Nach der heiligen Wandlung

Sei gegrüßt, o kostbares Blut!
Aus den Wunden unseres Herrn Jesus Christus geflossen,
hast Du alle Schuld der Welt getilgt.
Lob und Preis sei dem göttlichen Herzen Jesu
und dem kostbaren Blut im heiligsten Sakrament.
Herr, reinige mich von meinen Sünden,
um Deines kostbaren Blutes willen.
Amen.

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SUMMORUM PONTIFICUM – 7.7.2007

In Herzogenrath ist es seither Praxis, dass das Proprium gesungen wird. Ein plagiathaftes Liedersingen im Stil der vorkonziliaren deutschen Bet-Sing-Messe gibt es nicht. Dies würde der Absicht des Motu proprio, das Schatzhaus der traditionellen Liturgie für möglichst viele aufzuschließen, nicht gerecht. Der „Gregorianische Ritus“ lebt schließlich ganz und gar aus dem Gesang, dessen Beschneidung in der „stillen Messe“ eigentlich nur der Ausnahmefall ist. Dank der partiellen Verwendung vereinfachter Melodien aus den „Chants Abrégés“ von Solesmes kann der Cantus Gregorianus zweimal in der Woche vollständig ermöglicht werden. Die Gläubigen erhalten zum Mitvollzug der Liturgie ein Heftchen mit dem Ordo Missae und einigen Choralmessen. Zum Verständnis der Tagestexte gibt es zusätzlich für die Hand der Gläubigen einen Zettel, auf dem einige grundsätzliche Hinweise zur Mitfeier – insbesondere zur Art und Weise des Kommunionempfangs – und Übersetzungen der Texte sowie Erläuterungen zur aktuellen Tagesliturgie aufgeführt sind.

(Pfarrer Rodheudt in der TAGESPOST)

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Priesterweihe und Primiz

Heute ist das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Die Tage um dieses Zeit herum dient der Kirche dazu, ihr neue Priester zuzuführen; es finden die jährlichen Priesterweihen statt.

Seit einigen Tagen wird im Internet ein Bild eifrig geteilt: es zeigt den Trappistenmönch Fr. Louis bei der Zelebration seiner ersten Heiligen Messe in der Kirche seiner Abtei Gethsemani in Kentucky/USA (Abbey of Our Lady of Gethsemani).

Fr. Louis ist niemand anderes als der berühmte Schriftsteller Thomas Merton. Merton durfte im Kloster ein Tagebuch führen. In dem Buch „Der Berg der sieben Stufen“, das ihn bekannt und berühmt machte, berichtet er über seine Studentenzeit, seiner Bekehrung, die Berufung und sein Eintritt ins Trappistenkloster und seine Zeit bis kurz vor der Ablegung seiner Mönchsgelübde. Weniger bekannt sind die weiteren Tagebuchnotizen, die in den folgenden Jahren entstanden sind und 1953 (1954 in deutscher Sprache) in seinem Buch „Das Zeichen des Jonas“ erschienen. Diese Aufzeichnungen enden im Juni 1952. Sie umfassen also die Zeit seiner feierlichen Profess (19.3.1947) und die folgenden verschiedenen Weihestufen auf dem Weg zum Priestertum. Die Priesterweihe erhält Merton am 28. Mai 1947. Am 29. Mai, dem Sonntag der Oktav von Christi Himmelfahrt, zelebriert Fr. Louis seine erste heilige Messe.

Photograph by H.B. Littell via AP Archives Quelle: aletheia.org – https://aleteia.org/2017/06/22/super-rare-photo-of-thomas-mertons-first-mass/

Wir wissen, dass Thomas Merton nicht zu denen gezählt werden kann, die als Zeugen für die Tradition der Kirche anzusehen sind. Er wird ja seit Jahrzehnten von linken und alternativen Strömungen für sich reklamiert. Und tatsächlich hat er in seinem letzten Lebensjahrzehnt manchen Anlass gegeben, an der Treue zu seinem Mönchsleben und seiner Treue zur katholischen Glaubenslehre zu zweifeln. Merton, geboren am 31.1.1915, starb außerhalb seines Klosters. Am 10. Dezember 1968 erlag er beim Duschen einem Stromschlag, als er anläßlich einer interreligiösen Veranstaltung in Bangkok einen Vortrag hielt. Er wurde nur 53 Jahre alt.

