KARSAMSTAG

Versammlungsort für die Katechumenen: Erlöserkirche im Lateran

Am Ostersamstag beobachteten die alten Christen strenges Fasten, das vom Freitagabend bis zum Morgen des Auferstehungstages dauerte. In Rom waren nicht einmal die Kinder davon befreit.

Wegen des Fasttages hielt man heute keinen eucharistischen Gottesdienst, denn die ganze hl. Kirche war in freudiger Erwartung der hl. Nacht, die ihr die Auferstehung Christi bringen sollte.

Im Mittelalter schmolz der Archidiakon am Karsamstagmorgen im Lateran Wachs, fügte Chrisam in die flüssige Masse, segnete sie und goss sie in kleine ovale Formen, in die das Bild des Lammes Gottes eingedrückt war. Solche „Agnus Dei“ wurden an die Gläubigen am Samstag „in Albis“ als Eulogien zum Andenken an die Osterfeier verteilt. Außerhalb der Ewigen Stadt, wo das Lucernarium und die Weihe der Osterkerze Übung war, nahm man zur Herstellung der Agnus Dei das Wachs der großen Kerze, die zur Erleuchtung des Ambo In der Osternacht gedient hatte. In Rom übernahm man ihn Ritus des Osterlucernariums erst später, und beauftragte dann den Archidiakon die Agnus Dei zu weihen, um sich dem seit dem 5. Jahrhundert allgemein verbreiteten Brauche anzupassen. Doch wurden die römischen Eulogien nicht aus dem Wachs der Osterkerze geformt. Im späten Mittelalter beschreiben folgende Verse die Bedeutung und Wirkung der Agnus Dei.

„Hellreines Wachs und Balsam, gemischt mit flüssigem Chrisam,
Formte des Lammes Gestalten; du sollst es als Gabe erhalten.
Wie aus dem Taufquell geboren, durch Gebet als heilig erkoren
Wehrt es des Blitzes Gefahren, läßt niemals Unglück erfahren.
Wie Christi Blut dich vom Bösen, wird es von der Sünde erlösen,
Wird schwangere Frauen beschützen, und bei der Geburt ihnen nützen.
Segen bringt es den Guten und löschet vernichtende Gluten,
Es läßt nicht den sinkenden Frommen in Wellen und Wogen verkommen.
Ist Hilfe vor plötzlichem Sterben gen Satans List und Verderben.
Die es im Kampf bei sich tragen, werden die Feinde stets schlagen.
Das kleinste Teilchen kann wirken, was alle Teile bewirken.
Lamm Gottes, Erbarmen mir schuldigem Armen.
Du tilgest die Sünden, laß Gnade mich finden.“

In den letzten Jahrhunderten ward die Weihe der Agnus Dei dem Papste vorbehalten, der sie gewöhnlich zu Beginn und in jedem fünften Jahre seines Pontifikats vornimmt.

Nach den Ordines Romani versammelten sich die Katechumenen am Karsamstag um die dritte Stunde ein vorletzten Mal in der Erlöserkirche; die Männer standen zur Rechten, die Frauen zur Linken. Ein Priester bezeichnete zuerst ihre Stirn mit dem Zeichen der Erlösung, legte dann jedem die Hände auf das Haupt und sprach den Exorzismus „Nec te lateat, Satana“, der heute noch zum Ritus der Erwachsenentaufe gehört. Nachdem er Satan befohlen zu weichen und dem Heiligen Geiste den Platz zu räumen, berührte er nach dem Beispiel des Heilandes mit Speichel Nase und Ohren der Täuflinge, wobei er zu einem jeden die Worte sprach:
„Öffne dich der Gnade des Heiligen Geistes.
Du aber, böser Feind, entfliehe, denn schon naht das Gericht Gottes.“

Bei der Verderbtheit der heidnischen Umgebung bedeutete die Taufe der Erwachsenen in alter Zeit eine entschiedene Hinkehr zu Gott, und setzte in der Seele einen harten Kampf mit dem bösen Feinde voraus. Die Seele will sich frei machen aus der schmählichen Knechtschaft Satans, der seinerseits durch die Lockungen des Lasters und die Heftigkeit der Leidenschaften alles versucht, um die Beute in seiner Macht zu behalten. Für den Katechumenen war das Hinabsteigen in das Taufbad der entscheidende Augenblick des Kampfes. Deshalb salbte die hl. Mutter, die Kirche, ihre Streiter mit geweihtem öle, um sie zum Kampfe zu stärken, ähnlich wie es die Ringkämpfer im Stadion machten, die ihren Leib mit Öl salbten.

In diesem feierlichen Augenblicke fragte der Bischof den Täufling: „Widersagst du dem Teufel?“ Der Taufkandidat zeigte nun mit dem Finger nach Westen, der Gegend des Schattens, des Sonnenunterganges und nächtlichen Dunkels, und sprach:
„Ich widersage dir, Satan, deiner Hoffart und deinen Werken.“
Dann wandte er sich nach Osten und sprach die Formel, mit der er sich Gott weihte:
„Dir weihe ich mich, unerschaffenes Licht.“

Nach einer neuerlichen Handauflegung des Priesters und einem weiteren Exorzismus folgte die Zeremonie der Redditio Symboli, die feierliche Ablegung des Glaubensbekenntnisses durch die Katechumenen; bei der Stationsfeier „in apertione aurium“ am Mittwoch vor dem Passionssonntag hatte es sie der Bischof gelehrt.

In den Ordines Romani des 8. Jahrhunderts war die christliche Einweihung viel einfacher; da betet nur der Priester das Credo, und zwar bei der Handauflegung — hier tritt die ursprüngliche Bestimmung des Symbolums klar hervor, als eine Zusammenfassung der katholischen Glaubenswahrheiten, die vor der hl. Taufe bekannt wurden. —

Freilich erzählt uns St. Augustin in der Beschreibung von Viktorins Bekehrung, dass in Rom die Katechumenen selbst der Reihe nach vom Ambo aus in Gegenwart des Volkes das Symbolum hersagen und so ihren Glauben öffentlich bekennen mussten. Ais die Reihe an den Rhetor Viktorin kam, fügt der Heilige bei, wollten ihn die Priester wegen seines hohen Ansehens das Glaubensbekenntnis in der Stille abnehmen. Doch der fromme Konvertit lehnte dies ab mit dem Bemerken, dass er früher ohne Scheu vor der Menge gesprochen habe, und dass er nun auch jetzt seinen Glauben öffentlich bekennen wolle. Mit diesen Worten bestieg er den Ambo. Als das Volk ihn sah, erscholl der begeisterte Zuruf durch die ganze Kirche: Viktorinus, Viklorinus. Und der Redner sprach freimütig vom Ambo herab vor der tiefbewegten Menge sein Credo, das Credo, das auf seinen Lippen eine besondere Bedeutung hatte, denn es war ein neuer Sieg der „Torheit des Kreuzes“ über die Aufgeblasenheit menschlicher Weisheit.

Nach einem letzten Gebet werden die Katechumenen entlassen mit der Formel:
„Die Katechumenen sollen sich fernen. Geliebte Söhne, kehrt nach Hause zurück und erwartet die Gnadenstunde der hl. Taufe.“
Wie Jesus den ganzen Sabbat im Grabe ruhte, so verharrten auch die Gläubigen den ganzen Tag in Gebet und Fasten, und erst als der Abendstern sichtbar wurde, scharten sie sich beim apostolischen Baptisterium an der via Salaria oder bei St. Peter, wo anfänglich die Taufe gespendet wurde.

In den alten Ordines Romani ist nie vom Officium divinum am Karsamstag die Rede. Es unterblieb wohl aus zarter Rücksichtnahme auf das Fasten und die Beschwerden der kommenden Ostervigil; auch schien das Privatgebet, solange Christus im Grabe lag, besser zur allgemeinen freudigen Erwartung zu passen. Das Psalterium leitet uns ja in glücklicher Weise an, in dies Geheimnis einzudringen, denn nicht wenige Psalmen schildern, wie Jesus in der Grabesnacht den Vater um den Triumph der Auferstehung bittet.

Am Karfreitag hatte der strenge Meister, der um 30 Silberlinge die Sühne Vollbracht — durch Jeremias hatte er Israel zum Urteil über sein Werk und dessen Preis aufgefordert, — jener unbeugsame Herr sich auf sein Ruhebett ausgestreckt; die Jünger hatten den Leichnam zu Grabe getragen und nach dem jüdischen Totenritual dabei den schönen Psalm: Qui habitat in adiutorio Altissimi (90) samt dem prophetischen Versikel gesungen: „In pace in idipsum, dormiam et requiescam“.

Das Opfer war vollbracht, die Schmach hatte ein Ende; Jesu Seele verkündete in der Vorhölle den Abgestorbenen die Erlösung, sein Leib aber musste gleich einem Samenkorn in die Erde gelegt werden und die Verdemütigung des Grabes ertragen, um keinen Zweifel an seinem wirklichen Tode zu lassen, der die Voraussetzung seiner künftigen Auferstehung war. Ja, um jedem Zweifel vorzubeugen, werden alle Freunde Jesu vom Grabe entfernt, und die Juden nehmen nach Gottes Plane die gesetzliche Verantwortung für die Vorgänge bei der Grabeshöhle auf sich. Der Hohe Rat legt seine Siegel an das Grab und lässt eine Wache aufstellen, damit niemand das Grab berühre. Doch, was geschieht? In der Frühe des dritten Tages steht der Heiland siegreich von den Toten auf: das verkünden die Apostel und die Kirche seit mehr als 1900 Jahren allen Völkern, die durch den Glauben die Früchte der Erlösung erlangen. Und Israel? Während die ganze Menschheit mit einem Ostern ohne Ende ihren Sieg über Tod und Hölle feiert, steht die Synagoge noch immer bewaffnet am Grabe des vermeintlichen Toten, bereit, das Schwert zu ziehen, wenn Christus wagen sollte die Siegel des Hohen Rates zu brechen und das Grab zu verlassen.

Jesu Verweilen im Grabe entspricht unserm gegenwärtigen Leben, das eine Erwartung unserer künftigen und vollkommenen Erlösung ist. Wir beginnen in dieser Nacht für die Gnade aufzuerstehen und singen deshalb bei der heutigen Osterfeier:
„Pascha nostrum immolatus est“ nicht „Pascha Christi“, „unser Osterlamm ist geopfert worden“.

Noch ist das Osterfest aber nicht zu Ende; gar Vieles liegt noch im Grabe der verdorbenen Natur, ist noch vom Dunkel der Unwissenheit umhüllt. Doch hält uns der Glaube und bürgt uns die Hoffnung, dass eines Tages auch diese Armseligkeiten unserer sterblichen Natur ein Ende haben. Unterdessen feiern wir in dieser Erwartung unsern mystischen Sabbat. Die teilweise Auferstehung der Seele wird uns gleichsam im voraus gewährt — so wie auch nach heutigem Brauch die Kirche die Auferstehungsfeier Jesu um einen Tag vorausnimmt und am letzten Tage der Fastenzeit begeht; — sie ist aber nur ein Vorspiel, denn noch leben wir in der Fasten- und Passionszeit. Einst kommt das wahre Osterfest, und zwar dann, wenn Christus nicht mehr das tägliche eucharistische Opfer, das Gedächtnis seines Todes darbringt, sondern auf dem Altare des Himmels eine neue Liturgie feiert, das große und ewige Pascha der Auferstehung.

(Ildefons Schuster. Liber Sacramentorum III.)

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KARFREITAG

Zusammenkunft: Laterankirche Stationskirche: Heiligkreuz „in Jerusalem“

Jesus hatte einst gesagt:
„es geht nicht an, dass ein Prophet außerhalb Jerusalems umkomme.“
Darum ist heute die Station in der Basilika „Sancta Hierusalem“. In früheren Zeiten zog der Papst mit den Gläubigen barfuß in Prozession vom Lateran dorthin; auf dem Wege hielt er ein Rauchfaß, dessen wohlriechende Düfte eine Kreuzpartikel einhüllten, die ein Diakon trug. Die Schola sang dabei den 118. Psalm: „Beati immaculati in via“.

Zum Zeichen tiefster Trauer war der Karfreitag ursprünglich a-liturgisch, wie übrigens in Rom alle Freitage und Samstage des Jahres. Im 6. Jahrhundert ließ die Strenge der alten Disziplin etwas nach und wurden für die Freitage der Fastenzeit Stationsfeiern festgesetzt, doch hielten sich die Päpste noch jahrhundertelang an den alten römischen Brauch und feierten keine Missa Praesanctificatorum. Der heutige Karfreitagsritus geht also nicht über das Mittelalter zurück, und ist dem Ritus in den römischen Titelkirchen nachgebildet, an denen der Papst nicht teilnahm.

Die Verehrung des hl. Kreuzes am Karfreitag war, wie schon bemerkt, in der Liturgie von Jerusalem bereits am Ende des 4. Jahrhunderts üblich. Sie bildete auch im Abendlande auf lange Zeit das charakteristische Merkmal des Karfreitags und war der Mittelpunkt der ganzen heutigen Liturgie. „Ecce lignum crucis“: mit diesen Worten beginnt die Parusie des göttlichen Richters, und beim Anblick des Siegeszeichens der Erlösung wirft sich die hl. Kirche voll Verehrung auf die Knie nieder; die Mächte der Hölle aber fliehen in den Abgrund.

Im Mittelalter wurde das päpstliche Reliquiar mit dem hl. Kreuze mit Wohlgerüchen besprengt, um die Lieblichkeit der Gnade anzudeuten, die vom Kreuzesholze ausgeht, wie auch die innere Salbung und geistige Süßigkeit, die der Herr in die Herzen derer eingießt, die ihr Kreuz aus Liebe zu ihm tragen.

Die Ordines Romani des 8. Jahrhunderts verlegen die heutige Zeremonie teils in die Sessorianische Basilika, teils in den Lateran: Gegen 2 Uhr nachmittag zieht der Papst mit dem Klerus seines Palastes barfuß in Prozession vom Patriarchium zur Stationskirche; dort wird zuerst das hl. Kreuz verehrt, dann folgt die Lesung der Passio nach Johannes, endlich die großen Fürbitten für alle kirchlichen Stände und für alle Anliegen des Gottesreiches.

Auf dem Rückweg zum Lateran singt man den Psalm „Beati immaculati“. Zum Zeichen der Trauer enthielten sich der Papst Und die Diakone der hl. Kommunion, das Volk konnte sie entweder im Lateran empfangen, wo einer der suburbikaren Bischöfe zelebrierte, oder in einer Titelkirche.
Gegen das 9. Jahrhundert war eine kleine Änderung im Ritus eingetreten: die Verehrung des hl. Kreuzes hatte ihren Platz zwischen der Litanei und dem Gesang des Paternoster erhalten, und es folgte dann noch die Kommunion der Anwesenden. Eine Prozession mit den hl. Gestalten gab es aber noch nicht, und die Funktion schloss mit dem Segen des Papstes „in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti“ und mit der Antwort des Volkes „et cum spiritu tuo“. Hierauf betete ein jeder für sich und ging zu Tisch.

