„Ich nehme dir deine Hände und gebe dir meine“

Er war 83 Jahre alt und trug die Stigmata Christi für mehr als 15 Jahre. Francis Houle: Ein bürgerlicher Ehemann und Vater aus Michigan … und ein Stigmatisierter

Unser Herr sagte ihm:
„Ich nehme dir deine Hände und gebe dir meine … berühre sie.“

Eine Reihe von Heiligen und heiligmäßigen Menschen hat bekanntermaßen auf besondere Weise Anteil am Leiden Christi: indem sie buchstäblich seine Wunden in ihrem Fleisch trägt. Zu dieser Gruppe zählen so beliebte Heilige wie Franz von Assisi, Katharina von Siena und, näher an unserer Zeit, Pater Pio.

Dann gibt es da noch Irving „Francis“ Houle, einen normalen Mann aus Michigan.

Irving wurde 1925 im Norden Michigans, in der Stadt Wilson, geboren. Er war einer von sechs Jungen und einem Mädchen, die Peter und Lillian Houle geboren wurden. Die Familie betete jeden Tag während der Fastenzeit den Rosenkranz, und der Vater sorgte dafür, dass sie den Kreuzweg an jedem Sonntag nach der Messe beteten. Die Houles waren zweifellos eine fromme katholische Familie.

Irvings Leben entsprach dem bürgerlichen mittelwestlichen Stereotyp, und er lebte, wie wir es uns vorstellen würden. Er machte seinen Schulabschluss 1944, als der Zweite Weltkrieg tobte. Am nächsten Tag trat er ins Militär ein. Er diente in Europa, Afrika und im Nahen Osten, und er erhielt die „American Theater Service Medal“ sowie die „Good Conduct Medal“. Er wurde 1946 ausgemustert.

Indem er dem Beispiel seines Vaters folgte, begann Irving das klassische Leben eines jungen katholischen Mannes. 1948 heiratete er Gail LaChapelle, und sie hatten fünf Kinder: Stephen, Peter, John sowie die Zwillinge Matthew und Margo. Irving zog seine Kinder im Norden Michigans auf und arbeitete für „Montgomery Ward“, eine Chemie-Zulieferer, und als Manager einer Fabrik. Er war ein aktives Mitglied der Pfarrei St. Josef, wie auch ein aktives Mitglied der „Knights of Columbus“, bei denen er Distrikts-Abgeordneter und Mitglied des Vierten Grades war mit der Auszeichnung, als „Sir Knight“ angeredet zu werden. Die Houle-Familie hätte der Gegenstand eines Gemäldes von Norman Rockwell sein können.

Francis war 67 Jahre alt, als sich am Karfreitag, 9. April 1993, die Stigmata erstmals zu zeigen begannen. Francis erzählte seinem Bruder und einem Priester, Father Robert Fox (der später ein Buch über ihn schrieb), wie Jesus ihm erschien, als die Fastenzeit am Aschermittwoch begann. Er erklärte, Jesus habe ihm gesagt: „Ich nehme dir deine Hände und gebe dir meine … berühre sie.“

Am Karfreitag brach die Schwellung, die auf der Ober- und Unterseite seiner Hände sichtbar war, auf und begann zu bluten. Walter Casey, ein pensionierter Polizist, der vom Bischof beauftragt worden war, zu jeder Zeit bei Francis zu weilen, erläuterte, wie jeden Morgen zwischen Mitternacht und drei Uhr, an 365 Tagen im Jahr, Francis die Leiden der Passion Christi erduldete. Francis sagte ihm, dass die allerseligste Mutter 19-mal zu ihm gekommen sei und ihm während dieser Besuche erzählt habe, dass sie viele Menschen zu ihm und ihn zu vielen Menschen bringen werde.

Es wird geschätzt, dass Francis einzeln „über“ 100000 Menschen gebetet habe, als er noch lebte. Die Leute warteten stundenlang, um den betagten Großvater, der die Stigmata trug, zu sehen, der ihnen dann die Hände auflegte. Die Menschen weinten und berührten ihn und küssten seine Hände.

