Christus das Licht

Die Menschen haben ein Gesicht,
ein unwiederbringliches Gesicht verloren,
und wer möchte nicht jener Pilger sein,
der in Rom
das Schweißtuch der Veronika
erblickt und gläubig flüstert:

„Jesus Christus, mein Gott, wahrer Gott,
so also hat dein Gesicht ausgesehen?“

Wüssten wir in Wahrheit, wie es aussah,
so besäßen wir den Schlüssel zu den Gleichnissen
und wüssten, ob der Sohn des Zimmermanns
auch der Sohn Gottes war.

Paulus sah es als Licht, das ihn niederwarf.
Johannes sah es als Sonne,
wenn sie in ihrer höchsten Leuchtkraft steht.
Teresa von Jesus sah es viele Male,
in ein ruhiges Licht getaucht,
und konnte doch nie
die Farbe der Augen genau angeben.

(Jorge Luis Borges, El Hacedor (1960), Paradiso, XXXI, 108
Übertragung ins Deutsche von Paul Badde)

Volto Sando von Manoppello – Foto Paul Badde

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Die Kirche wird von INNEN aus den Angeln gehoben, nicht von außen!

Ich begreife nicht,
wie wir uns noch darüber wundern mögen,
dass es in der Kirche so viele und große Übel gibt,
wenn sogar jene,
die allen übrigen als Tugendmuster hätten dienen sollen,
das Werk, das der Geist der Heiligung vergangener Zeiten
im Klerus und in den Ordensständen hinterlassen hat,
so gründlich zerstören.

(aus: Teresa von Avila. Leben)

Papst Benedikt XVI. sagte unmittelbar vor dem Antritt seines Amtes als Papst:

“Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten? […] Herr, oft erscheint uns deine Kirche wie ein sinkendes Boot, das schon voll Wasser gelaufen und ganz und gar leck ist. […] Das verschmutzte Gewand und Gesicht deiner Kirche erschüttert uns. Aber wir selber sind es doch, die sie verschmutzen.” (Joseph Ratzinger: Kreuzwegmediation)

Und später:

“[D]ie Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Innern der Kirche, von der Sünde, die in der Kirche existiert. Auch das war immer bekannt, aber heute sehen wir es auf wahrhaft erschreckende Weise: Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde in der Kirche.” (“Interview von Benedikt XVI. mit den Journalisten auf dem Flug nach Portugal”)

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Martertod der heiligen Agnes – 21. Januar

Agnes war zwölf Jahre alt, als sie den Martertod erlitt.

Keine Braut schreitet so beglückt zum Hochzeitsfeste, wie Agnes zur Stätte ihres Martertodes eilte.

Ihr Haupt schmückte nicht kunstvoll geflochtenes Haar, kein Blumengewinde, sondern der Liebreiz der Reinheit für ihren himmlischen Bräutigam.

Alle weinten, sie selbst war ohne Träne, vielmehr voll Glück und Freude. Alle staunten, dass sie so leicht ihr eben erst begonnenes Leben opferte; sie aber stand da als Zeuge des ewigen Gottes.

„Der soll mich als Braut holen, der mich zuerst erwählt hat. Mein Leib ist eins geworden mit dem seinen, sein Blut hat meine Wangen gerötet. Er zeigte mir seine herrlichen Schätze, die er mir zu geben versprochen hat. Seine Mutter ist eine Jungfrau, sein Vater kennt keine Frau. Ihm bin ich anverlobt, ihm, dem die Engel dienen, dessen Schönheit Sonne und Mond bewundern.“

Sie betete und beugte willig den Nacken dem Henker.
Der zitterte, als er die Hand zum Todesstreich ausholte.

Papst Damasus hatte eine Inschrift an ihrem Grabe anbringen lassen. Daraus:

„Als dieser ihren edlen Leib ins Feuer werfen wollte, habe sie habe sie mit ihren schwachen Kräften die gewaltige Furcht überwunden. Entkleidet habe sie die Fülle ihres Haares über die Glieder gebreitet, damit kein Antlitz des Herrn Tempel schaue.“

(aus: Gamber, Zeugnis der Martyrer)

Hl. Agnes, Foto: oddee.com

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Die Bernhardinerinnen von Esquermes

Bernhardinerinnen sind heute eine eigene Kongregation (Zweig) des Zisterzienserordens. In der Frühzeit der Zisterzienser wurden die Nonnen des Ordens, da sie dem heiligen Bernhard folgen wollte, oft Bernhardinerinnen genannt.