Im 12. Jahrhundert nahm einer der suburbikaren Bischöfe, den die Reihe traf, in der Lateranbasilika die hl. Funktionen vor; der Papst jedoch nahm nicht daran teil, sondern begab sich wie früher in die Sessorianische Basilika. Aus dem Patriarchium brachte man die Kreuzpartikel und die eucharistischen Gaben für die missa Praesanctificatorum in Prozession dorthin; wahrscheinlich kommunizierte damals das Volk nicht mehr wie in den ersten Jahrhunderten des Mittelalters.

Zur Zeit Honorius‘ III. sang der Papst beim Morgengrauen mit seinen Kaplänen den ganzen Psalter. Gegen Mittag ging er in Begleitung der Kardinäle zur Laurentiuskapelle, öffnete dort das Eisengitter unter dem Altare Leos III. und nahm aus einem Schreine zwei Reliquiare, die hl. Kreuzpartikel und die Häupter der Apostelfürsten Petrus und Paulus, heraus; nach einer späten Tradition, die nicht über das Jahr 1000 hinausreicht, sollten die hl. Häupter dort ruhen. Nachdem die hl. Reliquien den Kardinälen zum Kusse gereicht worden waren, ordnete sich der Zug zur Prozession in die Sessorianische Basilika. Vor Beginn der hl. Zeremonien zog sich der Papst in das anstoßende Kloster zurück, wusch sich dort die Füße und legte seine gewöhnlichen Sandalen an. Nach beendeter Feier kehrte die Prozession in den Lateran zurück, schloss jedoch nicht, wie gewöhnlich, mit einem Mahl im Triklinium, da an diesem Tage der Trauer und Buße die Bewohner des Palastes nur Brot und Gemüse, nicht einmal Wein, erhielten.

So war es bis zum 15. Jahrhundert. Von da ab betete der Papst morgens in seinem Schlafgemach zuerst das Psalterium mit seinen Kaplänen und spendete dann von der Loggia herab dem Volke einen Ablass. Zu festgesetzter Zeit rezitierte er im Chor der Kirche das Offizium. Nach der Mittagsstunde, aber noch vor Beginn der Stationsprozossion, trat er nochmals auf die Loggia, bekleidet mit einem roten Pluviale und der Mitra auf dem Haupte, und erteilte der versammelten Volksmenge auf dem Platze von neuem einen Ablass. Nun legte er die Sandalen ab und schritt mit den Kardinälen barfuß zur Heiligkreuzkirche. Dort fand die Feier der missa Praesanctificatorum nach dem schon beschriebenen Ritus statt. Nur eine Änderung war während des avignonesischen Exils eingetreten: der Papst trug jetzt, nachdem er das hl. Kreuz verehrt hatte, die hl. Gestalten selbst auf den Altar, und nicht mehr wie früher ein Kardinal. Diese Vorschrift ist auch heute noch im Missale erhalten geblieben.

Obwohl im Mittelalter noch manche Zeremonien und Prozessionen hinzugekommen sind, lässt sich unschwer erkennen, dass die Karfreitagsliturgie, wie sie die Ordines Romani des 16. Jahrhunderts überliefern und wie wir sie heute noch feiern, aus drei verschiedenen Teilen besteht, die gleich Schichten nebeneinander gelagert sind: die Vormesse, die Verehrung des hl. Kreuzes und die Missa Praesanctificatorum.

Die Katechumenenmesse trägt deutlich die Züge der alten liturgischen Versammlungen. Ohne Introitus und Kyrie, besteht sie aus drei Schriftlesungen, zwei aus dem Alten Testament und einer aus dem Evangelium; auf die beiden ersten folgt je ein Responsorium und ein Gebet des Vorstehers, an die dritte Lesung, die Passion nach Johannes, schließt sich das große Fürbittgebet für die verschiedenen Anliegen der Kirche (Oremus, dilectissimi), das ursprünglich die Sonntagsvigilien beendete und zur eucharistischen Liturgie hinüberleitete. Auch heute noch grüßt bei der Meßfeier der Priester nach dem Evangelium das Volk mit dem Segenswunsche Dominus vobiscum und lädt es zum gemeinsamen Gebet mit Oremus ein. Seitdem jedoch das Litaneigebet weggefallen ist, wenigstens für gewöhnlich, verrichten Priester und Volk kein gemeinsames Gebet mehr; einzig der Sängerchor singt das Offertorium. Nur der Karfreitag bewahrt uns den ursprünglichen römischen Ritus. Man darf also sagen, dass das uralte Litaneigebet nach dem Evangelium, das bereits Justinus im 2. Jahrhundert bezeugt, nicht vollständig aus der Liturgie des Apostolischen Stuhles Verschwunden ist, da es wenigstens am Karfreitag geblieben ist.

An die Litanei schloss sich für gewöhnlich der Kanon und die hl. Kommunion. Weil aber am Karfreitag keine Konsekration stattfand, ging im 9. Jahrhundert der Papst, ohne den Kanon zu beten, sogleich zum Paternoster über, dem Vorbereitungsgebete auf die hl. Kommunion. Einige Jahrhunderte später wurde die Verehrung des hl. Kreuzes, die anfangs vor den hl. Funktionen stand, ohne rechten Grund zwischen Litanei und Kommunion eingeschoben. Dies zerstörte den ursprünglichen Rhythmus der Zeremonie und brachte einige Verwirrung herein. Mehrere Päpste kehrten nach der Verehrung des hl. Kreuzes an den Altar zurück und begannen die Opferfeier mit dem 42. Psalm und dem Confiteor wie bei der gewöhnlichen Messe.

Später fügten die Päpste in Avignon aus privater Andacht die Prozession mit den „hl. Gaben“ hinzu; allmählich folgte dann die Inzensation der praesanctificata und des Altares, die Händewaschung, die Stillgebete und die Elevatio, letztere erst im 15. Jahrhundert, und zwar zuerst bei den Worten „sicut in coelo …“ (Paternoster), später nach dem Gebete des Herrn, unmittelbar vor der Fractio panis. So war es in alter Zeit bei der Opferfeier stets gehalten worden.

Lesegottesdienst. Die Karfreitagsliturgie beginnt ohne Introitus wie ehedem, d. h. bevor Papst Cölestin die antiphonarischen Gesänge in der Messe einführte. Nach einem stillen Gebete, das die Diener des Heiligtums vor dem Altare hingestreckt verrichten, besteigt ein Lektor den Ambo und liest einen Abschnitt aus Oseas (6, 1-6) vor: Der Herr sieht, wie der Apostel sagt, lieber als alle Riten und gesetzlichen Reinigungen des Alten Bundes, dass der Mensch ihm diene durch gläubiges Erfassen der ewigen Wahrheiten und durch Beobachtung seiner hl. Gebote. Gott hebt den Alten Bund auf und stiftet einen Neuen Bund der Liebe. Doch Israel braucht nichts zu fürchten: die hl. Gerechtigkeit Gottes züchtigt es zwei Tage lang zur Strafe seiner Sünden, am dritten Tage aber steht es zu neuem Leben auf und dient dem Herrn in der Kirche der Erlösten.

TRAKTUS (Hab 3).
Gott zeigt sich nie heiliger, furchtbarer und herrlicher, als auf Kalvaria. Hier nimmt die hl. Dreier bricht sich auch die Macht Satans. „Herr, ich Vernehme deine Botschaft und schaudere, betrachte deine Werke und bebe.
V. Inmitten zweier Lebenden offenbarst du dich: wenn die Jahre kommen, zeigst du dich; ist die Zeit da, so enthüllst du dich. V. Aber dann, wenn meine Seele voll Schrecken ist vor deinem Zorne, gedenke deiner Barmherzigkeit. V. Gott kommt vom Libanon, der Heilige vom Berge düsteren Schattens.
V. Seine Herrlichkeit bedeckt die Himmel, von seinem Ruhme widerhallt die Erde.“

KOLLEKTE.
Diakon: „Beugen wir die Knie.“
Subdiakon: „Erhebt euch.“
Bischof:
„Gott, von dir empfing Judas die Strafe für seine Schuld und der Schacher den Lohn für sein Bekenntnis: lass uns die Wirkung deiner verzeihenden Huld erfahren; und wie unser Herr Jesus Christus in seinem Leiden beide nach ihrem Verdienst verschieden belohnte, so tilge er in uns den Irrwahn des alten Menschen und schenke Uns die Gnade, an seiner Auferstehung teilzuhaben.“

2. LESUNG (2 Mos 12, 1-11).
Das Osterlamm wurde an zwei Hölzern in Kreuzesform aufgespießt und gebraten: so ward es zum Symbol des gekreuzigten Heilandes. Die Juden mussten es eilends essen, die Lenden gegürtet, den Reisestab in der Hand, wie zürn Aufbruch gerüstet. Dadurch sollte angedeutet werden, dass der Weg zur Ewigkeit weit, das Leben aber kurz ist, und dass wir uns deshalb auf der Reise zum Himmel keinen Aufenthalt gönnen dürfen. Zum Osterlamm wurden bittere Kräuter und ungesäuertes Brot gegessen, ein Bild der Eucharistie, in der wir des Todes Jesu gedenken, und eine Mahnung zur Buße und Abtötung, worin die beste Vorbereitung auf eine gute Kommunion besteht.

Der 2. TRAKTUS (Ps 139, 2-10.14) drückt Jesu Gefühle am Kreuz aus.
Wir alle sind schuldig am Tode des Herrn durch unsere Sünden und wir alle haben gerufen: „er ist des Todes schuldig.“ Schutzlos sieht er sich dem Hass und der Wut der ganzen Welt preisgegeben; daher fleht er den Vater um Hilfe an. Er ergibt sich in den Willen Gottes, ist aber voll unerschütterlicher Zuversicht; darum singt er schon bei seinem Hinscheiden den Auferstehungsgesang: „Entreiße mich, Herr, dem bösen Menschen, von dem gottlosen Manne befreie mich.
V. Hass sind ihres Herzens Gedanken, den ganzen Tag schüren sie Streit.
V. Spitzen ihre Zunge wie die Schlangen, haben Natterngift hinter den Lippen.
V. Bewahre mich, Herr, vor der Hand des Sünders, von so gottlosen Menschen befreie mich.
V. Sie trachten meine Schritte zu unterfangen; die Stolzen, sie legen mir heimlich den Fallstrick.
V. Spannen Schnüre, ein Netz meinen Füßen; legen mir Steine auf den Weg.
V. Ich spreche zum Herrn: Mein Gott bist du; Herr, höre mein Rufen, mein Flehen.
V. Herr, du Herr, mein starker Heiland, beschatte mein Haupt am Tage der Schlacht.
V. Gib mich nicht preis wider meinen Willen dem Sünder; sie planen Roses wider mich; verlass mich nicht, sie werden zu übermütig.
V. Das Haupt derer im Kreis ringsum — der Fluch der eigenen Lippen bedecke es.
V. Die Gerechten aber werden preisen deinen Namen, die Redlichen ausruhen vor deinem Angesicht.“

Mit welch hl. Ehrfurcht sollen wir das Gebet des sterbenden Heilandes in unserm Herzen sprechen, damit dieser Psalm nicht bloß eine geschichtliche Erinnerung an den Gekreuzigten sei, sondern eine Erhebung der christlichen Seele zu Gott, die in sich das Geheimnis der Erlösung nacherlebt.

3. LESUNG. Die Passion des Herrn nach Johannes (Kap. 18, 1-40; 19, 1-42).
Eingehender als die übrigen Evangelisten berichtet Johannes über die Lehre Jesu, wie sie vor dem römischen Landpfleger dargelegt wird. Nach der Weissagung des Psalmisten: „vincas cum iudicaris“ leuchtet die Gottheit Jesu in allen Antworten, die er Pilatus gibt. Hier steht nicht ein Angeklagter vor seinem Richter, sondern der Herr, der sogar im Praetorium des römischen Landpflegers predigt und unterweist. Er ist die Wahrheit und ist in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen; daher ergreift er jede Gelegenheit, um sich den Menschen zu offenbaren und sie durch seine Gnade an sich zu ziehen.

Fürbitten.

In der Karfreitagsliturgie ist uns, wie schon bemerkt, das alte Fürbittgebet, von dem schon der Märtyrer Justinus spricht, unversehrt erhalten geblieben. Dieses Gebet, in Form einer Litanei, bei dem die anwesenden Gläubigen mit einem immer wiederkehrenden Zuruf, z. B. Domine miserere oder Kyrie eleison, antworteten, steht in den orientalischen Liturgien noch an seinem alten Platze; im römischen Sakramentar findet es sich wahrscheinlich schon seit Gregor d. Gr. nicht mehr.

Die ersten Spuren des Litaneigebetes dürfen wir wohl im Gottesdienst der Synagogen erblicken; dort betete man nämlich nach den Schriftlesungen für die Glieder der jüdischen Gemeinde und für ihre verschiedenen Anliegen. Der Text jedoch, wie er uns im Missale vorliegt, weist wegen seiner eigenartigen Ausdrucksweise auf die Zeit Leos d. Gr. hin. Beispielsweise ist noch von Ostiariern die Rede, deren Amt bald an die mansionarii (Sakristane) überging, ebenso heißen die Mönche Confessores wie im Sacramentarium Leonianum, und die gott-gottgeweihten Jungfrauen Virgines und nicht Sanctimoniales; es wird gebetet für den römischen Kaiser, dass er die Barbaren unterwerfe und das Imperium Romanum besitze. Genau so würde St. Leo sprechen, denn ihm war das Römische Reich der gesetzliche Hüter aller Gewalt. Noch besteht das Katechumenat, die Welt ist voll von Häresien, heimgesucht von Krankheiten und Hungersnot; in den Gefängnissen schmachten viele Unschuldige, die Sklaverei ist noch der Schandfleck der alten römischen Zivilisation. All dies weist auf das 5. Jahrhundert, das goldene Zeitalter der römischen Liturgie; ihm verdankt das Gebet seine endgültige Fassung, während seine Anfänge zweifellos apostolischen Ursprunges sind. In alter Zeit betete man die Fürbitten auch außerhalb des eucharistischen Gottesdienstes; und auch heutzutage dürften sich die Gläubigen in ihren Privatgebeten der verschiedenen geistlichen und zeitlichen Nöte der großen katholischen Familie erinnern. Sprechen wir dies alte, ehrwürdige Gebet, dann stehen wir in innigster Gemeinschaft mit jenen Märtyrern und Glaubenshelden, die es vor uns beteten und sich dadurch die Gnade erflehten mit ihrem Blute Zeugnis für den Glauben abzulegen.

