Papst Pius X. – 3. September

„Was ist wohl das Erste, womit hasserfüllte Glaubensfeinde ihre Irrtümer nach allen Seiten zu verbreiten suchen und leider bei vielen den Glauben erschüttern? Sie leugnen, dass der Mensch gefallen sei, gesündigt habe und so seiner ehemaligen Stellung verlustig gegangen sei. Deshalb sind für sie die Erbsünde und alle ihre schlimmen Folgen rein erdichtete Märchen, ebenso die Sündhaftigkeit und die Verderbtheit des Menschengeschlechtes in seiner Wurzel und ihre Ausdehnung auf alle Nachkommen. Nicht weniger belächeln sie die Tatsache, dass dieses Übel alle Menschen erfasste und so einen Erlöser notwendig machte. Die natürliche Folge solcher Voraussetzungen aber ist die, dass es für Christus, für die Kirche, für Gnade und eine übernatürliche Ordnung keine Daseinsberechtigung mehr in der Welt gibt. Mit einem Worte, das ganze Gebäude des Glaubens ist dadurch völlig unterhöhlt. – Wenn hingegen die Menschen gläubig bekennen, dass Maria, die Jungfrau, im ersten Augenblick ihrer Empfängnis von allem Sündenmakel frei geblieben ist, so bedeutet das ebenso viel, wie die Erbsünde, die Erlösung durch Christus, das Evangelium, die Kirche und selbst das Gesetz des Leidens zugeben und annehmen. Dann ist aber auch dem Rationalismus und dem Materialismus jeder Grund entzogen, und die christliche Weltanschauung darf rühmend für sich in Anspruch nehmen, die Wahrheit verteidigt und geschützt zu haben.“

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Bernardus: Denke an Maria

Mitten in Gefahren, Nöten und Unsicherheiten
denke an Maria,
rufe Maria an.

Ihr Name weiche nicht aus deinem Mund,
weiche nicht aus deinem Herzen!
Damit du aber ihre Hilfe und Fürbitte erlangst,
vergiss nicht, ihr Vorbild nachzuahmen.

Folge ihr,
dann wirst du dich nicht verirren.
Rufe sie an,
dann kannst du nicht verzweifeln,
denk an sie,
dann irrst du nicht.
Hält sie dich fest,
dann kannst du nicht fallen.
Schützt sie dich,
dann fürchte nichts!
Führt sie dich,
wirst du nicht müde.
Ist sie dir gnädig,
dann kommst du sicher ans Ziel!

Hl. Bernhard von Clairvaux
(In laudibus Virginis Matris, Hom. 2,17)

ADVOCATA – Marien-Ikone Dominikanerinnenkloster Monte Mario, Rom. – Foto Paul Badde

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Der Pfarrer von Ars

Jean-Marie Vianney

In den Jahren seines Wirkens als Pfarrer an diesem Ort, von 1827 bis zu seinem Tod 1859, kamen nicht weniger als zwei Millionen Pilger hierher, um ihn zu sehen, bei ihm zu beichten, um sein Gebet zu bitten und um seinen Rat zu fragen, vielleicht gar eines seiner Wunder mitzuerleben und etwas vom Geist dieses Ortes mitzunehmen.

Das Foto zeigt die berühmten Skulptur des Heiligen, ihn dieser Szene: Am 9. Februar 1818 kommt Pfarrer Vianney nach Ars. Unterwegs trifft er einen Jungen. Er sagt zu ihm:

„Du zeigst mir den Weg nach Ars und
ich zeige dir den Weg in den Himmel.“

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Maria Magdalena – 22. Juli

Die erste Zeugin der Auferstehung des Herrn und die erste Evangelistin, die heilige Maria Magdalena, wurde von der Kirche im Westen und im Osten immer mit höchster
Ehrfurcht geachtet, wenn sie auch auf verschiedene Weise verehrt wurde.

Da die Kirche zu unseren Zeiten berufen ist, eindringlicher über die Würde der Frau, über die Neuevangelisierung und über die Fülle des Geheimnisses der Barmherzigkeit nachzudenken, schien es gut, den Gläubigen das Beispiel der heiligen
Maria Magdalena noch besser vor Augen zu stellen. Diese Frau nämlich wird als
diejenige anerkannt, die Christus geliebt hat und von ihm am meisten geliebt wurde.

Vom heiligen Gregor dem Großen wurde sie ‚Zeugin der göttlichen Barmherzigkeit‘ genannt,
vom heiligen Thomas von Aquin ‚Apostolin der Apostel‘;
von den Gläubigen unserer Tage kann sie als Beispiel für den Dienst der Frauen in der Kirche entdeckt werden.

Robert Card. Sarah

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Ludwig Maria Grignion von Montfort – Heiligsprechung vor 75 Jahren

Am 20. Juli 1947 wurde er von Papst Pius XII. zur Ehre der Altäre erhoben.

