Predigttext von Weihbischof Athanasius Schneider

(21. Juni 2021, Karlskirche Wien)

Papst Johannes Paul II. formulierte diesen Satz: „Rettet den ungeborenen Menschen vor der Bedrohung durch den geborenen Menschen, der sich anmaßt, das Leben eines Kindes im Mutterschoß antasten und toten zu dürfen!“ (Angelus Ansprache Eschen, Liechtenstein, 8. September 1985). Durch die legale Abtreibung wird die Menschheit in einen Zustand versetzt, in dem sie in zwei Klassen geteilt wird, die geborene und die ungeborene, wobei die Klasse der Geborenen die Klasse der Ungeborenen zerstört und sie zu ihrem eigenen Vorteil nutzt. Der Zustand einer Gesellschaft wird vornehmlich von ihren Gesetzen geprägt, nicht so sehr von den privaten Präferenzen einzelner Personen. Man darf nicht vergessen, dass die sittliche Bedeutung einer Handlung in unserem Fall durch den Zustand einer Gesellschaft beeinflusst wird, die uns in Geborene und Ungeborene einteilt und in der ungeborene den geborenen Menschen untergeordnet werden. Die weit verbreitete Ansicht, dass der Besitz und die Verwendung von Zelllinien aus Abtreibungen nichts Falsches ist, stammt auch aus der Nichtbeachtung der Auswirkung dieses Prinzips der Zweiklassengesellschaft.

Der Einsatz für den Schutz des ungeborenen Lebens hat heute eine neue historische und qualitative Phase erreicht. Es geht darum ein bisher wenig beachtetes Gräuel zu denunzieren, nämlich die horrende fetale Industrie und den Handel mit Geweben und Zellen abgetriebener, d.h. ermordeter ungeborener Kinder. Jeder Einsatz von Impfstoffen oder Medikamenten, der die Zerstörung des Lebens ungeborener Kinder, das Recycling und die Vermarktung seiner Körperteile zur Folge hat, bringt uns in die unmittelbare Mitwirkung mit dem Bösen bzw. in das unmittelbare Profitieren von diesen bösen Handlungen, gerade weil so geartete Impfstoffe und Medikamente trotz ihres Anspruchs auf das Gute schon in ihrem Ansatz sittlich verkehrt sind. Die Wohltat, die man von mit Grausamkeit befleckten Medikamenten und Impfstoffen für den gesundheitlichen Vorteil selbst von Millionen Menschen erwartet, wird in der Tat durch das Quälen und Leiden ungeborener Kinder erreicht. Wenn es schon heutzutage modern geworden ist, wie z.B. bei der „Vegan-Bewegung“, sogenannte „tierversuchsfreie“ („cruelty-free“) Lebensmittel, Arzneien, Impfstoffe und Kosmetika zu fordern, d. h. Produkte, die frei von Grausamkeit sind, die man Tieren angetan hat, um wie viel mehr müssten dann die Christen gegen Arzneien und Impfstoffe protestieren, die mit einer Grausamkeit zusammenhängen, die man ungeborenen Kindern angetan hat! Es ist an der Zeit, „menschenversuchsfreie“ Medikamente und Impfstoffe zu fordern.

Die Verteidigung des menschlichen Lebens muss heute auch ein Einsatz gegen jene Praktiken und Strukturen sein, die unschuldiges Leben zu einem Ersatzteillager biologischen Materials degradieren, das für Versuchs- und Herstellungsprozesse nutzbar gemacht wird. Es handelt sich vor allem um einen Kulturkampf. Es geht darum, jene Wunschkultur auf die deutlichste Weise abzulehnen, die den Menschen im vorgeburtlichen Lebensalter für jeden Zweck, ja sogar als Verbrauchsmaterial, als verfügbar ansieht. Ivan Karamazov in Dostojewkys Roman „Die Brüder Karamasow“ stellt die fatale Frage: „Sag mir direkt, ich rufe dich an – antworte mir: „Stelle dir vor, daß du selbst das Gebäude des menschlichen Schicksals aufführen könntest mit dem Endziel, alle Menschen zu beglücken, ihnen Frieden und Ruhe zu geben, daß es aber dazu unumgänglich nötig wäre, ein winzig kleines Wesen zu martern, wie jenes Kind, das sich mit den Fäusten an die Brust schlug, mit seinen ungerechten Tränen — würdest du dich bereit finden, unter solchen Bedingungen der Baumeister eines solchen Gebäudes zu werden? Sprich und lüge nicht!“