„Lasset uns beten, Geliebteste, für die hl. Kirche Gottes, dass unser Gott und Herr ihr auf dem ganzen Erdkreis den Frieden schenke, sie einige und behüte, Mächte und Gewalten ihr unterwerfe, und uns ein stilles, ruhiges Leben gewähre, um Gott, den allmächtiger Vater, zu verherrlichen.“
Lasset uns beten.
Diakon: „Beugen wir die Knie.“
Subdiakon: „Erhebt euch.“
Allmächtiger, ewiger Gott, du hast in Christus allen Völkern deine Herrlichkeit geoffenbart: schirme die Werke deines Erbarmens, daß deine Kirche über den ganzen Erdkreis ausgebreitet, mit standhaftem Glauben im Bekenntnis deines Namens verharre. Durch ihn, unsern Herrn.“
R. Amen.

„Lasset uns auch beten für unsern heiligsten Vater, Papst …, dass unser Gott und Herr, der ihn zum Oberhirtenamt erkoren, ihn heil und unversehrt seiner hl. Kirche bewahre, damit er Gottes hl. Volk regiere.“
„Lasset uns beten“ (wie vorher).
„Allmächtiger, ewiger Gott, auf deinen Ratschluss gründet sich alles: schau gnädig auf unsere Bitten und bewahre in deiner Huld den für uns erwählten Oberhirten, damit das christliche Volk, das nach deiner Anordnung regiert wird, unter einem so erhabenen Oberhirten in den Verdiensten seines Glaubens zunehme.“

„Lasset uns auch beten für alle Bischöfe, Priester, Diakone, Subdiakone, Akolythen, Exorzisten, Lektoren, Ostiarier, Bekenner, Jungfrauen und Witwen, und für das gesamte hl. Volk Gottes.“
„Lasset uns beten.“
„Beugen wir“ (wie vorher).
„Allmächtiger, ewiger Gott, dein Geist heiligt und regiert den gesamten Leib der Kirche: erhöre unser Flehen für alle geistlichen Stände, daß mit dem Beistand deiner Gnade dir von allen Rangstufen treu gedient werde.“

Das folgende Gebet wurde früher für den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, den Schirmvogt der Kirche, verrichtet:
„Lasset uns auch beten für den aller christlichsten Kaiser …, dass unser Gott und Herr alle Barbarenvölker ihm Untertan mache zu unserm beständigen Frieden.“
„Lasset Uns beten.“
„Beugen wir“ (wie vorher).
„Allmächtiger, ewiger Gott, in deiner Hand sind die Gewalten und die Rechte aller Staaten: schau gnädig herab auf das Römische Reich, dass die Völker, die auf die Stärke ihrer Faust vertrauen, durch deine mächtige Hand gebändigt werden. Durch unsern Herrn …“

„Lasset uns auch beten für unsere Katechumenen, dass unser Gott und Herr ihnen das Ohr des Herzens und die Pforte seines Erbarmens öffne, damit sie durch das Rad der Wiedergeburt den Nachlass aller Sünden empfangen Und mit uns einverleibt werden in Christus Jesus, unsern Herrn.“
„Lasset uns beten.“
„Beugen wir“ (wie vorher).
„Allmächtiger, ewiger Gott, du schenkst deiner Kirche stets neue Kinder: mehre den Glauben und die Erkenntnis unserer Katechumenen, damit sie, im Quell der Taufe wiedergeboren, deinen Kindern beigezählt werden. Durch unsern Herrn.“

„Lasset uns beten, Geliebteste, zu Gott, dem allmächtigen Vater, dass er die Welt von allen Irrtümern reinige, Krankheiten hinwegnehme, Hungersnot abwehre, die Kerker erschließe, die Fesseln löse, den Pilgern Heimkehr, den Siechen Genesung, den Schiffbrüchigen den rettenden Hafen schenke.“
„Lasset uns beten.“
„Beugen wir“ (wie vorher).
„Allmächtiger, ewiger Gott, du Trost der Betrübten, du Stärke der Leidenden: lasse zu dir gelangen das Flehen aller, die aus irgend einer Bedrängnis zu dir rufen, damit alle in ihren Nöten des Beistandes deiner Barmherzigkeit sich erfreuen mögen.“

„Lasset uns auch beten für die Irrgläubigen und die Abtrünnigen, dass unser Gott und Herr sie allen Irrtümern entreiße und zur heiligen Mutter, der katholischen und apostolischen Kirche, zurückrufen wolle.“
„Lasset uns beten.“
„Beugen wir“ (wie vorher).
„Allmächtiger, ewiger Gott, du bist der Heiland aller und willst keinen verloren gehen lassen: schau auf die Seelen, die durch teuflischen Trug verführt sind: lass die Herzen der Irrenden wieder zur Einsicht kommen, dass sie alle Verkehrtheit des Irrtums ablegen und zur Einheit deiner Wahrheit zurückkehren.“

„Lasset uns auch beten für die treulosen Juden, dass Gott, unser Herr, den Schleier von ihren Herzen wegnehme, auf dass auch sie unsern Herrn Jesus Christus erkennen.“
Kein Amen und Oremus.
„Allmächtiger, ewiger Gott, du schließest sogar die treulosen Juden von deiner Erbarmung nicht aus: erhöre Unser Flehen, das wir ob der Verblendung jenes Volkes zu dir senden, damit sie das Licht deiner Wahrheit, welches Christus ist, erkennen und ihrer Finsternis entrissen werden. Durch ihn, unsern Herrn.“

„Lasset Uns auch beten für die Heiden, dass Gott, der Allmächtige, das Sündenelend von ihren Herzen nehme, damit sie ihre Götzen verlassen und sich bekehren zum lebendigen und wahren Gott und zu seinem eingeborenen Sohn Jesus Christus, unsern Gott und Herrn.“
„Lasset uns beten.“
„Beugen wir“ (wie vorher).
„Allmächtiger, ewiger Gott, nicht den Tod der Sünder, sondern ihr Leben suchst du immerdar; nimm huldvoll unser Gebet an, befreie sie vom Götzendienst und vereinige sie mit deiner hl. Kirche zum Preis und zur Ehre deines Namens. Durch unsern Herrn …“
R. Amen.

An die Litanei schloss sich für gewöhnlich der Friedenskuss und die Darbringung der Opfergaben. Analog sollten auch bei der heutigen Zeremonie nach den Fürbitten die hl. Gestalten zum Altar gebracht und genossen werden. So war es anfänglich. Im 9. Jahrhundert jedoch wurde hier die Verehrung des hl. Kreuzes eingefügt, die ehemals eine von der eucharistischen Handlung vollkommen getrennte Zeremonie war. Immerhin darf man nicht verkennen, dass die Verherrlichung des hl. Kreuzes außerordentlich passend in den Mittelpunkt der heutigen Feier gestellt ist, denn gerade heute nimmt der Triumph des Erlösers seinen Anfang, da das hl. Kreuz auf Kalvarias Höhe von der Erde aufgerichtet wurde. Von diesem Thron der Schmerzen und der Liebe herab schließt Jesus die ganze Menschheit in seine geöffneten Arme. Die

Verehrung des hl. Kreuzes

kam in Jerusalem auf, wie uns die Pilgerin Ätheria um das Jahr 385 ausführlich in ihrem Tagebuche berichtet. Von da verbreitete sie sich wahrscheinlich über Konstantinopel und die Städte des byzantinischen Reiches, wo man größere oder kleinere Teile des hl. Kreuzes besaß. In Rom führte sie gegen Ende des 7. Jahrhunderts der griechische Papst Sergius I. ein, der sie wohl in seiner Heimat kennen gelernt hatte. So erklärt sich auch, dass der Papst bei der Prozession vom Lateran zur Sessorianischen Basilika mit dem Rauchfasse selbst die Kreuzesreliquie inzensiert, ein ganz ungewöhnlicher Brauch in der lateinischen Liturgie; bei den Orientalen hingegen ist er häufig, und schwingt der Bischof oft das Rauchfaß selbst. Ebenso verrät das Trisagion, das heute bei der Verehrung des hl. Kreuzes in griechischer Sprache gesungen wird, seine Herkunft aus dem byzantinischen Ritus. Späterhin wurde der römische Karfreitagsritus durch Aufnahme von Elementen aus den fränkischen Liturgien erweitert und auf diesem Wege kamen in das römische Rituale auch ursprünglich spanische Bräuche.

Die Verehrung des hl. Kreuzes bezog sich eigentlich nur auf die Partikel, welche die hl. Helena dem Papste zum Geschenk gemacht hatte. Erst als die römische Liturgie die Mauern der Ewigen Stadt verlassen hatte und allmählich vom Abendland angenommen worden war, da setzte man an Stelle der Kreuzpartikel, die nicht in allen Kirchen Und Kapellen vorhanden war, ein Kreuz mit dem Bilde des Heilandes aus Holz, Eisen oder einem anderen Metall. Bei der Enthüllung dieses Kreuzes sang der Priester gleich dem Papste die Worte „Ecce lignum crucis“; es scheint das freilich weniger passend, wenn der Crucifixus aus Silber oder einem anderen Metall ist. Anfangs war eben die Zeremonie nur für die Kreuzreliquie der hl. Helena gedacht und wird auch heute noch in den Patriarchal-basiliken der Stadt so ausgeführt.

Wenn der Priester das hl. Kreuz enthüllt, so singt er dreimal, jedesmal in höherem Tone:
„Seht das Holz des Kreuzes; an ihm hing das Heil der Welt.“
Darauf antwortet der Chor, kniend, jedesmal in gleicher Tonlage:
„Kommt, lasst uns anbeten.“

Bei der Verehrung des hl. Kreuzes legt der Klerus die Schuhe ab, eine Erinnerung daran, dass einst der Papst und die Kardinäle barfuß an der Stationsprozession teilnahmen. Der Chor singt unterdessen das Trisagion und die Improperien; in diesen wirft Gott dem jüdischen Volke seine Undankbarkeit gegen die Wohltaten des Herrn vor. Ihr Inhalt ist zweifellos vom Heiligen Geiste eingegeben, dagegen ist der Text dem apokryphen Buch Esdras (Kap. 1, 13-24) entlehnt.

„Mein Volk, was hab‘ ich dir getan? womit dich betrübt? antworte mir!
V. Weil ich dich aus dem Lande Ägypten befreit, hast du das Kreuz gezimmert deinem Heiland.“
1. Chor: „Heiliger Gott.“
2. Chor: „Starker Gott.“
Beide Chöre gemeinsam:
„Heiliger, Unsterblicher, erbarme dich unser.“

Der Gesang des Trisagion bei der Verehrung des hl. Kreuzes hat einen tiefen Sinn, denn der Tod Jesu ist der Vollkommenste Akt der Anbetung der Allerheiligsten Dreieinigkeit, vollzogen vom Hohenpriester des Neuen Bundes. Die unendliche Heiligkeit Gottes, seine Allmacht, sein ewiges Sein, empfing die höchste Verherrlichung durch das Sühnopfer von Golgotha, in dem das göttliche Opferlamm sich für die Sünden der Menschen darbrachte. Die Monophysiten Versuchten einst den trinitarischen Charakter des Trisagion zu verwischen, indem sie die missverständlichen Worte einfügten: „der du für uns gekreuzigt worden bist“ ; diese Auffassung wurde aber als häretisch verurteilt, denn nicht die drei göttlichen Personen wurden gekreuzigt, sondern nur die menschliche Natur der zweiten.

„Weil ich dich durch die Wüste geleitet vierzig Jahre und mit Manna dich gespeist und in ein Land geführt habe, reich und gut, hast du das Kreuz gezimmert deinem Heiland.“
Chor: „Heiliger Gott“ (wie oben).
„Was hätte ich dir mehr tun sollen, und tat es nicht? Ich habe dich gepflanzt, meinen auserlesenen Weinberg, aber du bist mir herb geworden; hast mit Essig meinen Durst gelöscht, stießest den Speer in die Brust deinem Heiland.“
Chor: „Heiliger Gott“ (wie vorher).
V. „Ich habe dir zulieb Ägypten geschlagen und seine Erstgeburt; und du hast mich den Geißeln überliefert.“
R. „Mein Volk, was hab‘ ich dir getan? womit dich betrübt? antworte mir!“
V. „Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt und den Pharao im Roten Meer ertränkt; und du hast mich an die Hohenpriester verraten.“
R. „Mein Volk …“ (wie vorher).
V. „Ich habe das Meer vor dir aufgetan, und du hast mit der Lanze meine Seite geöffnet.“
R. „Mein Volk“ (wie vorher),
V. „Ich bin vor dir hergegangen in der Feuersäule, und du hast mich vor den Richterstuhl des Pilatus geschleppt.“
R. „Mein Volk …“
y. „Ich habe dich mit Manna in der Wüste gespeist, und du gabst mir Schläge ins Gesicht und Geißeln.“
R. „Mein Volk …“
V. „Ich habe deinen Durst gestillt mit dem Wasser des Heils aus den Felsen, und du hast mich mit Galle und Essig getränkt.“
R. „Mein Volk …“
V. „Ich habe dir zulieb die Könige der Kananäer geschlagen, und du hast mich geschlagen mit dem Rohr aufs Haupt.“
R. „Mein Volk …“
V. „Ich habe dir das Königszepter gegeben, und du hast mir aufs Haupt die Dornenkrone gesetzt.“
R. „Mein Volk …“
V. „Ich habe dich erhöht mit großer Macht, und du hast mich aufgehängt am Kreuzespfahl.“
R. „Mein Volk …“

Die tiefe Schmach des Kreuzes darf uns die Göttlichkeit des Opferlammes nicht vergessen lassen, denn das Kreuz umgeben ungezählte Engelscharen und rufen immerdar: Heilig, heilig, heilig ist der Herr. Vereinen wir uns mit ihnen Und stimmen wir anbetend mit ihnen in den Triumphgesang der Auferstehung ein:

V. „Dein Kreuz, o Herr, verehren wir, preisen Und erheben deine hl. Auferstehung; denn siehe, durch das Holz kam Freude in alle Welt. (Ps 66, 2.) Gott erbarme sich unser und segne uns.
R. Er lasse sein Antlitz über uns leuchten und sei uns gnädig.“
V. „Dein Kreuz“ (wie vorher bis zum Psalm).

Es folgt nun der herrliche Kreuzeshymnus des Venantius Fortunatas, den er verfasste, als die Königin Radegundis eine Kreuzpartikel von Konstantinopel zum Geschenk erhielt und ihrem Kloster zu Poitiers vermachte.

