Fest des heiligen Franziskus – 4. Oktober

Obgleich der hl. Franziskus lange Jahre unter vielen Krankheiten litt, war seine fromme Ehrfurcht für das Gebet und für die heilige Messe doch so groß, dass er sich niemals an eine Mauer oder eine Wand anlehnte, wenn er betete oder die Tagzeiten sprach; sondern er stand fast immer aufrecht, mit unbedecktem Haupte; zuweilen aber kniete er auch, besonders wenn er den größeren Teil des Tages und der Nacht im Gebete verharrte.

Und wenn er durch die Welt zog, blieb er immer stehen, sooft er die Tagzeiten betete; wenn er aber seiner Krankheit wegen ritt, stieg er sofort ab, wenn er das Officium betete. Einmal regnete es sehr heftig, und er ritt, weil er krank war und starke Schmerzen hatte. Und obgleich er schon ganz durchnässt war, stieg er vom Pferd herab, um die Tagzeiten zu beten; er stand mitten auf dem Wege und sprach das Officium mit solcher Glut der Andacht und Ehrfurcht, als befände er sich in einer Kirche oder in einer Zelle, während sich der Regen ohne Unterlass über ihn ergoss.

Und er sprach zu seinem Begleiter:
„Wenn der Leib in Frieden und Ruhe seine Nahrung zu sich nehmen will, die samt dem Leibe eine Beute der Würmer wird, mit wieviel Frieden und Ruhe, mit welcher Ehrfurcht und Frömmigkeit muß die Seele ihre Nahrung empfangen, welche Gott selber ist!“

Der heilige Franziskus rief einmal viele Brüder zu sich und sprach zu ihnen:
„Ich habe den Herrn gebeten, mir zu zeigen, wann ich sein Knecht bin und wann nicht. Denn ich will
nichts anderes sein als sein Knecht. Der allergütigste Herr aber hat mir in seiner Gnade geantwortet: ‚Wisse, daß du dann in Wahrheit mein Knecht bist, wenn du Heiliges denkst, sprichst und tust.‘ Und ich habe euch Brüder zusammengerufen und euch das mitgeteilt, damit ich vor euch beschämt werde, wenn ihr seht, wie sehr ich in diesen und in anderen Geboten versage.“

(vgl: Speculum perfectionis, Der Spiegel der Vollkommenheit, München 1953)

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Festtag der heiligen Therese vom Kinde Jesu – 3. Oktober

Die Patronin der Missionen trug in ihrem Ordensnamen den Zusatz:
„vom Kinde Jesu und vom heiligsten Antlitz“.

Dieses heilige Antlitz Jesu hat sie selbst gemalt und auf einem Stück Wolle befestigt; es ist ca. 25 cm hoch.

 

In der Selbstbiographie Thereses, der „Geschichte einer Seele„, findet sich der folgende Eintrag am 12. August 1895:

„Lobgesang auf das heilige Antlitz“

Dein Antlitz, Herr, gibt mir hienieden
Auf allen Lebenswegen Licht.
Ich schöpfe wahren Himmelsfrieden
Aus deinem milden Angesicht.
O, wie dein Aug’ vor Wonne leuchtet!
Mit Tränen ist es noch geziert.
Ich lächle, ob mein Aug’ sich feuchtet,
Das sich in deinen Schmerz verliert.

Zu trösten dich, will ich allein,
Von allen unbekannt, gern leben.
Die gut verhüllte Schönheit dein
Ließ mich den dichten Schleier heben.
Ich sehne mich, bei dir zu sein.

Dein Antlitz ist mein Reich der Wonne;
Mein Vaterland in ihm ich schau’.
Es ist die milde Tagessonne,
Die schöne, blumenreiche Au,
Die Lilie im Tränentale
Mit dem geheimnisvollen Duft,
Voll Trost für mich so viele Male,
Der mich umgibt mit Friedensluft.

Es ist die wonnigliche Ruh’,
Die Harfe, reich an Lust und Klage.
Und deine Züge, mein Erlöser du,
Sind Myrrhensträußlein, die ich trage
An meiner Brust dir einstens zu.

Der einz’ge Reichtum hier auf Erden
Soll mir, o Herr, dein Antlitz sein.
Darin, um ähnlich dir zu werden,
Such’ Schutz und Hilfe ich allein.

Den Gottestempel deiner Züge,
So mild, den präge mir ins Herz.
Dann würde heilig ich und trüge
Dir viele Seelen himmelswärts.