In seinen ersten Jahren im Kloster, also auch in der hier zu berichtenden Zeit, lebte Merton noch ganz in der trappistischen Tradition, der monastischen Welt. Viele seiner Gedanken sind deshalb auch heute noch, oder wieder, zu bedenken; freilich mit einem kritischen Geiste.

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Es folgen einige Auszüge aus dem Vierter Teil von „Das Zeichen des Jonas“ – „Zum Altare Gottes“.

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„Nach meiner ersten Messe verstand ich vollkommen und zum erstenmal in meinem Leben, daß nichts anderes auf der Welt von Bedeutung ist, als Gott zu lieben und Ihm in Einfalt und Freude zu dienen. Ich erkannte ganz klar, daß es sinnlos und trügerisch ist, Ihm auf irgendeine auffallende und außerordentliche Weise dienen zu wollen, da aller gewöhnliche Dienst erhaben und außerordentlich wird, sobald er durch die Liebe zu Ihm verwandelt wird. Ich erkannte auch, daß Seine Gnade und insbesondere die Gnade des Priestertums die Liebe zur leichtesten Sache in der Welt gemacht hat. Gott zu lieben kostet weniger Mühe, als zu essen, zu schlafen, zu atmen oder die einfachsten und instinktivsten Akte unseres natürlichen Lebens zu vollziehen. Denn ein Willensakt erfordert überhaupt keine Anstrengung, wenn unser Wille immer von Seiner Gnade beherrscht und gelenkt ist, denn dann wird die Liebe etwas ebenso Natürliches und Beständiges und Ununterbrochenes wie der Atem. Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was gibt es Leichteres, als Gott in dir leben zu lassen und Ihn zu lieben, der dich liebt?“

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„Bei dieser Menge von Menschen, die zu meiner Primiz gekommen waren, konnte ich nicht daran denken, über die Weihe zu schreiben, über das Messelesen, über die Agape, die drei Tage dauerte. Vielleicht wird es eines Tages rückschauend in Bruchstücken herauskommen. Bewußtsein des einfach ungeheuren Werkes, das in diesen letzten drei Tagen an mir und durch mich geschehen ist, wobei jeder Tag eine Steigerung war. Weihe, Salbung, Weihemesse – dann die erste stille Messe und was sich daran anschloß, endlich gestern das Hochamt und nachmittags die Gespräche unter den Bäumen der Allee. Als Ergebnis bleibt in mir das Gefühl, daß ich nicht nur umgestaltet worden bin, sondern daß durch die Mühen und Freuden dieser drei höchst erschöpfenden Tage irgendwie eine neue Welt ins Dasein gerufen worden ist, eine erhabene Welt voller Dinge, die keiner von uns in den nächsten ein oder zwei Jahren verstehen wird.“

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„Die Messe ist das Wunderbarste, das je in mein Leben getreten ist. Am Altar fühle ich, daß ich endlich der Mensch bin, als den Gott mich haben wollte. Über die Klarheit und den Frieden dieses vollkommenen Opfers kann ich nichts logisch Zusammenhängendes sagen. Aber ich bin mir der einzigartigen Gnadenatmosphäre tief bewußt, in welcher der Priester in diesem Augenblick – und danach noch den ganzen Tag lang – lebt und atmet. Gewiß, diese besondere Gnade ist etwas rein Persönliches und Nichtmitteilbares, aber sie hat ihren Ursprung auch in der Gemeinschaftsnatur der Messe. Die größte Gabe, die ein Mensch je empfangen kann, ist die Teilnahme an dem unendlichen Akt, in dem Gottes Liebe sich auf alle Menschen ergießt. In diesem Sinne verschmelzen die höchsten Gnaden der Einsamkeit und der Gemeinschaft und werden eins – und das vollzieht sich im Priester bei der Messe, so wie es sich in der Seele Christi und im Herzen Marias vollzieht.“

