Tacheles zum Synodalen Weg

Ein Jurist schreibt ein flottes Buch über den Synodalen Weg in Deutschland und wählt den aussagekräftigen Titel: „Einspruch, Exzellenzen!“ Auf dem Einband des Buches ist klar und deutlich die Position des Autors vermerkt:

Der deutsche Synodale Weg besteht vorwiegend aus Synodalen, einem mehr oder weniger geschlossenen Kreis von ausgewählten Lobbyisten diffuser Glaubensprovenienz, die nicht im Sinne der traditionellen Frömmigkeit Katholiken sind. Bis 2023 pilgern sie auf einem hoffnungslosen Fluchtweg zwischen Himmel und Hölle, denn die Synodalen halten die Hochspannung zwischen Gut und Böse nicht aus. Lieber verleugnen sie den Teufel. Sie versuchen sogar, die Spannung dadurch zu deeskalieren, dass sie den katholischen Kampf gegen die westliche Kultur des Todes aufgeben und alles aufnehmen, was Aufnahme begehrt. Eine Gesellschaft aber, die den Tod protegiert, liegt selbst im Sterben.

Der Jurist deckt auf, will die Wahrheit kennen und macht deutlich, was hinter der Bewegung steht, die sich synodal nennt. Zudem hält er seine Meinung nicht zurück und schreibt, was er davon hält. Thommy M. Schott redet „Tacheles zum Synodalen Weg“.

In einem Interview mit Clara Steinbrecher (Maria 1.0) erzählte der Autor, dass nicht erst seit 2019, dem Beginn des Synodalen Weges, seine „Frustrationsgrenze“ überschritten war. Er hatte bereits viel früher schon festgestellt, dass sich im Grunde „alles um Sex and War“ drehe. Denn es gäbe zwar Menschen, die Priester sein möchten, aber von Keuschheit nichts hielten: „Der zölibatäre Priester soll vom Hof gejagt werden.“

Den Synodalen und Reformern schreibt er mit der Erkenntnis der Psychologie ins Stammbuch: „Wer sich bei jeder Gelegenheit mit dem Opfer identifiziert, gibt vor, die Lösung des Problems in der Tasche zu haben, egal wie die aussieht. Und wer ihrem Lösungsansatz widerspricht, wird als Verleugner des Problems beschimpft und vom Diskurs ausgeschlossen.

Schott bezeichnet die Vorgehensweise der Modernisierer als alten und durchschaubaren Trick. Und weil sich viel zu wenige Menschen „mit der Scheinheiligkeit der Synodalen“ auseinandersetzten, würde diese Methode auch heute wunderbar funktionieren.

Die Art und Weise der Argumentation des Autors macht dem Juristen Thommy M. Schott alle Ehre. Er entlarvt sowohl die handelnden Personen als auch deren fadenscheinigen Interessen. Sein Plädoyer ist scharf und klar: „Der Reformprozess ist längst entschieden und Stetter-Karp wie Bätzing stellen erneut die deutsche Frage. Wenn Rom fällt, brauchen wir Katholiken eine Enklave, in der wir die Zeiten überstehen.

Der Autor verbindet wichtige menschheitsgeschichtliche Ereignisse mit denen des Synodalen Weges. Etwa jene des Jahres 1789, als die Französische Revolution 230 Abgeordnete zur Nationalversammlung führte. Diese Zahl muss als wichtiges symbolisches Zeichen erkannt werden, da auch die Synodenversammlung 230 „Abgeordnete“ zählt. Selbstredend sind auch Ideen und Methoden von 1789 für die Chefs der Frankfurter Konferenzen verbindend und beliebt; man beachte nur den Umgang mit Personen, die nicht mehrheitsfähige Positionen vertreten. Hierzu ist die Synodalversammlung im September dieses Jahres bezeichnend.

Ein anderes geschichtliches Ereignis, das von Schott betrachtet und bewertet wird, ist jenes von 1951, als in den USA auf Druck von sogenannten Feministinnen die Pille entstand bzw. von Carl Djerassi entwickelt wurde. Endlich wurde auch, so die Ansicht der Politik, die Weltbevölkerung planbar. Dass die Pille eigentlich zunächst nur die Vermehrung der schwarzen Bevölkerung in den USA reduzieren sollte, war dem Feminismus nur eine Randnotiz wert. Dennoch wurde nun Emanzipation gleichgesetzt mit der sexuellen Freiheit. Die Pille wurde zum Heilsbringer hochstilisiert, denn der Spaß an der Sexualität konnte endlich grenzenlos propagiert werden, da sie in und vor allem außerhalb der Ehe folgenlos bleiben konnte. Die sexuelle Befreiung legte nun richtig los.

Dass sich dies auf die pastorale und katechetische Arbeit der Kirche auswirken würde, war allen klar. Papst Paul VI. und seine Enzyklika Humanae Vitae im Jahr 1968 waren ein Prüfstein, an dem sich besonders liberale Kirchenführer wie Laien echauffierten und abarbeiteten. Der Papst wurde seither oft als „Pillen-Paul“ verunglimpft, weil er sich gegen die neue Moral, die mit der „Antibabypille“ um sich griff, stellte. Nicht verwunderlich war, dass sich insbesondere auch und gerade deutsche Bischöfe hervortaten und sich für eine neue Lehre einsetzten – oder besser, die traditionelle katholische Lehre bekämpften.

Thommy M. Schott setzt nicht nur mit der Sexualität zuzurechnenden Themen auseinander. Sämtliche Initiativen des sogenannten Aufbruchs für die Zukunft der Kirche, die doch in Wirklichkeit einen Abbruch der katholischen Kirche bedeuten, werden behandelt. Aber auch die handelnden Personen werden vom Autor unter die Lupe genommen und analysiert. Manchen von ihnen werden heftig kritisiert und manchmal wird ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt.

Dem FE-Verlag und seinem Geschäftsführer Bernhard Müller ist für den Mut zu danken, dieses Buch verlegt zu haben. Auf dem Buch-Cover wurde ein Stempel zugefügt mit dem Abdruck „Achtung, nur für Katholiken“. Dies trifft es wohl. Denn nur solche werden Freude beim Lesen haben, während die übrigen – nennen wir sie „die Synodalen“ – sicher nicht in Jubel ausbrechen werden.

Thommy M. Schott:
Einspruch, Exzellenzen!
Tacheles zum Synodalen Weg
FE-Medienverlag 2022
235 Seiten; 12,80 Euro
ISBN: 978-3863573645

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Neue Ausgabe in Latein: DE IMITATIO CHRISTI

Empfehlung für ein wunderbares Weihnachtsgeschenk.
Auch empfehlenswert für alle Liebhaber der lateinischen Sprache,
und für solche, die es jungen Menschen ermöglichen möchten,
sowohl das Latein leicht zu erlernen,
als auch geistlichen Texten zu begegnen.

