Karl der Große – 28. Januar 814

Reliquienschatz von Kaiser Karl des Großen

Kaiser Karl der Große war ein großer Verehrer von Reliquien, besonders von Jesusreliquien, die er u. a. 799 vom Patriarchen von Jerusalem erhalten hat. Zur Aufbewahrung dieser Reliquien hat er die Pfalzkapelle in Aachen, den heutigen Dom, gebaut.

https://www.youtube.com/watch?v=j8pLdo2_ciY

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Heiliger Petrus Nolascus – 28. Januar

Mitbegründer des Mercedarierordens (Orden von der Erlösung der Gefangenen). Sein Todestag ist der 25. Dezember 1256. Papst Urban VIII. nahm ihn 1628 unter die Zahl der Heiligen auf.

Am Anfang des 13. Jahrhunderts erschallten von den durch Araber und Sarazenen eroberten Ländern Spaniens und von den Küsten Afrikas her aus dem Mund von Tausenden armer Christensklaven die Herz zerreissendsten Klagen zu den Ohren ihrer Mitbrüder, deren grenzenloses Elend zu beschreiben keine Feder im Stande ist. Beinahe nackt, an den Füßen mit schweren Ketten beladen, mussten sie den Pflug ziehen und bei unerträglicher Hitze auf dem Feld arbeiten; ein wenig Mehl war ihre tägliche Nahrung, stinkendes Wasser ihr Trank, halbverfaultes Stroh und ein harter Stein ihr Bett; die Schädel ihrer verstorbenen Genossen waren ihre Trinkgefäße. Wenn sie wegen Schwäche oder aus Müdigkeit nicht mehr arbeiten konnten, wurden sie gepeitscht bis auf das Blut; wurden sie krank, ließ man sie ohne Pflege und warf sie noch lebend den wilden Tieren zur Speise vor; wurden sie alt und gebrechlich, so tötete man sie. – Das Schrecklichste aber war, daß die Sarazenen alle erdenkliche Mühe anwandten, diese armen Christensklaven von ihrem heiligen Glauben abtrünnig zu machen. Alle Arten von Versuchungen und Martern mussten sie deshalb erdulden.

Von diesem gräßlichen Elend hatte nun ein gar frommer Franzose, Petrus Nolaskus, gehört und ward davon auf das Tiefste ergriffen. Er war damals ungefähr 29 Jahre alt, als er den Entschluss faßte, sein Vermögen für die Befreiung der armen Sklaven hinzugeben. Mit diesem Gedanken ganz beschäftig erschien ihm am 1. August 1218 in der Nacht die heilige Jungfrau und sprach zu ihm: „Gott will es, daß du einen Mönchsorden zur Befreiung der Gefangenen gründest.“ Petrus, der nicht leichtgläubig war und eine Täuschung befürchtete, fragte hierüber seinen Beichtvater um Rat, welcher der heilige Raimund von Pennafort war. Wie erstaunt war aber Petrus, als ihm dieser versicherte, daß auch ihm die heilige Jungfrau erschienen sei, und befohlen habe, ihm zu seinem Vorhaben Mut einzusprechen. Beide begaben sich nun zum König von Aragonien, und sprachen mit ihm über die Sache. Ihr Erstaunen stieg aber auf das Höchste, als derselbe ihnen entdeckte, daß auch ihm die heilige Jungfrau dasselbe geoffenbart habe. –

Nun vom Willen Gottes ganz überzeugt, legten sie sogleich Hand an das Werk. Der König versprach dem neuen Orden eine Wohnung in seinem Palast anzuweisen und gab beträchtliche Geschenke zur Gründung her.

Petrus zog sich nun in diese Wohnung zurück, bald kamen viele Herren und traten in den neuen Orden. Der heilige Raimund legte dem Heiligen selbst das Ordenskleid an, erklärte ihn zum ersten General des Ordens und verfaßte selbst die Regeln desselben.

Die Ordens-Mitglieder legten außer den Gelübden der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams noch ein viertes ab, nämlich dieses: ihre eigene Person hinzugeben, um, wenn es notwendig wäre, einen Sklaven aus der Gefangenschaft zu befreien. Unterdessen wurde die Zahl der Mitglieder immer größer und der König erbaute ihnen deshalb ein prachtvolles Kloster zu Barcelona. Sie sammelten Almosen, um damit die Gefangenen loszukaufen. Petrus durchzog die Küsten von Spanien, wo die Sarazenen hausten und schiffte selbst nach Afrika hinüber, um den armen Sklaven beizustehen, sie zu trösten und zu befreien.

Er hatte Vieles zu leiden, ja er geriet selbst in Gefangenschaft und wurde in Ketten gelegt. Durch seine Ordensbrüder befreit, kehrte er nach Barcelona zurück, wo er das Amt eines Generals wegen der Schwäche seines Alters niederlegen wollte, aber von seinen Ordensbrüdern, die ihn wie einen Vater liebten und ehrten, daran gehindert wurde.

Nachdem er 31 Jahre seinem Orden vorgestanden, und viele Tausende von Gefangenen erlöst, kam auch für ihn die Stunde der Erlösung aus den Banden dieser Welt. Als er sich dem Tode nahe fühlte, ließ er seine Ordensgenossen um sein Sterbebett versammeln, munterte sie auf zur Standhaftigkeit und mit den Worten: „Lobpreisen will ich den Herrn; denn er hat seinem Volk Erlösung gesandt und seinen Bund mit ihm auf ewige Zeiten befestigt“, gab er sanft seinen Geist auf am Fest der Geburt des Heilandes im Jahre 1256.

(Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904)

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Hl. Johannes Chrysostomus – 27. Januar

Seit dem fünften Jahrhundert wird Chrysostomus von der ganzen christlichen Kirche, sowohl der östlichen als auch der westlichen, für sein mutiges Zeugnis zur Verteidigung des kirchlichen Glaubens und seine großherzige Hingabe an den Hirtendienst verehrt.