Irving Francis Houle stigmata der Hände

Houle strebte niemals nach persönlicher Aufmerksamkeit oder finanziellen Spenden und Zuwendungen. Er betonte unermüdlich, dass die Heilungen von Gott stammten und so niemand auf ihn schauen sollte, sondern auf unseren Herrn Jesus Christus als die wahre Ursache jeglicher geistlichen oder körperlichen Heilung.

Er starb am ersten Samstag, 3. Januar 2009. Er war 83 Jahre alt und trug die Stigmata Christi für mehr als 15 Jahre. Er ist einer der wenigen Laien in der Kirchengeschichte, der mit den Stigmata bezeichnet war.

Zwei Bischöfe in der Diözese Marquette (Michigan), Bischof James H. Garland und Bischof Alexander K. Sample, fanden „keine Mängel“ in der Aktivität Houles und gaben ihm seinen Segen. Diese Erkenntnisse wurden bislang noch nicht an Rom weitergeleitet.

Houle verfasste das folgende Gebet:

O mein Jesus. Mein Herz ist so schwer.
Deine Bürde ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte.
Bitte, mein Jesus, lass mich dein Kreuz für eine Weile tragen.
Nur damit du weißt, dass ich mich kümmere.
Schau auf mich, lieber Herr, mit den Augen deiner Barmherzigkeit.
Mögen deine heilenden Hände auf mir ruhen.
Wenn es dein Wille ist, gib mir bitte Gesundheit, Kraft und Frieden.
Amen.

Quelle -aleteia

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Heilige Antonius, Wüstenvater – 17. Januar

Der heilige Wüstenvater Antonius. + 356 im Alter von 105 Jahren.

Was können uns die Wüstenväter heute noch sagen?

Die Kunst hat sich in verschiedenen Variationen dem Geheimnis der Wüstenmönche und ihrer Persönlichkeiten genähert, die sich in ihrem Leben in die wirkliche Wüste zurückgezogen haben um einzig Gott zu suchen. Im Wesentlichen kann man zwei Unterschiedliche Darstellungsweisen ausmachen. Die eine führt uns in eine gewisse Idylle, eine Art „Garten Eden“, in dem die Wüstenväter ein „Gott wohlgefälliges Leben“ führten. Eine andere Art, und diese überwiegt in der bildlichen Darstellung, spricht von den Anfechtungen, von den „Tentationen“, vor allem des heiligen Antonius. Glücklicherweise verfügen wir über ein Zeugnis dieses Menschen, um besser zu verstehen, was tatsächlich in seinem Leben vorging. Der berühmte Bischof und Kirchenvater Athanasius, ein Zeitgenosse des Antonius, hat sein Leben dokumentiert.

Der Teufel machte sich daran, Antonius an der schwächsten Stelle des Mannes, besonders des jungen Menschen, zu treffen. Er gaukelte ihm sexuelle Verlockungen und Begierden vor. Vielleicht verliert man in einer Zeit wie der unseren, das Verständnis für ein keusche Gesinnung und ihren Zusammenhang mit dem geistlichen Leben. Für uns sind sexuelle Anspielungen und entsprechende Darstellungen allgegenwärtig. Machen sie uns etwas aus? Antonius ist sich bewusst gewesen, dass gerade und besonders die Unkeuschheit es ist, die dazu fähig macht, den Menschen geistig abzutöten. Diese Versuchung bestand Antonius.

Der Teufel erschien ihm leibhaftig und sprach zu ihm als schwarzer Knabe: „Ich habe viele verführt und die meisten auch überwunden. Aber jetzt bin ich ob deiner starken Anstrengungen schwach geworden.“ Antonius wollte wissen, wer dieser denn sei, der da sprach. „Ich bin ein Freund der Unzucht. Meine Aufgabe ist es, ihre Verlockungen und ihre Reizmittel zum Schaden der Jünglinge einzusetzen. Mein Name ist Geist der Unzucht.