Die nordfranzösischen Nonnen-Abteien Notre Dame de la Brayelle in Annay (1196), Notre Dame de la Woestine in St. Omer (1217) und Notre Dame des Près in Douai (1221) waren drei Zisterzienserinnenklöster für Frauen in Flandern in Frankreich. Wie alle Klöster des Landes wurden auch diese Abteien mit der Französischen Revolution 1789 aufgelöst und die Mitglieder zerstreut.

Drei Nonnen aus jeder der oben genannten Abteien trafen sich nach der Revolution mit dem einzigen Ziel, ihr klösterliches Leben als Zisterzienserinnen wieder aufzunehmen. Nach vielen Jahren im Exil und auf Reisen von Ort zu Ort konnte sich schließlich eine neu gebildete Gemeinschaft in dem kleinen Dorf Esquermes in der Nähe von Lille niederlassen, wo sie 1827 offiziell anerkannt wurde.

1936 wurde zunächst eine geistliche und informelle Verbindung zu den „Zisterziensern der strikten Observanz“ (Trappisten) hergestellt. Im Jahr 1955 wurden die Bernhardinerinnen von Esquermes offiziell als Kongregation im Orden der Zisterzienser mit feierlichen Gelübden anerkannt: „Ordo Monialium Cisterciensium Bernardinarum de Esquermes“.

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Aus dem Orden der Kongregation der Bernhardinerinnen von Esquermes verstarb am Fest der unbefleckten Empfängnis, dem 8. Dezember 2021, im Alter von 99 Jahren Schwester Marie-Helene.

Nach einem ausgezeichneten Studium in Mathematik, Physik und Chemie trat sie in den Karmel ein. Obwohl sie dort sehr glücklich war, erlaubt es ihre angegriffene Gesundheit nicht, Profess ablegen zu können. Man rät ihr zum Übertritt zu den Bernhardinerinnen.

In dem neuen Orden fühlt sie sich wohl. Ihre Persönlichkeit wie ihre Studien lenken die Aufmerksamkeit der Oberen auf sie. In den Gemeinschaften und im Orden werden ihr verschiedene Verantwortlichkeiten anvertraut. U. a. wirkt sie als Lehrerin in Lille und in Cambrai, wo sie Direktorin wird. Etwa zwanzig Jahre ist sie Generalökonomin und Generalpriorin in Péruwelz (Belgien) und später im Kloster „Monastère N.­D. de la Plaine„.

Das lange Leben von Schwester Marie-Helene verlief dennoch in großer Einfachheit, in der totalen Hingabe ihrer selbst an die Gemeinschaften, in denen sie lebte. Sie war zurückhaltend und diskret, aufmerksam für jeden. Sie zeichnete sich auch durch eine freudige, schnelle und effiziente Dienstbarkeit aus.

Es wird berichtet, dass Schwester Marie-Helene eine Beterin gewesen sei. Früh morgens sah man sie als Erste in der Kirche; hier war sie vor und bei den Gottesdiensten des Tages in ein tiefes Gebet eingetaucht.

Friedlich und schweigsam schuf sie durch ihre Anwesenheit eine heitere Atmosphäre um sich herum. Ihr feiner Humor, der von einem guten Urteilsvermögen und einem richtigen Blick geprägt war, sorgte für Distanz bei den kleinen Reibereien des Alltags und den Unwägbarkeiten des Alters. Man liebte ihre diskrete und intensive Präsenz. Sie diente der Gemeinschaft fast bis zu ihrem Ende; sie legte Wert darauf, die Dienste zu leisten, die ihre völlig zusammengekrümmten Hände ihr noch erlaubten.

Erst durch einen Sturz ein Jahr vor ihrem Tod wurde sie plötzlich völlig von anderen abhängig. Ohne zu klagen akzeptierte sie ihren neuen Zustand. Es schien ihr nichts auszumachen.