Seine Lehre und seine Predigttätigkeit ebenso wie seine Sorge für die heilige Liturgie haben ihm schon früh die Anerkennung als Kirchenvater und Kirchenlehrer eingebracht.
Auch sein Ruf als Prediger fand bereits im sechsten Jahrhundert Anerkennung durch die Zuschreibung des Titels »Goldmund«, auf griechisch »Chrysostomos«. Von ihm schreibt der hl. Augustinus:

»Beachte, Julianus, in welche Gesellschaft ich dich eingeführt habe. Hier ist Ambrosius von Mailand, … hier Johannes von Konstantinopel, … hier Basilius, … hier die anderen, und ihre wunderbare Übereinstimmung sollte dich zum Nachdenken bringen… Sie erglänzten in der katholischen Kirche durch das Studium der Lehre. Gerüstet und geschützt mit geistlichen Waffen haben sie kraftvolle Kriege gegen die Irrlehrer geführt, und nachdem sie nun die ihnen von Gott anvertrauten Werke treu zu Ende geführt haben, schlafen sie im Schoß des Friedens… Das ist der Ort, an den ich dich geführt habe. Die Gemeinschaft dieser Heiligen ist nicht die Volksmenge: Sie sind nicht nur Söhne, sondern auch Väter der Kirche«.

Papst Benedikt XVI.

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UMKEHR – Johannes von Dalyatha – 16/28

Wer würde dich nicht lieben, Buße,
beladen mit allen Gütern?
Außer Satan, der dich hasst,
weil du seinen Reichtum plünderst,
seinen Besitz zerstörst, ihn arm machst.

Du lässt ihn gestraft sein
durch die Vergeblichkeit seines bemühten Tuns.

Du sonderst ihn ab von den Erben,
die ihm nicht gehörten,
sondern die er gefangen hatte.

Dieser hasst dich wahrhaftig,
weil du ihm auch immer entgegenstehst!

Niemand fällt in seine Hände
und wird als Beute sein Fraß,
wenn du über ihn kommst.

Niemand hängt zwischen Satans Zähnen,
ohne dass du diese Zähne zerschlagen
und ihn herausziehen würdest,
wenn er dich ruft.

Nicht einmal das gibt es,
dass einer schon von ihm verschlungen wäre
und in seinem Bauch zu dir schreit,
ohne dass du diesen Bauch aufbrechen würdest,
ihn hinaus zu lassen.

Quelle: Johannes von Dalyatha: Briefe. Aus der syrisch-aramäischen Sprache übersetzt von Matthias Binder, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2020, ISBN: 978-3870713683.
HIER

Johannes Saba von Dalyatha lebte zwischen 690 und 780. Er wurde in einem Dorf der Provinz Beit Nouhadra, das heute nördlich von Mossoul im Irak liegt, geboren. Um 710 beginnt er sein Noviziat im Kloster Mar Yuzadaq. Nach sieben Jahren Ausbildung darf er sein Einsiedlerleben in den Bergen von Dalyatha beginnen, einem einsamen Ort auf über 4.000 m Höhe, der an der Grenze zwischen der heutigen Türkei und dem Irak liegt. Dort verbringt Johannes den größten Teil seines Lebens.

Erst gegen Ende seines Lebens verlässt er die unwirtliche, karge Hochgebirgswelt und geht in sein früheres Kloster Mar Yuzadaq zurück. Hier schließen sich ihm weitere Brüder an. Johannes wird Abt einer Mönchsgemeinschaft und baut gemeinsam mit seinen Brüdern das Kloster Arqol auf. Bald leben hier bis zu vierzig Brüder, denen er eine Lebens- oder Mönchsregel übergibt.

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Pauli Bekehrung – „Ut unum sint“! – 25. Januar

Die Bekehrung des Paulus reifte in der Begegnung mit dem auferstandenen Christus heran; es war diese Begegnung, die seine Leben radikal veränderte. Auf dem Weg nach Damaskus geschah ihm das, was Jesus im heutigen Evangelium fordert: Saulus hat sich bekehrt, da er dank des göttlichen Lichts „an das Evangelium“ geglaubt hat. Darin besteht seine und unsere Bekehrung: im Glauben an den gestorbenen und auferstandenen Jesus und in der Öffnung für die Erleuchtung durch seine göttliche Gnade. In jenem Augenblick begriff Saulus, dass sein Heil nicht von den guten Werken abhing, die auf die Erfüllung des Gesetzes abzielten, sondern von der Tatsache, dass Jesus auch für ihn – den Verfolger – gestorben und auferstanden war und auferstanden ist.

Diese Wahrheit, die dank der Taufe das Dasein eines jeden Christen erleuchtet, stößt unsere Art zu leben vollständig um. Sich bekehren bedeutet auch für einen jeden von uns, daran zu glauben, dass sich Jesus im Tod am Kreuz „für mich hingegeben hat“ (vgl. Gal 2,20) und als Auferstandener mit und in mir lebt. Wenn ich mich der Macht seiner Vergebung anvertraue und mich von ihm an der Hand nehmen lasse, kann ich dem Treibsand des Stolzes und der Sünde, der Lüge und des Kummers, des Egoismus und jeder falschen Sicherheit entkommen, um den Reichtum seiner Liebe kennen zu lernen und zu leben.

Liebe Freunde, die Einladung zur Umkehr, die durch das Zeugnis des heiligen Paulus bekräftigt worden ist, erschallt heute, zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen, auch auf der Ebene der Ökumene mit besonderer Vordringlichkeit. Der Apostel zeigt uns die angemessene geistliche Haltung, um auf dem Weg der Gemeinschaft fortschreiten zu können. „Nicht dass ich es schon erreicht hätte, oder dass ich schon vollendet wäre“, schreibt er an die Philipper. „Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin“ (Phil 3,12).

Gewiss, wir Christen haben das Ziel der vollen Einheit noch nicht erreicht. Wenn wir uns aber ständig von Jesus, dem Herrn, bekehren lassen, werden wir es sicher erreichen. Die selige Jungfrau Maria, Mutter der einen und heiligen Kirche, erlange für uns das Geschenk der wahren Umkehr, damit sich so bald wie möglich der Wunsch Christi verwirkliche: „Ut unum sint“!

(Papst Benedikt XVI., beim Angelus am 25.1.2009)

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Herr, sieh unsere Ohnmacht!

