Durchhalten bis zum seligen Ende

Auch wer kein Held ist, schafft es, eine Stunde lang einen lästigen Kollegen zu ertragen. Etwas schwerer ist es, nicht nur eine Stunde, sondern einen ganzen Tag lang darin auszuhalten. Wer in der Tugend der Nächstenliebe geübt ist, dem wird es auch eine ganze Woche lang gelingen und vielleicht sogar einen ganzen Monat lang. Sollen wir aber einen schwierigen Menschen ein ganzes Jahr lang ertragen oder sogar ein Leben lang, dann ist das schwer; so schwer, daß zur Nächstenliebe noch eine Tugend hinzukommen muß – eine Tugend, die uns hilft, in schwierigen Situationen durchzuhalten. Das ist die Tugend der Beharrlichkeit.

Thomas beschreibt sie so: Die Beharrlichkeit hilft, in etwas Gutem auszuhalten bis zur Vollendung.

Von zwei Faktoren hängt es ab, wie schwer es fällt, im Gutes-Tun auszuharren: zum einen von der Dauer, zum anderen von der Menge der verschiedenen Schwierigkeiten, die wir gleichzeitig aushalten müssen.

Beharrlich ist der, der nicht aufgibt, das Gute zu tun, auch wenn es lange dauert: „Es gehört wesentlich zur Beharrlichkeit, daß jemand ausharrt bis zum Ende des tugendhaften Werkes; wie der Soldat ausharrt bis zum Ende des Kampfes“ (ad 2). Manche guten Werke haben eine überschaubare Dauer, das Fasten zum Beispiel: Beharrlich im Fasten ist der, der fastet bis zum Ende der Fastenzeit. Andere gute Werke dauern länger. Vierzig Tage reichen für die meisten guten Werke nicht aus. Glauben, hoffen, lieben sollen wir nicht nur ein Jahr lang und auch nicht nur zehn Jahre lang, sondern bis zu unserem Heimgang. „Es gibt bestimmte Tugenden, deren Übung das ganze Leben hindurch dauern muß, wie der Glaube, die Hoffnung und die Liebe. Denn diese richten sich auf das Endziel des ganzen menschlichen Lebens“ (ad 2). Mit dem Fasten sind wir am Ostersonntag fertig, mit dem Glauben, Hoffen und Lieben erst bei unserem Tod.

Nicht allen Menschen fällt es gleich schwer, dauerhaft das Gute zu tun. Wer im Masshalten nur wenig Übung hat, für den ist es hart, vierzig Tage lang zu fasten. Leichter fällt das Durchhalten dem, der geübt ist im Mäßig-Sein. Das gleiche gilt für alle anderen Tugenden. Wer sich nie bemüht hat, in der Nächstenliebe zu wachsen, der tut sich schwer, einen lästigen Zeitgenossen dauerhaft zu ertragen. Wer dagegen in der Nächstenliebe vorangeschritten ist, für den ist es einfacher. Unter diesem Blickwinkel müssen die Tugendhafteren weniger Kraft aufwenden, um auszuharren im Guten.

Aber nicht nur die Dauer macht das Ausharren schwierig. Es kommt auch auf die Menge der Schwierigkeiten an, von denen wir bedrängt werden. Nur in der Mäßigkeit auszuhalten, sich aber im Zorn und Neid gehen zu lassen, ist keine echte Beharrlichkeit. Die Beharrlichkeit, die diesen Namen verdient, läßt sich von keiner Schwierigkeit davon abbringen, das Gute zu tun. Das Christenleben verlangt, sich gegen ganz verschiedene Hindernisse robust zu zeigen: da gilt es, am Glauben festzuhalten, auch wenn das Spott und Nachteile einbringt. Da wird verlangt, sein Leben lang sonntagmorgens auf das Ausschlafen zu verzichten, eine Menge Vergnügen sich zu versagen, seinen Zorn in Schach zu halten, den Neid zu bekämpfen und so weiter.

In all dem auszuhalten ist auch für den nicht leicht, der in jeder Hinsicht tugendhaft ist. Darum ist ihm neben allen anderen Tugenden auch noch die Beharrlichkeit nötig.

Dieses Festhalten an jedem Guten bis zum seligen Ende gegen egal welche Hindernisse geht über Menschenkraft. Es gelingt nur mit der Kraft von oben. Die Tugend der Beharrlichkeit kann darum nur der haben, der die heiligmachende Gnade besitzt. Aber damit allein ist noch nicht alles gewonnen. Eine Tugend nützt uns nur dann, wenn wir sie auch betätigen. Um die Beharrlichkeit auszuüben, brauchen wir jedes Mal noch die helfende Gnade. Unser Wille ist frei, es ist ihm bis zum Tod möglich, vom Guten abzulassen und sich für das Böse zu entscheiden.

