Ich sage es euch, aber ihr glaubt es nicht

In jener Zeit beging man in Jerusalem das Fest der Tempelweihe. Es war Winter. Jesus ging im Tempel in der Halle Salomons (in einem der prächtigen, den Tempelplatz umgebenden Säulengänge) auf und ab.

Da umringten Ihn die Juden und sprachen zu Ihm: «Wie lange hältst Du uns noch hin? Wenn Du Christus bist, so sag es uns frei heraus!»

Jesus antwortete ihnen: «Ich sage es euch, aber ihr glaubt es nicht. Die Werke, die Ich im Namen Meines Vaters vollbringe, diese geben Zeugnis von Mir; aber ihr glaubt nicht, denn ihr gehört nicht zu Meinen Schafen. Meine Schafe hören auf Meine Stimme; Ich kenne sie, und sie folgen Mir. Ich gebe ihnen das ewige Leben; sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen, und niemand wird sie Meiner Hand entreißen. Was Mir Mein Vater gegeben hat (er meint damit die göttliche Natur), ist größer als alles andere, und niemand kann es der Hand Meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins.»

Da hoben die Juden Steine auf, um Ihn zu steinigen. Jesus entgegnete ihnen: «Ich habe euch viele gute Werke in der Kraft Meines Vaters schauen lassen; um welches dieser Werke willen wollt ihr Mich steinigen?»

Die Juden erwiderten Ihm: «Nicht wegen eines guten Werkes steinigen wir Dich, sondern wegen der Gotteslästerung, weil Du Dich selbst zu Gott machst, obwohl Du doch ein Mensch bist.»

Jesus antwortete ihnen: «Steht nicht in eurem Gesetze geschrieben [Ps. 81, 6]: Ich habe euch gesagt: Ihr seid Götter? Wenn schon jene ‚Götter‘ heißen, an die das Wort Gottes ergangen ist, und die Schrift nicht aufgehoben werden kann, wie könnt ihr da von Dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, sagen: Du lästerst Gott, weil Ich bekannt habe: Ich bin der Sohn Gottes? Tue Ich die Werke Meines Vaters nicht, so braucht ihr nicht an Mich zu glauben; wenn Ich sie aber tue und ihr Mir nicht glauben wollt, so glaubt wenigstens den Werken, damit ihr erkennet und glaubet, daß der Vater in Mir ist, und daß Ich im Vater bin.»

(Mittwoch in der Passionszeit, Ev. Johannes 10,22-38)

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Wandle vor mir und sei vollkommen

Das letzte allgemeine Mittel
zur Bezwingung der bösen Neigungen
und Verhinderung aller Sünden
ist strenge Wachsamkeit über sich selbst,
Geistessammlung
und Wandel in der Gegenwart Gottes.

Wie könnte der sündigen,
der sich lebhaft bewußt ist,
vor Gottes Angesicht zu stehen?

Von den beiden Wüstlingen, welche Susanna verführen wollten,
heißt es (Dan 13,9): „Ich will lieber ohne die Tat
in eure Hände fallen, als sündigen vor dem Angesichte des Herrn.“

Zu Abraham sprach Gott (1Mos 17,1):
„Wandle vor mir und sei vollkommen.“

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Ein HIRTENBRIEF für unsere Zeit

Brüder und Schwestern im Herrn,

das Wahrsagen ist ein Phänomen aller Zeiten. Auch Paulus und Silas begegneten auf ihrer Missionsreise in Philippi einer Frau, welche einen Wahrsagegeist hatte. Dieser Geist hat wirklich Wahres gesagt. Denn die Frau erkannte die Sendung der zwei Männer und rief hinter ihnen her: Diese Menschen sind Knechte des höchsten Gottes; sie verkünden euch den Weg des Heils (Apg 16,17). Ja, der Weg des Evangeliums, den Paulus und Silas verkünden, ist der Weg des Heils. Das hat diese Frau, das hat der Geist in ihr richtig festgestellt. Paulus und Silas waren Sendboten dieses Weges. Ihn kennenzulernen und zu gehen, ist das Verlangen jedes Menschen, der sich nach dem Heil sehnt.

