Ein neuer Abt für Solesmes

Am Dienstag den 17. Mai 2022 wurde Dom Geoffroy Kemlin (43) zum neuen Abt der Benediktinerabtei Saint-Pierre de Solesmes und damit zum Nachfolger von Dom Philippe Dupont gewählt. Seine Wahl wurde unmittelbar vom Vatikan bestätigt und Dom Geoffroy am Nachmittag als Abt eingesetzt. Er wird damit der sechste Abt seit Dom Prosper Guéranger, der Anfang des 19. Jahrhunderts die Abtei von Solesmes neu gegründet hatte. Die Abtsweihe wird in Kürze durch den Bischof von Le Mans vollzogen.

Der bisherige Abt Philippe Dupont übergibt den Abtsring an seinen Nachfolger Abt Geoffroy Kemlin – Photo www.lepetitplacide.org (screenshot)

Die wahlberechtigten Mönche von Solesmes sowie die Äbte der zur gleichnamigen Kongregation gehörenden Klöster, die zur Wahl angereist waren, trafen sich nach dem Pontifikalamt im Kapitelsaal. Der Abt von Solesmes ist gleichzeitig auch Abtpräses der Kongregation von Solesmes. Die Wahl war durch den Rücktritt von Dom Philippe Dupont notwendig geworden, der seit 1992 Abt war und nun die beiden Ämter (Abt und Abtpräses) mit 75 Jahren abgab.

Über den Neugewählten, Dom Geoffroy Kemlin, weiß die stets gut unterrichtete französische Internetseite Le Petit Placide zu berichten:

Mit seinen 43 Jahren hat der gebürtige Pariser bereits 23 Jahre benediktinisches Leben hinter sich. Als Ältester von 6 Kindern hatte er den Wunsch, in die Abtei von Fontgombault (die zur Kongregation von Solesmes gehört) einzutreten. Dies wollte sein Vater nicht. „Ich musste ein Jahr warten, aber schließlich kam ich rein. Für meine 3 Schwestern war es ein bisschen hart.“ Als Ältester einer Familie mit 6 Kindern führte der junge Mann ein Leben zwischen Gott und den Menschen, zwischen der modernen Welt, die von den Exzessen des Hedonismus, dem Materialismus, den er ablehnte, geprägt war, und der antiken Welt des ersten Jahrtausends, die ganz Europa mit Klöstern bedeckt sah. Genau wie er und genau wie die hunderttausenden von Mönchen, die ihm vorausgingen, ging Dom Geoffroy das riskante Wagnis ein, „sein Leben Gott und den Menschen zu geben“.

Der bisherige Abt Dom Philippe Dupont, der einen leiblichen Bruder im Kartäuserorden hat, wurde am 10. November 1946 in Paris geboren. Nach dem Abitur trat er 1964 als 17-Jähriger in die Benediktinerabtei Saint-Pierre de Solesmes ein. An Mariä Geburt 1966 legte er seine Profess ab. Die Priesterweihe wurde ihm am 29. Juni 1972 gespendet. Nach dem Erwerb eines Lizentiats in Kirchenrecht ernannte ihn sein Abt Dom Jean Prou (1911–1999) zu seinem Sekretär und im Februar 1985 zum Prior seiner Abtei. Als Abt Jean Prou nach über 30jährigem Abatiat (1959–1992) zurücktrat, wählten die Solesmenser Mönche am 2. Oktober 1992 den Prior zu dessen Nachfolger. Dom Philippe Dupont wurde sofort als Abt eingesetzt; die Abtweihe erhielt er am 8. Dezember 1992.

Die Abtei Saint-Pierre de Solesmes

Liebe zur monastischen Tradition und spirituelle Wachheit kennzeichnen die Gestalt von Dom Prosper Guéranger (1805-1875), des Gründers und ersten Abtes von Saint-Pierre de Solesmes. Im Jahr 1833 erwarb er das ehemalige Kloster von Solesmes an der Sarthe und gründete eine neue benediktinische Gemeinschaft, die sich stark am traditionellen Mönchtum orientierte.

Mit Dom Prosper Guéranger beginnt eine neue Epoche liturgischen Bewusstseins und monastischer Spiritualität. Seine Idee vom kontemplativen Leben in Gemeinschaft und in der Abgeschiedenheit, die so alt wie das christliche Mönchtum selbst sind, wurden auch für andere benediktinische Aufbrüche von großer Bedeutung (Maredsous in Belgien, Beuron und Maria Laach in Deutschland).

Für Dom Guéranger ist die Einfachheit der Ursprung jeder Form des geistlichen Lebens. Innere Umkehr, Gebet und Arbeit sind dabei die Koordinaten sowohl der monastischen, wie auch jeder anderen christlichen Existenz. Das Mönchtum nach der Regel des heiligen Benedikt bietet dafür die die notwendigen und wesentlichen Bedingungen.

Die Abtei liegt etwa fünfzig Kilometer von Le Mans entfernt. Dom Guéranger erbaute sie einst für über hundert Mönche, die zu guten Zeiten hier lebten und beteten. Mehrere Klöster wurden von Solesmes gegründet, darunter die Abtei Fontgombault und zuletzt 1997 in Litauen das Kloster Palendriai.

