Martertod der heiligen Agnes – 21. Januar

Agnes war zwölf Jahre alt, als sie den Martertod erlitt.

Keine Braut schreitet so beglückt zum Hochzeitsfeste, wie Agnes zur Stätte ihres Martertodes eilte.

Ihr Haupt schmückte nicht kunstvoll geflochtenes Haar, kein Blumengewinde, sondern der Liebreiz der Reinheit für ihren himmlischen Bräutigam.

Alle weinten, sie selbst war ohne Träne, vielmehr voll Glück und Freude. Alle staunten, dass sie so leicht ihr eben erst begonnenes Leben opferte; sie aber stand da als Zeuge des ewigen Gottes.

„Der soll mich als Braut holen, der mich zuerst erwählt hat. Mein Leib ist eins geworden mit dem seinen, sein Blut hat meine Wangen gerötet. Er zeigte mir seine herrlichen Schätze, die er mir zu geben versprochen hat. Seine Mutter ist eine Jungfrau, sein Vater kennt keine Frau. Ihm bin ich anverlobt, ihm, dem die Engel dienen, dessen Schönheit Sonne und Mond bewundern.“

Sie betete und beugte willig den Nacken dem Henker.
Der zitterte, als er die Hand zum Todesstreich ausholte.

Papst Damasus hatte eine Inschrift an ihrem Grabe anbringen lassen. Daraus:

„Als dieser ihren edlen Leib ins Feuer werfen wollte, habe sie habe sie mit ihren schwachen Kräften die gewaltige Furcht überwunden. Entkleidet habe sie die Fülle ihres Haares über die Glieder gebreitet, damit kein Antlitz des Herrn Tempel schaue.“

(aus: Gamber, Zeugnis der Martyrer)

Hl. Agnes, Foto: oddee.com

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Paulus der Einsiedler – 15. Januar

Paulus der Einsiedlet, auch Paulus von Theben genannt, gilt als der erste ägyptische Einsiedler. Sein Leben wird überliefert in der von Hieronymus verfassten Vita Pauli primi eremitae. Danach wurde Paulus im Jahr 228 als Sohn wohlhabender christlicher Eltern in Ägypten geboren. Nach dem Tod der Eltern entsagte er der Welt und ging er als erster Einsiedler und Asket in die ägyptische Wüste. Dort lebte er jahrzehntelang in völliger Einsamkeit und wurde von Gott ernährt durch eine Quelle und einen Raben, der ihm täglich ein halbes Brot brachte.

Zu seiner Zeit lebte auch der bedeutende Einsiedler Antonius in der ägyptischen Wüste. Gott hatte es dem Antonius eingegeben, Paulus aufzusuchen. Es heißt, dass ein Mischwesen, halb Mensch halb Pferd, Antonius den Weg durch die Wüste wies. So kommt es zu der Begegnung der beiden heiligen Einsiedler. Antonius musste lange vor der Zelle des Paulus warten, bis ihn dieser endlich einließ. Dann fielen sie sich in die Arme und nach dem heiligen Kuss setzte sich Paulus mit Antonius nieder und sagte:

„Hier ist der, den du mit so viel Mühe gesucht hast, die Glieder morsch vor Alter, mit ungepflegtem grauem Haar. Du siehst einen Menschen vor dir, der bald zu Staub werden wird. Aber weil die Liebe alles erträgt, erzähle mir, ich bitte dich, wie es um das menschliche Geschlecht steht, ob sich in den alten Städten neue Häuser erheben, welche Macht die Welt regiert und ob es noch Menschen gibt, die im Irrtum der Dämonen befangen sind.“

Während sie miteinander redeten, bemerkten sie einen Raben, der sich auf einem Zweig des Baumes niedergelassen hatte. Von dort flog er leise herab und legte ein ganzes Brot vor ihren staunenden Augen nieder. Als er fortgeflogen war, sagte Paulus:

„Sieh, der Herr, der wahrhaft barmherzig ist, hat uns das Essen gesandt. Seit sechzig Jahren habe ich immer ein halbes Brot bekommen; aber bei deinem Kommen hat Christus seinen Soldaten die Ration verdoppelt.“

Nachdem sie Gott Dank gesagt hatten, setzten sie sich zusammen am Rand der kristallklaren Quelle nieder. Da entstand ein Streit darüber, wer das Brot brechen sollte; er dauerte fast den ganzen Tag bis zum Abend. Paulus bestand auf der Sitte der Gastfreundschaft, Antonius wies dies mit dem Recht des Alters zurück. Schließlich einigten sie sich darauf, dass jeder eine Seite des Brotes ergreifen, zu sich ziehen und das behalten sollte, was in seinen Händen blieb. Dann tranken sie etwas Wasser, indem sie den Mund an die Quelle hielten. Nachdem sie Gott das Opfer des Lobes dargebracht hatten, verbrachten sie die Nacht im Gebet.

Als sich der Tag zum Abend neigte, sagte der selige Paulus zu Antonius: „Seit langem wusste ich, Bruder, dass du in diesen Gegenden wohnst. Nun aber da die Zeit meines Heimgangs gekommen ist, bist du von Gott gesandt worden, um meinen Körper in die Erde zu legen und der Erde die Erde zurückzugeben.“

Wenige Tage, nachdem Antonius in seine Zelle zurückgekehrt war, wurde ihm der Tod des Paulus offenbart. Er machte sich auf und fand den Leichnam des Heiligen in dessen Zelle. Zwei Löwen hatten für ihn ein Grab ausgehoben. Antonius hüllte ihn, wie es sich Paulus erbeten hatte, in dem Mantel, den er selbst vom heiligen Athanasius bekommen hatte. So bestattete er den Heiligen.

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Hl. Hilarius von Poitiers – 14. Januar

Ein großer Kirchenvater des Westen ist hl. Hilarius von Poitiers – eine große Bischofsgestalte des 4. Jahrhunderts.

In der Auseinandersetzung mit den Arianern, die Jesus, den Sohn Gottes, als Geschöpf, wenn auch ein hervorragendes Geschöpf, aber eben nur als Geschöpf betrachteten, hat Hilarius sein ganzes Leben der Verteidigung des Glaubens an die Gottheit Jesu Christi gewidmet, Sohn Gottes und Gott wie der Vater, der ihn von Ewigkeit her gezeugt hat.

Über den Großteil des Lebens des Hilarius verfügen wir über keine gesicherten Angaben. Die alten Quellen sprechen davon, daß er wahrscheinlich um das Jahr 310 in Poitiers geboren wurde. Aus wohlhabender Familie stammend, erhielt er eine solide literarische Ausbildung, die an seinen Schriften deutlich erkennbar ist. Er scheint nicht in einer christlichen Umgebung aufgewachsen zu sein. Er selbst spricht von einem Weg der Suche nach der Wahrheit, die ihn nach und nach zur Kenntnis des Schöpfergottes und des menschgewordenen Gottes führte, der gestorben ist, um uns das ewige Leben zu schenken. Getauft um das Jahr 345, wurde er um das Jahr 353–354 zum Bischof seiner Geburtsstadt gewählt. In den folgenden Jahren schrieb Hilarius sein erstes großes Werk, den Kommentar zum Matthäusevangelium. Es handelt sich um den ältesten uns überlieferten Kommentar zu diesem Evangelium in lateinischer Sprache. Im Jahr 356 nimmt Hilarius als Bischof an der Synode von Béziers in Südfrankreich teil, der »Synode der falschen Apostel«, wie er selbst sie nennt, da die Versammlung von den arianerfreundlichen Bischöfen beherrscht wurde, die die Gottheit Jesu Christi leugneten. Diese »falschen Apostel« verlangten von Kaiser Konstantius die Verurteilung und Verbannung des Bischofs von Poitiers. Hilarius wurde also im Sommer 356 zum Verlassen Galliens gezwungen.

