Johannes Chrysostomus (344-407) – 27. Januar

[…] Ich aber weiß, an diesem Punkte meiner Geschichte angelangt, nicht, wie mir zu Mute ist. Ich möchte einerseits die an ihm verübten Frevel und Ungerechtigkeiten offen erzählen, andererseits aber habe ich ehrerbietige Scheu vor der sonstigen Tugendhaftigkeit derer, die ihm das Unrecht zugefügt haben. Deshalb will ich versuchen, selbst Ihre Namen geheim zu halten. Dieselben hatten verschiedene Gründe, ihm feind zu sein, und wollten den hellen Glanz der Tugend dieses Mannes nicht ansehen. Sie fanden einige elende Ankläger, und obschon sie die Verleumdung als solche klar durchschauten, setzten sie doch fern von der Stadt ein Gericht ein und fällten das Urteil. Der Kaiser aber, der ihnen als Priestern Glauben schenkte, verfügte, daß jener weit weg von der Stadt seinen Aufenthalt nehmen solle. So wurde derselbe, ohne die Anklage gehört und ohne sich verteidigt zu haben, gleich als wäre er der Punkte, deren man ihn beschuldigte, überführt, gezwungen, die Stadt zu verlassen. Er begab sich nach dem am Eingang zum Pontus gelegenen Hieron. So heißt nämlich der dortige Ankerplatz. Da aber während der Nacht ein sehr heftiges Erdbeben entstand, das die Kaiserin in gewaltigen Schrecken versetzte, so sandte man gegen Morgen Boten an den Vertriebenen mit der Bitte, schleunigst in die Stadt zurückzukehren und die Gefahr von ihr abzuwenden. Nach diesen Boten wurden noch andere geschickt und nach diesen wieder andere, so daß schließlich der Bosporus mit Abgesandten ganz bedeckt war. Als das gläubige Volk dieses erfuhr, verstopfte es förmlich mit seinen Segelschiffen den Ausgang der Propontis; denn alle eilten ihm mit brennenden Wachsfackeln entgegen.

Für dieses Mal wurde also die engverbundene Schar seiner Feinde auseinandergesprengt. Aber nach wenigen Monaten fanden sie sich wieder zusammen und forderten Rechenschaft nicht in betreff der früheren falschen Anklagepunkte, sondern wegen des nach der Absetzung gehaltenen Gottesdienstes. Johannes entgegnete, er sei nicht ordnungsgemäß gerichtet worden, habe keine Anklage gehört, habe sich nicht verteidigen können, sei auch nicht in seiner Gegenwart verurteilt, sondern vom Kaiser verbannt und von ihm auch wieder zurückgerufen worden. Seine Feinde beriefen indessen eine neue Synode und verlangten nicht einmal ein geordnetes Rechtsverfahren, sondern redeten dem Kaiser ein, daß das Urteil gesetzmäßig und gerecht gewesen sei, und verbannten ihn nicht nur aus jener Stadt, sondern schickten ihn auch in ein kleines und einsames Städtchen Armeniens mit Namen Kukusus. Auch von dort vertrieben sie ihn wieder und verwiesen ihn nach Pityus, dem äußersten Punkt des Pontus und des römischen Reiches, in der Nähe der wildesten Barbaren. Doch der gütige Herr duldete nicht, daß der ruhmvolle Kämpfer und Sieger bis zu diesem Inselchen geschleppt werde. Denn als er nach Komana gekommen war, nahm er ihn auf in das ewig junge und schmerzlose Leben. Sein Leib aber, der so herrliche Kämpfe bestanden hatte, wurde neben dem Reliquienschrein des Martyrers Basiliscus beigesetzt, wie es der Martyrer im Traume befahl.

Wie viele Bischöfe nun um seinetwillen von ihren Kirchen vertrieben und selbst bis an die äußersten Grenzen des Erdkreises verbannt wurden, wie viele auch von denen, welche die aszetische Lebensweise sich erwählt hatten, dem gleichen Schicksale verfielen, das scheint mir überflüssig zu erzählen und die Darstellung zu sehr in die Länge zu ziehen. Überdies halte ich es für angezeigt, die widerlichen Vorgänge nur kurz zu behandeln und die Fehler der dabei tätigen Personen, da sie gleichen Glaubens mit uns sind, zuzudecken1. Die meisten von ihnen haben auch ihr Unrecht gebüßt und durch ihre Leiden den Übrigen eine nützliche Lehre gegeben.