Hochburg der Gregorianik

Die Abtei Saint-Pierre de Solesmes wird von manchen als „Hochburg des gregorianischen Chorals“ bezeichnet. Der gregorianische Gesang ist der eigentliche Gesang der Liturgie der römisch-katholischen Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil nennt ihn „Schatz von unschätzbarem Wert“. Diese Gesänge, die hauptsächlich aus Elementen der lateinischen Fassung der Heiligen Schrift bestehen, sind um das 3.-4. Jahrhundert aus den Liturgien der ersten christlichen Generationen entstanden.

In mehrere Regionen des Abendlandes entwickelten sich entsprechende Gesänge – römische, mailändische / ambrosianische, hispanische und gallikanische). Insbesondere die Päpste Leo der Große, Gelasius und Gregor der Große (dem der gregorianische Choral seinen Namen verdankt), sammelten vom 5. bis 7. Jahrhundert das vorhandene Repertoire. Der gregorianische Gesang durchdringt das gesamte liturgische Jahr und ist bis heute eines der wichtigen Merkmale des Katholizismus.

Die Abtei St. Cecilia in Solesmes

Nahe bei der Abtei der Benediktiner von Saint-Pierre de Solesmes befindet sich die Abtei der Benediktinerinnen: Saint-Cecilia in Solesmes.

Seit dem Jahr 1863 beabsichtigte Abt Guéranger in der Nähe seiner eigenen Abtei ein Benediktinerinnenkloster zu gründen. Um Cécile Bruyère, eine junge Frau, die den Wunsch hatte, Benediktinerin zu werden, bildete sich mit Unterstützung des Abtes eine kleine Schwesterngemeinschaft. Diese begannen 1867 zu viert das Klosterleben. Schwester Cécile Bruyère, die zweitjüngste unter ihnen, wurde von Guéranger zur Oberin bestimmt. Schon im Alter von 25 Jahren erhielt sie die Rechte einer Äbtissin, obgleich das Kloster erst 1890 zur Abtei erhoben wurde.

Mutter Cécile war 38 Jahre die Oberin und geistliche Mutter von Sainte-Cecile de Solesmes, als die antiklerikalen französischen Gesetze die Aufhebung der Abtei beschlossen und die Nonnen verbannten. Sie verließen ihre Heimat, um sich in England auf der Isle of Wight in Ryde niederzulassen (heute: St Cecilia’s Abbey, Ryde). Hier verstarb Äbtissin Cécile am 18. März 1909. Ein Teil der Benediktinerinnen konnte 1919 in das Gründungskloster zurückkehrten.

Die Kongregation von Solesmes

Die Kongregation von Solesmes ist eine der über zwanzig benediktinischen Konföderationen des Ordens des Heiligen Benedikt. Nach der Gründung der Abtei Saint-Pierre de Solesmes wurde sie 1837 von Papst Gregor XVI. unter dem Namen „Congrégation de France“ errichtet. Sie besteht aus 32 Häusern, darunter 14 in Frankreich, 4 in Spanien, 1 in Luxemburg, 2 in Großbritannien, 2 in Kanada, 1 in den Niederlanden, 2 im Senegal, 1 in Guinea, 1 in Litauen, 2 in den Vereinigten Staaten und 2 Priorate in Martinique. Der „Congrégation de France“ gehören über 900 Mönche und Nonnen an. – Es folgt eine Liste der Klöster mit der Bezeichnung des Gründungs- bzw. Beitrittsjahres:

Mönchsklöster der zu Solesmes gehörenden Kongregation:
– Solesmes (1833)
– Ganagobie (1865)
– Wisques (1889)
– Sainte Marie Paris (1893)
– Kergonan (1997)
– Quarr (1922) GB
– Mont des Oliviers (1947) Martinique
– Vaals (1951) NL
– Valle de Los Caidos (1958)
– Randol (1971)
– Gaussan (1994)
– Clear Creeks (1999) USA
– Ligugé (1853)
– Silos (1880) ESP
– Clervaux (1890) LUX
– Saint Wandrille (1894)
– Saint Benoit du Lac (1912) Québec
– Madrid (1939) ESP
– Fontgombault (1948)
– Leyre (1954) ESP
– Keur Moussa (1961) SEN
– Triors (1984)
– Palendrai (1998) LIT
– Séguéya (2004) GUIN

Nonnenklöster der zu Solesmes gehörenden Kongregation:
– Solesmes (1866)
– Wisques (1889)
– Kergonan (1898)
– Ste Marie des 2 Montagnes (1936) Québec
– Ryde (1950) GB
– Keur Guilaye (1970) SEN
– Ste Marie des Anges (1977) Martinique
– Westfield (1981) – USA

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Etwas Schönes für Gott bauen – für tausend Jahre

„Our Lady of Clear Creek Abbey“

Dieses Kloster in Oklahoma (Diözese Tulsa, USA) ist eine benediktinische Gemeinschaft, die zur Kongregation von Solesmes gehört und, wie andere Klöster dieses benediktinischen Verbandes, auf das monastische und kontemplative Leben ausgerichtet.

Über die Geschichte der Abtei
Unserer Lieben Frau von Clear Creek

In den 1970er Jahren eröffneten drei Professoren an der „University of Kansas“ mit einem Stipendium des „National Endowment for the Humanities“ ein „Great Books-Program“ (Pearson Integrated Humanities Program oder PHIP). Einige der Studenten die sich diesem Studium der westlichen Zivilisation und dem damit einhergehenden „Staunen und Streben nach Wahrheit“ unterwarfen, konvertierten zum katholischen Glauben. Bekannte Absolventen haben in der Kirche wichtige Positionen erreicht. Unter ihnen befinden sich Persönlichkeiten wie Bischof James Conley (Diözese Lincoln, Nebraska), Erzbischof Paul Coakley (Erzdiözese Oklahoma City , Oklahoma) und Dr. Robert Carlson (Mitbegründer des Wyoming Catholic College).