Am 31. Januar 1673 als Sohn angesehener Eltern zu Montfort in der Bretagne geboren, erhielt Grignion bei der Taufe den Namen Ludwig, dem er bei seiner Firmung aus inniger Liebe zur Mutter Gottes den Namen Maria beifügte. In größter Dankbarkeit gedachte er stets der Gnaden, die er durch die Taufe erhalten hatte, aber auch seiner Taufgelübde, und nannte sich zum Andenken daran, dass er sie in seinem Heimatorte empfangen hatte, von Montfort. Als 12-jähriger Knabe kam er an die Jesuitenschule zu Rennes, die er acht Jahre lang besuchte. Als Vorbild für jeden Studenten zeichnete er sich durch seine Leistungen und noch mehr durch seine Tugenden aus, so dass er von Lehrern und Mitschülern in gleicher Weise bewundert und geliebt wurde. Von 1693 – 1700 studierte er an der Sorbonne zu Paris Theologie und wurde nach zwei Jahren in das berühmte Seminar St. Sulpice aufgenommen. In seiner Liebe zur Armut und Sanftmut, in der Hingabe an die göttliche Vorsehung, kam er den größten Heiligen gleich. Mit ganz besonderer Freude redete er von den Herrlichkeiten Mariens, die er schon von Kindheit an seine „geliebte Mutter“ nannte. Alle Bücher, die über die Verehrung Mariens handeln, hatte er gelesen und studiert. Aus Liebe zur Gottesmutter legte er schon vor dem Empfang der heiligen Weihen das Gelübde ewiger Keuschheit ab.

So vorbereitet empfing er im Alter von 27 Jahren am 5. Juni 1700 die Priesterweihe. Am liebsten wäre er zur Bekehrung der Heiden alsbald in die Missionen gegangen. „Meine Sünden sind es“, sprach er seufzend, „die mich einer solchen Gnade unwürdig machen. Ich werde nie zufriedener sterben, als wenn ich meine Seele am Fuße irgendeines Baumes in fremdem Lande aushauche, wie der heilige Franziskus Xaverius in Japan.“

Die Oberen des Seminars St. Sulpice wollten indes Ludwig Maria nicht frei lassen. Am liebsten hätten sie ihn für ihre Genossenschaft gewonnen. Da er sich dazu nicht entschließen konnte, schickten sie ihn nach Nantes in die Genossenschaft der Klementiner, die sich aber dem Jansenismus ergeben hatte. Infolgedessen verließ Grignion nach einem halben Jahr dieses Haus und bot sich dem Bischof von Poitiers als Missionar an, der ihm indes die Leitung des großen Spitals von Poitiers übertrug. Mit größter Liebe nahm er sich der Armen und Kranken an und legte hier den Grund zu der Kongregation der „Töchter der Weisheit“.

Die zwölf ersten Mitglieder dieser Gesellschaft waren arme, gebrechliche Insassen des Spitals, die er einer blinden Oberin unterstellte. In ihrem Versammlungssaal errichtete er ein großes Kreuz, um sie immer daran zu erinnern, dass die wahre Weisheit in der Torheit des Kreuzes bestehe. Von Neid und Eifersucht der weltlichen Leiterinnen und Wärterinnen verfolgt, musste er schließlich das Spital verlassen und begab sich nach Paris, wo er im großen Spital der Salpétrière Aufnahme fand, das über 4000 Kranke und Arme beherbergte. Nach einem Jahr tiefer Verdemütigung rief ihn der Bischof von Poitiers auf Drängen der armen Kranken, in das dortige Spital zurück, wo er die bestehenden Missstände zu beseitigen suchte und auch seine „Gesellschaft der Töchter der Weisheit“ zu neuem Leben erweckte. Wiederum zwangen ihn heftige Anfeindungen, das Spital zu verlassen. Von da an durfte er sich bis zu seinem Tode dem so lang ersehnten und erkämpften Beruf als Missionar widmen.

Im Februar 1706 wanderte er zu Fuß nach Rom mit dem Wunsche, sich vom Papst mit größeren Vollmachten ausstatten zu lassen, um desto mehr zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen wirken zu können. Papst Klemens XI. empfing ihn am 6. Juni in Privataudienz, billigte seine „Wahre Andacht zu Maria“ und seine Grundsätze für die Missionstätigkeit und ernannte ihn zum apostolischen Missionar. Dann kehrte der Heilige zu Fuß nach Poitiers zurück, das er aber auf Befehl des im sonst gutgesinnten Bischofs, wegen der Anfeindungen der Jansenisten, bald wieder verlassen musste. Er zog daher in die benachbarten Diözesen Westfrankreichs, wo er mit wahrhaft apostolischem Eifer wirkte. Sein ganzes Sehnen war, allen alles zu werden, nur um Seelen zu gewinnen.