Kurzformel des Glaubens
Weil der Weg des Evangeliums der Weg des Heils ist, kann uns Paulus in der heutigen Lesung zum ersten Fastensonntag sagen: … wenn du mit deinem Mund bekennst: Herr ist Jesus – und in deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden (Röm 10,9). Das ist eine Kurzformel unseres Glaubens. Dieser Glaube soll sich in unserem Alltag entfalten und bewähren. Vor allem muss uns klar werden, was er für unser Leben und unsere Lebensführung bedeutet. Wer gibt uns dazu Aufschluss? Wer erläutert uns diese Kurzformel?

Grundlage des Weges
Die Grundlage unseres Glaubens und die Voraussetzung für den Weg des Heils ist die Gottesfurcht. Petrus fordert uns in seinem ersten Brief mit folgenden Worten dazu auf: Und wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht (1 Petr 1,17)! Gottesfurcht ist in sich nichts anderes als der Glaube an Gott. Gottesfurcht ist die ergebene, achtungsvolle Liebe zu Gott. Darauf baut unser Leben auf.

Weitergabe des Glaubens
Was bedeutet nun ein Leben in Gottesfurcht? Was bedeutet ein Leben auf dem Weg des Heils? Was antworten wir, wenn jemand uns fragt, wie wir den Weg des Heils gehen? Mit anderen Worten lautet die Frage: Was gehört zu einem christlichen Leben? Die Frage wird dann noch dringender, wenn jemand den katholischen Glauben annehmen will; wenn jemand den Weg der Konversion wählt und sagt: Ich möchte katholisch werden. Wie führen wir Menschen in den Weg des Heils ein? Was sagen wir, um den Glauben weiterzugeben?

Begegnung mit Jesus
Der Weg des Heils beginnt mit der Begegnung mit Jesus. Denn er ist der Weg und die Wahrheit und das Leben (Joh 14,6). Er ist der Sohn Gottes. Die Begegnung mit Jesus ist der Anfang unseres christlichen Glaubens. Wer den Weg des Heils gehen möchte, muss Jesus kennen lernen. Er muss sich in die Evangelien vertiefen. Er muss einen Menschen neben sich haben, der ganz von Jesus ergriffen ist (vgl. Phil 3,12). Er muss einen Menschen neben sich haben, der wie Paulus sagen kann: Ich halte dafür, dass alles Verlust ist, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles überragt. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm erfunden zu werden (Phil 3,8-9).

Eingliederung in die Kirche
Wer Jesus sagt, sagt auch Kirche. Denn Jesus selber hat die Kirche ins Dasein gerufen (vgl. Mt 16,18). Er liebt die Kirche und hat sich für sie hingegeben, um sie zu heiligen (vgl. Eph 5,25-26). Deshalb ist der Weg des Heils auch der Weg der Kirche. Jesus ja, Kirche nein! Das verträgt sich nicht. Das verträgt sich auch dann nicht, wenn das Antlitz der Kirche von vielen ihrer Söhne und Töchter entstellt wird. Dann erst recht müssen wir dafür besorgt sein, dass die Kirche heilig und makellos vor dem Herrn erscheint (vgl. Eph 5,27).

Empfang der Sakramente
Als Jesus die Kirche ins Dasein rief, hat er ihr ein geistliches Leben geschenkt. Dieses Leben entfaltet sich durch die Sakramente. Die sieben Sakramente sind eine Gabe unseres Herrn. Sie bewirken das Leben der Kirche. Sie bewirken dieses Leben, weil sie uns das Leben Jesu schenken, seine Gnade, seinen Geist, den Heiligen Geist. Sie entspringen seinem Opfertod. Sie fließen heraus aus dem Herzen des Gekreuzigten (vgl. Joh 19,34). So oft wir sie empfangen, werden wir entsühnt und geheiligt. Bei einer Konversion, ja bei jeder Glaubensunterweisung ist daher die gute Einführung ins sakramentale Leben der Kirche vorrangig.

