Wohin gehst Du?

Worte des heiligen Maximilian Kolbe an DICH gerichtet:

Wohin gehst du im Laufe deines Lebens? Jeden Tag, jede Stunde handelst du, denkst du, sagst du immer etwas. Zu welchem Zweck? Die Wahrheit ist, dass du nach etwas strebst, entweder näher oder weiter weg. Und ihr strebt danach, weil ihr hofft, dass es euch einen Hauch von Glück bringen kann. Ein solches Streben nach Glück ist so natürlich, dass kein Mensch auf der Welt existiert, der sich nicht nach Glück sehnt. Allein aus diesem Grund horten die Menschen Geld, suchen Ruhm und Vergnügen, um Glück zu finden. Ist es nicht wahr, dass du an allen Orten und in allen Dingen auf dieser Erde immer nach Glück gesucht hast?

Doch nichts war in der Lage, deinem Herzen volle Freude zu bereiten. Du hast erkannt, dass du durch das Setzen deines Ziels auf irdisches Glück immer auf Enttäuschung gestoßen bist; du bist auf Grenzen gestoßen. Und du hättest dir etwas mehr gewünscht, etwas Dauerhafteres. Hast du vielleicht nicht bemerkt, dass alle für einen bestimmten Zweck bestimmten Mittel begrenzt sind und dass ihre Grenze gerade darin liegt, dass sie auf einen bestimmten Zweck ausgerichtet sind? Die Mittel sind berechtigt, soweit sie zur Erreichung dieses Zwecks notwendig und ausreichend sind. Ebenso sind auch Waren kein Zweck, sondern ein Mittel, und man kann und sollte sie nur als solche nutzen. Wenn du sie dir also zum Ziel setzt, werden sie nie ausreichen.

Halte inne und denk darüber nach: Wann wirst du jemals ganz glücklich sein? Lass deiner Phantasie freien Lauf, um für dich die Burg des Glücks aufzubauen, von der du geträumt hast. Versuche, dir alles vorzustellen, was du jemals wolltest, und frage dich selbst: Was wäre, wenn es mehr wäre? Und wenn es länger dauerte? Du wirst immer die Antwort hören: Wenn du noch nach etwas Besserem streben kannst, d.h. wenn deine Seele immer noch nicht ganz zufrieden ist, hast du das Glück, deinen Zweck nicht erreicht. Und welche Grenze du noch überwinden musst, es wird immer ein Hindernis für vollkommenes Glück sein. Das bedeutet, dass du Glück begehrst, aber ein Glück ohne Grenzen: unendlich, ewig. Alles in dieser Welt ist begrenzt, so dass es nicht ausreichen würde, auch nur eine einzige Seele zu befriedigen. Und diejenigen, die sich nach Glück sehnen, sind so viele wie die Menschen, die unter der Sonne leben.

Wo liegt dann unser Ziel? In der Natur sehen wir, dass alle natürlichen Triebe zum Tragen kommen: das Auge will sehen und es tut es; das Ohr will hören und es kann; der Körper will genährt werden und es kann sein. Wie könnte der kühnste und wichtigste Wunsch der Seele, um dessentwillen wir alles Übrige begehren, unerfüllt bleiben? Nein, auch ein solches Verlangen hat seine eigene Erfüllung, nämlich den unendlichen und ewigen Gott.

Quelle: MILITIA IMMACULATAE

(Aus The Writings of St. Maximilian Maria Kolbe, Volume 2, Nerbini International, 2016)

Hl. Pater Maximilian Kolbe OFMConv. (1894-1941)

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Jesus, komm und lebe in mir!

Jesus, der Du in Maria lebst,
komm und lebe in Deinen Dienern
[- komm und lebe in mir -]
im Geiste Deiner Heiligkeit,
in der Fülle Deiner Kraft,
in der Echtheit Deiner Tugenden,
in der Vollkommenheit Deiner Wege,
in der Vereinigung mit Deinen Geheimnissen.
Herrsche über jede feindliche Gewalt
durch Deinen Heiligen Geist
zur Verherrlichung des Vaters. Amen.

(Jean Jacques Olier, 1608-1657)

O Jesu vivens in Maria,
veni et vive in famulis tuis,
in spiritu sanctitatis tuæ,
in plenitudine virtutis tuæ,
in perfectione viarum tuarum,
in veritate virtutum tuarum,
in communione mysteriorum tuorum,
dominare omni adversæ potestati,
in spiritu tuo ad gloriam Patris. Amen.