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„Das große Ereignis meines Tages war früher die Kommunion. Nun ist es das Opfer, von dem die Kommunion nur ein Teil ist. Der Schwerpunkt meines geistlichen Lebens hat sich von der halben Stunde, in der ich im Dunkel bei Unserer Lieben Frau vom Siege knie, zu den zehn oder fünfzehn Minuten verlagert, da der Leib und das Blut Christi sich vor mir auf dem Altar befinden und meine Hände jene verkrampfte kleine Gebärde des Flehens andeuten, die bei uns allmählich die weit ausgebreiteten Arme der orantes ersetzt hat. Dennoch scheint mir eine gewisse Zurückhaltung das Beste an der Messe in unserer Liturgie zu sein. Das ganze Opfer ist etwas so Ungeheures, daß es dem höchsten Überschwang niemals gelingen wird es auszudrücken. Sich unbemerkt niederzubeugen und beim Supplices te rogamus den Altar zu küssen, ist eine Gebärde, die mich mir selbst enthebt und meinen Frieden verdoppelt. Das Pater noster zu sprechen ist, als schwämme man im Herzen der Sonne.“

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„Täglich begeistert und verwirrt mich zugleich die Messe. Diese wunderbare Mischung von Freude und Klarheit und Zurückhaltung erweist sich von Tag zu Tag als heilkräftig an mir. Am Altar bin ich gezwungen, einfach zu sein. Unsere Liturgie hat eine ganz eigene Intensität, gerade weil sie so schlicht und verhalten ist. Nirgends ein Ausruf! Niemals ein Aufschrei!“

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„Tag für Tag kommt mir mehr zum Bewußtsein, daß ich am Altar alles andere bin als mein alltägliches Ich. Dieses Gefühl von Unschuld ist tatsächlich, als wäre man ausgewechselt. Ich bin verdrängt von Einem, in dem ich ganz wirklich bin. Ein Anderer hat meine Identität angenommen (oder sie enthüllt), und dieser Andere ist ganz Kindheit. Und ich stehe am Altar – man verzeihe die Sprache, es sollten keine außergewöhnlichen Worte sein – ich stehe am Altar, die Augen ganz rein gewaschen im Lichte, das die Ewigkeit ist, und ich werde zu einem, der alterslos wiedergeboren ist. Ich bitte um Entschuldigung für diese Sprache. Ich weiß keine Worte, die einfach genug wären, um so etwas zu beschreiben, ich kann nur sagen, daß ich jeden Tag einen Tag alt bin, und am Altar bin ich das Kind, das Gott ist; und dennoch, wenn alles vorüber ist, muß ich sprechen: «Lux in tenebris lucet, et tenebrae eam non comprehenderunt», und ich falle zurück in meine eigene, in meine armselige «propria», die Ihn überhaupt nicht aufnehmen kann. Ich muß mich sogar freuen, nichts zu sein als eine Schale. Ich durfte einen Abglanz Seiner Reinheit auffangen, und es hat Ungeheures bedeutet, für mich und für die Welt, so daß ich bei meinem sehr langen Memento für die Lebenden in einem Meer von Freude schwimme, das mich fast von meinem Ankergrund losreißt und mich vom Altar wegspült.“

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„Es ist auch gerade die Messe, bei der ich am einsamsten bin und zugleich für die übrige Welt am meisten bedeute. Es ist tatsächlich der einzige Augenblick, in dem ich den anderen Menschen etwas geben kann. Und ich allein kann es ihnen geben, denn wenn ich es ihnen nicht zuwende, wird ihnen die besondere Frucht dieser meiner Messe nicht zu eigen werden.“

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„Ich wünschte, ich könnte auf irgendeine Weise die Stufenfolge erklären, welche die drei Tage meines Festes kennzeichnete. Jede Stufe schien mir eine ungeheure Entwicklung darzustellen, die ich nicht imstande bin zu begreifen oder zu erklären. Zum Schluß hatte ich den Eindruck, daß alle meine Besucher sich mit Gesängen und Botschaften und Prophezeiungen in alle vier Himmelsrichtungen zerstreuten, mit Zungen redeten und fähig wären, Tote zu erwecken, denn tatsächlich waren wir drei Tage lang voll des Heiligen Geistes und der Geist Gottes schien immer stärker von allen unseren Seelen Besitz zu ergreifen – durch die drei ersten Messen meines Lebens, meine drei größten Gnaden.“

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„Es ist mir alles so ungewohnt. Die Gnaden gehören einer apostolischen Ordnung an, die über meine Erfahrung hinausgeht. Dennoch kann ich – wenn ich nicht undankbar und töricht sein will – nicht sagen, daß sie außerhalb meiner Berufung liegen, da sie in gewissem Sinne deren Krönung sind. Ich meine, sie krönen diesen Abschnitt meiner Lebensgeschichte, meine letzten sieben Jahre. Hierfür bin ich geboren worden.“

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„Das Vollkommenste und Persönlichste im Leben jedes Menschen ist gerade das Element, das sich nicht auf eine allgemeine Formel bringen läßt. Es ist das Element, das nur uns und Gott gehört, niemand sonst. Es ist unser eigenstes, wahres, nicht mitteilbares Leben, das Leben, das im Herzen Gottes für uns vorgebildet und verwirklicht worden ist.