Halten der Gebote
Wenn wir den Spuren Jesu folgen und uns seine Worte zu eigen machen, kommen wir an einem heiligen Leben nicht vorbei. Das heißt aber auch: Wir kommen an den Geboten Gottes nicht vorbei. Denn sie sind uns zur Heiligung gegeben. Sie sind der Schutz für die Heiligkeit. Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben … Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein (Mt 5,17.19), sagt uns der Herr. Daher ist unser Leben ein ständiger Kampf gegen die Sünde. Denn Sünde ist Gesetzwidrigkeit (1 Joh 3,4) und richtet sich gegen Gottes Gebote. Wie bedeutend es aber ist, Gottes Gebote zu halten, sagt uns Jesus mit den Worten: Wenn du aber in das Leben eintreten willst, halte die Gebote (Mt 19,17).

Hören auf die Kirche
Der Glaubende ist nie allein. Er findet, wie wir schon festgestellt haben, Heimat in der Kirche. Er findet Heimat in einer Gemeinschaft, welche sich, seit ihrer Gründung durch den Herrn, über Jahrhunderte entfaltet hat und uns durch reiche Erfahrung Hilfe und Sicherheit bietet. Deshalb ist es nicht nur notwendig, der Kirche anzugehören, sondern auch auf sie zu hören (vgl. Mt 18,17). Das bedeutet, auf jene zu hören, welche im Auftrag des Herrn die Verantwortung für die Gemeinschaft der Kirche tragen, vor allem auf den Papst und die Bischöfe. Diesbezüglich ist unser Herr sehr streng, da er seinen Jüngern sagt: Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat (Lk 10,16). Deshalb sind auch die Weisungen der Kirche für den Weg des Heils von Bedeutung. Dabei muss aber auch gesagt sein, dass Papst und Bischöfe der ganzen Überlieferung der Kirche verpflichtet sind und von der überlieferten Lehre nicht abweichen dürfen. Sie können nicht nach Belieben vorgehen.

Praktische Hinweise
Ich schließe diesen kurzen Überblick mit einigen praktischen Hinweisen für den Weg des Heils: Betet täglich, wenigstens am Morgen und am Abend. Besucht oft die heilige Messe, sicher jeden Sonntag. Betet viel den Herrn im Allerheiligsten Sakrament an. Empfehlt euch immer wieder der Mutter Gottes. Nehmt gerne den Rosenkranz in die Hand. Erneuert euer Leben, erneuert die Gnade der Taufe regelmäßig durch die heilige Beichte. In meiner Jugendzeit wurde uns die Monatsbeichte zusammen mit der Monatskommunion empfohlen. Bereitet euch mit Eifer auf die jährliche Osterfeier vor. Meidet, wie es der Apostel sagt, die Unzucht und jede Sünde (vgl. 1 Kor 6,18). Haltet euren Leib heilig, da er ein Tempel des Heiligen Geistes (vgl. 1 Kor 6,19) und ein Glied Christi ist (vgl. 1 Kor 6,15). Tut allen Menschen Gutes, besonders jenen, die uns nahestehen im Glauben (vgl. Gal 6,10).

Schlusswort
Ich begleite Euch gerne mit meinem bischöflichen Segen, werde es nicht unterlassen, immer für Euch zu beten und das heilige Opfer darzubringen, und ich empfehle Euch insbesondere unserer Lieben Frau von Chur.

Gelobt sei Jesus Christus!
Mit herzlichen Grüßen!
+ Vitus, Bischof von Chur

Bischof_Huonder Fasten_Hirtenbrief-2019

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Nachgiebigkeit

Verschiedene böse Leidenschaften und Neigungen suchen aus sich heraus ihre Befriedigung. Oft kommen sie dabei der Vernunft zuvor und sie empören sich geradezu gegen sie. Sie sind uns angeboren und gehören so zu unserer Natur. Aus dem Grund werden wir sie auch niemals vollständig überwinden, denn dies wäre ein geradezu unmögliches Unterfangen.