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Von der stummen Liebe

Von der stummen Liebe

O diese stumme Liebe,
Die alle Worte flieht,
Daß sie verborgen bliebe!

O Liebe, die verborgen
Durch allen Wechsel geht,
Auf daß kein Mensch von außen
Ihr tiefes Glück errät,
Und sie kein Dieb erspäht,
Daß ihr nicht würd geraubt
Der Schatz, den sie gefunden.

Je mehr du bleibst verschwiegen,
Je heißer ist dein Brennen,
Und wer dich ganz verschließt,
Wird dich am tiefsten kennen,
Doch wer dich wagt zu nennen,
In Worte fassen will,
Den wird dein Glück verwunden.

Umsonst all sein Bemühen,
Geheime, dich zu künden,
Noch eh er stammelnd sucht
Worte für dich zu finden,
Wird schon von allen Winden
Entführt sein und zerstreut,
Was er als sein empfunden.

Denn soll das Licht den Menschen
Mit stiller Flamme führen,
So halt er es verschlossen,
Verriegle alle Türen,
Laß keinen Hauch es spüren,
Daß nicht das Licht verlischt
Im Sturme dunkler Stunden.

Die tiefe stumme Liebe
Hemmt selbst der Seufzer Wehen.
Sie ist am Tor des Herzens
Als Hüterin zu sehen
Und heißt sie still vergehen,
Daß nichts der Geist ablenkt
Von dem, was er gefunden.

Denn mit der Seufzer Hauch
Will auch der Geist entfliehen,
Läßt gegenwärtges Glück,
Um Fernem nachzuziehen;
Doch fühlt die Scham er glühen
Um das, was er verschwendet,
Bist ewig du entschwunden.

Die tiefe stumme Liebe
Hat Heuchelei verbannt,
Du wirst sie nirgends finden
In ihrem stillen Land.
Sie löscht des Ruhmes Brand.
Es hat sein flüchtig Feuer
Die Liebe überwunden.

Jacopone da Todi

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Der Glaube, der uns zur Krippe führt

Der Glaube, der uns zur Krippe führt, ist die Überzeugung, dass Gott als Kind aus Maria geboren wurde. Das Licht ist in die Welt gekommen, um alle zu erleuchten, die es annehmen, so wie es die Propheten schon angekündigt hatten. „Dein ist die Herrschaft am Tage deiner Macht, wenn du erscheinst in heiligem Schmuck; ich habe dich gezeugt noch vor dem Licht, wie den Tau in der Frühe!“ (Ps 110,3)

Stephan Lochner – Die Anbetung des Christuskindes

Betrachten wir Maria und Josef vor der Krippe, in der das Kind liegt; schauen wir auf die sich beeilenden Engelscharen, auf die Hirten, die die himmlische Melodie hören und zur Krippe eilen, auf die Magier, die mit ihren großherzigen Gaben zum neu geborenen König kommen, dann werden auch wir mit Herz und Mund singen: Ehre sei Gott in der Höhe! (Lk 2,1-16 bzw. Mt 2,1-6)

Dank dieser Geburt ändert sich alles in der Welt:
Wir wurden empfangen in der Ursünde und jetzt können wir in der Gnade neu geboren werden.
Wir wurden geboren für ein unsicheres Leben und jetzt können wir in der Hoffnung auf ewige Seligkeit ausharren.
Wir wachsen und altern mit Sorgen und Leiden, doch jetzt können wir vor den Altar Gottes treten, der uns in unseren Freuden erfrischt.

Alles Vergängliche wird uns genommen und die Zeit bis zum Tode wird immer kürzer; aber jetzt haben wir die Sicherheit im Glauben, dass wir nach dem Tod in die Ewigkeit eingehen: in eine neue Erde und einen neuen Himmel (Offb 21,1).

Wir werden ernährt mit Dingen, die uns schaden und nicht sättigen; jetzt können wir den Leib des Herrn empfangen, der das Brot des Lebens ist, das Unterpfand der Unsterblichkeit. Alles Vergängliche wird uns weggenommen, nicht aber die Unsterblichkeit! Wir erkennen, welche Verheißung uns die Geburt unseres Herrn Jesus Christus verkündet, noch bevor er ein Wort reden kann!