Oration am 3. Sonntag nach Erscheinung des Herrn:

Allmächtiger ewiger Gott,
schaue gnädig nieder auf unsre Ohnmacht
und strecke aus
die Rechte Deiner Majestät,
um uns zu schützen.
Durch unsern Herrn Jesus Christus,
Deinen Sohn,
der mit Dir lebt und herrscht
in der Einheit des Heiligen Geistes,
Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Omnipotens sempiterne Deus, infirmitatem nostram propitius respice: atque, ad protegendum nos, dexteram tuæ majestatis extende. Per Dominum nostrum Jesum Christum, Filium tuum: Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus: per omnia sæcula sæculorum. Amen.

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Mönch begleitet Mörder bis zur Hinrichtung

Eine Katechese zu Leben, Tod und Todesstrafe

In der Quartals-Zeitschrift „Der Ruf des Königs“ der Kongregation „Servi Jesu et Mariae“ (SJM) findet sich eine Katechese von Pater Martin Linner mit dem Titel: „Vergib uns unsere Schuld – Die fünfte Vaterunser-Bitte„.

Es geht um „Schuld, Versuchung und das Böse“. Nichts, was auch nur ein einziger Mensch nicht kennen würde. Wir alle beten immer wieder:

Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Pater Linner berichtet von einem Mann, der als Mönch in der Benediktiner-Abtei „Clear Creek„, in den einsamen Wäldern von Oklahoma lebt. Bruder Vianney-Marie Graham ist Laienbruder und widmet sich viele Stunden des Tages dem Gebet der Kirche (das Göttliche Offizium) sowie dem meditativen und privatem Beten. So ist sein zurückgezogenes Mönchsleben in Gebet und Arbeit (ora et labora) ein Leben für die ganze Welt, besonders für notleidende Menschen und Sünder.

Ein Mönch und das Leid der Welt

Taten der Schuld und Verletzungen durch Schuld berühren die Existenz des Menschen zuinnerst. Bruder Vianney-Maries Gebete gehen daher oft zu den „Verlassenen der Verlassenen“ im Hochsicherheitsgefängnis von McAlester. Der kontemplative Mönch bittet seinen Abt schließlich um die Erlaubnis, einigen Gefangenen schreiben zu dürfen, „um ihnen zu sagen, dass sie nicht verzweifeln sollen, dass  ihnen Gott barmherzig sein will, unabhängig von ihren Verbrechen.“

Das zeigt uns die Heilige Schrift von Anfang an: Nach der Erschaffung des Menschen kommt es  umgehend zum Sündenfall – mit dramatischen Folgen. Wie reagiert Gott? Seine Antwort auf die in  Schuld verstrickten Menschen ist ein Wort des Heiles: Er verheißt den Erlöser (vgl. Gen 3,15).

Bruder Vianney-Marie will auch die Erlösung der Menschen und sucht nach den „schlimmsten Fällen“. Dabei stößt er auf James Malicoat, einen Mann, der seine 13 Monate alte Tochter durch eine Vielzahl an Schlägen über zwei Wochen hin derart brutal verletzte, dass sie am 21. Februar 1997 starb. „Als ich von diesem Verbrechen zum ersten Mal hörte, dachte ich: Er  braucht mehr als jeder andere Mensch einen Freund.“

Der Benediktiner erhält von seinem Prior die Erlaubnis, an Malicoat zu schreiben. Mit Bedacht wählt er dafür das Fest Mariä Himmelfahrt – die Fürsprache Mariens soll dem Todeskandidaten den Weg zum Himmel öffnen. Nach anderthalb Monaten, am 1. Oktober 2001, dem Fest der heiligen Theresia von Lisieux, antwortet Malicoat. Ein regelmäßiger Briefkontakt entsteht. Obgleich die kontemplativen Mönche von Clear Creek selten das Kloster verlassen, bittet Vianney-Marie nach zwei Jahren brieflichen Austauschs um Erlaubnis, James Malicoat im Todestrakt besuchen zu dürfen. „Ich wollte wenigstens ein Treffen, damit er sehen kann, dass es die Person wirklich gibt, der er schreibt.“

Im Super-Maximum-Security-Gefängnis 

Vianney-Maries erster Besuch im Death Row nimmt ihn körperlich ziemlich mit. „Die Atmosphäre dort war schrecklich.“ Mönch und Mörder sehen sich durch Panzerglas und unterhalten sich über Telefonhörer. Malicoat ist verschlossen. Doch der Ordensmann schreibt weiter und kommt wieder. Langsam wächst das Vertrauen Malicoats in den Benediktiner. Er beginnt von seinem Leben zu erzählen – stockend, abgehackt: „Ich weiß nicht, warum ich meine Tochter Tessa getötet habe.“ Er berichtet von schlimmen körperlichen Misshandlungen in seiner Kindheit und Jugend. Er selbst war gewalttätig. Seinen leiblichen Vater hat er nie kennengelernt. Er wisse nicht, ob ihn jemand liebe. Seiner Ehefrau war er untreu. … Abgründe tun sich auf.

Die Schuld und ihre Folgen

Die fünfte Vaterunser-Bitte setzt eine Welt voraus, in der es nicht nur Schuld gibt – gegenüber Gott und den Menschen –, sondern viele Verletzungen, die folgenschwer sind. Wie oft ruft Schuld neue Schuld hervor. So auch bei James Malicoat. Wie oft entsteht eine Spirale von Vergeltung und Hass. Mit dieser Bitte lehrt uns Jesus, dass „Schuld nur überwunden werden kann durch Vergebung, nicht durch Vergeltung“ (Benedikt XVI.).

Jesus, der Heiland

Für uns alle, aber besonders für Menschen wie James Malicoat, ist der Herr „aus seiner Göttlichkeit aufgebrochen, um auf uns zuzugehen, uns zu versöhnen“ (Benedikt XVI.). Eindrucksvoll ist die Geste Jesu, wenn er sich beim letzten Abendmahl vor seinen Jüngern niederkniet, nicht nur um ihre schmutzigen Füße zu waschen, sondern sie mit seiner demütigen Liebe innerlich zu reinigen.