Darum brauchen wir bei jeder Entscheidung zum Guten die helfende Gnade.

Pater Gerd Heumesser – KU 2019,10 – Kirchliche Umschau

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Missbrauch mit dem Kreuz

Am 11. November 2019 berichtete die Webseite „summorum-pontificum“, dass die „Messe des Bischofs von Rom zum Jahrestag der Einweihung seiner Kathedrale“ (Lateran-Basilika) wieder einmal mit einigen liturgischen Eigenheiten daherkam.

Es wird festgestellt, dass es, was keine wirklichen Neuigkeiten sind, „keine Kniebeugen des Papstes nach der Konsekration“ gab, sowie „auf dem Altar auch keine Kerzenleuchter und kein Kruzifix“ waren.

summorum-pontificum“ berichtet vom Fehlen des „bislang übliche Kruzifix auf dem Altartisch“. Man hatte „ein durchaus kostbares Kreuz unter dem Baldachin aufgehängt, bei dem allerdings zweifelhaft ist, ob es den Anforderungen an ein Kruzifix genügt, die ein Kreuz mit dem Korpus des leidenden Erlösers vorsehen“.

Solche Liturgien des Papstes würden in Rom „penibel geplant und durchgeführt“. Darum habe es Sinn, ganz genau hinzusehen, was da geschehen ist. Ob die fehlende Anwesenheit des Zeremoniars Guido Marin ausschlaggebend war bleibt dahingestellt.

Mehrere „Einzelheiten der Feier“ deuten jedoch „in Richtung Entsakralisierung“ schreibt „summorum-pontificum“: „Neben der betont schlichten Gewandung der Offizianten gab es da eine bemerkenswerte Evangelienprozession, zu der gleich drei Laien als Lektoren und Kantor im Bewegung gesetzt worden waren: Zwei Herren in allerdings vorbildlichen Anzügen und eine Dame betont sportlich mit Turnschuhen und Windstoßfrisur.

Der durchaus bekannte Blogger und Priester Father Zuhlsdorf bemerkte, „daß Franziskus seine Predigt nicht von der Kathedra seiner Kathedrale hielt, sondern vom gleichen Ambo, an dem Epistel und Evangelium vorgetragen worden waren“. Offenbar ist unter diesem Papst „die Kathedra nur noch Thron, Zeichen der Machtstellung, aber nicht mehr Sitz des Lehramtes“.

Muss man sich ob solcher Gegebenheiten, die im direkten Zusammenhang mit Papst Franziskus stehen, noch wundern, dass allerlei anderer und noch weitergehender und unsinniger, weil den Glauben und seine Symbole verunstaltender, Machenschaften, passieren? Soll man sich wirklich darüber wundern, wenn Priester sich eine Frau nehmen, oder einen Mann, oder -wie frevelhaft!- Mädchen oder Knaben? Muss man sich also wundern, wenn sich ein Priester in sein Büro, in dem er Menschen zum Gespräch empfängt, ein Kreuz mit einem Schweinekadaver aufhängt. Und muss man sich wundern, wenn der zuständige Bischof nicht einschreitet sondern an die Freiheit der Kunst appelliert?

Man muss sich nicht wundern!

Ein Katholik aus dem Bistum Aachen, der am 26.09.2019 einen Schweinekadaver an einem Kreuz entdeckte, war fassungslos. Nicht nur aus grundsätzlichen Gründen, sondern besonders, weil sich diese Blasphemie in der Citykirche in Mönchengladbach und in einem von dem Kirchenraum aus einsehbaren Bürozimmers des Pfarrers Simonsen befand.

Jener Gläubige kontaktierte die zuständige Pfarrei , dass es sich hierbei aus seiner Sicht um eine „hochgradige Blasphemie“ handele, „die Jesus Christus (und damit den dreieinigen Gott) in einer nie dagewesenen Weise beleidigt, das heilige Kreuzesopfer verunglimpft und mein persönliches Empfinden und meinen Glauben in ekeligster Weise verstört“.