Die Empfängnis Christi
im Schoße Mariens
ist der Ursprung des christlichen Volkes,
der Kirche,
und die Geburt unseres Heilandes
ist zugleich die Geburt des mystischen Leibes Christi.

Durch denselben Geist, durch den Jesus aus dem Leibe seiner unbefleckten Mutter geboren wurde, werden wir immer wieder aus dem Schöße der Kirche, die auch ohne Makel und Runzel ist, wieder geboren, wenn wir unsere Verfehlungen bereuen.

(Text: German Rovira. Mariologisches 4-2018)

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Betrachtung zur Geburt unseres Herrn

Wir stellen uns den Stall zu Bethlehem vor und betrachten den neugeborenen Erlöser der Welt in der Krippe. Wir bitten um die Gnade, die Wirkungen seiner heiligen Geburt an uns zu erfahren.

1. Siehe, ich komme, Deinen Willen zu erfüllen

Die Zeit, die Gott von Ewigkeit her zur zeitlichen Geburt seines Sohnes bestimmt hatte, war gekommen. Unser Heiland hatte sich geduldig in diese Stunde gefügt. Er war ihr weder zuvorgekommen, noch hatte er sie verschoben. Dann aber erhob er sich wie ein Riese, seinen Weg zu laufen (Ps 18,6), der ihm von der Wiege bis zum Kreuze eröffnet war.

O anbetungswürdiges Kind, wie viele Kreuze wirst Du finden, bevor Du jenem begegnest, auf dessen Armen Du Deinen Lauf vollenden sollst! Welche Ergebung in den Willen Deines Vaters, der Dir genau vorgezeichnet ist, findet sich bei Dir! Wie sehr muss mich der Gedanke packen, hier einen untertänigen Gott zu sehen, untertänig den strengen Beschlüssen eines Vaters, der die Empörung seiner Knechte am eigenen Sohne rächt!

Durch seine Ankunft in der Welt zu der vom Vater bestimmten Stunde, da er das Heiligtum unter dem Herzen seiner Mutter verließ, schenkte unser Heiland Maria ein Übermaß himmlischer Schätze, einen Überfluss an Gnaden, der sich leichter betrachten als beschreiben lässt.

O liebenswürdigster Jesus, mit welchen Gnaden wirst Du unser Herz erfüllen, wenn wir Dich in der heiligen Kommunion empfangen und Deiner Gnade kein Hindernis entgegensetzen! Findest Du in unserer Seele eine Tugend, die mit jener der gebenedeiten Jungfrau auch nur entfernte Ähnlichkeit hat, so wirst Du gewiss ihren Glanz vermehren, so wie Du die Tugend Deiner heiligen Mutter vollkommener machtest.

2. Das Geheimnis der Weihnacht

Da die seligste Jungfrau wusste, dass die Geburt Jesu herannahe, erwartete sie in zurückgezogener Einsamkeit, in tiefer Betrachtung den wichtigen Augenblick. In höchstem Glück schenkte sie jenen der Welt, der ihr Befreier war. Unaussprechliche Liebe und Ehrfurcht durchdrang ihr Herz. Sie betete jenen als ihren Gott an, den sie als ihren Sohn liebte. Mit der Zärtlichkeit einer Mutter umfing sie ihn. Sie nahm das göttliche Kind auf ihre Arme und an ihr Herz. Sie küsste es voll Ehrfurcht, und Tränen der heiligsten Freude rollten aus ihren Augen. Ehrfurcht und Liebe sollten deine Empfindungen sein, mein Christ, wenn du das Glück hast, denselben Heiland zu besitzen. Ehrfurcht und Liebe sind die Hände, die du ihm reichen sollst.

Nachdem Maria dem ersten Drang ihrer Liebe Genüge getan hatte, war sie um die Erfüllung ihrer Mutterpflichten bekümmert. Sie wickelte das göttliche Kind in Windeln und legte es in die Krippe. Welch ein Schmerz für die liebevolle Mutter, den eingeborenen Sohn Gottes, ihren Schöpfer und Erlöser, in eine arme, der Würde seiner Person so wenig angemessene Wiege legen zu müssen! Wie sehr musste sie staunen, Gott in einem so bescheidenen Zustande zu erblicken! Wie sehr musste sie von Dankbarkeit durchdrungen sein, dass ihr Schöpfer sie zu seiner Mutter gewählt hatte. Mit welcher Hingabe opferte sie sich seinem Dienste! Und der hl. Joseph vereinigte seine Huldigung, Liebe und Zärtlichkeit mit jener seiner gebenedeiten Braut.