Im Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht (Mt 18,23-35) beschreibt Jesus die überbordende  Barmherzigkeit Gottes: Der König erlässt einem Diener die Schuld von 10.000 Talenten – eine ungeheure Summe, die umgerechnet 60  Millionen Denaren,  d.h. 60 Millionen Tageslöhnen eines Arbeiters entspricht.

James Malicoat kann an diese Barmherzigkeit nicht  glauben. „Hab keine Angst!“, schreibt ihm der Laienbruder. „Der Teufel wird versuchen, dich in Verzweiflung zu bringen. Vertraue auf Gott und  sage ihm, dass es dir leid tut.“ Fünf Jahre sind Mönch und Mörder nun schon in Kontakt. Die Aufarbeitung von verübter, aber auch erlittener Schuld ist mühsam. Der Laienbruder ist geduldig und betet.

Die Bitte um Vergebung

Bei einem erneuten Besuch fragt ihn der Ordensmann schließlich ganz direkt: „James, willst du mit deiner Tochter Tessa sprechen?“ „Der Schock, der über Malicoats Gesicht ging, war die erste emotionale Reaktion, die ich bei ihm feststellte. An so etwas hatte er wohl nie gedacht. Und doch begann er, stammelnd, zu seinem toten Kind zu sprechen: »Tessa, kannst du mir verzeihen?« Ich saß geduldig auf der anderen Seite des Panzerglases und hörte Malicoat zu. Dann vertraute er mir die Sorgen seiner Mutter an, die in all den Jahren voller Schmerz den Tag seiner Hinrichtung kommen sah.“

Um Vergebung bitten, setzt Reue voraus. Die zeigt Malicoat nicht nur in seinem Testament: „Ich  möchte jeden wissen lassen, wie leid es mir tut. Es tut mir leid, dass ich den Tod eines anderen Menschen verschuldet habe. Es gibt nichts, was ich tun kann, um das rückgängig zu machen.“

Die Saat wächst

Es sind mühevolle Jahre des Aufbaus von Gottvertrauen und der Zurückhaltung, um Malicoat nicht zu überfordern. Es bahnt sich langsam eine Freundschaft an. Trotzdem reagiert der Häftling oft unruhig und deprimiert. Die Last der Schuld droht ihn zu erdrücken.

Schuld ist eine Wirklichkeit, eine Macht, die Zerstörung und Verletzung hervorgebracht hat. Die Überwindung und Vergebung der Schuld kann sich daher nicht einfach auf  Ignorieren oder Vergessen beschränken.

So sagt Benedikt XVI.: „Vergebung kostet etwas – zuerst den, der vergibt: Er muss in sich das ihm geschehene Böse überwinden, es inwendig gleichsam verbrennen und darin sich selbst erneuern, so dass er dann auch den anderen, den Schuldigen, in diesen Prozess der Verwandlung, der inneren Reinigung hineinnimmt und sie beide durch das Durchleiden und Überwinden des Bösen neu werden.“ Das tut Jesus.

Für Malicoat ist der Gedanke an Vergebung noch weit weg. In einem Brief vom 26. Juni 2006 informiert er den Benediktiner, dass seine Hinrichtung nun für den 22. August angesetzt ist. „Ich habe nichts dagegen, dass sie michtöten“, schreibt er. „Ich habe Dinge getan, auf die ich nicht stolz sein kann. So muss ich vor Gott hintreten.“

Am Kreuz

Müssen wir das wirklich? Unsere Grenzen, das Böse aus eigener Kraft zu heilen, überwindet die Liebestat Christi am Kreuz. Von ihm sagt der Prophet Jesaja: „Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen.  …  Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen. … Durch seine Wunden sind wir geheilt“ (53,4f ).

Gott hat die ganze Welt mit einem Wort erschaffen, sagt der heilige Kardinal John Henry Newman. Aber unsere Schuld vergibt er durch den Lösepreis seines eigenen Sohnes. Jesus selbst ist gekommen, „um sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mk 10,45). Kann James Malicoat dieses Wunder der Gnade annehmen?

Der Mönch glaubt an die Macht von Gebet und Opfer. Er bittet seine Mitbrüder um Unterstützung und gründet eigens eine Gebetsgemeinschaft. In benachbarten Pfarreien werden Gebetsvigilien abgehalten.

Jesus lässt den Menschen an seinem Erlöserleiden geheimnisvoll mitwirken (vgl. Kol 1,24). Das spürt auch Bruder Vianney-Marie. Der an sich robuste Benediktiner hat Albträume und schwere Anfechtungen. Er ahnt, wie es dem heiligen Pfarrer von Ars oder dem heiligen Pater Pio im Kampf um die Seelen erging.

Ein Sakrament

Die Vergebung von Schuld geht von Gott aus (vgl. Lk 5,21). Diese Gabe ist dem Herrn so  bedeutungsvoll, dass er dafür ein eigenes Sakrament eingesetzt und seine Jünger zu dessen Verwaltern bestellt hat – die heilige Beichte: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20,22f ).

Der innere Kampf

Der Hinrichtungstermin wird auf den 31. August 2006 verschoben. Malicoat stimmt der Anwesenheit eines Priesters bei der Hinrichtung zu, Bruder Vianney-Marie soll ihn begleiten. Doch am Hinrichtungstag will Malicoat davon nichts mehr wissen. Der Mönch und der mitgekommene Priester, Kaplan Kirk Larkin, warten und beten. Nach 45 endlos scheinenden Minuten bittet Malicoat endlich die beiden zu sich. „Er ist wie versteinert“, sagt sein Anwalt. „Sie haben keine Ahnung, unter  welcher Spannung diese Jungs in ihrer letzten Stunde stehen.“

Im Angesicht des Todes

Bruder Vianney-Marie erblickt in seinem Gegenüber einen gebrochenen Mann. Er ist erschüttert. Er stellt Kaplan Larkin vor und bittet Malicoat einen Akt des Glaubens zu setzen und zu beichten. Dann übergibt er Larkin den Telefonhörer.