In der Verbannung in Phrygien in der heutigen Türkei kam Hilarius mit einem religiösen Umfeld in Berührung, das vollständig vom Arianismus beherrscht war. Auch dort drängte ihn seine Hirtensorge, unermüdlich für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche auf der Grundlage des rechten Glaubens zu arbeiten, wie er vom Konzil von Nizäa formuliert worden war. Zu diesem Zweck begann er mit der Abfassung seines wichtigsten und bekanntesten dogmatischen Werkes: De Trinitate (Über die Dreifaltigkeit). Darin legt Hilarius seinen persönlichen Weg zur Erkenntnis Gottes dar und bemüht sich aufzuzeigen, daß die Heilige Schrift die Gottheit des Sohnes und seine Gleichheit mit dem Vater nicht nur im Neuen Testament bezeugt, sondern auch an vielen Stellen des Alten Testaments, wo bereits das Geheimnis Christi aufscheint. Gegenüber den Arianern besteht er auf der Wahrheit der Namen Vater und Sohn und entwickelt seine ganze Trinitätstheologie von der Taufformel her, die uns vom Herrn selbst gegeben worden ist: »Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes«.

Der Vater und der Sohn sind eines Wesens. Und für den Fall, daß einige Stellen des Neuen Testaments zu der Annahme verleiten könnten, der Sohn stehe unter dem Vater, bietet Hilarius genaue Regeln, um irreführende Auslegungen zu vermeiden: Einige Schrifttexte sprechen von Jesus als Gott, andere heben hingegen seine Menschheit hervor. Einige beziehen sich auf seine Präexistenz beim Vater, andere rücken den Zustand der Entäußerung (»kenosis«), seinen Abstieg bis hin zum Tod ins Blickfeld; wieder andere schließlich betrachten ihn in der Herrlichkeit der Auferstehung. In den Jahren seiner Verbannung schrieb Hilarius auch den Liber de Synodis (Buch über die Synoden), in dem er für seine bischöflichen Mitbrüder in Gallien die Glaubensbekenntnisse und andere Dokumente der Synoden wiedergibt und kommentiert, die um die Mitte des vierten Jahrhunderts im Osten stattfanden. Während der hl. Hilarius standhaft blieb im Widerstand gegen die radikalen Arianer, zeigte er eine versöhnliche Haltung gegenüber denen, die bereit waren zu bekennen, daß der Sohn dem Vater im Wesen »ähnlich« war, wobei er natürlich versuchte, sie zum vollen Glauben zu führen, nach dem in der Gottheit des Vaters und des Sohnes nicht nur eine Ähnlichkeit, sondern eine wahre Gleichheit besteht. Auch das scheint mir kennzeichnend zu sein: der Geist der Versöhnung, der versucht, diejenigen zu verstehen, die noch nicht zum vollen Glauben an die wahre Gottheit des Herrn Jesus Christus gelangt sind, und ihnen mit großem theologischen Verständnis hilft, zu ihm zu kommen.

Im Jahr 360 oder 361 konnte Hilarius endlich aus der Verbannung in die Heimat zurückkehren und nahm sogleich die pastorale Tätigkeit in seiner Kirche wieder auf, aber der Einfluß seines Lehramtes verbreitete sich weit über deren Grenzen hinaus. Eine im Jahr 360 oder 361 in Paris abgehaltene Synode greift die Sprache des Konzils von Nizäa wieder auf. Manche alte Autoren glauben, daß dieser antiarianische Umschwung der Bischöfe Galliens großenteils der Standhaftigkeit und zugleich der Sanftmut des Bischofs von Poitiers zu verdanken gewesen sei. Das war genau seine Gabe: Festigkeit im Glauben und Sanftmut in den zwischenmenschlichen Beziehungen miteinander zu verbinden. In seinen letzten Lebensjahren verfaßte er noch den Tractatus in Psalmos, einen Kommentar zu 58 Psalmen, die nach dem in der Einführung des Werkes verdeutlichten Prinzip ausgelegt werden: »Es besteht kein Zweifel, daß alles, was in den Psalmen gesagt wird, gemäß der Botschaft des Evangeliums zu verstehen ist, so daß – mit welcher Stimme auch immer der prophetische Geist gesprochen hat – alles jedenfalls auf die Kenntnis des Kommens unseres Herrn Jesus Christus, Menschwerdung, Passion und Reich, und auf die Herrlichkeit und Macht unserer Auferstehung bezogen werden muß« (Instructio Psalmorum, 5). Er sieht in allen Psalmen diese Transparenz des Mysteriums Christi und seines Leibes, der Kirche. Hilarius traf bei verschiedenen Anlässen mit dem hl. Martin zusammen: Ganz in der Nähe von Poitiers gründete der spätere Bischof von Tours ein Kloster, das noch heute besteht. Hilarius starb im Jahr 367. Sein liturgisches Gedächtnis wird am 13. Januar begangen. 1851 erklärte ihn der sel. Pius IX. zum Kirchenlehrer.