„Treues Holz, vor allen
Einzig du an Ehren reich;
Denn an Zweigen, Blüten, Früchten
Ist im Forst kein Baum dir gleich.“

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

„Von dem lorbeerreichen Streite
Töne meiner Stimme Klang,
Auf des Kreuzes Siegeszeichen
Sing‘ sie den Triumphgesang,
Wie der Weltheiland sich opfert
Und das Lamm den Tod bezwang.“

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

„Trauernd ob des ersten Menschen
Überlistung, hatte Gott,
Als der Biss des Sündenapfels
Uns gestürzt in Todesnot,
Schon den Baum gezeigt, der Sühnung
Für des Baumes Schulden bot.“

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

„In dem Werk der Menschenrettung
Tat die Weisheit jenen Zug,
Dass die Kunst verdarb die Künste
Des Verführers voll von Trug.
Und von daher Heilung brachte,
Wo der Feind uns Wunden schlug.“

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

„Als der Zeiten heil’ge Fülle
Endlich angebrochen war,
Schickte Gott den Weltenschöpfer,
Seinen Sohn vom Himmel dar,
Den mit unserm Fleisch umhüllet,
Einer Jungfrau Schoß gebar.“

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

„Eingeschlossen in der engen
Krippe, wimmert er als Kind,
Da in Windeln seine Glieder
Ihm die reine Mutter wind’t.
Gottes Hände, Gottes Füße
Schließet ein in enge Bind‘.“

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

„Aber als er auf der Erde
Hingewandelt dreißig Jahr‘,
Sieh, da gibt er als Erlöser
Willig sich dem Tode dar,
Und das Gotteslamm als Opfer
Wird erhöht am Kreuzaltar.“

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

„Er erschlafft vom Gallentranke;
Durch den zarten Leib mit Wut
Bohrt man Dornen, Nägel, Lanze,
Wasser fließt heraus und Blut;
Erde, Meere, Sterne, Welten
Waschen sich in dieser Flut.“

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

„Neige, hoher Baum, die Äste,
Deine Fasern beug‘ erschlafft;
Deine Härte soll verschwinden,
Die der Ursprung dir verschafft;
Deines hohen Königs Glieder
Spanne aus auf zartem Schaft.“.

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

„Du allein warst ausersehen
Zu des Lammes Schlachtaltar,
Zu der Arche, die entrissen
Uns des Untergangs Gefahr,
Zu dem Pfosten, der vom Blute
Heil’gen Lammes bezeichnet war.“

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

„Ewig sei dir Ruhm und Ehre,
Heiligste Dreifaltigkeit!
Gleich dem Vater, gleich dem Sohne,
Gleich dem Heil’gen Geist geweiht.
Einen in den drei Personen
Lobe alle Welt und Zeit. Amen.“

„Süßes Holz, o süße Nägel!
Süße Last (der Leib Jesu) beschweret euch.“

Nach der adoratio crucis bringt der Diakon das Kreuz zum Altar und breitet dann mit dem Subdiakon das Altartuch aus. Darauf trugen nach dem alten römischen Ritus die Diakone die tags zuvor im Lateran konsekrierten heiligen Gestalten zum Papste; im Exil von Avignon hatte sich jedoch der Brauch gebildet, dass der Papst selbst die Eucharistie von einem Neben-altare abholte und zum Hochaltar übertrug. Auf dem Wege singt man einen anderen Kreuzhymnus des Venantius Fortunatas, der jedoch mit einer eucharistischen Prozession nichts zu tun hat.

„Des Königs Banner wallt hervor,
Hell leuchtend strahlt das Kreuz empor,
Wo unserer Menschheit Stamm und Stolz
Gefesselt hängt am Marterholz.“

„Wo ihn der scharfen Lanze Stich
Noch traf, als er im Tod verblich;
Um abzuwaschen unsre Schuld,
Floß Blut und Wasser voller Huld.“

„Erfüllt ist, was in heil’gem Drang,
Im gläub’gen Liede David sang,
Da er den Völkern prophezeit:
Vom Holz als König Gott gebeut.“

„O Baum, so schön und lichtumstrahlt,
Vom Königspurpur reich umwallt!
Des edler Stamm erkoren ward,
Zu tragen Jesu Glieder zart.“

„Heil dir, in deinen Armem lag
Der Preis der Welt; du bist die Wag‘
Des Leibes, die das Lösgeld wog,
Der Hölle ihre Beut‘ entzog.“

„O heil’ges Kreuz, sei uns gegrüßt!
Du unsre einz’ge Hoffnung bist;
Den Frommen mehr‘ die Heiligkeit,
Den Schuld’gen schenk‘ das Gnadenkleid.“

„Dir, höchster Gott, Dreieinigkeit,
Sei aller Geister Lob geweiht;
Die du am Kreuz von Schuld befreit,
Regiere sie in Ewigkeit. Amen.“

Messe der vorgeweihten Opfergaben.

War das Allerheiligste auf dem Altare, so folgte nach den Ordines Romani das Paternoster und die hl. Kommunion; später fügte man, um die Andacht zu erhöhen, noch andere Gebete hinzu, die den Ritus der „Sanctificati“ einer Messe ähnlich gestalten. Der Priester gießt Wein und etwas Wasser in den Kelch, stellt ihn auf das Korporale, inzensiert die „Oblata“ und spricht: „Dieser Weihrauch steige, von dir gesegnet, empor zu dir, o Herr, und hernieder steige auf uns deine Barmherzigkeit.“

Der Weihrauch ist ein Sinnbild der Anbetung, die wir Gott schulden; deshalb sieht Johannes in der Apokalypse den Engel mit dem goldenen Rauchfaß vor dem Altare Gottes. Im Weihrauch erkennt der Seher die guten Werke der Heiligen. Die Engel üben ein Mittleramt zwischen Gott und den Menschen aus. Sie tragen der göttlichen Majestät unsere Anliegen und Gebete vor, und erlangen uns dafür Barmherzigkeit vom Herrn.

Bei der INZENSATION des Altars spricht der Priester nach gewohnter Weise (Ps 140, 2-4):
„Mein Gebet, o Herr, steige auf wie Weihrauch vor dein Angesicht. Die Erhebung meiner Hände sei wie ein Abendopfer. Setze, Herr, eine Wache vor meinen Mund und eine Türe rings um meine Lippen, damit mein Herz nicht neige zu bösen Worten, um meine Sünden zu entschuldigen.“
Bei der Rückgabe des Rauchfasses an den Diakon:
„Der Herr entzünde in uns das Feuer seiner Liebe und die Flamme ewiger Minne. Amen.“

Das abendliche Rauchopfer des Alten Bundes, von dem hier der Psalmist spricht, wird im Neuen Bunde vom Opfer des Kreuzes abgelöst, an dem Jesus seine Hände ausbreitet, um sich für uns darzubringen.

Nach der HÄNDEWASCHUNG betet der Priester:
„Ob des Geistes der Demut und unseres zerknirschten Herzens mögen wir Aufnahme finden bei dir, o Herr, und unser Opfer vollziehe sich heute so vor deinem Angesicht, dass es dir wohlgefalle, Herr und Gott.“

Heute unterbleibt zum Zeichen der Trauer die Darbringung des eucharistischen Opfers. An seiner Statt stellen wir Gott die Verdienste des blutigen Kreuzopfers Von Golgotha vor Augen. In Vereinigung mit diesem Opfer schenken wir ihm ein demütiges und zerknirschtes Herz.
Zum Volke gewendet:
„Betet, Brüder, dass mein und euer Opfer Gefallen finde bei Gott, dem allmächtigen Vater.“

Der Kanon wird heute nicht gebetet und es folgt sogleich das Gebet des Herrn, das Vorbereitungsgebet der alten Christen auf die hl. Kommunion.

In der römischen Liturgie haben alle Weihegebete und auch das Gebet des Herrn, um sie hervorzuheben, eigene Einleitungsformeln. In der Mitte des Altars spricht daher der Priester:
„Lasset uns beten. Durch heilsamen Befehl ermahnt und durch göttliche Unterweisung angeleitet, wagen wir zu sprechen:
Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name; zu uns komme dein Reich; dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden; gib uns heute unser tägliches Brot; und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern; und führe uns nicht in Versuchung.
R. Sondern erlöse uns von dem Übel.“
Priester: Amen.

„Erlöse uns, wir bitten dich, o Herr, von allen Übeln, den vergangenen — indem du uns die wohlverdiente Strafe im unsere begangenen Sünden erlassest, — gegenwärtigen und zukünftigen. Und auf die Fürbitte der seligen, glorwürdigen, allzeit reinen Jungfrau und Gottesmutter Maria, der seligen Apostel Petrus und Paulus und Andreas und aller Heiligen gib gnädig Frieden in unsern Tagen, auf dass wir durch die Hilfe deiner Barmherzigkeit von Sünden allzeit frei und vor jeder Beunruhigung sicher seien. Durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir lebt und als König herrscht in Einheit mit dem Heiligen Geiste, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Nun erhebt der Priester die hl. Hostie und zeigt sie dem Volke zur Anbetung. Dann bricht er ein Stückchen von der hl. Hostie ab, senkt es in den Kelch und weiht so Wein und Wasser, die heute nicht konsekriert werden, weil sie das Blut und Wasser der durchstochenen Seite Jesu symbolisieren.

Vor der hl. Kommunion betet der Priester:
„Der Genuss deines Leibes, Herr Jesus Christus, den ich, dein unwürdiger Diener, zu empfangen wage, gereiche mir nicht zum Gericht und zur Verdammnis, sondern sei mir nach deiner Güte ein Schutz für Leib und Seele, und ein Heilmittel: der du lebst und als König herrschest mit Gott dem Vater in Einheit mit dem Heiligen Geiste, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“
„Ich will das Himmelsbrot nehmen und den Namen des Herrn anrufen.“
„Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehest unter mein Dach; aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ (Dreimal.)
„Der Leib unseres Herrn Jesus Christus bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen.“

Nach den alten Ordines Romani trat auch das Volk zum Tische des Herrn hinzu. Die Teilnahme an den göttlichen Mysterien hatte am heutigen Tage eine ganz besondere Bedeutung, auf die uns der hl. Paulus hinweist: sie drückt die innigste Vereinigung des Opfernden mit dem Opfer aus, und wendet uns die Verdienste des Todes Christi zu.

Nach der hl. Kommunion:
„Was wir mit dem Munde genossen, o Herr, lass uns mit reinem Herzen aufnehmen, und was wir hier in der Zeit empfangen, werde uns zum Heilmittel für die Ewigkeit.“

Die missa Praesanctificatorum ist nun beendet. Daher werden die Tücher und Leuchter vom Altare wieder fortgenommen, wie das in den alten Zeiten nach jedem hl. Opfer geschah.

Im Mittelalter betete der Papst am Karfreitag außer dem gewohnten Offizium — in den letzten drei Tagen der Karwoche hat dieses die alte römische Form gewahrt, ohne Deus in adiutorium, ohne Hymnus und Gloria Patri — privatim das ganze Psalterium. Diesen Brauch ahmten auch viele Laien und religiöse Genossenschaften nach; in manchen Klöstern findet er sich noch heute.

Jesus ist auch für mich gestorben. Er hat mich so geliebt, dass er sein Leben für mich hinopferte. Und damit ich seiner Liebe nicht vergesse, setzte er das eucharistische Opfer ein, die Erinnerung an das Kreuzesopfer, und wendete mir dadurch seine Verdienste zu. Täglich erneuert die Kirche deshalb das Todesopfer Jesu, sie, die heute aus dem anbetungswürdigen Herzen Jesu hervorging, wie einst Eva aus der Seite des schlafenden Adam. Welch tiefes Geheimnis liegt in der heutigen Liturgie verborgen Jesus stirbt und die Kirche wird geboren. Entblößt haucht er seinen Geist aus, nachdem er all sein Blut dahingegeben, um die Kirche mit dem Gewände der Unsterblichkeit zu schmücken und ihr unvergängliche Jugendkraft zu verleihen. Um das Übermaß der Liebe Jesu zu vergelten, haben wir eine zarte Andacht zur hl. Eucharistie und zum Bilde des gekreuzigten Gottessohnes! Schauen wir nie ohne Rührung und Tränen der Dankbarkeit auf ihn. Handeln wir darin wie der ewige Vater, den stets eine hingebende Liebe zu den Sündern erfasst, so oft wir ihm das Bild des Gekreuzigten vorstellen — so offenbarte er der hl. Gertrud. —

Antiphon aus der griechischen Liturgie:
„Deine lebenspendende Liebe, o Jesus, benetzt gleich der Quelle im Paradies deine Kirche und bewässert sie wie einen geistlichen Garten. Der Strom aus dieser Quelle teilt sich in die vier Evangelien, befruchtet den Erdkreis, erfreut die Schöpfung und lehrt die Völker dein hl. Reich zu suchen.“ .

(Ildefons Schuster. Liber Sacramentorum III.)

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GRÜNDONNERSTAG

Stationskirche: St. Johannes im Lateran

In der Erlöserkirche, neben der sich seit dem 5. Jahrhundert der ständige Wohnsitz der Päpste erhob, begann heute die Osterfeier. Ursprünglich fanden am Gründonnerstag drei Messen statt: die erste am Morgen, bei der die öffentlichen Sünder wieder in die Kirche aufgenommen wurden; bei der zweiten weihte man die hl. öle, die für die Salbung der Kranken und für die Taufe bestimmt waren; die dritte endlich gegen Abend, verbunden mit der Osterkommunion, war der Erinnerung an das Abendmahl des Herrn geweiht. Wegen dieser langdauernden Funktionen wurde die Station nicht in St. Peter, das früher außerhalb der Stadtmauern lag, sondern in der nahen Laterankirche gefeiert.

Der heutige Ritus ist einfacher; seit die öffentliche Buße außer Übung gekommen ist, werden auch die hl. Öle in der Osterkommunionmesse geweiht.

Diese dreimalige Versammlung veranlasste die Alten, die Zeremonien in kluger Weise zu kürzen; aus den Urkunden des 8. Jahrhunderts ersehen wir, dass die dritte Messe gleich mit der Präfation begann, ohne Psalmengesänge, Lesungen und die anderen Teile vor dem Kanon. So erklärt es sich, dass in unserm Missale der ganze erste Teil der heutigen Messe keine eigenen Elemente aufweist, sondern aus anderen Meßformularien zusammengetragen ist.

INTROITUS (Gal 6, 14), wie am vergangenen Dienstag:
Der Gedanke an das Kreuz darf uns nicht schrecken; es ist ein Heilmittel, das zwar bitter schmeckt, aber zur Gesundung führt. Wie der Apostel sagt, ist der gekreuzigte Erlöser unser Heil, unser Leben und unsere Auferstehung. Unsere Auferstehung ist er, weil sein Tod uns die Gnade erworben hat, aus dem Grabe der Sünden aufzuerstehen; er ist unser Leben, weil der Vater auf ihn blickend uns den Heiligen Geist gesandt, das Prinzip unseres ganzen geistlichen Lebens; er ist unser Heil, weil seine blutigen Wunden und sein von den Geißeln zerschlagener Leib uns ein lindernder Balsam sind für unsere Laster und Leidenschaften.