Schwester Marie-Helene starb diskret und friedlich im 70. Jahr ihrer klösterlichen Profess, am Tag der Unbefleckten Empfängnis Mariens, zu der sie stets fleißig betete.
Der zum Schmunzeln einladende schöne Spruch auf der Benachrichtigung des Todes der fast hundertjährigen Schwester Marie-Helene lautet:

„Ich hüpfe vor Freude in dem Herrn,
meine Seele jubelt in meinem Gott.“
(Jes 61,10)

Schwester Marie-Helene möge ruhen in Frieden!

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Gebet um die Rettung der Seelen

„Meine Kinder, merkt euch wohl:
Sooft ich eine Gnade erhalten habe,
erlangte ich sie mit diesem Gebet. Es trügt niemals.“

„O Mutter Jesu,
durch deine unermesslichen Schmerzen
beim Leiden und Sterben
deines göttlichen Sohnes
und um der bitteren Tränen willen,
die du vergossen hast bitte ich dich:

Opfere den heiligen,
mit Wunden und Blut bedeckten Leib
unseres göttlichen Erlösers
in Vereinigung mit deinen Schmerzen und Tränen
dem himmlischen Vater auf
zur Rettung der Seelen
und um die Gnade zu erlangen,
um die ich dich anflehe.
Amen.“

(Hl. Jean-Marie Vianney, Pfarrer von Ars)

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AVE MARIA

Heilige Maria, du Mutter des Erlösers;
du Königin der Märtyrer,
auf Kalvaria wurde deine Seele
vom Schwert des Schmerzes durchbohrt.

Heilige Maria, du Mutter der Kirche,
in der entscheidendsten Stunde der Menschheit
hat dir dein Sohn den Jünger anvertraut.
So wurdest du auch unsere Mutter,
die Mutter aller Erlösten.

Heilige Maria, du Mutter der Barmherzigkeit,
als deine Kinder vertrauen wir uns
deinem mütterlichen Herzen an.
Wir wollen unser Leben nach der Frohen Botschaft
deines Sohnes ausrichten,
auf dessen Namen wir getauft sind.
Wir wollen als Boten des Friedens das Licht des Glaubens,
der Hoffnung und der Liebe zu den Menschen tragen,
die von der Dunkelheit der Gottesferne,
der Sinnleere und des Hasses bedrängt werden.

Heilige Jungfrau, erbitte uns den heiligen Geist,
dass unsere Familien als Christliche Keimzellen
Jungen Menschen die Werte des Evangeliums und die Liebe zur Kirche vermitteln.
Erflehe uns auch Priester — und Ordensberufungen —
glaubwürdige Zeugen für das anbrechende Reich Gottes.

Heilige Maria, erbitte allen die Gnade,
sich in Kreuz und Leid mit jener Gesinnung Gott anheim zu geben,
in der du selbst in schwersten Stunden
deinem Sohn verbunden warst.

Vertrauensvoll blicken wir auf zu deinem Bild und sprechen:
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

AVE MARIA

ROSENKRANZKÖNIGIN

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Wie ich den überlieferten Ritus wiederentdeckt habe und Zeugnis gebe.

Ihr, die ihr euch erlaubt, die apostolische Heilige Messe zu verbieten, habt ihr sie jemals zelebriert? Ihr, die ihr von euren hohen liturgischen Lehrstühlen aus scharfe Urteile über die „alte Messe“ sprecht, habt ihr jemals über ihre Gebete, ihre Riten, ihre uralten und heiligen Gesten nachgedacht? …

Ich hatte diese Messe vergessen, die auch die meiner Priesterweihe am 24. März 1968 war: eine Zeit, in der man bereits die Zeichen der Revolution spüren konnte, die die Kirche bald ihres wertvollsten Schatzes berauben würde, um einen gefälschten Ritus einzuführen. …

Wir wollten glauben, daß der wirtschaftliche Wohlstand irgendwie mit einer moralischen und religiösen Wiedergeburt des Landes einhergehen könnte. Trotz 68, der Besetzungen, des Terrorismus, der Roten Brigaden, der Nahostkrise. Inmitten von Tausenden von kirchlichen und diplomatischen Verpflichtungen hatte sich in meinem Gedächtnis aber die Erinnerung an etwas herauskristallisiert, das eigentlich ungelöst geblieben war und jahrzehntelang „vorübergehend“ beiseitegelegt wurde. Etwas, das geduldig wartete, mit der Nachsicht, die nur Gott uns entgegenbringt. …

Und was ich bis dahin nicht verstanden hatte, wurde mir durch einen scheinbar unerwarteten Umstand klar, als meine persönliche Sicherheit in Gefahr zu sein schien und ich mich trotz allem gezwungen sah, fast im Untergrund zu leben, weit weg von den Palästen der Kurie.