Auch die späteren Gründungsmönche von Clear Creek waren Schüler dieses Studienganges. Um Genaueres über das klösterliche Leben zu erfahren reisten sie nach Frankreich und besuchten die Abtei Notre-Dame de Fontgombault. In der Folge dieser eindrucksvollen Erlebnisse traten einige in das Noviziat ein, – ganz in der Hoffnung, eines Tages Teil einer neuen klösterlichen Gründung in den USA zu sein.

Die nordamerikanischen Mönche stellten fest, dass es in ihrem Kloster in Frankreich so viele Berufungen gab, und Fontgombault darum neue Klöster gründen musste. Im Jahr 1998 wurde ein geeignetes Anwesen gefunden, wo die Gründung erfolgen sollte.

Die Mönche von Fontgombault sprachen sich für eine Gründung aus und am Fest Mariä Himmelfahrt 1998 wurde ein Vertrag zwischen dem Abt von Fontgombault und dem Bischof von Tulsa unterzeichnet, der besagt, dass das Bistum das entstehende Kloster formell anerkennt.

Die ersten Gebäude wurden 1999 errichtet. Aus einem ehemaligen Pferdestall wurden Klosterzellen und aus Scheune die erste Kapelle. Dank einer großen Spende aus dem Jahr 2009 konnte der Plan für den Bau einer Klosterkirche vorangetrieben werden.

Clear Creek – Kloster im Bau; li. Die früheren Gebäude der Ranch und erstem Kloster

Heute ist „Our Lady of Clear Creek“ als Kloster, welches im Jahr 2000 zum einfachen Priorat und 2010 zur Abtei erhoben wurde, zwar noch immer im Bau, aber in Bezug auf die Qualität des monastischen Lebens der Mönche und ihrer Pflege der traditionellen Liturgie ein wirkliches Herzstück des Katholizismus in den USA.

Clear Creek  – Prozession an Fronleichnam

Dom Philip Anderson ist der Abt der Abtei Unserer Lieben Frau von der Verkündigung von Clear Creek. Mit ihm gehören knapp 60 Mönche zur Abtei. In Stille und Einsamkeit, in ständigem Gebet und bereitwilliger Buße führen sie ein in Gott verborgenes Leben nach der Regel des heiligen Benedikt.

Clear Creek – Kardinal Müller und die Kommunität 2021

Die Abtei liegt etwa 45 Meilen östlich von Tulsa und ist Teil der Diözese Tulsa. Es gibt ein Gästehaus, in dem Besucher kürzer oder länger verweilen können.

Our Lady of Clear Creek Abbey
5804 W Monastery Road
Hulbert, OK 74441-5698
https://clearcreekmonks.org/

VIDEO

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Abtei Unserer Lieben Frau von Randol – Abbaye Notre Dame de Randol

Die Abtei Randol (L’Abbaye Notre-Dame de Randol) ist ein Benediktinerkloster und gehört zu der Gemeinde Saint-Saturnin (Departement Puy-de-Dôme) in den Bergen der Auvergne in Frankreich.

Randol – Grundsteinlegung für das neue Kloster am 31. Mai 1969

Der Grundstein des Klosters wurde 1969 gelegt und im Mai 1971 kamen die ersten Mönche aus Fontgombault in Randol an. Zu dieser Zeit waren die Bauarbeiten des Klosters, das auf Wunsch des zuständigen Bischofs von Clermont errichtet wurde, bereits vorangeschritten und konnte im Oktober desselben Jahres eingeweiht werden.

Das Bendiktinerkloster von Randol – eingebettet in der Bergwelt der Auvergne.

Das Priorat wuchs schnell heran, und wurde am 21. März 1981 als Abtei errichtet. Erster Abt von Randol war von 1981 bis 2003 Dom Éric de Lesquen. Sein Nachfolger und zweiter Abt von Randol wurde Dom Bertrand de Hédouville, der bis zum heutigen Tag Ober von (2021) 34 Mönchen ist. Leider ist in den letzten Jahren der Klosternachwuchs ausgeblieben. Nur wenige Mönche sind heute jünger als 60 Jahre.

Heilige Messen der Priestermönche von Randol

In Treue zur benediktinischen Tradition bewahrten die Mönche in Notre-Dame de Randol sowohl das Offizium in seiner ursprünglichen Form, als auch die Feier der heiligen Messe im Jahrhunderte alten Ritus. Zu Beginn der Gründung verwendete die Mönche das tridentinische Messbuch von 1962, welches 1965 modifiziert wurde. Erst 1974 nahmen sie den Neue Ritus der Messe (nach dem Messbuch von 1969) an.

Seit 1985 konnten die Priestermönche auf eigenen Wunsch und gemäß des päpstlichen „Indult Quattuor abhinc annos“ (3. Oktober 1984) an Wochentagen gemäß dem Messbuch von 1962 zelebrieren. Für das tägliche Konventamt, das selten an Sonn- und Feiertagen konzelebriert wird, gilt der Ritus von 1969.

