Hl. Bernhard von Clairvaux – 20. August

„Der heilige Bernhard von Clairvaux […] gehört sicher zu den größten religiösen Gestalten des Mittelalters. Er wurde um 1090 in Fontaines in Burgund geboren, besuchte die Schule der Stiftsherren von Saint-Vorles und trat mit etwa 20 Jahren mit einer Reihe von Gefährten in das Reformkloster Cîteaux ein. Bereits im Jahr 1115 erhielt Bernhard den Auftrag, ein Tochterkloster in Clairvaux zu errichten. Er wurde der erste Abt dieser Niederlassung und gründete von dort aus weitere 68 Klöster. Bernhard war ein begnadeter Prediger und Schriftsteller. Seine Werke zeichnet eine hohe literarische Qualität aus. Die Tradition hat ihn als Doctor mellifluus bezeichnet, als Lehrer, dessen Rede süß wie Honig fließt. Dies bezieht sich nicht nur auf seine sprachliche Begabung, sondern vor allem auf den Inhalt seiner Werke: sie sind ganz auf Gott ausgerichtet. Die wahre Gotteserkenntnis besteht für Bernhard nicht in einer denkerischen Leistung, sondern in der persönlichen Erfahrung der Liebe Christi. Und das Geschöpf vermag mit seiner persönlichen kleinen Liebe dem Schöpfer zu antworten. Sie ist geringer als die göttliche Liebe, und doch ist sie vollkommen, wenn sie ganz geschenkt wird. Maria hat diese Liebe in beispielhafter Weise zum Ausdruck gebracht. Bernhard hat keinen Zweifel daran, daß wir durch Maria zu Jesus geführt werden. Von ihr können wir lernen, Jesus nahe zu sein, und wir dürfen sie bitten, uns auf dem Weg mit Christus zu begleiten.“ (Papst Benedikt XVI. 2009)

Es entspricht Bernhards innerstem Wesen, wenn Jesus selbst sich ihm in liebevoller Umarmung vom Kreuz herab zuneigt.

Bernhard von Clairvaux, Christusminne. Oberschönenfeld.

„In seinem geliebten Sohn hat Gott dich schon vor der Grundlegung der Welt gesucht und geliebt. Der vor dir ist, hat dich mit seiner Güte zuerst gesucht und geliebt. Du würdest ihn weder suchen noch lieben, wenn du nicht schon zuvor gesucht und geliebt worden wärest. Einzig der liebevollen Zuneigung erschließt sich das, nicht dem Verstand; du erfährst es, wenn dein Wille sich von ihm umarmen lässt und du in der Gleichförmigkeit der Liebe mit ihm übereinstimmst.“ (hl. Bernhard)

Siehe auch hier.

+

 

Werbeanzeigen

Heilige Klara von Assisi – 12. August

Morgen, das Fest der heiligen Klara, der Gründerin der Klarissen.

Chiara di Favarone kam um 1194 in der umbrischen Stadt Assisi (Italien) als älteste Tochter des Grafen di Favarone und seiner ebenfalls adligen Frau Ortolana zur Welt. Im Verlauf von Auseinandersetzungen zwischen dem Adel und dem aufstrebenden Bürgertum musste die Familie 1202 vorübergehend nach Perugia fliehen. Klara sowie ihre jüngeren Schwestern Agnes und Beatrice erhielten durch ihre Mutter Ortolana eine für die damalige Zeit ausgezeichnete Ausbildung, in Latein, Lesen und Schreiben und in den verschiedensten handarbeitlichen Künsten. Von frühester Kindheit an war in Klara eine tiefe Frömmigkeit bemerkbar, welche durch den Einfluss der frommen Mutter noch gefördert wurde. Doch ihr klares und reines Herz dürstete nach mehr.

Die Vorsehung kam der heiligen Klara in der Gestalt des heiligen Franziskus entgegen. Nach einer Predigt des zwölf Jahre älteren Franziskus im Dom zu Assisi entschloss sich Klara, ihr Leben ganz Gott zu weihen. Klara nahm mit Franziskus Kontakt auf, der sie in ihrem Vorhaben bestärkte und ihr seine Unterstützung zusagte. Zudem berieten sie sich mit dem Bischof von Assisi.