KOLLEKTE, wie am Karfreitag nach der 1. Lesung.
Sie klingt leise an das Geheimnis der Auserwählung an: Durch das Leiden Jesu findet der reuige Schacher Vergebung, während Judas sich infolge seiner Verzweiflung die Verdammnis zuzieht. Der ungleiche Ausgang dieser beiden soll uns mit heilsamer Furcht erfüllen und uns lehren, dass es zum Heile nicht genügt einfach Zuschauer beim Leiden Jesu, oder in irgend einer Weise Teilnehmer bei den Riten der Passion zu sein; wollen wir mit Jesus Christus zu einem neuen, heiligen, mit seinem Willen gleichförmigen Leben auferstehen, so müssen wir die Sünde meiden und uns Gott zuwenden.

Die EPISTEL (1 Kor 11, 20-32) handelt von der Einsetzung des Altarssakramentes und von der rechten Vorbereitung des Leibes und der Seele, um seiner Gnaden teilhaftig zu werden.

Dieser Abschnitt wurde zwar schon in der Mette gelesen, aber er wird hier wiederholt, da sein eigentlicher Platz in der Messe des Gründonnerstags ist: In Korinth war die Unsitte eingerissen, dass beim Liebesmahl, bei dem nach dem Vorbilde des Erlösers und der Apostel die Eucharistie gefeiert wurde, sie bei den heidnischen Kultgenossenschaften Brauch waren. Ein wahres Liebesmahl diente nicht so sehr zur Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse, als vielmehr dazu, Um die Erinnerung an das Mysterium durch gemeinsame Feier und Teilnahme am Gedächtnisopfer des Todes Christi wachzuhalten. Deshalb sollte ein jeder vorher sein Gewissen erforschen, damit er das Brot des Lebens nicht unwürdig genieße und sich Tod und Verdammnis zuziehe. Die Messe ist also nach der Lehre des Apostels ein wahres und eigentliches Opfer zum Gedächtnis an den Kreuzestod des Heilandes auf Golgotha. Daher müssen wir mit lebendigem Glauben und dankbarer Gesinnung daran teilnehmen, wollen wir die Früchte der Erlösung gewinnen. Zum Opfer gehört auch die Teilnahme am Opfermahle. Die Völker des Altertums sahen in diesem Mahl die innigste Verbindung zwischen dem dargebrachten Opfer und dem Opfernden, in dessen Namen der Priester es der Gottheit weihte. Das Opfer vertritt die Stelle dessen, der es darbringt, und deshalb genießt er von der Opferspeise, um so sein Einssein mit dem Opfer aus-zudrücken.

Das Opfermahl besitzt überdies hl. Charakter und sinnbildet die Versöhnung zwischen der Gottheit und den Menschen, indem gewissermaßen beide freundschaftlich an einem gemeinsamen Tische teilnehmen.

In der hl. Messe muss wenigstens der Priester durch die hl. Kommunion vom Opfermahle genießen. Für die Gläubigen genügt die geistliche Kommunion, doch ist es der sehnlichste Wunsch der hl. Kirche, dass auch sie möglichst oft wirklich die hl. Kommunion empfangen zum Gedächtnis „des Todes des Herrn“.

GRADUALE (Phlp 2,8—9):
„Christus ward für uns gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz.
V. Darum hat Gott ihn auch erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist.“
Gott gab seinem Sohne den Namen Jesus, d. h. Heiland. Dieser bedeutet jedoch nicht, wie bei den übrigen Menschen nur einen Wunsch; der ihn trägt, ist in Wahrheit ein Bringer des Heils. Jesus ist wahrhaft Heiland, denn er hat am Kreuz sein Blut zur Erlösung des Menschengeschlechts vergossen.

EVANGELIUM (Joh 13, 1-15).
Die Fußwaschung. Diese Erzählung steht nur in losem Zusammenhang mit dem Geheimnis der Eucharistie und verrät dadurch ihre spätere Einfügung in das Meßformular; ehemals wurde sie am Dienstag der Karwoche gelesen.

Durch die Fußwaschung wollte uns Jesus ein Beispiel, ja ein Gebot gegenseitiger Liebe geben, aber auch eine Lehre, wie rein wir uns ihm nahen sollen.
„Wer aus dem Bade kommt, braucht sich nur noch die Füße abzuspülen.“
D. h. um Jesu Freundschaft würdig zu sein, reicht es nicht hin, dass wir frei von schwerer Sünde sind, wir müssen diese auch verabscheuen und aus dem Herzen alles entfernen, was Gott missfällt.

SEKRET.
Das Eingangsgebet zum eucharistischen Hochgebete lautet in seiner klassischen Schönheit:
„Er selbst, so bitten wir, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, mache unser Opfer dir genehm, der es am heutigen Tage einsetzte und seine Jünger belehrte, es geschehe zu seinem Gedächtnis: Jesus Christus, dein Sohn, unser Herr, der mit dir lebt …“

Im Gebete COMMUNICANTES wird heute ein Satz eingefügt, der uns an das Leiden Jesu erinnert: „wir feiern den hochheiligen Tag, an dem unser Herr Jesus Christus für uns überantwortet wurde“.
Ebenso wird in dem Gebet Hanc igitur, das Innozenz I. commendatio oblationis nennt, das Abendmahl des Herrn erwähnt:
„So nimm denn dies Opfer … das wir dir darbringen ob des Tages, an dem unser Herr Jesus Christus seinen Jüngern die Feier der Geheimnisse seines Leibes und Blutes übertrug …“

„Diese Opfergabe wollest du, wir bitten dich, o Gott, huldvoll in jeder Hinsicht + gesegnet, + rechtmäßig, + gültig, vollwertig und dir wohlgefällig machen; lass sie uns werden der + Leib und das + Blut deines vielgeliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.“

„Dieser nahm am Tage, bevor er für unser und aller Heil litt, das ist heute, Brot …“

Bei den Worten des Kanon Per quem haec omnia segnete früher der Bischof das Krankenöl, wie schon die Canones Hippolyti bezeugen — nach dieser Schrift konnte eine solche Weihe in jeder Messe stattfinden. — Die Weihe des hl. Chrisam und des Katechumenenöls wurde erst nach der Communio vorgenommen. [Der Ritus ist in Band 1, Seite 31 beschrieben.] Hier soll nur der herrliche Hymnus aus der gallikanischen Liturgie Platz finden, der später im römischen Pontifikale Aufnahme fand: er ist ein

Loblied auf den hl. Chrisam:

„O Erlöser, nimm entgegen
Deiner Sänger frohes Lied.“

„O Erlöser, …“

„Höre, Richter aller Toten,
Aller Todgeweihten Trost,
Hör‘ die Rufe deiner Diener,
Die ein Friedenspfand dir weih’n.“

„O Erlöser, …“

„Jener Raum, vom Licht befruchtet,
Trug dies Weihgeschenk an sich:
Demutsvoll schenkt es das fromme
Volk nun dir, dem Heil der Welt.“

„O Erlöser, …“

„Innig flehend am Altare,
Mit der Inful auf dem Haupt,
Krönt der Bischof seine Handlung
Mit der Weihe dieses Öls.“

„O Erlöser, …“

„Gnade leihe, Herr, und weihe
Dieses Öl, o Himmelsfürst,
Diesem Zeichen sollen weichen
Der Dämonen böse Macht.“

„O Erlöser, …“

„Durch die Salbung mit dem öle
Werde neu der Menschheit Stamm,
Werde die verletzte Würde
Hergestellt zu neuem Glanz.“

„O Erlöser, …“

„Rein gewaschen in der Quelle
Scheucht das Kreuz die Sünde fort:
Auf die ölgesalbte Stirne
Steigt des Geistes Gnadenstrom.“

„O Erlöser, …“

„Der du aus dem Vater kommend
In den Schoß der Jungfrau stiegst,
Sei den Chrismaträgern Leuchte,
Wehr‘ den Tod von ihnen ab.“

„O Erlöser, …“

„Dieses Festes hohe Gabe
Sei bei uns in Ewigkeit,
Sei geheiligt, lobenswürdig,
Schwinde nie uns aus dem Sinn.“

„O Erlöser, …“

Die COMMUNIO ist aus dem Evangelium (Jo 13, 12.13.15):
„Nachdem der Herr Jesus Abendmahl gehalten mit seinen Jüngern, wusch er ihnen die Füße und sprach: Versteht ihr, was ich euch getan, ich, der Herr und Meister? Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr desgleichen tuet.“

Jesus wäscht uns nicht bloß die Füße, sondern bereitet uns ein Bad der Wiedergeburt in seinem Blute. In dieses wird er uns ganz eintauchen und rein waschen.

POSTCOMMUNIO:
„Mit der lebenspendenden Nahrung gestärkt, bitten wir dich, Herr, unser Gott, laß uns, was wir jetzt im sterblichen Leibe feiern, durch deine Gnade in der Unsterblichkeit erlangen.“

Nach der Messe werden die hl. Gestalten für die Karfreitagsfeier in einem eigens geschmückten Tabernakel geborgen. Im Mittelalter begab sich der Papst nach dem hl. Opfer in die Kapelle des hl. Laurentius, später Sancta Sanctorum genannt, legte dort die Paenula ab und vollzog die Fußwaschung an 12 Subdiakonen. Während der Funktion sangen die Kardinäle, Diakone und Schola die Vesper.

Darauf erhielt der hohe und niedere Stadtklerus reichliche Geldgeschenke, wie das damals bei allen großen Festlichkeiten Brauch war. Den Schluss bildete das Mahl — es war bereits Abend geworden — in der Basilika oder dem Triklinium Papst Theodors nahe beim Oratorium des hl. Silvester.

Die Lossprechung der Büßer, der Chrisam des Heiligen Geistes auf der Stirn der Neugetauften, das Öl des Trostes an den Sinnen der Sterbenden, die hl. Eucharistie in den Herzen aller Gläubigen: wie viele Geheimnisse der Barmherzigkeit am Tage des Abendmahls des Herrn. Wahrlich, Jesu übervolles Herz strömte über; „da er uns stets geliebt hat, liebt er uns bis ans Ende“, d. h. bis zum Kreuz, bis in den Tod.

Das folgende Gebet ist der griechischen Liturgie entnommen:
„Tretet alle mit Ehrfurcht herzu zum mystischen Tische, empfangt mit reinem Herzen das hl. Brot und weichet niemals vom Herrn. Sehet, wie er den Jüngern die Füße wäscht. Tut, was ihr gesehen, seid einander Untertan und waschet euch gegenseitig die Füße. So trug es der Meister seinen Jüngern auf; Judas, der treulose Knecht, aber hörte es nicht.“ .

(Ildefons Schuster. Liber Sacramentorum III.)

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Mittwoch in der Karwoche

Das herrliche SEGENSGEBET über das Volk verwendet die hl. Kirche während des hl. Triduums am Schluss aller kanonischen Tagzeiten:

„Sieh herab, wir bitten dich, Herr, auf diese deine Familie,
für die unser Herr Jesus Christus
ohne Zögern sich den Händen der Ruchlosen überlieferte
und die Qual des Kreuzes erduldete.“

Nichts rührt den ewigen Vater mehr und zieht sein Erbarmen sicherer auf uns herab, als wenn wir ihn an das Leiden seines eingeborenen Sohnes erinnern und vor allem an seine unerschöpfliche Liebe.

Die ganze katholische Theologie gipfelt in der Lehre von der Erlösung am Kreuz. Auf dieser Lehre bauen sich alle übrigen Glaubensgeheimnisse auf, denn nur in Jesus hat uns Gott geliebt und zum ewigen Leben auserwählt. Der Erlöser am Kreuz ist eine Zusammenfassung der Großtaten Gottes, das Meisterwerk seiner Liebe. „Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und es war sehr gut.“1) Gott hat solches Wohlgefallen an seinem Sohne, dass er weder an ihn denken noch ihn anblicken kann, ohne inniges Mitleid mit uns zu fühlen. Wie groß muss daher die Liebe und Verehrung sein, mit der wir auf Jesus, den Gekreuzigten, blicken sollen, wie groß die Dankbarkeit für seine Leiden und Verdienste, die unsere Sünden tilgen. .

(Ildefons Schuster. Liber Sacramentorum III.)

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Dienstag in der Karwoche

Als EVANGELIUM wurde ursprünglich Jo 13, 1-15, die Erzählung von der Fußwaschung gelesen, die jetzt auf den Gründonnerstag verlegt ist.

Es will besagen: ebenso wie derjenige, welcher das Rad verlässt — Jesus entnahm seine Bilder gern dem täglichen Leben, damit auch einfachere Leute ihn verstünden —, nur mehr die Füße waschen muss, um ganz rein zu sein, so muss der Christ, der würdig das ewige Osterfest mit Jesus feiern will, im Blute des Lammes und im Feuerofen der Liebe seine Seele noch von den letzten Unvollkommenheiten reinigen.

Später las man die Leidensgeschichte des Herrn nach dem hl. Markus (14, 1-72; 15, 1-46).

Nach Ansicht der Exegeten ist der Jüngling, der durch den Lärm und die Nachricht von der Gefangennahme Jesu vom Schlafe aufgeschreckt wird, wahrscheinlich der Verfasser des Evangeliums selbst; ohne sich ausdrücklich zu nennen, wollte er sich durch die kleine Episode als den Urheber des Evangeliums bezeugen. In der Tat treffen alle Einzelheiten auf den hl. Markus zu: Er wohnte mit seiner Mutter in Jerusalem, wahrscheinlich etwas außerhalb der eigentlichen Stadt, so dass die ersten Gläubigen sein Haus als Versammlungsort wählten. Als nun Jesus gefangen am Hause vorbeigeführt wurde, hatte sich der Jüngling bereits zu Bett begeben. Er hatte die Kleider abgelegt und sich, wie das in Palästina Brauch war, in ein weites, feines Leintuch gehüllt. Durch den Lärm der Häscher erwachte der Schläfer und eilte auf die Kunde von der Gefangennahme Jesu, so wie er war, aus dem Hause. Unter den Soldaten kam er in Gefahr, da er möglicherweise eine Drohung gegen sie ausstieß. Ein Häscher, vielleicht einer von denen, die im Garten Gethsemane erfahren hatten, dass die Jünger des Nazareners auch das Schwert zu führen wussten, wollte den Kühnen ergreifen, doch der flinke Jüngling ließ das Leintuch in seiner Hand und entfloh.