Nach der Errichtung der päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ im Jahr 1989, nahm die Abtei den alten Ritus nach dem Messbuch von 1962 wieder auf. Allerdings wurden manche Elemente des Ritus von 1969 beibehalten, wie etwa die neuen Präfationen oder das gemeinsam gesungenen „Pater noster“. Die Abtei Randol war von 1988 bis 2019 von der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei abhängig.

Kardinal Sarah zu Besuch in Randol

Durch Ermutigung von Kardinal Robert Sarah, dem ehemaligen Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, wurden in der Abtei Randol liturgische Tagungen abgehalten. Dabei sollten den Teilnehmern für einige Tage die Möglichkeit angeboten werden, nicht nur theologisch-liturgische Vorträge über das Gebet der Kirche zu hören, sondern selbst in einem geeigneten klösterlichen Rahmen Anleitung zum Erlernen der Zelebration des Jahrhunderte alten Mess-Ritus zu erhalten.

Kardinal Sarah erwartet „in dem Bewusstsein, dass die schwere Krise, die wir heute in der Kirche durchmachen“, die vor allem „auf eine große Unkenntnis der notwendigen Rolle der Liturgie als Weg des Heils zurückzuführen“ sei, dass die Mönche der Abtei Notre-Dame de Randol als auch das Ambiente dieses Klosters die Teilnehmer an die Messe und das innerliche Gebet heranführen.

Der einzigartigen Rahmen dieses Angebotes, Teilnahme am normalen Klosterleben, die natürliche klösterliche Umgebung, die Liturgie und Möglichkeiten zu Zeiten für das persönliche Gebet, zieht viele Menschen an. Priester, Ordensleute, Seminaristen und einfache Gläubige, sogar ganze Familien nehmen daran teil. Sie alle wollen ihren Glauben durch eine tiefere Kenntnis der Liturgie verwurzeln.

Kardinal Sarah bei der Predigt in Randol

Abbaye Notre Dame de Randol
285 route de Randol
63450 COURNOLS
abbaye@randol.org

VIDEO über das Kloster Randol.

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Dom Jean-Baptiste Muard

Am 13. Dezember 1839 notiert Jean-Baptiste Muard:

„Ich befand mich zur Mittagszeit in meinem Gestühl neben dem Altar. Ich bat Gott, mir seinen Willen kundzutun und es schien mir, dass Gott mir nach drei oder vier Wiederholungen meiner Bitte, sagte: ,lch will, dass du ein Heiliger bist‘ und ich bat ihn um die Gnade, zu der Heiligkeit zu gelangen, die er von mir erwartete. Da fand ich mich gleichsam im Geist auf die Mitte des Altars versetzt. Ich sah, dass sich der Tabernakel öffnete und mir der Herr auf halbem Weg entgegenkam und mir mit dem Zeigefinger seiner Rechten ein Kreuz auf die Stirn machte. Mit derselben Hand machte er mir ein Kreuz auf mein Herz und ein Kreuz auf den Mund.“

Jean-Baptiste Muard wurde am 24. April 1809 geboren und am 24. Mai 1834 zum Priester geweiht. 1839 hat er vor dem Tabernakel eine Vision und schließt sich einer Priestergemeinschaft an. Erstmals begegnet er Jean Maria Vianney, dem späteren heiligen Pfarrer von Ars. 1845 folgt in der Nähe der Abtei Pontigny eine zweite Vision, die ihn veranlasst, einen neuen Orden der Armut, Demut und Abtötung zu gründen. Drei Jahre später reist er nach Rom und Subiaco und entdeckt die Regel des heiligen Benedikt (regula benedicti). Danach wird er Novize bei den Trappisten zu Aiguebelle.

Am 2. Juli 1850 gründet er mit vier Brüdern das Kloster La Pierre-qui-Vire, – „eine Wüste Thebais in den Wäldern“. Die Einsiedelei, in die sich der Mönch zurückzog, ist erhalten geblieben: ein an einem Felsen errichtete Hütte mit Strohdach, einem Schafstall gleichend. Die harte Arbeit bei Brot und Wasser und die bis ins Detail befolgte strenge Ordensregel mit Buße und Nachtwachen fordern bald ihren Tribut. Jean-Baptiste Muard starb am 19. Juni 1854.

Dom Jean-Baptiste Muard (1809-1854)

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Kardinal Müller – Exerzitien in Clear Creek

Die Mönche von Clear Creek
profitierten vom 3. bis 9. November 2021
von den Konvent-Exerzitien,
des emeritierten Präfekten der Glaubenskongregation
Gerhard Ludwig Kardinal Müller.

Am Sonntag, den 7. November 2021, zelebrierte der Kardinal
in der Abteikirche ein Pontifikalamt im Ritus von 1962.

https://clearcreekmonks.org/

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Priesterweihe im Kloster Clear Creek

Am morgigen Sonntag, den 24. Oktober 2021, wird der junge Benediktinermönch Frater John McFadden OSB in der Kirche der US-amerikanischen Benediktinerabtei Clear Creek von Mons. Edward Slattery, dem ehemaligen Bischof der Diözese Tulsa (Oklahoma) zum Priester geweiht.

Foto der Diakonatsweihe von Fr. John McFadden (links) am 17. November 2020. Mitte: Bischof von Tulsa, David Konderla; re: Abt Philip Anderson.