Diese Neigungen und Regungen sind niedere Teile im Menschen und aus sich keine Sünden. Sie werden dann sündhaft, wenn unser Wille ihnen, gegen das Gebot der Vernunft, nachgibt. Sollte der menschliche Wille durch sein Nachgiebigkeit die bösen Neigungen erstarken lassen, werden sie zu Lastern.

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Begierlichkeit

Es ist so oft unser schwacher Wille, wodurch unsere Leidenschaften und Neigungen in die Sünde verstrickt werden.

Paulus klagt:
„Ich habe Lust an den Gesetzen Gottes dem inneren Menschen nach,
ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, welches
dem Gesetze meines Geistes widerstreitet und
mich gefangen hält unter dem Gesetz der Sünde,
das in meinen Gliedern ist.“ (vgl. Röm 7,22)

Dieses Gesetz der Sünde ist die Begierlichkeit, denn sie ist uns auch noch nach der Taufe erhalten geblieben.

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Nach der Kreuzigung

Responsorium auf die 8. Lesung der 3. Nokturn:

Ich werde denen gleichgeachtet,
die ins Grab herniedersteigen.
Ich wurde wie ein Mensch
der ohne Hilfe blieb,
bin unter Toten frei.

Sie warfen mich in eine tiefe Grube,
in Finsternis und Toodesschatten.

Ich wurde wie ein Mensch
der ohne Hilfe blieb,
bin unter Toten frei.

Lamentation – Quentin Metsis, auch Massys (1466-1530)

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Die Passion Jesu Christi und meine Schuld

Am heutigen Karfreitag zeige ich das Gemälde ECCE HOMO des Antwerpener Malers Quentin Metsis [auch: Metsy / Massys] (1466-1530), aus dem frühen 16. Jahrhundert. Es befindet sich im Dogenpalast in Venedig und zeigt in einem bedrückenden Realismus und in überquellender Farbenpracht die Grausamkeit der Leiden Christi bis zu seinem Kreuzestod. Mich beeindruckt jedes Detail des Bildes, und gerade in besonderer Weise der Henker Christi. Natürlich nicht, weil ich sein möchte wie er. Ich stelle mir aber die Frage, ob ich es nicht bin. Bin ich der Henkes des Heilandes?

Ecce Homo, Quentin Massys / Foto-http://kerdonis.fr/ZMETSYS01/index.html

In den vergangenen Passionstagen haben wir den Großen Kanon des hl. Andreas gebetet.
Die zweiten Ode hilft uns zur Erkenntnis zu gelangen, dass wir AUCH in diesem Henker Jesu zu finden sind, dass wir uns durch unsere Sünden diesem armen Menschen ausgeliefert haben, anstatt der Liebe.
Beten noch einmal die Worte aus der 2. Ode.
Betrachten wir dazu die verschiedenen Bildausschnitte.
Bitten wir Gott um Erkenntnis und um Bekehrung!

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Hört zu, ihr Himmel, ich will reden!
O Erde, lausche meinen Worten, vernimm die Stimme dessen, der vor Gott seine Sünden bekennt und Ihn verherrlicht.
Herr, Du Gott des Erbarmens, schenke mir Deinen Blick der Liebe und entnimm meinen Lippen das Bekenntnis meiner Sünden.
Gegen Dich allein habe ich gesündigt.
Aber Du, mein Retter,* hab Erbarmen mit dem Werk Deiner Hände.

Die Wogen der Leidenschaften umbranden mich, Herr des Erbarmens,
doch reiche Du mir Deine Hand, wie Du sie einst Petrus auf den Wellen gereicht hast.
Vor Dir, o Christus, verströme ich meine Tränen wie die Sünderin.