Das mindeste, was uns die Wüstenväter um den heiligen Antonius heute sagen können ist: Hüte dich, nicht alles was du siehst ist zu deinem Wohl, und nicht alles wirst du mit deinem aufgeklärten Verstand begreifen. Du bist ein sündiger Mensch. Du fällst täglich. Gerade die sexuellen Begierlichkeiten die in deinem Leben ständig auftauchen können, haben die Macht, deine Sehnsucht nach Gott zu vernichten.
Habe keine Angst.
Der Herr stellt dir Helfer zur Seite.
Nimm ihre Hilfen an; erbitte sie.
Und bete.

https://weisungen.wordpress.com/

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Priesterweihe und Primiz

Heute ist das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Die Tage um dieses Zeit herum dient der Kirche dazu, ihr neue Priester zuzuführen; es finden die jährlichen Priesterweihen statt.

Seit einigen Tagen wird im Internet ein Bild eifrig geteilt: es zeigt den Trappistenmönch Fr. Louis bei der Zelebration seiner ersten Heiligen Messe in der Kirche seiner Abtei Gethsemani in Kentucky/USA (Abbey of Our Lady of Gethsemani).

Fr. Louis ist niemand anderes als der berühmte Schriftsteller Thomas Merton. Merton durfte im Kloster ein Tagebuch führen. In dem Buch „Der Berg der sieben Stufen“, das ihn bekannt und berühmt machte, berichtet er über seine Studentenzeit, seiner Bekehrung, die Berufung und sein Eintritt ins Trappistenkloster und seine Zeit bis kurz vor der Ablegung seiner Mönchsgelübde. Weniger bekannt sind die weiteren Tagebuchnotizen, die in den folgenden Jahren entstanden sind und 1953 (1954 in deutscher Sprache) in seinem Buch „Das Zeichen des Jonas“ erschienen. Diese Aufzeichnungen enden im Juni 1952. Sie umfassen also die Zeit seiner feierlichen Profess (19.3.1947) und die folgenden verschiedenen Weihestufen auf dem Weg zum Priestertum. Die Priesterweihe erhält Merton am 28. Mai 1947. Am 29. Mai, dem Sonntag der Oktav von Christi Himmelfahrt, zelebriert Fr. Louis seine erste heilige Messe.

Photograph by H.B. Littell via AP Archives Quelle: aletheia.org – https://aleteia.org/2017/06/22/super-rare-photo-of-thomas-mertons-first-mass/

Wir wissen, dass Thomas Merton nicht zu denen gezählt werden kann, die als Zeugen für die Tradition der Kirche anzusehen sind. Er wird ja seit Jahrzehnten von linken und alternativen Strömungen für sich reklamiert. Und tatsächlich hat er in seinem letzten Lebensjahrzehnt manchen Anlass gegeben, an der Treue zu seinem Mönchsleben und seiner Treue zur katholischen Glaubenslehre zu zweifeln. Merton, geboren am 31.1.1915, starb außerhalb seines Klosters. Am 10. Dezember 1968 erlag er beim Duschen einem Stromschlag, als er anläßlich einer interreligiösen Veranstaltung in Bangkok einen Vortrag hielt. Er wurde nur 53 Jahre alt.

In seinen ersten Jahren im Kloster, also auch in der hier zu berichtenden Zeit, lebte Merton noch ganz in der trappistischen Tradition, der monastischen Welt. Viele seiner Gedanken sind deshalb auch heute noch, oder wieder, zu bedenken; freilich mit einem kritischen Geiste.

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Es folgen einige Auszüge aus dem Vierter Teil von „Das Zeichen des Jonas“ – „Zum Altare Gottes“.

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„Nach meiner ersten Messe verstand ich vollkommen und zum erstenmal in meinem Leben, daß nichts anderes auf der Welt von Bedeutung ist, als Gott zu lieben und Ihm in Einfalt und Freude zu dienen. Ich erkannte ganz klar, daß es sinnlos und trügerisch ist, Ihm auf irgendeine auffallende und außerordentliche Weise dienen zu wollen, da aller gewöhnliche Dienst erhaben und außerordentlich wird, sobald er durch die Liebe zu Ihm verwandelt wird. Ich erkannte auch, daß Seine Gnade und insbesondere die Gnade des Priestertums die Liebe zur leichtesten Sache in der Welt gemacht hat. Gott zu lieben kostet weniger Mühe, als zu essen, zu schlafen, zu atmen oder die einfachsten und instinktivsten Akte unseres natürlichen Lebens zu vollziehen. Denn ein Willensakt erfordert überhaupt keine Anstrengung, wenn unser Wille immer von Seiner Gnade beherrscht und gelenkt ist, denn dann wird die Liebe etwas ebenso Natürliches und Beständiges und Ununterbrochenes wie der Atem. Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was gibt es Leichteres, als Gott in dir leben zu lassen und Ihn zu lieben, der dich liebt?“

