Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (11/11)

9. Ode: Christus, der Retter – Magnifikat

P: Gottesgebärerin und Mutter des Lichtes! Mit Lobgesang preisen wir dich selig!
V: Meine Seele preist die Größe des Herrn,* und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit Seiner Magd hat Er geschaut.* Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,* und Sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht* über Alle, die Ihn fürchten.
Er vollbringt mit Seinem Arm machtvolle Taten,* Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron* und erhebt die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt Er mit Seinen Gaben,* und läßt die Reichen leer ausgehn.
Er nimmt sich Seines Knechtes Israel an* und denkt an Sein Erbarmen, das Er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

1. Verfinstert ist mein Geist,* geschwächt mein Leib,* ohne Urteilskraft mein Verstand.* Mein Ende naht, ich liege im Sterben.* Was werde ich tun,* wenn ich vor Deinem Gericht erscheine?
2. Du hast mir, o Herr, die Mahnung des Mose vor Augen gestellt* und die ganze Heilige Schrift,* die Geschichte der Gerechten und Ungerechten.* Durch meine Sünden habe ich die letzteren und nicht die ersteren nachgeahmt.
3. Für mich, o Herr, blieb das Gesetz ohne Wirkung* und das Evangelium ohne Frucht.* Ich habe die Heilige Schrift vernachlässigt.* Die Worte der Propheten und Heiligen haben mich nicht gerührt.* Meine Wunden haben sich vermehrt und kein Arzt konnte mich heilen.
4. Die Beispiele des Neuen Testaments* laden uns zur Reue und Umkehr ein.* Die Gerechten spornen uns an zur Heiligkeit.* Dem Weg der Sünder wollen wir nicht folgen.* Das Fasten und das Gebet, die Demut und die Wachen,* öffnen unser Herz für den Herrn.
5. Der ewige Sohn des Vaters ist Mensch geworden.* Er hat die Dirnen und die Zöllner zur Umkehr gerufen.* Beeile dich, o Mensch,* denn das Tor zum Himmelreich steht offen.* Eintreten werden die,* die ihr Leben nach dem Evangelium ausrichten.
6. Das Wort Gottes ist Fleisch geworden.* Durch die Menschwerdung hat Es sich mit uns vereint.* Christus war uns in allem gleich,* außer der Sünde.* Er erniedrigte sich und gab uns das Beispiel der Demut.
7. Christus sammelt die Hirten.* Er führt die Weisen zur Anbetung.* Er ruft zum Martyrium die unschuldigen Kinder.* Im Tempel verherrlicht Er den Greis und die Witwe.* Empfange auch du Ihn durch deine Umkehr.
8. Der Herr fastete vierzig Tage in der Wüste.* Dann hungerte Ihn und so erwies Er sich als wahrer Mensch.* Sei nicht entmutigt,* wenn die Versuchung über dich kommt.* Mit der Hilfe des Herrn* kannst du den Feind durch Fasten und Beten besiegen.
9. Auch Christus wurde von Satan versucht,* der Ihm Steine zeigte,* damit Er ihnen befehle,* zu Brot zu werden.* Der Teufel nahm den Herrn mit auf einen hohen Berg,* und zeigte Ihm in einem Augenblick alle Reiche der Erde.* Fliehe vor den Schauspielen des Bösen,* sei wachsam und rufe den Namen des Herrn an zu jeder Stunde.
10. Wie die Stimme der Taube in der Wüste,* so ruft die Stimme des Vorläufers des Herrn zur Bekehrung auf.* Herodes und Herodias haben gegen Gott gesündigt.* Du sei wachsam, damit du nicht in die Falle des Bösen gerätst.* Wende dein Herz zum Herrn.
11. Der Vorläufer der Gnade lebte in der Wüste,* und ganz Judäa und Samaria hörte auf ihn.* Alle kamen herbei, bekannten ihre Sünden,* und empfingen mit Freude die Taufe der Reue.* Ahme auch du ihre Umkehr nach.
12. Geheiligt ist die Vermählung,* und die eheliche Vereinigung ist ohne Makel.* Christus hat beides bei der Hochzeit zu Kana gesegnet:* als erstes Seiner Wunder hat Er dort Wasser in Wein verwandelt.* So zeigte Er, daß Er auch dein Herz vergöttlichen will.
13. Den Gelähmten stellte Christus wieder aufrecht,* so daß dieser seine Bahre tragen konnte.* Tote erweckt der Herr zum Leben:* den Sohn der Witwe, und die Tochter des Jairus.* Er begegnete der Samariterin und lehrte uns die Anbetung in Geist und Wahrheit.
14. Der Herr hat die an Blutfluß erkrankte Frau geheilt,* die den Saum Seines Mantels berührte.* Die Aussätzigen machte Er rein.* Den Blinden schenkte Er das Licht.* Die Tauben, die Stummen und die gekrümmte Frau heilte Er durch Sein Wort.* Auch dir offenbart Er Sein Heil.
15. Christus, das ewige Wort des Vaters,* verkündet die Frohbotschaft den Armen.* Er heilt die Krankheiten und Gebrechen.* Er ißt mit den Zöllnern und redet mit den Sündern.* Die Tochter des Jairus faßt Er an der Hand und schenkt ihr das Leben zurück.
16. Der Zöllner empfing das Heil.* Die Sünderin bekam eine neue Reinheit.* Der stolze Pharisäer aber wurde nicht gerechtfertigt.* Der Zöllner sagt: „Verzeih mir, o Herr!“* Die Sünderin rief. „Hab Erbarmen mit mir!“* Der Pharisäer aber sagte in seinem Stolz:* „Ich danke Dir, o Herr, daß ich nicht bin wie die andern.“
17. Zachäus war Zöllner, und er wurde gerettet.* Simon, der Pharisäer, erkannte das Reich Gottes nicht.* Die Sünderin jedoch empfing die Lossprechung des Herrn.* Er hat die Macht, die Sünden zu vergeben.* Auch dir kann Er alle deine Sünden vergeben.
18. Die Sünderin nahm ein Alabastergefäß voll duftender Narde.* Weinend salbte sie die Füße des Herrn* und trocknete sie mit ihren Haaren.* Getilgt wurden dadurch all ihre Sünden.
19. Die Städte, in denen Christus am meisten Wunder gewirkt hat,* die aber die Frohbotschaft nicht empfingen, tadelte Er:* „Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären,* die bei dir geschehen sind,* hätte man dort in Sack und Asche Buße getan.“
20. Verzweifle nicht, denn du weißt,* wie die kanaanäische Frau durch ihren Glauben* auf ein einziges Wort des Herrn* die Heilung ihrer Tochter erlangte.* Rufe auch du aus dem Tiefsten deines Herzens:* „Herr Jesus, erbarme Dich meiner.“
21. Herr Jesus, erbarme Dich meiner und rette mich.* Du hast die Besessenen durch Dein Wort befreit.* Laß auch mich wie den Schächer die tröstenden Worte hören:* „Wahrlich, Ich sage dir, du wirst mit mir im Paradies sein,* wenn ich in meiner Königsherrschaft komme.“
22. Einer der Schächer, die mit Dir am Kreuz hangen, klagte Dich an.* Der andere hat Dich als Gott bekannt.* O mein Herr, der Du reich bist an Erbarmen,* öffne auch mir – wie dem gläubigen Schächer – das Tor zu Deinem Königreich.
23. Die ganze Schöpfung wurde in Trauer gestürzt,* als sie Dich am Kreuz sah.* Die Berge, die Felsen, die Tiefen der Erde erbebten,* die Unterwelt verlor ihre Beute,* und der helle Tag wurde zur Nacht.
24. Du forderst von mir keine große Buße.* Du kennst meine Schwachheit.* Schenke mir ein reuevolles Herz und den Geist der Armut,* damit ich Dir, mein Erlöser, ein wohlgefälliges Opfer darbringe.
25. Mein Richter bist Du und Du kennst mich.* Schau mit Erbarmen auf mich,* wenn Du mit Deinen Engeln kommst,* um die Welt zu richten.* Nimm mich auf auch wenn ich ein großer Sünder war.

Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
O Maria von Ägypten,* alle Engel im Himmel und alle Menschen auf Erden* hast Du in Staunen versetzt* durch dein übernatürliches Leben.* Von Gott getragen bist du über den Jordan geschritten.
Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
Bitte für uns den Schöpfer, o heilige Maria von Ägypten,* daß Er uns alles vergebe,* und uns aus der Bedrängnis befreie.* Wir loben Ihn ohne Ende, der dich verherrlicht hat.