Damals führte mich diese gesegnete Absonderung, die ich heute als eine Art mönchische Entscheidung betrachte, zur Wiederentdeckung der heiligen tridentinischen Messe. …

Lesen Sie den ganzen Brief von Erzbischof Carlo Maria Viganò,
das beste, was ich von ihm kenne:

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Ein kleines Kind, das einnickt über seinem Gebet

Das Mysterium der unschuldigen Kinder

Von Charles Péguy.

Nichts ist schöner als ein Kind, das einnickt, während es sein Gebet spricht, sagt Gott.
Ich sage euch, es gibt nichts Schöneres auf der Welt.
Und dabei habe ich viel Schönes gesehen auf der Welt.
Ich kenne mich aus. Meine Schöpfung ist übervoll mit Schönem.
Meine Schöpfung ist übervoll mit Wundern.
So vielen, dass man nicht weiß, was man mit diesen vielen Wundern machen soll.
Ich habe Millionen und Abermillionen von Gestirnen unter meinen Füßen kreisen sehen wie Meeressand.
Ich habe Tage gesehen glühend wie Flammen.
Sommertage, Tage im Juni, Juli und im August.
Ich habe Winterabende gesehen ausgebreitet wie ein Umhang.
Ich habe Sommerabende erlebt so ruhig und süß wie ein Paradiesregen
Mit Sternen bestreut.
Ich habe diese Hügel der Mosel und diese Kirchen gesehen, die mein Zuhause sind.
Und Paris und Reims und Rouen und Kathedralen, die meine Paläste sind, meine Schlösser.
So schön, dass ich sie im Himmel behalten werde.
Ich habe die Hauptstadt des Reiches in Rom gesehen, der Hauptstadt der Christenheit.
Ich habe die Gesänge der Messe und triumphaler Vespern gehört.
Ich habe die Ebenen und die Täler Frankreichs gesehen.
Die das Schönste sind.
Ich habe das tiefe Meer gesehen, den tiefen Wald, das tiefe Herz des Menschen.
Ich habe Herzen gesehen, die sich verzehrt haben vor Liebe
Ihr ganzes Leben lang
Liebesbegeisterte.
Die brannten wie Flammen:
Ich habe Märtyrer gesehen so beseelt vom Glauben
Dass sie standhielten im Schraubstock des Peinigers
Zwischen den Zähnen aus Eisen
(Wie ein Soldat sein ganzes Leben lang allein ausharrt
Aus Glauben
An seinen -augenscheinlich- abwesenden General)
Ich habe Märtyrer gesehen, die wie Fackeln brannten
So die immergrünen Siegespalmen bereitend.
Ich habe zwischen den eisernen Zähnen herabtropfen sehen
Blutstropfen schillernd wie Diamanten.
Ich habe Tränen der Liebe vergießen sehen
Die länger dauern als die Sterne am Himmel.
Und ich habe Blicke des Gebets gesehen, Blicke der Milde,
Liebesbegeisterte
Die auf ewig die Nacht erhellen.
Ich habe ganze Leben, von der Geburt bis zum Tod,
Von der Taufe bis zur Letzten Ölung,
sich abspulen sehen wie ein Wollknäuel.
Und doch kenne ich jetzt, sagt Gott, nichts Schöneres auf der Welt
Als ein kleines Kind, das einnickt über seinem Gebet
Unter den Flügeln des Schutzengels
Das mit einem Lächeln hinübergleitet ins Land der Träume.
Und schon alles durcheinanderbringt, und nur noch wirres Zeug sagt
Und die Worte des Vaterunser durcheinanderbringt, und mit dem Ave Maria verwechselt
Den Worten des Ave Maria
Während sich über seine Lider bereits ein schwerer Schleier legt,
Über seinem Blick, seiner Stimme, der Schleier der Nacht.
Ich habe die größten Heiligen gesehen, sagt Gott. Nun gut, ich sage euch.
Ich habe nie etwas Komischeres, also Schöneres, gesehen auf der Welt
Als dieses Kind, das beim Beten einnickt
(Als dieses kleine Menschenwesen, das voller Zuversicht einschläft)
Und Vaterunser und Ave Maria durcheinanderbringt.
Nichts ist schöner, und darin stimmt selbst
Die Heilige Jungfrau mit mir überein.
In dieser Sache.
Und ich kann sagen, dass das der einzige Punkt ist, in dem wir einer Meinung sind. Denn normalerweise sind unsere Meinungen gegensätzlich.
Weil sie für die Barmherzigkeit ist.
Ich aber für die Gerechtigkeit sein muss.