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„Bei dieser Menge von Menschen, die zu meiner Primiz gekommen waren, konnte ich nicht daran denken, über die Weihe zu schreiben, über das Messelesen, über die Agape, die drei Tage dauerte. Vielleicht wird es eines Tages rückschauend in Bruchstücken herauskommen. Bewußtsein des einfach ungeheuren Werkes, das in diesen letzten drei Tagen an mir und durch mich geschehen ist, wobei jeder Tag eine Steigerung war. Weihe, Salbung, Weihemesse – dann die erste stille Messe und was sich daran anschloß, endlich gestern das Hochamt und nachmittags die Gespräche unter den Bäumen der Allee. Als Ergebnis bleibt in mir das Gefühl, daß ich nicht nur umgestaltet worden bin, sondern daß durch die Mühen und Freuden dieser drei höchst erschöpfenden Tage irgendwie eine neue Welt ins Dasein gerufen worden ist, eine erhabene Welt voller Dinge, die keiner von uns in den nächsten ein oder zwei Jahren verstehen wird.“

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„Die Messe ist das Wunderbarste, das je in mein Leben getreten ist. Am Altar fühle ich, daß ich endlich der Mensch bin, als den Gott mich haben wollte. Über die Klarheit und den Frieden dieses vollkommenen Opfers kann ich nichts logisch Zusammenhängendes sagen. Aber ich bin mir der einzigartigen Gnadenatmosphäre tief bewußt, in welcher der Priester in diesem Augenblick – und danach noch den ganzen Tag lang – lebt und atmet. Gewiß, diese besondere Gnade ist etwas rein Persönliches und Nichtmitteilbares, aber sie hat ihren Ursprung auch in der Gemeinschaftsnatur der Messe. Die größte Gabe, die ein Mensch je empfangen kann, ist die Teilnahme an dem unendlichen Akt, in dem Gottes Liebe sich auf alle Menschen ergießt. In diesem Sinne verschmelzen die höchsten Gnaden der Einsamkeit und der Gemeinschaft und werden eins – und das vollzieht sich im Priester bei der Messe, so wie es sich in der Seele Christi und im Herzen Marias vollzieht.“

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„Das große Ereignis meines Tages war früher die Kommunion. Nun ist es das Opfer, von dem die Kommunion nur ein Teil ist. Der Schwerpunkt meines geistlichen Lebens hat sich von der halben Stunde, in der ich im Dunkel bei Unserer Lieben Frau vom Siege knie, zu den zehn oder fünfzehn Minuten verlagert, da der Leib und das Blut Christi sich vor mir auf dem Altar befinden und meine Hände jene verkrampfte kleine Gebärde des Flehens andeuten, die bei uns allmählich die weit ausgebreiteten Arme der orantes ersetzt hat. Dennoch scheint mir eine gewisse Zurückhaltung das Beste an der Messe in unserer Liturgie zu sein. Das ganze Opfer ist etwas so Ungeheures, daß es dem höchsten Überschwang niemals gelingen wird es auszudrücken. Sich unbemerkt niederzubeugen und beim Supplices te rogamus den Altar zu küssen, ist eine Gebärde, die mich mir selbst enthebt und meinen Frieden verdoppelt. Das Pater noster zu sprechen ist, als schwämme man im Herzen der Sonne.“