Um das Wesentliche seiner Lehre zusammenzufassen, möchte ich sagen, daß Hilarius den Ausgangspunkt für seine theologische Reflexion im Taufglauben findet. In De Trinitate schreibt Hilarius: Jesus »hat geboten, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen (vgl. Mt 28,19), das heißt im Bekenntnis des Urhebers, des Eingeborenen und des Geschenkes. Nur einer ist Urheber aller Dinge, denn nur einer ist Gottvater, aus dem alles hervorgeht. Und nur einer ist unser Herr Jesus Christus, durch den alles geschaffen ist (1 Kor 8,6), und nur einer ist der Geist (Eph 4,4), Geschenk in allen… In nichts wird eine so große Fülle als fehlend angetroffen werden können, in der im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist die Unendlichkeit im Ewigen, die Offenbarung im Bild, die Freude im Geschenk zusammenkommen « (De Trinitate 2,1). Da Gottvater ganz Liebe ist, vermag er dem Sohn seine Gottheit in Fülle mitzuteilen. Besonders schön finde ich die folgende Formulierung des hl. Hilarius: »Gott vermag weder, etwas anderes als Liebe, noch etwas anderes als Vater zu sein. Wer liebt, neidet nicht, und wer Vater ist, der ist es in seiner Ganzheit. Dieser Name duldet keine Kompromisse, so als wäre Gott in gewisser Hinsicht Vater und in anderer nicht« (ebd., 9,61).

Deshalb ist der Sohn ganz Gott, ohne jeden Mangel oder irgendeine Verkürzung: »Wer vom Vollkommenen kommt, ist vollkommen, denn wer alles hat, der hat ihm alles gegeben« (ebd. 2,8). Nur in Jesus Christus, Gottessohn und Menschensohn, findet die Menschheit Heil. Indem er die menschliche Natur angenommen hat, hat er jeden Menschen mit sich vereinigt, »ist er unser aller Fleisch geworden« (Tractatus in Psalmos 54,9). »Er hat in sich das Wesen jedes Fleisches aufgenommen und ist durch es der wahre Weinstock geworden und trägt in sich die Wurzel jedes Schößlings« (ebd., 51,16). Gerade deshalb ist der Weg zu Christus für alle offen – denn er hat alle in sein Menschsein hineingezogen –, auch wenn immer die persönliche Umkehr geboten ist: »Durch die Beziehung zu seinem Fleisch ist der Zugang zu Christus für alle offen, unter der Bedingung, daß sie den alten Menschen ablegen (vgl. Eph 4,22) und ihn ans Kreuz heften (vgl. Kol 2,14); unter der Bedingung, daß sie die Werke von früher aufgeben und umkehren, um mit ihm in seiner Taufe begraben zu werden im Ausblick auf das Leben (vgl. Kol 1,12; Röm 6,4)« (ebd., 91,9).

