Heilige Martha – 29. Juli

… ein günstigen Moment,
um den ersten Platz dem einzuräumen,
was wirklich das Wichtigste im Leben ist,
das heißt dem Hören des Wortes des Herrn.

(vgl. Lukas 10,28–42) – Marta und Maria sind zwei Schwestern; sie haben auch einen Bruder, Lazarus, der jedoch bei dieser Gelegenheit nicht in Erscheinung tritt. Jesus kommt durch ihr Dorf und Marta – so sagt der Text – nahm ihn freundlich auf. Dieses Detail läßt erkennen, daß Marta die ältere der beiden ist, jene, die für das Haus Sorge trägt. Nachdem Jesus dann Platz genommen hat, setzt sich Maria ihm zu Füßen und hört ihm zu, während Marta ganz von den verschiedenen Arbeiten in Anspruch genommen ist, die gewiß aufgrund des außergewöhnlichen Gastes vonnöten waren.

Es ist, als könnten wir die Szene mit eigenen Augen sehen: die eine Schwester, die geschäftig hin und her eilt, und die andere, die von der Gegenwart des Meisters und von seinen Worten hingerissen ist.

Nach einer Weile hält es die offensichtlich verärgerte Marta nicht mehr aus, sie protestiert und fühlt sich dabei berechtigt, Jesus zu kritisieren:
»Herr, kümmert es dich nicht, daß meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überläßt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!«

Marta möchte sogar den Meister belehren!
Dagegen antwortet Jesus mit großer Ruhe:
»Marta, Marta – und die Wiederholung des Namens bringt seine Zuneigung zum Ausdruck –, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden«.

Das Wort Christi ist mehr als deutlich:
keine Geringschätzung für das arbeitsame Leben, geschweige denn für die hochherzige Gastfreundschaft; doch ein klarer Hinweis auf die Tatsache, daß das einzig wirklich Notwendige etwas anderes ist: das Wort des Herrn zu hören; und der Herr ist in jenem Augenblick dort, er ist gegenwärtig in der Person Jesu! Alles andere wird vergehen und wird uns genommen werden, doch das Wort Gottes ist ewig und verleiht unserem alltäglichen Tun Sinn.

(Papst Benedikt XVI. beim Angelus in Castel Gandolfo am 18. Juli 2010)

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Welches Vertrauen?

In praktischer Hinsicht bedeute das Motu proprio nach Ansicht von Pater de Tanoüarn, dass neue Zusammenkünfte zur Feier der alten Messe zunächst Sache des Ortsbischofs seien. Außerdem hätten die Institute päpstlichen Rechts, „die geschaffen wurden, um die Blessuren des liturgischen Kampfes der Siebziger zu heilen, nicht mehr das Recht haben, sich irgendwo niederzulassen, neue Strukturen zu gründen und zu wachsen“. Letztendlich gehe es also darum, „diese Gemeinschaften aufzuheben“, indem die Seminare keine Priesteramtskandidaten mehr aufnehmen dürften. Was die derzeitige Hierarchie der Kirche nicht verstehe, so Pater de Tanoüarn, sei „diese Rekrutierung von Priestern im Schoß der Tradition – im Vergleich zu den Seminaristen ‚neuer Art‘“. Da der Papst diese Ausbreitung der altrituellen Gemeinschaften nicht versteht, so de Tanoüarn weiter, „setzt er mit diesem Motu proprio alles aufs Spiel, um sie zu zerschlagen – auf die Gefahr, die Kirche zu schädigen. Offenbar bevorzugt man eine Kirche, die endgültig priesterarm ist, in der man jedoch jegliche Form der Konkurrenz methodisch ausgeschaltet hat“.

Aus: DIE TAGESPOST
(Institut du Bon Pasteur: „Traditionis custodes“ will traditionellen Ritus auslöschen)

Mutter Anna, Mutter der Gottesmutter Maria – 26. Juli

Kann man größeres und höheres von der heiligen Anna sagen, als dass sie die Mutter der allerseligsten Jungfrau gewesen ist? Wohl kaum, denn aus der edelsten Frucht erkennt man den edelsten Baum!