Dieses Unrecht verabscheuten ganz besonders die Bischöfe Europas; sie trennten sich sogar von der Gemeinschaft der Urheber desselben, und sämtliche Illyrier schlossen sich ihnen an. Die meisten Bischöfe der morgenländischen Städte dagegen vermieden zwar die Teilnahme an dem Unrecht, spalteten aber nicht den Leib der Kirche. Selbst als der große Lehrer des Erdkreises gestorben war, stellten die Bischöfe des Abendlandes die Kirchengemeinschaft mit denen in Ägypten, im Morgenlande, im Bosporus und in Thrazien nicht eher wieder her, als bis diese den Namen jenes ehrwürdigen Mannes in die Liste der verstorbenen Bischöfe aufgenommen hatten. Und den Arsacius, der auf jenen folgte, würdigten sie nicht einmal einer Begrüßung; den Attikus aber, den Nachfolger des Arsacius, der oftmals Gesandte schickte und oftmals um Frieden bat, anerkannten sie erst später, als er den Namen des Heiligen in das Verzeichnis der Bischöfe eingetragen hatte. […]

(Theodoret von Cyrus (393-466) , Bibliothek der Kirchenväter)

Knieender hl. Franziskus, Ausschnitt G. Gasparro

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Damaskus – 25. Januar

Saulus aber noch Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn atmend, ging zum Hohenpriester, und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit, wenn er welche fände, die dieses Weges wären, Männer und Weiber, er sie gefesselt nach Jerusalem führte.

Als er nun auf dem Wege war, und sich Damaskus näherte, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Und er fiel auf die Erde, und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach:

Saulus, Saulus! warum verfolgst du mich?
Er sprach: Wer bist du, Herr? und dieser antwortete: Ich bin Jesus, den du verfolgst; es ist dir hart, wider den Stachel auszuschlagen.

Da sprach er zitternd und staunend: Herr! was willst du, dass ich tun soll? Und der Herr sprach zu ihm: Stehe auf, und gehe in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst!

Die Männer aber, welch mit ihm reisten, standen sprachlos, da sie zwar die Stimme hörten, aber niemanden sahen.

Da stand Saulus von der Erde auf; und als er die Augen auftat, sah er nichts. Sie nahmen ihn also bei der Hand, und führten ihn nach Damaskus. Daselbst war er drei Tage, ohne zu sehen; und er aß nicht, und trank nicht.

Es war aber ein Jünger zu Damaskus, mit Namen Ananias. Zu diesem sprach der Herr in einem Gesichte: Ananias!
Er antwortete: Siehe, Herr, hier bin ich.
Und der Herr sprach zu ihm: Stehe auf, und gehe in die Straße, welche die gerade heißt, und frage im Hause des Judas nach jemanden mit Namen Saulus aus Tarsus; denn siehe, er betet.

(Und er hat einen Mann mit Namen Ananias eintreten, und ihm die Hände auflegen sehen, damit er wieder sehend werde.) Ananias aber antwortete: Herr! ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. Und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle, die deinen Namen anrufen, zu fesseln.

Der Herr sprach zu ihm: Gehe hin! denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen vor Heiden und Könige und die Kinder Israels zu tragen. Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.

Da ging Ananias hin, und trat in das Haus, und ihm die Hände auflegend sprach er: Bruder Saulus! der Herr Jesus, der dir auf dem Wege, auf dem du kamest, erschienen ist, hat mich zu dir gesandt, damit du sehend und mit dem Heiligen Geiste erfüllt werdest.

Und sogleich fiel es wie Schuppen16 von seinen Augen, und er erhielt das Gesicht wieder, stand auf, und wurde getauft.

