Des Königs Fahnen ziehen voran – Hymnus der Karwoche

Vexilla regis prodeunt
fulget crucis mysterium
quo carne carnis conditor
suspensus est patibulo.
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Des Königs Fahnen ziehen voran,
es glänzt das Geheimnis des Kreuzes,
wo in seinem Fleisch der Schöpfer des Fleisches,
am Galgen [des Kreuzes] aufgehängt wurde.

Quo, vulneratus insuper
mucrone diro lanceae
ut nos lavaret crimine
manavit unda et sanguine.
+
An dem er, verwundet überdies noch
durch die grausame Spitze der Lanze,
um uns von unserem Verbrechen reinzuwaschen,
es von Wasser und Blut strömte.

Arbor docora et fulgida,
ornata regis purpura,
electa digno stipite
tam sancta membra tangere!
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Du herrlicher und ausgezeichneter Baum,
geziert mit dem Purpur des Königs,
auserwählt, mit würdigem Stamme
so heilige Glieder zu berühren.

Beata, cuius brachiis
saecli pependit pretium ;
statera facta est corporis
praedam tulitque tartari.
+
Glückseliger, an dessen Ästen
der Lösepreis der Welt hing;
zur Waage des Leibes ist er geworden,
und er entriss die Beute der Hölle.

Salve, ara, salve victima,
de passionis gloria,
qua vita mortem pertulit
et morte vitam reddidit!
+
Sei gegrüßt, Altar, sei gegrüßt, Opfer,
aus dem Ruhm des Leidens,
in dem das Leben den Tod ertrug
und durch den Tod das Leben wieder gewann.

O crux, ave, spes unica !
hoc passionis tempore
piis adauge gratiam
reisque dele crimina.
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Sei gegrüßt, o Kreuz, du einzigartige Hoffnung!
Zu dieser Zeit des Leidens
mehre den Heiligen die Gnade,
vergib den Sündern ihre Schuld .

Te, fons salutis, Trinitas,
collaudet omnis spiritus ;
quos per crucis mysterium
salvas, fove per saecula.
+
Dich, Quelle des Heiles, Dreieinigkeit,
preise alles Leben;
die du durch das Geheimnis des Kreuzes
rettest, hege sie in Ewigkeit.

https://www.youtube.com/watch?v=RI4LYuUpasc

Palmsonntag

Heiliges Antlitz unseres Herrn Jesus Christus,
Dein rettendes Leiden und Deine heilige Auferstehung besingen wir.
Du allein bist unser Gott.
In Sanftmut und Niedrigkeit kamst Du, uns zu erretten.
Dir sei Lobpreis in alle Ewigkeit.

Sei gegrüßt, Du Schöpfer, über allen Himmeln erhaben,
vor dem die Cherubim erschrecken.
Sei gegrüßt, Du Emmanuel, gekommen in Niedrigkeit
und Sanftmut auf einem Eselsfüllen.
Sei gegrüßt, Du Wort, gelobt vom wortlosen Lallen
der unmündigen Kinder und Säuglinge.
Sei gegrüßt, Du Allerhöchster, Deine Liebe nimmt
das „Hosianna“ und das „Kreuzige ihn“ an.

Sei gegrüßt, Du Allmächtiger ziehst nach Jerusalem,
um Deine Schöpfung heimzuführen.
Sei gegrüßt, Du Menschenliebender kamst
zu den Deinen und sie erkannten Dich nicht.
Sei gegrüßt, Du Erbarmender wähltest ein Reittier
ohne Verstand, als Bild für uns Verblendete.
Sei gegrüßt, Du Menschenfreundlicher hast uns
so ein Zeichen Deiner Völkerherrschaft gezeigt.

Sei gegrüßt, Du bist der sichere Hafen des Lebens,
aber nur der Kindermund sprach dies aus.
Sei gegrüßt, Du bist der gerechte Sieger, der durch
Sanftmut den Hochmut unserer Sünde besiegt.
Sei gegrüßt, Du überlässt Dich der Hand derer,
die Du mit Deiner Hand erschaffen.
Sei gegrüßt, Du allein, Heiliger, gibst Dich für uns
und bleibst dennoch der Herr des Alls.

Sei gegrüßt, Herr Jesus Christus,
und erbarme Dich unser.