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„Täglich begeistert und verwirrt mich zugleich die Messe. Diese wunderbare Mischung von Freude und Klarheit und Zurückhaltung erweist sich von Tag zu Tag als heilkräftig an mir. Am Altar bin ich gezwungen, einfach zu sein. Unsere Liturgie hat eine ganz eigene Intensität, gerade weil sie so schlicht und verhalten ist. Nirgends ein Ausruf! Niemals ein Aufschrei!“

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„Tag für Tag kommt mir mehr zum Bewußtsein, daß ich am Altar alles andere bin als mein alltägliches Ich. Dieses Gefühl von Unschuld ist tatsächlich, als wäre man ausgewechselt. Ich bin verdrängt von Einem, in dem ich ganz wirklich bin. Ein Anderer hat meine Identität angenommen (oder sie enthüllt), und dieser Andere ist ganz Kindheit. Und ich stehe am Altar – man verzeihe die Sprache, es sollten keine außergewöhnlichen Worte sein – ich stehe am Altar, die Augen ganz rein gewaschen im Lichte, das die Ewigkeit ist, und ich werde zu einem, der alterslos wiedergeboren ist. Ich bitte um Entschuldigung für diese Sprache. Ich weiß keine Worte, die einfach genug wären, um so etwas zu beschreiben, ich kann nur sagen, daß ich jeden Tag einen Tag alt bin, und am Altar bin ich das Kind, das Gott ist; und dennoch, wenn alles vorüber ist, muß ich sprechen: «Lux in tenebris lucet, et tenebrae eam non comprehenderunt», und ich falle zurück in meine eigene, in meine armselige «propria», die Ihn überhaupt nicht aufnehmen kann. Ich muß mich sogar freuen, nichts zu sein als eine Schale. Ich durfte einen Abglanz Seiner Reinheit auffangen, und es hat Ungeheures bedeutet, für mich und für die Welt, so daß ich bei meinem sehr langen Memento für die Lebenden in einem Meer von Freude schwimme, das mich fast von meinem Ankergrund losreißt und mich vom Altar wegspült.“

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„Es ist auch gerade die Messe, bei der ich am einsamsten bin und zugleich für die übrige Welt am meisten bedeute. Es ist tatsächlich der einzige Augenblick, in dem ich den anderen Menschen etwas geben kann. Und ich allein kann es ihnen geben, denn wenn ich es ihnen nicht zuwende, wird ihnen die besondere Frucht dieser meiner Messe nicht zu eigen werden.“

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„Ich wünschte, ich könnte auf irgendeine Weise die Stufenfolge erklären, welche die drei Tage meines Festes kennzeichnete. Jede Stufe schien mir eine ungeheure Entwicklung darzustellen, die ich nicht imstande bin zu begreifen oder zu erklären. Zum Schluß hatte ich den Eindruck, daß alle meine Besucher sich mit Gesängen und Botschaften und Prophezeiungen in alle vier Himmelsrichtungen zerstreuten, mit Zungen redeten und fähig wären, Tote zu erwecken, denn tatsächlich waren wir drei Tage lang voll des Heiligen Geistes und der Geist Gottes schien immer stärker von allen unseren Seelen Besitz zu ergreifen – durch die drei ersten Messen meines Lebens, meine drei größten Gnaden.“

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„Es ist mir alles so ungewohnt. Die Gnaden gehören einer apostolischen Ordnung an, die über meine Erfahrung hinausgeht. Dennoch kann ich – wenn ich nicht undankbar und töricht sein will – nicht sagen, daß sie außerhalb meiner Berufung liegen, da sie in gewissem Sinne deren Krönung sind. Ich meine, sie krönen diesen Abschnitt meiner Lebensgeschichte, meine letzten sieben Jahre. Hierfür bin ich geboren worden.“

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„Das Vollkommenste und Persönlichste im Leben jedes Menschen ist gerade das Element, das sich nicht auf eine allgemeine Formel bringen läßt. Es ist das Element, das nur uns und Gott gehört, niemand sonst. Es ist unser eigenstes, wahres, nicht mitteilbares Leben, das Leben, das im Herzen Gottes für uns vorgebildet und verwirklicht worden ist.