Man sagt uns heute oft, und selbst innerhalb der Kirche, dass man Kompromisse machen muss, dass man Zugeständnisse und Kompromisse machen muss, um das Ganze zu gewinnen, man sagt uns, dass man mit dem Strom schwimmen muss. Der moderne Apostel Wiens, der heilige Klemens Maria Hofbauer, kann für uns alle ein Beispiel sein, wie ein wahrer Katholik sich in solch einer Situation verhalten soll. Als junger Theologiestudent hörte Klemens Hofbauer von seinem Professor diese Worte: „Wir müssen mit dem Strom schwimmen, sonst bleiben wir zurück, sonst werdet ihr später vor leeren Bänken predigen“. Darauf erhob sich Klemens und sagte: „Mit dem Strom schwimmen nur Feiglinge. Wir leben in einer Zeit, in der das Leben nach dem Evangelium von uns das Schwimmen gegen Strom verlangt.“ Ein anderes Mal sagte der Student Hofbauer: „Herr Professor, was Sie jetzt sagte, ist nicht katholisch“ und stand darauf und verliess den Hörsaal. Einer nach dem anderen verliessen die Studenten den Hörsaal und der Professor stand vor leeren Bänken. Damals wie heute sagte man den Katholiken, dass man ein wenig nachgeben muss, um nicht das Ganze zu verlieren.

Viele in der Gesellschaft und innerhalb der Kirche fixieren sich auf das Zeitliche und blenden das Wichtigste aus, nämlich das ewige Leben. Man will das gegenwärtige irdische Leben geniessen ohne Probleme zu haben, indem man die Kunst des Kompromisses praktiziert. Die Menschen, und vor allem die jungen Menschen, die sich heute selbstlos und kompromisslos für den Schutz des ungeborenen Lebens und gegen die serienmässige Ausbeutung der Körperteile und der Zellen getöteter Kinder einsetzen, sollen sich nicht als eine kleine isolierte Gruppe betrachten. Nein, wie sind nicht allein. Wir sind verbunden mit einer grossen Kette von Katholiken, die den Geist des Glaubens und des Bekennermutes hatten seit dem Beginn der Kirche bis zum Ende der Welt. Vom Beispiel des heiligen Klemens Maria Hofbauer sehen wir, dass es derselbe Geist ist, dem er sich in seiner Zeit widersetzte, und dem wir uns heute widersetzen müssen. Unser Kampf begann nicht gestern. Er ist ein Tel einer goldenen Kette, die ihren Anfang nahm schon im Alten Bund und bis zum Ende der Zeiten reichen wird, vor allem auch in Zeiten, wie der unseren, wenn alles verloren zu sein scheint.

Wir leben in einer Welt, die in einen Weg des Lebens und einen Weg des Todes aufgeteilt ist. Der Weg des Todes ist dieser: Der geborene Mensch unterwirft sich den ungeborenen Menschen zu seinem eigenen Vorteil. Der Weg des Lebens aber ist dieser: Der geborene Mensch beschützt unerschütterlich und entschlossen den ungeborenen Menschen, selbst zum eigenen Nachteil. Zu welcher Kultur wollen wir gehören? Womit identifizieren wir uns? Jesus hat uns gesagt: „Was nützt es einem Mann, sein Leben zu gewinnen, aber seine Seele zu verlieren?“ (Mt. 16, 26). Gott hat jeden Menschen, auch den kleinsten und zerbrechlichsten im ersten Augenblick seiner Existenz im Mutterleib liebevoll in seine Hand und in sein Herz geschrieben, auch jene unzähligen Ungeborenen, die auf grausame Weise getötet werden und dessen Körperteile und Zellen für Menschenversuche, für die Produktion von Medikamenten und Impfstoffen und anderes mehr und für den Handel missbraucht werden. Das sagt uns das Wort Gottes im Buch der Psalmen: „O Gott, Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke. Dir waren meine Glieder nicht verborgen, als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewirkt in den Tiefen der Erde. Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen. In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war. Wie kostbar sind mir deine Gedanken, Gott! Wie gewaltig ist ihre Fülle! Wollte ich sie zählen, sie sind zahlreicher als der Sand. Ich erwache und noch immer bin ich bei dir“ (Ps. 139, 13-18).