Dann nahm er Speise, und kam wieder zu Kräften. Er hielt sich aber bei den Jüngern, die zu Damaskus waren, einige Tage auf. Und alsbald predigte er in den Synagogen Jesus, dass dieser der Sohn Gottes sei. Es staunten aber alle, die es hörten, und sprachen: Ist nicht dieser es, welcher in Jerusalem die Jünger verfolgte, die diesen Namen anriefen? und der dazu hierher gekommen ist, um sie zu fesseln und zu den Hohenpriestern zu führen? Saulus aber erstarkte immer mehr, und brachte die Juden, welche zu Damaskus wohnten, in Verwirrung, indem er bewies, dass dieser Christus sei.

Als nun viele Tage verflossen waren, hielten die Juden miteinander Rat, ihn zu töten. Jedoch wurden ihre Anschläge dem Saulus bekannt. Sie bewachten aber Tag und Nacht die Tore, damit sie ihn töteten. Da nahmen ihn die Jünger bei Nacht, und ließen ihn über die Mauer in einem Korbe hinab.

Als er nun nach Jerusalem kam, suchte er sich den Jüngern anzuschließen; aber alle fürchteten sich vor ihm, da sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei. Barnabas aber nahm sich seiner an, führte ihn zu den Aposteln, und erzählte diesen, wie er auf dem Wege den Herrn gesehen, dass dieser zu ihm geredet, und wie er in Damaskus freimütig im Namen Jesu gepredigt habe.

Und er ging mit ihnen in Jerusalem ein und aus, und sprach freimütig im Namen des Herrn. Er redete auch mit den Heiden, und stritt mit den griechischen Juden; diese aber suchten ihn zu töten. Da dieses die Brüder erfuhren, geleiteten sie ihn nach Cäsarea, und entsandten ihn nach Tarsus.

(Apg 9,1-30)

Saulus Damascus Paulus

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Hl. Timotheus – 24. Januar

Gnade, Erbarmung, Friede von Gott dem Vater und Christus Jesus, unserm Herrn.

Ich sage Gott Dank, dem ich von den Voreltern her mit reinem Gewissen diene, wie ich ohne Unterlass deiner eingedenk bin in meinen Gebeten Tag und Nacht, voll Sehnsucht dich zu sehen, wenn ich an deine Tränen denke, damit ich mit Freude erfüllt werden möchte, da ich mir jenen Glauben in die Erinnerung rufe, der ungeheuchelt in dir lebt, und der zuerst in deiner Großmutter Lois und deiner Mutter Eunice wohnte, und, ich bin gewiss, auch in dir.

Deshalb erinnere ich dich, dass du die Gnadengabe Gottes wieder erweckest, welche in dir ist durch die Auflegung meiner Hände. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit, sondern der Stärke und Liebe und Selbstbeherrschung gegeben.

Schäme dich also nicht des Zeugnisses von unserem Herrn, noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide mit für das Evangelium vermöge der Kraft Gottes, der uns errettet und berufen hat durch seine heilige Berufung, nicht zufolge unserer Werke, sondern nach seinem Ratschlusse der Gnade, die uns verliehen worden in Christus Jesus vor ewigen Zeiten.

Jetzt aber ist sie offenbart worden durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus, der den Tod vernichtet, dagegen Leben und Unverweslichkeit an´s Licht gebracht hat durch das Evangelium, für welches ich bestellt bin als Verkünder und Apostel und Lehrer der Heiden. Um dieser Ursache willen leide ich auch solches. Aber ich schäme mich dessen nicht, denn ich weiß, auf wen ich mein Vertrauen gesetzt habe, und ich bin überzeugt, dass er mächtig ist, meine Hinterlage zu bewahren auf jenen Tag.

Das Vorbild heilsamer Worte, welche du von mir gehört hast, bewahre im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus sind.

(Paulus an Timotheus, 1,1-13)

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Antonius – Wüstenvater – 17. Januar

fuga mundi“ – Weltflucht

… darf nicht allein von ihrer negativen Seite betrachtet werden, als Ausscheiden aus der christlichen Gemeinde. Es waren positive, echt biblische Werte, die zu dieser Wüstenläuterung geführt haben. Dabei muss die ganze Entwicklung der Bewegung gesehen werden. Nur selten und zeitlich begrenzt war die völlige Isolierung.