Gott kam als ein Mensch, der Herr zog in Jerusalem ein wie ein Knecht. Um uns zu erheben kam er ohne Macht. Der Töpfer zog sich ein Kleid aus seinem Lehm an. Eine Quelle fing an zu sprudeln, um unsere Sünden abzuwaschen und unseren Aussatz zu heilen. Der Weltenrichter kam auf einem Esel, um sich den Händen der Ungerechten zu übergeben. Nach den Hosiannarufen hebt im Schweigen des Dunkels die Stimme des Freundes an, um uns Verlorene zurück in die Freundschaft von Eden zu holen.
Dankbar rufen wir: Alleluja, alleluja, alleluja.

Akathistos (= Hymnus) zu Ehren des Heiligen Antlitzes unseres Herrn Jesus Christus.
Von Palmsonntag bis zur Auferstehung 2016.
(Vgl. Aktionsgemeinschaft Kyrillos und Methodios)

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Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre

Appropinquabat autem dies festus;
et quaerebant principes sacerdotum
quomodo Iesum interficerent,
sed timebant plebem.

Es nahte sich aber ein Fest der Juden;
und die Hohenpriester suchten nach einer Gelegenheit,
wie sie Jesus tötrn könnten;
aber sie fürchteten das Volk.

(Antiphon zum Benedictus
am Freitag der 1. Passionswoche)

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»Fürchtet Gott und gebt ihm Ehre;
denn die Stunde seines Gerichtes ist gekommen.
Betet ihn an,
der den Himmel geschaffen hat und die Erde,
das Meer und die Quellen der Wasser!«

(Offenbarung 17,7)

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Passionssonntag

Der Mann der Schmerzen bestimmt von heute an bis zu seinem Tod am Kreuz die Liturgie.

Der heutige Introitus (Ps. 42, 1-2) beginnt mit den Worten, die der Priester zusammen mit den Ministranten vor jeder Heiligen Messe im Stufengebet unterhalb des Altares betet:

Judica me, Deus,
et discerne causam meam de gente non sancta:
ab homine iniquo et doloso eripe me:
quia tu es Deus meus et fortitudo mea. (Ps. ibid. 3)
Emitte lucem tuam et veritatem tuam:
ipsa me deduxerunt et adduxerunt
in montem sanctum tuum et in tabernacula tua.
– Judica me (usque ad Ps.).

Schaff Recht mir, Gott,
und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk;
von frevelhaften, falschen Menschen rette mich;
denn Du bist ja mein Gott und meine Stärke. (Ps. ebd. 3)
Send mir Dein Licht und Deine Wahrheit,
daß sie zu Deinem hl. Berg mich leiten und mich führen in Dein Zelt.
– Schaff Recht mir (bis zum Ps.).

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IV. Sonntag in der Fastenzeit – Dominica Laetare

Welche Freude, dieser heiligen Kirche anzugehören!

Brüder:
Es steht geschrieben:
Abraham hatte zwei Söhne, einen von der Magd und einen von der Freien. Der von der Magd war auf dem Wege des Fleisches geboren, der von der Freien aber auf Grund einer Verheißung.
Das ist bildlich gesprochen:
es bedeutet die beiden Testamente.

Das eine stammt vom Sinai und gebiert zur Knechtschaft; es wird durch Agar dargestellt. Der Berg Sinai liegt nämlich in Arabien; er steht in Zusammenhang mit dem jetzigen Jerusalem (der Alte Bund wurde in der Heimat der Agar, in dem geknechteten Arabien, gestiftet und nach Jerusalem übertragen; er hat darum die Zeichen der Knechtschaft an sich), das mit seinen Kindern in der Knechtschaft ist.

Jenes Jerusalem aber, das von oben stammt, ist frei, und das ist unsre Mutter. Steht doch geschrieben [Is. 54, 1]
«Freue dich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst; brich in Jubel aus und jauchze, die du nie in Wehen liegest; denn zahlreicher sind die Kinder der Vereinsamten [der Sara] als die Kinder der Vermählten.»

Wir, meine Brüder, sind wie Isaak Kinder der Verheißung.
Aber wie damals der nach dem Fleische Geborene den nach dem Geiste Geborenen verfolgte, so ist es auch jetzt.

Doch was sagt die Schrift?
«Verstoße die Magd mit ihrem Sohne; denn der Sohn der Magd soll nicht Erbe sein neben dem Sohne der Freien» [1 Mos. 21, 10]:
So sind auch wir, meine Brüder, nicht Kinder der Magd, sondern der Freien auf Grund der Freiheit, die uns Christus geschenkt hat.