Wer der Gewalt des bösen Feindes entgehen will, muss, wie St. Gregor bemerkt, zuerst innerlich allen ungeordneten Neigungen entsagen, ähnlich wie die Ringkämpfer im Zirkus ihre Kleider ablegen. Wir dürfen dem Teufel nicht den geringsten Angriffspunkt bieten und müssen deshalb frohen Herzens auch auf zeitliche Vorteile verzichten. .

(Ildefons Schuster. Liber Sacramentorum III.)

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Montag in der Karwoche

Zusammenkunft: St. Balbina
Stationskirche: titulus de fasciola (St. Nereus und Achilleus)

Die Titelkirche St. Balbina auf dem kleinen Aventin über den weitausgedehnten Ruinen der Caracallathermen ist den Lesern bereits bekannt. Nicht weit davon entfernt liegt die Kirche „de fasciola“, die nach einer alten Legende mit der Flucht des hl. Petrus aus Rom zur Zeit der Verfolgung in Verbindung stehen soll. Etwa beim ersten Meilenstein auf der via Appia, so wird erzählt, löste sich die Binde (fascia), welche die Wunden am Beine des Apostels, die von den Ketten im Gefängnisse herrührten, bedeckte. Der Heiland erschien und nahm seinen Weg nach der Stadt zu:

„Domine, quo vadis?“ fragte ihn hierauf der Apostel:
„Ich gehe nach Rom, um mich wieder kreuzigen zu lassen“, antwortete Jesus und verschwand.
Da erkannte Petrus, dass der Heiland in der Person seines ersten Vikars in der Ewigen Stadt sterben wollte, und kehrte gehorsam dem Befehl in die Stadt zurück. Nach dem heutigen Stande der Wissenschaft kennen wir den historischen Kern dieser lieblichen Legende nicht; wir wissen nur, dass sie sehr alt ist und eine Begründung in dem Namen „de fasciola“ hat, den der Titel schon seit dem Beginn des 4. Jahrhunderts trägt.

Unter dem Altare ruhen die hl. Märtyrer Nereus, Achilleus und Domitüla. Sie wurden hierher vom nahen Cömeterium der Domitilla an der via Ardeatina übertragen, als dieses nach der Regierungszeit Pauls I. in Vergessenheit geriet. Als dann auch die ganze Gegend um die Via Appia infolge der Malaria verödete und die Titelkirche verfiel, wurden die hl. Leiber in das Innere der Stadt nach der Diakonie S. Hadrian am Forum gebracht. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erhielt Kardinal Daronius unsere Basilika als Titelkirche zugewiesen. Er ließ sogleich die Kirche und die Mosaiken des Triumphbogens aus der Zeit Leos III. wiederherstellen und brachte die Leiber der Heiligen von St. Hadrian in ihre alte Ruhestätte, dem titulus de fasciola, zurück. Über ihrem Grabe ließ er einen neuen prächtigen Altar mit Kosmatenarbeit, ähnlich jenem in St. Paul, an der via Ostiensis, erbauen.

Unser heutiges Missale verzeichnet als Stationskirche St. Praxedis. Diese Änderung stammt aus dem Ausgang des Mittelalters, aus einer Zeit, in der die Titelkirche de fasciola verlassen dalag. Der titulus Praxedis auf dem Esquilin erscheint zum ersten Male in der Grabschrift eines Priesters aus dem Jahre 491, die im Cömeterium des Hippolytus an der via Tiburtina gefunden wurde. Papst Paschal L, ihr ehemaliger Titelpriester, erneuerte sie von Grund auf, veränderte jedoch etwas ihre Lage. Um die neue Kirche den Gläubigen ehrwürdiger zu machen, bestattete er hier eine große Zahl hl. Martyrerleiber aus den verlassenen Cömeterien vor der Stadt.

Außer der Apsismosaik haben noch die Mosaiken in der Kapelle des hl. Zeno geschichtlichen Wert. Hier ruhte bis 1699 der hl. Priestermartyrer Zeno an der Seite seines Bruders Valentin. Große Verehrung genießt auch ein altes Muttergottesbild, ebenso wie eine mit Blut befleckte Jaspissäule, die im Jahre 1223 von Jerusalem hieher übertragen wurde. Eine alte Legende bezeichnet sie als Geißelsäule des göttlichen Erlösers.

Unter dem Hochaltar ist die Schutzheilige der Basilika begraben, und in einer Kapelle unter dem Presbyterium die zahlreichen Martyrerleiber. Dies alles, ihr Alter, ihre Kunstdenkmäler und hl. Reliquien machen die Basilika zu einem der vornehmsten Heiligtümer des christlichen Rom.

Der INTROITUS (Ps 34, 1-2) entstammt dem 34. Psalm, der auch in der griechischen Liturgie auf die Passion Christi bezogen wird:

„Richte, Herr, die mir schaden,
bezwinge, die mich bekämpfen,
nimm Wehr und Schild,
und steh auf, mir zu helfen,
Herr, meine Stärke und mein Heil.“

Christus bekennt im Anblick der Zahl und Macht seiner Feinde — die Sünder, deren Schuld das unschuldige Lamm trägt — dem Vater seine eigene Schuldlosigkeit, und fleht ihn an, er möge den kühnen Angriffen Satans auf die Menschheit und insbesondere auf seinen mystischen Leib, die Kirche, ein Ziel setzen und sie brechen. Der Vater erhört das Flehen des Sohnes, zerschmettert dem höllischen Drachen das Haupt durch das Holz des Kreuzes und erweckt seinen Eingeborenen zu neuem, glorreichem Leben, das kein Leiden mehr kennt. .

(Ildefons Schuster. Liber Sacramentorum III.)

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PALMSONNTAG

„Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn.“

Stationskirche: Erlöserkirche im Lateran
(Zusammenkunft: St. Maria „inTurri“, Stationskirche: St. Peter im Vatikan)

Die großen Zeremonien der Osterwoche, wie die alten Christen die heute beginnende Woche nannten, wurden im Mittelalter gewöhnlich in der bischöflichen Kirche des Papstes, im Lateran, gefeiert. Daher fand auch die heutige Palmenprozession und die Stationsfeier in der ehrwürdigen Erlöserkirche statt; sie war gewissermaßen das fortdauernde Siegeszeichen des Papsttums über Heidentum, Häresie und alle Gewalten der Hölle, die seit 19 Jahrhunderten gegen den Felsen Petri anstürmen und doch immer wieder zersplittern. „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen,“ hat der Herr geweissagt, und „eher werden Himmel und Erde vergehen, als daß ein Wort aus dem Munde des Erlösers vergehen wird.“

Im späten Mittelalter wurde zuweilen die heutige Statio auf den Wunsch des Papstes nach St. Peter verlegt; in diesem Falle fand die Palmenweihe in der Kirche St. Maria „in Turri“, im Atrium von St. Peter, statt.

Die Palmenweihe gibt uns ein Bild der altchristlichen Ver-sammlungen, d. h. jener Gottesdienste, die nur aus Psalmengebet, Unterweisung der Gläubigen usw. bestanden, auf die jedoch das hl. Opfer nicht folgte. Einen solchen Gebetsgottesdienst nahmen die Christen in apostolischer Zeit aus den Synagogen der Diaspora herüber.

Die Prozession mit Olivenzweigen hatte in Jerusalem ihren Ursprung, wie die Pilgerin Aetheria am Ausgang des 4. Jahrhunderts bezeugt. Im Abendland hielt man schon von Anfang an die Ölzweige bei der Lesung des Evangeliums in der Hand. Später kam in Gallien ein besonderer Segen hinzu; nicht über die Zweige, sondern über die Personen, welche den Worten des Evangeliums gemäß Palmen trugen. Die Prozession vor der hl. Messe verlieh den Zweigen eine solche Auszeichnung und Bedeutung, daß sie schließlich die priesterliche Segnung erhielten.

Die Palmenweihe. Zusammenkunft: bei St. Silvester im Lateran

Nach den Ordines Romani des 14. Jahrhunderts werden die Palmen vom Kardinal von St. Laurentius geweiht und von Klerikern in das Patriarchium, und zwar in die Kapelle des hl. Silvester gebracht. Hier verteilen die Akolythen der vatikanischen Basilika die Zweige an das Volk. Der Klerus erhält die Palmen aus den Händen des Papstes im Triklinium Leos III. Nach der Verteilung bewegt sich die Prozession zur Erlöserkirche. Im Portikus angekommen, nimmt der Papst auf einem Throne Platz, die Türen der Basilika sind noch verschlossen. Nun stimmt im Innern der Kirche der Primicerius der Sänger und der Prior der Basilika mit ihrer Assistenz den Hymnus Gloria, laus et honor an, der auch heute noch in der Liturgie verwendet wird. Ist der Gesang beendet, so öffnen sich die Tore und in feierlichem Zuge tritt man in die Kirche ein, um mit dem hl. Opfer das große Drama der Erlösung zu beginnen. Der Papst nimmt die hl. Gewänder im secretarium, und die Kanoniker der Basilika bedienen sich heute zum Zeichen der tiefen Trauer, die sich in der Liturgie der ganzen Woche kundgibt, nicht der mappula oder des Baldachins, was bei den Alten als Zeichen der Achtung und Verehrung angesehen wurde.

Die Palmenweihe beginnt mit dem

INTROITUS (Mt 21,9):
„Hosanna dem Sohne Davids!
Hoch gelobt, der da kommt im Namen des Herrn!
König Israels, Hosanna in der Höhe!“

Mit diesem Zuruf wird heute der Messias begrüßt von den Heiden, den Kindern, dem einfachen Volke und den Ungebildeten. Die Führer der Juden aber halten sich fern. Darum verstößt der Heiland die verstockten Juden und wendet sich an die Heidenvölker, die ihn freudig als ihren Erlöser und Gott anerkennen. Doch die Barmherzigkeit des Herrn ist unerschöpflich: auch Israel wird gerettet, sobald es seinem Erlöser entgegenzieht und mit dem Psalmisten und den Kindern singt:

„Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn.“

Dieses Bekenntnis des Glaubens an den Messias war Jesus überaus wohlgefällig; darum sollen auch wir es mit großer Andacht beten. Die Kirche erneuert es täglich im feierlichsten Augenblick der hl. Messe, bevor Jesus auf das Wort des Priesters als Opfer auf unsere Altäre herniedersteigt.

SEGEN ÜBER DAS VOLK:
„Gott, dem verehren und lieben Gerechtigkeit ist, mehre in uns die Geschenke deiner unaussprechlichen Gnade. Im Tode deines Sohnes gabst du uns die Zuversicht, das zu erhoffen, was uns der Glaube zeigt: laß uns durch seine Auferstehung dahin gelangen, wohin unsere Sehnsucht zieht.“

Die Form des Gebets ist feierlich, sein Inhalt klar und gemessen: Jesu Tod ist die causa meritoria unseres Heils, seine Auferstehung die causa exemplaris, denn der verherrlichte Heiland läßt auf die Glieder seines mystischen Leibes die Heiligkeit und Glückseligkeit überströmen, die ihn selbst als das Haupt dieser Gemeinschaft am Tage seines Sieges über Tod und Sünde erfüllt.

LESUNG (2 Mos 15, 27; 16, 1—7).
Die Erzählung vom Aufruhr der Juden gegen Moses hat wahrlich mit dem Geheimnis des heutigen Sonntags wenig zu tun. Sie wurde in der gallikanischen Liturgie erst im Mittelalter eingeführt, und zwar, weil darin Wasserquellen und Palmen vorkommen, in deren Schatten das auserwählte Volk sich lagerte. Die Juden, die in so wunderbarer Weise aus der Knechtschaft Ägyptens herausgeführt worden waren, murren wider den Herrn und sehnen sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück. Sie wurden dadurch zum Vorbild für ihre Söhne, die einst den wahren Moses, den Befreier aus der Sklaverei der Hölle, gerade in dem Augenblicke verstießen und töteten, als er sein Leben zur Erlösung für sie hingab.

Auch die beiden folgenden Responsorien, die einst abwechselnd gesungen wurden, stehen in keiner Responsorien zur Palmenweihe; sie haben nur den Zweck, die beiden Lesungen von einander zu trennen. Überhaupt hat die ganze Struktur der Palmenweihe, trotz ihres altertümlichen Gepräges, nichts Einheitliches an sich; es handelt sich um Elemente von ganz Verschiedenem Ursprung und aus Verschiedenen Gedankenkreisen heraus, die so gut als möglich zusammengestellt wurden.

1. RESPONSORIUM (Jo 11, 47-49.50.53):
Der Hohe Rat Versammelt sich im Hause des Kaiphas. Ein Ratsmitglied erhebt den Vorwurf, Jesus verführe das Volk und setze die nationale Bewegung der Gefahr aus, früher oder später von den eifersüchtigen Römern unterdrückt zu werden. Da erklärt IHM Kaiphas, es sei besser, daß einer, nämlich Jesus, sterbe, als daß das ganze Volk zugrunde gehe.

Die Heilige Schrift bemerkt zu dieser Äußerung ausdrücklich, daß die Worte des verschlagenen Hohenpriesters von weit größerer Tragweite waren, als er selbst hineinlegen wollte, und daß sie ihm vom Heiligen Geiste wegen seines Amtes eingegeben worden seien.

Das 2. RESPONSORIUM (Mt 26, 39. 41) entstammt der 1. Nokturn des Gründonnerstags und war nur der Abwechslung halber da:

Jesus betet am Ölberg in großer Todesangst zum Vater, ergibt sich ganz in seinen Willen und ermahnt die schlafenden Jünger zum Gebet und zur Wachsamkeit in der Versuchung und in der beginnenden schweren Prüfung. Der gute Wille allein genügt nicht, die menschliche Natur ist gebrechlich und vollbringt das Gute nur mit dem Beistand der Gnade. Daher müssen wir beten und dürfen nicht nachlassen, um diesen notwendigen Beistand zu bitten. Die Heiligen, besonders St. Alfons, faßten die christliche Lehre über die Notwendigkeit des Gebets in folgendem Satz zusammen:

„Wer betet, wird gerettet; wer nicht betet, wird verdammt.“

Das EVANGELIUM (Mt 21, 1—9) vom Einzug Jesu in die hl. Stadt, wurde in der Kirche von Jerusalem bereits in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts gelesen:
Gemäß der Prophezeiung des Zacharias begibt sich der Erlöser in die Hauptstadt des Judenlandes, reitend auf einem Eselsfüllen, um die Güte und Milde seines ersten Erscheinens auf Erden hervorzuheben. Er will die Menschen nicht durch den Glanz seiner Erscheinung schrecken, sondern möchte sie alle an sein hl. Herz ziehen. Die Eselin und ihr Füllen waren, nach dem Berichte des Evangelisten, an der Mauer eines Fleckens nahe beim Ölberg, angebunden; sie werden von den Aposteln losgebunden und zu Jesus geführt. Sie erinnern an das Volk der Heiden, die aus dem Vaterhaus verstoßen und enterbt, unvernünftigen Tieren gleich, dem Götzendienst anheimfielen. Die Apostel befreien sie von ihren Irrtümern und führen sie zum göttlichen Heilande.