Werfen wir uns mit Maria und Joseph zu den Füßen des Jesuskindes nieder und beten wir mit ihnen das menschgewordene Wort an. Es hat sich ja aus Liebe zu uns in so wunderbarer Weise herabgelassen. Wir lieben es, wir bewundern es. Wir danken ihm in Demut für eine so unaussprechliche Gnade. Wir bringen ihm aus Dankbarkeit uns selbst zum Opfer dar und sprechen mit aller Zärtlichkeit unseres Herzens: „Liebenswürdiger Erlöser, was soll ich tun, um Deiner großen Güte zu entsprechen? Hätte ich doch in jener Stunde zu Bethlehem sein können, um euch beizustehen und euch zu dienen. Lass mich Dir mit Leib und Seele zu Diensten sein. Verfüge über mich nach Deinem Wohlgefallen!

3. Sanftmütig und demütig von Herzen

Welche Wunder sind hier zu betrachten, welche Tugendbeispiele stehen im neugeborenen Heilande in allen Umständen seiner Geburt vor unseren Augen! Jener, der im Himmel thront in unnahbarer Herrlichkeit mit dem Vater und dem Heiligen Geiste, umgeben von Cherubinen und Seraphinen, die ihr Angesicht bedecken, er steigt auf diese Erde hernieder, wird als armes Kind geboren, liegt auf Stroh und teilt seine Wohnung mit dem Vieh der Menschen. Wo ist sein Hab, wo ist sein Gut? Er hat sich aller Herrlichkeit beraubt, um seinen Vater zu ehren und uns zu erlösen. Unser Herr schaut aus der Krippe hinauf zum Vater, um ihn zu preisen, er schaut auf uns, um uns Demut zu lehren. Er übt Entsagung und Demut vom Tage seiner Geburt an.

Hörst du, meine Seele, die Stimme des göttlichen Kindes, in dessen Umgebung alles predigt: „Die Windeln, die Krippe, der Stall als Sinnbilder der Demut?“ Lernet von mir, sagt es, „denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen“ (Mt 11,29).

O Gott, welch große und inhaltsschwere Lehre! Aber wie wenig erkennt man sie, und noch weit weniger lebt man nach ihr! Der ewige Vater wollte uns zur Liebe dieser göttlichen Tugenden bewegen. Er stellte uns daher in seinem eigenen Sohne das Muster vor. Er erklärte uns, dass wir keinen Teil an seinem Reiche haben würden, wenn wir seinen Sohn nicht zu unserem Vorbild machten. Wir sollen die Tugenden seiner heiligen Kindheit uns aneignen und das Gepräge derselben in uns tragen. Wenn ich heute vor Dir erscheinen müsste, mein Herr und Richter, wie beschämt stünde ich da, weil ich Dir, Du demütiges Kind in der Krippe, so wenig ähnlich bin!

(Ludwig de Ponte. Meditationen)

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Betrachtung zum 4. Advent

Das Leben und Wirken des hl. Johannes des Täufers

Wir stellen uns den hl. Johannes in der Wüste und an den Wassern des Jordan vor und bitten den Heiligen Geist um die Gnade, die Tugenden dieses großen Mannes nachahmen zu können.

1. Der Mann der Stille

Johannes der Täufer ging schon in seiner frühesten Jugend in die Wüste. Er übte dort vier herrliche Tugenden, die der Grund der Vollkommenheit sind.

Die erste Tugend war die Buße. Sie ist bei dem jungen Mann umso bewunderungswerter, als er von keiner Seite aufgefordert wurde, ein so strenges Leben zu führen. War er doch schon im Leibe seiner Mutter geheiligt und hatte niemals einen bedeutenden Fehltritt begangen. Trotzdem lebte er bei all seiner Heiligkeit in strenger Buße. Er verzehrte Heuschrecken und wilden Honig, kleidete sich mit einem Tierfell, trug einen ledernen Gürtel um seine Lenden.