So könnte bieten ich zur Stund’
Dir, Herr, der Ernte gold’nen Hügel.
Entflamme mich aus Herzensgrund!
Es drückt’ der ew’gen Liebe Siegel
Schon bald mir auf dein heil’ger Mund.

(Quelle: Die ehrwürdige Theresia vom Kinde Jesu, Geschichte einer Seele von ihr selbst geschrieben, 4. Aufl., Kirnach-Villingen (Baden) 1922, 375 f.)

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Schutzengelfest – 2. Oktober

Heiliger Schutzengel mein,
lass mich Dir empfohlen sein.
In allen Nöten steh mir bei
und halte mich von Sünden frei.
Beschütze heut, ich bitte dich,
du, heiliger Engel Gottes mich! Amen.

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Heiliger Engel, Wächter über meine elende Seele und mein unseliges Leben, verlasse mich Sünder nicht, weiche nicht von mir wegen meiner mangelnden Enthaltsamkeit. Lass nicht zu, dass der listige Dämon mich durch die Gewalt dieses sterblichen Leibes beherrscht. Festige meine armselige und schwache Hand und lenke mich auf den Weg des Heils. Ach, Heiliger Engel Gottes, Du Wahrer und Beschützer meiner verdorbenen Seele und meines elenden Leibes, vergib mir alles, womit ich Dich betrübt habe an allen Tagen meines Lebens. Und wenn ich in diesen vergangen Tag eine Sünde begangen habe, beschütze mich in dieser kommenden Nacht, und behüte mich vor jeder widrigen Versuchung, damit ich nicht durch irgendeine Sünde Gott erzürne. Und bete für mich zum Herrn, damit Er mich in seiner Furcht festigt, und mich als einen würdigen Knecht Seiner Güte erweist. Amen

(Ostkirche)

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Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 9/9

Badet im Blut des unbefleckten Lammes!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

Laßt es Euch nicht lästig fallen, wenn ich Euch jetzt zu lange zugesetzt habe mit Worten, die mir die mir die Liebe für Euer Seelenheil diktierte. Wenn Gott es erlaubte, würde ich Euch viel lieber persönlich dazu auffordern – aber Sein Wille geschehe! Überdies verdientet Ihr ja, daß man Euch mehr mit Taten als mit Worten zusetzte. Aber ich will jetzt Schluß machen und nichts weiter mehr sagen, denn wenn es nach mir ginge, käme ich an kein Ende. So sehr erfüllt ist meine Seele von Schmerz und Trauer, weil ich bei jenen, die doch als Leuchten bestimmt sind, solche Verblendung sehe. Denn nicht Lämmer sind sie, deren Speise die Ehre Gottes, das Heil der unsterblichen Seelen und die Erneuerung der heiligen Kirche ist, sondern Räuber, die Gott die geschuldete Ehre rauben, um sie sich selber zu geben. Sie sind wie Wölfe, die die Lämmer zerreißen. Das ist es, warum ich so große Bitterkeit empfinde.

Ich bitte Euch um der Liebe zu jenem kostbaren Blut, das mit solcher Liebesglut für Euch vergossen wurde, erfrischt meine Seele, die nur Euer Heil sucht! Mehr will ich nicht sagen.

Bleibt in der heiligen und zärtlichen Liebe Gottes!
Badet Euch im Blute des unbefleckten Lammes! Darin verliert ihr dann jede sklavische Furcht. Und bleibt mit dem Licht in der heiligen Gottesfurcht!
Geliebter Jesus! Jesus, unsere Liebe.
Maria, geliebte Maria!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

Für alle, die den ganzen Text der hl. Caterina lesen möchten und dabei auch etwas über die Hintergründe ihrer Aussagen über die Kardinäle und Bischöfe erfahren wollen, können sich das PDF herunterladen:

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Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 8/9

Fürchtet Gott und sein gerechtes Gericht!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

Kehrt um, kehrt um und wartet nicht auf die Rute der Gerechtigkeit, denn der Hand Gottes können wir nicht entrinnen! Wir sind in seiner Hand, entweder für die Gerechtigkeit oder für die Barmherzigkeit. Und es ist besser für uns, unsere Schuld zu bekennen und in die Hand der Barmherzigkeit zu fallen, als in der Sünde zu verharren und in die Hand der Gerechtigkeit zu stürzen – denn unsere Sünden bleiben nicht ungestraft. Vor allem jene nicht, die gegen die heilige Kirche begangen werden. Ich aber will mich gerne verpflichten, Euch unter Tränen und in beständigem Gebet vor Gott hinzutragen und zusammen mit Euch die Buße auf mich zu nehmen, sofern Ihr nur zum Vater zurückkehren wollt, der Euch als wahrer Vater erwartet mit den geöffneten Flügeln der Barmherzigkeit.