Wieder ein bedeutender Tag für die Benediktinerabtei „Our Lady of Clear Creek Abbey“ in Hulbert, Oklahoma: Diakon McFadden, Professe des Klosters, das erst im Jahr 1999 von der Abtei Unserer Lieben Frau von Fontgombault in Frankreich gegründet wurde, und bereits etwa 60 Mönche zählt, erhält die Priesterweihe.

Der künftige Priester besuchte das „Christendom College“, bevor er im August 2013 in das Kloster eintrat.

Das „Christendom College“ wurde 1977 als Reaktion auf den verheerenden Schlag, den die Kulturrevolution in den 1960er Jahren der katholischen Hochschulbildung zugefügt hatte, gegründet. Ihr Ziel ist es, eine wahrhaft katholische Ausbildung in Treue zum Lehramt der Katholischen Kirche anzubieten und damit die Studierenden auf ihre Rolle, alles in Christus wiederherzustellen, vorzubereiten.

John McFadden ist innerhalb von 24 Jahren der 99. Student des Christendom College, der zum Priester geweiht wird.

Geschwister McFadden
Fr. John McFadden mit seinen Eltern

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Benediktinische Klöster in denen im alten Ritus zelebriert wird

Als „benediktinische Klöster“ werden Abteien und Priorate bezeichnet, in denen die „Regel des hl. Benedikt“ die Grundordnung des Klosterlebens bestimmt. Dazu gehören Klöster aus den Familien der Benediktiner, der Zisterzienser und der Trappisten.

Trotz aller Widerstände die der überlieferten Liturgie entgegengebracht werden, nicht zuletzt durch das Motu proprio von Papst Franziskus „Traditionis custodes“, gibt es zahlreiche Klöster der verschiedenen benediktinischen Orden, in denen der Alte Ritus die normale Form des liturgische Betens und der heiligen Messe ist.

Beachten Sie das PDF

 

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Neue Abtei für traditionelle Benediktiner in Frankreich

Am Samstag, den 13. Februar 2021 wurde das Kloster „Sainte-Marie de la Garde“ von Dom Hervé Courau, dem Abt der Abtei „Notre-Dame de Triors“ zur selbständigen Abtei erhoben.

Am 18. Februar, Festtag der heiligen Bernadette, wählte die Klostergemeinschaft ihren bisherigen Prior, Dom Marc Guillot, zum ersten Abt der neuen Abtei. Die Wahl fand statt unter dem Vorsitz der Äbte von Triors und von Le Barroux, Dom Hervé Courau und Dom Louis-Marie de Geyer d’Orth.

Der neue Abt wurde unverzüglich in sein Amt eingesetzt. Die Abtweihe wird durch den Diözesanbischof in den nächsten Wochen stattfinden.

Die Mönche der Abtei „Sainte-Marie de la Garde“ mit Dom Hervé Courau (Triors), dem neuen Abt Dom Marc Guillot und Dom Louis-Marie (Le Barroux).

Die neue Abtei wurde am 21. November 2002 unter der Schirmherrschaft der Unbefleckten Empfängnis mit Zustimmung des damaligen Bischofs von Agen, Mgr. Jean-Charles Descubes, gegründet.

Eine Gruppe von acht Mönchen aus der Abtei Le Barroux ließ sich auf einem landwirtschaftlichen Anwesen, zu dem ein Herrenhaus mit Schafställen gehörten, nieder. Der Ort gehört zur Gemeinde Saint-Pierre-de-Clairac (Département Lot-et-Garonne, Südwestfrankreich), und liegt etwa 12 KM von der Bischofstadt Agen entfernt.

Die Mönche leben von der Imkerei und stellen Sandalen her. Derzeit leben ca. 20 Mönche im Kloster, das bis zu seiner Fertigstellung etwa 40 Mönche beherbergen soll.  Wie das Mutterkloster in Le Barroux, so pflegen auch die Benediktiner in La Garde das strenge und traditionelle benediktinische Mönchsleben, wozu die schon seit Jahrhunderten gültigen liturgischen Büchern zählen.

Mönche beim Chorgebet.

Die vorzügliche Aufgabe der Mönche ist das Gotteslob, das ganz in der monastischen Tradition der Benediktiner gelebt wird.

3.30 Matutin / Vigilien
6.00 Laudes, anschl. Privatmessen der Priestermönche
7.45 Prim
9.30 Terz, anschl. Konventamt
12.00 Sext
14.00 Non
17.30 Vesper
19.45 Komplet

Abbaye Sainte-Marie de la Garde
47270 Saint-Pierre-de-Clairac
https://www.la-garde.org/

Monastere Sainte-Marie de la Garde

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Mönch begleitet Mörder bis zur Hinrichtung

Eine Katechese zu Leben, Tod und Todesstrafe

In der Quartals-Zeitschrift „Der Ruf des Königs“ der Kongregation „Servi Jesu et Mariae“ (SJM) findet sich eine Katechese von Pater Martin Linner mit dem Titel: „Vergib uns unsere Schuld – Die fünfte Vaterunser-Bitte„.