Die Treue zu Gott ist ein Geschenk seiner Gnade. Deshalb bittet der hl. Hilarius am Ende seiner Abhandlung über die Dreifaltigkeit darum, immer dem Taufglauben treu bleiben zu können. Das ist ein Wesensmerkmal dieses Buches: Die Reflexion wandelt sich zum Gebet, und das Gebet wird wieder zur Reflexion. Das ganze Buch ist ein Dialog mit Gott. Ich möchte die heutige Katechese mit einem dieser Gebete abschließen, das auf diese Weise auch zu unserem Gebet wird: »O Herr« – betet Hilarius vom Geist erfüllt –, »laß mich immer dem treu bleiben, was ich im Glaubensbekenntnis meiner Wiedergeburt bekannt habe, als ich getauft worden bin im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist. Laß mich dich, unseren Vater, immer anbeten und zusammen mit dir deinen Sohn; laß mich deines Heiligen Geistes wert sein, der aus dir hervorgeht durch deinen Eingeborenen… Amen« (De Trinitate 12,57).

(Papst Benedikt XVI. am Mittwoch, 10. Oktober 2007)

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Heilige Lucia, die lichte Gottesbraut – 13. Dezember

Noch zwölf Nächte bis zur Krippe des Gottessohnes.

Auch die heilige Lucia hat auf den Tag gewartet, an dem sie ihren Gott von Angesicht zu Angesicht schauen durfte. Sie starb als eines der letzten Opfer der römischen Verfolgungszeit. In den Katakomben des heiligen Johannes von Syrakus, im Grabgewölbe des Eusebius, befindet sich in einer Grabstätte eine Inschrift, die den Kult der heiligen Lucia schon um das Jahr 400 bescheinigt.

Als die nordischen Eroberer das Reich der Cäsaren zertraten, ging auch das Gedächtnis der Märtyrin Lucia unter. Erst Jahrhunderte später entsann man sich wieder ihres Namens, und die sinnende Frau Legende wusste zu erzählen, was weder Stein noch Urkunde aufbewahrt hatten.

Lucia pilgerte mit ihrer Mutter Euthicia, die am Blutfluß litt, zum Grab der heiligen Agatha nach Catania. Dort rief sie fromm die große Heilige an und ward von ihr erhört. Voll Freude über die wiedererlangte Gesundheit gab die Mutter Lucia die Erlaubnis, ihre Mitgift an die Armen der Stadt zu verschenken. Das erzürnte den Bräutigam wider sie; und er ging hin und klagte seine Braut Lucia bei dem Richter Paschasius an, sie sei eine Christin und des Todes schuldig.

Paschasius befahl, Lucia ins Haus der Schande zu bringen; doch konnten „tausend Leute sie so wenig von der Stelle bringen wie ein Joch Ochsen, das die Knechte anspannten hatten“. Auch Feuer und siedendes Pech taten ihr nichts zuleide.

Während Paschasius in großer Verlegenheit dastand, wie er die Jungfrau endlich vom Leben zum Tode bringen könne, sprang einer von seinen Freunden herzu und stieß Lucia den Dolch bis zum Heft in die Kehle.

Lucia lebte noch, bis sie den Leib des Herrn empfangen hatte. Die Legende erzählt auch, dass Lucia vor ihrem Tode ihre Augen, die ihr Bräutigam immer gepriesen hatte, ihm als Dank für seinen Helferdienst zu Gott übersandt habe. Denn nun schaute Lucia mit den Augen des Geistes und hatte die leiblichen Augen nicht mehr nötig.

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Ambrosius von Mailand – 7. Dezember

So glaube denn, daß der Herr Jesus zugegen ist, herabgerufen durch das Gebet der Priester! Versichert er doch:
„Wo zwei oder drei sind, da bin auch ich“.
Wieviel mehr läßt er sich da, wo die Kirche ist, wo seine Geheimnisse sind, mit dem Geschenk seiner Gegenwart herab!

[…] Du bist hinabgestiegen. Erinnere dich, was du geantwortet: du wollest glauben an den Vater, glauben an den Sohn, glauben an den Heiligen Geist!

Da heißt es nicht: ich glaube an einen Größeren und an einen Geringeren und an einen Letzten.

