Der Geist der „Freiheit“

Hinter dem weltlichen Geist der „Freiheit“,
der heute herrscht,
und dem mangelnden Respekt
vor der Kirche Christi,
den Älteren, Eltern und Lehrern,
die gottesfürchtig sind,
verbergen sich die geistige Versklavung,
die Agonie und die Anarchie,
die die Welt in die Ausweglosigkeit und in die
vollkommene seelische und körperliche
Vernichtung führen.

Hl. Paisios vom Berg Athos

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Nur der Herr will uns zum Heil führen

Der Teufel agiert auf seine Weise. Er führt uns ins Verderben. Das macht er schlau:

Der Teufel lässt den Menschen glauben, dass er scheinbar über sich gesiegt hat, und führt ihn so in einen Zustand der Selbstzufriedenheit und des Stolzes. Er lässt ihn bei der Bewältigung der Naturkräfte erfolgreich sein und flößt ihm den Gedanken ein: „Durch das Wissen (die Wissenschaft) werdet ihr die Natur besiegen, ihr werdet unsterblich und wie Götter sein. Ihr könnt auch jetzt bereits stolz sein auf das, was ihr bisher erreicht habt“.

(Starez Igumen Nikon + 1963)

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Die einzige positiv-schöne Gestalt

„Das Schöne ist das Ideal“, schreibt Dostojewski in einem Brief an seine Nichte Sofija Alexandrowna:

Es gibt in der Welt
nur eine einzige positiv-schöne Gestalt:
Christus,
diese unendlich schöne Gestalt
ist ohne Zweifel ein ewiges Wunder.

Das ganze Evangelium Johannis ist von diesem Gedanken erfüllt: Johannes sieht das Wunder in der Fleischwerdung, in der Erscheinung des Schönen …“ (Brief vom 1. Januar 1868).

Noch aufschlußreicher sind Dostojewskis Meditationen „über Christus“, die er an der Bahre seiner ersten Frau niederschrieb. In ihnen erfaßt er Christus als ein

„für die Ewigkeit bestimmtes Ideal,
dem der Mensch zustrebt“,

und sieht die Erscheinung Christi als „das Ideal des Menschen im Fleische“. Christus ist demzufolge
das Spiegelbild Gottes auf Erden.

(Aus: Norbert Clasen. „Es gibt in der Welt nur eine einzige positiv-schöne Gestalt: Christus …“ – Zum 200. Geburtstag des großen russischen Dichters Fjodor M. Dostojewski am 11. November 1821. – KIRCHLICHE UMSCHAU, November 2021, Seite 28ff)

Ausschnitt: Kirchliche Umscha 11,2021, S.32

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Wir finden selbst unseren Weg!

Starez Paisios erzählte:

„Es kamen einmal Leute aus einer christlichen Bruderschaft in meine Einsiedelei. Selbstbewusst redeten sie sich die Köpfe heiß:
Wir brauchen niemanden!
Wir finden selbst unseren Weg!“

Wer weiß schon, warum sie so wurden? Anscheinend standen sie unter großem Druck und rebellierten deshalb.

Als sie gehen wollten, fragten sie mich, wie man auf die Hauptstraße zum Iweron-Kloster gelangt.
„Wohin sollen wir gehen?“
„Nun, Brüder“, antwortete ich ihnen,
„ihr habt gesagt, dass ihr den Weg selbst finden würdet, dass ihr niemanden braucht.
War es nicht das, was ihr gerade gesagt habt?
Nun, was diesen Weg betrifft, ist es in Ordnung: wenn ihr euch verirrt.

Nachdem ihr ein wenig gelitten habt, werdet ihr etwas weiter jemanden treffen, der euch sagen wird, wie ihr weiter kommt.

Aber wie könnt ihr selbst ohne Führer jenen anderen Weg finden,
der euch hinauf führt, zum Himmel erhebt?“

Darauf sagt einer von ihnen nachdenklich: „Brüder, der Vater hat Recht.“

(Quelle: Kurzgeschichten über das Wesentliche.
Orthodoxer Kalender 2017 Minsk:
Kloster der Hl. Elisabeth, 2016)

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