Am Palmsonntag, dem 18. März 1212, gab der Bischof im Dom von Assisi Klara einen Palmzweig als Zeichen seiner Zustimmung zu ihrer Entscheidung. Weil ihre Eltern niemals ihre Einwilligung gegeben hätten, verließ sie heimlich in der folgenden Nacht ihr Elternhaus und eilte mit ihrer Verwandten und Freundin Pacifica hinunter in die Ebene nach Portiuncola. Dort kniete sich die heilige Klara vor dem Altar nieder und versprach dem heiligen Franziskus den Gehorsam. Daraufhin schnitt der heilige Franziskus ihr eigenhändig die schönen langen Haare ab. Klara legte die kostbaren Gewänder und ihren Schmuck ab und erhielt vom heiligen Franziskus eine grobe, schlichte und ungefärbte Kutte, wie sie die Minderbrüder trugen.

Franziskus brachte Klara noch in derselben Nacht zum Benediktinerinnenkloster „San Paolo delle Abbadesse“ bei Bastia, etwa eine Wegstunde westlich von Assisi entfernt, wo sie fürs erste Asyl fand. Ihre Angehörigen konnten sie weder mit guten Worten, Versprechungen, Schmeicheleien, noch mit Gewalt zurückbringen. Sie floh zum Altar, umfasste ihn und enthüllte zum Zeichen ihrer Weihe an Gott ihr geschorenes Haupt. Daraufhin liess man sie in Frieden.

Es war aber nicht die Berufung der heiligen Klara, Benediktinerin zu werden. Der Herr selbst hatte bereits ein eigenes Charisma in ihr Herz gelegt. Der heilige Franziskus führte sie vorübergehend zur Kirche von „Sant’Angelo in Panzo“. Nach einigen Wochen zog Klara im April 1212 mit ihrer jüngeren Schwester Agnes und ihrer Freundin Pacifica, die sich ihr bereits angeschlossen hatten, nach S. Damiano. Dort entstand allmählich das erste franziskanische Frauenkloster, die Klarissen. Die Schwesterngemeinschaft wuchs schnell. Es schlossen sich ihr weitere junge Frauen aus den vornehmsten Geschlechtern Assisis und seiner Umgebung an, selbst die inzwischen verwitwete Mutter Ortolana, ihre Schwester Agnes und Beatrice sowie die Hausgenossinnen Filippa, Benvenuta und Christiana und die Freundin Pacifica. Unglaublich sind die Wege des Herrn: Der Herr verlangte zuerst von ihr das Opfer, ihre Familie zu verlassen, und schenkte sie ihr dann auf eine neue, viel innigere Weise wieder.

Anfangs trug die Gemeinschaft den Namen „Arme Frauen von San Damiano“ („pauperes Dominae de San Damiano“).

Ab dem Jahre 1215 leitete die heilige Klara, im Gehorsam gegenüber dem heiligen Franziskus, als Äbtissin die Gemeinschaft. Sie wollte jedoch nicht als Äbtissin im damaligen Sinne „regieren“, sondern ihr ganzes Streben ging dahin, ihren Schwestern zu dienen und ihnen Mutter zu sein. In ihren Briefen bezeichnete sie sich wiederholt als „demütigste und unwürdige Magd Christi und Dienerin der Armen Schwestern“. Oft ging sie als Letzte zu Bett, in kalten Nächten schaute sie nach ihren Schwestern, ob sie genügend zugedeckt waren, selber betete sie nachts lange, stand als Erste auf, weckte die Schwestern und rief sie zum kirchlichen Lobgebet.

Clara von Assisi 1194-1253. Fresko von Giotto, Ausschnitt.

Während ihrer langjährigen Krankheit (die heilige Klara war die letzten 29 Jahre ihres Lebens bettlägerig), ließ sie sich auf ihrem Lager aufrichten und mit Kissen stützten; sie wollte weiterhin, soweit es ihr noch möglich war, den Schwestern dienen. Im Bett sitzend fertigte sie eigenhändig feinste Kirchenwäsche an (Alben, Purificatori, Corporale, etc.), die zum Teil noch heute in S. Chiara zu sehen sind. Genauso wie dem heiligen Franziskus lag ihr die würdige Ausstattung der Kirchen sehr am Herzen. Die Tradition, schöne Kirchenwäsche in Handarbeit herzustellen, wird in unserer Gemeinschaft weiterhin gepflegt.