Auch für Antonius galt der Grundsatz:

Leben und Tod des Mönches entscheiden sich
an seiner Haltung zum Mitmenschen.
Wer nicht mit den Menschen leben kann,
kann auch nicht mit der Einsamkeit zurechtkommen.

(Nikolaus Egender OSB, Palästinensisches Mönchtum, Jerusalem 1980/81)

Wer nicht zu unterscheiden versteht,
was das Gute und welcher Art das Böse ist,
dem ist es nicht möglich,
die Guten und die Bösen auseinanderzuhalten.

Denn ein Mensch, der Gott erkennt, ist gut.
Wenn er aber nicht gut ist, weiß er nichts,
noch wird er jemals Gott erkennen.
Die Art und Weise der Erkenntnis Gottes
ist nämlich das Gute.

(Mönchs- und Wüstenvater Antonius)

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Aelred verließ den Dienst des Königs, um in den Dienst Gottes zu treten. – 12. Januar

Aelred (1109-1167) wurde 1134 zum Priester geweiht. Er war Mönch im Zisterzienserkloster in Rievaulx in Yorkshire, England. Sein Ruf als großer Lehrer und Theologe führte zu seiner Wahl zum Abt. Während seiner Amtszeit wurde das Kloster zur Heimat von 650 Mönchen. Ihm wird eine große Freundschaft und Nächstenliebe zugeschrieben.

Als Aelred dafür gesorgt hatte, dass sein Orden der Zisterziensermönche an Zahl und Einfluss in ganz Großbritannien und Nordeuropa zugenommen hatte, wurde er auch „der Heilige Bernhard von England“ genannt.

Er starb nach längerer Krankheit am 12. Januar 1167.
Im Zisterzienserorden wird das Fest des seligen Aelred an diesem Tag begangen.

„Ich spüre, mein Sohn, ich spüre, wie innig, wie leidenschaftlich, mit wieviel Tränen du das in deinen Gebeten von Jesus erfragst, wenn das beseligende Bild des beseligenden Jesus vor den Augen deines Herzens steht, wenn du dir sein wunderschönes Antlitz vorstellst, wenn du seine liebevollen und milden Augen freundlich strahlend auf dich blicken fühlst. Dann, wie mir scheint, rufst du aus tiefstem Herzen: Oh beseligender Jesus, wo warst du? Wo hieltest du dich verborgen? Wo fandest du Aufnahme?“ (Sel. Aelred)

Ruinen der Rievaulx Abbey

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Josef von Nazareth

Josef war ein Mensch,
der etliche Jahre seines Lebens verbrachte, ohne zu wissen,
dass Gott für die Verwirklichung seiner Pläne mit ihm rechnete…

Er lebte ganz normal, wuchs mitten in einer ganz normalen Familie auf, verkehrte mit Freunden und Verwandten, lernte einen Beruf, war froh im Leben und hatte, wie jeder normale junge Mann Zukunftspläne. Und als es für ihn an der Zeit war, sich nach einer schönen Frau umzuschauen, verliebte er sich in Maria, war glücklich und träumte wie jeder Verliebte von der Liebe zueinander. Er war ein „prächtiger Kerl“, wie man heute sagen würde, kam bei den Menschen gut an, war friedlich und gut gelaunt, hatte mit niemandem Streit, war gütig, war – wie sein Leben später zeigen wird – flexibel und besaß einen wachen Verstand. Er lebte in Freude und Einfachheit des Herzens, genoss alle persönlichen Vorzüge, über die er verfügte, machte sich aber keine tiefer gehenden Gedanken darüber, warum ihm alles glückte.

Josef war mit sich, mit Gott und mit der Welt zufrieden.

Dass er eine Aufgabe von Gott erhalten sollte, das ging ihm nicht einmal durch den Kopf, ebenso wenig, dass seine Eigenschaften sowie die Umstände seines Lebens in Zusammenhang mit einer konkreten Berufung Gottes stehen könnten. Also: Dass Gott an ihn seit der Grundlegung der Welt gedacht und ihm eine Aufgabe in seinem Plan zur Erlösung der Welt zugedacht hatte, davon wusste Josef nichts und ahnte auch nichts davon. Die Zeit ging ins Land; Josef lebte ganz normal, erfüllte seine Pflichten, arbeitete, träumte. Er war auch sicher fromm und erfüllte seine religiösen Pflichten, betete und glaubte an den Gott Israels. Er war ein rechtschaffener Mensch und mit Gott und der Welt im Einklang. Das war seine Welt.