Heiliger Andreas von Kreta,* bitte für uns.
Heiliger Andreas, du Hirte von Kreta,* bekleidet mit Weisheit,* der du die Barmherzigkeit Gottes in seinen Erwählten preisest,* bitte Gott für uns, die wir diesen Hymnus singen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn* und dem Heiligen Geist:
Wir preisen den Vater, wir lobsingen dem Sohn,* im Glauben beten wir an den Heiligen Geist;* die unteilbare Heilige Dreifaltigkeit und Einheit in Drei Personen,* alleiniges und dreifaches Licht,* alleiniges und dreifaches Leben,* das alle Enden der Erde belebt und erleuchtet.
Jetzt und allezeit* und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Heilige Maria, Mutter Gottes,* behüte das gläubige Volk,* denn es herrscht durch dich im Glauben.* In dir ist es stark und in dir ist es siegreich,* weist es die Versuchungen zurück und besiegt den Feind.* Heilige Mutter Gottes, bitte für uns.

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Meine Dankbarkeit für die Erlaubnis zur Übernahme der hauptsächliche Quelle, des Großen Kanon, gilt der Ukrainisch-griechisch-katholische Gemeinde des Byzantinischen Ritus in Westösterreich.http://www.ukrainische-kirche.at/

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A5 – Großer Kanon

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (10/11)

8. Ode: Die Propheten und die Frohbotschaft

1. O mein Erlöser, hab Erbarmen mit mir Sünder.* Wecke mich, damit ich mich bekehre.* Nimm meine Reue an und gewähre mir Gnade,* wenn ich zu Dir rufe: „Gegen Dich allein habe ich gesündigt“.
2. Elija wurde im Feuerwagen von der Erde in den Himmel empor gehoben,* wie getragen von seinem Eifer für Gott.* Diese Himmelfahrt gibt auch uns zu denken.
3. Elischa, der den Mantel des Elija empfangen hatte,* erhielt eine doppelte Gnade von Gott.* Hast du nicht wegen deiner Lauheit ähnliche Gnaden versäumt?
4. Einst unterbrachen die Wasser des Jordan ihren Lauf,* als Elischa mit dem Mantel des Elija auf sie schlug.* Hast du denselben Glauben?
5. Die Schunemiterin gewährte* in ihrer Güte dem Gerechten Gastfreundschaft.* Nimm auch du den Fremden und den Pilger auf,* damit du nicht weinend vor der Wohnung des Bräutigams bleiben mußt.
6. Hast du die Niederträchtigkeit eines Gehasi nachgeahmt,* so entsage wenigstens am Ende deines Lebens deiner Gier.
7. Usija wurde durch den Aussatz bestraft.* Hast nicht auch du an Unheil gedacht* und Unrecht getan?* Lasse, was du hast, und geh den Weg der Reue.
8. Von den Einwohnern Ninives habe ich gehört,* die vor Gott Buße taten in Sack und Asche.* Gewähre mir, o Herr, ihrem Beispiel zu folgen.
9. Einst weinte und klagte Jeremia* auf dem Grund einer Zisterne.* Er vergoß seine Tränen über die Stadt Zion.* Nimm dir seine Trauer als Vorbild,* und du wirst Vergebung erlangen.
10. Da er die Bekehrung der Einwohner von Ninive voraussah,* floh Jona nach Tatschisch.* Als Prophet wußte er um die unendliche Barmherzigkeit seines Gottes.
11. Du weißt, wie Daniel in der Grube* den Rachen der Löwen verschloss,* und wie Asarja und seine Geführten mit ihrem Glauben* die glühenden Flammen des Feuerofens erstickten.
12. Alle Vorbilder des Alten Bundes* hast du gesehen.* Folge den Spuren der Gerechten,* vom Beispiel der Sünder aber wende dich ab.
13. O du mein Retter und mein gerechter Richter,* hab Erbarmen mit mir,* erlöse mich von dem Feuer,* das ich für meine Sünden verdienen würde.* Gewähre mir vor dem Ende meiner Tage die Gnade der liebenden Reue.
14. Wie der Schächer rufe ich:* „Herr gedenke meiner“.* Wie Petrus weine ich bitterlich.* Wie der Zöllner seufze ich:* „Vergib mir, mein Gott“.* Wie die Sünderin salbe ich Dich mit meinen Tränen.* Nimm mein Flehen an wie einst das der kanaanäischen Frau.
15. O Herr, du bist der wahre Arzt.* Pflege meine kranke Seele.* Gieße in meine Wunden Salbe, Öl und Wein.* Gewähre mir den Balsam der Reue und die Tränen der Zerknirschung.
16. Wie die kanaanäische Frau rufe ich zu Dir:* „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“* Wie die an Blutfluß erkrankte Frau* berühre ich Deinen Mantel.* Und wie Maria weine ich mit Dir über Lazarus.
17. O Erlöser, indem ich Dir das Haupt* mit dem Öl meiner bereuenden Liebe salbe* bitte ich Dich wie die Sünderin:* Nimm an mein Gebet,* und schenke mir die Vergebung all meiner Sünden.
18. Obwohl ich um Deine große Liebe weiß,* habe ich Dich so tief verwundet, o mein Retter.* Nimm dennoch meine Reue an* und den Ruf meiner Liebe.* Gegen Dich allein habe ich gesündigt,* ich habe getan was Dir mißfällt.
19. O Guter Hirte,* suche mich wie das verlorene Schaf.* Beschütze mich vor dem reißenden Wolf* und gib, daß ich auf deine Stimme höre.
20. Furchterregend wirst Du zum Gericht erscheinen, o Christus.* Deine Herrlichkeit wird über uns erstrahlen.* Die ganze Erde wird beim Anblick Deiner Majestät von Ehrfurcht ergriffen sein.

Heilige Maria von Ägypten, bitte für uns.
O Maria von Ägypten,* erleuchtet von der Mutter des Lichtes, das keinen Abend kennt,* wurdest du der Finsternis entrissen.* Du hast die Gnade des Heiligen Geistes empfangen.* Erleuchte die Gläubigen, die dich loben.
Heilige Maria von Ägypten, bitte für uns.
Der heilige Zosimas war von Erstaunen ergriffen,* als er das Wunder sah,* das in dir geschehen ist,* o Maria von Ägypten.* Er betrachtete einen Engel in der Gestalt eines Menschen* und lobte Christus von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Heiliger Andreas von Kreta, bitte für uns.
Heiliger Andreas und all ihr Heiligen Gottes,* die ihr voll Vertrauen zum Herrn sprechen könnt,* entreißt uns der Sünde durch euer Gebet,* damit wir die Herrlichkeit Gottes besingen.

Lobpreisen wir den Vater und den Sohn* und den Heiligen Geist, den Herrn!
Ewiger Vater, gleichewiger Sohn, Tröster Geist;* Vater des göttlichen Wortes,* Wort des ewigen Vaters,* lebensspendender Geist;* Heilige Dreifaltigkeit und Einheit zugleich, erbarme Dich meiner.
Jetzt und allezeit* und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Reine Jungfrau und Mutter Gottes,* aufrichtig bitten wir auch dich,* denn aus deinem Blut wurde der königliche Purpur gewoben,* der Leib des Emmanuel.* Heilige Mutter Gottes, bitte für uns.

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (9/11)