Ein GEBET dient, wie das in der römischen Liturgie bei den großen Weihen stets der Fall ist, als Einleitung zur Palmenweihe. Es entspricht somit der Sekret vor der Präfation der Messe:

„Mehre, o Gott, den Glauben derer, die auf dich hoffen, und erhöre gnädig ihr flehendes Bitten. Es komme über uns der Reichtum deiner Barmherzigkeit. Segne + auch diese Palm- und Ölzweige; und wie du als Vorbild für die Kirche den Noe, da er aus der Arche ging, und den Moses, da er mit den Söhnen Israels aus Ägypten zog, reich gesegnet hast, so wollen wir, Palmen und Ölzweige tragend, mit guten Werken Christus entgegenziehen und durch ihn eingehen in die ewige Freude: der mit dir lebt und als König herrscht in Einheit mit dem Heiligen Geiste, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Das vorstehende, fein empfundene und tieffromme Gebet weist hin auf die symbolische Bedeutung der folgenden Prozession und nimmt Bezug auf die Lesung von den 70 Palmen. Einen Palmzweig überreicht man dem siegreichen Kämpfer, und wer ohne Schaden zu nehmen aus Ägypten zurückkehrt, verdient den Namen eines Siegers.

Es folgt das WEIHEGEBET,
ein wahres carmen eucharisticum, ein Lob- und Danklied zu Gott wegen seiner unendlichen Heiligkeit und seines überreichen Erbarmens mit den Menschen:
V. „Der Herr sei mit euch.“
R. „Und mit deinem Geiste.“
V. „Erhebet die Herzen.“
R. „Wir haben sie beim Herrn.“
V. „Laßt uns danksagen dem Herrn, unsern Gott.“
R. „Das ist würdig und recht.“

„Wahrhaft, es ist würdig und recht, billig und heilsam, daß wir immerdar und überall dir danksagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott. Du wirst verherrlicht in der Versammlung deiner Heiligen. Denn dir dienen deine Geschöpfe weil sie in dir allein ihren Urheber und Gott erkennen; und alles, was du gemacht hast, lobt dich, und es preisen dich deine Heiligen; denn mit lauter Stimme bekennen sie jenen großen Namen deines Eingebornen vor den Königen und Gewalthabern dieser Welt. Ihm dienen Engel und Erzengel, Throne und Herrschaften, die mit der ganzen himmlischen Heerschar den Lobgesang Von deiner Herrlichkeit singen und ohne Unterlaß rufen:
Heilig, heilig, heilig bist du, Herr, Gott der Heer-scharen. Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe! Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!“

Hieran schließen sich mehrere altertümliche Gebete voll erhabenster Gedanken; in ihnen gibt die Kirche ihre ganze Liebe zum Erlöser kund, der sich bald für sie opfern wird. Anfangs wurden diese Gebete abwechselnd gebraucht; heute hingegen gehören die verschiedenen Benediktionsformeln: Präfation, die Gebete usw., die ursprünglich bald die eine, bald die andere genommen wurden, und die sich sogar gegenseitig ausschließen, wesentlich zur Palmenweihe. Dadurch ist sie zu einer frommen Andachtsübung geworden, doch ohne Ebenmaß im Aufbau und Harmonie, ein Zeichen, daß sie erst später in die römische Liturgie eingeführt wurde.

Das 1. SEGENSGEBET nach der Weihepräfation redet ausschließlich von Olivenzweigen und erwähnt die Palmen gar nicht, vielleicht weil diese im Mittelalter in Europa recht selten geworden waren:
„Wir bitten, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott: Segne + und heilige + den Ölzweig, den du aus dem Baumstamm hast hervorsprossen lassen, und den die Taube, als sie zur Arche zurückkehrte, in ihrem Schnabel trug: laß alle, die von ihm erhalten, Schutz für Leib und Seele erlangen. So werde uns, Herr, das Sinnbild deiner Gnade zu einer wirksamen Arznei.“

Gott demütigt den Stolz Satans und macht seine Bosheit zu-nichte, indem er den Christen die Sakramentalien gab, kleine Andachtsgegenstände, die der Priester segnet und die Gläubigen mit Vertrauen gebrauchen. Zu diesen Sakramentalien gehören auch die Palmzweige.

2. GEBET:
„Gott, du sammelst, was zerstreut ist, und behütest es; du hast die Scharen, die Jesus Palmzweige entgegentrugen, gesegnet: segne + auch diese Palm- und Ölzweige, die deine Diener zur Ehre deines Namens gläubig in Empfang nehmen. Wohin immer sie gebracht werden, da mögen die Bewohner deinen Segen erfahren. Deine Rechte verjage alle feindliche Gewalt und schütze die, welche dein Sohn Jesus Christus, unser Herr, erlöst hat, der mit dir lebt …“

Das 3. GEBET erklärt die Bedeutung der heutigen Zeremonie.
Wie die Volksscharen einst mit Palmen in den Händen dem Sieger über Tod und Hölle entgegenzogen, so gibt uns heute Gott im voraus die Siegespalme in die Hand, um uns zu tapferem Kampfe anzueifern. In der Ewigkeit wird er uns dann eine andere Palme verleihen, die nicht mehr der irdischen Vergänglichkeit anheimfällt, sondern ewig frisch und grün bleibt:

„Gott, nach einer wunderbaren Ordnung deiner Ratschlüsse wolltest du auch durch leblose Dinge dein Erlösungswerk veranschaulichen: gib, wir bitten dich, daß die dir ergebenen Herzen deiner Gläubigen zu ihrem Heile den geistigen Sinn in jener Tatsache verstehen, daß heute die Volksschar, durch himmlische Erleuchtung begeistert, dem Erlöser entgegenzog und mit Palm- und Ölzweigen seinen Weg bestreute. Die Palmzweige deuten nämlich den Sieg an, der über den Fürsten des Todes errungen werden sollte, die Ölzweige aber verkünden gleichsam, daß die geistliche Salbung gekommen ist.
Denn schon damals ahnte die beglückte Volksmenge den vor-bildlichen Sinn, es werde aus Erbarmen mit dem Elend der Menschen unser Erlöser für das Leben der ganzen Welt mit dem Fürsten des Todes kämpfen und sterbend über ihn triumphieren. Und dann brachten sie zur Huldigung jene Dinge herbei, die seinen glorreichen Sieg wie auch den Reichtum seiner Barmherzigkeit sinnbilden sollten. Wir nun, die den vollen Glauben besitzen, erkennen klar die Vorbedeutung und ihre Erfüllung, und bitten dich flehentlich, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, durch ihn, unsern Herrn Jesus Christus, daß wir in ihm und durch ihn, zu dessen Gliedern du uns gemacht hast, den Sieg über die Herrschaft des Todes erringen und an seiner glorreichen Auferstehung teilzunehmen würdig werden, der mit dir lebt …“

Das 4. GEBET erwähnt außer den Palm- und Ölzweigen noch andere Baumzweige, wohl weil in den nördlichen Ländern, wo die Zeremonie des heutigen Tages sehr beliebt ist, weder Palmen noch Ölbäume wachsen:
„Gott, du hast der Taube geboten, durch einen Ölzweig der Erde den Frieden zu künden: wir bitten dich, heilige diese Zweige des Ölbaumes und anderer Bäume durch deinen himmlischen + Segen, damit sie deinem ganzen Volke zum Heile förderlich seien.“

5. GEBET.
Eine Zeremonie ist inhaltlos, wenn das Herz nicht mitbetet:
„Segne +, wir bitten dich, Herr, diese Palm- und Ölzweige und gib, daß dein Volk, was es heute äußerlich zu deiner Verehrung tut, geistig mit ganzer Hingebung vollbringe: daß es den Sieg erstreite über den Feind und das Werk deiner Barmherzigkeit aufs höchste liebe.“

Nun besprengt der Priester die Zweige mit Weihwasser und inzensiert sie; dann betet er:
V. „Der Herr sei mit euch.“
R. „Und mit deinem Geiste.“
„Lasset uns beten. Gott, du hast deinen Sohn Jesus Christus unsern Herrn, zu unserm Heile in diese Welt gesandt, daß er sich zu uns erniedrige und uns zu dir emporhebe. Ihm haben, als er nach Jerusalem kam, um die Schrift zu erfüllen, die Scharen des gläubigen Volkes in aufrichtigster Verehrung ihre Kleider mit Palmzweigen auf den Weg gebreitet. Wir bitten dich, verleihe uns, daß wir ihm durch den Glauben den Weg bereiten, von dem der Stein des Anstoßes und des Ärgernisses entfernt ist. Da mögen unsere Werke vor dir grünen als Zweige der Gerechtigkeit, damit wir so den Fußstapfen dessen zu folgen würdig werden, der mit dir lebt …“

Bei der Verteilung der gesegneten Palmen und Ölzweige singt der Chor die folgenden Antiphonen aus dem Evangelium der Weihe:

1. Antiphon:
„Die Kinder der Hebräer zogen mit Ölzweigen in den Händen dem Herrn entgegen und riefen: Hosanna in der Höhe.“

Heute ist ein Ehrentag für die Kinder, denn Gott hat Gefallen an einfachen unschuldigen Seelen und macht ihnen gern seine Geheimnisse kund.

2. Antiphon:
„Die Kinder der Hebräer breiteten ihre Kleider auf den Weg und riefen mit lauter Stimme: Hosanna dem Sohne Davids! Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn.“
Nach der Austeilung der Palmen wird folgende KOLLEKTE gebetet: „Allmächtiger, ewiger Gott, du ließest unsern Herrn Jesus Christus das Füllen einer Eselin besteigen und lehrtest die Volksscharen Kleider und Palmzweige auf den Weg zu breiten und Hosanna zu seinem Lobe zu singen: gib, wir bitten dich, daß wir ihren kindlich frommen Sinn nachzuahmen vermögen und an ihrem Verdienste Teil erhalten.“

Prozession.

„Lasset uns ziehen in Frieden.“
„Im Namen Christi. Amen.“

Die Prozession hat heute eine besondere Bedeutung, weil sie uns an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem erinnert; sie ist eigentlich aber nur ein Überbleibsel der alten Stationsprozessionen und der Umzüge, die im Mittelalter, besonders in den Benediktinerabteien, am Sonntag vor der hl. Messe gehalten wurden. Auf dem Wege singt der Chor folgende Antiphonen:

1. „Als der Herr sich Jerusalem nahte, sandte er zwei von seinen Jüngern ab und sprach: Geht in den Flecken, der vor euch liegt. Ihr werdet ein Eselsfüllen angebunden finden, auf dem noch kein Mensch gesessen hat. Bindet es los und führt es zu mir. Wenn jemand euch zur Rede stellt, so antwortet: Der Herr bedarf seiner. Sie banden es los und führten es zu Jesus. Und sie legten ihre Kleider darüber und er setzte sich darauf. Andere breiteten ihre Kleider auf dem Wege aus, wieder andere streuten Raumzweige. Und die Nachfolgenden riefen: Hosanna, hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn! Hochgelobt das Reich unseres Vaters David! Hosanna in der Höhe! Erbarme dich unser, Sohn Davids!“

2. „Als das Volk gehört hatte, daß Jesus nach Jerusalem komme, nahm es Palmzweige und zog ihm entgegen, und die Kinder riefen: Dieser ist es, der kommen soll zum Heil des Volkes. Er ist unser Heil und die Erlösung Israels. Wie groß ist der, dem die Throne und Herrschaften entgegenziehen! Fürchte dich nicht, Tochter Sion! Siehe, dein König kommt zu dir, sitzend auf dem Füllen einer Eselin, wie geschrieben steht. Sei gegrüßt, König, Schöpfer der Welt, der gekommen ist, uns zu erlösen!“

3. „Sechs Tage vor dem Osterfest, als der Herr zur Stadt Jerusalem kam, zogen ihm die Kinder entgegen. Sie trugen Palmzweige in den Händen und riefen mit lauter Stimme: Hosanna in der Höhe! Hochgelobt seist du, der da kommt in der Fülle deiner Barmherzigkeit. Hosanna in der Höhe.“

4. „Es eilen die Scharen mit Rlumen und Palmen dem Er¬löser entgegen und bringen dem Sieger auf seinem Triumph¬zug würdige Ehrung dar. Den Sohn Gottes verkündet der Völker Mund, und zum Lobpreis Christi schallen die Stimmen zu den Wolken empor: Hosanna in der Höhe.“

5. „Mit den Engeln und Kindern wollen wir getreu erfunden werden und dem Resieger des Todes zujubeln: Hosanna in der Höhe!“

6. „Eine große Menge, die zum Feste gekommen war, jubelte dem Herrn entgegen: Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!“

Den Schluß bildet der Hymnus: Gloria, laus …, der von einem Chor außerhalb der Kirche und einem andern innerhalb derselben gesungen wird. Dieser Wechselgesang ist ein Bild des Gotteslobes, das die streitende und triumphierende Kirche Gott unaufhörlich darbringt. Ist der Hymnus zu Ende gesungen, so stößt der Subdiakon mit dem Schaft des Kreuzes an die verschlossene Kirchentüre, die sich nun öffnet. Diese Zeremonie wurde in Rom erst spät angenommen. Reim Einzug in die Kirche wird wiederum ein Responsorium gesungen.

Hochamt.
Stationskirche: St. Johannes im Lateran

An die Prozession schließt sich die Messe an, die ein ganz anderes Gepräge trägt, als die Palmenweihe, und inhaltlich sich eng an die Liturgie der Vortage anreiht. Während die Gebete und Antiphonen der Palmenweihe den Erlöser als Sieger über Tod und Sünde verherrlichen, kommt in der Stationsmesse, von echt römischer Färbung, mehr die gänzliche Vernichtung, die tiefe Verdemütigung und der bittere Schmerz Jesu, des Sühnopfers für die Sünden der Welt, zum Ausdruck.

Die Liturgie dieser Tage trennt den Gedanken des Leidens Christi nie von dem seiner glorreichen Auferstehung. Darin liegt der Grund für die alte Bezeichnung Hebdomada paschalis und für die häufige Erinnerung an die Auferstehung, die sich heute, wie am Karfreitag im Officium divinum und in der hl. Messe findet. Das Pascha nostrum beginnt am Gründonnerstagabend, setzt sich am Karfreitag fort und erreicht seine Vollendung am Ostermorgen, denn

„unserer Sünden wegen
ward er dahingegeben
und um unserer Rechtfertigung willen
auferweckt.“

Für die alten Christen enthielt das Paschale Sacramentum (Ostergeheimnis) immer dieses dreifache Mysterium und sie priesen sogar am Karfreitag vor dem Stamme des hl. Kreuzes die Herrlichkeit des Auferstandenen: „Dein Kreuz, o Herr, verehren wir, preisen und erheben deine hl. Auferstehung“.