Die knappe Antwort der Pfarrei war ein abgelehntes persönliches Gespräch und eine Weiterleitung seiner Kritik an den zuständigen Pfarrer Simonsen. Doch er scheint höchst zufrieden damit, den Tierkadaver in seinem Büro (sichtbar aus der Kirche heraus!) am Kreuz Christi hängen zu haben. Seine Antwort auf die Forderung, das Kreuz wieder herzustellen:

Sie werden deshalb – so hoffe ich – verstehen, dass mir gerade diese Interpretation des Kreuzes wertvoll und unverzichtbar ist und ich gern mit den Besucherinnen und Besuchern der Citykirche dank dieses Kreuzes in sehr tiefe und reflektierte Glaubensgespräche vertieft bin. […] Deshalb werde ich Ihrem Wunsch gewiss nicht nachkommen, dieses tiefe Glaubenszeichen meines und unseres Glaubens in der Versenkung verschwinden zu lassen.“ (E-Mail Antwort von Pfr. Simonsen, 29. September 2019)

Daraufhin versuchte unser Katholik sein Glück beim Bistum Aachen. Die Antwort von Dompropst Cremer lautete: „Meiner Ansicht nach, ist diese Darstellung provokativ, jedoch nicht würdelos.“ Er wies noch darauf hin, dass Bischof Helmut Dieser „gebeten habe“, „grundsätzlich in der Kommission für kirchliche Kunst einmal der Frage nachzugehen, wie Kunst als Eingriff in gewohnte Wahrnehmungen der Glaubensauseinandersetzung dienen“ könne.

Eine inzwischen formierte Gruppe von Katholiken, die diesem „Missbrauch“ nicht akzeptieren können, hat mit dieser Webseite Christus Rex https://christus-rex.de/ – für eine breite Öffentlichkeit gesorgt. Mit einer Petition (Unterschriftenaktion) sollen ebenfalls viele Menschen erreicht und sensibilisiert werden, damit sie mit Ihrer Unterschrift dafür beitragen, dass ein möglichst großer Widerstand nicht nur Bischof Dieser von Aachen veranlasst, Pfarrer Simonsen anzuweisen, den Schweinekadaver zu entfernen, sondern auch sein eigenes Verhältnis zur christlichen Kunst zu überprüfen.

Man muss sich nicht wundern!

Man muss sich wehren!

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BEICHTEN – 8 / Die geistlichen Wirkungen der Beichte

Die Wirkungen des Sakraments sind vielfältig: die Versöhnung mit Gott, die Wiedererlangung der mit der Sünde verlorengegangenen Gnade, die Versöhnung mit der Kirche, der Nachlass der ewigen Strafe, die aufgrund der Todsünden verdient wäre, der Nachlass – wenigstens eines Teils – der Sündenstrafen, die Konsequenz der Sünde sind; der Friede und die Unbeschwertheit der Seele und der geistliche Trost; das Wachstum der geistlichen Kraft für den christlichen Kampf; die Vorwegnahme des Gerichts, dem wir am Ende unseres Lebens unterzogen sein werden (vgl. KKK 1470); der Frieden und die Freude eines neuen Lebens im Geist. Schlussendlich das Wachstum der geistlichen Kräfte für den guten Kampf im Glauben, mit der Hilfe der Kraft Gottes, die von der Eucharistie kommt. Viele Heilige beichteten häufig, um möglichst immer im Stand der Gnade zu sein.

Das „Heilmittel“, um nicht in die Sünde zu fallen und als gerettete und versöhnte Menschen zu leben, ist das Gebet. Durch das Gebet lässt der Geist Gottes uns anbeten, fragen, fürbittend eintreten, danken, loben. Besonders bewährt und empfohlen sind in der christlichen Tradition drei Gebetsformen: die mündliche, weil ich als Mensch die inneren Regungen zum Ausdruck bringen muss; die Meditation, die versucht zu verstehen, was Gott von mir will; die Kontemplation, ein auf Jesus gerichteter Blick im Glauben, das Hören auf das Wort Gottes, eine stille Liebe (vgl. KKK 2700-2724).

Das Gebet, vor allem des Psalms 50 „Miserere mei, Deus, secundum magnam misericordiam tuam“ und das Kyrie eleison, verbindet sich mit anderen Bußhaltungen wie Fasten und Almosen geben.