7. Ode – Die sündhaften Könige

1. Ich habe mich verfehlt und gesündigt.* Ich habe Deine Weisungen mißachtet.* Als Sünder wurde ich geboren,* und dieser Wunde habe ich weitere hinzugefügt.* Doch hab Erbarmen mit mir* in Deiner Barmherzigkeit, Du Gott unserer Väter.
2. Dir, meinem Richter, habe ich das Geheimnis meines Herzens geöffnet.* Siehe meine Reue und meine Erniedrigung,* und mache Dir meine Sache zu eigen.* Hab Erbarmen mit mir* in Deiner Barmherzigkeit, Du Gott unserer Väter.
3. Saul war aufgebrochen,* um die Eselinnen seines Vaters zu suchen,* und er erfuhr da seine Berufung zum König.* Doch du hüte dich in deiner Unkenntnis,* die Herde deiner Leidenschaften dem Königreich Christi vorzuziehen.
4. David hat zweifach gesündigt,* er, der Vorfahre des Herrn.* Er ließ sich von der Neigung der Begierde hinreißen,* und machte anschließend Gebrauch vom Schwert des Mörders.* So trägst auch du schwer an der Last deiner Leidenschaften.
5. Einst beging David Sünde über Sünde.* Er brach die Ehe und mordete noch dazu.* Sofort aber büßte er doppelt*. Wenn du ohne Reue bist vor Gott,* ist deine Lage schlimmer als die seine.
6. David hat seine Reue in einem Psalm ausgedrückt* und öffentlich seine Taten bekannt.* „Gott des Alls, hab Erbarmen mit mir.* Gegen Dich allein habe ich gesündigt.* In Deiner Güte reinige mich!“
7. Als Usa die Rinder ausbrechen sah,* legte er die Hand auf die heilige Bundeslade und erregte dadurch den Zorn Gottes.* Ahme seine Kühnheit nicht nach,* sondern hab Ehrfurcht vor heiligen Dingen.
8. Du kennst die Geschichte Abschaloms und seiner Empörung.* Seine bösen Taten kennst du auch.* Ahme die Glut seiner Leidenschaft nicht nach.
9. Wie für David hat die Sünde deine Würde und Freiheit* zum Sklaven deiner Begierde gemacht.* Der Feind ist dir ein anderer Ahitofel,* ein Berater, der, wie einst David, auch dich verrät.* Aber Christus selbst hat ihn besiegt, um dich zu erretten.
10. Salomo, dieser bewundernswerte Mann,* reich an Gnade und Weisheit,* hat sich von Gott entfernt.* Folge nicht dem Beispiel seines Ungehorsams.
11. Dieser König liebte einst die Weisheit,* aber von seinen Leidenschaften mitgerissen,* liebte er auch die ausländischen Frauen.* Entferne dich nicht wie er von deinem Gott.
12. Ahme Rehabeam nicht nach,* der den Willen seines Vaters verachtete,* und auch nicht Jeroboam, den Abtrünnigen,* sondern rufe zum Herrn:* „Hab Erbarmen mit mir“.
13. Die Unreinheit ist der Weg des Ahab.* Wenn du auf diesen Weg geraten bist,* seufze und rufe zum Herrn.* Bekenne deine Schuld vor Ihm.
14. Elija ließ zweimal Feuer vom Himmel fallen,* das die Leute des Götzendieners Ahasja verzehrte,* nachdem er schon die Propheten Baals getötet hatte.* Sei auch du entschieden gegenüber allem,* was dich vom wahren Gott abwenden könnte.
15. Wenn der Himmel sich für dich verschließt* und der Hunger dich peinigt wie einst Ahab,* der der Prophezeiung des Elija keinen Glauben schenkte,* dann ahme die Witwe von Sarepta nach,* die den Propheten aufgenommen hat,* und stütze dich auf das Wort des Herrn.
16. Manasse hatte seine Sünden vermehrt.* Er hat sich seiner Leidenschaften gerühmt* und das getan, was dem Herrn mißfällt.* Du aber ahme seine Bekehrung und seine Zerknirschung nach.
17. Vor Dir, o Herr, falle ich nieder wie die Sünderin,* Tränen sind meine Worte.* Ich habe so viel gesündigt.* Doch hab Erbarmen mit mir und gedenke meiner in Deinem Reich.
18. Den Glanz meiner Ähnlichkeit mit Dir habe ich zerstšrt.* Dein Gesetz habe ich übertreten.* Meine Schönheit ist entschwunden.* Mein Licht ist erlöscht.* Herr, hab Erbarmen mit mir.* Mach mich wieder froh mit Deinem Heil.
19. Kehr um zum Herrn.* Eröffne Ihm deine geheimen Gedanken.* Sag zu ihm, der alles weiß:* „Du allein, mein Erlöser,* du weißt, was sich in der Tiefe meines Herzens verbirgt.* In Deiner großen Huld sei mir gnädig“.
20. Meine Tage sind verflogen wie ein Traum beim Erwachen.* Wie Hiskija weine ich auf meinem Lager* und bitte, daß mein Leben verlängert werde.* Aber welch anderer Jesaja wird zu mir kommen,* wenn nicht der Herr selbst?

Heilige Maria von Ägypten, bitte für uns.
O Maria von Ägypten,* du hast die Hilfe der Allheiligen Mutter Gottes erfleht.* Sie hat dich deinen heftigen Leidenschaften entrissen* und dich in Schutz genommen vor den Angriffen des Bösen.* Bring mir Hilfe, wenn ich in meiner Bedrängnis zu Dir bete.
Heilige Maria von Ägypten, bitte für uns.
Der Herr, nach dem du dich so sehr sehntest,* o Maria von Ägypten,* und dessen Spuren du gefolgt bist,* Er hat dich auf dem Weg der Umkehr geführt und gehalten.* Flehe ohne Unterlaß zu unserem mitfühlenden Gott,* damit Er uns aus jeder Gefahr errette.

Heiliger Andreas von Kreta, bitte für uns.
All ihr Heiligen Gottes, heiliger Andreas,* macht mein Herz auf dem Felsen des Glaubens fest* und rüstet mich mit Gottesfurcht aus.* Erlangt mir die Gnade der Reue* und schützt mich vor dem Bösen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn* und dem Heiligen Geist:
Du eine, unteilbare, wesenseine Dreifaltigkeit,* ein Licht im dreifachen Glanz,* eine Quelle in dreifacher Heiligkeit,* ich besinge und verherrliche Dich,* Quelle des Lebens und Gott allen Seins.
Jetzt und allezeit* und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Dir singen wir, o Mutter Gottes,* dich preisen wir, dich verehren wir,* denn die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit hast du geboren,* deinen Sohn und deinen Gott;* und den Himmel hast du uns hier auf Erden geöffnet.* Heilige Mutter Gottes, bitte für uns.

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (8/11)

6. Ode – Der innere Exodus und
der Einzug ins Gelobte Land

1. Mit aufrichtigem Sinn bringe ich Dir, o Retter,* zu meinen Tränen die Klage meines Herzens dar.* O mein Gott, vor Dir habe ich gesündigt,* schenke mir Dein Erbarmen.
2. Wie Datan und Abiram,* die sich gegen die Führung des Mose auflehnten,* habe ich mich von Dir, Herr, entfernt.* Aber ich rufe zu Dir: Verschone mich,* damit der gähnende Abgrund mich nicht verschlingt.
3. Du gleichst Ephraim, dieser störrischen Kuh,* o meine Seele.* Wie soll der Herr dich führen?* Entfliehe deinen Fesseln wie eine Gazelle.* Entfliehe mit den Flügeln der Askese und der Kontemplation.
4. Die Hand des Mose sei dir ein Zeichen,* daß Gott vom Aussatz befreien* und heil machen kann.* So verzweifle nicht,* wenn dich der Aussatz der Sünde bedeckt hat.
5. Die Wogen und Wellen meiner Sünden* schlagen über meinem Kopf zusammen.* Und sie haben mich verschlungen* wie einst das Rote Meer den Pharao und sein Heer.
6. Wie das Volk Israel,* das des Mannas Überdrüssig war,* triffst auch du eine törichte Wahl,* wenn du in deiner Verblendung* dem Brot des Himmels die Speise deiner Leidenschaften vorziehst.
7. Aus den abgestandenen Wasserlöchern Kanaans* habe ich getrunken.* Die Quelle aus dem Felsen* aber habe ich verschmäht,* aus der das lebendige Wasser* der göttlichen Erkenntnis hervorsprudelt.
8. Herr Jesus, als Dein Knecht Mose* mit dem Stab an den Felsen schlug,* hat er Deine lebenspendende Seite angedeutet,* aus der wir den Trank des Lebens schöpfen.
9. Brich auf, folge den Spuren Josuas* auf der Suche nach dem gelobten Land.* Erkenne dein Erbteil und bleib in ihm,* im Schatten der Gebote Gottes.
10. Wie Josua gegen Amalek kämpfte,* so steh auch du auf und bekämpfe deine Leidenschaften.* Laß dich nicht durch die Gedanken täuschen,* wie es ihm durch die Leute von Gibeon geschah.
11. Überquere den schnellen Fluß der Zeit,* wie einst die Bundeslade den Jordan überquerte,* und nimm das ersehnte und verheißene Land* in Besitz, wie Gott es will.
12. Rette mich, o Erlöser,* sowie Du Petrus gerettet hast,* als er auf dem Wasser zu Dir schrie.* Strecke deine Hand aus* und entreiß mich dem Abgrund der Sünde.
13. In Dir, Meister und Herr, erkenne ich den Hafen des Heils. Zieh mich heraus aus dem Abgrund meiner Sünde und Verzweiflung.
14. Ich bin jene Drachme mit dem kaiserlichen Abbild,* die Dir, o Schöpfer, einst verlorenging.* O Sohn Gottes, Du entzündest die Fackel,* Deinen Vorläufer Johannes;* und kommst, um Dein Abbild zu suchen und es wiederzufinden.

Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
Maria von Ägypten,* um die Flamme deiner Leidenschaften auszulöschen,* die dein Herz verzehrten,* hast du unentwegt Tränen vergossen.* Gewähre mir Anteil an dieser Gnade.
Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
Schon hier auf Erden hast du Ruhe gefunden, o Maria von Ägypten* durch dein hehres Leben.* Denen, die dich loben,* erlange durch dein Flehen die Befreiung von der Leidenschaft.

Heiliger Andreas von Kreta,* bitte für uns.
Heiliger Andreas und ihr Heiligen Gottes,* wir kommen zu euch,* die ihr für die Welt bittet.* Entreißt uns dem Abgrund der Sünde.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn* und dem Heiligen Geist: Ich bin die eine Dreifaltigkeit,* unteilbar, doch unterschieden in den Personen,* Einer dem Wesen nach,* Ich, der Vater, mit dem Sohn* und dem Heiligen Geist.
Jetzt und allezeit* und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Mutter Gottes, Du hast für uns Gott geboren,* der unsere Gestalt angenommen hat.* Flehe zum Schöpfer des Alls,* damit wir gerechtfertigt werden.* Heilige Mutter Gottes, bitte für uns.