Kirk Larkin ist erst seit zwei Jahren Priester – trotz seiner 47 Jahre. Er weiß, was es heißt, den Ruf Gottes sehr spät zu hören. Erst mit über 30 begann er regelmäßig die Messe zu besuchen. Später gesteht Larkin, dass er sich dieser Aufgabe nicht gewachsen sah: „Zuerst habe ich nein gesagt, doch dann dachte ich: Vielleicht hat Gott mich dazu berufen.“

Vergebung der Schuld

Priester und Mörder sitzen sich gegenüber: „Ich will nicht beichten!“, erklärt Malicoat dem Neupriester entschieden. „Ich möchte Sie nicht mit den schrecklichen Dingen meines Lebens belasten.“

Larkin macht dem Todeskandidaten Mut. Er geht mit ihm das Glaubensbekenntnis durch und fragt bei jedem Artikel, ob Malicoat zustimmen könne.

Der Laienbruder geht währenddessen im hinteren Teil des Raumes auf und ab und betet den Rosenkranz. „Ich fühlte ein schreckliches Gewicht auf meinen Schultern. Aber gleichzeitig habe ich noch nie so viel Gebetsunterstützung gespürt wie an diesem Tag.“

Dann sieht er, wie Kaplan Larkin seine rechte Hand segnend über James Malicoat erhebt. Da weiß er:  Ein Schwerverbrecher hat seinen Schöpferum die Vergebung seiner Schuld gebeten. Und Gott hat ihm alle Schuld vergeben. „Ich hätte vor Freude an die Decke springen können.“

Letzte Minuten

Kaplan Larkin winkt Bruder Vianney-Marie herbei, der zu Malicoat meint: „James, du bist jetzt nicht nur mein Freund, du bist mein Bruder. Du hast genau die gleichen Gnaden.“Die beiden schauen sich still an. Schließlich fragt der Mönch: „Bist du bereit zu gehen?“ – „Ja“, ist die klare Antwort. Dabei strahlt der Todeskandidat friedliche Ruhe aus und zeigt, wie die Vergebung von Schuld auch äußerlich einen Menschen verändert.

Priester und Mönch sind bei der Hinrichtung mit der Giftspritze zugegen. „Ein grausamer Akt“, meint  der Benediktiner später. „Doch James zeigte sich gelassen und furchtlos.““Jesus, Maria und Josef, nehmt seine Seele in den Himmel auf“, betet Bruder Vianney-Marie, während Malicoat stirbt.

Kaplan Larkin erinnert sich an die Reaktion des Mönchs. „Bruder Vianney-Maria wurde gleichsam körperlich verletzt, als James Malicoat hingerichtet wurde.“

Vergebung durch Gebet

Der Laienbruder erfuhr erst später, dass Malicoat am selben Tag, dem 31. August, starb, an dem auch der dreifache Mörder Henri Pranzini im Jahr 1887 hingerichtet worden war. Von  Pranzinis hartnäckiger Unbußfertigkeit hatte die damals 14-jährige Theresia von Lisieux in der Zeitung gelesen und daraufhin immer wieder gebetet: „Lieber Gott, bitte, vergib Pranzini die schwere Schuld!“ An der Hinrichtungsstätte ergriff dieser schließlich das Kreuz des  ihn  begleitenden  Priesters  und  küsste  es  dreimal.

„Niemand kann mir sagen, dass diese Heilige nicht für James gebetet habe“, ist der Mönch überzeugt. Nicht zu vergessen die Fürsprache Mariens, an deren Himmelfahrtstag  alles begann…

Einige Tage nach der Hinrichtung erhielt Bruder Vianney-Marie einen zwei Tage davor verfassten Brief. Darin hatte Malicoat geschrieben: „Sie werden sehen, das Gebet ist nie umsonst.“

Schuld als Mangel

Leben und Taten James Malicoats zeigen: Sünden sind Schulden. Und Schulden sind immer ein Mangel, ein „Mangel an Gutem“ (hl. Augustinus). Man könnte auch sagen: ein Mangel an Liebe – und jede Sünde somit eine Lieblosigkeit. Mit dem Bild des „Liebestanks“ beschreibt die Kinderpsychologie  das Bedürfnis nach einem ausreichenden Maß an Liebe, welches das Kind zu einem gesunden körperlichen und seelischen Wachstum befähigt. Ist der Tank gefüllt, dann ist das Kind im Gleichgewicht, dann ist es glücklich. Ist er leer, kommt es zu psychischen und auch physischen Entwicklungsstörungen.  Das gilt in ähnlicher Weise auch für Erwachsene.

Fülle an Liebe

Schuld entleert jeden Liebestank. Die Beseitigung der Schuld verlangt zugleich die Beseitigung des Mangels an Liebe, die erneute Erfüllung mit Liebe. Das tut Gott. In ganz einzigartiger Weise im Bußsakrament. Die Schuld, der Mangel wird beseitigt und die Seele mit der Liebe Gottes angefüllt.

Bruder Vianney-Marie und James Malicoat sind Zeugen der vergebenden Liebe Gottes.

Zuerst veröffentlicht bei CNAdeutsch

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Dokumentation – James Patrick Malicoat,
Hinrichtung am 31. August 2006 um 18:09 Uhr.

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Abbey Our Lady of Clear Creek

Benediktinerabtei Clear Creek, Priestermönch bei täglicher Privatmesse

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UMKEHR – Johannes von Dalyatha – 15/ 28

Sie geht neben allen Engeln,
und wo immer diese einen Menschen
zu disziplinieren haben –
sie lässt es verstreichen bei denen,
die sie lieben.

Sie steht an Gottes Tür,
und alle Güter, die dort herauskommen,
zweigt sie für ihre Hausgenossen ab.

Sie ist die Anwältin der Straffälligen:
Wann immer sie sich
an sie wandten und sie baten,
stellte sie sich vor sie.

Quelle: Johannes von Dalyatha: Briefe. Aus der syrisch-aramäischen Sprache übersetzt von Matthias Binder, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2020, ISBN: 978-3870713683.
HIER

Johannes Saba von Dalyatha lebte zwischen 690 und 780. Er wurde in einem Dorf der Provinz Beit Nouhadra, das heute nördlich von Mossoul im Irak liegt, geboren. Um 710 beginnt er sein Noviziat im Kloster Mar Yuzadaq. Nach sieben Jahren Ausbildung darf er sein Einsiedlerleben in den Bergen von Dalyatha beginnen, einem einsamen Ort auf über 4.000 m Höhe, der an der Grenze zwischen der heutigen Türkei und dem Irak liegt. Dort verbringt Johannes den größten Teil seines Lebens.

