„Fallt also nicht ab, vielgeliebte Brüder!“ – hl. Athanasius – 7. Dezember

Gleichsam als Diener Gottes und Bekenner des Glaubens an Christus schreitet im Herrn fort, und weder soll euch die Bedrängnis vom Weg abbringen noch sollen euch die Schmerzen, die die Häretiker euch zufügen, betrüben.

Ihr habt nämlich alle Welt, die mit euch mitleidet und – was wichtiger ist – die an euch alle denkt.

Ich glaube aber, dass die, die von jenen bereits getäuscht worden sind, sich abwenden und aus ihrem Mund die Gottlosigkeit weicht, wenn sie sehen, dass von der Synode ein Tadel erfolgte.

Wenn aber nach diesen Ereignissen ihre Hand bis jetzt gegen euch erhoben ist, so wundert und fürchtet euch nicht, wenn sie wüten, sondern betet, erhebt die Hände zu Gott und habt Vertrauen, weil der Herr nicht säumen, sondern alles für euch tun wird nach eurem Willen.

Aus einem Brief des Athanasius von Alexandrien. Dok. 43.8

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Nikolaus, der rot-weiße „Weihnachtstrottel“ – zum 6. Dezember

Es widerspricht der Menschenwürde, bedauernswerte Menschen dazu zu nötigen, als rot-weiße Weihnachtstrottel durch die Gegend zu laufen.“ [Manfred Lütz]

St. Nikolaus

Geschichtliche Quellen gibt es über den frommen Mann nur wenige, allerdings zahlreiche Legenden. Demnach ließ er Armen- und Waisenhäuser bauen. Und ihm werden Wunder zugeschrieben. Nikolaus gilt auch als der Retter von Bootsfahrern, weshalb sich Nikolaus-Kirchen in vielen Hafenstädten finden. An das segensreiche Wirken des Bischofs für die Armen und Benachteiligten wird am 6. Dezember, seinem Todestag, erinnert.

Im Mittelalter entwickelte sich ein Brauchtum um den heiligen Mann, der heimlich Kinder beschenkt. Martin Luther hielt die Heiligenverehrung jedoch für fragwürdig. Der Reformator erfand daher als Alternative das Christkind, das zu Weihnachten die Kinder beschenkt.

Evangelisch-reformierte Auswanderer aus den Niederlanden blieben allerdings bei der Nikolaus-Bescherung. Sie brachten den Brauch in die Vereinigten Staaten, wo sich ihr holländischer Sinter Klaas zunächst in Saint Claus verwandelte und dann in Father Christmas.

Richtig populär machte den Weihnachtsmann die Coca-Cola-Werbung in ihren Hausfarben Rot und Weiß. „In diesem Outfit wurde er nach dem Ersten Weltkrieg nach Europa reimportiert und mutierte hier zum Weihnachtsmann“, erklärt der Theologe Manfred Becker-Huberti, ein Kenner für christliches Brauchtum.

Inzwischen ist die Kunstfigur Weihnachtsmann, ab 1932 ein fester Bestandteil der Werbe¬industrie, viel bekannter als Nikolaus. „Der heilige Bischof hat es heute schwer“, stellt Becker-Huberti deshalb bedauernd fest. „Sein kommerzieller Widerpart hat nach wie vor Konjunktur.“

Wenn die Menschen des Weihnachtsmannes längst überdrüssig sein werden, ist der heilige Nikolaus noch lange nicht reif für den Schrottplatz der Frömmigkeit.

Gefunden im „kirche-und-leben“

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Heiliger Clemens I. – 3. Nachfolger des hl. Petrus in Rom von 88-97) – 23. November

Der letzte Papst des ersten Jahrhunderts war der hl. Clemens. Er war ein Schüler der Apostel Petrus und Paulus, der ihn im Brief an die Philipper (4,3) erwähnt. Ihn bezeichnet Paulus auch als einen der eifrigen Mitarbeiter im Evangelium, deren Namen im Buch des Lebens stehen. Es wird berichtet, daß Clemens bereits von Petrus zum Bischof konsekriert und von ihm als Gehilfe beigezogen worden sei. Seine Regierungsdauer wird auf zehn bis elf Jahre angegeben. Über seine Wirksamkeit fehlen uns weitere verbürgte Nachrichten, mit Ausnahme seines energischen Einschreitens gelegentlich ausgebrochenen Streitigkeiten in der Kirche von Korinth. Bekannt ist, wie Paulus daselbst eine bedeutende Christengemeinde gründete, an die er auch die berühmten zwei Briefe richtete.