Meine Seele, meine Seele, Steh auf!* Warum schläfst du?* Das Ende kommt* und du wirst überrascht sein.* Sei wach in der Liebe,* damit du Christi Erbarmen* empfangen kannst.* Denn Er ist überall gegenwärtig* und erfüllt alles.

Als Satan die Wunder Christi sah, und das Heil, das sich über Adam ergoß, schmerzte es ihn und er stöhnte ob dieser Gefahr: „Was soll ich dem Sohn Mariens antun? Er wird mich besiegen, Er, der zu Bethlehem geboren wurde. Er ist überall gegenwärtig und erfüllt alles.“

Seligpreisungen

1. Aus dem reuigen Schächer machtest Du den ersten Bewohner Deines Reiches,* da er rief: „Gedenke meiner, o Herr!“.* Gewähre auch mir, deinem unwürdigen Diener,* seinen Spuren zu folgen. – Selig, die arm sind vor Gott,* denn ihnen gehört das Himmelreich.
2. Du kennst die Geschichte des Manoach:* Gott hatte ihn besucht,* und aus der Unfruchtbarkeit ging die Frucht der Verheißung hervor.* Seine Gottesfurcht ist uns ein Beispiel. – Selig die Trauernden,* denn sie werden getröstet werden.
3. Die großartigen Taten des Samson verloren ihren Wert,* infolge seines Leichtsinns,* denn aus Liebe zum Vergnügen* lieferte er dem Feind das Glück eines keuschen Lebens aus. – Selig, die keine Gewalt anwenden,* denn sie werden das Land erben.
4. Er, der einst seine Feinde mit dem Kinnbacken eines Esels erschlug,* wird jetzt zum Spielball fleischlicher Begierden.* Wir müssen uns hüten,* dein Beispiel eines solchen Leichtsinnes zu folgen. – Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit,* denn sie werden satt werden.
5. Barak und Jiftach wurden erwählt,* in Israel Recht zu sprechen* und seine Armee zu führen, ebenso die mutige Debora.* Suche die Tugend der Stärke,* die sie auszeichnete, zu erreichen. – Selig die Barmherzigen,* denn sie werden Erbarmen finden.
6. Du kennst den Mut der Jae,* die für lsrael zum Heil wurde,* weil sie die Schläfe Siseras durchstieß.* Sie hat den Feind mit einem Holz getötet,* das uns an das Holz des Kreuzes erinnern soll. – Selig, die reinen Herzens sind,* denn sie werden Gott schauen.
7. Bringe ein Lobopfer dar* und weihe dem Herrn die Reinheit deines Lebens,* wie es Jiftachs Tochter tat.* Opfere dem Herrn deine Leidenschaften.
Selig, die Frieden stiften,* denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
8. Du kennst das Vlies Gideons.* Laß dich auch vom Tau des Himmels tränken.* Wie die Leute Gideons bücke dich und koste von den Strömen der Gerechtigkeit,* die aus den Geboten des Herrn fließt. – Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden,* denn ihnen gehört das Himmelreich.
9. Gib nicht aus Schwäche deinen Leidenschaften nach* wie Eli, der Priester von Schilo,* der die Augen vor der Gottlosigkeit seiner Söhne verschlossen hatte. – Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt* und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
10. Anna, die Mutter Samuels, bewegte ihre Lippen und betete,* ohne daß man ihre Stimme hörte.* Ihre Bitte wurde erhört,* und trotz ihrer Unfruchtbarkeit gebar sie den Sohn,* den sie vom Herrn erbeten hatte. – Freut euch und jubelt:* Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
11. Samuel wurde unter die Richter gezählt.* Gebürtig aus Arimathäa, wurde er im Haus des Herrn aufgezogen.* Nimm ihn als Vorbild und beurteile deine eigenen Taten,* bevor du die der anderen verurteilst. – Gedenke meiner, o Herr,* wenn Du in Dein Reich kommst.
12. Als David zum König erwählt wurde,* empfing er die heilige Salbung.* Du, der du Sehnsucht nach dem Himmelreich hast,* laß über dich das Salböl der Tränen fließen.
Gedenke meiner, o Herr,* wenn Du in Dein Reich kommst.
13. Hab Erbarmen mit dem Werk Deiner Hände, gütiger Gott.* Verurteile nicht jene, die gesündigt haben.* Hab Erbarmen mit Deinem Diener,* der Deine Gebote verachtet hat.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn* und dem Heiligen Geist:
Ich bete den Vater an,* der den Sohn vor ewigen Zeiten zeugt.* Ich verherrliche den Sohn,* der vom Vater gezeugt wird.* Ich preise den Heiligen Geist,* der mit dem Vater und dem Sohn von derselben Herrlichkeit erstrahlt.
Jetzt und allezeit* und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

O Mutter Gottes,* wir beten Jesus als Frucht deines Leibes an,* ohne die Herrlichkeit Seiner Gottheit zu mindern.* Wir bekennen die Einheit Seiner Person in zwei Naturen.* Heilige Mutter Gottes, bitte für uns.

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (7/11)

5. Ode – Moses – Von der inneren Gefangenschaft
zum Berg der Begegnung mit Gott.

1. Mein Leben habe ich bis jetzt in der Dunkelheit verbracht;* es war Finsternis,* tiefstes Chaos, die Nacht der Sünde.* Du allein, mein Gott, kannst aus mir ein Kind des Lichtes machen.
2. Wie der unglückliche Ruben* habe ich den Willen des Allerhöchsten missachtet* und Seine väterliche Liebe verletzt.
3. Vor Dir, o Christus, mein König,* bekenne ich, daß ich gesündigt habe.* Wie Josefs Brüder* habe ich die Frucht der Weisheit und der Reinheit verkauft.
4. Der gerechte Josef* wurde von seinen eigenen Brüdern als Sklave verkauft,* wie später der Herr.* Auch wir sind vom Feind* in die Sklaverei der Sünde verkauft worden.
5. Folge dem Weg Josefs.* Ahme die Gerechtigkeit und die Reinheit seines Herzens nach* und gib dich nicht dem Rausch der Leidenschaften hin,* die nur von Gott abwenden.
6. Josef wurde in eine Zisterne geworfen.* Er ist ein Vorausbild Deiner Grablegung* und Deiner Auferstehung,* o mein Meister und Herr.* Was kann ich Dir Ähnliches darbringen?
7. Du hast gehört,* dass Mose in seiner Wiege wie in einer Arche* auf dem Wasser des Nil schwamm* und so dem Haß des Pharao entkam.
8. Du weißt, daß die Hebamme* die männlichen Kinder töten sollte.* So will es auch der Feind* mit dir tun.* Wie Mose in seiner Wiege,* laß dich retten von der göttlichen Umarmung.
9. Hast du nicht wie Mose* in deinem Zorn einen Ägypter erschlagen?* So kannst du auch nicht ohne die Hilfe der Buße* in Frieden in der Wüste leben.
10. Mose lebte dann in der Wüste.* Ahme seine Entsagung nach.* So wirst auch du* Gott im Brennenden Dornbusch schauen.
11. Zimmere dir einen Stab,* wie der des Mose.* Mit seinem Stab schlug er das Meer* und brachte die Wellen zum erstarren.* Zimmere dir einen Stab* nach dem Bild des göttlichen Kreuzes,* mit dem auch du große Dinge vollbringen kannst.
12. Aaron brachte dem Herrn ein reines Brandopfer dar.* Hofni und Pinhas, die Söhne des Priesters Eli,* entführten die Opfer für sich,* und sie mußten sterben.
13. Mein Herz ist verhärtet* wie das Herz des Pharao.* Wie das Denken der Ägyptischen Zauberer Jannes und Jambres,* ist auch das meine verdorben.* Ich breche unter meiner Last zusammen.* O Herr, eile mir zu Hilfe.
14. Ich stecke im Schlamm.* Wasche mich, o Herr,* im Bad der Tränen.* Mache mich weißer als Schnee.
15. Wenn ich den Wert meiner Taten abwäge,* o mein Erlöser,* so erkenne ich, daß ich schwerer als die anderen gesündigt habe,* weil ich es tat,* obwohl ich Deine große Liebe kenne.
16. Verschone das Werk Deiner Hände, o Herr.* Ich habe gesündigt,* verzeih mir meine Schuld.* Du allein bist rein,* du bist der Einzige ohne Sünden.
17. Um mich zu retten,* hast Du Deine göttliche Herrlichkeit* unter dem Mantel der Menschengestalt verhüllt*. Du hast Wunder gewirkt.* Aussätzige hast Du geheilt,* Gelähmte aufgerichtet.* Die blutflüssige Frau berührte Deinen Mantel und wurde gesund.
18. Folge dem Beispiel der blutflüssigen Frau,* berühre Sein Gewand.* Er wird dich erlösen,* und du wirst Ihn zu dir sagen hören:* „Dein Glaube hat dich gerettet“.
19. Wie die verkrümmte Frau,* gehe hin zu Jesus* und falle zu Seinen Füßen nieder.* Er wird dich aufrichten,* und du wirst auf dem Weg des Herrn aufrecht wandeln.
20. Herr, der Brunnen ist tief und mich dürstet.* Du aber läßt für mich das Wasser des Lebens* aus Deiner Seite hervorsprudeln,* das ich wie die Samariterin trinke,* um nie mehr durstig zu sein.* Denn Du tränkst mich mit den Strömen Deines Lebens.
21. Meine Tränen seien mir, o Herr,* wie der Teich von Siloach.* Sie waschen die Augen meines Herzens* und öffnen sie für Dein unerschaffenes Licht.