Wie gut, sagt Gott, verstehe ich doch meinen Sohn. Mein Sohn hat das immer und immer wieder gesagt. (Weil man jedes Wort meines Sohnes ganz genau verstehen muss.)
Sinite parvulos. Lasset sie kommen.
Sinite parvulos venire ad me. Lasset die Kinder zu mir kommen.
Die Kinder.

Und da wurden ihm Kinder gebracht, damit er ihnen die Hände auflegte und betete. Nun wurden sie von den Jüngern gerügt.
Aber Jesus sagte zu ihnen: Lasset die Kinder zu mir kommen: talium est enim regnum coelorum. Denn ihrer ist das Himmelreich. Ihnen, Kindern wie ihnen, gehört das Himmelreich.
Und nachdem er ihnen die Hände aufgelegt hatte, ging er von dannen.

(Quelle: 30Tage 9, 2011)

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Paulus der Einsiedler – 15. Januar

Paulus der Einsiedlet, auch Paulus von Theben genannt, gilt als der erste ägyptische Einsiedler. Sein Leben wird überliefert in der von Hieronymus verfassten Vita Pauli primi eremitae. Danach wurde Paulus im Jahr 228 als Sohn wohlhabender christlicher Eltern in Ägypten geboren. Nach dem Tod der Eltern entsagte er der Welt und ging er als erster Einsiedler und Asket in die ägyptische Wüste. Dort lebte er jahrzehntelang in völliger Einsamkeit und wurde von Gott ernährt durch eine Quelle und einen Raben, der ihm täglich ein halbes Brot brachte.

Zu seiner Zeit lebte auch der bedeutende Einsiedler Antonius in der ägyptischen Wüste. Gott hatte es dem Antonius eingegeben, Paulus aufzusuchen. Es heißt, dass ein Mischwesen, halb Mensch halb Pferd, Antonius den Weg durch die Wüste wies. So kommt es zu der Begegnung der beiden heiligen Einsiedler. Antonius musste lange vor der Zelle des Paulus warten, bis ihn dieser endlich einließ. Dann fielen sie sich in die Arme und nach dem heiligen Kuss setzte sich Paulus mit Antonius nieder und sagte:

„Hier ist der, den du mit so viel Mühe gesucht hast, die Glieder morsch vor Alter, mit ungepflegtem grauem Haar. Du siehst einen Menschen vor dir, der bald zu Staub werden wird. Aber weil die Liebe alles erträgt, erzähle mir, ich bitte dich, wie es um das menschliche Geschlecht steht, ob sich in den alten Städten neue Häuser erheben, welche Macht die Welt regiert und ob es noch Menschen gibt, die im Irrtum der Dämonen befangen sind.“

Während sie miteinander redeten, bemerkten sie einen Raben, der sich auf einem Zweig des Baumes niedergelassen hatte. Von dort flog er leise herab und legte ein ganzes Brot vor ihren staunenden Augen nieder. Als er fortgeflogen war, sagte Paulus:

„Sieh, der Herr, der wahrhaft barmherzig ist, hat uns das Essen gesandt. Seit sechzig Jahren habe ich immer ein halbes Brot bekommen; aber bei deinem Kommen hat Christus seinen Soldaten die Ration verdoppelt.“