Während des Pontifikates des hl. Clemens entstanden unter den Christen in Korinth Unruhen. Einige junge Leute hatten sich gegen die kirchlichen Vorstände erhoben und dadurch nicht bloß große Verwirrung in der korinthischen angerichtet, sondern auch den christlichen Namen bei den Heiden in Verruf gebracht. Die Nachricht von diesen Zerwürfnissen wurde nach Rom berichtet. Clemens griff nun ein und richtete das herrliche Schreiben an die Kirche von Korinth, um Ruhe und Ordnung in derselben herzustellen.

Dieser Brief beweist die oberhirtliche Stellung, welche vom Bischof von Rom, dem Papst, eingenommen und anerkannt wurde. Er schreibt mit Ernst und Nachdruck, wie ein Vorgesetzter, der das Recht und die Pflicht hat, ein entschiedenes Wort zu sprechen und die herrschende Unordnung zu beseitigen. Nicht an Johannes, den Apostel, der damals noch lebte und in Ephesus sich befand, also Korinth näher war, wurde die Sache berichtet, sondern nach Rom, und nicht Johannes, sondern Clemens als Bischof von Rom und Nachfolger des hl. Petrus griff ein. Daß die Autorität des hl. Clemens in Korinth anerkannt und sein Schreiben von günstigem Erfolg gekrönt warm ersehen wir aus dem Zeugnis des hl. Irenäus (gest. 202), der dasselbe ein gewaltiges Wort nannte und bezeugt, daß infolgedessen bald die Ruhe wieder hergestellt war. Das beweist auch der hl. Dionysius, der als Bischof von Korinth 80 Jahre nach diesem Vorfall berichtet, daß das Schreiben des Papstes damals öffentlich in vielen Kirchen des Orients verlesen wurde. So hoch stand es in Ansehen.

Im dritten Jahr der Regierung des Kaisers Trajan wurde Clemens, wie viele Berichte lauten, seines Glaubens wegen in die Verbannung nach dem Chersones, der heutigen Krim (Rußland), geschickt und zur Arbeit in den Bergwerken verurteilt. Daselbst erduldete er den Martertod.

Auf Domitian folgte der milde Kaiser Nerva. Nach dem Tod des Nerva, der nur zwei Jahre regierte, bestieg der kräftige Trajan den Kaiserthron. Dieser verbannte den heiligen Papst Clemens und ließ ihn endlich mit einem schweren Anker beladen in das Schwarze Meer versenken, wahrscheinlich um so den Gläubigen den Leichnam des heiligen Papstes für immer zu entziehen.

Schon in dem römischen Meßbuch wird der heilige Papst Clemens als Martyrer aufgeführt. Im neunten Jahrhundert wurden Reliquien von ihm nach Rom gebracht und in der dortigen Clemenskirche beigesetzt. Papst Hadrian II. Soll den größten Teil der Reliquien einem Kloster zu Cava bei Salerno geschenkt haben, wo sie noch heute gezeigt werden. Der Todestag des heiligen Clemens wird am 23. November gefeiert. An Papst Clemens finden wir den Beweis, daß die Christen seiner Zeit auch nicht den geringsten Zweifel daran hegten, daß der Bischof von Rom als der Nachfolger des heiligen Petrus als Papst anzuerkennen sei. Die ehemals durch ihre Sittenlosigkeit verrufene Stadt Korinth in Griechenland hatte vom heiligen Paulus den Glauben angenommen.

Zur Zeit des heiligen Clemens brach in jener Christengemeinde ein Streit aus. – An wen wendeten sich aber die Korinther, um ihren Streit schlichten zu lassen. In Antiochia lebte und wirkte der heilige Bischof Ignatius, dem der heilige Petrus selbst noch das bischöfliche Amt in dieser Stadt übertragen hatte. Riefen die Korinther diesen an? In Ephesus lebte zu eben der Zeit der heilige Apostel Johannes. In einem Tage konnte man von Korinth nach Kleinasien kommen. Wandten sich die Korinther in ihrem Streit an ihn? In Jerusalem lebte zu eben der Zeit Simeon, ein naher Blutsverwandter und ein Jünger des Herrn. Reisen die Korinther zu ihn? Sie wenden sich weder an Johannes, noch an Ignatius, noch an Simeon. – Papst Clemens mußte entscheiden, wer recht hatte.