Neuausgabe
des lateinischen Textes
(nach der kritischen Ausgabe):

Thomas von Kempen (ca. 1380-1471)
DE IMITATIO CHRISTI
(Die Nachfolge Christi)

 

Nach der Bibel gibt es kein anderes Buch,
das in so vielen Ausgaben und Übersetzungen
gedruckt wurde.

Um die Lesbarkeit des Textes zu verbessern,
wurde er durch die Akzentuierung ergänzt
und erscheint zudem im größeren Format.

Verlagsbuchhandlung Sabat

Erscheinungsdatum 12. Dezember 2022

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Grundriß der katholischen Apologetik

Apologetik
– die Verteidigung des Glaubens –
ist höchst hochaktuell

Der Priester Joseph Schielle (1871-1966) war fünfzig Jahre Domkapitular in Eichstätt (1916-1966); er starb im gesegneten Alter von 95 Jahren. Eine seiner zahlreichen Aufgaben war die Sorge um den katholischen Religionsunterricht an höheren Schulen. Er verfasste in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts mehrere apologetische Schriften, die schließlich in dem Werk „Grundriß der katholischen Apologetik“ mündeten.

Angesichts der allgemeinen Glaubensverdunstung, ja des gravierenden Defizits an Glaubenswissen, ist es nicht verwunderlich, wenn heutzutage auch unter jenen Katholiken, die Verantwortung in der katholischen Kirche tragen, etwa beim sogenannten „Synodalen Weg“, antikatholische Thesen propagiert und durchgesetzt werden sollen. Aber leider gibt es auch unter Priestern einen erheblichen Mangel an katholisch-theologischer Kompetenz.

Vermutlich war dies alles Grund dafür, dass der Renovamen-Verlag den „Grundriß der katholischen Apologetik“ von Schielle wieder aufgelegt hat. Für den Druck zugrunde gelegt wurde die 9. Auflage aus dem Jahr 1953.

Die gegenwärtige Glaubens- und Kirchenkrise zeigt deutlich, wie wichtig die Kenntnis des ganzen katholischen Glaubensgutes ist. Mit dem „Grundriß der katholischen Apologetik“ wird ein Handbuch angeboten, das beides verbindet: die katholische Lehre und die Verteidigung der katholischen Positionen.
Joseph Schielle widmet sich der Aufgabenstellung der Apologetik im klassischen Sinne. Dennoch ist das Buch leicht verständlich und nicht in der klassischen theologischen Amtssprache verfasst. Nach der Erörterung der göttlichen Offenbarung wird dieselbe bewiesen und deren unverfälschte Weitervermittlung durch die römisch-katholische Kirche dargelegt. Dabei setzt sich Schielle in populärwissenschaftlicher Form mit Einwürfen gegen den Glauben auseinander, die immer wieder vorgebracht wurden und werden.

Dem Wert der vorgebrachten Argumentation tut es keinen Abbruch, daß manche Gegner, die Schielle anspricht, inzwischen weithin vergessen sind, denn deren Positionen sind heute noch immer verbreitet. Sie müssen immerzu widerlegt werden. Die Neuveröffentlichung der Apologetik Schielles liefert einen Beitrag dazu, den deutschen Büchermarkt nicht kampflos aufzugeben bzw. der Gehässigkeit gegen den Glauben und die Kirche zu überlassen. Vielmehr hilft die vorliegende Apologetik Mut zu fassen, um mit dem Apostel Paulus in die Offensive zu gehen: „Ich weiß, wem ich geglaubt habe.“ (2 Tim 1,12)

„Apologetik ist die Wissenschaft, welche die Glaubwürdigkeit der von der katholischen Kirche verkündeten göttlichen Offenbarung beweist“, definiert das Buch. „Die noch nicht Gläubigen sollen durch sie überzeugt werden, daß es vernünftig ist, der Offenbarung Glauben zu schenken; die bereits Gläubigen sollen im Glauben bestärkt, gegen Zweifel sichergestellt und in den Stand gesetzt werden, den Glauben gegen Angriffe zu verteidigen. Ihre Beweise schöpft die Apologetik hauptsächlich aus der Vernunft und Geschichte.“

Erstveröffentlicht bei CNA

Joseph Schielle
Grundriß der katholischen Apologetik
Renovamen-Verlag 2022
276 Seiten; 18 Euro
ISBN: 978-3956211607

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Hilaire Belloc über die Französische Revolution

Bereits im Vorwort seines Buches „Die Französische Revolution“ stellt Hilaire Belloc seinen Standpunkt dar, mit dem er sich keineswegs als ihr Gegner bezeichnet: „Wenn eine persönliche Bemerkung gestattet ist, so möchte der Verfasser dem Leser nicht vorenthalten, daß er selbst Katholik ist und daß seine politische Sympathie ganz und gar der politischen Theorie der Revolution gilt.“

Diese Position bekräftigt der Autor mehrmals, etwa wenn er schreibt: „Es ist für einen Theologen, oder auch nur für einen praktischen kirchlichen Lehrer, unmöglich, mit dem Finger auf eine für die Revolution wesentliche politische Doktrin hinzuweisen und zu sagen: ‚Diese Doktrin steht im Widerspruch zum katholischen Dogma oder zur katholischen Moral.‘ Umgekehrt ist es für den Republikaner unmöglich, mit dem Finger auf eine Tatsache der kirchlichen Disziplin oder des religiösen Dogmas hinzuweisen und zu sagen: ‚Dieser katholische Gesichtspunkt steht im Widerspruch zu meiner politischen Staatstheorie.‘“

„Die Französische Revolution“ schrieb Belloc 1911 im Alter von 41 Jahren. Es handelt sich um eine Verteidigungsschrift. Zumindest in weiten Teilen seines Buches zeigt sich Belloc als Bewunderer der Französischen Revolution. Er sah sie als unvermeidlich an.

Die Strukturen der Macht waren dekadent und korrupt. Die Zeiten in der Mitte des 18. Jahrhunderts waren in Frankreich, aber auch in anderen Staatsgebilden Europas, wenig effektiv. Wie viele Menschen jener Epoche sah auch Belloc die Revolution als einen Ausdruck des allgemeinen Willens.

Dabei war für ihn der Katholizismus keineswegs die Ursache der Revolution. Damit stellte er sich gegen anderslautende Stimmen, vor allem jener, die als Gegner der Kirche angesehen werden können.

Belloc sah auch nicht, dass der Katholizismus mit dem neuen Regime unvereinbar sein könnte. Vielmehr glaubte er, dass die katholische Kirche in Frankreich durch königliche und aristokratische Einflüsse verdorben worden sei. Der Staat hätte, so der Autor, die Kirche für seine eigenen Zwecke benutzt und ausgenutzt.