Wie die Tradition erzählt, war Anna die Gemahlin Joachims, eines wohlbemittelten Bürgers von Nazareth, der stets auf dem Wege der Gerechtigkeit wandelte und Gott dem Herrn reichliche Opfergaben darbrachte. Auch Anna hatte keinen anderen Willen, als Gott treu und vollkommen zu dienen. Der Herr aber prüfte die Frömmigkeit des heiligen Ehepaares, denn vierzig lange Jahre beteten Joachim und Anna vergeblich um ein eigenes Kind.

Doch Anna betete oft und voller Inbrunst und versprach Gott in einem Gelübde: wenn ihr ein Kind geschenkt würde, so wollte sie es dem Herrn weihen. – Da erschien ihr ein Engel; dieser verhieß ihr ein Kind, das die Bewunderung aller sein werde.

Auch Joachim, ihrem Gatten, der seine Herden im Gebirge weidete, erschien ein Engel und gab auch ihm diese Verheißung. – Bald erfüllte der Herr sein Versprechen, und Anna gebar eine Tochter; sie nannten sie Marjam (Maria).

Maria wurde von Anna und Joachim in ihrem dritten Lebensjahre, gemäß dem gemachten Gelübde, dem Herrn zu seinem Dienste geweiht.

Die Andacht zur heiligen Mutter Anna ist in der heiligen Kirche zu allen Zeiten gepflegt worden. So ist die heilige Mutter Anna auch die Patronin der Hausmütter, die ihnen die folgenden Gnaden von Gottes Güte erlangen soll:

1. Dass die Frau das Herz des Mannes und seine aufrichtige Liebe besitze.
2. Dass sie mit heiliger Wachsamkeit das Hauswesen leite.
3. Dass sie gerne in ihrem eigenen Hause arbeite.
4. Dass sie sich nicht in fremde Angelegenheiten und Streitigkeiten einmische.
5. Dass sie eine Freundin des heiligen Stillschweigens sei, und ihre Worte voll Liebe und Demut seien.
6. Dass sie ihre Söhne und Töchter zu einem Wandel erziehe, durch den sie ihre Mutter preisen.
7. Dass sie freigebig gegenüber die Armen sei.
8. Dass sie in allen Dingen Gott verherrliche.

Tagesgebet:
O Gott, du hast der heilige Anna
huldvoll die Gnade verliehen,
die Mutter deines eingeborenen Sohnes zu gebären;
nun gib in deiner Güte, daß die von uns heute gefeierte Heilige
durch ihre Fürbitte bei dir uns helfe:
durch ihn, unsern Herrn.

Gib, o Herr, allen, die heute ihren Namenstag (Anna, Anne, Anny, … Anita) begehen, auf die Fürbitte Mariens und ihrer heiligen Mutter Anna, dass sie in deiner Gnade leben und sterben mögen. Amen.

Mutter Anna lehrt Maria – Foto: yvonneseale.org

Wie durch rostige Nägel

Es lebte einmal ein hitzköpfiger, aufbrausender junger Mann. Eines Tages gab ihm sein Vater einen Beutel mit rostigen Nägeln: er solle jedesmal, wenn er seinen Zorn nicht zurückhalten konnte, einen Nagel in einen der Pfosten des Zaunes schlagen.

Gleich am ersten Tag musste er einige Dutzend Nägel in den Zaun schlagen. In den folgenden Wochen wurden es weniger. Der junge Mann lernte, sich zurückzuhalten. Mit jedem Tag nahm darum die Anzahl der Nägel ab, die er einzuschlagen hatte. Der Sohn hatte verstanden: es ist einfacher und leichter, seine Hitzköpfigkeit zu kontrollieren, als Nägel in das Holz zu schlagen.

So kam der Tag, an dem er kein einziges Mal seine Selbstbeherrschung verloren hatte. Das erzählte er stolz seinem Vater. Dieser antwortete ihm, er solle nun immer dann, wenn es ihm gelungen war, seinen Zorn zu beherrschen, einen von ihm eingeschlagenen Nagel aus den Zaunpfosten herausziehen.