Damals also hatte die christliche Welt schon die Überzeugung, daß der Vorrang, der den heiligen Petrus als Oberhaupt der Kirche ausgezeichnet hatte, mit seinem Tode nicht erloschen ist, auch nicht auf einen anderen Apostel überging, sondern in Rom bei dem Nachfolger des heiligen Petrus geblieben ist. Das möge genügen, um den gläubigen Christen in den Stand zu setzen, beurteilen zu können, ob die Päpste ihre hohe Würde durch den heiligen Petrus erhalten, oder ob sie sich eigenmächtig angemaßt haben, wie ihre Feinde behaupten.

(Ausschnitte: Chrysostomus Stangl, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, 32f)

Papst Clemens I. – Foto: https://staticserver2.com/edu/static/en/800/pope-clement-i.jpg

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Der heilige Martin von Tour – 11. November

„Ein andermal hatte Martin (ca. 316-397) in einem Dorf einen uralten Tempel zerstört.“

Die Schließung von Tempeln hatte bereits unter Konstantin begonnen und sollte gegen Ende des Jahrhunderts gerade unter Theodosius im Osten systematisch vorangetrieben werden. Oft fiel diese Aufgabe den Bischöfen zu, denen dazu Soldaten beigesellt wurden. Martins Vorgehen bewegte sich also im Rahmen des damals Üblichen, das uns heute auf den ersten Blick intolerant erscheint. Doch damals galt allgemein: Nur wer einen Tempel zerstören kann, erweist den eigenen Gott als mächtiger – und damit als den wahren Herr. Das wurde verstanden – und akzeptiert.

(Thomas Merz. Martin von Tours begegnen)

Thomas Mertz. Martin von Tour (56-60)

 

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Thomas Mertz
Martin von Tours begegnen
Paulinus-Verlag 2014
152 Seiten, 12,90 €
ISBN 9783790218541

 

 

 

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Hl. Elisabeth von der Heiligsten Dreifaltigkeit – 9. November 1906.

Die Karmelitin Sr. Elisabeth von der Heiligsten Dreifaltigkeit starb im Alter von 26 Jahren am frühen Morgen des 9. November 1906.

O mein Gott Dreifaltiger!

 Mein Schifflein ist auf weiten, sanften Wogen,
o gute Mutter, leicht dahingezogen;
durch eine klare, friedevolle Nacht
glitt es in tiefem Schweigen, einsam, sacht.
Rings nur des Ozeans Unendlichkeiten,
der mit des Himmels ferngewölbten Weiten
der Stimme des Allmächt´gen schien zu lauschen.
Da plötzlich einer tiefen Woge Rauschen,
verschlungen ward das Fahrzeug von der Flut,
in deren Abgrund es begraben ruht.
Geöffnet ward der Schoß der Ewigkeit,
und mich umfasste die Dreieinigkeit;
in ihren Abgrund fühlt´ ich mich begraben,
und nie wird mich das Ufer wiederhaben.
Eintaucht´ ich ins Unendliche als Erbe,
dass meine Seele Heimat dort erwerbe,
und leb´ in Gottes Unermesslichkeit
mit meinen Drei wie in der Ewigkeit.

Sr. Elisabeth von der Hl. Dreifaltigkeit OCD

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Seraphin von Montegranaro (1540-1604) – 12. Oktober

Vor wenigen Tagen gedachte die Kirche des heiligen Serafino von Montegranaro.

Täglich betete er:

„Heilige Mutter, durchdringe mich.
In meinem Herzen erneuere sich jede Wunde
meines gekreuzigten Erlösers.“

Heiliger Serafino von Montegranaro

Seraphin von Montegranaro wurde als Felix (Felice) Rapagnano in Montegranaro geboren und war das zweite von vier Kindern von armen, frommen Eltern, Gerolamo Rapagnano und Teodora Giovannuzzi. Der Vater war Maurer. Wegen ihrer Armut war die Familie von der Leistungsbereitschaft aller Familienmitglieder abhängig. Der älteste Sohn, Silenzio, folgte in die Fußstapfen seines Vaters als Maurer. Der kleinere und weniger handwerklich begabte Felix wurde als Hirte an einen ortsansässigen Bauern vermietet. Felix genoss das Hirtenleben, da es ihm Zeit zum Gebet gab. Schon in jungen Jahren hatte er die Neigung zum Schweigen, zur Abgeschiedenheit und zum Gebet, was die Menschen bewundernd auf ihn aufmerksam machte. Als ihr Vater starb sollte Felix seinem älteren Bruder auf den Baustellen behilflich sein. Er war dazu nicht fähig und musste lernen, körperliche und psychische Unterdrückung seines jähzornigen Bruders zu ertragen.

