Der kurze Weg zur Vollkommenheit

„Nach den Worten Heiliger brauchen wir, um vollkommen zu sein, nichts weiter zu tun, als die gewöhnlichen Pflichten des Tages gut zu erfüllen. Ein kurzer Weg zur Vollkommenheit – kurz, nicht weil er leicht zu gehen, sondern weil er zweckdienlich und klar ist. – Es gibt keine kurzen, aber sichere Wege zur Vollkommenheit!

Ich glaube, diese Lehre ist von großem praktischem Nutzen für uns. Er ist leicht, von der Vollkommenheit verschwommene Vorstellungen zu haben, die oft genug dazu dienen, über sie zu reden, wenn wir ihr nicht nachstreben wollen. Sobald aber der Mensch ernstlich nach ihr verlangt und sie zu suchen beginnt, wird ihn nur das befriedigen, was erreichbar und klar vor ihm liegt und ihm eine Richtung weist, sie zu üben.

Wir müssen im Auge behalten, was unter Vollkommenheit zu verstehen ist. Sie bedeutet nicht etwas Außerordentliches, etwas Ungewöhnliches oder besonders Heldenhaftes – nicht alle haben Gelegenheit, Helden oder Märtyrer zu werden – Vollkommenheit bedeutet, was das Wort im gewöhnlichen Sinne besagt. Vollkommen heißen wir etwas, das fehlerlos, vollständig, dauerhaft und gesund ist – wir meinen das Gegenteil von unvollkommen. Da wir sehr gut wissen, was Unvollkommenheit im religiösen Leben bedeutet, zeigt uns der Gegensatz, was Vollkommenheit ist.

Der also ist vollkommen, der sein Tagewerk vollkommen vollbringt, mehr brauchen wir nicht zu tun, um nach Vollkommenheit zu streben. Wir brauchen über den Kreis der täglichen Pflichten nicht hinauszugehen. – Ich betone das, weil ich glaube, daß dadurch unsere Anschauungen vereinfacht und unsere Anstrengungen auf ein erreichbares Ziel eingestellt werden. Wenn du mich fragst, was du tun mußt, um vollkommen zu sein, so sage ich dir:

bleibe nicht im Bette liegen, wenn es Zeit ist, aufzustehen: die ersten Gedanken weihe Gott, mache einen andächtigen Besuch beim allerheiligsten Sakrament, bete fromm den Angelus, iß und trink zu Gottes Ehre, bete mit Sammlung den Rosenkranz, sei gesammelt, halte böse Gedanken fern, mache deine abendliche Betrachtung gut, erforsche täglich dein Gewissen, geh zur rechten Zeit zur Ruhe; und du bist bereits vollkommen.

(Sel. John Henry Kardinal Newman, 1801-1890)

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Sich vor Satan schützen!

„Erlöse uns von dem Bösen“, lehrt Jesus uns beten im Vaterunser. Selbst die größten Zweifler wissen: Das Böse existiert – sei es aus Erfahrungen im eigenen Leben, sei es aus der Berichterstattung vieler Medien oder der Geschichte der Menschheit. Wie schützen wir uns aber ganz konkret am besten davor?

Fünf sehr konkrete Tipps, wie man sich vor dem Bösen schützt, wurden am 30. Mai 2017 bei CNA- Deutsch veröffentlicht. Patti Armstrong vom „National Catholic Register“ hat sich beraten lassen und stellt die Ratschläge vor:

1. Erkenne und vermeide Sünden!
Die Werbung und andere weltliche Stimmen mögen manchmal damit kokettieren, aber Sünde ist kein Spaß und verdient keine positive Aufmerksamkeit. „Die übliche Arbeit des Teufels ist Sünde. Sünde führt zum Tod der Seelen“.