Also geh zur Beichte, nicht wann du Lust hast, denn es ist eine Sünde, die Barmherzigkeit abzulehnen; erkenne die Vermittlung eines Menschen wie du an; verstecke dich nicht hinter der Gemeinschaft, sie ersetzt dich nicht. Such dir einen Beichtvater aus, auch anonym. Mach also das Kreuzzeichen mit dem Priester und sage, wie viel Zeit seit der letzten Beichte verstrichen ist. Zähl die Sünden im Verhältnis zum Dekalog und den Kirchengeboten auf, den theologischen Tugenden und den Kardinaltugenden, den sehr empfohlenen Tugenden der Demut und Armut; dann höre auch das Urteil und nimm die Therapie oder Buße an, die du verrichten sollst (ein Gebet, ein biblischer Text zum Meditieren, ein Buch des hl. Alfons von Liguori, auch wenn es für manch einen Priester nicht mehr modern ist), sprich das Bußgebet, das sich im Katechismus findet, und empfange die Lossprechung. Antworte Amen und mach das Kreuzzeichen. Deswegen muss man persönlich beichten und nicht am Telefon oder im Internet. Denn die Bedingung, um von Gott angenommen zu werden, ist nicht die Reinheit als solche, sondern die Anerkennung der eigenen Sünden.

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Nicola Bux
Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis
Edition Una Voce 2018
156 Seiten; 14,80 Euro.
ISBN: 978-3926377456

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BEICHTEN – 7 / Wie die Versöhnung geschieht-2

Der Bußritus in der außerordentlichen Form ist dem griechischen sehr ähnlich und ausreichend lang, um darüber nachzudenken, was man getan hat, sowie über das Geschenk, das man nun erhält – d. h. man wird erlöst vom Zustand der Exkommunikation oder des Interdikts, in das man mit der Sünde gefallen war. Außerdem hilft er, daran zu erinnern, dass man nicht im Zustand der Exkommunikation sterben soll. An der Exkommunikation kann man nach dem Tod nichts mehr ändern, weil nur bis dahin die Jurisdiktion der Kirche reicht: Daher versuchte man in den ersten Jahrhunderten, die Lossprechung vor dem Tod zu empfangen oder wenigstens in der Todesstunde.

In Ausnahmesituationen (Kriegen, Erdbeben, Epidemien) ist die Generalabsolution vorgesehen, d.h., das Sakrament wird einer großen Anzahl von Gläubigen gespendet, die einzeln das Sakrament nicht empfangen könnten. Dieser Ritus wird von einigen auf das Schuldkapitel in den Klöstern zurückgeführt, wo auch die einzelnen Mönche ein Geständnis ablegten und der Abt die Absolution sprach. In Wirklichkeit ging es dabei nicht um die persönliche Schuld oder Sünde, sondern es handelte sich um das Geständnis der Übertretungen der monastischen Regeln. Andere fuhren den Ritus der Generalabsolution auf eine Beteiligung des Volkes an der Versöhnung mit den öffentlichen Büßern am Gründonnerstag zurück, wie sie vom Bischof in Altertum und Mittelalter vollzogen wurde. Damals kamen außer den Büßern auch noch andere Gläubige zur Versöhnung mit den Büßern hinzu – ein wenig wie es heute geschieht, wenn die Krankensalbung gemeinschaftlich gespendet wird.

Und dann gibt es noch die Meinung, dass dieser Ritus auf die Notbeichten zurückgeht, wie sie in Gefahrensituationen gespendet wurden, zu Kriegszeiten, als es um unmittelbare Todesgefahr ging und man daher die Generalabsolution erteilte. Diese Absolution ist nie für ein Sakrament gehalten worden, denn das Sakrament wird immer nur einer einzelnen Person gespendet, auch wenn es in gemeinschaftlicher Form gefeiert wird. Daher bleibt auch die Pflicht, zur Beichte zu gehen, wenn die Gefahr überwunden ist.

Der Bußritus in der ordentlichen Form erlaubt die Generalabsolution auch im Fall einer großen Zahl von Pönitenten und einer nicht ausreichenden Zahl von Beichtvätern (vgl. 31) . In Wallfahrtskirchen, wo so etwas passieren kann, achtet man darauf, eine ausreichende Zahl von Priestern zu rufen, die die Beichten abnehmen können. Aber auch in diesem Fall ist eine Einzelbeichte für die Todsünden nötig, wenn die Gefahr oder Notsituation vorüber ist (vgl. 34). Der Gesprächspartner Gottes ist der einzelne Mensch, weil der Sohn in der Menschwerdung ein einzelner Mensch geworden ist. Hier liegt die Bedeutung der Erlösung in diesem grundlegenden Sakrament.