Belloc beleuchtet in seinem Buch „Die Französische Revolution – Wendepunkt der Geschichte“ zunächst die „Politische Theorie der Revolution“. In Kapitel 2 fasst er Jean-Jacques Rousseaus „Contrat Social“ (Gesellschaftsvertrag, Prinzipien des politischen Rechtes) zusammen, den er als den wichtigsten „Text der Revolution“ bezeichnet. In Kapitel 3 über „Die Charaktere der Revolution“ analysiert er rigoros die Persönlichkeiten und Charaktere von König Ludwig XVI. und von Marie Antoinette. Über den König sagt er: „Er war sehr langsam im Denken und sehr langsam in den Entscheidungen. Seine physischen Bewegungen waren langsam. Die Bewegung seiner Augen war auffallend langsam. Er hatte die Gewohnheit, in den unpassendsten Augenblicken von Müdigkeit überwältigt einzuschlafen.“ Aber noch weitere Akteure jener Zeit werden akribisch von Belloc behandelt: Mirabeau, La Fayette, Dumouriez, Danton, Carnot, Marat und Robespierre.

„Die Phasen der Revolution“ werden im 4. Kapitel kurz zusammengefasst, in sechs Zeitabschnitte unterteilt und analysiert (Mai 1789 bis 17. Juli 1789; 17. Juli 1789 bis 6. Oktober 1789; Oktober 1789 bis Juni 1791; Juni 1791 bis September 1792; von der Invasion im September 1792 bis zur Gründung des Komitees für öffentliche Sicherheit im April 1793 und von April 1793 bis Juli 1794).

Das Kapitel 5, „Der militärische Aspekt der Revolution“, beschreibt die Feldzüge. Belloc vergleicht die anfänglichen Erfolge mit der endgültigen Niederlage, bei der auch erstmals Napoleon Bonaparte eine substanzielle Erwähnung findet.

„Drei Punkte müssen wir sorgfältig im Auge behalten, wenn wir die militärische Geschichte der Revolution betrachten“, so Belloc. „Erstens, daß sie zum Erfolg führte: die Revolution, betrachtet als politisches Motiv ihrer Armeen, war siegreich. Zweitens siegte sie dank der militärischen Fähigkeiten und Voraussetzungen, die zufällig gegeben waren, die aber keinesfalls zwangsläufig gegeben waren, und weiterhin dank der festen Überzeugungen und der allgemeinen Begeisterung der Zeit. Drittens, daß das Element des Zufalls, das jeder weise und vernünftige Betrachter bei allen militärischen Geschehnissen in weitestem Umfang mit einkalkulieren wird, in den kritischen Situationen der anfänglichen Kriege zugunsten der Revolution wirkte.“

Das Kapitel 6 über „Die Revolution und die katholische Kirche“ ist der „bedeutendste der Aspekte“, die der Autor behandelt. Die katholische Kirche in Frankreich hat durch die Französische Revolution stark gelitten; zunächst durch die politische Theorie, aber auch in Bezug auf die Lehre der katholischen Kirche.

Belloc untersucht den Zustand der gallikanisch-katholischen Kirche unter dem alten Regime, unter dem antiklerikaler Unglaube akzeptiert und sogar erlaubt wurde. Die Glaubenspraxis wurde immer schwächer, während die Amtsträger der Kirche, die Bischöfe und Kardinäle, weltlich geschützt und immer reicher wurden. Belloc versucht das Mönchtum während der Regierungszeit Heinrichs VIII. mit der katholischen Hierarchie im Frankreich des 18. Jahrhunderts zu vergleichen. Es ist unklar, warum der Autor die Aufstände und die Massaker in der Vendée ignoriert bzw. nur kurz in Kapitel 5 erwähnt.

Der Versuch der Revolutionäre, alle Kirchen zu schließen, war ein Fehlschlag. Auch der Versuch einer „Entchristianisierung“, wie Belloc es nannte, scheiterte, wobei die Zeiten des Terrors und der Grausamkeit eine große Zahl der Märtyrer hervorbrachten.

Der Erlaß vom 27. Mai trat elf Tage nach dem Sturm auf die Tuilerien in Kraft. Zugegeben, er trat nicht in der grausamen Form in Kraft, die das Parlament gefordert hatte: den eidverweigernden Priestern wurde eine Frist von vierzehn Tagen eingeräumt, um das Königreich zu verlassen, doch wenn sie von diesem Aufschub keinen Gebrauch machen würden, sollten sie zwangsweise deportiert werden.

Von diesem Zeitpunkt an bis zum Ende des Terrors, dreiundzwanzig Monate später, ist die Geschichte der Beziehungen zwischen der Revolution und der Kirche zwar wild und grauenhaft, jedoch klar: es ist die Geschichte der reinen Verfolgung, die in extremer Grausamkeit und in der angeblichen Ausrottung des Christentums in Frankreich gipfelte. Die orthodoxe Geistlichkeit galt zu dieser Zeit überall als der typische Feind der Revolutionsbewegung, diese ihrerseits sah in der Revolutionsbewegung den grundsätzlichen Versuch zu einer Vernichtung der katholischen Kirche.

Sieben Monate nach dem Zusammenbruch der Monarchie, vom 18. März 1793 an, konnten die Priester, ganz gleich ob sie den Eid verweigert hatten oder Schismatiker waren, auf Verlangen von sechs beliebigen Bürgern deportiert werden.

Es erfolgte sofort ein Generalangriff auf die Religion. Der Versuch einer Schließung aller Kirchen war natürlich ein Fehlschlag, aber man war der festen Überzeugung, daß diese noch vorhandene Anhänglichkeit an die katholische Kirche einzig auf die Unwissenheit ländlicher Gebiete, in denen sie sich behauptete, oder auf die persönlichen Interessen derer, die sie pflegten, zurückzuführen sei. Der Versuch einer völligen „Entchristianisierung“, wie es hieß, schlug fehl, aber die Monate des Terrors und der Grausamkeit, die vielen Fälle von Märtyrertum (denn um nichts weniger handelte es sich) und die unglaublichen Leiden und Beleidigungen, denen die Priester, die im Lande zu bleiben versuchten, ausgesetzt waren, brannten sich sozusagen bis ins Mark der katholischen Organisation in Frankreich ein und blieben, trotz dieser oder jener politischen Theorie und trotz der nationalen Sympathie für die Priesterschaft, das eine große Erleben, dessen Erinnerung seit jener Zeit nicht erloschen ist.

Erst die revolutionären Ereignisse, durch welche die Französische Revolution selbst den Charakter eines Glaubensbekenntnisses angenommen habe, führte zu den unseligen Massakern. Heute wissen wir, dass es der Revolution gelang, Europa ihre Ansichten aufzuzwingen. Ihr Erfolg war, dass aus ihr der Keim der modernen Gesellschaft hervorging und vermeintlich noch immer hervorgeht. Dabei werden aber sowohl die Ursache, mehr noch das Ausmaß der Verbrechen des militärischen Erfolgs, der allein dies alles erst ermöglichte, weitgehend ignoriert und sogar völlig missverstanden.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass Belloc nicht nur die liberale und antikatholische Sicht der Reformation und der Neuzeit kritisierte. Er zeigt auch auf, dass große Teile des Klerus vom Glauben abgefallen waren. Durch die enge Verbindung zwischen der Hierarchie und den politischen Strukturen des Staates kam es zu Apostasien und zur Staatshörigkeit. Diese wiederum zerstörten das Ansehen des katholischen Dogmas und der katholischen Moral. – Womöglich erinnert dies an die gegenwärtige Epoche.