Eine Grotte oder ein Felsenloch war seine Wohnung. Tag und Nacht weilte er im Gebete vor Gott. Dieses ständige Gebet war die zweite Tugend, die er übte. So war der Heilige Geist der Herr seines inneren Lebens. Dieser Geist hatte ihn in die Wüste geführt. Dieser Geist sprach zu ihm im Innersten seiner Seele und beschäftigte ihn mit der Betrachtung göttlicher Dinge.

Ungeachtet des Kampfes, den der Feind der Heiligkeit auch ihn bestehen ließ, verharrte er in dieser Lebensweise mit einer Standhaftigkeit, die die dritte seiner Tugenden, vielleicht die bewunderungswürdigste war. Aushalten können, das ist die größte Kraft der heiligen und strebsamen Menschen.

Die vierte Tugend endlich, die man gleichsam als die Frucht der drei vorhergehenden betrachten kann, war eine engelgleiche Reinheit.

So schritt der große Mann immer folgsam auf dem Wege der Gnade vorwärts. Er machte das Wort des Evangelisten, das später über ihn geschrieben werden sollte, wahr: „Er wird vor ihm hergehen mit dem Geiste und der Kraft des Elias, um die Herzen der Väter wieder ihren Kindern zuzuwenden, die Ungehorsamen zur Gesinnung der Gerechten zu drängen und dem Herrn ein williges Volk zu bereiten“ (Lk 1,17).

Die Zurückgezogenheit, meine Seele, ist ein an allen Tugenden fruchtbares Feld, zumal wenn man den Mut hat. solange in dieser Stille zu verharren, wie Gott es will. Blei ben wir in der Einsamkeit, im Gebete und in der Buße, sie wird für uns ein Berg an Myrrhe und ein Weihrauchhügel sein, darauf wir Gott beständig Opfer darbringen und zum Lohne dafür zu einer Reinheit des Herzens gelangen, die uns fähig machen wird, mit den Engeln Umgang zu pflegen. Wir werden dadurch so an Tugend wachsen, wie der Morgenstern immerzu bis zum hellen Tage wächst.

Nur Du kannst uns den Armen der Welt entreißen, o göttlicher Geist, Du kannst uns in die Einöde führen und uns die Erkenntnis göttlicher Dinge geben. Du kannst uns zur Übung der Tugenden Deines Vorläufers aneifern. Wir bitten Dich demütig um diese Gnaden und überlassen uns ganz Deiner göttlichen Leitung.

2. Der Wegbereiter

Johannes verließ seinen Aufenthalt und ging an das Ufer des Jordan, um die Bußtaufe zu predigen. Warum brach Johannes plötzlich aus seiner Einsamkeit auf? Wie alt mag er zu jener Zeit gewesen sein? Wie erfüllte er seine Pflicht und welche Früchte zeigte sein Wirken? Das ist reichhaltiger Stoff zum Nachdenken, besonders ist er für jene nützlich, die Gott zum Dienste seiner Ehre und zur Seelsorge berufen hat.

1. Johannes verließ nicht aus Überdruss die Wüste. Noch viel weniger geschah es aus bloßem Eigenwillen. Der Heilige Geist führte ihn in die Stille und führte ihn unter die Menschen. Er hatte ihn in der Einöde geschult, um das Wort Gottes auf den Straßen der Menschen zu verkünden. Mein Gott, wie glücklich ist der Mensch, der von den Händen eines so großen Meisters geleitet wird! Steht man einmal unter der Leitung des Heiligen Geistes, so muss man auch seine Absichten sorgfältig zu erkennen suchen, ohne ihnen durch übereilte Ungeduld unter dem Vorwand des Eifers zuvorzukommen.

2. Johannes wurde also aus einem Einsiedler ein Volksprediger. Er hatte in der Stille das Wort Gottes in sich reifen lassen, um es nun laut zu verkünden. Er war in die Geheimnisse Gottes eingedrungen, um sie den Menschen zu offenbaren. O Herr und Gott der Liebe, Du hast während so vieler Jahre das Feuer der Liebe im Herzen des hl. Johannes entzündet, damit er die Flammen nach außen verbreite, gib auch mir diese Liebe. Kann man sich wohl zurückhalten und unter den Menschen erscheinen, ohne sie zur Liebe zu ermuntern, wenn man Dich, mein Gott liebt?