Erst gegen Ende seines Lebens verlässt er die unwirtliche, karge Hochgebirgswelt und geht in sein früheres Kloster Mar Yuzadaq zurück. Hier schließen sich ihm weitere Brüder an. Johannes wird Abt einer Mönchsgemeinschaft und baut gemeinsam mit seinen Brüdern das Kloster Arqol auf. Bald leben hier bis zu vierzig Brüder, denen er eine Lebens- oder Mönchsregel übergibt.

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Streitgespräch zwischen einem Christen und einem Sarazenen

Mit Verständnis statt Polemik –
Ein Christ und ein Muslim im Dialog

Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht Medien blutige Gewalt und Terror-Anschläge melden, vor allem aus Afrika, aber auch von vereitelten Anschlägen in Westeuropa berichten, von Debatten über den „politischen Islam“ und Islamismus. Vielfach wird in säkularen Medien dann auch danach gerufen, Religion vom Staat zu trennen – und damit verknüpft die Frage aufgeworfen, ob und wie und westliche Staaten die Hoheit über die Ausbildung islamischer Religionslehrer gewinnen sollen, um entsprechend Einfluss nehmen zu können.

Der Althistoriker David Engels hält dies für keinen guten Vorschlag. Warum, erläutert der Professor in seinem Aufsatz „Laizismus ist die falsche Antwort“ mit Blick auf Versuche, islambezogene Herausforderungen mit laizistischen Ansätzen zu begegnen. Diese beruhten auf falschen Annahmen über die kulturellen Grundlagen von Gemeinwesen, so Engels. Dadurch, dass säkulare bzw. laizistische Vorgehensweise Religion in den Bereich des Privaten zu verdrängten versuchten, erzeugten sie mehr Probleme, als sie lösten, so Engels.

Womöglich treten Islamisten heute auch ganz anders auf, ohne ihre eigentlichen Interessen aufzugeben. So gibt es etwa Muslimbruderschaften „mit einer freiheitlich-demokratischen Fassade„, wie Stephan Baier noch vor wenigen Tagen in seinem Beitrag „Die schleichende Machtübernahme der Muslimbrüder“ in der Tagespost schrieb. Und von Europa aus würden sie „außerhalb Europas operierende terroristische Organisationen“ verbal und finanziell unterstützen.

Als 1453 der osmanische Sultan Mehmed mit seinem 80.000 Mann starken Heer Konstantinopel, die Hauptstadt der östlichen Christenheit, eroberte, endete die Ära des Byzantinische Reiches. Die beiden Türkenbelagerungen von Wien in den Jahren 1529 und 1683 waren weitere deutliche Hinweise auf das Ziel des Osmanischen Reichs, sich im Westen auszubreiten und die Christen zurückzudrängen. Es war kein Wunder, dass Christen die muslimischen Heere als Legionen des Antichristen ansahen.

Dionysius der Kartäuser (1402-1471) aus Roermond lebte im 15. Jahrhundert. Er war ein Zeitgenosse und Freund von Kardinal Nikolaus von Kues, den er unter anderem bei mehreren Visitationsreisen begleitete. Beide hatten eine ähnliche Ansicht vom Islam und dessen heiligen Buch, dem Koran.

Nikolaus von Kues stellte drei Prinzipien der Koraninterpretation auf (vgl. Markus Riedenauer: Das Mittelalterliche Christentum in Auseinandersetzung mit dem Islam. Darmstadt 2007):

– Gesprächsgrundlage sind die Regeln der Vernunft (rationabilitas)

– Als hermeneutisches Prinzip gilt die wohlwollende, nicht polemisierende Behandlung der Themen Koran und Christentum (pia interpretatio)

– Die Hinführung zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und Ernstnehmen der Ausgangsposition der anderen Seite (manuductio)

Dionysius verfasste Schriften, die sich kritisch dem Koran und dem Propheten Mohammed widmen. Ebenso schrieb er über einen gegen die Türken zu führenden Krieg. Die hier vorzustellende Schrift des Dionysius – „Dialogus disputationis inter christianum et sarracenum“ (Dialogisches Streitgespräch zwischen einem Christen und einem Sarazenen) – hat das Ziel, als Christ missionarisch argumentierend den Muslim von der Wahrheit des christlichen Glaubens zu überzeugen.

Unser Buch würde nach dem lateinischen Titel „Dialogus disputationis inter christianum et sarracenum” konsequenterweise den Namen „Dialogisches Streitgespräch zwischen einem Christen und einem Sarazenen” tragen müssen. Vielleicht ist er als deutscher Buchtitel zu sperrig, dass man diesen änderte. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Unterredung, die gelegentlich zum Streitgespräch wird. Wir haben kein theologisches Lehrbuch vor uns. Ähnlich einer dialogischen Lehrform werden Fragen gestellt, durch die der andere eine Wahrheit erkennen soll. Dies geschieht nicht in einer wissenschaftlichen Weise, sondern im geduldigen zu-hören und nach-denken.

Bei einer derartigen Auseinandersetzung befinden sich beide Seiten im Gespräch. Und solange gesprochen wird, schweigen die Waffen; wenn Waffen schweigen gibt es auch nicht Mord und Totschlag.

Dies ist keine neue Erkenntnis. Aber diese Methode funktioniert nur, wenn beide Seiten dazu bereit sein wollen. In unserer Wechselrede wird schnell ein Streitgespräch. Erst allmählich entwickelt sich so etwas wie gegenseitiges Verständnis. Denn schon in seinem zweiten Satz entgegnet der Sarazene ganz scharf dem Christen, er würde ein sakrilegisches Thema anschneiden wenn er behaupte, Gott habe einen einziggezeugten (eingeborenen) Sohn.