Von Gott her gesehen stand seine Person in einem größeren Licht.

Von Gott her war Josef der Mann, der Jesus als Vater dienen sollte. Eine fürwahr enorm große Aufgabe! Nur – er wusste das nicht! Irgendwann aber erfuhr er es. Und dann kam für ihn seine Stunde: die Stunde der Annahme oder der Ablehnung seiner Berufung. Josef hätte „Nein“ sagen können. Er war frei. Darum ist seine Entscheidung für Gott so wertvoll. Wir wissen, wie er zu einer positiven Entscheidung gekommen ist. Als er die Schwangerschaft Marias bemerkte, wollte er sich zurückziehen und seine Frau in aller Stille entlassen. Er hat also eine Krise durchgemacht und sie mit Gottes Hilfe überstanden.

Josef lebte lange Zeit lebte, ohne zu wissen, dass er von Gott berufen worden war.

[…] dass er aber eine konkrete Aufgabe von Gott erhalten würde, das wusste er nicht, bis ein Engel Gottes ihm dies im Traum klar machte. In diesem Sinn ist Josef ein Leuchtturm gerade für die Christen unserer Zeit, für uns, die wir im 21. Jahrhundert leben. Denn die meisten Christen heute wissen noch nicht, dass sie von Gott berufen worden sind […].

(vgl. Cesar Martinez. Josef, zu Großem berufen)

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Heilige Lucia von Syrakus – 13. Dezember

Die heilige Lucia war eine edle Jungfrau in der Stadt Syrakus. Ihre Mutter hatte Blutfluss und kein Arzt konnte ihr helfen. Deshalb wallfahrteten Mutter und Tochter nach Catania an das Grab der hl. Agatha.
Im Gebet erschien Agatha der Heiligen und sprach :
„Meine Schwester, waren verlangst du von mir, was du selbst sogleich deiner Mutter gewähren kannst? Dein Glaube hat sie geheilt!“
Gesund kehrten beide nach Syrakus zurück.

In ihrer Freude erreichte Maria von ihrer Mutter, dass sie ihre Mitgift zum Dank gegen Gott an die Armen verschenken durfte. Auch legte sie das Gelübde der Keuschheit ab. Der enttäuschte Bräutigam, ein heidnischer Jüngling, war darüber so erbost, dass er sie beim Statthalter Paschasius als Christin anzeigte. Als Paschasius sie verhörte, gab Lucia ihm die kühnen und geraden Antworten, die die Christen der Verfolgungszeit auszeichnen. Darum lautete sein Urteil, Lucia solle in ein öffentliches Haus gebracht werden, auf dass sie ihre Keuschheit verliere und der Heilige Geist, der sie, wie Lucia dem Richter gesagt hatte, erleuchte, von ihr weiche.

Die Heilige wurde sofort von jener Kraft und Gnade des Heiligen Geistes so schwer, dass man sie, wie einen unbeweglichen Felsen, nicht von der Stelle bewegen konnte. Nun errichtete man einen Scheiterhaufen, doch auch Feuer und siedendes Öl, mit dem man die Jungfrau übergoss, taten ihr keinen Schaden.

Da bekam der Statthalter große Angst und befahl, sie mit einem Dolch zu töten. Mit dem Dolch in Hals hat sie noch so lange gelebt, bis sie die hl. Kommunionempfangen hat. Danach starb sie.

Ihr Fest wird vor allem in Schweden gefeiert; doch als „Lichtträgerin“ erinnert dies an heidnische Bräuche.

Gebet
Erhöre uns, o Gott, unser Heil,
und wie wir uns des Festes
Deiner heiligen Jungfrau und Martyrin Lucia
freuen, so lass uns auch in der Gesinnung
kindlicher Hingabe geschult werden.

Santa Lucia – Museum Hof van Busleyden, Mechelen

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Heiliger Apostel Andreas – 30. November

Der heilige Andreas ist Schutzpatron Russlands.