Nachdem sie Gott Dank gesagt hatten, setzten sie sich zusammen am Rand der kristallklaren Quelle nieder. Da entstand ein Streit darüber, wer das Brot brechen sollte; er dauerte fast den ganzen Tag bis zum Abend. Paulus bestand auf der Sitte der Gastfreundschaft, Antonius wies dies mit dem Recht des Alters zurück. Schließlich einigten sie sich darauf, dass jeder eine Seite des Brotes ergreifen, zu sich ziehen und das behalten sollte, was in seinen Händen blieb. Dann tranken sie etwas Wasser, indem sie den Mund an die Quelle hielten. Nachdem sie Gott das Opfer des Lobes dargebracht hatten, verbrachten sie die Nacht im Gebet.

Als sich der Tag zum Abend neigte, sagte der selige Paulus zu Antonius: „Seit langem wusste ich, Bruder, dass du in diesen Gegenden wohnst. Nun aber da die Zeit meines Heimgangs gekommen ist, bist du von Gott gesandt worden, um meinen Körper in die Erde zu legen und der Erde die Erde zurückzugeben.“

Wenige Tage, nachdem Antonius in seine Zelle zurückgekehrt war, wurde ihm der Tod des Paulus offenbart. Er machte sich auf und fand den Leichnam des Heiligen in dessen Zelle. Zwei Löwen hatten für ihn ein Grab ausgehoben. Antonius hüllte ihn, wie es sich Paulus erbeten hatte, in dem Mantel, den er selbst vom heiligen Athanasius bekommen hatte. So bestattete er den Heiligen.

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Hl. Hilarius von Poitiers – 14. Januar

Ein großer Kirchenvater des Westen ist hl. Hilarius von Poitiers – eine große Bischofsgestalte des 4. Jahrhunderts.

In der Auseinandersetzung mit den Arianern, die Jesus, den Sohn Gottes, als Geschöpf, wenn auch ein hervorragendes Geschöpf, aber eben nur als Geschöpf betrachteten, hat Hilarius sein ganzes Leben der Verteidigung des Glaubens an die Gottheit Jesu Christi gewidmet, Sohn Gottes und Gott wie der Vater, der ihn von Ewigkeit her gezeugt hat.

Über den Großteil des Lebens des Hilarius verfügen wir über keine gesicherten Angaben. Die alten Quellen sprechen davon, daß er wahrscheinlich um das Jahr 310 in Poitiers geboren wurde. Aus wohlhabender Familie stammend, erhielt er eine solide literarische Ausbildung, die an seinen Schriften deutlich erkennbar ist. Er scheint nicht in einer christlichen Umgebung aufgewachsen zu sein. Er selbst spricht von einem Weg der Suche nach der Wahrheit, die ihn nach und nach zur Kenntnis des Schöpfergottes und des menschgewordenen Gottes führte, der gestorben ist, um uns das ewige Leben zu schenken. Getauft um das Jahr 345, wurde er um das Jahr 353–354 zum Bischof seiner Geburtsstadt gewählt. In den folgenden Jahren schrieb Hilarius sein erstes großes Werk, den Kommentar zum Matthäusevangelium. Es handelt sich um den ältesten uns überlieferten Kommentar zu diesem Evangelium in lateinischer Sprache. Im Jahr 356 nimmt Hilarius als Bischof an der Synode von Béziers in Südfrankreich teil, der »Synode der falschen Apostel«, wie er selbst sie nennt, da die Versammlung von den arianerfreundlichen Bischöfen beherrscht wurde, die die Gottheit Jesu Christi leugneten. Diese »falschen Apostel« verlangten von Kaiser Konstantius die Verurteilung und Verbannung des Bischofs von Poitiers. Hilarius wurde also im Sommer 356 zum Verlassen Galliens gezwungen.