INTROITUS (Ps 21, 20.22).
Den 21. Psalm betete der Herr am Kreuz; anschaulich gibt er Jesu Leiden, seine Schmach, die Empfindungen seines Herzens und die Hoffnung auf die nahe freudenvolle Auferstehung wieder:
„Herr, laß deine Hilfe nicht ferne sein von mir; schau, mir zu helfen. Entreiße mich dem Rachen des Löwen, den Hörnern der Rüffel mich Armen.“

Die KOLLEKTE in ihrer gewählten Sprache ist ein Meisterwerk aus dem goldenen Zeitalter der Liturgie:
„Allmächtiger, ewiger Gott, nach deinem Willen hat unser Heiland, um dem Menschengeschlecht ein Beispiel der Demut zur Nachahmung zu geben, Fleisch angenommen und den Kreuzestod erlitten: verleihe uns gnädig, daß sein Dulden sich an uns wirksam erweise und wir an seiner Auferstehung teilzunehmen gewürdigt werden.“

Das Gebet erklärt die tiefe Bedeutung der hl. Riten, die in dieser Woche an uns vorüberziehen. Der Gekreuzigte ist das Ruch, in dem die Seele alles findet, was Gott von ihr zu ihrer Heiligung verlangt. Die Worte, daß „sein Dulden sich an uns wirksam erweise“ bedeuten, daß wir in unserm Leben die Belehrungen über das Leiden und die Sühne, die Jesus von der Kanzel des Kreuzes herab uns erteilte, Tat werden lassen.

Einmal wird auch an uns zur Wirklichkeit die Hoffnung der Auferstehung, welche die Kirche stets mit den Gedanken an das Kreuz verbindet.

EPISTEL (Phlp 2, 5-11).
Jesus verbirgt aus Liebe zu uns die Herrlichkeit seiner Gottheit, nimmt Knechtsgestalt an und gehorcht seinem himmlischen Vater bis zum schimpflichen und qualvollen Tode am Kreuz. Mit dem Kreuzestod endet das Sühnopfer und beginnt der Triumph und die Herrschaft des Messiasreiches. Gott erweckt durch seine Macht den erkalteten Leib Jesu zu neuem Leben, nachdem er am Kreuz als Opfer dargebracht worden ist. Er teilt ihm von seinem eigenen göttlichen Leben mit und verleiht dem Namen Jesu, den Pilatus in der Inschrift des Kreuzesbalkens dem Spotte preisgab, Kraft und Herrlichkeit, ja, macht ihn zum Symbol der Auserwählung.

Das GRADUALE (Ps 72,24 u. 1—3) spielt schon auf den Tri¬umph des Ostersonntags an:
„Du nimmst meine rechte Hand, geleitest mich nach deinem Willen, nimmst mich in Ehren auf.“
In seinem Leiden entbrennt der Heiland von heiligem Feuer, da er den Untergang so vieler Seelen sieht; ohne Furcht stellt er sich den Feinden des menschlichen Heils, den Dämonen und den mit ihnen verbündeten Gottlosen entgegen. Er erliegt unter ihren Streichen, als seine hl. Seele durch die furchtbaren Qualen am Kreuz sich vom Leibe trennt und das demütigende Grab ihn aufnimmt. Und doch war die Hand des Allmächtigen über seinem eingeborenen Sohne, sie geleitete ihn auf seinem irdischen Lebensweg und setzte ihm durch seine Auferstehung und Himmelfahrt die Krone der Herrlichkeit auf.

Im TRAKTUS oder directaneus (Ps 21, 2-9.18.19.22.24.32) schildert der Psalmist den qualvollen Todeskampf Jesu, seine Demut, seine innere Verlassenheit und vertrauensvolle Hingabe an Gott, den Triumph der Erlösung, und kündet zum Schlüsse ein neues Geschlecht an, d. h. die Kirche, für welche die Botschaft des Evangeliums bestimmt ist.

Das EVANGELIUM (Mt 26, 1-75; 27, 1-66) erzählt die Leidensgeschichte des Herrn vom letzten Abendmahle bis zur Anlegung der Siegel am Grabe. Die Lesung der „Passion“ ist in Rom eine alte Gewohnheit und wird uns von den Ordines des 9. Jahrhunderts bereits bezeugt.

Das Andenken an die Schmerzen, die Jesus Christus aus Liebe für uns ertrug, muß in unsern Herzen immer lebendig bleiben und muß in uns ähnliche Gefühle der Liebe und Dankbarkeit erwecken, wie beim hl. Paulus, der da schrieb:
„Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Mein jetziges Leben im Fleische ist ein Leben im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingeopfert hat.“
Der Gekreuzigte lehrt uns insbesondere ein dreifaches: erstens die Größe der Liebe der hl. Dreifaltigkeit zu uns, da sie Jesus, den eingeborenen Sohn Gottes für uns opferte; zweitens die Furchtbarkeit der Sünde, die nur durch den schmachvollen Tod des Heilandes gesühnt werden konnte; drittens den Wert der Seele, die nur um den Preis des Blutes Jesu erkauft wird. Paulus schließt seine Betrachtung über das Leiden Jesu mit den Worten:
„Ihr seid um einen teuren Preis erkauft worden. So verherrlicht (und traget) Gott in eurem Leibe.“

Das OFFERTORIUM (Ps 68, 21—22) weist hin auf die Passion des Erlösers:
„Schmach erwartete mein Herz und Elend; ich schaute aus, ob einer mit mir trauere, und es war keiner; ob einer mich tröstete, und ich fand ihn nicht. Sie gaben zur Speise mir Galle, und in meinem Durst tränkten sie mit Essig mich.“

In gleicher Weise gab Jesus seiner Verlassenheit Ausdruck gegenüber der hl. Gertrud und der hl. Maria Alacoque und offenbarte das sehnliche Verlangen, es möchten doch die Seelen, die sich ihm besonders geweiht haben: die Priester und Ordensleute, in seine Gefühle eindringen, mit ihm Sühne und Ersatz leisten und ihn durch ihre Liebe trösten.

SEKRET und POSTCOMMUNIO, wie am Sonntag in der Weihnachtsoktav, haben allgemeinen Charakter.

COMMUNIO (Mt 26, 42):
„Vater, wenn es nicht möglich ist, daß dieser Kelch vorübergehe, ohne daß ich ihn trinke, so geschehe dein Wille.“
In den Zeiten, da die Gläubigen unter dem Gesang dieser Worte sich wirklich dem Kelche mit dem Blute Christi näherten, den ihnen der Diakon darreichte, begriffen sie ganz, daß Kommunizieren so viel heißt als auf das innigste am Leiden des Erlösers teilnehmen. In der hl. Messe erneuert Jesus nicht nur geheimnisvoll sein Kreuzesopfer; durch die hl. Kommunion vereinigen wir uns auch mit ihm, wie die Glieder mit dem Haupte, wir erniedrigen uns, wir opfern uns, wir bringen uns dar, um zu sterben in seinem Tode und dadurch teil zu haben an seinem Leben. Der Leidenskelch wird auch an uns nicht vorübergehen; ein jeder muß ihn trinken, will er leben und Gottes Willen erfüllen. .

(Ildefons Schuster. Liber Sacramentorum III.)

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Wir richten nichts aus

Im Evangelium Jo 12, 10-36) lesen wir den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem bereits einen Tag vorher. Jesus will sich vor dem Hohen Rate offen und ausdrücklich als Messias zeigen und hält deshalb einen feierlichen Einzug in Jerusalem mit all den begleitenden Umständen, wie die Propheten sie geweissagt hatten. Die Jubel- und Hosannarufe der Volksmenge und Kinder entspringen der Begeisterung über die Totenerweckung des Lazarus. Nun können die Juden nicht mehr überrascht und im Zweifel sein, wenn Jesus ihnen keine offene Antwort auf ihre Frage über seine Gottheit mehr gibt. Jesu Licht glänzt jetzt in seiner ganzen Fülle: seine Worte und seine messianischen Werke sind die Erfüllung der prophetischen Verheißungen. Eine der Weissagungen bezieht sich auf die armen Heiden: sie sollen der Vorrechte und des Segens Abrahams teilhaftig werden. Ihre Verwirklichung beginnt und die beiden Proselyten, die Philippus bitten, ihnen Jesus zu zeigen, sind die Erstlinge der griechischen und römischen Welt, die der göttliche Erlöser bald an sich ziehen wird.

Noch steht der Kreuzestod Jesu bevor, den Juden ein Ärgernis, den Heiden ein Spott, im Plane Gottes aber die notwendige Bedingung zur Erlösung, nicht nur für den Herrn, sondern im besonderen für uns. Es genügt nicht, dass Jesus sein Kreuz für uns getragen hat. Wenn wir gerettet werden wollen, dann müssen wir unser Kreuz auf die Schultern nehmen und es aus Liebe zu ihm geduldig tragen. Wie das Weizenkorn nicht keimt, wenn es nicht vorher im Acker stirbt, so hat auch die Seele am göttlichen Leben Jesu keinen Anteil, wenn sie nicht zuvor mit ihm in den Tod geht.

Ein richtiges Eingeständnis machen die Pharisäer im heutigen Evangelium:

„Wir richten nichts aus;
die ganze Welt läuft ihm nach.“

Diese Wahrheit, die so oft im Laufe der Geschichte ihre Erfüllung gefunden hat, mag uns trösten, besonders in den Augenblicken der Mutlosigkeit, wenn wir das Böse zeitweise über die Kirche Gottes triumphieren sehen. Jesus hat den Sieg der Kirche vorausgesagt und sein Wort vergeht nicht. Christus ist Sieger, Herrscher, König, und wird in wenigen Tagen vom Kreuzesstamm herab die ganze Welt an sich ziehen.

(Ildefons Schuster. Liber Sacramentorum III.)

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Gott allein genügt der Seele

Lesung Jeremias 17, 13-18) – Jeremias ist das Vorbild des von den Juden verfolgten Heilandes; deswegen legt die Kirche im Offizium der Passionszeit dem Erlöser die Worte furchtbaren Schmerzes, gänzlicher Verlassenheit, aber auch sicherer Zuversicht in den Mund, die der Prophet in den Lamentationen ausspricht. Die heutige Lesung stellt den Gerechten in Gegensatz zu seinen Feinden. Jeremias hat nie auf menschlichen Trost seine Hoffnung gesetzt: „ich habe nicht gute Tage nach Menschenart ersehnt“. Mit diesen Worten enthüllte auch eine edle Seele, der selige Nikolaus von Preußen, im Sterben sein Denken und Wollen. Der Prophet weiß, dass alles Irdische vom Wind verweht wird und, um seine eigenen Worte zu gebrauchen, dass es wie eine Schrift im Sande ist. Gott allein genügt der Seele. Ist Gott für uns, so ficht uns das Urteil der ganzen Welt nicht an.

Das Graduale [Ps 34, 20.22] schildert die Doppelzüngigkeit und Bosheit der Feinde Jesu:

„Friedlich redeten zu mir meine Feinde,
aber mit ihren Hassgedanken waren sie mir zur Last.
Du sahst es, Herr,
o schweige nicht und gehe nicht fort von mir.“

Dem Hohen Rat gelingt es nicht, sich der Person Jesu zu bemächtigen, da das Volk ihn liebte; so nimmt er denn seine Zuflucht zum Verräter Judas, zu falschen Zeugen und zur Anklage der Gotteslästerung. Während des Prozesses gegen den Erlöser selbst verletzt er die gesetzliche Form und verurteilt unter dem Vorwande des Eifers für die Ehre Gottes und die Rechte des Kaisers einen Unschuldigen zum Tode, seinen Schöpfer und Erlöser. Der Prozess war ein Betrug an der Wahrheit. Gott sah es und schwieg nicht. Je mehr die Juden die Person Jesu in den Schmutz zogen, um so heller erstrahlte seine Heiligkeit, die alle bekennen müssen, die am Gottesmord beteiligt waren. Jesu Unschuld müssen Judas, Herodes, Pilatus, der römische Hauptmann, ja die Natur selbst verkünden, die beim Tode des Herrn in ihren Grundfesten erzitterte.

(Ildefons Schuster. Liber Sacramentorum III.)

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Du hast Hoffnung gegeben

Zusammenkunft: St. Marien an der via lata Stationskirche: St. Apollinaris „in Archipresbyteratu“ – Die Diakonie St. Marien an der via lata wurde etwa zur Zeit Sergius‘ I. erbaut. Nach einer alten Legende, die wohl den Ausschmücker der Kirche, Papst Paul I., mit dem Apostel Paulus verwechselt, stand hier das Haus, das der Apostel während seiner ersten Gefangenschaft in Rom zwei Jahre lang mit dem hl. Lukas bewohnte. Geschichtlich steht der Ort der Apostelwohnung nicht fest. Unter dem Hauptaltare ruht der Leib des hl. Märtyrers Agapitus von Palästrina, sowie Reliquien des hl. Diakons Cyriakus.

Die Basilika „in Archipresbyteratu“ ist dem Andenken des hl. Apollinaris, des Patrons der Stadt Ravenna, geweiht. Im hohen Mittelalter war die Macht dieser Stadt sehr groß und fühlten sich ihre Metropoliten, ähnlich wie die ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, infolge der Bevorzugung durch die kaiserlichen Exarchen, gleich anderen Päpsten. Man war daher gezwungen, große Rücksicht auf diese Prälaten zu nehmen; gerade zu dieser Zeit ihrer Machtfülle entstanden in Rom verschiedene Kirchen und Kapellen zu Ehren des hl. Apollinaris. Die eine befand sich beim Vatikan, eine andere beim Lateran, die heutige Stationskirche bei den Rädern des Severus, eine vierte an der via Appia.

Die römische Kirche betonte bei der Verehrung dieses Heiligen vor allem die Tatsache, daß er ein Schüler des hl. Petrus gewesen war und von ihm den Auftrag zur Bekehrung der Romagna empfangen hatte. Weil aber seine Nachfolger, die Metropoliten von Ravenna, sich gern der päpstlichen Jurisdiktion entziehen wollten, so schärfen die Lesungen am Feste des Heiligen Demut und Verachtung gegenüber jenem herrischen Geiste ein, welcher weltlichen Gewalten so oft eigen ist.

Communio Ps 118, 49-50)
„Gedenke deines Wortes an deinen Knecht, o Herr,
durch das du Hoffnung mir gegeben;
die hat mich getröstet in meinem Elend.“

Das Wort des Trostes und der Hoffnung heißt Jesus,
denn dieser Name besagt Gnade, Hoffnung und Liebe.

(Ildefons Schuster. Liber Sacramentorum III.)

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