Felix träumte davon als Asket in der Wüste zu leben und zu Fasten und Buße zu tun. Er hörte, dass auch die Kapuziner ein Bußfertiges Leben führen und wollte dort eintreten. 1556 wurde er endlich aufgenommen und kam ins Noviziat in Jesi. Nach einem Jahr der Probezeit erhielt Felix seinen Ordensnamen Seraphin (Seraphim). Als er in den Orden eintrat, sagte er:

„Ich habe nichts, nur ein Kruzifix und einen Rosenkranz, aber mit diesen hoffe ich, den Brüdern zu nützen und ein Heiliger zu werden.“

Seraphin pflegte von Anfang an eine ungekünstelte Einfachheit, unterwarf sich Kasteiungen und dem Gehorsam, und er hatte eine große Nächstenliebe gegenüber den Armen. Besonders pflegte er eine außergewöhnliche Hingabe zum Allerheiligsten Sakrament und zur Muttergottes.

Seraphin war mit der Gabe ausgestattet, die Geheimnisse der Herzen zu lesen. Auch konnte er Prophezeiungen aussprechen und Wundern vollbringen. Seine Ratschläge wurden von weltlichen und von kirchlichen Würdenträgern erbeten.

Äußerlich war Seraphin unansehnlich. Sein Haar war immer durcheinander; er war ungeschickt bei manuellen Aufgaben; und er konnte nicht lesen noch schreiben. Seine Heiligkeit jedoch wurde von vielen erkannt. Manchmal wurde Seraphin durch den Spott seiner Kapuziner-Mitbrüder entmutigt. Er erklärte einmal:

„Als ich in das Ordensleben begann, war ich ein armer, ungelernter Arbeiter, dem Talent und Potential fehlten. Ich blieb so wie ich war und dies verursachte so viele Erniedrigungen und Rügen, die der Teufel als Gelegenheit nutzte, mich aus dem religiösen Leben zu verführen. Ich zog mich in eine Wüste zurück, zog mich in mich zurück und vertraute mich dem Herrn an. Eines Nachts hörte ich eine Stimme aus dem Tabernakel; sie sagte: ‚Um Gott zu dienen, musst du für dich selbst sterben und Widrigkeiten jeglicher Art akzeptieren.‘ Also nahm ich sie an und beschloss, einen Rosenkranz für jeden zu beten, der mir Ärger machte. Bald hörte ich die Stimme aus dem Tabernakel sagen: ‚Deine Gebete für die, die dich beschämen, sind sehr angenehm für mich. Dafür bin ich bereit, dir viele Gnaden zu geben.‘“

Seraphin wurde hauptsächlich als Pförtner in verschiedenen Klöstern eingesetzt. Eine Kapuziner-Brauch bestand darin, Räume in der Nähe des Pförtnerbüros für Reisende und Pilger zugänglich zu halten. Gleich zu welcher Stunde in der Nacht jemand anklopfte, öffnete Seraphin die Pforte. Viele erzählten, dass sie, nachdem die Stadttore für die Nacht geschlossen worden waren, Zuflucht im Kapuzinerkloster suchten, das damals meistens außerhalb der Stadtmauern lag.

Bruder Seraphin verbrachte ganze Nächte in der Kirche. Seine Mitbrüder bezeugten, dass, nachdem alle anderen zu Bett gegangen waren, sie Seraphin oft zur Kirche gehen sahen, wo er die Nacht in Anbetung vor dem Allerheiligsten verbrachte. Manchmal hörte man beten: „Friede, Herr, ich bitte Frieden für das und das.“ Seraphin vertraute jemanden an, dass der Grund, warum er so viele Nächte in der Kirche verbrachte, darin lag, dass er in seinem Zimmer stark gegen die Keuschheit versucht war.

Seraphin war streng mit sich selbst. 40 Jahre hindurch aß er nur Suppe oder Salat. Dennoch besaß er einen großartigen Sinn für Humor. Obwohl Bruder Seraphin ein Analphabet war, sagte man, dass er von Gott beredter sprechen konnte als jeder Theologe. Sogar der Bischof von Ascoli, der bedeutende Theologe Kardinal Girolamo Bernerio, suchte Seraphins Rat.