Es geht um „Schuld, Versuchung und das Böse“. Nichts, was auch nur ein einziger Mensch nicht kennen würde. Wir alle beten immer wieder:

Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Pater Linner berichtet von einem Mann, der als Mönch in der Benediktiner-Abtei „Clear Creek„, in den einsamen Wäldern von Oklahoma lebt. Bruder Vianney-Marie Graham ist Laienbruder und widmet sich viele Stunden des Tages dem Gebet der Kirche (das Göttliche Offizium) sowie dem meditativen und privatem Beten. So ist sein zurückgezogenes Mönchsleben in Gebet und Arbeit (ora et labora) ein Leben für die ganze Welt, besonders für notleidende Menschen und Sünder.

Ein Mönch und das Leid der Welt

Taten der Schuld und Verletzungen durch Schuld berühren die Existenz des Menschen zuinnerst. Bruder Vianney-Maries Gebete gehen daher oft zu den „Verlassenen der Verlassenen“ im Hochsicherheitsgefängnis von McAlester. Der kontemplative Mönch bittet seinen Abt schließlich um die Erlaubnis, einigen Gefangenen schreiben zu dürfen, „um ihnen zu sagen, dass sie nicht verzweifeln sollen, dass  ihnen Gott barmherzig sein will, unabhängig von ihren Verbrechen.“

Das zeigt uns die Heilige Schrift von Anfang an: Nach der Erschaffung des Menschen kommt es  umgehend zum Sündenfall – mit dramatischen Folgen. Wie reagiert Gott? Seine Antwort auf die in  Schuld verstrickten Menschen ist ein Wort des Heiles: Er verheißt den Erlöser (vgl. Gen 3,15).

Bruder Vianney-Marie will auch die Erlösung der Menschen und sucht nach den „schlimmsten Fällen“. Dabei stößt er auf James Malicoat, einen Mann, der seine 13 Monate alte Tochter durch eine Vielzahl an Schlägen über zwei Wochen hin derart brutal verletzte, dass sie am 21. Februar 1997 starb. „Als ich von diesem Verbrechen zum ersten Mal hörte, dachte ich: Er  braucht mehr als jeder andere Mensch einen Freund.“

Der Benediktiner erhält von seinem Prior die Erlaubnis, an Malicoat zu schreiben. Mit Bedacht wählt er dafür das Fest Mariä Himmelfahrt – die Fürsprache Mariens soll dem Todeskandidaten den Weg zum Himmel öffnen. Nach anderthalb Monaten, am 1. Oktober 2001, dem Fest der heiligen Theresia von Lisieux, antwortet Malicoat. Ein regelmäßiger Briefkontakt entsteht. Obgleich die kontemplativen Mönche von Clear Creek selten das Kloster verlassen, bittet Vianney-Marie nach zwei Jahren brieflichen Austauschs um Erlaubnis, James Malicoat im Todestrakt besuchen zu dürfen. „Ich wollte wenigstens ein Treffen, damit er sehen kann, dass es die Person wirklich gibt, der er schreibt.“

Im Super-Maximum-Security-Gefängnis 

Vianney-Maries erster Besuch im Death Row nimmt ihn körperlich ziemlich mit. „Die Atmosphäre dort war schrecklich.“ Mönch und Mörder sehen sich durch Panzerglas und unterhalten sich über Telefonhörer. Malicoat ist verschlossen. Doch der Ordensmann schreibt weiter und kommt wieder. Langsam wächst das Vertrauen Malicoats in den Benediktiner. Er beginnt von seinem Leben zu erzählen – stockend, abgehackt: „Ich weiß nicht, warum ich meine Tochter Tessa getötet habe.“ Er berichtet von schlimmen körperlichen Misshandlungen in seiner Kindheit und Jugend. Er selbst war gewalttätig. Seinen leiblichen Vater hat er nie kennengelernt. Er wisse nicht, ob ihn jemand liebe. Seiner Ehefrau war er untreu. … Abgründe tun sich auf.

Die Schuld und ihre Folgen

Die fünfte Vaterunser-Bitte setzt eine Welt voraus, in der es nicht nur Schuld gibt – gegenüber Gott und den Menschen –, sondern viele Verletzungen, die folgenschwer sind. Wie oft ruft Schuld neue Schuld hervor. So auch bei James Malicoat. Wie oft entsteht eine Spirale von Vergeltung und Hass. Mit dieser Bitte lehrt uns Jesus, dass „Schuld nur überwunden werden kann durch Vergebung, nicht durch Vergeltung“ (Benedikt XVI.).

Jesus, der Heiland

Für uns alle, aber besonders für Menschen wie James Malicoat, ist der Herr „aus seiner Göttlichkeit aufgebrochen, um auf uns zuzugehen, uns zu versöhnen“ (Benedikt XVI.). Eindrucksvoll ist die Geste Jesu, wenn er sich beim letzten Abendmahl vor seinen Jüngern niederkniet, nicht nur um ihre schmutzigen Füße zu waschen, sondern sie mit seiner demütigen Liebe innerlich zu reinigen.

Im Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht (Mt 18,23-35) beschreibt Jesus die überbordende  Barmherzigkeit Gottes: Der König erlässt einem Diener die Schuld von 10.000 Talenten – eine ungeheure Summe, die umgerechnet 60  Millionen Denaren,  d.h. 60 Millionen Tageslöhnen eines Arbeiters entspricht.

James Malicoat kann an diese Barmherzigkeit nicht  glauben. „Hab keine Angst!“, schreibt ihm der Laienbruder. „Der Teufel wird versuchen, dich in Verzweiflung zu bringen. Vertraue auf Gott und  sage ihm, dass es dir leid tut.“ Fünf Jahre sind Mönch und Mörder nun schon in Kontakt. Die Aufarbeitung von verübter, aber auch erlittener Schuld ist mühsam. Der Laienbruder ist geduldig und betet.