3. „Tuet Buße!“ rief der Vorläufer allen zu, die um ihn versammelt waren (Mt 3,2). Johannes behandelte nicht alle seine Zuhörer gleich. Er gleicht sich den Verschiedenheiten der Herzen an. Die verstockten Pharisäer und Sadduzäer bedroht er, vom Geiste des Elias beseelt. Das Volk dagegen, die öffentlichen Sünder und die Soldaten behandelte er milde. Alle, die geneigten Herzens waren, führte er mit der Sanftmut eines Moses. Nichts ist sanftmütiger und großmütiger als die Liebe. Sie mag sich im Donner zeigen oder im Tau herabträufeln, sie bleibt sich immer gleich und hat keinen anderen Zweck als die Bekehrung der Seelen.

4. Die größte Stütze des hl. Johannes im Dienste des Herrn war nicht seine Wunderkraft, sondern seine Heiligkeit. Das große und einzige Wunder, das dem hl. Johannes so viele Zuhörer verschaffte und seine Worte fruchtbar machte, war seine erstaunliche Lebensweise. Göttlicher Geist, rufe doch stets solche Johannesseelen in Deiner Kirche hervor, erwecke wahre Nachfolger seines Eifers und seines Lebens. Gib uns Prediger, die durch ihr Beispiel das bekräftigen, was sie mit Worten lehren. Mache sie zuerst selbst heilig, damit sie dann andere zur Heiligkeit führen können.

3. Ich muss abnehmen

Das Leben und die Predigten des hl. Johannes hatten ihm unter dem Volke eine so hohe Achtung erworben, dass man ihn für den wirklichen Messias hielt. Sobald der Vorläufer diesen Irrtum bemerkte, beseitigte er ihn, indem er über seine Person keinen Zweifel ließ. „Ich taufe nur mit Wasser“, erklärte er allen, „es kommt aber einer, der mächtiger ist als ich. Ich bin nicht würdig, auch nur seine Schuhriemen aufzulösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geiste und mit Feuer taufen“ (Lk 3,16). In diesen Worten liegen drei große Beweise der Demut des Heiligen.

Der erste Beweis liegt darin, dass ihn weder sein strenges Leben, noch die besonderen Gnaden des Himmels, noch der ausgezeichnete Ruf, den er sich erworben, stolz machten. Wie wenig braucht es bei uns, dass wir uns etwas einbilden!

Zum zweiten beweist Johannes seine Demut dadurch, dass er die Wahrheit auf Kosten seiner Ehre und zur Ehre des Gottessohnes nicht verschweigt. Ja, er verkündigt laut, dass er nichts im Vergleich mit Christus sei. Er sei nicht einmal würdig, ihm den geringsten Dienst zu erweisen. Wie selten weisen wir ein Lob zurück, selbst wo es nicht verdient ist! Wie noch weit seltener gibt man jenen die Ehre, denen sie gebührt, zumal dann, wenn es zu unserem eigenen Nachteile gereicht.

Der dritte Beweis für die Demut des hl. Johannes liegt darin, dass er seine eigene Taufe hinter der Taufe Jesu Christi zurückstellt. Meine Taufe, sagt er, ist nur eine gewöhnliche Taufe mit Wasser, der aber nach mir kommt, den ihr nicht kennt, der hat eine andere Taufe, er wird euch seinen Heiligen Geist in dieser Taufe mitteilen.

So macht man es, mein Gott, wenn man wahrhaftig demütig ist. Je mehr man von der Welt geachtet wird, desto weniger muss man sich selbst achten. Man erscheint in seinen eigenen Augen ebenso klein und verachtungswert wie man in den Augen der Menschen groß angesehen wird. Gern setzt man sich zu den Füßen anderer und bezieht alle Ehre, die man empfängt, in Gerechtigkeit und Wahrheit auf jenen, der der Grund und die Quelle aller Ehre ist, Gott der Herr.

Schämen wir uns, mein Christ, dass wir dem großen hl. Johannes so wenig ähnlich sind. Wir gereichen Gott und den Menschen zur Verachtung und bilden uns dennoch ein, etwas zu sein. Wir geben uns selbst einen Vorrang vor anderen, die viel mehr wert sind als wir. Und während wir gar nichts Erhebliches für Gott tun, berauben wir ihn noch der wenigen Ehre, welche er aus unserem geringen Dienste ziehen konnte.