2. Verstehe: Der geistliche Kampf ist kein Kampf „auf Augenhöhe“!
Gerede über „Wertschätzung“ und Begegnungen „auf Augenhöhe“ ist im Ringen um Öffnung für Gottes Liebe wenig hilfreich. Denn dieser geistliche Kampf – den alle Christen führen müssen – gegen das Böse wird nicht zwischen gleich starken Mächten ausgefochten. „Die echte Macht ist Gott, der alles geschaffen hat“. Der Gott der Dreifaltigkeit, der uns so liebt, dass er „vom Himmel zu uns kam, um in uns zu wohnen. Er ist in jeder getauften Person und explodiert in uns durch die Heilige Eucharistie. Es gibt keinen Gott außer ihm“.

3. Gehe Beichten und lebe die Sakramente!
Die Beichte ist eine bessere Waffe im Kampf gegen den Teufel als der Exorzismus. „Das eine ist ein Sakrament, das andere ist ein Segen“. „Wenn die Schlange vor dem Beichtstuhl kürzer wird, dann wird der Teufel eifriger.“ „Das beste Mittel, um uns vor dem Bösen zu schützen ist durch die Sakramente, denn sie wurden von Jesus Christus eingesetzt und erfüllen uns mit der Gnade, uns zu schützen und Gott näher zu bringen“.

4. Sei Pro-Aktiv: Hilf Dir und den Deinen!
Viele Katholiken leben in einem sehr säkularen Umfeld, in dem es viele negative Einflüsse gibt. Jeder mündige Christ ist verantwortlich dafür, sich und seine Familie nicht diesen auszusetzen, sondern sein Zuhause und seine Lieben davor zu schützen. Einmal durch eine kluge Auswahl der Medien: Wer über den Glauben und die Kirche mehr aus weltlichen Medien erfährt als den eigentlichen Quellen, wird nicht wissen, was er wissen muss, um als mündiger Christ zu leben. – Und zum anderen durch das Gebet (etwa zum Erzengel Michael), die Fähigkeit zu Verzeihen und um Verzeihung zu bitten, „Danke“ und „Bitte“ zu sagen, sowie die Nutzung von Sakramentalien (etwa Skapulier, Weihwasser, Rosenkranz), und natürlich die Lektüre der Bibel und guter Medien.

5. Wenn Du Hilfe brauchst, geh zu einem guten Priester!
Es ist selbstverständlich, dass man für sich und seine Familie einen guten Arzt oder Steuerberater sucht. So braucht ein Katholik immer wieder mal einen guten Priester. „Wenn ein Priester betet und seinen Segen gibt, dann handelt er in der Person von Jesus Christus, was sehr machtvoll ist. Wenn der Priester betet sieht der Teufel Jesus Christus“.

Vgl. CNA-Deutsch

Hieronymus Bosch: Das jüngste Gericht

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Die Aufgabe der Mönche

Das zentrale Dogma unserer Religion ist die Eucharistie;
sie muß Mönche haben,
die sich der Anbetung weihen.
Christus lebt und ist in der Eucharistie gegenwärtig.
Braucht dieser unter uns lebende göttliche König
etwa keinen Hofstaat, der ihn anbetet?
Wir singen mit unserem ganzen Sein,
wir beten mit ganzem Herzen,
denn unser Gesang richtet sich an denjenigen,
den wir lieben.
Die Messe ist das größte Ereignis, das sich auf Erden vollziehen kann.
Und dann gibt es noch das Geheimnis der Kommunion:
Gott, die unendliche Liebe,
kommt und flößt mir sein eigenes Leben ein.
Da wir von den Gnadengaben der Kommunion leben,
wollen wir deren Wohltaten durch ein
freudig entsagungsvolles Leben
zusammen mit dem gekreuzigten Gott
über die ganze Menschheit ausgießen.

Dom Jean-Baptiste Chautard

Dom Jean-Baptiste Chautard (1858-1935) wurde mit 19 Jahren Mönch in der französischen Trappisten-Abtei Aiguebelle (Provence). Er gehörte 1898 zu den Wiederherstellern des in der französischen Revolution untergegangenen
Mutterklosters Citeaux (Burgund), von dem der Orden der Zisterzienser den Namen herleitet. Er wurde Abt des Klosters Sept-Fons (Auvergne), wo er eine große geistliche Ausstrahlung entfalten konnte, sowohl als Lehrer seiner Mönche, wie als Ratgeber vieler Menschen.