Die Bitte um Vergebung

Bei einem erneuten Besuch fragt ihn der Ordensmann schließlich ganz direkt: „James, willst du mit deiner Tochter Tessa sprechen?“ „Der Schock, der über Malicoats Gesicht ging, war die erste emotionale Reaktion, die ich bei ihm feststellte. An so etwas hatte er wohl nie gedacht. Und doch begann er, stammelnd, zu seinem toten Kind zu sprechen: »Tessa, kannst du mir verzeihen?« Ich saß geduldig auf der anderen Seite des Panzerglases und hörte Malicoat zu. Dann vertraute er mir die Sorgen seiner Mutter an, die in all den Jahren voller Schmerz den Tag seiner Hinrichtung kommen sah.“

Um Vergebung bitten, setzt Reue voraus. Die zeigt Malicoat nicht nur in seinem Testament: „Ich  möchte jeden wissen lassen, wie leid es mir tut. Es tut mir leid, dass ich den Tod eines anderen Menschen verschuldet habe. Es gibt nichts, was ich tun kann, um das rückgängig zu machen.“

Die Saat wächst

Es sind mühevolle Jahre des Aufbaus von Gottvertrauen und der Zurückhaltung, um Malicoat nicht zu überfordern. Es bahnt sich langsam eine Freundschaft an. Trotzdem reagiert der Häftling oft unruhig und deprimiert. Die Last der Schuld droht ihn zu erdrücken.

Schuld ist eine Wirklichkeit, eine Macht, die Zerstörung und Verletzung hervorgebracht hat. Die Überwindung und Vergebung der Schuld kann sich daher nicht einfach auf  Ignorieren oder Vergessen beschränken.

So sagt Benedikt XVI.: „Vergebung kostet etwas – zuerst den, der vergibt: Er muss in sich das ihm geschehene Böse überwinden, es inwendig gleichsam verbrennen und darin sich selbst erneuern, so dass er dann auch den anderen, den Schuldigen, in diesen Prozess der Verwandlung, der inneren Reinigung hineinnimmt und sie beide durch das Durchleiden und Überwinden des Bösen neu werden.“ Das tut Jesus.

Für Malicoat ist der Gedanke an Vergebung noch weit weg. In einem Brief vom 26. Juni 2006 informiert er den Benediktiner, dass seine Hinrichtung nun für den 22. August angesetzt ist. „Ich habe nichts dagegen, dass sie michtöten“, schreibt er. „Ich habe Dinge getan, auf die ich nicht stolz sein kann. So muss ich vor Gott hintreten.“

Am Kreuz

Müssen wir das wirklich? Unsere Grenzen, das Böse aus eigener Kraft zu heilen, überwindet die Liebestat Christi am Kreuz. Von ihm sagt der Prophet Jesaja: „Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen.  …  Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen. … Durch seine Wunden sind wir geheilt“ (53,4f ).

Gott hat die ganze Welt mit einem Wort erschaffen, sagt der heilige Kardinal John Henry Newman. Aber unsere Schuld vergibt er durch den Lösepreis seines eigenen Sohnes. Jesus selbst ist gekommen, „um sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mk 10,45). Kann James Malicoat dieses Wunder der Gnade annehmen?

Der Mönch glaubt an die Macht von Gebet und Opfer. Er bittet seine Mitbrüder um Unterstützung und gründet eigens eine Gebetsgemeinschaft. In benachbarten Pfarreien werden Gebetsvigilien abgehalten.

Jesus lässt den Menschen an seinem Erlöserleiden geheimnisvoll mitwirken (vgl. Kol 1,24). Das spürt auch Bruder Vianney-Marie. Der an sich robuste Benediktiner hat Albträume und schwere Anfechtungen. Er ahnt, wie es dem heiligen Pfarrer von Ars oder dem heiligen Pater Pio im Kampf um die Seelen erging.

Ein Sakrament

Die Vergebung von Schuld geht von Gott aus (vgl. Lk 5,21). Diese Gabe ist dem Herrn so  bedeutungsvoll, dass er dafür ein eigenes Sakrament eingesetzt und seine Jünger zu dessen Verwaltern bestellt hat – die heilige Beichte: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20,22f ).

Der innere Kampf

Der Hinrichtungstermin wird auf den 31. August 2006 verschoben. Malicoat stimmt der Anwesenheit eines Priesters bei der Hinrichtung zu, Bruder Vianney-Marie soll ihn begleiten. Doch am Hinrichtungstag will Malicoat davon nichts mehr wissen. Der Mönch und der mitgekommene Priester, Kaplan Kirk Larkin, warten und beten. Nach 45 endlos scheinenden Minuten bittet Malicoat endlich die beiden zu sich. „Er ist wie versteinert“, sagt sein Anwalt. „Sie haben keine Ahnung, unter  welcher Spannung diese Jungs in ihrer letzten Stunde stehen.“

Im Angesicht des Todes

Bruder Vianney-Marie erblickt in seinem Gegenüber einen gebrochenen Mann. Er ist erschüttert. Er stellt Kaplan Larkin vor und bittet Malicoat einen Akt des Glaubens zu setzen und zu beichten. Dann übergibt er Larkin den Telefonhörer.