(Erstveröffentlichung bei CNA)

Hilaire Belloc
Die Französische Revolution. – Wendepunkt der Geschichte
Renovamen-Verlag, 2. Auflage 2022
304 Seiten; 16 Euro
ISBN 978-3956211577

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Prof. Georg May und sein „Lebensweg“

Keine Besserwisserei, keine Aufschneiderei, keine Anklagen

Georg May wurde 1926 geboren. Sein Elternhaus war in Niederschlesien. 1951 wurde ihm die Priesterweihe gespendet. Seit jenem Tag zelebriert er die Heilige Messe im traditionellen überlieferten Ritus. Nicht das Zweite Vatikanische Konzil, weder Päpste noch Bischöfe konnten ihn davon abbringen, die Messe seiner Kindheit und seiner Priesterweihe zu verleugnen. Dennoch war Professor May sein ganzes Leben als Priester, Lehrer und Theologe ein treuer Sohn der katholischen Kirche. Papst Benedikt würdigte ihn 2011 mit dem Titel des Apostolischen Protonotars.

Erst im gesegneten Alter von 96 Jahren hat May seinen „Lebensweg“ schriftlich vorgelegt. Das Buch, erschienen bei Christiana im fe-Medienverlag, umfasst 254 Seiten und ist mit zahlreichen Fotos ausgestattet. May wäre nie „auf den Gedanken gekommen, Memoiren zu schreiben“, gibt er in seinem Vorwort zu Protokoll: „Denn ich leide nicht an Selbstüberschätzung“, erklärt er, und weist es immer wieder zurück, seine eigene Biografie zu schreiben.

Die vorliegenden Erinnerungen von May sind für ihn nur ein Zeugnis der Wahrheit. Auch wenn manche mit ihm, seinen Ansichten und seiner Art, Theologie zu treiben, nicht einverstanden waren oder sind, steht als Motto über all seinen Erinnerungen sein Wunsch, „dass sie allen nützen und niemandem schaden mögen“.

Georg May wurde in München summa cum laude zum Doktor im Fach Kirchenrecht promoviert. Sein Lehrer war der Kanonist Klaus Mörsdorf. Nach seiner Habilitation 1957 lehrte er Kirchenrecht in Freising und ab 1960 in Mainz. Hier hatte er von 1960 bis 1994 den Lehrstuhl für kanonisches Recht, Staatskirchenrecht und kirchliche Rechtsgeschichte inne. Schon in der Zeit vor seinem Umzug nach Mainz hatte er sich einen Namen gemacht, der dazu führte, dass er sowohl in München als auch in Salzburg als Konservativer nicht den jeweils angestrebten Lehrstuhl bekommen hatte.

May veröffentlichte hauptsächlich kanonistische und kirchengeschichtliche Werke. Bedingt durch die nachkonziliare Liturgiereform verfasste er auch zahlreiche liturgische Arbeiten, etwa über die tridentinische Liturgie, die er mit wissenschaftlicher Akribie verteidigte.

Genau so nüchtern und demütig berichtet Georg May von seinem Lebensweg in „Breslau – München – Mainz“. Keine Besserwisserei, keine Aufschneiderei, keine Anklagen. Als Kirchenrechtler weiß der betagte Autor präzise mit Worten umzugehen.

Im Schlusswort seines Buches notiert der alte und weise Priester und Professor Georg May die folgenden Zeilen, bei denen man spüren kann, dass sie von einem Menschen mit einem schlagenden Herzen kommen, der an der letzten Schwelle seines Lebens angekommen ist und bald vor dem Richterstuhl Gottes stehen wird:

Insgesamt bin ich weit davon entfernt, mit Genugtuung auf mein Leben und Wirken zurückzublicken. Über mein Ungenügen war ich mir nie im Zweifel. Denn ich verglich mich mit denen, die besser waren als ich, und tat dies ohne Ressentiment. Mit meinen Leistungen war ich nie zufrieden, wusste vielmehr um ihre Schwächen und ihre Lückenhaftigkeit. Demütigungen hinzunehmen, fiel mir anfangs schwer. Aber ich lernte dazu, bestärkt durch Wort und Beispiel Bischof Pionteks sowie durch die (tägliche) Lektüre der „Nachfolge Christi“. Nie litt ich an Überschätzung, eher am Gegenteil. Manchmal, vielleicht öfter war ich voreilig und handelte zu schnell. Weniger Engagement und Wagemut hätten meinem Frieden, meinem Ansehen und meinem Vorankommen mehr gedient. Im Reden hätte ich zurückhaltender und vorsichtiger sein sollen. Saloppe und überspitzte Äußerungen machten mir noch viele Jahre später Gewissensbisse. Gelegentlich mischte ich mich – mit guter Absicht – in die Angelegenheiten anderer ein und bescherte mir damit Unannehmlichkeiten. Man muss lernen, vielen Dingen ihren Lauf zu lassen, so sehr man auch mit Beteiligten, Zurückgesetzten und Unterdrückten leidet. Eines ist sicher: Ich habe mich in meinem Leben nie geschont und nicht bedeckt gehalten. Bei mir wusste jeder, woran er ist. …

Mir bleibt zum Schluss nur der Dank an Gott. Mein Religionslehrer und Freund Wilhelm Erben sagte mir kurz nach der Priesterweihe: „Du wirst geführt.“ Diese Führung habe ich deutlich gespürt. Hoffentlich bin ich ihr gefolgt. In jedem Fall bleibt das Bekenntnis: „Misericordias Domini in aeternum cantabo“ (Psalm 99,1).

Das an Informationen reiche Buch ist vor allem jenen empfohlen, die wissen wollen, wie es zum Niedergang des Glaubens, ja zur Selbstzerstörung der Kirche gekommen ist. Insbesondere aber sei es allen Priestern und allen Priesteramtskandidaten anempfohlen, sowie all jenen, die wie May in Treue der katholischen Lehre folgen wollen.

Georg May: Breslau – München – Mainz. Mein Lebensweg; Christiana-Verlag 2022; 254 Seiten; 10 Euro; ISBN: 978-3717113522.

Georg May
Breslau – München – Mainz.
Mein Lebensweg
Christiana bei FE-Medien 2022
Mit viele Fotos
254 Seiten; 10 Euro
ISBN: 978-3717113522

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Die Offenbarungen der heiligen Birgitta von Schweden

Apollonia Buchinger war die letzte Priorin des von der römischen Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens im Dezember 2015 aufgelösten Klosters Altomünster. Das Kloster gehörte seit Ende des 15. Jahrhunderts zum „Orden des Allerheiligsten Erlösers“, der von der heiligen Birgitta von Schweden (1303-1373) gegründet wurde.

Schwester Apollonia Buchinger OSsS übersetzte in einer zwei Jahrzehnte dauernden Arbeit anhand der „kritischen Neuausgabe“ des schwedisch-dänischen Birgittenforschers Tore Nyberg die „Werke“ der hl. Birgitta, insbesondere ihre „Offenbarungen“, in ein heute verständliches Deutsch.