Bekannt und lesenswert ist auch und gerade heute wieder sein Buch „Innerlichkeit – Die Seele des Apostolates“. Dieser Klassiker der katholischen Spiritualität ermahnt dazu, daß jedes katholische Apostolat notwendigerweise ein intensives Gebetsleben zur Basis haben muß.

Im Jahr 1903 konnte der Abt Chautard durch ein Gespräch mit dem antiklerikalen französischen Politiker und späteren Premierminister Georges Clemenceau verhindern, daß die Trappisten aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Obiges Zitat stammt aus der historischen Unterredung, die den „Pfaffenfresser“ Clemenceau, der zuerst noch den Ordensstand verhöhnte, zu dem Ausspruch veranlaßte: „Ich verstehe nun, daß man stolz sein kann, Mönch zu sein, wenn man es aus tiefstem Herzen ist. Betrachten Sie mich als Ihren Freund!“

Papst Benedikt XVI. nannte bei seiner Pilgerfahrt nach Lourdes 2008 Dom Chautard „eine der schönen spirituellen Gestalten Frankreichs“ und empfahl die „Innerlichkeit“.

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Der kleine Weg: „Ich will euch tragen“

Ich habe immer danach verlangt, eine Heilige zu werden;
aber ach!
Wenn ich mich mit den Heiligen verglich, stellte ich fest, dass zwischen ihnen und mir derselbe Unterschied besteht wie zwischen einem Berg, dessen Gipfel sich in die Himmel verliert, und einem unscheinbaren Sandkorn, über das die Füße der Leute achtlos hinwegschreiten.
Statt zu verzagen, sagte ich mir:
Der Liebe Gott flößt keine unerfüllbaren Wünsche ein,
ich darf also trotz meiner Kleinheit nach Heiligkeit streben;
mich größer machen ist unmöglich;
ich muß mich ertragen, wie ich bin, mit all meinen Unvollkommenheiten;
aber ich will ein Mittel suchen, in den Himmel zu kommen, auf einem kleinen Weg, einem recht geraden, recht kurzen, einem ganz neuen kleinen Weg.

Wir leben in einem Jahrhundert der Erfindungen, man nimmt sich jetzt die Mühe nicht mehr, die Stufen einer Treppe emporzusteigen, bei den Reichen ersetzt ein Fahrstuhl die Treppe aufs vorteilhafteste. Auch ich möchte einen Aufzug finden, der zu Jesus emporhebt, denn ich bin zu klein, um die beschwerliche Treppe der Vollkommenheit hinaufzusteigen.

Ich suchte daher in den heiligen Büchern nach einem Hinweis auf den Fahrstuhl, den ich begehrte, und ich stieß auf die aus dem Munde der Ewigen Weisheit kommenden Worte:
„Ist jemand ganz klein, so komme er zu mir.“ (Sprüche 9,4)
So kam ich denn, ahnend, dass ich gefunden hatte, was ich suchte.
Weil ich wissen wollte, o mein Gott! was du dem ganz Kleinen tätest, der deinem Ruf folgen würde, setzte ich meine Erkundungen fort und fand: –
„Wie eine Mutter ihr Kind liebkost, so will ich euch trösten; an meiner Brust will ich euch tragen und auf meinen Knien wiegen!“ (Isaias 66, 13.12)
Ach! niemals sind zartere, lieblichere Worte erfreuend an meine Seele gedrungen; der Fahrstuhl, der mich bis zum Himmel emporheben soll, Deine Arme sind es, o Jesus!

Hl. Theresia von Lisieux

Heilige Therese (von Lisieux) vom Kinde Jesu und vom Heiligsten Antlitz