O weh, o weh, flieht doch nicht diese Barmherzigkeit und weicht ihr nicht aus, sondern nehmt sie demütig an und glaubt nicht heimtückischen Ratgebern, die Euch dem Tod überliefert haben!

O weh!
Liebe Brüder – ja, liebe Brüder und Väter werdet Ihr mir wieder sein, wenn Ihr zur Wahrheit zurückfindet – widersteht doch nicht länger den Tränen und dem Angstschweiß, den die Diener Gottes Euretwegen vergießen, so daß Ihr Euch vom Kopf bis zu den Füßen darin baden könntet. Aber wenn Ihr dieses süße, angstvolle und schmerzliche Verlangen, das sie um Euch erleiden, zurückweist, wird Euch eine noch viel härtere Strafe zuteil werden.

Fürchtet Gott und sein gerechtes Gericht!

Ich hoffe, daß seine unendliche Güte an Euch das Verlangen seiner Diener erfüllen wird .

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

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Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 7/9

Wartet nicht auf die Zeit, denn die Zeit wartet nicht auf Euch!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

Ich bitte Euch, zögert doch nicht länger und schlagt nicht aus gegen den Stachel des Gewissens, das Euch ja doch beständig beunruhigt!
Laßt Euch von der Verwirrung des Geistes und vom Bösen, das Ihr getan habt, nicht derart erdrücken, daß Ihr in Scham und Verzweiflung Euer Heil aufgebt, als ob keine Rettung mehr zu finden wäre.
Nein, so dürft Ihr nicht handeln!
Vertraut vielmehr in lebendigem Glauben und in fester Hoffnung auf Euren Schöpfer und kehrt in Demut zu Eurem Joch zurück!
Denn diese letzte Sünde der hartnäckigen Verzweiflung wäre sogar ärger und abscheulicher in den Augen Gottes und der Welt und würde Euch mehr schaden als das erstere.
So erhebt Euch also und laßt Euch erleuchten! Denn ohne Licht würdet Ihr in der Finsternis gehen, so wie Ihr es bisher getan habt.

Ich weiß in meiner Seele, daß wir ohne das Licht die Wahrfreit weder erkennen noch lieben können. Und darum habe ich eingangs gesagt und sage es jetzt erneut, daß ich mit ganz großer Sehnsucht danach verlange, Euch der Finsternis entrissen und mit dem Licht vereint zu sehen.

Zwar erstreckt sich dieses mein Verlangen auf alle Menschen, aber ganz besonders auf Euch […], die Ihr mir mit Euren Sünden größeren Kummer bereitet habt als die anderen Schuldigen.

Denn wenn auch alle anderen ihren Vater verlassen haben, so hättet wenigstens Ihr zu jenen Söhnen gehören müssen, die ihn unterstützen und sich zur Wahrheit bekennen. Und wenn der Vater Euch tatsächlich nichts als nur Vorwürfe gemacht hätte, so hättet Ihr dennoch nicht zu Verrätern werden und Seine Heiligkeit in jeder Hinsicht verleugnen dürfen.

Auch vom natürlichen Standpunkt aus – denn was die übernatürliche Tugend betrifft, sollten wir ja alle gleich sein. Aber rein menschlich gesprochen ist der Christus auf Erden ein Italiener wie Ihr, so daß Euch darum nicht falscher Patriotismus leiten konnte wie die ultramontanen (nichtitalienischen) Kardinäle. Ich sehe also keinen anderen Grund für Euren Abfall als nur Eure Eigenliebe.

Entledigt Euch heute noch dieser Selbstsucht und wartet nicht auf die Zeit, denn die Zeit wartet nicht auf Euch!
Reißt sie nieder voll Haß gegen das Laster und aus Liebe zur Tugend!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

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Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 6/9

Seid keine Bäume aus dem Erdreich des Stolzes und der Eigenliebe!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

O Elend über Elend!
O Blindheit über Blindheit, die das eigene Vergehen und das Unheil für Leib und Seele nicht mehr erkennen läßt! Hättet Ihr es nämlich erkannt, so wäret Ihr nicht so leichtfertig in sklavischer Furcht von der Wahrheit abgewichen.