Die Offenbarungen der schwedischen Fürstin, achtfachen Mutter und Ordensgründerin Birgitta Birgersdotter haben den Glauben vieler gläubiger Menschen bis hinein in das vergangene Jahrhundert beeinflusst und ihre Glaubenswelt mitgeprägt. Umso bedeutsamer ist die Übersetzung der Werke der großartigen mittelalterlichen Heiligen Birgitta, damit sie auch in unsere Zeit hineinstrahlen kann und Menschen zum Glauben an Jesus Christus führt.

Birgitta wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts geboren und gehörte dem Hochadel an. Ihre Eltern waren fromm, so dass es nicht verwunderlich war, dass auch Birgitta ein Kind von großer Frömmigkeit war. Nach dem frühen Tod der Mutter wuchs sie bei ihrer Tante auf. Mit zwölf Jahren hatte Birgitta ihre erste Vision, als ihre Tante sie nachts neben ihrem Bett kniend und unter Tränen betend vorfand. Der Gekreuzigte erschien ihr und zeigte ihr an, dass er immer noch leiden müsse, wegen all jener Menschen, die ihn verachten und sich nicht um seine Liebe kümmern.

Obwohl Birgitta eine Jungfrau bleiben wollte, musste sie nach dem Willen ihres Vaters heiraten. Die Ehe mit dem 18-jährigen Ulf Gudmarsson dauerte bis zu dessen Tod – 28 Jahre. Obwohl Birgitta acht Kinder gebar, bedeutete eheliche Gemeinschaft für sie: geistige Liebe, wechselseitige Hingebung und fleischliche Vereinigung ohne Wollust.

Die Eheleute unternahmen 1341-43 eine gemeinsame Wallfahrt nach Santiago de Compostela. Nach dieser Wallfahrt trat Ulf in ein Zisterzienserkloster ein. Hier verstarb er 46-jährig im Jahr 1344. Birgitta verteilte nun ihre Besitzungen an die Armen und an ihre Kinder. König Magnus stellte ihr 1346 das Gut Vadstena zum Bau eines Klosters zur Verfügung. Es sollte jedoch viele Jahre dauern, bis sie für ihren Orden die päpstliche Zustimmung erhielt.

Bereits 1342 begann Birgitta, ihre Offenbarungen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Um zu klären, ob das, was sie vernahm, wirklich von Gott stammte und kein Blendwerk des Teufels war, überließ sie in Demut das Urteil ihrem Beichtvater.

Ein neuer Lebensabschnitt begann für Birgitta, als sie im Herbst 1349 (mit einem kleinem Gefolge) die Reise nach Rom antrat. Birgittas Haus in Rom wurde im Heiligen Jahr 1350 zur Herberge für Pilger aus dem Norden. Sie selbst kümmerte sich um Obdachlose und Arme.

Birgitta kannte vier Päpste. Sie wurde zu einer Frau, die ihnen ins Gewissen redete. Papst Clemens VI. (1342-52) nahm sie nicht wirklich ernst und weigerte sich, ihre Ordensregel zu bestätigen. Auch Innozenz VI. (1352-62) schenkte ihr wenig Gehör. Erst Urban V. (1362-70) bestätigte Birgittas Ordensregel und machte Ernst mit der in Birgittas Visionen geforderten Rückkehr von Avignon nach Rom. Starker Widerstand veranlasste ihn jedoch 1370 zu einer Rückkehr nach Avignon, wo er bald darauf starb. Gregor XI. (1370-78) kehrte wieder nach Rom zurück, dann aber kam es zu dem unheilvollen abendländischen Schisma, der Zeit der Gegenpäpste in Avignon.

In den Jahren 1371-73 unternahm Birgitta eine Pilgerreise ins Heilige Land. An den Heiligen Stätten erlebte sie mehrere Visionen über das Leben und Sterben Jesu und über Maria. Sie schaute die Passionsgeschichte, die sie in einer Offenbarung in der Grabeskirche erfuhr. Diese gehören zu den eindrucksvollsten Berichten.

Birgitta starb kurz nach ihrer Rückkehr von der Pilgerreise nach Jerusalem in ihrem Haus in Rom mit den Worten: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.“ Ihre Vision von einem Kloster in Schweden hatte sich bis dahin noch nicht endgültig erfüllt.

Erst unter ihre Tochter Katharina, die sie zeitlebens treu begleitete, wurde der Birgittenorden (Ordo Sanctissimi Salvatoris, OSsS, zu Deutsch „Orden des Allerheiligsten Erlösers“) offiziell errichtet.

Im Vorwort der „Werke“ ihrer Textübertragung weist Schwester Apollonia Buchinger darauf hin, man müsse die beiden Bände nicht der Reihe nach lesen. Sie empfiehlt stattdessen, mit dem 5. Buch der Offenbarungen zu beginnen, die den Beginn des zweiten Bandes kennzeichnen. Dort würden die „Fragen eines Priesters an Jesus Christus“ behandelt, die „auch in unserer Zeit aktuell“ seien.

In der sechsten Offenbarung dieses Buches spricht „Christus zu seiner Braut, der heiligen Birgitta“ und unterweist sie, „indem er sagt, dass im geistlichen Leben durch Mühe und kräftige Beharrlichkeit“ sowie „indem man mit Demut dem Rat der Älteren folgt, tapfer den Versuchungen Widerstand leistet, die Ruhe des Herzens und die ewige Seligkeit erlangt wird“.

In der siebten Offenbarung kommt die Sprache auf die häufige Beichte, die heutzutage als verlorenes Sakrament gilt. Der Sohn Gottes spricht, indem er mahnt, die Gnade, die der Glaubende hat, solle er nicht verlieren:

Wo Feuer in einem Haus ist, ist eine Öffnung notwendig, durch die der Rauch hinauszieht, damit der Bewohner Freude an der Wärme hat. So ist für einen jeden, der meinen Geist und meine Gnade zu haben begehrt, ein beständiges Beichten nützlich, durch das der Rauch der Sünde abzieht. Denn obwohl mein göttlicher Geist in sich unveränderlich ist, zieht er sich dennoch schneller von einem Herzen zurück, welches nicht die Beichte der Demut bewacht.

Drastisch wird gesagt, dass das Gebet von Menschen, „die sich an fleischlichen und irdischen Freuden ergötzen und dabei das Verlangen nach dem Himmel, die Liebe und das Gedenken an sein Leiden und das ewige Gericht vernachlässigen, wie der Klang zusammengeschlagener Steine ist, und dass sie vor dem Angesicht Gottes auf schreckliche Weise wie eine Fehlgeburt und wie ein unsauberer Lappen von Monatsblut verworfen werden.“

Die Übersetzerin hat die deftige Sprache Birgittas beibehalten und drängt die Leser der Offenbarungen danach, sich selbst vor dem Antlitz Gottes zu betrachten.