Meine Priesterweihe, das fühlte ich, war das eine große Geheimnis, für das ich geboren war. Zehn Jahre vor meiner Weihe, als ich in der Welt lebte und einer der letzten Menschen auf Erden zu sein schien, der zum Priester bestimmt war, hatte ich plötzlich begriffen, daß die Priesterweihe für mich tatsächlich eine Frage von Leben oder Tod, Himmel oder Hölle war. Und als endlich dieses vollkommene Einswerden mit dem unerforschlichen Willen Gottes unmittelbar bevorstand, klärte sich mir meine Berufung. Es war Gnade und Geheimnis, so völlig mir allein zu eigen, daß ich anfangs entschlossen war, zu niemand davon zu sprechen. Da jedoch kein Mensch für sich allein zum Priester geweiht wird und da ich durch meinen Priesterberuf nicht nur Gott, sondern allen Menschen gehöre, so war es nur recht und billig, daß ich aus der Fülle meines Herzens ein wenig zu den Freunden sprach, die zu meiner Weihe gekommen waren. Ich habe mir nicht die Zeit genommen, in diesem Tagebuch darüber zu schreiben, und habe auch jetzt nicht die Absicht. Nur die folgenden kurzen Bemerkungen möchte ich machen.

Zunächst ist das Größte, was bei der Priesterweihe geschieht, zugleich das Gewöhnlichste. Darum ist die Heilige Weihe in ihrem Vollzug das einfachste der Sakramente. Wortlos legt der Bischof dem Weihekandidaten seine Hände aufs Haupt. Dann spricht er ein Gebet, und der neue Priester empfängt die Gnade und das unauslöschliche Zeichen des Priestertums. Er wird identisch mit dem Einen Hohenpriester, dem Inkarnierten Wort, Jesus Christus. Er ist Priester auf ewig.

Gott tut niemals etwas halb. Er heiligt uns nicht Stück um Stück. Er macht uns nicht zu Priestern oder Heiligen, indem Er ein außerordentliches Dasein auf unser gewöhnliches Leben stülpt. Er ergreift unser gesamtes Leben und Sein und hebt es auf eine übernatürliche Ebene; Er gestaltet es von innen her um und läßt es äußerlich sein was es ist: gewöhnlich.

So war die Gnade meines Priestertums, die größte meines Lebens, für mich etwas weit Bedeutenderes als ein vorübergehender Höhenflug über den eintönigen Niederungen des Alltagsdaseins. Es verwandelte mein gewöhnliches, alltägliches Leben für immer. Es war eine Umgestaltung aller einfachen und gewohnten Dinge, eine Erhebung der schlichtesten und natürlichsten Akte auf die Ebene des Sublimen. Es zeigte mir, daß die Liebe Gottes genügt, um die Erde zum Himmel zu machen. Denn Gott ist die Liebe, und die Liebe ist der Himmel.

Gott zu lieben ist alles. Und die Liebe genügt. Nichts anderes hat Wert, höchstens insofern als es durch die Liebe Christi umgestaltet und veredelt wird. Aber das geringste Ding, von der Liebe berührt, verwandelt sich sogleich und wird erhaben.

Die beiden charakteristischsten Erscheinungsformen der göttlichen Liebe im Herzen eines Priesters sind Dankbarkeit und Barmherzigkeit. Dankbarkeit ist die Form seiner Liebe zum Vater, Barmherzigkeit ist der Ausdruck von Gottes Liebe, die in ihm wirkt, sich durch ihn auf seine Mitmenschen erstreckt. Dankbarkeit und Barmherzigkeit vereinigen und decken sich vollkommen in der Messe, die nichts anderes ist als die Liebe des Vaters für uns, die Liebe des Sohnes für uns und für den Vater, die Liebe des Geistes, welche die Liebe ist, die uns mit dem Vater und dem Sohn vereint.“