Ihr wurdet von der Leidenschaft getrieben, gleich stolzen Menschen, die gewohnt sind, ihre Laune nach den Genüssen und Freuden der Welt zu richten. Ihr konntet einen Tadel wegen Eures augenblicklichen Verhaltens nicht ertragen und seid wegen eines scharfen Vorwurfs sogleich rebellisch geworden – das ist der Grund, warum Ihr abgefallen seid.

Denn die Wahrheit ist:
Bevor der Christus auf Erden damit begonnen hatte, Euch zurechtzuweisen, habt Ihr ihn als Stellvertreter Christi (der er auch tatsächlich ist) anerkannt und verehrt. Aber Eure letzte todbringende Frucht zeigt, was für Bäume Ihr seid; nämlich Bäume, die gepflanzt sind im Erdreich des Stolzes, der aus Eurer Eigenliebe entspringt. Und diese Ichsucht hat Euch das Licht der Vernunft geraubt.

O weh!
Um der Liebe Gottes willen, macht doch nicht so weiter! Benützt den Ausweg der Verdemütigung unter die starke Hand Gottes und des Gehorsams gegen seinen Stellvertreter, solange Ihr noch Zeit habt; denn wenn die Zeit abgelaufen ist, gibt es keine Rettung mehr! Gesteht Eure Schuld ein!

Werdet demütig und erkennt Gottes unendliche Güte darin, daß er der Erde noch nicht befohlen hat, Euch zu verschlingen, und den wilden Tieren noch nicht den Befehl gab, Euch zu zerreißen!

Er läßt Euch tatsächlich noch Zeit zur Umkehr.

Wenn Ihr Eure Schuld nicht einsehen wollt, wird Euch die von Gott angebotene Gnade zu einem harten Gericht werden. Aber wenn Ihr bereit seid, in die Hürde zurückzukehren und Euch wieder an der Brust der Braut Christi in Wahrheit zu nähren, werdet Ihr vom Christus im Himmel und vom Christus auf Erden in Barmherzigkeit aufgenommen trotz des von Euch begangenen Unrechts.

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

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Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 5/9

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

Ihr Toren, die Ihr tausendmal den Tod verdienen würdet! In Eurer Verblendung seht Ihr Eure eigene Bosheit nicht! Ihr seid so verwirrt, daß Ihr Euch selbst zu Lügnern und Götzendienern macht! Denn wenn es wahr wäre – was aber nicht der Fall ist, und ich rufe es aus und verleugne es nicht, daß Papst […] der rechtmäßige Papst ist! -, wenn es auch wahr wäre, was Ihr jetzt behauptet: Hättet Ihr uns dann nicht belogen, als Ihr uns sagtet, er wäre (und er ist es auch!) der oberste Pontifex? Hättet Ihr ihm dann nicht Eure Ehrfurcht nur vorgetäuscht, als Ihr ihm, dem Christus auf Erden, die Huldigung erwiesen habt? Und wäret Ihr dann nicht der Simonie schuldig geworden, als Ihr Euch (von ihm) Gunsterweise erbatet und dann davon unerlaubterweise Gebrauch machtet? Ja, in der Tat! Und jetzt haben sie einen Gegenpapst aufgestellt. Und Ihr habt mitgeholfen – jedenfalls was Euer äußeres Auftreten und Handeln betrifft, da Ihr einverstanden wart, dort zu bleiben, als die fleischgewordenen Teufel den Teufel wählten!

Ihr könntet mir vielleicht sagen: „Wir haben ihn nicht gewählt!“ Aber ich weiß nicht, ob ich Euch das glauben soll. Und warum? Weil ich nicht annehme, daß Ihr es gewagt hättet, Euch dort einzufinden, wenn Euer Leben in Gefahr gewesen wäre. Jedenfalls machen mich Euer Verschweigen der Wahrheit und das Unterlassen eines Protestes geneigt zu glauben, Ihr wäret schuldig an dem Übel zusammen mit den anderen, obwohl Eure Absicht vielleicht weniger schlecht war als die ihre. Was kann ich da noch sagen?