Birgitta von Schweden
Werke, 2 Bände
EOS-Verlag 2021
ISBN: 978-3830680888
1272 Seiten (in zwei Teilbänden); 69,95 Euro
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Heilige Birgitta. Altomünster

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Handbuch der benediktinischen Ordensgeschichte

Schon vor Jahren initiierte die „Bayerische Benediktinerakademie e. V.“ die Herausgabe eines Handbuches der Benediktinischen Ordensgeschichte. Mit dieser Aufgabe wurde Pater Marcel Albert OSB betraut, ein Mönch der Abtei Gerleve. Der promovierte Historiker und Professor der Ordens- und Kirchengeschichte scharte für das ehrgeizige Projekt zahlreiche Wissenschaftler um sich. In gemeinsamer Arbeit soll auf dem Stand der aktuellen wissenschaftlichen Forschung ein umfassendes Werk vorgelegt werden, das vom Beginn des Mönchtums bis in die Gegenwart reichen soll.

Der erste Band des auf vier Bände angelegten Werkes ist in diesem Jahr im EOS-Verlag der Abtei Sankt Ottilien erschienen. Dieser erste Band „Handbuch der benediktinischen Ordensgeschichte“ umfasst den Zeitraum „Von den Anfängen bis ins 14. Jahrhundert“.

26 Fachleute berichten beginnend mit dem „vorbenediktinischen“ Mönchtum und dem Abschnitt „Zeitalter der Regelentwürfe“ (4.-8. Jahrhundert). Es werden sodann die Anfänge der Entwicklung des benediktinischen Ordens von der Spätantike bis zum späten Mittelalter geschildert. Dabei werden stets die Ergebnisse neuester Forschungen vorgetragen, etwa über den Ordensgründer Benedikt von Nursia und seine „Regula Benedicti“, über Benedikt von Aniane und die karolingische Reform, aber auch über die Ausbreitung der Benediktinerregel in ganz Europa. Desweiteren werden die Reformbewegungen von Cluny, Cîteaux und andere dargestellt. Insbesondere auch neue Reformzweige des 13. und 14. Jahrhunderts, die Armuts- und Einsiedlerbewegungen und vor allem das Entstehen der Mendikanten (Bettelorden). All dies findet seinen Niederschlag im Handbuch der benediktinischen Ordensgeschichte.

Das Handbuch umfasst ca. 650 Seiten und ist zu einem relativ günstigen Preis von unter 50 Euro zu erwerben. Für Historiker und Ordensgeschichtler wird die neue Handbuch-Reihe zum wichtigen Standardwerk. Darüber hinaus sei das vorliegende Werk all denen empfohlen, die sich am Entstehen insbesondere des benediktinischen Ordenslebens interessieren, ihr Wissen vom Mönchs- (Nonnen-) Leben erweitern und seine Auswirkungen in der Geschichte verstehen möchten.

Die drei weiteren in der Vorbereitung befindlichen Bände beschäftigen sich mit den Benediktinerinnen und Benediktiner vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit (Bd. 2), dem Orden im 19. Jahrhundert (Bd. 3) und im 20. und frühen 21. Jahrhundert (Bd. 4).

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Marcel Albert (Hrsg.)
Handbuch der benediktinischen Ordensgeschichte
Band 1: Von den Anfängen bis ins 14. Jahrhundert
(Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige. Ergänzungsband 57)
EOS-Verlag 2022
ISBN 978-3-8306-8131-1
Seiten: I – XL, 643; 49,95 Euro

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Heribert Schauf und sein Tagebuch zum II. Vatikanum

Konzil in der Perspektive – Heribert Schauf und sein Tagebuch zum II. Vatikanum“ ist eine Sammlung der Tagebuchaufzeichnungen des Aachener Diözesanpriesters Heribert Schauf (1910-1988). Ab 1960 war er als Konsultor (wissenschaftlicher bzw. kirchenrechtlicher Berater) für die das Konzil vorbereitenden „Theologische Kommission“ tätig. Mit dem Beginn des Konzils (1962-1965) wurde er ein gefragter Peritus (lat. klug, kundig, erfahren; Pl. Periti), also ein Konzilstheologe.

Um zu verstehen, ob das, was beim Zweiten Vatikanischen Konzil entschieden wurde, auch dem entsprach, was nach 1965 als Konzilsentscheidung den Gläubigen gepredigt wurde, ist es sinnvoll, noch einmal die Nichte von Kardinal Frings als Zeitzeugin aufzurufen. Frau Sigrid Sels berichtete von einer Unterredung mit ihrem Kardinalsonkel folgendes:

„Als die zweite Liturgiereform erfolgte, war er fassungslos und sagte uns: ‚Das haben wir Konzilsväter nicht beschlossen, das ist gegen die Beschlüsse des Konzils. Ich kann nicht begreifen, wie der Hl. Vater zu so etwas seine Zustimmung geben konnte.‘ Ich war perplex und fragte unseren Onkel: ‚Wie konnte dann so etwas geschehen?‘ Darauf seine traurige Antwort: ‚Die Konzilsväter haben vieles nicht gewollt, aber dann kamen die Periti, und das waren meist sehr fortschrittliche Herren, und die haben alles in eine andere Richtung gedrängt.‘“ (Leserbrief, Deutsche Tagespost, 17. Januar 1995)

Nun geht es in dem von den Theologen Dominik Burkard und Joachim Bürkle herausgegebenen Buch mit Schaufs Tagebuchaufzeichnungen nicht um die Liturgie, doch ist diese Lektüre gelegentlich erhellend, wenn man sowohl die offiziellen Konzilstexte als auch die später verbreiteten Ansichten und Lehren bedenkt.

Schauf galt seinen Vorgesetzten als präziser Denker, der sein konservatives Profil in die Theologie der Konzilstexte einzubringen suchte. Er hatte sich mit den Konstitutionen Lumen Gentium und Dei Verbum zu beschäftigen und versuchte seinen Einfluss mit einzubringen.

Der eigentliche Vorgesetzte von Schauf war der Jesuit Sebastian Tromp (1889 – 1975), der als päpstlicher Berater und einer der Mitverfasser der Enzyklika Mystici Corporis von Pius XII. gilt. Beim Zweiten Vatikanum war er Sekretär der Theologischen Kommission und Assistent von Kardinal Alfredo Ottaviani. Karl Rahner erkannte in Tromp einen gewaltigen theologischen Gegner. (Vgl. Alexandra von Teuffenbach: Sebastian Tromp S.J. Konzilstagebuch, Rom 2006)

Heribert Schauf war, wie Tromp, entschieden katholisch. Beide verteidigten die Lehre der Kirche. „In seinen Auseinandersetzungen mit den Theologen Joseph Ratzinger, Hans Küng, Karl Rahner und Walter Kasper profilierte [sich Schauf] als streitbarer Exponent einer klerikal-hierarchischen Kirchlichkeit.“

In jener spannenden Epoche des Zweiten Vatikanischen Konzils war die Arbeitslast der Periti enorm groß. Umso höher ist die Selbstdisziplin von Männern wie Tromp und Schauf zu beurteilen, die sich vor ihrer Nachtruhe noch hinsetzten, um Tagebuch zu schreiben. Aufgrund dieser Strenge zu sich selbst ist es möglich, dass die Nachwelt in den Tagebuchaufzeichnungen von Heribert Schauf einen schier überwältigenden Einblick in die Zeit des Konzils und die Arbeitsweise gewinnen kann. Aber auch menschliche Konflikte, Unzulänglichkeiten, ja intrigante Machenschaften werden deutlich.