Nach der Herabkunft des Heiligen Geistes warfen die Apostel Lose, wer in welches Land gehen sollte, um das Evangelium zu predigen. Dem Heiligen Andreas fielen die Länder zu, welche längs der Küste des Schwarzen Meeres lagen, der nördliche Teil der Balkanhalbinsel und Skythien, d.h. das Land, auf welchem sich später Russland herausbildete.

Nach der Überlieferung predigte der Apostel Andreas auf der Halbinsel von Tauris, kam dann den Dnjepr entlang hoch in den Norden und gelangte an den Ort, wo später Kiew entstand.

“Glaubt mir”, sagte der Apostel seinen Jüngern, “dass auf diesen Bergen die Gnade Gottes erstrahlen wird: hier wird eine große Stadt sein, der Herr wird dieses Land durch die heilige Taufe erleuchten, und viele Kirchen hier erbauen”. Hernach segnete der Apostel Andreas die Kiewer Berge und errichtete auf einem von ihnen ein Kreuz, weil er die Annahme des Glaubens durch die zukünftigen Bewohner Russlands voraussah.

Die Russische Kirche, die den Glauben von Byzanz empfing, deren Bischöfe ihre Nachfolge auf den Apostel Andreas zurückführen, zählt sich selbst auch zu seinem Erbe. Deshalb wurde das Gedächtnis des heiligen Andreas des Erstberufenen so festlich begangen im vorrevolutionären Russland. Zar Peter I. stiftete zu Ehren des Apostels Andreas einen erstrangigen und höchsten Orden, welcher zur Belohnung hoher Staatsbeamter verliehen wurde. Seit den Zeiten Peters machte die russische Flotte die Andreasflagge zu ihrem Banner, ein blaues Andreaskreuz auf weißem Grund, in deren Schatten die Russen viele Siege errangen.

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Hl. Petrus von Alcántara – 19. Oktober

Petrus (1499-1562) wurde zu Alcantara in Spanien von vornehmen Eltern geboren. Schon im zarten Kindesalter ließ er seine spätere Heiligkeit erkennen. Mit 16 Jahren trat er in den Orden der Minderbrüder ein und ward ein Beispiel aller Tugenden. Im Gehorsam übernahm er das Predigtamt und führte unzählige Menschen von der Sünde zu wahrer Buße.

Er wollte die ursprüngliche Regel des heiligen Franziskus wieder voll und ganz zur Geltung bringen und gründete darum im Vertrauen auf Gottes Hilfe mit Zustimmung des Papstes ein ganz bescheidenes, armes Kloster bei Pedrosa. Die strenge Lebensweise, die er für seine Gemeinschaft der Discalceaten (Reformkongregation – OFMDisc) einführte, hatte es bisher noch nicht gegeben. Die Brüder lebten in kleinen Zellen, gingen auch im Winter barfuß, schliefen auf dem Boden oder auf Brettern und aßen weder Fleisch und Fisch noch Eierspeisen. Trotzdem verbreitete sich diese Bewegung in vielen Gegenden Spaniens bis hin nach Indien.

Der heiligen Teresia von Jesus (Avila), deren Geist Petrus zu prüfen hatte, stand er bei der Reform des Karmeliterordens helfend zur Seite. Sie erfuhr auch von Gott, dass niemand unerhört bleibt, der in Petri Namen um etwas bittet; darum empfahl sie sich oft seinem Gebete und nannte ihn schon bei seinen Lebzeiten einen Heiligen.

Petrus von Alcantara legte sich selbst die strengsten Regeln auf. Fast täglich geißelte er sich und schlief nachts nur eineinhalb Stunden im Sitzen. Auf seinem Körper trug er ein Hemd aus scharfem Blech. Ihm wurden mystische Gnadenbeweise zuteil.

Obgleich Petrus von Alcantara ein extremes Leben führte, gehörte er zu den bedeuteten Persönlichkeiten seiner Zeit und hatte großen Einfluss auf alle Gesellschaftsschichten.

Ein Mann für die heutige Zeit!

Foto Wikimedia: Melchor Pérez de paz (1660–1732) – Saint Peter of Alcántara and Saint Teresa

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