In der Verbannung in Phrygien in der heutigen Türkei kam Hilarius mit einem religiösen Umfeld in Berührung, das vollständig vom Arianismus beherrscht war. Auch dort drängte ihn seine Hirtensorge, unermüdlich für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche auf der Grundlage des rechten Glaubens zu arbeiten, wie er vom Konzil von Nizäa formuliert worden war. Zu diesem Zweck begann er mit der Abfassung seines wichtigsten und bekanntesten dogmatischen Werkes: De Trinitate (Über die Dreifaltigkeit). Darin legt Hilarius seinen persönlichen Weg zur Erkenntnis Gottes dar und bemüht sich aufzuzeigen, daß die Heilige Schrift die Gottheit des Sohnes und seine Gleichheit mit dem Vater nicht nur im Neuen Testament bezeugt, sondern auch an vielen Stellen des Alten Testaments, wo bereits das Geheimnis Christi aufscheint. Gegenüber den Arianern besteht er auf der Wahrheit der Namen Vater und Sohn und entwickelt seine ganze Trinitätstheologie von der Taufformel her, die uns vom Herrn selbst gegeben worden ist: »Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes«.

Der Vater und der Sohn sind eines Wesens. Und für den Fall, daß einige Stellen des Neuen Testaments zu der Annahme verleiten könnten, der Sohn stehe unter dem Vater, bietet Hilarius genaue Regeln, um irreführende Auslegungen zu vermeiden: Einige Schrifttexte sprechen von Jesus als Gott, andere heben hingegen seine Menschheit hervor. Einige beziehen sich auf seine Präexistenz beim Vater, andere rücken den Zustand der Entäußerung (»kenosis«), seinen Abstieg bis hin zum Tod ins Blickfeld; wieder andere schließlich betrachten ihn in der Herrlichkeit der Auferstehung. In den Jahren seiner Verbannung schrieb Hilarius auch den Liber de Synodis (Buch über die Synoden), in dem er für seine bischöflichen Mitbrüder in Gallien die Glaubensbekenntnisse und andere Dokumente der Synoden wiedergibt und kommentiert, die um die Mitte des vierten Jahrhunderts im Osten stattfanden. Während der hl. Hilarius standhaft blieb im Widerstand gegen die radikalen Arianer, zeigte er eine versöhnliche Haltung gegenüber denen, die bereit waren zu bekennen, daß der Sohn dem Vater im Wesen »ähnlich« war, wobei er natürlich versuchte, sie zum vollen Glauben zu führen, nach dem in der Gottheit des Vaters und des Sohnes nicht nur eine Ähnlichkeit, sondern eine wahre Gleichheit besteht. Auch das scheint mir kennzeichnend zu sein: der Geist der Versöhnung, der versucht, diejenigen zu verstehen, die noch nicht zum vollen Glauben an die wahre Gottheit des Herrn Jesus Christus gelangt sind, und ihnen mit großem theologischen Verständnis hilft, zu ihm zu kommen.

Im Jahr 360 oder 361 konnte Hilarius endlich aus der Verbannung in die Heimat zurückkehren und nahm sogleich die pastorale Tätigkeit in seiner Kirche wieder auf, aber der Einfluß seines Lehramtes verbreitete sich weit über deren Grenzen hinaus. Eine im Jahr 360 oder 361 in Paris abgehaltene Synode greift die Sprache des Konzils von Nizäa wieder auf. Manche alte Autoren glauben, daß dieser antiarianische Umschwung der Bischöfe Galliens großenteils der Standhaftigkeit und zugleich der Sanftmut des Bischofs von Poitiers zu verdanken gewesen sei. Das war genau seine Gabe: Festigkeit im Glauben und Sanftmut in den zwischenmenschlichen Beziehungen miteinander zu verbinden. In seinen letzten Lebensjahren verfaßte er noch den Tractatus in Psalmos, einen Kommentar zu 58 Psalmen, die nach dem in der Einführung des Werkes verdeutlichten Prinzip ausgelegt werden: »Es besteht kein Zweifel, daß alles, was in den Psalmen gesagt wird, gemäß der Botschaft des Evangeliums zu verstehen ist, so daß – mit welcher Stimme auch immer der prophetische Geist gesprochen hat – alles jedenfalls auf die Kenntnis des Kommens unseres Herrn Jesus Christus, Menschwerdung, Passion und Reich, und auf die Herrlichkeit und Macht unserer Auferstehung bezogen werden muß« (Instructio Psalmorum, 5). Er sieht in allen Psalmen diese Transparenz des Mysteriums Christi und seines Leibes, der Kirche. Hilarius traf bei verschiedenen Anlässen mit dem hl. Martin zusammen: Ganz in der Nähe von Poitiers gründete der spätere Bischof von Tours ein Kloster, das noch heute besteht. Hilarius starb im Jahr 367. Sein liturgisches Gedächtnis wird am 13. Januar begangen. 1851 erklärte ihn der sel. Pius IX. zum Kirchenlehrer.