Schauf wusste, dass seine Tagebuchaufzeichnungen „für spätere historische und theologische Arbeiten“ herangezogen werden könnten. Da er auch wusste, „dass aus kirchlichen Archiven […] mitunter unbequem erscheinende Unterlagen […] verschwinden konnten“, vertraute er nicht alleine auf seine Originaltagebücher. Der akribische Arbeiter Schauf fertigte darum „drei weitere (maschinengeschriebene) Exemplare des Textes“. Sie befinden sich heute in seinem Heimatbistum Aachen, im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und im Archiv für Zeitgeschichte in Bonn.

„23.6.63 Nun ist Montini Papst geworden. Paulus VI. – Dass es so schnell zu einem Wahlergebnis kam, lässt darauf schliessen, dass sich die Richtungen der Kardinäle einig waren. Man wird Montini genommen haben: 1) weil er eine feste Hand hat, 2) weil er aufgeschlossen zu sein scheint, 3) weil er den Papst schützen wird (so die Konservativen), 4) weil er in doctrinalibus als zuverlässig gilt (das der Grund, dass die sog. Konservativen keine Sperre errichteten, wenn diesen auch, wenigstens im äußersten Flügel, Siri lieber gewesen sein könnte).“

Mit den Herausgebern des Buches, die auf eine Würdigung der Person Schaufs nicht verzichtet haben, sei auf eine Aussage von Alexandra von Teuffenbach hingewiesen, die schon früher die Lektüre des Tagebuches empfohlen hatte, „um das Konzil ‚gegen den Strom zu lesen‘“.

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Dominik Burkard und Joachim Bürkle (Hrsg.)
Konzil in der Perspektive
Heribert Schauf und sein Tagebuch zum II. Vatikanum (1960–1965)
Verlag Aschendorff 2022
525 Seiten, 69 Euro
ISBN: ‎ 978-3402248676

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Birgitta von Schweden – 8. Oktober

Das Fest der heiligen Birgitta von Schweden (1303–1373) wird im tridentinischen Kalender (heute auch „außerordentlichen Form des römischen Ritus“) am 8. Oktober begangen. Birgitta war eine große Seherin und ein „Sprachrohr Gottes“.

Frage:
„O Richter, weshalb hast du uns leibliche Sinne gegeben,
wenn wir uns nicht
nach den Empfindungen des Fleisches bewegen
und nach ihnen leben sollen?“

Der Richter antwortete:
„Freund, ich habe dem Menschen Gefühl und Verstand gegeben,
damit er die Wege des Lebens
betrachtet und ihnen folgt
und die Wege des Todes meidet.“

Birgitta von Schweden
Werke, 2 Bände
EOS-Verlag 2021
ISBN: 978-3830680888
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Hl. Birgitta, Altomünster

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Gott für Frauen – oder: Warum lässt die Kirche keine Priesterinnen zu?

Der moldawische Priestermönch Savatie Baștovoi wurde von der Journalistin Doina Popa des einflussreichen Gesellschaftsmagazin „VIP Magazin“ in Moldawien, gebeten, ihm einige Fragen zum Glauben stellen zu dürfen. Der Autor von „Anti-Parenting“, dem meistverkauften Buch Rumäniens des Jahres 2017, sagte zu und beantwortet in dem für ihn eigenen Stil, 33 Fragen über Gott und den Glauben. (Siehe auch sein Buch: Der Teufel ist politisch korrekt)

Der Titel könnte also missverstanden werden, da das Buch nicht für Frauen (allein) geschrieben wurde, vielmehr sind sie es, die ihre Glaubensfragen an den Mönch und Priester richten.

Im Klappentext des herausgebenden Hagia-Sophia-Verlag wird das Buch beschrieben als „Eine Geschichte von Genealogien, Ängsten und Vorurteilen, Liebe und Verrat, geschrieben mit dem Geschick eines Romanciers und der Zartheit eines Poeten. Verweise auf alte Texte und Kommentare von großer theologischer Raffinesse offenbaren einen liebenden Gott und erklären in einfachen Worten die großen Widersprüche, die der Bibel vorgeworfen werden.“

Angesichts der durch den Synodalen Weg hervorgerufenen Verwirrungen, die unter Katholiken zu Ausgrenzungen, Schuldzuweisungen und zur Trennung unter Brüdern führen, seien zunächst einige Zeilen der Antwort zur 2. Frage („Worüber würde Gott heute weinen?“) vorgetragen, die deutlich machen, dass es beim Synodalen Weg nicht darum geht, Gott zu gefallen, sondern allein den Menschen:

„Weinen ist eine Regung, die nicht zur ewigen Vollkommenheit Gottes passt. […] Gott ist vollkommen und unerschütterlich im Ausgießen seiner Liebe über diese Welt. Die Logik ist einfach:
Wenn Gott weinte, hieße, Er leide;
Wenn Er leide, hieße, Er hätte Schmerzen;
Hätte Er Schmerzen, hieße, Er könnte geschlagen werden;
Könnte man Ihn schlagen, wäre Er zerstörbar.
Und wenn Er zerstörbar wäre, wäre Er nicht mehr ewig, nicht mehr Gott.“

Dennoch gibt es ein Kapitel, das auf Frauen bezogen ist. Es ist äußerst aktuell und wiederum scheint es eigens für den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland geschrieben worden zu sein. Der moldawische orthodoxer Mönch Savatie Baștovoi hebt auf Argumente ab, die den westlichen Menschen gänzlich fremd zu sein scheinen. Obwohl so bedenkenswert, würden sie vermutlich von den Damen und Herren Synodalen abgewiesen werden. Denn bei ihnen stehen sogenannte „Menschenrechte“ (soft skills) im Vordergrund, dafür weniger die Wahrheit, die in der Lehre verankert ist. Auch vor dem Hintergrund, dass die Moldawisch-Orthodoxe Kirche dem Moskauer Patriarchat untersteht, obwohl sie eine autonome östlich-orthodoxe Kirche ist, würden die Ausführungen des Autors der folgenden Zeilen nicht in einem ökumenische hilfreichen Sinne verstanden. – (Es folgt das 8. Kapitel aus Savatie Baștovoi aus „Gott für Frauen“)

Warum lässt die Kirche keine Priesterinnen zu?