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„Nach meiner ersten Messe verstand ich vollkommen und zum erstenmal in meinem Leben, daß nichts anderes auf der Welt von Bedeutung ist, als Gott zu lieben und Ihm in Einfalt und Freude zu dienen. Ich erkannte ganz klar, daß es sinnlos und trügerisch ist, Ihm auf irgendeine auffallende und außerordentliche Weise dienen zu wollen, da aller gewöhnliche Dienst erhaben und außerordentlich wird, sobald er durch die Liebe zu Ihm verwandelt wird. Ich erkannte auch, daß Seine Gnade und insbesondere die Gnade des Priestertums die Liebe zur leichtesten Sache in der Welt gemacht hat. Gott zu lieben kostet weniger Mühe, als zu essen, zu schlafen, zu atmen oder die einfachsten und instinktivsten Akte unseres natürlichen Lebens zu vollziehen. Denn ein Willensakt erfordert überhaupt keine Anstrengung, wenn unser Wille immer von Seiner Gnade beherrscht und gelenkt ist, denn dann wird die Liebe etwas ebenso Natürliches und Beständiges und Ununterbrochenes wie der Atem. Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Was gibt es Leichteres, als Gott in dir leben zu lassen und Ihn zu lieben, der dich liebt?“

Dem interessierten Leser bieten wir hier die Lektüre des entsprechenden Kapitels [Vierter Teil] von Das Zeichen des Jonas:

Thomas Merton. Das Zeichen des Jonas, T.4

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Gebet zum Gekreuzigten nach der Heiligen Messe

Obsecro te, dulcissime Domine Jesu Christe, ut passio tua sit mihi virtus, qua muniar, protegar atque defendar; vulnera tua sint mihi cibus potusque, quibus pascar, inebrier atque delecter; aspersio Sanguinis tui sit mihi ablutio omnium delictorum meorum; mors tua sit mihi vita indeficiens, crux tua sit mihi gloria sempiterna. In his sit mihi refectio, exsultatio, sanitas et dulcedo cordis mei: Qui vivis et regnas in sæcula sæculorum. Amen.

Gütiger Herr Jesus Christus, ich flehe Dich an:
Laß Dein Leiden mir Kraft sein, durch die ich gefestigt,
beschützt und verteidigt werde;
laß Deine Wunden als Speise und Trank für mich Sättigung,
Labung und Freude sein;
durch die Besprengung mit Deinem Blute
wasche all meine Sünden ab;
Dein Tod sei mir unversiegliches Leben,
Dein Kreuz ewige Glorie: All dies
sei Erquickung, Wonne, Heil und
Süßigkeit für mein Herz:
der Du lebst und herrschest
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (16)

17. „Offerimus tibi, Domine. – Wir opfern Dir“

Darbringung des Kelches

Wir opfern Dir, Herr, den Kelch des Heiles und flehen Dich, den Allgütigen, an:
laß ihn, uns zum Segen und der ganzen Welt zum Heile,
wie lieblichen Wohlgeruch vor das Angesicht
Deiner göttlichen Majestät emporsteigen. Amen.

Auch dieses Opferungsgebet läßt uns bereits auf das Geschehen der Wandlung blicken, wo der Wein zum kostbaren Blut und das heilige Gefäß zum „Kelch des ewigen Heiles und zum Segen der ganzen Welt“ wird.

18. „In spiritu humilitatis. – Im Geiste der Demut“

Unsere Mitaufopferung

Priester und Volk müssen von einer demütigen und reuevollen Opfergesinnung erfüllt sein, soll ihr Opfer dem unendlich heiligen Gott Wohlgefallen.

Bibelworte:
„Ein Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist; ein zerschlagenes und gedemütigtes Herz wirst Du, o Gott, nicht verschmähen“ (Ps 50,19).

O Laß uns, Herr, im Geiste der Demut
und mit zerknirschtem Herzen
bei Dir Aufnahme finden.
So werde unser Opfer heute vor Deinem Angesichte,
auf daß es Dir wohlgefalle, Herr und Gott.

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

Die vorangegangenen Kapitel.

Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (15)

16. „Deus, qui humanae substantiae. – Gott, Du hast den Menschen“

Mischung des Weines mit Wasser

Gott, Du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen
und noch wunderbarer erneuert:
laß uns durch das Geheimnis dieses Wassers und Weines
teilnehmen an der Gottheit Dessen, der Sich herabgelassen hat,
unsre Menschennatur anzunehmen,
Jesus Christus, Dein Sohn, unser Herr:
der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes,
Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Diese uralte Zeremonie geht zurück auf Kalvaria, wo aus der durchbohrten Seite Jesu „Blut und Wasser herausfloß“ (Joh 19,34). Zugleich wird damit die mystische Vereinigung und Versenkung der geläuterten Seele mit und in das Meer der Gnade und Liebe Christi versinnbildet, von der sie, wie ein Wassertropfen vom Meere, gleichsam absorbiert wird und gnadenhaften Anteil an seiner Gottheit erhält.

Bibelworte:
„Dadurch sind uns die so kostbaren und überaus großen Verheißungsgüter geschenkt worden, damit ihr durch sie der göttlichen Natur teilhaftig werdet“ (2 Ptr 1,4).

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

Die vorangegangenen Kapitel.

Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (14)

IV. Opferung bis Präfation

Von jetzt ab vollzieht sich im heiligen Meßopfer alles, was Jesus im Abendmahlsaal getan hat: Darbringung und Segnung von Brot und Wein, Danksagung und Lobpreis, Verwandlung der irdischen Opfergaben von Brot und Wein in den wahren Leib und in das kostbare Blut des Gotteslammes, Darreichung und Genuß des himmlischen Opfermahles.

14. Offertorium. – Opferungslied

Gepriesen sei Gott Vater und Gottes eingeborener Sohn wie auch der Heilige Geist, weil sie an uns Barmherzigkeit getan.

Mit einem Altarkuß bringt der Priester seine und unsere Opfergemeinschaft mit Christus zum Ausdruck. Nach dem Wechselgruß: „Dominus vobiscum“, betet der Priester das kurze Offertorium. Dieses bringt einen Gedanken aus der Tagesmesse und verbindet diese wieder mit den feststehenden Meßtexten und der Opferhandlung.

15. „Suscipe, sancte Pater. – Heiliger Vater“
Darbringung des Hostienbrotes

Die dünne Hostienscheibe und das Gläschen Wein sind nun wirklich die ganzen Opfergaben, die wir Gott aus unserem menschlichen Eigentum anbieten können.
Jedoch sollen wir mit Brot und Wein zugleich uns selbst Gott schenken und aufopfern, um so in die Opfergesinnung Christi einzugehen.
Dazu fordert uns schon der Apostel auf: „Bringt euren Leib als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer dar! Das sei euer geistiger Gottesdienst“ (Röm 12,1).
„Während wir um den Altar versammelt sind, sollen wir unser Inneres derart umformen, daß alles, was darin Sünde ist, ausgelöscht werde. Hingegen soll alles eifrig gepflegt und gestärkt werden, was durch Christus das übernatürliche Leben nährt. So sollen wir zusammen mit der makellosen Opferhostie ein dem ewigen Vater angenehmes Opfer werden“ (Mediator Dei, Pius XII.).

Die Opferungsgebete selbst lauten wie eine sakramentale Intention der ganzen Messe. Sie richten unseren Blick bereits jetzt auf das Mysterium der Wandlung und bereiten – gerade auch durch die wiederholten Kreuzzeichen – unsere irdischen Opfergaben darauf vor. – Zugleich erklären uns diese Gebete die mannigfaltigen und wunderbaren Früchte des eucharistischen Opfers, dessen Fernwirkungen über „die ganze Welt hin“ und bis hinab ins Fegfeuer dringen, „für die Lebenden und Verstorbenen“.

Der Priester führt mit der Patene und der darauf liegenden Hostie ein Kreuz über dem Altar aus und legt dann die Hostie gleichsam aufs Kreuz nieder. Dasselbe geschieht mit Kelch und Wein. Dadurch wird der Charakter des Meßopfers als Kreuzopfer nochmals symbolisch unterstrichen.

[Der Priester hält die Patene mit der Hostie empor und betet leise:]

Heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott,
nimm diese makellose Opfergabe gnädig an.
Dir, meinem lebendigen, wahren Gott, bringe ich, Dein unwürdiger Diener,
sie dar für meine unzähligen Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten.
Ich opfere sie auf für alle Umstehenden und alle Christgläubigen,
für die Lebenden und Verstorbenen.
Gib, daß sie mir ihnen zum Heile gereiche für das ewige Leben. Amen.

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

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