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Beichtgitter

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BEICHTEN -6 / Wie die Versöhnung geschieht-1

Das Sakrament wird gespendet, wenn der Beichte hörende Priester die Hand ausstreckt und betet und mit den Worten abschließt: „Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Lossprechen – im Lateinischen absolvere – bedeutet, die Bosheit oder die Verbindung mit dem Bösen zu lösen, denn sie lähmt uns und stellt uns an den Rand der Kirche. Dieser Ritus löst aus der Schlinge der Sünde in dem Maße, in dem der Beichtende vor allem drei Dinge getan hat:

a) Bereut hat, also einen ehrlichen Schmerz über die begangene Sünde verspürt hat oder wenigstens die Strafen fürchtet, die der Übertretung des göttlichen Gesetztes folgen (vollkommene/unvollkommene Reue);

b) das vollständige – auch mit Anzahl und Art – Bekenntnis der Sünden, so dass der Priester, ähnlich einem Richter und Arzt, verstehen kann, ob es sich um etwas Leichtes oder Schwerwiegendes handelt, um einen „Unfall“ auf dem Weg oder um eine schlechte Angewohnheit. Der Beichtvater kann vorsichtig Fragen stellen, um den Pönitenten zu helfen, wie es ein Arzt tut, wenn er nach den Symptomen fragt, um die Gründe einer Krankheit zu finden;

c) der Vorsatz, nicht wieder in die Sünde zu fallen und die Buße zu tun, die auferlegt wurde (z. B . ein gutes Werk, Gebet, Fasten).

Die Absolutionsformel in der Einzelbeichte versöhnt mit Gott und der Kirche und ist der Ausdruck des feierlichen Versprechens, das Jesus dem Petrus gegeben hat: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben“ (Mt 16,19).

Die Tür wird für den verschlossen bleiben, der sich nicht bekehren will, und sie wird offen stehen für denjenigen, der umkehrt. Dies ist die Schlüsselgewalt, die der Kirche übertragen wurde, zuallererst Petrus, dann den Aposteln (vgl. Mt 18,18). Diese haben dann ihren Nachfolgern, dem Papst und den Bischöfen, die Schlüsselgewalt übertragen, diese wiederum haben sie den Priestern mitgeteilt, den Mitarbeitern der Bischöfe. So konnte Irenaus sagen: „Es kann Gott nicht zum Vater haben, wer die Kirche nicht zur Mutter hat“: Die Versöhnung mit der Kirche ist aufgrund der Menschwerdung, wie wir gesehen haben, untrennbar mit der Versöhnung mit Gott verbunden. Die Versöhnung bedeutet zu erkennen, dass die Liebe Gottes des Vaters unendlich viel größer ist als meine Schuld; sie bedeutet, den Sohn Jesus Christus zu bitten, er möge mir die Kraft geben, mein Leben zu erneuern und meine Freiheit gut zu nutzen; sie bedeutet, aus der Gnade reichlich zu schöpfen durch die Beichte und die Kommunion im Heiligen Geist, den Sakramenten, die von der Sünde zur Versöhnung führen.

Also, Priester, lass dich im Beichtstuhl finden – nicht in kurzen Hosen, sondern im Talar oder in der Albe und mit der violetten Stola – und erinnere dich daran, du spendest ein Sakrament, in dem Christus anwesend ist und wirkt; versuche, den Beichtenden zu verstehen und zu respektieren. Du fuhrst die Seele eines anderen, wobei du sein Gewissen nicht ersetzt; sei im Einklang mit der Lehre der Kirche, du bist nur ihr Diener, sonst geh gar nicht in den Beichtstuhl; führe die Geste der Handauflegung aus und spricht die Formel mit dem Verb im Indikativ aus. Sie drückt aus, dass Gott und die Kirche vergeben haben: Ego te absolvo. Die zum Beichtenden hin ausgestreckt erhobene Hand – auch hinter dem Gitter – ist eine alte Geste und bedeutet, dass Jesus Christus den Geist sendet, zur Vergebung der Sünden. Es ist eine Epiklese oder eine Anrufung an den Vater, damit er den Geist auf die Sünden des Pönitenten sende und sie auflöse.

