Keiner bekennt sich mehr als Sünder – Zum Herz-Jesu-Freitag

(Von der stillen zur militanten Apostasie)

In unseren relativistischen Gesellschaften bekennt sich keiner mehr als Sünder.
Schuld und Reue sind zu „traumatischen Seelenzuständen“ geworden, von denen man sich frei machen muss, um in „gesunder“ geistiger Verfassung zu sein.
Wir sehen uns als Opfer unserer Veranlagung, unserer Umgebung oder gewisser Umstände.
Die Menschen wollen sich nur noch als empfindsame und verletzte Personen sehen.
Man schafft den Eindruck, dass die Sünde nicht mehr existiert; Ehebruch, Scheidung, wilde Ehe werden nicht mehr als schwere Sünden betrachtet.

Es sind Misserfolge oder Schritte zu einem fernen Ziel.
Wer kümmert sich noch um die Invasion von Hedonismus und moralischer Laxheit, um die barbarische Verachtung der Frau, die durch Pornographie und Prostituion als Lustobjekt missbraucht wird? Doch „wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.“ (1 Joh 1,8-10).

Warum will die posthumanistische Welt die Sünde nicht anerkennen?
Die Sünde ist keine abstrakte Realität oder ein Fleck auf einem Kleidungsstück. Sie ist die Ablehnung des Gesetzes Gottes, ein Widerstand gegen Gott.
Die Sünde ist ein Bündnisbruch, der Verlust unserer persönlichen Beziehung mit Gott.
Die Sünde ist eine Selbstzerstörung, die mit dem Zustand einer Person verglichen werden kann, die ein Gift oder eine Droge nimmt und sich damit selbst schädigt.

Gott will jedoch nicht, dass wir etwas Wichtiges in uns selbst oder in anderen zerstören; die Sünde missfällt Ihm und verletzt Ihn schmerzlich.

Gott lädt uns zur Umkehr und zur radikalen Ablehnung der Sünde ein.

Wenn wir eine echte Herzensumwandlung erfahren, nach dem Vorbild des hl. Paulus oder des hl. Augustinus, können wir wahrhaft die stille Gegenwart Gottes in unserem Leben spüren. In seinen Bekenntnissen nennt der hl. Augustinus diese Gegenwart das Leben seines Lebens: „Wenn ich erst einmal Dir ganz anhangen werde mit meinem ganzen Ich, dann wird mich kein Schmerz, keine Mühsal mehr bedrücken, und mein Leben, ganz von Dir erfüllt, wird erst dann wahres Leben sein.“

Wie könnten wir ohne Gott leben?
Seine Gegenwart in uns ist erschreckend und destabilisierend – doch stärkend, süß und Frieden bringend zugleich. Sie ist weit entfernt aufgrund unserer Sünden – doch auch nahe durch die unendliche Barmherzigkeit Gottes. Sie ist erschreckend, da sie uns in Brand steckt und verbrennt wie ein loderndes Feuer – doch sie umarmt uns zärtlich wie ein Vater.

(Robert Kardinal Sarah. – Kraft der Stille, 263ff)

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