Kein Wunder war es, dass Ludwig Maria von allen Seiten angegriffen wurde. Priester, Ordensleute, die höchste Geistlichkeit, ja oft seine eigenen Oberen machten ihm Schwierigkeiten, feindeten ihn an und maßregelten ihn. Und gar erst die Welt! Seine großen Erfolge entfesselten gegen ihn einen wahren Sturm der Hölle. Aber auch diese sonst so leicht entmutigenden Erfahrungen konnten ihn nicht stören. Starkmütig trug er sein Kreuz und überwand alle seine Leiden mit apostolischer Geduld und Sanftmut, ohne die öffentliche Meinung zu scheuen, immer bereit, sein Werk fortzusetzen, immer gehorsam auf das geringste Zeichen jener, die ihm zu befehlen hatten. Überall, wo er für die Erneuerung des religiösen Lebens arbeitete, wurde er, wie Papst Pius XII. ausführte, „zu einem Zeichen, dem widersprochen wird“ (Lk 2,34). Er wurde ausgewiesen, er durfte mitunter nicht einmal die heilige Messe lesen, ja in La Rochelle verabreichte man ihm eine vergiftete Speise; seine Gesundheit war von da an schwer mitgenommen. Wenn man von diesen Missionsreisen des Heiligen liest, von ihren herrlichen Erfolgen und ihrem oft jähen, durch teuflischen Hass herbeigeführten Abbruch, weiß man nicht, worüber man sich mehr wunder soll, über die Niedertracht der Menschen, oder über die freudige Geduld, mit der Grignion dies alles ertrug. Die Kalvarienberge, die er im Anschluss an seine Missionen errichtete, waren Symbol seines Lebens, und „Das Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes“ ist nicht am grünen Tisch entstanden, sondern mit seinem Herzblut geschrieben.

Neben seiner umfangreichen Seelsorgearbeit fand Ludwig Maria noch Zeit genug, sich schriftstellerisch zu betätigen. Außer der „Abhandlung über die vollkommene Andacht zu Maria“, dem „Geheimnis Mariä“, dem „Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes“ und der „kleinen Krone der allerseligsten Jungfrau“, hat Grignion von Montfort noch „Die Liebe zur Ewigen Weisheit“, „Der heilige Rosenkranz, das wunderbare Geheimnis der Bekehrung und des Heiles“ und viele fromme Gedichte geschrieben.

Im Jahre 1713 ging er nach Paris, um dort seine zweite Genossenschaft der „Missionare von der Gesellschaft Mariens“ zu stiften, die seine Missionsarbeit fortsetzen sollten. Seine letzte Mission hielt er in St. Laurent-sur-Sèvre ab. Todesmatt bestieg er die Kanzel und predigte über die Sanftmut Jesu bei dem Verräterkusse des Judas. Zum letzten Mal entlockte er seinen Zuhörern zahlreiche Tränen. Nach der Predigt musste er sich schwer krank niederlegen. Bei vollem Bewusstsein ordnete er noch alle Angelegenheiten bezüglich seiner Genossenschaften und bereitete sich dann auf seinen Tod vor. Nachdem er wiederholt die Scharen, die sich weinend an sein Sterbelager drängten, mit dem Kruzifix gesegnet und sie getröstet hatte, fiel er in eine tiefe Ohnmacht; als er daraus erwachte, rief er zitternd, aber mit lauter Stimme: „Du greifst mich umsonst an; ich bin zwischen Jesus und Maria. Gott sei Dank und Maria! Ich bin am Ende meiner Laufbahn; es ist vorbei, jetzt kann ich nicht mehr sündigen.“ Nach diesen Worten verschied er sanft am 28. April 1716, im Alter von 43 Jahren. Seine Gebeine ruhen in der Kapelle der allerseligsten Jungfrau in der Kirche zu St. Lauren-sur-Sèvre, wohin seine beiden Ordensgenossenschaften ihren Hauptsitz verlegten.

Prophetisch sagte er voraus, dass seine Schrift von der „Wahren Andacht“ mit Wut von der Hölle verfolgt und in einem Koffer vergraben werden würde, um deren Veröffentlichung zu verhindern. Trotzdem prophezeit er deren Erscheinen und großen Erfolg. Alles ist buchstäblich in Erfüllung gegangen. Der Verfasser starb im Jahre 1716, und das Manuskript der Abhandlung wurde erst im Jahre 1842 von einem Priester aus dem Staube hervorgezogen. Im Jahre 1853 wurden seine Schriften von der Ritenkongregation als von jedem Irrtum, welcher der Heiligsprechung hinderlich sein könnte, frei erklärt.

Der Heilige war nach den Worten eines Lebensbeschreibers „durch seine Predigten ein zweiter Vinzenz Ferrer, durch seine Armutsliebe ein zweiter Franziskus, durch seine Verehrung der Mutter Gottes ein zweiter Bernardus, durch seine Leiden und Verfolgungen um des Namen Jesu willen ein zweiter Apostel Paulus; und in der erfolgreichen Bekämpfung des Jansenismus hat er mehr getan als alle jene, welche in der damaligen Geschichte der Kirche auf den Leuchter gestellt wurden“.

Durch seine feierliche Heiligsprechung durch Papst Pius XII., am 20. Juli 1947, ist Ludwig Maria Grignion von Montfort jetzt Gemeingut der ganzen katholischen Welt geworden, und die Kirche empfiehlt ihn in der gesamten Christenheit und damit auch uns als Beispiel und Fürbitter.

Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort – bitte für uns!