Die Zeit verging, und es kam der Tag, an dem der Sohn seinem Vater sagten konnte, dass kein einziger Nagel mehr in den Pfosten des Zaunes stecken würde. – Da nahm der Vater seinen Sohn bei der Hand, führte ihn zum Zaun und sprach:

„Du hast dich gemacht, mein Junge.
Aber siehst du auch, wie viele Löcher jetzt die Pfosten haben?
Der Zaun wird niemals wieder so sein, wie er früher einmal war.
Wenn du also jemandem etwas Böses sagst,
bleibt in seiner Seele
eine ebensolche Verwundung zurück
wie es die Löcher im Holz des Zaunes sind.“

Traditionis Custodes – die andere Heimsuchung

Sehen wir im Moto Proprio eine Heimsuchung, die dazu da ist, uns entschlossener zu machen! Der Geist lässt sich nicht in Ketten legen – schon gar nicht, wenn er heilig ist. Wir müssen nur auf seine Kraft vertrauen und uns noch mehr in seinen Gaben üben:

– in der Erkenntnis, dass die Zeit der Illusionen vorbei ist.
– In der Einsicht, dass wir alternative Strukturen aufbauen müssen.
– In dem Rat, unser Geld für den Aufbau neuer Strukturen zu verwenden, anstatt mittels Kirchensteuer gottferne Amtsstrukturen zu unterstützen.
– In der Weisheit, unsere Kräfte zu bündeln.
– In der Stärke, Repressalien auszuhalten ohne zu verbittern.
– In einer Gottesfurcht, die Christus über alles stellt.
– In der Frömmigkeit, auf den himmlischen Beistand zu vertrauen.

„Veni Creator Spiritus“ –
sangen die Karmelitinnen von Compiègne, als sie während der französischen Revolution von ihren Gefängniswärtern zum Schaffot geführt wurden, weil sie sich geweigert hatten, ihre Ordensgelübde zu brechen. …

Prof. Peter Stephan

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PSALM 1 – Nicht dem Rat der Bösen folgen

(Am Sonntag zu den Metten)

1 Glückselig der Mann, der nicht wegging nach dem Rat der Bösen und der nicht stand auf dem Weg der Sünder *
und der sich nicht setzte auf den Stuhl des Verderbens:
2 Sondern am Gesetz des Herrn ist sein Gefallen *
und über dessen Gesetz wird er betrachten Tag und Nacht.
3 Und er wird sein wie der Baum, der gepflanzt ist an Wasserbächen, *
der seine Frucht geben wird zu seiner Zeit:
Und dessen Laub nicht abfallen wird: *
und alles, was immer er tun wird, wird gelingen.
4 Nicht so die Gottlosen, nicht so: *
sondern wie der Staub sind sie, den der Wind wegfegt vom Angesicht der Erde.
5 Deshalb werden die Gottlosen im Gericht sich nicht erheben: *
und die Sünder nicht im Rat der Gerechten.
6 Denn es kennt der Herr den Weg der Gerechten: *
und der Wandel der Gottlosen wird zugrunde gehen.

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Antikatholisches Getrampel

Dieses neue Motu Proprio ist allerdings nur dann so übel, wie es aussieht, wenn wir es uns zumuten, so zu denken und zu handeln, als ob es uns binden könnte, als ob seine Vorschriften legitim wären. Wenn wir jedoch erkennen, daß es durch und durch anti-katholisch ist und daß kein Papst berechtigt ist, so auf den Gliedern der Kirche und ihren verehrungswürdigen Riten herumzutrampeln, wie Franziskus das hier versucht, dann werden wir diese Vorschriften eher als eine von außen auferlegte Last begreifen, wie eine Seuche, einen Krieg oder einen Hungersnot, wie eine schlechte Regierung, die man stürzen oder ertragen muß, bis sie abtritt. Hat der Papst die Volmacht, ein solches Diktat zu erlassen? Nein. Es ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben ist.

Die Gläubigen, die die überlieferte Liturgie lieben und in ihr den Fokus des Erbes Christi erkennen, werden nach besten Kräften weiter machen. Sie werden nicht um Erlaubnis bitten, um die Messe aus unvordenklichen Zeiten zu feiern. Sie werden keine Lesungen nach „den Zugelassenen Ausgaben“ vortragen. Sie werden lieber als Märtyrer untergehen, denn in der Schmach der Unterwerfung zu sterben.

P. Kwasniewski