(Weihbischof Athanasius Schneider)

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Die Zukunft der Kirche

Ich glaube, dass die Kirche in Zukunft was die Anzahl ihrer Mitglieder und den direkten sozialen Einfluss betrifft, abnehmen wird. Sie wird von der Welt noch mehr verachtet und diskriminiert. Ich schließe nicht aus, dass die Kirche in Zukunft teilweise oder in bestimmten Regionen ein halbgeheimes kirchliches Leben nach Art einer Untergrundkirche führen wird. In einer solchen Situation wird Gott besondere Gnaden der Glaubensstärke, der Reinheit des Lebens und der Schönheit der Liturgie ausgießen. Vor allem glaube ich, dass Gott in einer solchen Situation seiner Kirche wieder mutige Päpste, Bekenner des Glaubens und vielleicht sogar Märtyrer geben wird.

(Weihbischof Athanasius Schneider)

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Herz-Jesu-Freitag / Sühnegebet zum eucharistischen Herzen Jesu

Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an,
ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich.
Ich bitte Dich um Verzeihung für jene,
die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten,
auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben.
(dreimal)

O göttliches eucharistisches Herz Jesu, siehe, wir werfen uns mit reuevollem und anbetenden Herzen vor der Majestät Deiner erlösenden Liebe im Allerheiligsten Sakrament nieder. Wir erklären unsere Bereitschaft, durch freiwillige Sühne zu büßen, nicht nur für unsere eigenen persönlichen Sünden, sondern insbesondere für die unaussprechlichen Verbrechen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, mit denen Du in dieser Zeit im allerheiligsten Sakrament Deiner göttlichen Liebe beleidigt wirst, insbesondere durch die Praxis der Handkommunion und des Empfangs der heiligen Kommunion im Zustand des Unglaubens und der Todsünde.

Je mehr der Unglaube Deine Gottheit und Deine wirkliche Gegenwart in der Eucharistie angreift, desto mehr glauben wir an Dich und verehren Dich, o eucharistisches Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Göttlichkeit wohnt!

Je mehr deine Sakramente geschändet werden, desto fester glauben wir an sie und desto ehrfürchtiger wollen wir sie empfangen, o eucharistisches Herz Jesu, Quelle des Lebens und der Heiligkeit!

Je mehr Dein allerheiligstes Sakrament verunehrt und gelästert wird, desto mehr verkünden wir feierlich: „Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten, auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben“, o eucharistisches Herz Jesu, das allen Lobes würdig ist!

Je mehr Du in Deinen Kirchen verlassen und vergessen bist, desto mehr wollen wir Dich besuchen, der Du unter uns in den Tabernakeln unserer Kirchen wohnst, o eucharistisches Herz Jesu, Haus Gottes und Pforte des Himmels!

Je mehr die Feier des eucharistischen Opfers ihrer Heiligkeit beraubt wird, desto mehr möchten wir eine ehrfürchtige Feier der Heiligen Messe fördern, äußerlich und innerlich auf Dich hin gewendet, o eucharistisches Herz Jesu, Tabernakel des Allerhöchsten!

Je mehr Du von Kommunizierenden stehend und in die Hand empfangen wirst, ohne ein sichtbares Zeichen von Demut und Anbetung, desto mehr möchten wir Dich kniend und in den Mund empfangen, mit der Demut des Zöllners und der Einfachheit eines Kindes, o eucharistisches Herz Jesu, von unendlicher Majestät!