Weil die Kirche die Rechte Gottes garantiert, drückt das Sakrament die rechtliche Gewissheit aus, dass der Priester nicht nur die Vergebung Gottes anruft, sondern ihre erfolgte Bewilligung erklärt. In der außerordentlichen Form sagt der Priester: „Unser Herr Jesus Christus spreche dich los; und auch ich spreche dich los kraft der von Ihm verliehenen Vollmacht“. Der Priester ist derjenige, der in persona Christi handelt, er ist Richter, Arzt und guter Hirte. Die erklärende Formel ist psychologisch wichtig, denn der Mensch muss sicher sein, dass ihm vergeben wurde, sonst bleibt ihm der Zweifel. Dieser Aspekt, so wie er in der katholischen Theologie entwickelt wurde, ist wichtig: Der Beichtvater erklärt die Wahrheit der erhaltenen Versöhnung.

Auch in der byzantinischen Liturgie gibt es die Einzelbeichte, die vom Pönitenten vor der Ikonostase abgelegt wird. Der Priester legt die epitrachilion (Stola) auf seinen Kopf, während der Pönitent das Bußgebet spricht und die Absolution erhält. Hier sind auch noch die rigorosen Kanones gültig, die Fasten und sexuelle Abstinenz vorschreiben. So kann man die Kommunion auch nach dem Geschlechtsverkehr mit dem eigenen Ehepartner nicht empfangen. Das ist im Übrigen einer der Gründe, weshalb verheiratete Priester keine tägliche Messe feiern und die Tage der eucharistischen Nüchternheit – besonders Mittwoch und Freitag, neben den anderen im liturgischen Jahr vorgeschriebenen – einhalten. Die Bußformel der Orientalen verwendet das Verb im Konjunktiv, d.h. es erfleht die Vergebung Gottes, wie im Schuldbekenntnis der lateinischen Messe: Misereatur (der Herr habe Erbarmen).

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Beichtstühle – Santiago de Campostelle

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BEICHTEN – 5 / Der Empfänger des Sakraments-2

Im Orient gab es verschiedene Bußgrade. Zwei waren öffentlich: Erstens musste der Büßende an der Kirchentür jeden, der eintrat, um Gebete anflehen – der griechische Ausdruck schließt dabei das Weinen ein, ein Zeichen der Reue. Zweitens musste der Büßende sich während der Eucharistie niederwerfen. Diese beiden äußerlichen Zeichen, die auch über Jahre hinweg vollzogen werden mussten, zogen die Aufmerksamkeit der anderen auf sich und demütigten den Bußfertigen, der daraus einen geistlichen Gewinn ziehen konnte. Die beiden privaten Stufen bestanden in: Erstens sitzend am ersten Teil der Messe wie die Katechumenen teilzunehmen und dann wie sie aus der Kirche zu gehen; zweitens im Stehen am eucharistischen Gebet teilzunehmen wie die Gläubigen, ohne jedoch zur Kommunion gehen zu dürfen. Wenn das Sitzenbleiben die Büßenden mit den Katechumenen gleichstellte, so fiel dagegen der Unterschied zu den anderen Gläubigen nicht auf, wenn sie stehen durften. Die Kirche legte die private Buße im Fall einer geringeren Schwere der Schuld auf oder um gewisse persönliche Situationen zu schützen. Der hl. Basilius gab für Abtreibung zwanzig Jahre Buße auf, fünf für jede Stufe, d. h. sowohl eine öffentliche als auch eine private Buße.

Beginnend mit dem fünften Jahrhundert wurden die Getauften, die diesen Weg der Buße gehen wollten, am Anfang der Fastenzeit als Pönitenten eingeschrieben. In Rom legte der Papst ihnen die Hände auf und nachdem er gebetet hatte, bestätigte er die Versöhnung am Gründonnerstag. Die kanonische Buße ging im Westen nach und nach verloren, während sie im Orient auf dem Papier bestehen blieb. Das Konzil von Nicäa (325) legte im 13. Kanon des Disziplinardekrets fest, dass man die Eucharistie den Sterbenden als Wegzehrung nicht vorenthalten dürfe, auch wenn diese keine Möglichkeit zur Verrichtung einer Buße hätten, d.h. wenn sie krank wurden, bevor sie die Buße vervollständigt hatten. Der Kanon wurde aber nicht einheitlich angewendet.