Vielmehr liegt schon im gleichlautenden Bekenntnisse deines Mundes die Pflicht verbürgt, daß du gleicherweise an den Sohn glaubst, wie du an den Vater glaubst, gleicherweise an den Heiligen Geist glaubst, wie du an den Sohn glaubst. Eine einzige Ausnahme bildet dein Bekenntnis auf den Glauben: der Herr Jesus allein ist gekreuzigt worden.

(Ambrosius von Mailand (340-397) – Über die Mysterien)

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Heilige Barbara – 4. Dezember

Dioscorus hielt seine Tochter Barbara wie einen seltenen Edelstein. Er wollte sie einem vornehmen Freier vermählen. Wenn er verreiste, schloss er sie in einen Turm mit zwei Fenstern.

Als er aber eines Tages zurückkehrte, fand er noch ein drittes Fenster in die Wand des Turmzimmers gebrochen und auf der marmornen Schwelle das verhasste Kreuzzeichen.

Freimütig gestand Barbara, dass sie Kreuz und Fenster habe anbringen lassen, um sich stets an das Zeichen der Erlösung und an das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit zu erinnern.

Der Vater wollte sie auf der Stelle töten, doch sie entwich ihm.

Vor dem Richter führte sie ihre Sache so gut, dass der Vater nichts wider sie vorzubringen wusste als die Martern der Folterung. Gott heilte ihre Wunden.

Neu gestärkt erschien sie zum zweiten Mal vor dem Richterstuhl, wo der entmenschte Vater sie schon erwartete und nach grausamen Qualen mit eigener Hand tötete.

Aus solchem Tode aber wächst das Leben
und die Kraft des Geistes,
die alle Verfolgung überwindet.

(vgl. H. Hümmler. Helden und Heilige II)

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Johannes vom Kreuz – 24. November

Die Bedeutung des Wortes: Sein Kreuz auf sich nehmen.

Sein Kreuz auf sich nehmen, das heißt
aktiv in die dunkle Nacht eingehen.

Der Heilige Johannes vom Kreuz gibt dafür einige kurze und bündige Weisungen, von denen er selbst sagt:

Wer sich … allen Ernstes darin schulen will,
der wird keine anderen mehr brauchen,
da er in ihnen alle hat.

1) Trage immerfort das Verlangen, Christus in allen Dingen nachzuahmen und dein Leben dem seinen gleichförmig zu machen. Darum mußt du es betrachten, damit du es nachahmen und in allem dich so verhalten kannst, wie er sich verhalten würde.

2) Damit du das ja gut fertigbringst, mußt du auf jeden Genuß verzichten, der sich deinen Sinnen bietet, und ihn fern von dir halten, wenn er nicht einzig zur Ehre und Verherrlichung Gottes gereicht.

Und zwar sollst du das tun aus Liebe zu Jesus, der in seinem Leben keine andere Freude und kein Verlangen kannte, als den Willen seines Vaters zu vollziehen. Dies nannte er seine Speise und Nahrung. Wenn sich dir z. B. ein Vergnügen bietet im Anhören von Dingen, die nicht zum Dienste Gottes beitragen, dann sollst du daran weder Freude haben noch sie anhören wollen …

Ebenso übe Entsagung in Bezug auf alle deine Sinne, sofern du ihre Eindrücke gut abweisen kannst. Denn sofern du dies nicht kannst, genügt es, daß du wenigstens keine Freude daran hast, wenn diese Dinge an dich herantreten.

Sorge desgleichen dafür, wie du deine Sinne abtötest und unberührt bewahrst von jener Lust. Dann werden sie gleichsam im Dunkeln sein und du wirst so in kurzer Zeit große Fortschritte machen.

Als durchgreifende Mittel zur Abtötung und harmonischen Ordnung der vier natürlichen Leidenschaften: Freude, Hoffnung, Furcht und Schmerz mögen folgende Leitsätze dienen. Denn wo diese Leidenschaften beruhigt und wohlgeordnet sind, da können die obengenannten Güter und viele andere gedeihen. Darum sind diese Leitsätze auch von großem Wert und die Wurzel großer Tugenden.