In neunzehn Artikeln werden wesentliche Glaubensfragen und Fragen zum Koran behandelt. Genannt seien hier nur, ob der Koran sich selbst widerspricht, oder dass der in einer Person existierende Christus zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

So entwickelt sich anhand all dieser Fragen ein Gespräch, in dem sowohl die Bibel als auch der Koran erörtert werden. Dabei werden auch gerade heute wieder aktuelle Themen angesprochen, etwa der Umgang mit Frauen. Das Ziel des Christen ist es, deutlich herauszustellen, wo es große Differenzen zwischen Christen und Muslimen gibt. Desweiteren ist es seine Absicht, gemäß den Worten Jesu hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden, also missionarisch zu wirken.

Am Schluss unseres Buches bedankt sich der Sarazene für die Disputation mit dem Christen, für dessen liebevolle Erläuterungen und seine ernste Sorgfalt. Schließlich erkennt er noch an, „dass der Koran von den Schriften des evangelischen und mosaischen Gesetzes“ völlig abweiche.

Die vorliegende Übersetzung zielt ganz bewusst nicht auf eine fachwissenschaftliche Untersuchung ab, sie bietet dem Leser den Text aus Sicht des christlichen Glaubens dar und legt ihr Augenmerk neben der Texttreue auf die Intention des Autors„, heißt es im Cover-Text.

Zuerst erschienen bei CNAdeutsch

Dionysius Cartusianus von Roermond
Islam – die wahre Religion?
Ein Christ und ein Muslim zur Erkenntnis der Glaubenswahrheit
Verlagsbuchhandlung Sabat 2020
208 Seiten; 19,95 Euro
ISBN 978-3943506860

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US-Präsident – Lebensrechtsbewegung – Ein Blick über den Tellerrand hinaus

Die Verfassung der Vereinigten Staaten legt den Beginn der Amtszeit eines US-Präsidentendiesen auf den 20. Januar fest. So begann heute vor vier Jahren die Präsidentschaft von Donald Trump. Am heutigen 20. Januar 2021 legt Joe Biden den Amtseid als US-Präsident ab.

Nun ist es höchste Zeit, um vom Trump-Zug abzuspringen
und wieder nach vorne zu schauen.

Ein Blick über den Tellerrand hinaus:

Nach vorne schauen

Die Lebensschutzbewegung in den USA nach Donald Trump

Am 16. Dezember war US-Vizepräsident Mike Pence Gastgeber einer Veranstaltung im Weißen Haus mit dem Titel „Das Leben siegt: Wir feiern vier Jahre Erfolge für den Lebensschutz“, um über eine außerordentlich erfolgreiche Amtszeit des Präsidenten für die pro-life-Bewegung zu reflektieren. Vertreter von mehr als zwanzig pro-life-Gruppen waren anwesend, zusammen mit vielen Trump-Funktionären. Pence legte die Lebensschutzpolitik dar, welche die Regierung erfolgreich umgesetzt hat, und versprach den Anwesenden, dass sein eigenes Eintreten für das Leben gerade erst beginnt. „Sie haben sich in den letzten vier Jahren für das Leben eingesetzt, und ich verspreche Ihnen, dass wir niemals aufhören werden, für das Recht auf Leben zu kämpfen“, erklärte Pence mit Leidenschaft. „In den kommenden Monaten und Jahren werden wir sehen, wie die Heiligkeit des Lebens wieder in den Mittelpunkt des amerikanischen Rechts gerückt wird.“

Diese Errungenschaften, die von eben jenen Anführern der pro-life-Bewegung und den Funktionären der Trump-Regierung hervorgebracht wurden, die sich versammelt hatten, um Bilanz zu ziehen, sind beeindruckend. Drei Richter des Obersten Gerichtshofs; mehr als 220 konservative Ernennungen von Bundesrichtern; beispiellose Kürzungen bei der Finanzierung der Abtreibungsindustrie; beispielloser Zugang zur Regierung für Anführer der pro-life-Bewegung. Eine Reihe von hochrangigen Vertretern, einschließlich des Präsidenten selbst, kamen zum Marsch für das Leben, um die lebensrettende Arbeit der Bewegung zu würdigen. Viele Anführer der pro-life-Bewegung setzten darauf, dass eine transaktionale Beziehung mit einem Präsidenten, der bereit ist, mit ihnen Geschäfte zu machen, Früchte tragen würde. Sie erreichten mehr, als sie sich hätten vorstellen können.

„Pence war die treibende Kraft“

Aber während Trump von Pence immer wieder als „der lebensschutzfreundlichste Präsident in der amerikanischen Geschichte“ bezeichnet wird, ist der Vizepräsident viel zu bescheiden. Pence selbst war die treibende Kraft hinter der pro-life-Politik der Trump-Regierung, und er und andere pro-life-Getreue in der Mannschaft von Trump nutzten eine weitgehend chaotische Präsidentschaft, um eine enorm viel für den Kampf gegen die Abtreibung zu erreichen. Trump war glücklicherweise bereit, ein Wegbereiter zu sein. Aber warum war dieser Präsident bereit, die Agenda der Lebensschutzbewegung anzuerkennen und ihr mehr Priorität einzuräumen als frühere Präsidenten der Republikaner – sogar mehr als Ronald Reagan oder George W. Bush?

Es gibt einen wichtigen Hintergrund, der häufig übersehen wird. Trump war der erste Kandidat der Republikaner, der keine festgelegte eigene Agenda hatte, die über Parolen hinausging. Im Gegensatz zu anderen Präsidenten kam er nicht mit einer Wunschliste von Maßnahmen, die er durchsetzen wollte, nach Washington. Weit davon entfernt, von seinem Vermächtnis besessen zu sein, war Trump offenbar fassungslos, dass er das Amt überhaupt gewonnen hatte. Als das geschah, griff er auf die Menschen um ihn herum zurück – Männer wie Pence, die ihm das Vertrauen der Lebensschutzbewegung gesichert hatten. Trump zog nicht mit einem Trump-Plan ins Weiße Haus ein, sondern mit einer Schar von Leuten, die entschlossen waren, seine Präsidentschaft zu nutzen, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Viele von ihnen waren pro-life. Sie haben in großem Stil geliefert.

Trump wollte „Anschein von Anstand“ vermitteln.