Niemand verstand Franziskus in seinem Charisma tiefer, als die heilige Klara. Er war ihr Lehrer und geistiger Führer, dennoch besuchte er die „Armen Frauen“ von S. Damiano nicht oft, so dass er sich sogar den Tadel seiner Gefährten zuzog. Ihm war bewusst, dass Seelenverwandtschaft ganz dem Herrn gehörte, er hatte Ehrfurcht vor dem „Geheimnis des Königs“ und wusste, dass er nicht zwischen Braut und Bräutigam stehen dürfe. Die räumliche Trennung hinderte sie aber nicht, sich gegenseitig in ihrer je eigenen Berufung geistig zu bestärken.

Durch das flehentliche Bitten der heiligen Klara gedrängt, suchte der heilige Franziskus, von den Wundmalen Christi gezeichnet, im März 1225 Klara in S. Damiano auf und verfasste dort in einer kleinen Klause seinen berühmten „Sonnengesang“. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Sonnengesang nicht in einer Hochstimmung des Gemütes geschrieben wurde, wie man meistens annimmt, sondern in schwerer Krankheit und innerer Trübsal. In seinem eigenen Unvermögen forderte er die ganze Schöpfung zum Lob Gottes auf „weil wir unseren Schöpfer und Spender alles Guten nicht loben, wie wir müssten“. Das Beten und Singen dieses Lobpreises behielt er bis zu seinem Lebensende am 3. Oktober 1226 bei und lehrte ihn auch seinen Brüdern.

Das wohl bekannteste Ereignis im Leben der heiligen Klara ereignete sich im September 1240. Bedroht durch die Sarazenen nahm die heilige Klara in ihrem lebendigen Glauben Zuflucht zum Allerheiligsten und rief ihre Schwestern dort zum Gebet zusammen. An einem gewissen Moment erhob sich die heilige Klara und ließ das Allerheiligste bis zum Fenster des Refektoriums vor sich her tragen: Durch das Eingreifen Gottes zogen die Sarazenen fluchtartig von Assisi ab! Noch heute findet daher jährlich am 22. Juni ein feierliches Erinnerungsfest statt, an dem auch der Bischof, das Domkapitel und die Stadtregierung teilnehmen. Als einzige Heilige in der Katholischen Kirche wird die heilige Klara mit dem Attribut des Allerheiligsten dargestellt. Dies ist nicht nur auf die Sarazenenvertreibung zurückzuführen, sondern in ihrer besonderen Verehrung für den Eucharistischen Herrn begründet.

1247 begann Klara selber eine Ordensregel für die Schwestern in S. Damiano zu schreiben. Als Papst Innozenz IV. Klara, deren Kräfte nach 29 Jahren schwerer Krankheit zusehends schwanden, in S. Damiano besuchte, bat sie ihn um die ersehnte Approbation ihrer Ordensregel. Am 9. August 1253 erschien tatsächlich die feierliche Bestätigungsbulle des Papstes Innozenz IV.: Der Herr gewährte ihr noch diesen großen Trost, verbunden mit der Bestätigung des „Privilegium Paupertatis“. Die heilige Klara küsste voll Freude das päpstliche Dokument und starb zwei Tage darauf, am 11. August, mit der Regel in ihren Händen.

Die heilige Klara wurde in der Kirche San Giorgio in Assisi beigesetzt, wo man 1226 auch Franziskus vorübergehend bestattet hatte. Die Gebeine Klaras bettete man daraufhin 1260 in die Krypta der Basilika Santa Chiara um. Bereits zwei Jahre nach ihrem Tod am 15. August 1255 wurde sie heiliggesprochen. Es bewahrheitete sich die Prophezeiung, die Mutter Ortolana bereits vor der Geburt über ihre Tochter Chiara (=hell, leuchtend) erhalten hatte: „Du wirst ein großes Licht zur Welt bringen, das die ganze Welt erleuchten wird“. Und heute strahlt sie wahrhaftig mit ihrem Beispiel und ihrer wirksamen Fürbitte in die ganze Welt hinaus.