Trage Sorge dafür, daß deine Neigung stets gerichtet sei:

– Nicht auf das Leichtere, sondern auf das Schwierigere,
– Nicht auf das Angenehmere, sondern auf das Unangenehmere,
– Nicht auf das, was dir mehr Freude, sondern was dir Unfreude bringt,
– Nicht auf das, was dir Trost, sondern vielmehr auf das, was dir Mißtrost bereitet,
– Nicht auf die Ruhe, sondern auf die Mühe,
– Nicht auf das Mehr, sondern auf das Weniger,
– Nicht auf das Höhere und Wertvollere, sondern auf das Niedrige und Unscheinbare,
– Nicht auf das, was etwas sein will, sondern auf das, was nichts sein will.
-Nicht das Bessere in den Dingen suchen, sondern das Schlechtere.

Verlange um Christi willen einzugehen in völlige Entblößung und Freiheit und Armut von allem, was es in der Welt gibt. Diese Werke sollst du von Herzen umfangen und dich bemühen, den Willen darin aufgehen zu lassen … Wird das Gesagte recht gehandhabt, so genügt es, um eingehen zu können in die Nacht des Sinnes …

Daß dieses aktive Eingehen in die dunkle Nacht der Sinne gleichbedeutend ist mit bereitwilligem Aufnehmen des Kreuzes und beharrlichem Kreuztragen, bedarf keiner Erläuterung mehr. Aber am Kreuztragen allein stirbt man nicht. Und um die Nacht völlig zu durchschreiten, muß der Mensch der Sünde sterben. Er kann sich zur Kreuzigung ausliefern, aber er kann sich nicht selbst kreuzigen.

Darum muß das, was die aktive Nacht begonnen hat, durch die passive Nacht vollendet werden, d. h. durch Gott selbst. »Soviel sich auch die Seele bemüht, sie vermag doch nicht durch eigene Anstrengung sich so wirksam zu reinigen, daß sie auch nur im geringsten zur vollkommenen Liebesvereinigung mit Gott fähig ist, wenn er sie nicht in seine Hand nimmt und in jenem dunklen Feuer reinigt …

Aus: Edith Stein/Sr. Teresia Benedicta a Cruce: Kreuzeswissenschaft – Studie über Johannes vom Kreuz, § 3. Dunkle Nacht der Sinne; b. Aktives Eingehen in die Nacht als Kreuzesnachfolge.

Johannes vom Kreuz

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Hl. Elisabeth von Thüringen – 19. November

Elisabeth, die Tochter des Ungarnkönigs Andreas, begann schon als Kind Gott zu fürchten. Je mehr sie an Alter zunahm, desto mehr nahm sie auch in der Frömmigkeit zu. Sie wurde dem Landgrafen Ludwig von Hessen und Thüringen zur Ehe gegeben. Mit der gleichen Gewissenhaftigkeit tat sie nun, was sie dem Herrgott und was sie ihrem Manne schuldig war. In der Nacht erhob sie sich und betete lange. Sie widmete sich den verschiedenen Werken der Barmherzigkeit und suchte mit großem Eifer den Witwen, den Waisen, den Kranken und den Armen zu dienen. Als eine schwere Hungersnot herrschte, verteilte sie freigebig das Getreide, das sie in ihrem Hause hatte. Gastfreundlich nahm sie Aussätzige auf und küßte ihnen Hände und Füße. Um Arme pflegen und speisen zu können, baute sie ein geräumiges Krankenhaus.