Bruder Seraphin heilte einmal einen sterbenden Bischof. Der Bischof sagte ihm: „Ich habe eine lange Reise gemacht und habe gehofft, ins Paradies zu kommen. Aber dank dir haben sie die Himmelstür wieder verschlossen und mich die Treppe hinuntergeworfen; also bin ich zurück in dieser Welt.“

Der Kapuzinerbruder Seraphin starb am 12. Oktober 1604 in Ascoli Piceno. Am 16. Juli 1767 wurde er von Papst Clemens XIII. heiliggesprochen, gemeinsam mit anderen großen Heiligen: Johannes Cantius , Joseph Calasanz , Joseph von Cupertino , Jerome Emiliani und Johanna Franziska von Chantal .

In der päpstlichen Kanonisierungsbulle wurde der ungebildete und körperlich ungeschickte Kapuziner als eine Person gefeiert, die „das große Buch des Lebens zu lesen und zu verstehen verstand, das unser Erretter Jesus Christus ist. Aus diesem Grund verdient er, in die Liste Christi aufgenommen zu werden.“ Sein Festtag ist der 12. Oktober. Sein Grab befindet sich im Kapuzinerkloster von Ascoli Piceno.

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Lukas an Theophilus – 18. Oktober

Weil viele schon es unternommen haben, eine Erzählung der Tatsachen, die unter uns vollendet worden sind, zu verfassen, wie sie uns diejenigen überliefert haben, welche von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind;  so habe auch ich für gut befunden, nachdem ich über alles vom Anfange an genaue Kunde eingeholet, es dir der Ordnung nach aufzuschreiben, bester Theophilus, damit du die Zuverlässigkeit der Worte genau einsehest, in denen du unterrichtet worden bist.

Es war in den Tagen Herodes, des Königs von Judäa, ein Priester, mit Namen Zacharias, aus der Reihe Abias; sein Weib war von den Töchtern Aarons, und hieß Elisabeth. Beide waren gerecht vor Gott, und wandelten in allen Geboten und Satzungen des Herrn tadellos, und sie hatten kein Kind, denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren vorgerückt an Tagen. Es begab sich aber, als er nach der Ordnung seiner Reihe vor Gott den Priesterdienst verrichtete, kam er nach der Sitte des Priestertums durch das Los daran, in den Tempel des Herrn hineinzugehen und zu räuchern. Die ganze Volksmenge aber stand betend draußen zur Stunde des Rauchwerkes. Da erschien ihm ein Engel des Herrn, zur Rechten des Rauchaltars stehend. Und Zacharias erschrak, als er ihn sah, und Furcht überfiel ihn.

Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Gebet ist erhöret worden; und dein Weib, Elisabeth, wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Johannes heißen. Du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen; denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken, und wird mit dem heiligen Geiste erfüllet werden schon vom Mutterleibe an, und viele von den Kindern Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geiste und in der Kraft des Elias, um die Gesinnungen der Väter auf die Kinder, die Ungläubigen zur Weisheit der Gerechten zu bringen, und dem Herrn ein vollkommenes Volk zu bereiten.
Da sprach Zacharias zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt, und mein Weib ist vorgerückt an Tagen.
Und der Engel antwortete, und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt worden zu dir zu reden, und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Und siehe, du wirst stumm sein, und nicht reden können bis auf den Tag, da dies geschehen wird; darum weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen werden zu ihrer Zeit.

Das Volk aber wartete auf Zacharias, und sie verwunderten sich, dass er solange im Tempel verweilte. Als er nun herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden. Da erkannten sie, dass er eine Erscheinung im Tempel gehabt hatte. Und er winkte ihnen und blieb stumm. Und es geschah, als die Tage seines Dienstes vollbracht waren, ging er hinweg in sein Haus. Nach diesen Tagen aber empfing Elisabeth, sein Weib, und sie verbarg sich fünf Monate lang, indem sie sprach: Also hat mir der Herr getan in diesen Tagen, da er mich angesehen, um meine Schmach vor den Menschen von mir zu nehmen!

Im sechsten Monate aber ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, mit Namen Nazareth, zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause Davids, und der Name der Jungfrau war Maria.