Je mehr Du in der heiligen Kommunion von unreinen Herzen im Zustand der Todsünde empfangen wirst, desto mehr wollen wir Reue erwecken und unser Herz durch häufigen Empfang des Bußsakrament reinigen, o eucharistisches Herz Jesu, unseren Frieden und unsere Versöhnung!

Je mehr die Hölle für das Verderben der Seelen wirkt, desto mehr möge unser Eifer für ihr Heil durch das Feuer deiner Liebe brennen, o eucharistisches Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen!

Je mehr die Verschiedenheit der Religionen als positiver Wille Gottes und als Recht erklärt wird, das auf der menschlichen Natur beruht, und je mehr der Relativismus in der Lehre wächst, desto unerschrockener wollen wir verkünden, dass Du der einzige Retter der Menschen und der einzige Weg zu Gott dem Vater bist, o eucharistisches Herz Jesu, König und Mittelpunkt aller Herzen!

Je mehr Verantwortliche in der Kirche die Aufstellung heidnischer Götzenbilder in Kirchen und sogar in Rom weiterhin nicht bereuen, desto mehr werden wir die Wahrheit bekennen: „Welche Übereinstimmung hat der Tempel Gottes mit Götzenbildern?“ (2 Kor 6, 16), desto mehr werden wir mit Dir „den Gräuel der Verwüstung, der an der heiligen Stätte steht“ (Mt 24,15) verurteilen, o eucharistisches Herz Jesu, heiliger Tempel Gottes!

Je mehr Deine heiligen Gebote vergessen und übertreten werden, desto mehr wollen wir sie mit Hilfe Deiner Gnade einhalten, o eucharistisches Herz Jesu, Abgrund aller Tugenden!

Je mehr Sinnlichkeit, Selbstsucht und Stolz unter den Menschen herrschen, desto mehr möchten wir Dir unser Leben im Geiste des Opfers und der Selbstverleugnung weihen, o eucharistisches Herz Jesu, mit Schmach gesättigt!

Je heftiger die Pforten der Hölle gegen Deine Kirche und den Felsen von Petri in Rom stürmen, desto mehr glauben wir an die Unzerstörbarkeit Deiner Kirche, denn auch in den schwersten Stürmen verläßt Du nicht Deine Kirche und den Felsen Petri, o eucharistisches Herz Jesu, Quelle allen Trostes!

Je mehr die Menschen sich in Hass, Gewalt und Selbstsucht voneinander trennen, desto inniger wollen wir als Mitglieder der einen Familie Gottes in der Kirche einander in Dir lieben, o eucharistisches Herz Jesu, voll Güte und Liebe!

O göttliches eucharistisches Herz Jesu, gib uns Deine Gnade, damit wir treue und demütige Anbeter, Liebhaber, Verteidiger und Tröster Deines eucharistischen Herzens in diesem Leben sind und die Herrlichkeit deiner Liebe in der seligen Anschauung in der Ewigkeit empfangen. Amen.

Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an,
ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich.
Ich bitte Dich um Verzeihung für jene,
die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten,
auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben.
(dreimal)

Unsere Liebe Frau vom Allerheiligsten Sakrament, bitte für uns!

Hl. Thomas von Aquin, hl. Peter-Julian Eymard, hl. Francisco Marto,
hl. Pater Pio und alle eucharistischen Heiligen:
bittet für uns!

+ Athanasius Schneider,
Weihbischof der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana

Sühnegebet zum eucharistischen Herzen Jesu

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Klare Kante

Die Reaktion und der Umgang der Mehrheit der Bischöfe mit der Situation der Coronavirus-Epidemie zeigte, dass sie dem sterblichen Körper mehr Bedeutung beimessen als der unsterblichen Seele der Menschen, wobei sie die Worte unseres Herrn vergaßen: „Was nützt der Mensch, um die ganze Welt zu gewinnen und seine Seele zu verlieren?“ (Mk 8,36). Viele dieser Bischöfe, die jetzt versuchen (manchmal mit unverhältnismäßigen Maßnahmen), die Körper ihrer Gläubigen vor einer Ansteckung ein materielles Virus zu schützen, haben zugelassen, dass sich das giftige Virus der häretischen Lehren und Praktiken in ihrer Herde ausbreitet.