Nach dem Tode ihres Gatten legte sie, um Gott ungestörter dienen zu können, alle weltlichen Prachtgewänder ab, zog ein ganz schlichtes Kleid an und trat in den Bußorden vom heiligen Franziskus ein. Nun zeigte sich ganz besonders ihre Geduld und Demut. Denn es wurde ihr alles genommen, sie wurde aus ihrem eigenen Hause vertrieben und ward von allen verlassen. Unerschütterlich nahm sie allen Schimpf und Spott und alle Verleumdungen auf sich, ja sie freute sich sehr, daß sie solches für Gott leiden durfte. Armen und Kranken gegenüber gab sie sich selbst zu den niedrigsten Liebesdiensten hin und besorgte ihnen alles, was sie brauchten. Für sich selbst dagegen war sie mit Gemüse und Hülsenfrüchten zufrieden.

Unter diesen und vielen anderen frommen Werken floß in gottgefälliger Weise ihr Leben dahin. Schließlich nahte das Ende ihrer Pilgerschaft. Schon vorher teilte sie dies ihren Hausgenossen mit. Während sie die Augen unbeweglich zum Himmel erhob und in die Betrachtung göttlicher Dinge versunken war, wurde sie von Gott wunderbar gestärkt. Dann wurde sie mit den heiligen Sakramenten versehen und entschlief im Herrn (1231).

An ihrem Grabe geschahen alsbald viele Wunder. Gregor lX. erfuhr davon, ließ die Wunder entsprechend untersuchen und nahm Elisabeth in die Zahl der Heiligen auf.

Das Rosenwunder. Gemälde von Moritz von Schwindt, 1855. Das Brot für die Bedürftigen unter Elisabeths Mantel verwandelt sich in Rosen.

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Heilige Gertrud (von Helfta, die Große) – 16. November

Gebete für Personen mit großem Verlangen, der Herr möge sie wiederherstellen oder als Kranke zu ihrem Trost noch auf Erden lassen, dass der Herr, der die Bitten der Demütigen niemals verschmäht, sie ohne Zweifel gerade deswegen länger im Körper zurückhielt, indem er sowohl ihre Verdienste vermehrte als auch an der Liebe jener Bittenden sich erfreute.

O tausendfach begehrtes Gut,
Wann stillst du meiner Sehnsucht Glut!
Wann bringst du mir mein einzig Heil,
Wann wirst du, Jesus, mir zuteil!

Komm, Vater, bester Fürst, sogleich,
An Glorie unermesslich reich,
Brich voll hervor und säume nicht,
O längst ersehntes selig Licht!

Besiegt von deiner Lieb und Huld,
Tilg unsre Übel, jede Schuld,
Und lass uns, gnädig unserm Flehn,
Dein wonnelabend Antlitz sehn!

„Es dürstet meine Seele“

„O liebreichster Vater, ich opfere dir“

Ich opfere dir, o liebreichster Vater, zur Sühnung das ganze Leiden deines geliebtesten Sohnes auf, das er von der Stunde an, wo er in der Krippe auf Heu gebettet wimmerte, und nachher erduldete durch die Bedürfnisse der Kindheit, durch die Gebrechen im Knaben-, durch die Widerwärtigkeiten im Jünglings- und durch die Schmerzen im Mannesalter bis zu jenem Augenblick, da er, sein Haupt am Kreuz neigend, mit lautem Schrei den Geist aufgab.

Ebenso opfere ich dir, o liebreichster Vater, zum Ersatz für alle meine Nachlässigkeiten den ganzen hochheiligen Lebenswandel auf, der in Gedanken, Worten und Werken der vollkommenste war von der Stunde an, da er vom höchsten Thron zu uns herniederstieg, bis zu dem Augenblick, wo er deinem «väterlichen Anblick die Herrlichkeit des siegreichen Fleisches vorgestellt hat»

Ebenso preise ich und bete an mit deiner alles überragenden Barmherzigkeit zugleich jene süßeste Güte, in der du, Vater der Erbarmungen, über mich Sünderin Gedanken des Friedens gedacht und nicht der Züchtigung und in der du mich durch die Menge und Größe deiner Wohltaten also erhöht hast, als wenn ich vor den übrigen Sterblichen ein engelgleiches Leben auf Erden geführt hätte.

(Hl. Gertrud. Gesandter der göttlichen Liebe)

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