Quelle: Militia Immaculatae

„Das Goldene Buch“
des hl. Ludwig Maria Grignion von Monfort

… verdankt seine Verbreitung dem Presse-Apostel des Schweizer Prälaten Johannes Ev. Kleiser. Er hatte als junger Priester Montforts „Abhandlung über die wahre Hingabe an Maria“ gelesen und war davon so begeistert, dass er sich die Verbreitung seiner Schriften im deutschen Sparchraum zur Lebensaufgabe machte. In Freiburg/Schweiz rief er 1898 die Gemeinschaft der Kanisiusschwestern ins Leben, die sich dem Presseapostolat widmen. Er wünschte, dass die Schwestern ganz im Geist der vollkommenen Hingabe leben. Montforts Spiritualität ist die Ordensspiritualität der Kanisiusschwestern. In dem von ihnen geführten Kanisiuswerk veröffentlichte Kleiser 1905 eine neue, von seinem Bruder besorgte Übersetzung der Schriften des heiligen Montfort. Für diese Neuausgabe wählte er als Titel „Das Goldene Buch“. Eine erste Gesamtausgabe der Werke Montforts in vier Bänden wurde in den Jahren 1925–1929 im Kanisiuswerk herausgegeben. Das „Goldene Buch“ fand weite Verbreitung. Sein Titel wurde später auch in anderen Ländern übernommen.

TIPPS:

– Hörbuch: https://das-goldene-buch.info/

– Die Wahre Andacht zu Maria, das Geheimnis Mariä und die Liebe zum Kreuz
http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Das_Goldene_Buch

– Ganz Dein, Maria: Zwölf Tage zur Vorbereitung auf die Weihe an die Mutter Gottes und zur Vertiefung des geistlichen Lebens nach den Schriften des heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort – von Florian Kolfhaus; FE-Verlag.

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Heiliger Bonaventura – 14. Juli

Bonaventura (Giovanni di Fidanza) wurde um 1221 in Bagnoregio bei Viterbo geboren. Sein Ordensname Bonaventura verdankt sich einer Legende nach dem hl. Franziskus. Als schwerkrankes Kind sei er durch Franz von Assisi gesegnet worden und gesund geworden. Als Franziskus 1226 im Sterben lag, habe ihn die Mutter mit dem Knaben nochmals besucht und Franziskus habe ausgerufen. „O buona ventura“ („günstiger Wind“ oder „gute Zukunft“).

An der Sorbonne studierte Fidanza die sieben freien Künste. 1243 trat er in den Orden der Franziskaner ein und studierte bis 1248 Theologie, dann hielt er selbst Vorlesungen in Paris. 1254 wurde er hier auf den theologischen Lehrstuhl der Franziskaner berufen. Er schrieb u.a. über das Lukas- und das Johannes-Evangelium, die alttestamentlichen Bücher Jesus Sirach und Weisheit und hielt Seminare über die Erkenntnis Christi, das Geheimnis der Dreifaltigkeit sowie über die evangelische Vollkommenheit. In Paris begegnete er auch Thomas von Aquin, zusammen mit ihm war er der bedeutendste Theologe seiner Zeit.

1257 wurde Bonaventura zum Generalminister seines Ordens gewählt und gab seine akademische Laufbahn auf. Er ermahnte die Brüder, den angeschlagenen Ruf des Ordens wieder zu verbessern und schrieb Traktate zu ihrer geistlichen Erziehung. In dieser Zeit entstand nach einem Besuch in Laverna, dem Ort der Stigmatisation des hl. Franziskus, auch das mystische Hauptwerk des Bonaventura, Itinerarium mentis in Deum. Das Generalkapitel von 1260 bestätigte seine Ordensverfassung der Konstitutionen und beauftragte ihn, eine neue Lebensbeschreibung des Franz von Assisi zu verfassen. 1266 erklärte das Generalkapitel seine Legenda maior als die allein gültige Franziskusbiographie und ordnete an, alle früheren Schriften zu vernichten. Er versöhnte die Anhänger strengster Armut (spirituales) mit den Vertretern einer bequemeren Lebensauffassung (conventuales), weswegen er „zweiter Gründer des Ordens“ genannt wurde.

Papst Gregor X. ernannte Bonaventura 1273 zum Kardinalbischof von Albano und übertrug ihm die Vorbereitung und Leitung der Geschäfte des zweiten Konzils von Lyon, das die Unionsverhandlungen der römischen Kirche mit der orthodoxen zum Erfolg führen sollte. Bonaventura starb während dieses Konzils nach kurzer schwerer Krankheit am 15. Juli 1274.

Bonaventura wurde 1482 durch Papst Sixtus IV. heiliggesprochen und 1588 durch Papst Sixtus V. zum Kirchenlehrer (Doctor Seraphicus) erklärt.

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Heiliger Johannes Gualbertus – 12. Juli

Der hl. Johannes Gualbertus (Gualbert, Walbert) wurde um das Jahr 995 geboren und starb am 12. Juli 1073. Er ist der Stifter des Vallombrosaner-Ordens, der als Zweig des Benediktinerordens gilt.

Johannes Gualbertus kam einst nach Camaldoli, wo der hl. Romualdus lebte und der Ordenszweig der Camaldulenser entstand. Im Jahr 1038 kam er an einen Ort, der Aqua Bella hieß, ein stilles Tal, umgeben von hohen Bergen, die diesen Ort von der Welt trennten. Dieser Platz schien ihm gut für ein Kloster geeignet. Zahlreiche Quellen durchzogen die Landschaft, die von vielen Weiden beschattet wurde. Hier beschloss Johannes Gualbertus zu bleiben und nannte den Ort Vallombrosa; Vallis umbrosa – Schattental.