Thomas von Celano beschrieb 1255/56 in der „Legenda sanctae Clarae virginis“ auch das Leben und Werk Klaras.

Die besonderen Merkmale der Klarissen-Kapuzinerinnen als Reformbewegung der Klarissen waren: Ein strenges, durch die Klausur von der Welt abgeschlossenes Leben in höchster Armut, ohne Mitgift und Besitz, in Einfachheit der schwesterlichen Gemeinschaft, vor allem aber in eifrigem Gebet bei Tag und bei Nacht (aus den Konstitutionen).

+

 

Festtag des heiligen Ignatius von Loyola – 31. Juli

Soli Deo gloria

Alles zu größerer Ehre Gottes

Nimm hin, Herr, und empfange meine ganze Freiheit,
mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen,
meine ganze Habe und meinen Besitz;
Du hast es mir gegeben, Dir, Herr, gebe ich es zurück;
Alles ist Dein, verfüge nach Deinem ganzen Willen;
Gib mir Deine Liebe und Gnade, das ist mir genug.

+

 

Maria Magdalena verkündete es den Jüngern – 22. Juli

„Man hat meinen Herrn weggenommen.“

Am ersten Tag der Woche ging Maria Magdalena zum Grabe früh am Morgen, als es noch dunkel war; sie sah, daß der Stein vom Grab weggewälzt war.

Sie lief zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, zu dem, den Jesus liebte, und sprach zu ihnen: „Man hat den Herrn aus dem Grabe weggenommen, wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ Da gingen Petrus und der andere Jünger hin und kamen zum Grabe. Sie beide liefen miteinander hin; aber der andere Jünger lief schneller als Petrus und kam zuerst am Grab an. Er beugte sich vor und sah die Linnentücher daliegen, ging aber nicht hinein. Darauf kam Simon Petrus nach ihm an und ging ins Grab hinein. Er sah die Linnentücher daliegen und auch das Schweißtuch, das auf seinem Haupte gelegen hatte. Dieses lag nicht bei den Linnentüchern; vielmehr lag es gefaltet für sich besonders. Jetzt ging der andere Jünger, der zuerst am Grabe angekommen war, auch hinein, er sah und glaubte. Denn noch hatten sie die Schrift nicht verstanden, daß er von den Toten auferstehen müsse. Die Jünger gingen dann nach Hause.

Maria aber stand am Grabe draußen und weinte. Wie sie so weinte, neigte sie sich in das Grab hinein.

Und da erblickte sie zwei Engel dasitzen in weißen Kleidern, den einen zu Häupten und den anderen zu Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Sie fragten sie: „Weib, was weinst du?“. Sie sprach zu ihnen.

„Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.“

Dann wandte sie sich um und sah, wie Jesus vor ihr stand; sie wußte aber nicht, daß es Jesus war.

Und Jesus sprach zu ihr: „Weib, was weinst du? Wen suchst du?“ Im Glauben, es sei der Gärtner, gab sie ihm zur Antwort: „Herr, wenn du ihn fortgetragen hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast; alsdann will ich ihn holen.“ Jesus sprach zu ihr: „Maria“. Da wandte sie sich um und sprach zu ihm hebräisch: „Rabboni“ – d.h. Meister.

Doch Jesus sprach zu ihr: „Halte mich nicht fest: noch bin ich nicht zum Vater aufgefahren. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: ‚Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott‘.“

Da ging Maria Magdalena hin und verkündete den Jüngern, sie habe den Herrn gesehen, und das habe er zu ihr gesagt.

Joh 20, 1-18

+

 

Hl. Vinzenz von Paul – 19. Juli

Der große heilige Vinzenz von Paul ist sicher einer der meist verkannten Heiligen der Kirche. Hinter seinem Namen werden bis zum heutigen Tag weltweit täglich Millionen von Euro umgesetzt. Barmherzigkeit. Dabei hat er nie gesagt, Gott lieben bedeute, man solle viel Geld verdienen, sondern Gott lieben heißt für die Mitmenschen schwitzen.

Euer erster Gedanke beim Aufstehen soll Gott gelten.
Bringt ihm all eure Gedanken, all eure Worte
und Werke des kommenden Tages dar.
Fasst den Vorsatz nichts zu tun,
was ihm missfallen könnte.