Waren es Trumps Überzeugungen, die der Lebensschutzbewegung zum Erfolg verhalfen, oder waren es die Überzeugungen und Prioritäten der Menschen um ihn herum? Wenn auch nur ein Bruchteil der Berichte und Insider-Aussagen aus seiner Amtszeit zutreffen, scheint es außerordentlich unwahrscheinlich, dass Trump selbst die Absicht hatte, seine Amtszeit zu nutzen, um Siege für die Lebensschutzbewegung zu erzielen. Laut Bob Woodward war es Steve Bannon, der Trump sagte, er müsse sich für den Lebensschutz einsetzen, um die Präsidentschaftsvorwahlen der Republikaner überhaupt zu gewinnen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass gute Menschen Trumps Präsidentschaft genutzt haben, um pro-life-Politik durchzusetzen – nicht in erster Linie, weil Trump „der lebensschutzfreundlichste Präsident“ war, sondern weil Männer wie Pence die Gelegenheit mit beispiellosem Spielraum von oben genutzt haben.

Möglicherweise ist auch ein anderes, grundlegenderes Missverständnis im Spiel. Vor Trump war der Einsatz für den Lebensschutz in der Regel Teil einer allgemeinen familienfreundlichen Haltung, die zumindest den Anschein von Anstand vermittelte. Es stimmt, es gab eine Menge Heuchler auf diesem Weg – Politiker, die behaupteten, für das Leben zu sein, während sie Abtreibungen vornehmen ließen, wenn ihre Liebhaberinnen oder ihre Töchter schwanger wurden. Es hat auch viele Bekehrte gegeben – Menschen, die einst so hedonistisch waren wie Trump, aber schließlich umkehrten oder zum Glauben fanden. So drehte sich die Debatte um die Aufrichtigkeit von Trumps Überzeugungen im Allgemeinen darum, ob er tatsächlich gegen Abtreibung war. Wenn er wirklich für den Lebensschutz eintrat, so die Vermutung, war dies der Beweis dafür, dass wir ihn „falsch verstanden“ hatten und er ein neuer Mensch war.

Skandale in Abtreibungsindustrie

Als sich die Beweise häuften, dass Trump zumindest eine persönliche Abneigung gegen Abtreibung hatte – vier Leute, die mit ihm persönlich gesprochen haben, versicherten mir, dass seine Position gegen Abtreibung echt sei –, kamen viele zu dem Schluss, dass Trump ein Bekehrter sei. Bekehrte sind in der Lebensschutzbewegung keine Seltenheit, und viele Anführung dieser Bewegung, die einst Abtreibungsbefürworter waren oder zuvor ein hedonistisches Leben führten, sahen keinen Grund zu glauben, dass Trump nicht den gleichen Weg eingeschlagen hatte. Als die Trump-Regierung eine politische Maßnahme für den Lebensschutz nach der anderen vorlegte, wurden viele zu wahren Gläubigen und begannen, seine offensichtlichen Charakterschwächen und seinen Narzissmus zu übersehen oder zu verteidigen. Verhaltensweisen, die bei keinem anderen Präsidenten akzeptabel gewesen wären, wurden ignoriert.

Die Wahrheit ist, dass Trump gegen die Abtreibung zu sein scheint, während er bei fast allen anderen Themen unverändert geblieben ist. Im letzten halben Jahrzehnt wurde die Abtreibungsindustrie durch eine Reihe von spektakulären Skandalen erschüttert: Die Enthüllung, dass abgetriebene Kinder zwecks Verkauf von Körperteilen ausgebeutet wurden; Abtreibungsüberlebende, die lebend geboren und dem Tod überlassen wurden; demokratische Politiker wie Ralph Northam, die den Mord an bereits geborenen Kindern verteidigten. (Marjorie Dannenfelser von der [Lebensschutzorganisation] Susan B. Anthony List sagte mir, dass Trump über Northams Äußerungen ehrlich entsetzt war). Aufgrund der unermüdlichen Arbeit der Lebensschutzbewegung und des wachsenden Abtreibungsextremismus der Demokraten war es für einen Politiker noch nie so einfach, pro-life zu sein.

„Man kann Pro-Life sein – und ein furchtbarer Mensch“

Kurz gesagt: Politiker können wirklich pro-life sein und furchtbare Menschen bleiben. So scheint es bei Trump der Fall zu sein. Sich gegen die Praxis zu stellen, „die Babys direkt aus dem Mutterleib zu reißen“, wie Trump es ausdrückte, ist einfach nur grundlegender menschlicher Anstand. Die Tatsache, dass die gruseligen Demokraten dies nicht herausfinden können, macht Trump nicht zu einem guten Mann – oder einem guten Präsidenten.

Da nun die Trump-Präsidentschaft in einem Wirrwarr von Verschwörungstheorien, Paranoia und beispielloser Realitätsverweigerung endet, ist es wichtig, dass pro-life-Aktivisten und Konservative klar im Auge behalten, was die Trump-Regierung repräsentierte. Es war eine Gelegenheit, Politik zu machen, und sie erwies sich als weitaus fruchtbarer, als die meisten vermuteten. Aber Trump selbst ist genau der Mann, für den ihn die meisten im Jahr 2016 gehalten haben. In den vergangenen vier Jahren sahen einige die sozialkonservative Politik, die aus seiner Regierung hervorging, und dachten: Vielleicht ist der Charakter doch keine Zielbestimmung. Die letzten vier Wochen haben jedoch einmal mehr bewiesen, dass dem doch so ist. Der Trump-Zug ist entgleist, wenn pro-Trump-Anwalt Lin Wood vorschlägt, dass Pence (zusammen mit vielen anderen hochrangingen Republikanern) verhaftet werden sollte, wegen Hochverrats angeklagt, und durch ein Erschießungskommando getötet. Derartiger beispiellosen Irrsinn nimmt fast stündlich zu.

Die beste Zeit, um vom Trump-Zug abzuspringen, war schon vor einiger Zeit. Die zweitbeste Zeit, dies zu tun, ist jetzt.

Von Jonathon Van Maren, er ist pro-life-Aktivist, Kommunikationsdirektor bei der Lebensschutzorganisation Canadian Centre for Bio-Ethical Reform und Publizist.

In Deutsch erschienen am 17. Januar 2021 bei CNAdeutsch

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