Johannes errichtete, als sich Schüler um ihn scharten, abgesonderte Zellen. So entstand die Gründung eines Klosters, das aus so vielen einfache Hütten bestand wie hier Mönche lebten: die „Eremitage von Valombrosa“. Johannes Gualbertus wurde ihr Abt. Die Mönche trugen ein graues Ordenskleid und lebten nach der damals noch strengen Regel des hl. Benedikt. Abt Johannes führte jedoch weitere Strengheiten hinzu.

Papst Leo IX., besuchte ihn und „kehrte mit noch größerer Verehrung für ihn“ zurück. Die Päpste Stephan IX. und Alexander II. schätzten ihn sehr hoch; letzterer besonders auch wegen seines energischen Auftretens gegenüber dem damals verbreiteten Laster der Simonie.

Obwohl Johannes Gualbertus viele Jahre an Magenschmerzen litt, die er geduldig ertragen hat, erreichte er ein sehr hohes und gesegnetes Alter von 88 Jahren. Er starb am 12. Juli 1073.

Papst Cölestin III. nahm ihn im Jahre 1193 in die Schar der Heiligen auf.

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Heilige Veronica Giuliani – 9. Juli

Sie starb am 9. Juli 1727 mit den Worten:
„Ich habe die Liebe gefunden,
die Liebe hat sich sehen lassen!“

In ihrer Klostergemeinschaft hatte Veronica viel zu leiden. Man hielt sie für eine Lügnerin, nahm ihr die Ämter weg, schloss sie aus dem Kapitel aus, verweigerte ihr die Kommunion und sperrte sie eine Zeitlang in eine Art Gefängniszelle.

Die Wundmale wurden ärztlich untersucht, aber man konnte ihr keinen Betrug nachweisen. Alles ertrug Veronica mit innerer Ruhe. Schließlich wurde sie rehabilitiert und zur Äbtissin gewählt.

 

Papst Benedikt XVI. über die heilige Veronica Giuliani:

Heute möchte ich eine Mystikerin vorstellen, die nicht im Mittelalter gelebt hat; es handelt sich um die hl. Veronica Giuliani, eine Klarissen-Kapuzinerin. Der Grund ist, daß auf den kommenden 27. Dezember der 350. Jahrestag ihrer Geburt fällt. Für Città di Castello, den Ort, an dem sie die meiste Zeit lebte und wo sie starb, ist dies ein ebenso freudiges Ereignis wie für ihren Geburtsort Mercatello und für die Diözese Urbino.

Veronica wurde also am 27. Dezember 1660 in Mercatello im Metauro-Tal geboren; ihre Eltern waren Francesco Giuliani und Benedetta Mancini. Sie ist die jüngste von sieben Schwestern, von denen drei Ordensfrauen werden; sie erhält den Namen Ursula. Im Alter von sieben Jahren verliert sie die Mutter, und der Vater zieht nach Piacenza als Zollmeister des Herzogtums Parma. In dieser Stadt erwächst in Ursula der Wunsch, das Leben Christus zu weihen. Der Ruf wird immer stärker, und so tritt sie schließlich mit 17 Jahren in die strenge Klausur des Klosters der Klarissen-Kapuzinerinnen in Città di Castello ein, wo sie das ganze Leben lang bleiben wird. Dort erhält sie den Namen Veronica – »wahres Bild« –, und in der Tat wird sie ein wahres Bild des gekreuzigten Christus. Ein Jahr später legt sie die feierliche Ordensprofeß ab: Für sie beginnt der Weg der Gleichgestaltung mit Christus durch viele Bußen, große Leiden und einige mystische Erfahrungen, die mit dem Leiden Christi verbunden sind: die Dornenkrönung, die mystische Vermählung, die Wunde im Herzen und die Wundmale. 1716, mit 56 Jahren, wird sie Äbtissin des Klosters. In dieser Funktion wird sie immer wieder bestätigt bis zu ihrem Tod, der im Jahre 1727 eintritt, nach einem 33tägigen äußerst schmerzhaften Todeskampf, der auf eine so tiefe Freude hinausläuft, daß ihre letzten Worte lauteten: »Ich habe die Liebe gefunden, die Liebe hat sich gezeigt! Das ist der Grund meines Leidens. Sagt es allen, sagt es allen!« (Summarium Beatificationis, 115–120). Am 9. Juli verläßt sie die irdische Wohnstatt, um Gott zu begegnen. Sie ist 67 Jahre alt, 50 davon hat sie im Kloster von Città di Castello verbracht. Am 26. Mai 1839 wird sie von Papst Gregor XVI. heiliggesprochen.

Veronica Giuliani hat viel geschrieben: Briefe, autobiographische Berichte, Gedichte. Die Hauptquelle, anhand derer sich ihr Denken rekonstruieren läßt, ist jedoch ihr Tagebuch, das sie 1693 begonnen hat: gut 22.000 handgeschriebene Seiten, die 34 Jahre des Lebens in der Klausur abdecken. Das Schriftbild ist natürlich und fließend, es gibt weder Streichungen noch Korrekturen, weder Satzzeichen noch eine Aufteilung des Stoffes in Kapitel oder Teile nach einem vorgefertigten Plan. Veronica wollte kein literarisches Werk verfassen; im Gegenteil, sie wurde von P. Girolamo Bastianelli, einem Oratorianer, in Übereinstimmung mit dem Diözesanbischof Antonio Eustachi dazu verpflichtet, ihre Erfahrungen niederzuschreiben.