Um das Wesentliche seiner Lehre zusammenzufassen, möchte ich sagen, daß Hilarius den Ausgangspunkt für seine theologische Reflexion im Taufglauben findet. In De Trinitate schreibt Hilarius: Jesus »hat geboten, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen (vgl. Mt 28,19), das heißt im Bekenntnis des Urhebers, des Eingeborenen und des Geschenkes. Nur einer ist Urheber aller Dinge, denn nur einer ist Gottvater, aus dem alles hervorgeht. Und nur einer ist unser Herr Jesus Christus, durch den alles geschaffen ist (1 Kor 8,6), und nur einer ist der Geist (Eph 4,4), Geschenk in allen… In nichts wird eine so große Fülle als fehlend angetroffen werden können, in der im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist die Unendlichkeit im Ewigen, die Offenbarung im Bild, die Freude im Geschenk zusammenkommen « (De Trinitate 2,1). Da Gottvater ganz Liebe ist, vermag er dem Sohn seine Gottheit in Fülle mitzuteilen. Besonders schön finde ich die folgende Formulierung des hl. Hilarius: »Gott vermag weder, etwas anderes als Liebe, noch etwas anderes als Vater zu sein. Wer liebt, neidet nicht, und wer Vater ist, der ist es in seiner Ganzheit. Dieser Name duldet keine Kompromisse, so als wäre Gott in gewisser Hinsicht Vater und in anderer nicht« (ebd., 9,61).

Deshalb ist der Sohn ganz Gott, ohne jeden Mangel oder irgendeine Verkürzung: »Wer vom Vollkommenen kommt, ist vollkommen, denn wer alles hat, der hat ihm alles gegeben« (ebd. 2,8). Nur in Jesus Christus, Gottessohn und Menschensohn, findet die Menschheit Heil. Indem er die menschliche Natur angenommen hat, hat er jeden Menschen mit sich vereinigt, »ist er unser aller Fleisch geworden« (Tractatus in Psalmos 54,9). »Er hat in sich das Wesen jedes Fleisches aufgenommen und ist durch es der wahre Weinstock geworden und trägt in sich die Wurzel jedes Schößlings« (ebd., 51,16). Gerade deshalb ist der Weg zu Christus für alle offen – denn er hat alle in sein Menschsein hineingezogen –, auch wenn immer die persönliche Umkehr geboten ist: »Durch die Beziehung zu seinem Fleisch ist der Zugang zu Christus für alle offen, unter der Bedingung, daß sie den alten Menschen ablegen (vgl. Eph 4,22) und ihn ans Kreuz heften (vgl. Kol 2,14); unter der Bedingung, daß sie die Werke von früher aufgeben und umkehren, um mit ihm in seiner Taufe begraben zu werden im Ausblick auf das Leben (vgl. Kol 1,12; Röm 6,4)« (ebd., 91,9).

Die Treue zu Gott ist ein Geschenk seiner Gnade. Deshalb bittet der hl. Hilarius am Ende seiner Abhandlung über die Dreifaltigkeit darum, immer dem Taufglauben treu bleiben zu können. Das ist ein Wesensmerkmal dieses Buches: Die Reflexion wandelt sich zum Gebet, und das Gebet wird wieder zur Reflexion. Das ganze Buch ist ein Dialog mit Gott. Ich möchte die heutige Katechese mit einem dieser Gebete abschließen, das auf diese Weise auch zu unserem Gebet wird: »O Herr« – betet Hilarius vom Geist erfüllt –, »laß mich immer dem treu bleiben, was ich im Glaubensbekenntnis meiner Wiedergeburt bekannt habe, als ich getauft worden bin im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist. Laß mich dich, unseren Vater, immer anbeten und zusammen mit dir deinen Sohn; laß mich deines Heiligen Geistes wert sein, der aus dir hervorgeht durch deinen Eingeborenen… Amen« (De Trinitate 12,57).

(Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 10. Oktober 2007)

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