Großer hl. Johannes, der du dich erniedrigtest, indes Himmel und Erde sich gleichsam um die Wette bemühten, dich zu erheben, erbitte mir eine heilige Demut. Du hast sie in so hohem Maße besessen. Ich habe sie dringend notwendig, weil ich durch meinen Stolz die himmlischen Gaben zu verlieren fürchte, die mir der Herr in seiner Barmherzigkeit geschenkt hat.

(Ludwig de Ponte. Meditationen)

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Betrachtung zum 3. Advent

Der Vorläufer Johannes legt über sich und über Christus Zeugnis ab

1. Johannes der Täufer steht am Jordanufer von Juden umringt, die Fragen an ihn stellen.
2. Wir bitten Gott um die charakterfeste Wahrhaftigkeit und Demut seines Vorläufers.

1. Der ehrliche Mann

Die Juden fragten Johannes: „Wer bist du? Bist du der Messias?“ Und er bekannte und leugnete nicht, er bekannte: „Ich bin nicht Christus, von dem ihr redet.“ (Jo 1,19-20).

Das ist der ganze Johannes. Er ist wahrhaftig und demütig bis in die Knochen. Man fragte ihn in Hochachtung und Bewunderung, ob er der Messias sei. Er gab aufrechten Bescheid. So steht sein Bild dem abscheulichen Hochmut Luzifers gegenüber, der sich in seinem Wahne Gott gleichstellen wollte. Johannes wurde seiner Demut wegen erhöht, Luzifer in den Abgrund gestürzt. Gern hätte der Satan, der in der Schrift der König der Hochmütigen genannt wird (Job 41,25), die Heiligkeit des Vorläufers zu Fall gebracht. Sicherlich hatte er den Juden den Gedanken eingegeben, den Büßer am Jordan aufzusuchen und ihm zu sagen, wie geneigt sie seien, ihn für den Messias zu halten. Der Teufel glaubte, dass der Ruhm, Gott gleichgestellt zu werden, den Aszeten verblenden würde.

Dieses Kunstgriffes bedient sich der böse Feind gerne, um auch Heilige zu stürzen. Er sieht es gerne, wenn sie zu hohen Würden erhoben und über ihr Verdienst und ihre Kräfte geehrt werden. Aber alle vom göttlichen Licht erleuchteten Männer meiden die Klippe des Hochmutes und nehmen ihre Zuflucht zur Erkenntnis ihrer selbst. Sie entfernen sich soviel sie nur können von allem, was nur den Schein einer Auszeichnung oder eines Vorzuges hat. Je angesehener sie in der Welt sind, desto mehr verdemütigen sie sich nach dem Rate des Weisen und finden so wie der hl. Johannes in ihrer Demut eine sichere Freistätte in allen übrigen Tugenden.

O hl. Johannes, du lehntest es ab, eine Würde zu bekleiden, die nur dem zukam, der größer war als du, und wurdest so von Gott dafür verherrlicht. Erwirb auch mir die Gnade, immer an meine eigene Niedrigkeit zu denken, meine gänzliche Abhängigkeit von Jesus Christus zu erkennen, mich ohne Unterlass an ihn zu halten und nach nichts zu streben als nach der Ehre, Christus als demütiger Knecht anzugehören.

2. Der Gerechte

Die Juden drangen weiter mit Fragen auf Johannes ein: Bist du Elias? Und er sprach: Ich bin es nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein, ich bin weder Elias noch ein Prophet“ (Jo 1,21). Zum zweiten Mal bewies Johannes seine Demut. Er hätte behaupten können, er sei der Prophet Elias, weil er seinen Geist besaß, ja weil der Heiland selbst ihn gewürdigt hatte, diesen Namen zu tragen. Da aber die Juden an den wirklichen, leibhaftigen Elias dachten, gab ihnen auch Johannes eine eindeutige Antwort.

Wahrhaft demütige Christen lehnen nicht nur jede Ehrung ab, der sie nicht entsprechen, sondern sie vermeiden auch die Ehrungen, die sie ohne Ungerechtigkeit annehmen könnten. Lobt man sie dennoch, so achten sie nicht darauf. Wie bestimmt und kaltblütig handelt in einer solchen Situation der hl. Johannes der Täufer. Weit entfernt, an den Gesprächen seiner Schmeichler Gefallen zu finden, antwortet der aufrechte Christ so, dass jenen das Wort vergeht. Sie lieben die Verborgenheit mehr als den hellen Tag und behalten sich allen Ruhm für die Ewigkeit vor.