Vinzenz von Paul (24. April 1581 – 27. September 1660) wirkte in Paris. Er wurde bereits wenige Jahrzehnte nach seinem Tod von Papst Klemens XII. 1737 heiliggesprochen. Sein Feiertag im traditionellen katholischen Kalender ist der 19. Juli.

Der heilige Vinzenz von Paul war von Geburt ein Franzose; er wurde zu Puy unweit von Dax in Aquitanien geboren. Schon von Kind an offenbarte er eine hervorragende Liebe zu den Armen. Von der Weide der Herde seines Vaters weg wurde er zum Studium berufen. Die allgemeine Bildung empfing er zu Aix, die theologische zu Toulouse und Saragossa. Nachdem er die heilige Priesterweihe empfangen und den theologischen Doktorgrad erworben hatte, geriet er in die Gewalt der Türken, die ihn gefangen nach Afrika schleppten. Doch in der Gefangenschaft gewann er seinen Herrn wieder für Christus. Mit ihm entfloh er unter dem Beistand der Gottesmutter aus dem Lande der Barbaren und pilgerte zu den Gräbern der Apostel. Von dort kehrte er nach Frankreich zurück und verwaltete zunächst die Pfarrei Clichy, dann Chatillon. Vom König wurde er zum Hauptseelsorger für die Geleerensträflinge in Frankreich ernannt. Es ist staunenswert, mit welchem Eifer er sich um das Seelenheil der Führer und der Ruderknechte bemühte. Vom heiligen Franz von Sales wurde er mit der Leitung der Schwestern von der Heimsuchung betraut. Fast 40 Jahre lang trug er dieses sorgenvolle Amt und tat es mit einer solchen Klugheit, daß er in hohem Maße das Urteil dieses heiligen Bischofs bestätigte. Dieser gestand nämlich, er kenne keinen würdigeren Priester als Vinzenz.

Unermüdlich widmete er sich bis ins hohe Greisenalter dem Unterricht der Armen, insbesondere der Bauern. Zu diesem apostolischen Werk verpflichtete er sich und die Mitglieder der Genossenschaft, die er unter dem Namen Missionspriester gründete, ganz besonders durch ein ewiges Gelübde, das von Apostolischen Stuhle bestätigt wurde. Was er für die bessere Ausbildung des Klerus gearbeitet hat, das bezeugen die Seminarien, die er für die älteren Kleriker errichtete, die häufigen Besprechungen der Geistlichen über göttliche Dinge und die geistlichen Übungen vor dem Empfang der heiligen Weihe. Für diese wie auch für die Einkehr der Weltleute sollten die Häuser seiner Genossenschaft gern offenstehen. Zur Förderung des Glaubens und der Frömmigkeit sandte er zudem Arbeiter für das Evangelium nicht nur in die Provinzen Frankreichs, sondern auch nach Italien, Polen, Schottland, Irland, selbst zu den Barbaren und Indern. Nach dem Tode Ludwigs XIII., dem er als Tröster beim Sterben beistand, wurde er von der Königin Anna von Österreich, der Mutter Ludwigs XIV., in den Kronrat berufen. Mit größtem Eifer wirkte er nun darauf hin, daß nur die Würdigsten mit der Leitung der Kirchen und Klöster betraut wurden, daß die Streitigkeiten unter den Bürgern, die Duelle, die umherschleichenden Irrlehren unterdrückt wurden – er brauchte nur von Irrlehrern zu hören, da bekam er einen Schrecken – und daß den Anordnungen des Papstes von allen der schuldige Gehorsam geleistet wurde.