Die hl. Veronica hat eine ausgeprägte christologisch-bräutliche Spiritualität: Es ist die Erfahrung, von Christus, dem treuen und aufrichtigen Bräutigam, geliebt zu sein und ihm eine immer tiefere und leidenschaftlichere Liebe entgegenzubringen. Darin wird alles durch die Liebe ausgelegt, und das schenkt ihr tiefen inneren Frieden. Alles wird in Vereinigung mit Christus gelebt, um seiner Liebe willen und mit der Freude, ihm alle Liebe beweisen zu können, zu der ein Geschöpf fähig ist.

Der Christus, mit dem Veronica zutiefst vereint ist, ist der leidende Christus der Passion, des Todes und der Auferstehung; es ist Jesus, der sich zu unserem Heil dem Vater aufopfert. Dieser Erfahrung entspringt auch die tiefe und leidende Liebe zur Kirche, in der zweifachen Form des Gebets und des Opfers. Die Heilige lebt unter diesem Blickwinkel: Sie betet, leidet, sucht die »heilige Armut« als »Entäußerung«, als Verlust ihrer selbst (vgl. ebd., III,523), um wie Christus zu sein, der sich ganz hingegeben hat.

Auf jeder Seite ihrer Schriften empfiehlt Veronica jemanden dem Herrn an und bekräftigt ihre Fürbitten durch das Opfer ihrer selbst in allem Leiden. Ihr Herz weitet sich aus auf »alle Nöte der heiligen Kirche« und lebt unruhig im Wunsch nach dem Heil »der gesamten Welt« (ebd., III–IV, passim). Veronica ruft aus: »O Sünder, o Sünderinnen … kommt alle zum Herzen Jesu; kommt zur Reinigung durch sein kostbares Blut… Er erwartet euch mit offenen Armen, um euch darin einzuschließen« (ebd., II,16–17). Von glühender Liebe beseelt schenkt sie den Schwestern des Klosters Aufmerksamkeit, Verständnis, Vergebung; sie bringt ihre Gebete und Opfer dar für den Papst, für ihren Bischof, für die Priester und für alle notleidenden Menschen, einschließlich der Seelen im Fegefeuer. Sie faßt ihre kontemplative Sendung mit folgenden Worten zusammen: »Wir können nicht in der Welt umherziehen und predigen, um Seelen zu bekehren, sondern wir sind verpflichtet, ohne Unterlaß für all jene Seelen zu beten, die Gott beleidigen … besonders durch unsere Leiden, also durch ein gekreuzigtes Leben« (ebd., IV,877). Unsere Heilige versteht diese Sendung als Dasein »zwischen« den Menschen und Gott, zwischen den Sündern und dem gekreuzigten Christus.

Veronica lebt zutiefst die Teilhabe an der leidenden Liebe Jesu, in der Gewißheit, daß das »Leiden mit Freude« der »Schlüssel der Liebe« sei (vgl. ebd., I,299.417; III,330.303.871; IV,192). Sie hebt hervor, daß Jesus für die Sünden der Menschen leidet, aber auch für die Leiden, die seine treuen Diener über Jahrhunderte hinweg ertragen müssen, in der Zeit der Kirche, gerade wegen ihres festen und konsequenten Glaubens. Sie schreibt: »Sein ewiger Vater ließ ihn in jenem Augenblick alle Leiden sehen und spüren, die seine Auserwählten ertragen sollten, seine liebsten Seelen, also jene, die Nutzen ziehen sollten aus seinem Blut und all seinem Leiden« (ebd., II,170). Der Apostel Paulus sagt über sich selbst: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt« (Kol 1,24). Veronica bittet Jesus sogar, mit ihm gekreuzigt zu werden. Sie schreibt: »Plötzlich sah ich aus seinen heiligen Wunden fünf helle Strahlen hervorgehen; und alle kamen auf mich zu. Und ich sah, daß diese Strahlen gleichsam zu kleinen Flammen wurden. In vier von ihnen waren die Nägel; und in einem war die Lanze, wie aus Gold, ganz durchglüht. Und sie durchstieß mein Herz von einer Seite zur anderen…, und die Nägel durchstießen Hände und Füße. Ich verspürte großen Schmerz; aber in diesem Schmerz sah ich, spürte ich, daß ich in Gott ganz verwandelt war« (Tagebuch, I,897).