Die Frage des weiblichen Priestertums kommt gerade im Rahmen von Diskriminierungsdebatten sehr oft auf. Es scheint die Schwachstelle der Kirche zu sein, so dass das Thema zu einer Art Tabu wird, zu einem Hammer, mit dem Organisationen, die sich mit Gender und Diskriminierung beschäftigen, ins Evangelium schlagen. Die wenigen Antworten, die ich im öffentlichen Raum dazu hörte, beziehen sich eher auf Emotionen denn auf eine historische, doktrinäre und psychosoziale Grundlage. In der Regel klingen sie gleich: „Es stimmt nicht, dass die Kirche Frauen diskriminiert; wie viele heilige Frauen wir doch haben und wie viel Ehre wir der Gottesmutter entgegenbringen!“

Bevor wir die Frage beantworten, warum Frauen keine Priesterinnen sein können, sollten wir uns fragen, was Priestertum ist. Ferner, warum eine Frau Priesterin werden sollte. Ist der Reiz des Verbotenen so groß? Was, wenn sich herausstellt, dass Priestertum sehr schwierig und riskant ist? Wenn herauskommt, dass schon in der Antike Priester die ersten waren, die überall verfolgt wurden, aufgrund antichristlicher Politik? Wer wurde während der Französischen Revolution als erste guillotiniert? Oder bei der Oktoberrevolution? Warum wurden Propheten, alttestamentliche Priester und Apostel getötet? Weshalb wurden die meisten Priester – und Bischöfe – der ersten drei Jahrhunderte gefoltert und hingerichtet?

Der Lauf der Geschichte zeigt, dass eher ein Armeegeneral in seinem Bett starb als ein Priester. Ist das eine gute Voraussetzung für Frauen? Darf die Kirche denn Frauen in den Tod schicken? Dass jeder Priester zum Opfer wird und bereit für Verfolgung und Tod ist, sagt sogar Christus; das Beispiel Seines Todes als Hohepriester ist das ultimative Argument in dieser Hinsicht. Sie werden entgegnen, dass Priester heute nicht in den Tod gehen, sondern zu Luxusautos, Prunkhäusern, schicken Anzügen, teuren Immobilien und sozialem Einfluss neigen. Dann muss ich Ihnen sagen, diese Dinge schließen sich nicht gegenseitig aus: Schon zur Zeit des heiligen Johannes Chrysostomos waren die Bischöfe sehr reich und wurden vom kaiserlichen Hof mit Ministerwürden bedacht. Der große Johannes, Patriarch von Konstantinopel, starb jedoch in Verbannung. Gab es denn in der Katholischen Kirche in Frankreich nicht schon vor der Revolution Opulenz? Natürlich, doch als es darauf ankam, wurden sowohl Heilige als auch Sünder getötet. Ebenso im zaristischen Russland: die kirchlichen Ämter hatten Korrespondenten in Armee und Polizei, Kirchen und Klöster besaßen Dörfer und sogar ganze Bezirke. Doch sie wurden verfolgt und massakriert, starben vor Kälte und Hunger: die Gerechten und die, die sich an der priesterlichen Würde nur bereichert hatten. Daher kann die Kirche als himmlische Niederlassung auf Erden die Frau nicht in den Tod und in den Kampf gegen die Bosheit der Welt drängen, denn die Frau hat ihren höchsten Dienst als Mutter. Vielleicht wurde die Frau deshalb so schön und weise in ihrer Art der Kommunikation gestaltet, eben um dem Tod zum Wohle der Kinder zu entgehen. Dies ist eine Antwort aus Sicht der moralischen und ontologischen Ordnung.

Ein weiterer völlig außer Acht geratener Aspekt des Priestertums ist die psychologische Dimension. Es gibt Tage, an denen der Priester die Beichten dutzender und sogar hunderter Menschen abnimmt. Einige von ihnen kommen mit monströsen Sünden: Sie warfen ihr Neu-geborenes in den Ofen, vergewaltigten die eigene Mutter oder den jüngeren Bruder, erstachen jemanden und versteckten die Leiche. All diese Last trägt der Priester bis zum Tod, ohne das Recht, sie offenzulegen.

Entsprechend leiden die meisten Priester an verschiedenen Stoffwechselerkrankungen, die auf Grund nervlicher und psychischer Belastung auftreten. Leider kenne ich keinen Priester ab 40, dessen Magen, Bauchspeicheldrüse oder Wirbelsäule nicht in Mitleidenschaft gezogen sind. Alles ist auf die Stunden im Stehen und die emotionale Belastung, der er ausgesetzt ist, zurückzuführen. Der Priester nimmt nicht nur die Beichte der Lebenden ab, sondern begräbt die Toten, hilft den Kranken und ist in ständiger seelischer Anspannung, er spendet den Kranken, Sterbenden und ihren Familien Trost. Auch hat er mit Scheidungen und Anklagen, Depressionen und Alkoholismus, Diebstahl und Armut zu tun. Mit anderen Worten, Priester zu sein bedeutet, einen klaren Kopf angesichts aller Probleme der Gemeinde zu haben und die Fähigkeit, sie zu bewältigen, ohne dass die eigene Familie darunter leidet. Das geschieht nämlich oft und man sieht am Ende Kinder, die vom Glauben abgefallen sind oder die sich sogar gegen ihre Eltern wenden. Wegen der Überforderung des Priesters fehlt ihm die Zeit für seine Familie. So gesehen könnte eine Priesterin ihre Berufung als Mutter nicht erfüllen: Priestertum ist schwer vereinbar mit der empfindlichen und störanfälligen Natur der Frau.

Priesterliche Arbeit und Familienführung sollten im Einklang stehen, doch das geschieht sehr selten und sollte daher das Hauptanliegen der Kirche sein: Nicht die Be-kehrung und Vermehrung von Schenkungen, sondern die Verbesserung des psychosozialen Umfelds der Priester, damit jeder die ihm zustehenden Aufgaben erfüllen kann, ohne seine Familie zu verlieren.

Was die anderen Aspekte des Priestertums angeht, wie etwa die Vermittlung zwischen Gott und Menschen, so hatten Frauen diese Rolle seit der Antike inne, abgesehen von Männern. Die Prophetin Hanna, Samuels Mutter, ist nur ein Beispiel für die Frau als Vermittlerin zwischen Gott und Menschen; Prophezeiungen waren nichts anderes als die Stimme Gottes, der die ganze Gemeinde gehorchen sollte. Folglich hat der Ausschluss des weiblichen Priestertums in seiner rituellen Form keinen philosophischen, also prinzipiellen, sondern nur einen Umstandscharakter. Übrigens gab es in der goldenen Ära des Christentums, zur Zeit des heiligen Johannes Chrysostomos, in der Kirche das Amt der weiblichen Diakonie, das heißt, Frauen übten eine geistliche Funktion am Altar aus. Dieses historische Detail bestätigt wiederum die Diskriminierungsfreiheit der Tatsache, dass Frauen keinen rituellen Dienst in der Kirche verrichten. Die einzigen Gründe gehören dem Umstand, bedingt durch die tausendjährige Erfahrung der Kirche im Laufe der sozialen Epochen.

Savatie Baștovoi
Gott für Frauen
Edition Hagia Sophia 2022
148 Seiten; 16,50 Euro
ISBN: ‎978-3963211218
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