Und der Engel trat zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeiet unter den Weibern! Da sie dies hörte, erschrak sie über seine Rede, und bedachte bei sich, was dies für ein Gruß sei. Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade gefunden bei Gott. Siehe, du wirst empfangen im Schoße, und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen. Dieser wird groß sein, und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden; Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird herrschen über das Haus Jakob in Ewigkeit, und seines Reiches wird kein Ende sein. Maria aber sprach zu dem Engel: Wie wird dies geschehen, da ich einen Mann nicht erkenne?

Der Engel antwortete, und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden soll, Sohn Gottes genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, auch sie hat einen Sohn empfangen in ihrem Alter, und dies ist der sechste Monat für sie, die unfruchtbar heißt, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, nach deinem Worte! Und der Engel schied von ihr.

Maria aber machte sich in jenen Tagen auf, und ging eilends auf das Gebirge nach einer Stadt des Stammes Juda. Und sie kam in das Haus des Zacharias, und grüßte Elisabeth. Und es begab sich, sobald Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind freudig in ihrem Leibe auf, und Elisabeth ward erfüllet von dem heiligen Geiste. Und sie rief mit lauter Stimme, und sprach: Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes! Und woher geschieht mir dies, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, sobald die Stimme deines Grußes an mein Ohr gelangte, hüpfte das Kind freudig in meinem Schoße. Und selig, die du geglaubt hast, dass in Erfüllung gehen wird, was dir von dem Herrn gesagt ward.

Maria sprach: Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande! Weil er die Niedrigkeit seiner Magd angesehen88 hat; denn siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Denn Großes hat an mir getan, der mächtig, und dessen Name heilig ist! Und seine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten. Er hat Macht geübt mit seinem Arme, zerstreuet, die da hoffärtig sind in ihres Herzens Sinne. Er hat Gewaltige vom Throne gestürzt, und Niedrige hat er erhöhet. Hungrige hat er mit Gütern erfüllt, und die Reichen leer ausgehen lassen. Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, eingedenk seiner Barmherzigkeit; wie er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. Und Maria blieb bei ihr ungefähr drei Monate, und kehrte dann zurück in ihr Haus. Es kam aber die Zeit, da Elisabeth gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten es, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan habe, und sie freuten sich mit ihr.

Und es geschah am achten Tage, da kamen sie den Knaben zu beschneiden,100 und sie nannten ihn nach seines Vaters Namen Zacharias. Seine Mutter aber nahm das Wort, und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen! Sie sprachen zu ihr: Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen hat. Da winkten sie seinem Vater, wie er ihn wollte nennen lassen. Er forderte ein Schreibtäfelchen, und schrieb die Worte: Johannes ist sein Name! Und sie verwunderten sich alle. Und sogleich ward sein Mund aufgetan, und seine Zunge ward gelöst, und er redete, und lobte Gott. Da überfiel alle Nachbarn derselben Furcht, und im ganzen Gebirge von Judäa bereitete sich der Ruf aus von all diesen Dingen. Und alle, die davon hörten, nahmen es zu Herzen, und sprachen: Was wird wohl aus diesem Kinde werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und Zacharias, sein Vater, ward erfüllt mit dem heiligen Geiste; und er weissagte und sprach:

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, denn er hat sein Volk heimgesucht, und ihm Erlösung gewirkt! Ein Horn des Heiles hat er uns aufgerichtet in dem Hause Davids, seines Knechtes; wie er es verheissen hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, die von Alters her gewesen; uns zu erlösen von unsern Feinden, und aus der Hand aller, die uns hassen;  Barmherzigkeit zu üben an unsern Vätern, und eingedenk zu sein seines heiligen Bundes, des Eides, den er unserm Vater Abraham geschworen hat, uns zu verleihen, dass wir von der Furcht aus der Hand unserer Feinde befreit, ihm dienen, in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle Tage unseres Lebens. Und du, Knabe, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Angesichte der Herrn hergehen, ihm seine Wege zu bereiten; um sein Volk zur Erkenntnis des Heiles zu führen, zur Vergebung seiner Sünden, durch die innigste Barmherzigkeit unseres Gottes, in welcher uns heimgesucht hat der Aufgang aus der Höhe; um Licht zu bringen denen, die in Finsternis und im Todesschatten sitzen, und unsere Füße auf den Weg des Friedens zu leiten. Der Knabe aber wuchs, und ward stark im Geiste, und war in der Wüste bis zu dem Tage, da er sich zeigen sollte vor Israel.

Lukas 1. Kapitel

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