Meine Priesterweihe, das fühlte ich, war das eine große Geheimnis, für das ich geboren war. Zehn Jahre vor meiner Weihe, als ich in der Welt lebte und einer der letzten Menschen auf Erden zu sein schien, der zum Priester bestimmt war, hatte ich plötzlich begriffen, daß die Priesterweihe für mich tatsächlich eine Frage von Leben oder Tod, Himmel oder Hölle war. Und als endlich dieses vollkommene Einswerden mit dem unerforschlichen Willen Gottes unmittelbar bevorstand, klärte sich mir meine Berufung. Es war Gnade und Geheimnis, so völlig mir allein zu eigen, daß ich anfangs entschlossen war, zu niemand davon zu sprechen. Da jedoch kein Mensch für sich allein zum Priester geweiht wird und da ich durch meinen Priesterberuf nicht nur Gott, sondern allen Menschen gehöre, so war es nur recht und billig, daß ich aus der Fülle meines Herzens ein wenig zu den Freunden sprach, die zu meiner Weihe gekommen waren. Ich habe mir nicht die Zeit genommen, in diesem Tagebuch darüber zu schreiben, und habe auch jetzt nicht die Absicht. Nur die folgenden kurzen Bemerkungen möchte ich machen.

Zunächst ist das Größte, was bei der Priesterweihe geschieht, zugleich das Gewöhnlichste. Darum ist die Heilige Weihe in ihrem Vollzug das einfachste der Sakramente. Wortlos legt der Bischof dem Weihekandidaten seine Hände aufs Haupt. Dann spricht er ein Gebet, und der neue Priester empfängt die Gnade und das unauslöschliche Zeichen des Priestertums. Er wird identisch mit dem Einen Hohenpriester, dem Inkarnierten Wort, Jesus Christus. Er ist Priester auf ewig.

Gott tut niemals etwas halb. Er heiligt uns nicht Stück um Stück. Er macht uns nicht zu Priestern oder Heiligen, indem Er ein außerordentliches Dasein auf unser gewöhnliches Leben stülpt. Er ergreift unser gesamtes Leben und Sein und hebt es auf eine übernatürliche Ebene; Er gestaltet es von innen her um und läßt es äußerlich sein was es ist: gewöhnlich.

So war die Gnade meines Priestertums, die größte meines Lebens, für mich etwas weit Bedeutenderes als ein vorübergehender Höhenflug über den eintönigen Niederungen des Alltagsdaseins. Es verwandelte mein gewöhnliches, alltägliches Leben für immer. Es war eine Umgestaltung aller einfachen und gewohnten Dinge, eine Erhebung der schlichtesten und natürlichsten Akte auf die Ebene des Sublimen. Es zeigte mir, daß die Liebe Gottes genügt, um die Erde zum Himmel zu machen. Denn Gott ist die Liebe, und die Liebe ist der Himmel.

Gott zu lieben ist alles. Und die Liebe genügt. Nichts anderes hat Wert, höchstens insofern als es durch die Liebe Christi umgestaltet und veredelt wird. Aber das geringste Ding, von der Liebe berührt, verwandelt sich sogleich und wird erhaben.

Die beiden charakteristischsten Erscheinungsformen der göttlichen Liebe im Herzen eines Priesters sind Dankbarkeit und Barmherzigkeit. Dankbarkeit ist die Form seiner Liebe zum Vater, Barmherzigkeit ist der Ausdruck von Gottes Liebe, die in ihm wirkt, sich durch ihn auf seine Mitmenschen erstreckt. Dankbarkeit und Barmherzigkeit vereinigen und decken sich vollkommen in der Messe, die nichts anderes ist als die Liebe des Vaters für uns, die Liebe des Sohnes für uns und für den Vater, die Liebe des Geistes, welche die Liebe ist, die uns mit dem Vater und dem Sohn vereint.“