In der Spätantike wurde das Bekenntnis der Sünden selbst schon als Buße angesehen. Man wertete die Demütigung, die man spürte, wenn man einem anderen Menschen die Sünden bekennen muss, auch wenn es ein Priester ist, schon als Buße. Diese Veränderung ist geistlichen Menschen, den Mönchen, zu verdanken. Clemens von Alexandrien und Origenes hielten den geistlichen Begleiter für einen Arzt, einen Therapeuten, einen Ratgeber, der bei der Unterscheidung helfen sollte – aus dem Griechischen kybernetes -, und schließlich für jemanden, der dem Pönitenten auf dem Weg zu einer neuen geistlichen Geburt helfen konnte. So wurde aus dem richterlichen Aspekt der Buße der medizinisch- therapeutische. Noch zu Beginn des 15. Jahrhunderts kannte Simeon von Thessaloniki eine geistliche Begleitung, die das Bekenntnis der Sünden vor einem Laien mit Charisma mit einschloss. Nur wenn es um die sakramentale Lossprechung ging, wurde er zu einem Priester geschickt.

Der Verwalter oder Moderator der Buße, d.h. jeder Priester, ist auch in gewisser Weise Richter und Arzt. Diese Aspekte sind im Bußsakrament immer vorhanden gewesen, auch zu Zeiten der kanonischen Buße. Auch damals musste man den Status des gläubigen Sünders abwägen sowie die Zweckdienlichkeit einer Buße statt einer anderen, einer öffentlichen oder privaten. Man musste den „Gesundheitszustand“ des Büßenden betrachten und verifizieren, ob die Buße heilen könnte oder nicht noch mehr zurückwerfen würde. Einem Priester, der gerufen war, Gründe und dann Abhilfen für eine Sünde zu finden, und der sagte, „meiner Meinung nach…“, antwortete der Beichtende: „Sie wollten wohl sagen: für die Kirche und ihre Morallehre. Ihre Meinung interessiert mich nicht“. Es führt zu einem Missverständnis, wenn man die Beichte einen Dialog nennt, weil man vor einen Richter und Arzt tritt, nicht vor einen Meinungsmacher.

Daher ist die Beichte, die auch dank der irischen Mönche seit dem sechsten bis siebten Jahrhundert wiederholbar und privat geworden ist, nichts Außergewöhnliches mehr, und man begann, in ihr auch die Fehler ins Bekenntnis einzuschließen, die nicht der kanonischen Bußdisziplin unterstanden, also nicht nur die Kapitalsünden, sondern auch die lässlichen Sünden.

Einige Priester, die meinen, über die Gewissen befehlen zu können, sagen, man müsse nur die schweren Sünden beichten. In einer römischen Basilika sah der einzige Beichtvater eine recht lange Schlange. Er kam also aus dem Beichtstuhl heraus und sagte mit lauter Stimme: „Bleiben Sie nur, wenn Sie schwere Sünden haben“. Alle gingen weg, außer einer Ordensfrau. Sie blieb wohl nicht, weil sie solch schwere Sünden hatte, sondern weil die anderen nicht als große Sünder erkannt werden wollten. Was für ein Fehler des Beichtvaters in pastoraler Hinsicht, aber auch was die Lehre angeht.

Viele fragen: Geht auch ein Papst beichten? Bei wem? Sicherlich, jeder Gläubige kann sündigen, daher muss auch der Papst beichten gehen. Er wählt sich dabei, wie jeder Christ, ganz frei einen Priester aus.

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Papst-Beichte

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BEICHTEN – 4 / Der Empfänger des Sakraments-1

Auch nach der Taufe können die Glieder der Kirche wieder sündigen. Es handelt sich dabei nicht um eine Grundoption, sondern eher um einen „Unfall“, weil der Versuchung stattgegeben wurde. So wuchs das Bewusstsein in der Kirche, dass die Vergebung der Sünden nicht auf die Taufe allein beschränkt ist, auch wenn mit der Taufe alle Sünden – auch wenn ein Erwachsener getauft wird – getilgt sind.

Da man nicht völlig ausschließen kann, dass man nach der Taufe der Versuchung nachgibt, muss man den Sündern, die vom Kommunionempfang ausgeschlossen sind, entgegengehen. Sie müssen im Grunde den Weg, der sie zur Initiation, also zur Taufe und dann zur Eucharistie geführt hatte, noch einmal gehen. Dieses Mal gilt es, auf diesem Weg eine Strafe zu verbüssen, eine Buße zu tun (poenam tenere). Der Weg beginnt damit, dass man zugibt, ein Sünder zu sein, also einem Priester die eigenen Sünden bekennt. So wird auch klar, dass die Buße so wie die Taufe notwendigerweise mit der Eucharistie zusammenhängt. Das Bußsakrament schenkt die nötige Gnade neu, um zur Kommunion gehen zu können. Denn um die Kommunion empfangen zu können, ist es nötig, in der Gnade Gottes zu stehen. Man muss wissen und daran denken, wen man empfängt und die vorgeschriebene Nüchternheit aushalten.