O Sonne der göttlichen Gerechtigkeit, Du hast dem hl. Johannes mit göttlicher Kraft den trügerischen Schein der Ehren dieser Welt gezeigt, Du hast ihn mit Verachtung gegen alle Falschheit erfüllt, erleuchte auch uns, dass wir nicht in die Fallstricke der Schmeichler fallen. Schärfe unser Auge, dass es die Eitelkeit dieser Welt durchschaut.

3. Werkzeug Gottes

Die Fragen der Juden waren noch nicht zu Ende: „Wer bist du denn? Was sagst du von dir selbst, damit wir denen, die uns gesandt haben, Antwort geben!“ Er sprach: „Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn, wie der Prophet Isaias gesagt hat“ (Jo 1,22-23).

Johannes sagte kein Wort von dem Glänze seiner Geburt, von dem Ansehen seines Vaterhauses, noch von seiner hohen Würde als Vorläufer Jesu Christi, er sprach überhaupt nicht von sich als einer selbstständigen Größe. Er nannte sich nur eine Stimme, um dadurch zu zeigen, dass er so wie die Stimme in wesentlicher Verbindung mit dem stehe, aus dessen Mund sie ertönt, ja notwendig von ihm abhängt. Alles, was er in seinem Amte sei und an Gutem wirke, komme von dem, dessen Gesandter er wäre, seine ganze Ehre bestehe darin, die Herzen zum Empfange des Messias vorzubereiten.

Wir können von Johannes lernen, die Vorzüge der Natur und des Glückes für nichts zu achten und uns keiner anderen Dinge zu rühmen als der Beziehungen, die wir zu Jesus Christus haben. Sollten wir einmal die Gnaden, die wir von Gott erhalten haben, einem anderen mitteilen, so soll auch das stets in größter Bescheidenheit geschehen.

Verleihe auch mir die Bescheidenheit, die Du Johannes in der Wüste lehrtest, ewiger Vater. Mache mich zu einem Werkzeug Deines Sohnes! Belebe meine Worte, heilige meine Werke, damit alles, was in mir ist, dazu diene, seine Größe anderen zu verkündigen und alle Herzen mit Deiner Liebe zu empfangen!

4. Der starke Held

Warum taufst du denn“, fragten ihn endlich die Juden, „wenn du nicht Christus bist, noch Elias, noch der Prophet?“ „Ich“, antwortete er, „taufe mit Wasser, aber mitten unter euch ist einer, den ihr nicht kennt. Er ist es, der nach mir kommen wird, der vor mir gewesen ist und dessen Schuhriemen aufzulösen ich nicht würdig bin“ (Jo 25,27). Das ist der nächste Akt der Demut, den uns der hl. Johannes in dieser Szene zeigt. Als man ihm das Recht absprach zu taufen, weil ihm doch der entsprechende Auftrag fehle, verteidigte er sich mit keinem Worte, obwohl er das Recht dazu gehabt hätte. Er wollte lieber schweigen als sich seiner Sendung rühmen. Sprach er, so geschah es nur, um in Gegenwart der Priester und Leviten dasjenige zu erhärten, was er schon vor dem Volke zur Verherrlichung Jesu Christi verkündet hatte.

Mein Erlöser, wie sehr hattest Du Recht, wenn Du den hl. Johannes alles andere als ein Schilfrohr nanntest, das vom Winde der Eitelkeit und des Stolzes hin und her getrieben werde. Man konnte gegen ihn unternehmen, was man wollte, er blieb, gestützt auf die grundlegende Erkenntnis seines Nichts, unerschütterlich immer derselbe. Er hatte es beschlossen, sich selbst zu verachten und auf den Trümmern seiner Ehre Dich zu verherrlichen, o Herr! An diesen Zügen erkenne ich Deinen Vorläufer, als er schon anfing jene Demut zu üben, die Du uns zu lehren selber gekommen bist. Präge meinem Herzen die Liebe zu dieser vortrefflichen Tugend ein, damit sie jene Gnaden auf mich herabziehe, die Dein himmlischer Vater den Demütigen verleiht, den Hochmütigen aber versagt.

(Ludwig de Ponte. Meditationen)

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