Heilige Maria von Ägypten, bitte für uns.
O Maria von Ägypten, dein Wunsch wurde erhört, als du dich vor dem Kreuz niederwerfen wolltest. Erlange mir durch dein Gebet, da§ ich der himmlischen Herrlichkeit würdig gemacht werde.
Heilige Maria von Ägypten, bitte für uns.
Nach dem du, o heilige Maria von Ägypten,* die Fluten des Jordan überschritten hattest,* fandest du den Frieden,* weil du das Joch der Begierden abgelegt hast.* Erlange auch uns die Freiheit durch dein Gebet.

Heiliger Andreas von Kreta,* bitte für uns.
Euch alle, ihr Erwählten Gottes,* und dich, heiliger Andreas,* bitten wir inständig und mit Zittern:* Erlangt für uns durch euer Gebet* das Heil und das ewige Leben.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn* und dem Heiligen Geist:
Wir verherrlichen Dich,* Heilige Dreifaltigkeit,* als den einzigen Gott:* Heilig, heilig, heilig bist Du,* Vater, Sohn und Heiliger Geist,* wesenseine Gottheit.* Ohne Unterlaß beten wir Dich an.
Jetzt und allezeit * und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Aus dir, o unbefleckte Jungfrau,* heilige Mutter Gottes,* hat der Schöpfer unser Fleisch angenommen* und sich so aufs engste mit der Natur der Sterblichen verbunden.* Heilige Mutter Gottes, bitte für uns.

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (6/11)

4. Ode – Die Jakobsleiter

1. Verwirf nicht das Werk Deiner Hände,* o gerechter Richter!* Auch wenn ich mehr gesündigt habe als jeder andere,* gib Dein Geschöpf nicht preis.* Nur Du, Herr des Alls,* kannst Sünden vergeben.
2. Das Ende naht,* und du, meine Seele, bedenkst es nicht.* Es nähert sich, und du bereitest dich nicht vor.* Die Zeit drängt, erhebe dich,* denn der Retter steht schon an der Tür.* Wie ein Traum, wie eine Blume des Feldes,* vergeht unser Leben,* und unsere Geschäftigkeit ist umsonst.
3. Wach auf und bedenke die Werke deines Lebens.* Denk an deine Vergangenheit* und laß deinen Tränen freien Lauf.* Bekenne Christus offen deine Taten* und deine verborgenen Gedanken,* und du wirst geheiligt werden.
4. Es gibt keine Art Sünden in diesem Leben,* die ich nicht begehen hätte können.* O mein Retter,* ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken,* in meinen Absichten und in meinen Taten.
5. Mein Gewissen quält mich,* o mein Erlšser.* Du erforschst mich und kennst mich* verschone und rette mich.
6. Die Leiter, die einst der Patriarch Jakob sah,* ist ein Bild der Beschauung,* die sich, gestützt auf die Werke,* zum Himmel erhebt.* Willst du die Aktion und die Kontemplation kennen lernen,* so laß den Heiligen Geist dein Leben erneuern.
7. Der Patriarch Jakob,* an allem arm, ertrug die Hitze des Tages* und die Kälte der Nacht.* Um seine zwei Frauen zu erwerben,* arbeitete er und vermehrte durch List* seine Herde von Tag zu Tag.
8. Diese beiden Frauen seien dir Symbole* für Aktion und Kontemplation.* Die erste ist Lea* – Zeichen für die fruchtbare Aktion.* Die zweite ist Rachel* – Symbol der Kontemplation.
9. Sei wachsam und kämpfe wie Jakob,* damit dir die Erkenntnis* und die Schau Gottes geschenkt werden können.* So kann die Nacht deines Glaubens* von Lichte der Kontemplation durchdrungen werden.* So wirst du die wertvolle Perle erwerben.
10. Jakob hat zwölf Söhne gezeugt.* Diese zwölf Patriarchen gleichen einer mystischen Leiter,* und sie stellen den Fortschritt in der Weisheit dar.
11. Wie Esau wurdest du in deinen Gedanken* und auch in deinem Handeln betrogen;* du hast dein Erstgeburtsrecht, deine erste Schönheit,* dem verkauft, der dich verdrängen will.* Und so bist du des väterlichen Segens verlustig geworden.* Kehre um, und er wird dir wiedergegeben.
12. Esau brannte von Maßlosigkeit.* Wegen der Heftigkeit seiner Leidenschaft* bekam er den Zunamen Edom,* das bedeutet: „der Rote“* – rot wie die Glut seiner Seele* im Eifer der Begierde.
13. Du hast gehört,* daß Ijob auf seinem Misthaufen durch seine Standhaftigkeit gerechtfertigt wurde*. Du bist aber seinem Beispiel nicht gefolgt.* Du hast keine Ausdauer bewiesen,* weder im Wollen noch im Vollbringen.
14. Ijob, der einst auf einem Thron saß,* sitzt nun auf einem Misthaufen.* Einst führte er ein großes Haus* und war Vater vieler Söhne,* jetzt ist er ohne Kinder und obdachlos.* Als Palast hat er den Mist und als Perlen seine Geschwüre.
15. Noch unlängst wurde der gerechte Ijob* mit den Zeichen des Königtums bekleidet* und trug Purpur und Krone.* Er war im Besitz großer Güter* und unzählbarer Herden.* Doch plötzlich stürzte er ins Elend* und wurde all seiner Herrlichkeit und Macht beraubt.
16. Als gerechter und tadelloser Mann* ist Ijob noch in seinem Unglück treu geblieben.* Was wird aber mit dir sein,* wenn das Unglück über dich hereinbricht,* daß du jetzt schon ein Spielball der Feinde bist.
17. Mein Leib ist befleckt,* mein Geist verfinstert.* Ich bin ganz mit Geschwüren bedeckt.* Doch Du, Christus, bist mein Arzt* und heilst mich.* Wasche mich im Bad der Reue,* und ich werde weißer als Schnee.
18. Für das Heil der ganzen Welt* hast Du, o Wort Gottes,* am Kreuz Deinen Leib und Dein Blut dargebracht:* Deinen Leib, um mich neu zu erschaffen,* Dein Blut, um mich rein zu waschen.* Deinen Geist hast Du aufgegeben,* um mich zum Vater heimzuführen.
19. Inmitten der Welt hast Du das Heil bewirkt.* Um uns zu retten, o Schöpfer,* wolltest Du an den Baum genagelt werden.* So wurde uns der Garten Eden wieder geöffnet.* Himmel und Erde,* die ganze Schöpfung und die Scharen der Völker,* die Du erlöst hast, beten Dich an.
20. Blut und Wasser,* die aus Deiner Seite hervorströmen,* sind für mich das Bad der Taufe* und der erlösende Trank.* Dein Blut wäscht mein Herz rein.* Dein Leib stillt meinen Hunger.* Und Dein lebenspendendes Wort* ist mir eine heilige Salbung.
21. Noch bin ich außerhalb Deines Hochzeitssaales.* Ich bin nicht würdig, an der Hochzeit des Lammes teilzunehmen.* Meine Lampe ist erlöscht,* weil mir das Öl der wahren Liebe fehlt.* Die Tore sind verschlossen,* und ich stehe draußen mit gefesselten Händen und Füßen.
22. Die Kirche besitzt einen Kelch, O Retter:* Deine durchbohrte Seite,* woraus uns die zweifache Quelle der Vergebung* und der Weisheit entspringt.
23. Noch ist mein Herz voll Eitelkeit.* O barmherziger Herr,* verurteile mich aber nicht mit dem Pharisäer,* sondern schenke mir die Demut des Zöllners.* Und wie ihn, Du gerechter und gütiger Meister,* rechtfertige auch mich.
24. Ich habe gesündigt,* den Tempel meines Leibes habe ich entweiht,* o barmherziger Gott.* Doch nimm mich Reuigen an* und erleuchte mich mit Deinem Licht,* damit ich für den Feind nicht zur Beute werde.
25. Aus mir selbst habe ich einen Götzen gemacht* und meiner Seele durch meine Begierlichkeit geschadet,* doch nimm mich Reuigen an* und führe mich zurück zu Deinem Licht,* damit ich für den Feind nicht zur Beute werde.
26. Auf Deine Stimme habe ich nicht gehört,* und Deine Gebote habe ich übertreten,* doch nimm mich Reuigen an* und locke mich mit Deinem Licht,* damit ich für den Feind nicht zur Beute werde.

Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
O selige Maria von Ägypten,* du hast von Gott die Gnade empfangen,* schon auf Erden am Leben der Engel teilzuhaben.* Du trittst für alle ein,* die dich verehren.* Demütig bitten wir dich,* befreie uns durch dein Gebet* aus Versuchung und Bedrängnis.
Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
Obwohl du in den Abgrund der Sünde gefallen warst,* o Maria von Ägypten,* bist du nicht ihre Beute geblieben.* Du hast dich erhoben,* und die höchsten Tugenden erreicht.* Heilig geworden, rufst du die Bewunderung der Engel hervor.

Heiliger Andreas von Kreta,* bitte für uns.
Heiliger Andreas von Kreta* und all ihr Heiligen des Himmels,* bittet für uns den Dreifaltigen Gott,* da§ Er uns aufnimmt in Sein Reich.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn* und dem Heiligen Geist: Ich bekenne Dich und bete Dich an,* Gott in Drei Personen,* dessen Herrschaft eine* und dessen Thron nur einer ist,* und ich bringe Dir den dreifachen Lobpreis im Himmel dar.
Jetzt und allezeit* und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Als Jungfrau hast du geboren* und bist doch Jungfrau geblieben, Mutter Gottes;* denn Er, der aus dir geboren wurde,* erneuert die Gesetze der Natur.* Denn Gott kann alles vollbringen,* was Er will.* Heilige Mutter Gottes, bitte für uns.

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (5/11)

3. Ode – Der Glaube Abrahams

1. In Dir ist die Quelle des Lebens,* Du Sieger über den Tod.* Aus ganzem Herzen rufe ich zu Dir:* „Ich habe gesündigt.* Vergib mir, und errette mich!“
2. Die Zeitgenossen Noachs* wollte ich nachahmen.* Es erging mir wie ihnen,* und ich bin in der Flut untergegangen.
3. Ich habe gesündigt,* Herr, gegen Dich habe ich gesündigt.* Schenke mir Verzeihung,* und erschaffe mir ein reines Herz.
4. Nachgeahmt habe ich Ham* in seiner Ehrfurchtslosigkeit.* Als mein Nächster bloßgestellt war,* habe ich seine Schande nicht zugedeckt* und mich nicht abgewandt.
5. Den Segen, den Sem durch seine Ehrfurcht erlangte,* habe ich nicht verdient,* und Jafets Anteil* im Lande der Ruhe steht mir nicht zu.
6. Geh weg aus Haran,* dem Land der Sünde.* Komm in das Land,* das überfließt von der unvergänglichen Unsterblichkeit,* das Land, das Abraham als Erbe empfing.
7. Du hast gehört,* daß Abraham einst das Land* seiner Väter verlassen hat* und auf Erden ein Fremder geworden ist.* Ahme seine Entschiedenheit nach.
8. Unter der Eiche von Mamre* empfing der Patriarch die drei Engel.* Im Alter schenkte ihm Gott* den Sohn der Verheißung.
9. Wenn du weißt,* wie Abraham das Teuerste, was er hatte:* seinen Sohn Isaak,* als geistliches Brandopfer dargebracht hat,* dann beeile dich, dieses Beispiel zu befolgen.
10. Du weißt, daß Ismael, der Sohn der Sklavin,* aus dem väterlichen Haus vertrieben wurde.* Wenn du Sklave deiner Leidenschaften bist,* könnte dir dasselbe geschehen.
11. Hagar, der Mutter Ismaels,* sind wir durch die Versklavung unseres Willens ähnlich.* So gebären auch wir einen Ismael:* Verachtung und Hochmut.
12. Du kennst doch die Jakobsleiter,* die von der Erde bis in den Himmel führt?* Warum nimmst du die Liebe zu Gott* nicht zur sicheren Sprosse?
13. Melchisedek, der König und Priester* ohne menschliche Vorfahren,* war ein Vorausbild Christi,* der in die Welt kam.* Er sei dir ein Beispiel.
14. Schau nicht zurück,* um nicht zur Salzsäule zu werden.* Das Ende der Frau von Lot* sei dir eine Lehre.* Steige hinauf nach Zoar.
15. Fliehe wie Lot vor dem Feuer der Sünde,* weit weg von Sodom und Gomorra.* Fliehe die Glut deiner schlechten Neigungen.
16. Ich rufe zu Dir,* Herr, hab Erbarmen mit mir.* Hab Erbarmen, wenn Du mit Deinen Engeln kommst,* um jedem Menschen nach seinen Werken zu vergelten.
17. O Herr, Du liebst die Menschen.* Verwirf nicht das Gebet derer, die Dich loben,* sondern hab Erbarmen mit uns.* Gewähre denen, die Dich voll Vertrauen anrufen,* die Vergebung ihrer Sünden.

Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
O Maria von Ägypten,* komm mir zur Hilfe.* Ich werde vom Sturm der Versuchungen überflutet.* Führe mich zum sicheren Hafen der Umkehr.
Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
O Maria von Ägypten,* flehe zur Mutter Gottes,* die voll zärtlichen Erbarmens ist.* Durch deine Fürbitte öffne mir das Tor zum Himmel.

Heiliger Andreas von Kreta,* bitte für uns.
All ihr Heiligen Gottes,* heiliger Andreas von Kreta,* in der Gesinnung der Buße* habt ihr euer Leben vollbracht.* Erlangt mir durch euer Gebet* die Vergebung meiner Sünden.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn* und dem Heiligen Geist:
Dreifaltiger Gott,* Du allein bist des Lobpreises würdig,* Du einziger Gott in Drei Personen.* Rette uns, die wir voll Vertrauen Deine Macht verehren.
Jetzt und allezeit* und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

O Mutter Gottes,* du hast in der Zeit den Sohn geboren,* der vom Vater gezeugt ist* vor aller Zeit.* Du ernährtest die Frucht deines Leibes* und bliebst doch Jungfrau:* Welch unvergleichliches Wunder.* Heilige Mutter Gottes, bitte für uns.

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (4/11)

2. Ode – Die Röcke aus Fellen

1. Hört zu, ihr Himmel, ich will reden!* O Erde, lausche meinen Worten,* vernimm die Stimme dessen,* der vor Gott seine Sünden bekennt und Ihn verherrlicht.
2. Herr, Du Gott des Erbarmens,* schenke mir Deinen Blick der Liebe* und entnimm meinen Lippen* das Bekenntnis meiner Sünden.
3. Gegen Dich allein habe ich gesündigt*. Aber Du, mein Retter,* hab Erbarmen mit dem Werk Deiner Hände.
4. Die Wogen der Leidenschaften umbranden mich,* Herr des Erbarmens,* doch reiche Du mir Deine Hand,* wie Du sie einst Petrus auf den Wellen gereicht hast.
5. Vor Dir, o Christus,* verströme ich meine Tränen wie die Sünderin.* In Deiner Liebe hab Erbarmen mit mir.
6. Die Schönheit meiner Seele habe ich durch den Genuß,* den ich in den Leidenschaften gefunden habe, zerstört.* Nun ist mein Sinn nur dem Irdischen zugewandt.
7. Ja, ich habe die Schlange,* die mich verführte,* das Gewand zerreißen lassen,* das ich von Dir bekommen hatte.
8. Ich habe die verlockende Schönheit des Baumes,* von dem Du mir verboten hattest zu kosten, betrachtet,* und mein Geist ließ sich verführen,* und so habe ich das lichtvolle Gewand meiner Seele verloren.
9. Alle Fürsten des Bösen* haben auf meinem Rücken gepflügt,* und in meinem Herzen* die langen Furchen der Sünde gezogen.
10. Ich habe meine ursprüngliche Schönheit* und meine Würde verloren.* Du aber, mein Erlöser,* siehst mein Elend und hast Erbarmen mit mir.
11. Nachdem sie mir schon das Gewand zerrissen hat,* das Gott selbst mir gewoben hatte,* hat die Sünde auch mein Herz zerrissen.
12. Das Leben, das ich in Begierlichkeiten vergeudet habe,* ist mir wie ein vom Scharlach der Schande getränkter Mantel.
13. Geschaffen nach Deinem Bild und Gleichnis,* habe ich das Gewand dieser ersten Schönheit* beschmutzt und mit Flecken bedeckt
14. Ich war den Vergnügungen* und der Verderbnis verfallen,* und der Feind hat mich unterjocht.
15. „Blickt auf und seht,* Ich bin es, euer Gott!“, sagt der Herr.* Höre auf Ihn, der zu dir ruft:* „Wende dich ab von der Sünde“.* Sei voll Ehrfurcht vor dem Herrn, Er ist dein Richter
16. Mit wem soll ich mich in meinen Sünden vergleichen?* Mit Kain, dem ersten Mörder?* Oder mit Lamech?* Denn meinen Körper habe ich mit dem Bösen gesteinigt,* und meinen Geist* durch törichte Begierden umgebracht.
17. Ich habe die Väter,* die vor dem Gesetz lebten, nicht nachgeahmt,* weder Set, Enosch, noch Henoch,* der emporgehoben wurde,* und auch Noach nicht.* Ich habe mich um das Leben der Gerechten gebracht.
18. Ich habe die Schleusen* des Himmels geöffnet* und bin außerhalb der Arche geblieben.
19. „Einen Mann erschlug ich für eine Wunde,* einen Knaben für eine Strieme“, rief Lamech.* Auch ich zittere nicht,* mein Fleisch zu erschlagen und meinen Geist zu töten.
20. Ja, Lamech, dem Mörder bin ich gefolgt,* als ich meinen Geist wie einen Mann* und meine Seele wie einen Knaben* getötet habe.* Wie Kain dem Leben seines Bruders auflauerte,* so habe ich meinen Körper* umgebracht durch die Heftigkeit meiner Begierde.
21. Ich habe eigenmächtig versucht,* einen Turm zu bauen* und eine befestigte Stadt zu errichten.* Aber der Schöpfer hat mein Vorhaben vereitelt.* Er hat mein Bauwerk umgestürzt.
22. Ich bin zerschlagen, verwundet.* Die Schläge des Feindes haben mir Seele und Leib schwer getroffen. Die Verletzungen und Entzündungen meiner Wunden* zeugen von der Heftigkeit meiner Leidenschaften.
23. Einst ließ der Herr eine Feuersbrunst vom Himmel herabregnen,* und durch sie wurde die Sünde von Sodom verschlungen.* Warum schüre ich für mich* durch meine Sünden das Feuer der Hölle
24. Erkennt, daß Ich der Herr bin,* der die Herzen erforscht* und die verborgenen Gedanken aufdeckt,* die Absichten reinigt und die Sünden tilgt;* der Recht schafft den Waisen,* den Kleinen und den Schwachen.“