Nur dies: Wer nicht für die Wahrheit ist, der ist gegen sie. […] Darum sage ich Euch, daß Ihr Schuld habt an dem Übel […] und ich kann nur sagen, daß ein Glied des Teufels gewählt wurde! Denn wäre er nämlich ein Glied Christi, so hätte er eher den Tod auf sich genommen, als einer solchen Untat zuzustimmen. Er weiß ganz genau, was die Wahrheit ist, und kann sich nicht mit Unkenntnis entschuldigen. Mit diesem Teufel aber begeht auch Ihr all diese Sünden. Ihr habt ihn ja als Papst anerkannt, obwohl es nicht wahr ist, und Ihr habt dem Ehrfurcht erwiesen, dem sie nicht gebührt. Ihr habt Euch vom Licht getrennt und seid zur Finsternis übergegangen, habt die Wahrheit verlassen und Euch mit der Lüge verbündet. Wie man es auch wendet; überall finde ich nichts als Lüge. Ihr verdient eine strenge Strafe, und ich sage Euch — um mein Gewissen in dieser Angelegenheit zu entlasten: Wenn Ihr nicht in echter Demut zum Gehorsam zurückfindet, wird dieses Strafgericht wirklich über Euch kommen.

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

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Ihr Bischöfe seid feige Mietlinge! – 4/9

Bestreit die Wahrheit nicht durch Lügen!

(Caterina von Siena schreibt an Kardinäle und Bischöfe:)

O was für ein Wahnsinn, uns die Wahrheit zu verkünden, während Ihr es vorzieht, die Lüge zu verkosten!

Und jetzt wollt Ihr diese Wahrheit preisgeben und uns das Gegenteil vormachen, indem Ihr behauptet, Ihr hättet Papst […] nur aus Furcht gewählt. Das ist nicht wahr! Und wer das behauptet – ich spreche jetzt ohne alle Ehrerbietung gegen Euch, da Ihr Euren Anspruch auf Ehrfurcht aufgegeben habt -, der lügt auf sein eigenes Haupt! Denn der, von dem Ihr behauptet, ihn aus Furcht erwählt zu haben, war ja ganz offensichtlich […].

Ihr entgegnet mir vielleicht:
„Warum glaubst du uns nicht? Wir, die wir ihn gewählt haben, kennen die Wahrheit besser als du, die nicht dabei war!“

Darauf antworte ich:
Ihr selbst habt mir auf vielfache Weise bewiesen, daß Ihr von der Wahrheit abgewichen seid und ich Euch deshalb nicht glauben sollte (wenn Ihr jetzt sagt), Papst […] sei nicht der wahre Papst. Wenn ich Euer Leben betrachte, habe ich nicht den Eindruck eines so guten und heiligmäßigen Wandels, daß Euer Gewissen Euch von Lügen abhalten würde. Und wodurch wird das deutlich? Durch die Tatsache Eures zuchtlosen Lebens und das Gift der Häresie. Wenn ich auf die regulär durchgeführte Wahl schaue, bei der Ihr dabei wart, so haben wir doch erfahren, daß Ihr ihn kanonisch richtig und gültig und nicht aus Furcht gewählt habt. […] Die Festlichkeit, mit der seine Krönung gefeiert wurde, beweist uns die Gültigkeit seiner Wahl. Die Ehrfurcht, die Ihr ihm erwiesen habt, zeigt uns, daß die Feier echt war, und ebenso zeigen es die Gunstbeweise, die Ihr von ihm erbeten und von denen Ihr dann auch Gebrauch gemacht habt.

Diese Wahrheit könnt Ihr nicht bestreiten, höchstens durch Lügen!

(Caterina von Siena. An die Männer der Kirche II; Kleinhain 2005)

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Verliert den Mut nicht!

Brüder!
Ich bitte euch:
werdet nicht mutlos wegen der Drangsale,
die ich für euch erleide;
das bedeutet ja Ruhm für euch.

Darum beuge ich mein Knie vor dem Vater unsres Herrn Jesus Christus, von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden seinen Namen hat:

Er möge euch nach dem Reichtum Seiner Herrlichkeit verleihen, daß ihr durch Seinen Geist dem innern Menschen nach kraftvoll erstarket; daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr selbst in der Liebe festgewurzelt und gegründet seiet.

So möget ihr mit allen Heiligen begreifen die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe (der herrlichen Berufung, die uns in Christus zuteil geworden) und auch die Liebe Christi verstehen, die alles Erkennen übersteigt, und so mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt werden.

Ihm aber, der vermöge der in uns wirkenden Kraft über all das hinaus noch weit mehr zu tun vermag, als wir erflehen und erdenken können, Ihm sei die Ehre in der Kirche und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit.

(Epistel Eph. 3,13-21 am 16 So. n. Pfingsten)

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