Die Heilige ist überzeugt, bereits am Reich Gottes teilzuhaben, aber gleichzeitig fleht sie alle Heiligen der seligen Heimat an, ihr auf dem irdischen Weg ihrer Hingabe beizustehen, in Erwartung der ewigen Glückseligkeit, auf die ihr Leben unablässig hinstrebt (vgl. ebd., II,909; V,246). Gegenüber der Verkündigung ihrer Zeit, die nicht selten darauf ausgerichtet ist, »die eigene Seele zu retten«, im ganz persönlichen Sinne, zeigt Veronica ein starkes »solidarisches« Bewußtsein der Gemeinschaft mit allen Brüdern und Schwestern auf dem Weg zum Himmel und lebt, betet, leidet für alle. Die vorletzten, irdischen Dinge hingegen werden zwar im franziskanischen Sinne als Geschenk des Schöpfers hochgeachtet, sind aber stets relativ und dem »Genuß« Gottes völlig untergeordnet, im Zeichen einer radikalen Armut. In der communio sanctorum macht sie ihre kirchliche Hingabe deutlich, ebenso wie die Beziehung zwischen der pilgernden Kirche und der himmlischen Kirche. Sie schreibt: »Alle Heiligen sind dort oben durch die Verdienste und das Leiden Jesu; aber an all dem, was unser Herr getan hat, haben sie mitgewirkt, so daß ihr ganzes Leben durch seine Werke geordnet und geregelt wurde« (ebd.,III,203).

In Veronicas Schriften finden wir viele Bibelzitate. Sie sind manchmal indirekt, aber immer genau: Sie zeigt Vertrautheit mit dem heiligen Text, der ihre geistliche Erfahrung nährt. Außerdem muß hervorgehoben werden, daß Veronicas starke Augenblicke mystischer Erfahrung nie getrennt sind von den Heilsereignissen, die in der Liturgie gefeiert werden, wo die Verkündigung des Wortes Gottes und das Hören auf dieses Wort einen besonderen Platz hat. Die Heilige Schrift erleuchtet, reinigt und bestätigt also Veronicas Erfahrung und macht sie kirchlich. Gerade ihre Erfahrung, die ungewöhnlich stark in der Heiligen Schrift verankert ist, führt andererseits jedoch zu einem tieferen und »geistlicheren« Verständnis des Textes; sie tritt ein in die verborgene Tiefe des Textes. Sie drückt sich nicht nur mit den Worten der Heiligen Schrift aus, sondern lebt auch wirklich von diesen Worten, sie erwachen in ihr zum Leben.

Zum Beispiel zitiert unsere Heilige oft die Worte des Apostels Paulus: »Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?« (Röm 8,31; vgl. Tagebuch, I,714; II,116.1021; III,48). Die Verinnerlichung dieses paulinischen Textes, sein großes Vertrauen und seine tiefe Freude wird in ihr selbst zur vollendeten Tatsache. Sie schreibt: »Meine Seele ist mit dem göttlichen Willen verbunden, und ich habe wirklich für immer im Willen Gottes meinen festen Platz gefunden. Mir schien, daß ich mich von diesem Willen Gottes nie mehr entfernen sollte, und ich ging in mich mit genau diesen Worten: Nichts kann mich scheiden vom Willen Gottes, weder Bedrängnis noch Not, weder Schmerz noch Verachtung, weder Versuchungen noch Geschöpfe, weder Dämonen noch Finsternis und nicht einmal der Tod, denn im Leben wie im Tod will ich in allem den ganzen Willen Gottes« (Tagebuch, IV,272). So haben wir auch die Gewißheit, daß der Tod nicht das Letzte ist, sind wir im Willen Gottes und somit im Leben wirklich für immer fest verankert.

Veronica zeigt sich insbesondere als mutige Zeugin der Schönheit und der Kraft der göttlichen Liebe, die sie anzieht, sie durchdringt, sie entflammt. Es ist die gekreuzigte Liebe, die sich in ihren Leib eingeprägt hat, wie in den des hl. Franz von Assisi, durch die Wundmale Jesu. »Meine Braut – so flüstert der gekreuzigte Christus mir zu –, mir ist die Buße lieb, die du für jene tust, die bei mir in Ungnade sind… Dann nahm er einen Arm vom Kreuz und bedeutete mir, an seine Seite zu kommen… Und ich befand mich in den Armen des Gekreuzigten. Was ich in diesem Augenblick empfand, kann ich nicht wiedergeben: Ich hätte für immer in seiner heiligen Seite bleiben mögen« (ebd., I,37). Es ist auch ein Bild für ihren geistlichen Weg, für ihr inneres Leben: in den Armen des Gekreuzigten sein und so in der Liebe Christi sein für die anderen. Auch mit der Jungfrau Maria lebt Veronica in tiefer Vertrautheit, was bezeugt wird durch die Worte, die sie eines Tages von der Gottesmutter vernimmt und die sie in ihrem Tagebuch niederschreibt: »Ich ließ dich an meiner Brust ruhen, du warst mit meiner Seele vereint, und von ihr wurdest du wie im Flug vor Gott getragen« (IV,901).

Die hl. Veronica Giuliani lädt uns ein, in unserem christlichen Leben die Vereinigung mit dem Herrn wachsen zu lassen, im Dasein für die anderen und indem wir uns mit vollkommenem Vertrauen ganz seinem Willen hingeben, ebenso wie die Vereinigung mit der Kirche, der Braut Christi; sie lädt uns ein, an der leidenden Liebe des gekreuzigten Christus für das Heil aller Sünder teilzuhaben; sie lädt uns ein, den Blick fest auf das Paradies zu richten, das Ziel unseres irdischen Weges, wo wir zusammen mit vielen Brüdern und Schwestern in der Freude der vollen Gemeinschaft mit Gott leben werden; sie lädt uns ein, uns täglich vom Wort Gottes zu nähren, um unserem Herzen Wärme und unserem Leben Orientierung zu geben. Die letzten Worte der Heiligen können als Zusammenfassung ihrer leidenschaftlichen mystischen Erfahrung betrachtet werden: »Ich habe die Liebe gefunden, die Liebe hat sich sehen lassen!« Danke.

Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 15. Dezember 2010

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Von der Beachtung der Keuschheit

Wie Rita das Gelübde der Keuschheit verwirklichte

Durch ein Wunder der Gnade Gottes war Rita auch ein vollendetes Vorbild der Keuschheit. Denn diese wunderbare Tugend, wie sie im Ordensstand gelobt und gelebt wird, ist wahrlich ein Wunder der Gnade. Die Natur kann sie nicht geben, sie ist wirklich Gottes Gabe. Rita war von engelsgleicher Reinheit, weil sie immer die Jungfräulichkeit der Seele bewahrt hatte.

Von frühester Kindheit an war es Ritas inniger Wunsch gewesen, sich Gott zu weihen. Als sie nicht auf eigenen Wunsch, sondern im Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes und ihrer Eltern geheiratet hatte, lebte sie in vollkommener ehelicher Keuschheit. Selbst als Ehefrau und Mutter blieb der Wunsch nach dem geistlichen Lebensstand immer in ihr lebendig. Und als der Tod ihr den Mann und die Kinder genommen hatte, eilte sie, wie wir wissen, umgehend ins Kloster und wurde dann auf wunderbare Weise aufgenommen, um sich selbst dort gleichsam zu begraben, zuerst als Gottes Magd, dann als Braut des Gottessohnes. Im Kloster nun erwarb sie mit Gottes Gnade und im strikten Gehorsam gegenüber dem Gelübde der Keuschheit jene Reinheit, die das Kennzeichen der Engel ist.

Um das Gelübde der Keuschheit zu bewahren, bewachte Rita ihre Sinne, sie beherrschte sie und hielt sich von allem fern, was das Gelübde gefährden konnte. Sie bewachte ihre Augen und hielt sie immer auf Jesus gerichtet, ihre Ohren, indem sie nur auf das hörte, was Gott zu ihr sprach, ihre Zunge, indem sie nur in der Sprache des Himmels redete, ihre Gedanken und ihr Herz, indem sie sich jeden Tag neu Gott weihte.

Ritas engelsgleiches Leben im Kloster entging nicht dem Erzfeind der Seelen, und Gott, der ihre Treue als Braut seines Sohnes stärken wollte, erlaubte Luzifer, sie zu versuchen und anzugreifen, manchmal durch Komplimente oder verlockende Vorschläge. Aber Rita war zu erprobt in den Tugenden, um ein Opfer der Ränke Luzifers zu werden, und so oft er versuchte, sie zum Verstoß gegen ihr Gelübde zu verleiten, genauso oft unterlag er. Rita schien zu wissen, dass die Keuschheit hauptsächliches Ziel der Attacken Luzifers war. Um über diesen mächtigen Feind zu triumphieren, richtete sie daher all ihr Bemühen darauf, ihren Leib dem Geist zu unterwerfen.

Die Mittel, die Rita wählte, um ihren Leib zu unterwerfen, würden Menschen, die keinen Glauben haben oder den weltlichen Luxus lieben, vielleicht als töricht, verrückt oder überspannt bezeichnen. Um ihren Leib zu unterwerfen, fastete sie. Sie hielt drei Fastenzeiten im Jahr und fastete auch zu den Vigilien der Feste der Gottesmutter Maria und ihrer Schutzheiligen. Während des Fastens nahm sie nur eine Mahlzeit am Tag ein und diese bestand nur aus Brot und Wasser. Durch die Schwächung ihres Körpers wurde Rita geistlich stärker und fähiger, sich gegen den Bösen zu verteidigen. Wenn sie das geringste Anzeichen von Auflehnung des Körpers spürte, erhob sie ihre Seele zu Gott und meditierte über die Heftigkeit und Ewigkeit der Höllenstrafe.

Rita handelte entsprechend und bedachte, dass »die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll« (Röm 8,18). So hielt sie ihren Leib in Zucht und konnte jeden Angriff des Widersachers gegen ihr Gelübde abwehren. Sie nahm auch das Kreuzzeichen zu Hilfe, hatte immer die heiligen Namen Jesu und Mariens auf den Lippen und wurde durch fortwährende Bußübungen gestärkt.

Rita war nie glücklicher als in der Kapelle oder in der Stille und Einsamkeit ihrer Zelle. Sie ging nicht gerne ins Sprechzimmer, um mit Besuchern zu reden, außer wenn es sich um Hilfesuchende handelte, die Rat und Trost suchten.

(Sicardu J., Hl. Rita von Cascia, Kap. 20, Media-Maria 2022)

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„Das Buch eignet sich mit seinen kurzen Kapiteln von drei bis vier Seiten gut für einen Tagesimpuls, um selbst ein heiligmäßiges Leben zu führen und in der Liebe zu Gott zu wachsen. Einige Gebete runden das Werk ab.“CNA

P. José Sicardo OSA
Hl. Rita von Cascia. Helferin in größter Not
Media Maria 2022
144 Seiten; 14,95 Euro
ISBN: 978-3947931392

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