Ich glaube, dass die Kirche in Zukunft was die Anzahl ihrer Mitglieder und den direkten sozialen Einfluss betrifft, abnehmen wird. Sie wird von der Welt noch mehr verachtet und diskriminiert. Ich schließe nicht aus, dass die Kirche in Zukunft teilweise oder in bestimmten Regionen ein halbgeheimes kirchliches Leben nach Art einer Untergrundkirche führen wird. In einer solchen Situation wird Gott besondere Gnaden der Glaubensstärke, der Reinheit des Lebens und der Schönheit der Liturgie ausgießen. Vor allem glaube ich, dass Gott in einer solchen Situation seiner Kirche wieder mutige Päpste, Bekenner des Glaubens und vielleicht sogar Märtyrer geben wird.

Bischof Athanasisus Schneider

Ganzer Beitrag:
Katholisches Echokathecho.de

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Ich erzähle Ihnen eine Geschichte.

Einmal nahm ich an einem Treffen für die asiatischen Bischöfe in Manila teil. Sie bereiteten ein sehr langes Dokument vor, ich sagte deshalb: „Wir müssen dieses Dokument um die Hälfte kürzen und selbst dann wird es keiner lesen.“ Und die Bischöfe lachten.

In privaten Unterhaltungen mit mehreren Bischöfen gaben diese ehrlich zu, dass sie bis jetzt die bei diesen Treffen produzierten Dokumente tatsächlich nicht gelesen hatten, obwohl sie ihnen zugeschickt worden waren.

Ich nahm an mehreren anderen Treffen mit meinen Bischofsbrüdern teil, und nachdem die Dokumente gutgeheißen worden waren, fragte ich mehrere von ihnen: „Haben Sie das Schlussdokument gelesen?“ Einige antworteten mir: „Ehrlich gesagt nein.

Eines dieser Treffen dauerte eine Woche und heraus kam ein Dokument, das zumindest in unserer Region keiner gelesen hat. Später erhielten wir den Finanzbericht für dieses Treffen. Das Treffen hatte 250 000 Dollar aus Kirchenmitteln gekostet. Stellen Sie sich das vor! Im Grund waren es 250 000 zum Fenster herausgeworfene Dollar. Wirklich, zum Fenster herausgeworfen.

Wir hatten kaum Zeit für das Gebet. Ist das die „Kirche der Armen“, von der während des Zweiten Vatikanischen Konzils und danach ständig die Rede war?

Die fortwährenden Treffen und Versammlungen der Bischöfe: Sie geben so viel Geld dafür aus, es ist unglaublich. Wenn wir die Häufigkeit dieser Treffen drastisch verringern würden, dann könnten wir jedes Jahr Millionen Dollar an die Armen auf der ganzen Welt verteilen. Für mich ist das eine Sünde, die von den Kirchenmännern heute begangen wird.

Auch wenn man einmal einen Moment von den Problemen mit diesen ausufernden Treffen absieht, die letztlich eine Ausdrucksform von Pelagianismus sind und die das Übernatürliche untergraben – gar nicht zu reden vom Problem des fast unaufhörlichen Stroms von lehrmäßig zweideutigen Dokumenten, die sie produzieren – , selbst abgesehen davon ist es, meine ich, sündhaft, so viel Geld auszugeben, das wir den Armen unserer Welt geben könnten. Wir müssen damit aufhören.

Aber offenbar steigert sich nur noch die Häufigkeit solcher Synoden und Treffen unter dem Vorwand einer sogenannten „Synodalität“.

(Weihbischof Athanasius Schneider. „Christus VINCIT“, 172f)

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