Es gab keine Not, der er nicht wie ein Vater begegnet wäre. Die unter dem Joch der Türken schmachtenden Gläubigen, verlassene Kinder, ungeratene Söhne, gefährdete Jungfrauen, vertriebene Klosterfrauen, gefallene Frauen, zu den Galeeren Verurteilte, kranke Pilger, arbeitsunfähige Handwerker, selbst Geistesschwache und unzählige Bettler, sie alle nahm er in seine heute noch bestehenden Zufluchtshäuser und Hospitäler auf und sorgte liebevoll für sie. Lothringen, der Champagne, der Picardie und anderen durch Pest, Hunger und Krieg heimgesuchten Ländern brachte er reiche Hilfe. Er gründete zahlreiche Vereinigungen, die die Armen aufsuchen und unterstützen sollten, darunter die berühmte Vereinigung von Frauen und die weit verbreitete Schwesterngenossenschaft, barmherzige Schwestern genannt. Er gab auch den Anstoß zur Gründung der Schwestern vom heiligen Kreuz, von der göttlichen Vorsehung und von der heiligen Genovefa zur Erziehung des weiblichen Geschlechtes. Bei diesen und noch anderen wichtigen Unternehmungen war sein Geist allzeit auf Gott gerichtet; gegen alle war er freundlich, sich selbst stets gleich, schlicht, aufrichtig, demütig, Ehrungen, Reichtümern und Vergnügungen stets abhold.

Man hörte ihn sagen, nichts könne ihm gefallen außer in Jesus Christus, den er in allen Dingen nachzuahmen suchte. Durch seine Abtötungen, seine Arbeiten und durch das Alter aufgerieben, starb er schließlich eines sanften Todes am 27. September im Jahre des Heils 1660 im Alter von 85 Jahren zu Paris im Hause des heiligen Lazarus, dem Hauptsitz der Missionskongregation. Durch seine Tugenden, seine Verdienste und durch Wunder war er berühmt. Klemens XII. nahm ihn unter die Heiligen auf und setzte sein Fest auf den 19. Juli fest. Leo XIII. aber bestellte diesen hervorragenden Helden der Gottesliebe, der sich um jeden Stand der menschlichen Gesellschaft hochverdient gemacht, auf Bitten vieler Bischöfe zum besonderen Patron bei Gott für alle Vereinigungen der christlichen Nächstenliebe in der ganzen katholischen Welt, die irgendwie auf ihn zurückgehen.

Oration:

Gott, Du hast den heiligen Vinzenz mit apostolischer Kraft ausgerüstet, so daß er den Armen das Evangelium verkünden und die Würde des geistlichen Standes heben konnte; gib, wir bitten Dich, daß wir, die wir seine frommen Verdienste ehren, auch durch sein Tugendbeispiel uns belehren lassen; durch unsern Herrn.

+

 

Thomas Morus, Märtyrer – 9. Juli

Thomas Morus (More) war der Sohn eines Richters und kam durch Protektion des Lordkanzlers und Erzbischofs von Canterbury zum Studium nach Oxford. 1501 schloss er sein juristisches Studium ab.

Der erfolgreiche Rechtsanwalt prüfte ein Jahr lang seine mögliche Berufung zum geistlichen Stand in der Londoner Kartause, wurde 1504 Parlamentsmitglied und gründete eine Familie.

Thomas Morus machte sich einen Namen als Undersheriff (Richter) von London sowie als Rechtslehrer, – weltweit besonders aber als Humanist, Satiriker und Schriftsteller. König Heinrich VIII. förderte seine Karriere, schlug ihn 1521 zum Ritter und ließ sich von ihm bei einer Schrift gegen Luther helfen, die ihm und allen englischen Monarchen nach ihm den päpstlichen Ehrentitel „Verteidiger des Glaubens“ eintrug.

1529 wurde Thomas Morus Lordkanzler, weil sein Vorgänger die Annullierung der Ehe des Königs nicht zuwege gebracht hatte. Als Heinrich VIII. die Lösung der englischen Kirche von Rom betrieb und von den Geistlichen seine Anerkennung als Kirchenoberhaupt verlangte, trat er von seinem Amt zurück.

1534 verlangte das Parlament von allen Inhabern öffentlicher Ämter, die Kinder aus Heinrichs zweiter Ehe als legitim anzuerkennen. Diesen Eid verweigerte Morus, weil ihn sein Gewissen an die Unauflöslichkeit der Ehe band und weil er den Zugriff des Königs auf die Rechte der Kirche als unrechtmäßig ablehnte.

Gemeinsam mit Bischof John Fisher von Rochester wurde er eingekerkert, des Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt. – Am 6. Juli 1535 wurde Thomas Morus enthauptet.

Hl. Thomas Morus (7. Februar 1478, hingerichtet am 6. Juli 1535)

+