Maria von Ägypten,* du hast deine Hände dem barmherzigen Gott entgegengestreckt,* nachdem du auf den tiefsten Grund des Bösen gesunken warst.* Und wie einst den Petrus,* hat Er dich bei der Hand gefasst,* Er, der auf deine Umkehr wartete.
Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
Mit der ganzen Leidenschaftlichkeit deines Herzens* bist du, Maria von Ägypten, Christus nachgeeilt* und hast die früheren Wege der Sünde* weit zurückgelassen.* In die Einsamkeit der Wüste bist du gezogen,* um dort mit einem reinen Herzen* Seinen Geboten zu gehorchen.

Heiliger Andreas von Kreta,* bitte für uns.
Betrachten wir die Liebe unseres Gottes zu uns Menschen,* und werfen wir uns vor Ihm nieder.* Benetzen wir Seine Füße mit unseren Tränen,* und rufen wir:* „Auf die Fürsprache Deiner Heiligen,* hab Erbarmen mit uns, o Retter!“

Ehre sei dem Vater und dem Sohn* und dem Heiligen Geist:
Ewige Dreifaltigkeit,* unteilbare Einheit,* nimm meine Reue an und rette mich Sünder!* Verachte nicht das Werk Deiner Hände,* bewahre und errette mich* vor den Flammen des Gerichtes.
Jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Mutter Gottes, Du reine Königin,* Hoffnung aller, die zu dir eilen,* sicherer Hafen für die,* die aus den Stürmen kommen,* rufe durch dein Gebet * das Erbarmen deines Schöpfers und Sohnes auf mich herab.

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (3/11)

An dieser Stelle soll nicht der ganze Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta aufgezeichnet werden. Wir beschränken uns hier auf die neun Oden, die ab heute fortlaufend bis Gründonnerstag angeboten werden.

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1. Ode – Die Trauer des Adam

1. O Christus, womit soll ich beginnen,* wenn ich die schlechten Taten meines Lebens beweinen möchte?* Welche können die ersten Worte dieses Klageliedes sein?* In Deiner Barmherzigkeit gewähre mir die Vergebung all meiner Sünden.
2. So komme ich, um dem Schöpfer des Alls meine Schuld zu bekennen,* meinen Irrwahn zu verlassen* und Gott die Tränen meiner Trauer darzubringen.
3. Ich bin dem ersten Adam in seinem Ungehorsam gefolgt* und sehe mich nun fern von meinem Gott,* des ewigen Reiches und seiner Freude beraubt.
4. Warum bin ich der ersten Eva ähnlich geworden?* Ich habe eigenmächtig den tödlichen Baum berührt* und begierig die verbotene Frucht gekostet.
5. Eva kommt mir in den Sinn.* Ich gleiche ihr durch meine begierlichen Gedanken,* die aus meinen Leidenschaften hervorgehen.* Immer wieder esse ich von der bitteren Frucht.
6. Adam hat gerechterweise wegen eines einzigen Vergehens* gegen Deine Gebote das Paradies verloren.* Und ich, o mein Retter,* übertrete immer wieder deine Worte des Lebens!
7. Dem Beispiel Kains bin ich gefolgt*. Ein Mörder für mein Gewissen bin ich geworden,* indem ich meinem Fleisch nachgegeben* und durch meine Sünden das Tiefste meines Herzens verletzt habe.
8. Herr Jesus, die Gerechtigkeit eines Abel habe ich nicht nachgeahmt.* Ich habe Dir keine wohlgefälligen Opfer dargebracht,* weder Werke, wie sie Gott gefallen,* noch reine Opfergaben,* noch ein Leben ohne Tadel.
9. Nach dem Vorbild des Kain* haben wir Sünder dem Schöpfer nur befleckte Taten darzubringen,* tadelnswerte Gaben,* das Leben eines Unnützen.
10. Wie der Töpfer ein Gefäß formt,* so hast du mir, o Schöpfer, einen Leib geformt* und mir den Geist des Lebens eingehaucht.* O mein Erlöser, nimm mich an,* der ich reumütig zu Dir komme.
11. Vor Dir, o mein Retter, bekenne ich meine Sünden.* Du siehst die Wunden meiner Seele,* die mir geschlagen die Angriffe der Feinde* und die Räubereien meiner Gedanken.
12. O mein Erlöser,* obwohl ich ein Sünder bin,* weiß ich, daß Du ein Freund der Menschen bist.* Du schlägst Wunden und hast wieder Erbarmen.* Du schenkst uns Deine wohltuende Liebe.* Du siehst meine Tränen,* und wie der Vater des verlorenen Sohnes läufst du mir entgegen.
13. O mein Retter,* an der Schwelle Deines Hauses harre ich,* daß Du mir entgegenkommst.* Am Ende meiner Tage verwirf mich nicht.* In Deiner Güte gewähre mir* jetzt schon die Vergebung all meiner Sünden,* Du Freund der Menschen.
14. So wie jener, der auf dem Weg nach Jericho unter die Räuber fiel,* bin ich unter die Schläge meiner Gedanken gefallen.* Durch sie wurde ich misshandelt.* Voller Wunden bin ich.* Du aber, Christus, mein Erlöser, komm und rette mich.
15. Der Priester wandte sich bei meinem Anblick ab,* und der Levit, der mich in meinem Elend sah,* ging an mir vorbei.* Jesus, Du wurdest von der Jungfrau Maria geboren, um uns zu retten.* Bleibe Du stehen und hab Erbarmen mit mir.
16. Lamm Gottes, das die Sünden aller trägt,* erleichtere meine Last,* befreie mich von meinen Verfehlungen,* und in Deiner Milde gewähre mir* die Vergebung meiner Sünden.
17. Die Zeit der Buße ist gekommen,* und ich eile zu Dir, mein Schöpfer.* Befreie mich von der bedrückenden Last meiner Sünden,* und in Deinem Erbarmen gewähre mir die Tränen der Reue.
18. Überlass mich nicht dem Schrecken, o Retter.* Verwirf mich nicht von Deinem Angesicht.* Nimm die schwere Last meiner Sünden auf Dich,* und in Deiner Barmherzigkeit gewähre mir* die Vergebung meiner Sünden.
19. Vergib mir, o mein Retter,* meine gewollten und ungewollten,* bewussten und unbewussten Sünden,* die ich im Geheimen oder am hellen Tag begangen habe.* Mein Gott, vergib mir und rette mich.
20. Von Jugend an habe ich Deine Gebote übertreten, o Retter.* In Leidenschaftlichkeit und unbedacht habe ich mein Leben verbracht.* Ich rufe zu Dir.* Rette mich – nicht erst am Ende meines Lebens.
21. Aus Torheit habe ich den Reichtum meiner Seele für Vergnügungen vergeudet.* Arm bin ich an göttlicher Liebe,* und vor Hunger schreie ich:* O mitleidvoller Vater* hab Erbarmen mit mir.
22. Vor Dir, Jesus, werfe ich mich nieder,* denn ich habe gegen Dich gesündigt.* Wirf das Joch meiner Sunden weit weg von mir,* und nimm meine Buße in Deiner Güte an.
23. O allmächtiger Gott, ich bitte Dich,* geh nicht ins Gericht mit mir.* Decke zu, was ich getan.* Erforsche meine Taten.* Erkenne meine Wünsche.* Schließe aber die Augen vor meinem Elend und rette mich.

Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
Heilige Maria von Ägypten,* erbitte mir vom gütigen Gott die Gnade des Lichtes,* damit ich der Finsternis meiner Leidenschaften entkomme* und aus ganzem Herzen* die glorreichen Taten deines Lebens besingen kann.
Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
Heilige Maria von Ägypten,* du hast dich dem heiligen Gesetz Christi unterworfen.* Du bist zu Ihm zurŸckgekehrt.* Aus Liebe zu Gott hast du deine heftigen Leidenschaften beherrscht.* Und so hast du auf einzigartige Weise alle Tugenden erworben.

Heiliger Andreas von Kreta,* bitte für uns.
Durch deine Fürbitte, o heiliger Andreas von Kreta,* bewahre uns vor den Versuchungen.* Und da wir mit Glaube und Liebe deinen großen Kanon singen,* mach uns würdig, teilzuhaben am Reich Gottes.

Über alles erhabene Dreifaltigkeit,* als ein Gott angebetet,* nimm die schwere Last der Sünde von mir,* und in Deinem Erbarmen* schenke mir die Tränen der Reue.
Ehre sei dem Vater und dem Sohne* und dem Heiligen Geist.

O Mutter Gottes,* du Hoffnung und Schutzschild für alle,* die dich besingen,* nimm die Last meiner Sünden von mir.* O reine Jungfrau, nimm mich Reuigen an.* Heilige Mutter Gottes, bitte für uns.

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (2/11)

Einführung in den Großen Kanon
des heiligen Andreas von Kreta

Dieser lange Gesang des heiligen Andreas von Kreta geht die ganze Geschichte der Begegnung des Menschen mit Gott – wie sie uns in der Heiligen Schrift dargestellt ist – durch. Er versucht uns zu helfen, die Tatsache einzusehen, daß wir nur wenige gute Werke darzubringen haben, und daß wir sehr oft das Spiel des Bösen gespielt haben. Nicht durch unser Gutes-Tun gelangen wir ins Himmelreich, sondern durch die Barmherzigkeit Gottes. Und der Vater, in Seiner Liebe, wartet darauf, daß wir es wagen, mit dem ganzen Ausmaß unseres Elends zu Ihm zu kommen, Ihm so zu vertrauen, daß wir den Mut haben, es Seinem barmherzigen Blick hinzuhalten; und, indem wir dies mit unserem eigenen Elend in uns tun, auch das ganze Elend der Welt der erlösenden Wirksamkeit des Liebestodes und der Auferstehung auszusetzen.

Die Reue ist der Zugang zu dieser verklärenden, heilenden und von der Sünde befreienden Kraft. Das Geheimnis der heiligen Tränen, der heiligen Trauer, übersteigt bei weitem das Geheimnis der persönlichen Reue. Das Mitleiden (compassio) der heiligen Mutter Gottes mit Jesus für alle Sünder gehört auch zu diesem Geheimnis. Die Makellose, die keine persönliche Reue kennt, macht sich in ihrer Compassio mit jedem Sünder so eins, daß ihre Trauer als „Reue“ angeschaut werden kann. So ist es auch für jeden, der Buße tut. Er tut nicht nur Buße für sich selbst, sondern für alle seine Brüder, die auch Sünder sind. Wenn manche Strophen dieses Bußkanons nicht ganz zutreffend für uns persönlich sind, so singen wir sie doch für jene, die von ihnen betroffen sein können – nicht in einem herablassenden Erbarmen für diese Sünder, sondern im Wissen, daß es aus reiner Gnade Gottes ist, wenn wir von dieser oder jener Sünde bewahrt wurden.

Der heilige Andreas, der dieses „Buß- und Reuelied“ gedichtet hat, war in der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts Erzbischof von Kreta. Die heilige Maria von Ägypten, der zwei Strophen am Ende jeder Ode gewidmet werden, war im Mittelalter nicht nur im Osten, sondern auch hierzulande das Symbol der wandelnden Kraft der Gnade im Sünder.

Es gibt viele Symbole für die Sünde im Evangelium: Lahmheit, Blindheit, Aussatz … und es gibt auch viele öffentlich bekannte Sünder: etwa die Zöllner und Dirnen und die Ehebrecherin. Alle erlangen Heilung und Vergebung ihrer Sünden und Schwächen. Nur die Stolzen, die herablassend auf die anderen schauen und ihr Herz verschließen, werden nicht gerechtfertigt.

Maria von Ägypten war, schon als sie beinahe noch ein Kind war, Dirne in Alexandrien geworden. Die Prostitution ist das Bild, das im Alten Testament die Untreue des Volkes dem Herrn gegenüber versinnbildlicht: Er ist Gott. Ihm gehören wir. Und doch ist uns so vieles andere wichtiger als Er. Jede Sache, jede Person, die wir Gott vorziehen, ist uns mehr Gott als Gott selbst, ist uns ein Götze. Maria von Ägypten hat siebzehn Jahre lang ein schlimmes Leben geführt. Eines Tages aber fährt sie „zufällig“ und mit noch sehr unreinen Absichten nach Jerusalem, wo das Heilige Kreuz verehrt wird. Sie folgt dem Strom der Pilger. Aber auf der Schwelle der Jerusalemer Grabeskirche hindert sie eine unsichtbare Kraft, mit den anderen eintreten zu können. Zuerst ringt sie und versucht, doch hineinzukommen.

Schließlich läßt sie sich im Atrium niederfallen, gerade unter der Ikone der Heiligen Mutter Gottes. In diesem Augenblick versteht sie, warum die Schwelle sie zurückgestoßen hat. Sie ist vor der anderen Maria in die Knie gesunken und weint die reinigenden und befreienden Tränen der Reue. Ein neues Leben fängt für sie an. Es ist eine Erneuerung ihrer Taufe. Dieses Leben stellt sie sofort unter den Schutz und die Führung der Mutter Gottes. Nachdem sie das rettende Kreuz des Herrn verehrt hat, geht sie über den Jordan. Sie wirft im Jordan die vergangenen Sünden ab – dort, wo der Herr sie bei Seiner Taufe schon im Voraus auf sich genommen hat, um sie in Seinem Leiden zu sühnen. Die Reue ist ein tiefes und dankbares Mitleiden mit Dem, der aus Liebe zu uns für unsere Sünden am Kreuz starb. Darin liegt die enge Verwandtschaft zwischen der Reue und dem „Mitleiden“ Marias unter dem Kreuz. Danach lebte Maria von Ägypten 47 Jahre in der Wüste des Jordan. Es ist nicht leicht für sie, die so sehr das weichliche Leben der Großstadt Alexandriens gewöhnt war, die Rauheit, die Leere, das Hungern und die Einsamkeit der Wüste auf sich zu nehmen.

Abt Zosimas bringt Maria von Ägypten die Heilige Kommunion

Der Abt Zosimas, der ihr dort begegnete und ihr die Heilige Kommunion brachte, und der sie auch dort mit Hilfe eines Löwen begraben hat, erzählt, daß sie noch 17 Jahre von fleischlichen Anfechtungen gepeinigt wurde. Eine der Folgen der Erbsünde ist die Tendenz, die wir haben, mit unserem Leib eher den Genuß, das Vergnügen und die Bequemlichkeit zu suchen als den Leib in den Dienst der Liebe, die sich wirklich hingibt, zu stellen. Eines der Ziele der Buße und Askese ist es, diesen Hang wieder umzukehren.

Maria von Ägypten ist wie Maria von Magdala das Symbol der Kirche als Volk der Sünder, die sich Christus vermählt, indem Er sie erlöst. Sie wird aus dem Abgrund der Verlorenheit (Ägypten) zum rettenden Kreuz geführt. Sie darf aber nicht beim Heiligtum bleiben – sie ist noch im Exil. Sie muß über den Jordan, in die Wüste. Dort werden die Schlacken ihres alten Lebens in einem langen Sich-in-der-Einsamkeit-Gott-Aussetzen ausgeglüht.

Der im Folgenden abgebildete Kanon ist mit seinen 9 Oden Teil der Laudes. Er ist mit der Einleitung und dem Schlußgebet in gekürzter Form in den liturgischen Rahmen der Laudes gestellt. Der Kanon ist hier jedoch – zumindest nach der ukrainischen Tradition – vollständig.

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