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_1) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

In Deiner Liebe hab Erbarmen mit mir.
Die Schönheit meiner Seele habe ich durch den Genuß, den ich in den Leidenschaften gefunden habe, zerstört. Nun ist mein Sinn nur dem Irdischen zugewandt. Ja, ich habe die Schlange, die mich verführte, das Gewand zerreißen lassen, das ich von Dir bekommen hatte. Ich habe die verlockende Schönheit des Baumes, von dem Du mir verboten hattest zu kosten, betrachtet, und mein Geist ließ sich verführen, und so habe ich das lichtvolle Gewand meiner Seele verloren.

Alle Fürsten des Bösen haben auf meinem Rücken gepflügt,
und in meinem Herzen die langen Furchen der Sünde gezogen.

Ich habe meine ursprüngliche Schönheit und meine Würde verloren.
Du aber, mein Erlöser, siehst mein Elend und hast Erbarmen mit mir.

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_2) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

Nachdem sie mir schon das Gewand zerrissen hat, das Gott selbst mir gewoben hatte, hat die Sünde auch mein Herz zerrissen. Das Leben, das ich in Begierlichkeiten vergeudet habe, ist mir wie ein vom Scharlach der Schande getränkter Mantel.

Geschaffen nach Deinem Bild und Gleichnis, habe ich das Gewand dieser ersten Schönheit beschmutzt und mit Flecken bedeckt. Ich war den Vergnügungen und der Verderbnis verfallen, und der Feind hat mich unterjocht.

„Blickt auf und seht,* Ich bin es, euer Gott!“, sagt der Herr.
Höre auf Ihn, der zu dir ruft:
„Wende dich ab von der Sünde“.
Sei voll Ehrfurcht vor dem Herrn, Er ist dein Richter.

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_3) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

Mit wem soll ich mich in meinen Sünden vergleichen?
Mit Kain, dem ersten Mörder? Oder mit Lamech? Denn meinen Körper habe ich mit dem Bösen gesteinigt, und meinen Geist durch törichte Begierden umgebracht. Ich habe die Väter, die vor dem Gesetz lebten, nicht nachgeahmt, weder Set, Enosch, noch Henoch, der emporgehoben wurde, und auch Noach nicht. Ich habe mich um das Leben der Gerechten gebracht. Ich habe die Schleusen des Himmels geöffnet und bin außerhalb der Arche geblieben.

„Einen Mann erschlug ich für eine Wunde, einen Knaben für eine Strieme“, rief Lamech.
Auch ich zittere nicht, mein Fleisch zu erschlagen
und meinen Geist zu töten.

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_4) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

Ja, Lamech, dem Mörder bin ich gefolgt, als ich meinen Geist wie einen Mann und meine Seele wie einen Knaben getötet habe. Wie Kain dem Leben seines Bruders auflauerte, so habe ich meinen Körper umgebracht durch die Heftigkeit meiner Begierde. Ich habe eigenmächtig versucht, einen Turm zu bauen und eine befestigte Stadt zu errichten.

Aber der Schöpfer hat mein Vorhaben vereitelt.
Er hat mein Bauwerk umgestürzt.
Ich bin zerschlagen, verwundet.
Die Schläge des Feindes haben mir Seele und Leib schwer getroffen.

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_5) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

Die Verletzungen und Entzündungen meiner Wunden
zeugen von der Heftigkeit meiner Leidenschaften.

Einst ließ der Herr eine Feuersbrunst vom Himmel herabregnen,
und durch sie wurde die Sünde von Sodom verschlungen.

Warum schüre ich für mich
durch meine Sünden
das Feuer der Hölle?

Erkennt, daß Ich der Herr bin,
der die Herzen erforscht und die verborgenen Gedanken aufdeckt,
die Absichten reinigt und die Sünden tilgt;
der Recht schafft den Waisen,
den Kleinen und den Schwachen.“

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_6) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

Mutter Gottes, Du reine Königin,
Hoffnung aller, die zu dir eilen,
sicherer Hafen für die, die aus den Stürmen kommen,
rufe durch dein Gebet
das Erbarmen deines Schöpfers und Sohnes
auf mich herab.

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (4/11)

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