Die Eucharistie setzt sowohl die Taufe als auch die wiederholte Beichte voraus. Der hl. Johannes Paul II. hat dies mit seiner Enzyklika Redemptor hominis besonders hervorgehoben. Er schreibt, der erste Ausdruck der Frohen Botschaft sei „Bekehret euch“ gewesen. Und das sei so zu verstehen: „Christus, der zum eucharistischen Mahl einlädt, ist stets derselbe Christus, der zur Buße ermahnt, der das »Bekehret euch« wiederholt“ (IV, 20). Heute gerät die Beichte in Vergessenheit, das eucharistische Brot wird nicht mehr von gewöhnlichem unterschieden, und so wird die Eucharistie des Herrn zerstört.“

Den Herrenleib zu erkennen ist eine Glaubenshaltung, die die Einheit sucht und nicht die Trennung. So ist die Behauptung mancher Theologen, die Beichte sei nicht mit der Eucharistie verbunden, nicht wahr, denn die Sünde bricht die Gemeinschaft mit dem Herrn und der Kirche. Um zur Kommunion, zur Gemeinschaft zurückzukommen, braucht es daher die Buße, eine „zweite Taufe“ oder – wie die Kirchenväter sagten – eine „mühevolle Taufe“. Das muss denjenigen in Erinnerung gerufen werden, die sagen, dass die Beichte vor dem Kommunionempfang nicht nötig ist. Außerdem bedeutet die Trennung der Buße von der Eucharistie, den Sinn letzterer nicht mehr zu verstehen, denn auch der Sinn der Eucharistie ist Versöhnung. Auch die Kinder, die zum ersten Mal zur Kommunion gehen, gingen vorher beichten.

Die frühe Kirche hat nach und nach den Rigorismus aufgegeben, der in dem Werk Der Hirte des Hermas beschrieben wird. In diesem Schreiben des zweiten Jahrhunderts wird die Beichte nur einmal im Leben für möglich gehalten. Schließlich führte das zu einer sektiererischen Gruppenbildung. Die auferlegten Bußen waren sehr streng und dauerten Jahre, weil viele die Versöhnung bis zum Lebensende aufschoben. Wenn dann der Tod plötzlich eintrat und man sich nicht mehr versöhnen konnte, blieb man auch noch vom ewigen Leben ausgeschlossen. Das älteste Zeugnis einer von Normen geregelten Bußdisziplin ist bei Tertullian zu finden, es handelt sich um die „zweite Buße“, weil sie nach der Taufe kommt, der ersten Buße. Das betraf die drei Sünden, die zum Tod führten – daher Kapitalsünden genannt wurden – Apostasie, Mord und Ehebruch. Diese Sünden mussten direkt beim Bischof persönlich gebeichtet werden.

Die Kirchenväter waren Moderatoren oder Verwalter der Buße. Sie regelten und spendeten sie im Verhältnis zur Schwere der Sünden und legten auch jahrelange Bußen auf. Erst nach der Buße wurde man wieder zur Eucharistie zugelassen. Die Eucharistie selbst wurde aber auch als Heilmittel gegen die lässlichen Sünden gesehen und als Speise für die lauen Christen, die ihr Leben ändern wollten. Der hl. Basilius erklärt, dass ein Sünder, der erkannte, eine bestimmte Sünde begangen zu haben, sei sie öffentlich oder geheim, und sich entschied, sie zu beichten, zum Bischof ging und sie bekannte. Die Theorie, die besagt, dass das Bekenntnis in den Anfangen öffentlich war, hängt damit zusammen, dass man es mit der Buße identifiziert hat. Die Buße konnte öffentlich sein, wie wir sehen werden, aber auch privat. Der griechische Ausdruck exomologesis (Beichte) bezeichnete den ganzen Weg der Buße: Wenn die begangene Sünde öffentlich war, vollzog der Sünder eine öffentliche Buße, und das konnten alle sehen. Doch das Bekenntnis als erster Schritt im Bußweg war geheim. Als Ambrosius dem Basileus Theodosius wegen des Massakers von Thessaloniki eine Buße auferlegte – sie war die Bedingung, um wieder in die Kirche kommen zu dürfen – wussten alle, welche Sünde er begangen hatte, und sie sprachen von öffentlicher Buße, also von einer sichtbaren Buße. Wenn die Sünde öffentlich war, war auch die Buße öffentlich.

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Beichtstuhl in der Natur

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