ein völliges Sich-Hineingeben in die Hände Gottes sein; wir vergessen uns selbst und denken nur an Gott. Auf diese Weise bleibt das Herz allezeit frei, zufrieden und unbefangen.

(Jeanne-Marie Guyon)

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Gewähre, dass ich durch Maria zu dir komme!

»Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.« – Dieser Satz der Genesis gilt für einen Priester ebenso wie für die Laien. Im Leben eines jeden Priesters muss es eine Frau geben. Diese Frau trat bei meiner Geburt in mein Leben. Als ich als Säugling getauft wurde, legte meine Mutter mich auf den Altar der Gottesmutter in der St.-Mary’s-Kirche in El Paso, Illinois, und weihte mich ihr.

Ein kleines Kind ist sich dieses Zeichens nicht bewusst, somit war ich mir dieser Weihe nicht bewusst – doch das Zeichen war immer da. Wie ein Stück Eisen vom Magneten angezogen wird, so fühlte ich mich zu ihr hingezogen, bevor ich sie kannte, aber nie zu ihr allein, ohne Christus.

Als ich im Alter von zwölf Jahren meine erste heilige Kommunion empfing, weihte ich mich Maria bewusst. Obwohl ich mich nicht an die genauen Worte meines Gebetes erinnern kann, ähnelten sie sicher dem Motto, das ich dann für mein bischöfliches Wappen gewählt habe:

Da per matrem me Venire.
Gewähre, dass ich durch Maria zu dir komme.

Das Gebetbuch zu meiner Erstkommunion mit einem Perlmuttumschlag enthielt die Lauretanische Litanei, die ich als Junge begann, jeden Abend zu beten, was ich bis heute beibehalten habe.

Die Berufung zum Priestertum war in meinen Gedanken immer vorhanden. Ich bat um ihre Fürsprache, um dieses Amtes würdig zu sein und vor großen Abstürzen bewahrt zu bleiben.

Schon in der ersten Klasse schlug uns eine Ordensschwester vor,
dass wir oben auf jede Seite die Initialen
J. M.J.
setzen sollten, um unsere Hingabe an
»Jesus, Maria und Josef« auszudrücken.

(Fulton J. Sheen, Autobiografie 360)

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