(Epistel, Gal. 4, 22-31)

Dominica Laetare

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Zum Quatember-Mittwoch in der Fastenzeit.

… Desgleichen überlasse ich dem Dämon, dem ungerechten Versucher, alle Sünden und Verletzungen, die ich gegen Gott begangen habe, und bereue bis ins Innerste der Seele, Seine Göttliche Majestät verletzt zu haben, und würde viel eher tot sein wollen, als ihn in einer kleinsten Sünde verletzt zu haben, so wie ich es unrechterweise getan habe;

und diese Reue strebe ich an, dass sie vorrangig um der Liebe Gottes willen sei und nicht um irgendeines eigenen Interesses willen oder aus Furcht;

und wenn ich jenen vollkommenen Schmerz nicht hätte, der sich für meine Sünden gehört, so bedauere ich es bis ins Innerste des Herzens und würde ihn gerne haben in dem, was mir fehlt, um zurückkehren zu können in die Gnade Gottes, damit er all mein Versagen und jeglichen Mangel an vollkommener Zerknirschung ausgleiche;

und ich bitte Gott, dass er für meine Sünden Vergeltung übe an der Person eben derselben Dämonen, die mich versucht haben;

und wenn der Dämon mir Skrupel eingibt, ich hätte nicht gut gebeichtet oder ich verdiente weder, dass mir meine Sünden vergeben würden, noch Gnade zu erlangen, so hoffe ich in jeder Weise fest auf Gott, dass er mir sicher vergeben wird, selbst wenn ich alle Beichten falsch gemacht hätte – was ich allerdings nicht weiß –, in der Erwartung, dass Gott mich ohne die Sakramente retten kann;

und wenn ich mich einer Sache aus der Beichte erinnerte, würde ich beichten, und wenngleich ich mich an nichts erinnere, bereue ich bis ins Innerste der Seele und hoffe, mich sicher zu retten – nicht durch mein Verdienst, der ich des Todes würdig bin, sondern durch das Verdienst des Blutes Christi.

Desgleichen überlasse ich der Welt alle Nichtigkeiten, alle vergänglichen Dinge, alle weltlichen Freuden, alle leeren Hoffnungen, alles Hab und Gut, alle Freunde, alle Verwandten und alle Kuriositäten; […].

Desgleichen überlasse ich meinem Fleisch für diese kurze Zeit, die ich noch leben werde, alle Schmerzen, Gebrechen, Mühen und was Gott ihm senden mag, [. . .].

Desgleichen überlasse und übergebe ich meine Seele und jede einzelne ihrer Kräfte meinem geliebten Jesus und seiner Heiligsten Mutter und dem heiligen Erzengel Michael und meinem Schutzengel in dieser Weise: […].

Desgleichen überlasse ich meinen Willen in die Hände Marias, der jungfräulichen Mutter des Allmächtigen Gottes; […].

Schlussendlich überlasse ich Jesus Christus, dem Gekreuzigten, mich selbst ganz mit Seele und Leib […].

Aus „Geistliches Testament“ des heiligen Kamillus von Lellis – Camillo de Lellis -;
übersetzt aus dem Altitalienischen von Dr. Raphaela Pallin)

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Nach besten Kräften mitwirken

Gott will, dass auch wir nach besten Kräften mitwirken.

Das erste Mittel besteht darin, dass du dich durch eifriges Betrachten zu der festen Überzeugung von deiner Armseligkeit und deinem Unvermögen durchringst, wie du aus dir selbst überhaupt nichts Gutes auszuführen imstande bist, wodurch du dir den Himmel verdienen könntest.

Das zweite ist, dass du durch häufiges, inbrünstiges und demütiges Gebet ein solches Misstrauen erflehst; denn es ist ja eine Gottesgabe. Um aber dieses Misstrauen zu erlangen, musst du selbst davon überzeugt sein, dass es dir gänzlich fehlt, und dass du dasselbe aus eigener Kraft nicht zu erlangen vermagst. Deshalb nahe dich oftmals der göttlichen Majestät im Vertrauen, Gott werde es dir in seiner Güte gewiß geben, und erwarte mit Zuversicht die Stunde, welche die göttliche Vorsehung dafür bestimmt hat; zweifellos wirst du es erhalten!

(Lorenzo Scupoli (1530-1610) – Der geistliche Kampf)

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