Kirk Larkin ist erst seit zwei Jahren Priester – trotz seiner 47 Jahre. Er weiß, was es heißt, den Ruf Gottes sehr spät zu hören. Erst mit über 30 begann er regelmäßig die Messe zu besuchen. Später gesteht Larkin, dass er sich dieser Aufgabe nicht gewachsen sah: „Zuerst habe ich nein gesagt, doch dann dachte ich: Vielleicht hat Gott mich dazu berufen.“

Vergebung der Schuld

Priester und Mörder sitzen sich gegenüber: „Ich will nicht beichten!“, erklärt Malicoat dem Neupriester entschieden. „Ich möchte Sie nicht mit den schrecklichen Dingen meines Lebens belasten.“

Larkin macht dem Todeskandidaten Mut. Er geht mit ihm das Glaubensbekenntnis durch und fragt bei jedem Artikel, ob Malicoat zustimmen könne.

Der Laienbruder geht währenddessen im hinteren Teil des Raumes auf und ab und betet den Rosenkranz. „Ich fühlte ein schreckliches Gewicht auf meinen Schultern. Aber gleichzeitig habe ich noch nie so viel Gebetsunterstützung gespürt wie an diesem Tag.“

Dann sieht er, wie Kaplan Larkin seine rechte Hand segnend über James Malicoat erhebt. Da weiß er:  Ein Schwerverbrecher hat seinen Schöpferum die Vergebung seiner Schuld gebeten. Und Gott hat ihm alle Schuld vergeben. „Ich hätte vor Freude an die Decke springen können.“

Letzte Minuten

Kaplan Larkin winkt Bruder Vianney-Marie herbei, der zu Malicoat meint: „James, du bist jetzt nicht nur mein Freund, du bist mein Bruder. Du hast genau die gleichen Gnaden.“Die beiden schauen sich still an. Schließlich fragt der Mönch: „Bist du bereit zu gehen?“ – „Ja“, ist die klare Antwort. Dabei strahlt der Todeskandidat friedliche Ruhe aus und zeigt, wie die Vergebung von Schuld auch äußerlich einen Menschen verändert.

Priester und Mönch sind bei der Hinrichtung mit der Giftspritze zugegen. „Ein grausamer Akt“, meint  der Benediktiner später. „Doch James zeigte sich gelassen und furchtlos.““Jesus, Maria und Josef, nehmt seine Seele in den Himmel auf“, betet Bruder Vianney-Marie, während Malicoat stirbt.

Kaplan Larkin erinnert sich an die Reaktion des Mönchs. „Bruder Vianney-Maria wurde gleichsam körperlich verletzt, als James Malicoat hingerichtet wurde.“

Vergebung durch Gebet

Der Laienbruder erfuhr erst später, dass Malicoat am selben Tag, dem 31. August, starb, an dem auch der dreifache Mörder Henri Pranzini im Jahr 1887 hingerichtet worden war. Von  Pranzinis hartnäckiger Unbußfertigkeit hatte die damals 14-jährige Theresia von Lisieux in der Zeitung gelesen und daraufhin immer wieder gebetet: „Lieber Gott, bitte, vergib Pranzini die schwere Schuld!“ An der Hinrichtungsstätte ergriff dieser schließlich das Kreuz des  ihn  begleitenden  Priesters  und  küsste  es  dreimal.

„Niemand kann mir sagen, dass diese Heilige nicht für James gebetet habe“, ist der Mönch überzeugt. Nicht zu vergessen die Fürsprache Mariens, an deren Himmelfahrtstag  alles begann…

Einige Tage nach der Hinrichtung erhielt Bruder Vianney-Marie einen zwei Tage davor verfassten Brief. Darin hatte Malicoat geschrieben: „Sie werden sehen, das Gebet ist nie umsonst.“

Schuld als Mangel

Leben und Taten James Malicoats zeigen: Sünden sind Schulden. Und Schulden sind immer ein Mangel, ein „Mangel an Gutem“ (hl. Augustinus). Man könnte auch sagen: ein Mangel an Liebe – und jede Sünde somit eine Lieblosigkeit. Mit dem Bild des „Liebestanks“ beschreibt die Kinderpsychologie  das Bedürfnis nach einem ausreichenden Maß an Liebe, welches das Kind zu einem gesunden körperlichen und seelischen Wachstum befähigt. Ist der Tank gefüllt, dann ist das Kind im Gleichgewicht, dann ist es glücklich. Ist er leer, kommt es zu psychischen und auch physischen Entwicklungsstörungen.  Das gilt in ähnlicher Weise auch für Erwachsene.

Fülle an Liebe

Schuld entleert jeden Liebestank. Die Beseitigung der Schuld verlangt zugleich die Beseitigung des Mangels an Liebe, die erneute Erfüllung mit Liebe. Das tut Gott. In ganz einzigartiger Weise im Bußsakrament. Die Schuld, der Mangel wird beseitigt und die Seele mit der Liebe Gottes angefüllt.

Bruder Vianney-Marie und James Malicoat sind Zeugen der vergebenden Liebe Gottes.

Zuerst veröffentlicht bei CNAdeutsch

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Dokumentation – James Patrick Malicoat,
Hinrichtung am 31. August 2006 um 18:09 Uhr.

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Abbey Our Lady of Clear Creek

Benediktinerabtei Clear Creek, Priestermönch bei täglicher Privatmesse

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