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„Nach meiner ersten Messe verstand ich vollkommen und zum erstenmal in meinem Leben, daß nichts anderes auf der Welt von Bedeutung ist, als Gott zu lieben und Ihm in Einfalt und Freude zu dienen. Ich erkannte ganz klar, daß es sinnlos und trügerisch ist, Ihm auf irgendeine auffallende und außerordentliche Weise dienen zu wollen, da aller gewöhnliche Dienst erhaben und außerordentlich wird, sobald er durch die Liebe zu Ihm verwandelt wird. Ich erkannte auch, daß Seine Gnade und insbesondere die Gnade des Priestertums die Liebe zur leichtesten Sache in der Welt gemacht hat. Gott zu lieben kostet weniger Mühe, als zu essen, zu schlafen, zu atmen oder die einfachsten und instinktivsten Akte unseres natürlichen Lebens zu vollziehen. Denn ein Willensakt erfordert überhaupt keine Anstrengung, wenn unser Wille immer von Seiner Gnade beherrscht und gelenkt ist, denn dann wird die Liebe etwas ebenso Natürliches und Beständiges und Ununterbrochenes wie der Atem. Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was gibt es Leichteres, als Gott in dir leben zu lassen und Ihn zu lieben, der dich liebt?“

Dem interessierten Leser bieten wir hier die Lektüre des entsprechenden Kapitels [Vierter Teil] von Das Zeichen des Jonas:

Thomas Merton. Das Zeichen des Jonas, T.4

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Der Name Jesu steht über allem

Kreuz im Trappistenkloster Jacona, Mexico

„Es ist auch der polemischste Name aller Zeiten.
Die Liebe ist umstritten und Er ist die fleischgewordene Liebe.
Jesus sprach zu den Römern von Liebe und deshalb
wurde er getötet.
Er wurde von seinem eigenen Volk verraten und
von allen verlassen.
Meine Pflicht war es nicht nur, ihn auf der Leinwand darzustellen,
sondern im Einklang mit dem Evangelium zu leben,
jeden Tag, und ein Zeugnis
für die Wahrheit abzulegen.“

Jim Caviezel, Schauspieler,
der im Film „The Passion of the Christ“
Jesus darstellte

Quelle – CNA-Deutsch

Der Film
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Eigenheit unserer Zeit – in Bezug auf Fleischessünden

(Die 5. von 6 Eigenheiten unserer Zeit –
von Bischof Georg Michael Wittmann, 1760-1833)

Zu unserer Zeit erscheint Ungestraftheit der Fleischessünden zwischen den unverheirateten Personen. Unser Erzbischof wollte dagegen eine Einschränkung einführen, wurde aber zurückgewiesen. – Ich protestiere aber feierlich und bekenne, dass ich die Staatskunst nicht verstehe. – Die Eltern können ihre erwachsenen Kinder nicht mehr bändigen, sie vermögen nicht mehr ihre Heirat zu ordnen, Ehen werden mit schlechter Wahl geschlossen, fallen unglücklich aus und die Kinder werden schlecht erzogen. Uneheliche Kinder werden verwahrlost: der uneheliche Vater nimmt sich ihrer nicht an und die uneheliche Mutter hat weder Willen noch Fähigkeit, sie zu erziehen. Unter den heidnischen Völkern, namentlich bei den Türken, gibt es eine sittsamere erwachsene Jugend; dort findet man keine unehelichen Kinder.

Die natürliche Vernunft hat Vielweiberei eingeführt und so gibt es keine ledigen Weibspersonen und die Bräute müssen dort gekauft werden. – Diese Völker strafen ihre Kinder öffentlich in den Kirchen und das fällt in die Augen. Bei dieser Ansicht unserer Zeit müssen wir Geistliche nicht nur in strenger Keuschheit, sondern auch mit Bußfertigkeit und Gebet dastehen, um für die Sünden des Volkes etwas abzutragen. Können wir etwas beitragen zur Besserung dieser Leute, so haben wir die strengste Pflicht dazu. – Die Vernunft hält nicht ab gegen den Strom dieses Verderbens, dafür aber Andacht. Nur Andacht, die aber bei unserer erwachsenen Jugend fehlt, hält uns bei den allgemeinen, oft ausstudierten Verführungen.

(Aus: Faszinierendes Priestertum, Georg Michael Wittmann: Vorerinnerungen über die Eigenheiten unserer Zeit. Patrimonium 2016)

Siehe dazu auch HIER

und HIER