Corona-Krise und unsere Begegnung mit ihr – eine Buchempfehlung

Jeder von uns ist von der sogenannten „Corona-Krise“ betroffen. Selbst jene, die wie die überwältigende Mehrheit der Menschen NICHT an Convid-19 erkrankt sind, erfahren tagtägliche deren Auswirkungen. Kaum jemand ist in der Lage, sich diesem Hype zu entziehen: Ein jeder ist bemüht, sich selbst und andere zu schützen. Die meisten Menschen nehmen das sehr ernst: sie halten Abstand, tragen Einmalhandschuhe und Mundschutz. Vor allem halten sie sich von anderen Menschen fern, sie halten Abstand voneinander.

Völlig losgelöst von der Frage nach der tatsächlichen Gefahr, die von dem Corona-Virus ausgeht, stellen wir fest, dass sich die Menschen aus dem Weg gehen. Aus Sorge, andere anzustecken? Aus Angst, angesteckt zu werden? Wir wenden uns von den Menschen ab, obwohl wir, so menschenfreundlich wir sind, einem jeden zurufen: bleiben Sie gesund!

Hilfe für die wirklich Betroffenen: die in verschiedensten Einrichtungen kasernierten Behinderten etwa, die wochenlang ihre Einrichtungen (Heime, Wohngruppen usw. nicht verlassen dürfen, noch Besuch empfangen können; aber auch die wirklich Kranken, überlassen wir getrost den professionellen Diensten.

Und wir stellen fest: selbst die Kirche zieht sich fast völlig zurück. Und dies, so scheint uns, ist etwas neues, etwas, das es in der Kirchengeschichte so noch nicht gegeben hat. Denn stets waren es die Diener der Kirche, Priester und Ordensleute, aber auch die Gläubigen selbst, die sich einer konkreten Situation angenommen und tatkräftig geholfen haben. Dabei waren die Sakramente immer im Vordergrund gegenwärtig: Beichte, Taufe, Kommunion, Sterbesakrament.

Blicken wir auf eine Heilige, die in unserem Deutschland lebte und wirkte: die heilige Elisabeth. Über sie hat Frau Dr. Barbara Stühlmeyer ein Buch geschrieben, das ich SEHR empfehlen möchte.

Hier lesen Sie hier daraus das Kapitel „Im Dienst der Kranken“:

Dass es in Marburg ein neues Hospital gab, in dem eine ehemalige Landgräfin sich aufopfernd um die Kranken kümmerte, sprach sich schnell herum. Vor allem wanderte die Nachricht, dass Elisabeth auch Bettler und Mittellose willkommen hieß und mitunter überreich beschenkte, von Mund zu Mund. Angesichts der öffentlichkeitswirksamen Aktion, mit der Elisabeth für ihr Hospital warb, ist das allerdings wenig erstaunlich.

Denn als sie ihr Witwengut von 2000 Mark erhalten hatte, ließ sie im Umkreis von 20 Kilometern um Marburg – was etwa einer Tagesreise für jemanden entspricht, der nicht ganz so gut zu Fuß ist – verkünden, dass sie ein Viertel dieser Summe an die Armen verteilen werde. Um zu verstehen, welche Bedeutung diese Summe für die so Beschenkten hatte, lohnt sich der Blick auf ein Rechenbeispiel. Für eine Mark, die als Zähleinheit im Mittelalter 144 Pfennige umfasste, konnte man mehr als fünfhundert Heringe kaufen. Schon mit einer einzigen Mark konnte Elisabeth also mehrere hundert Menschen für einen Tag satt und glücklich machen. Kein Wunder, dass die Armen aus der Region in Scharen herbeiströmten, denn die neue Leiterin des Spitals verteilte zusätzlich zu den 72 000 Pfennigen noch Brot und bot dazu warme Getränke an. Die Vita schildert, wie aufmerksam und gerecht sie dabei vorging. Denn natürlich herrschte auch unter den Armen und Kranken der Gesellschaft keine uneingeschränkte Nächstenliebe.

„Nach dem Weggang der kräftigen Leute“, so schildert es die Lebensbeschreibung der Heiligen, blieben in der folgenden Nacht bei Mondschein sehr viele schwächere und kranke Personen am Zaun des Krankenhauses und in den Winkeln des Hofes liegen.“ Und ihre Hoffnung gab ihnen Recht, auch ihnen gab Elisabeth von ihrem Reichtum ab und versorgte sie mit Nahrungsmitteln. Als die Armen vor Freude zu singen begannen, sagte Elisabeth zu ihren Dienerinnen:

Seht, ich habe euch doch gesagt, wir sollen die Menschen froh machen.

Auch wenn die Rolle der edlen Spenderin sehr gut in das Verhaltensmuster einer Landgräfin passte, die Szene blieb ein Einzelfall. Der Alltag Elisabeths entsprach vielmehr genau der radikalen Nachfolge des armen Jesus, nach der sie sich schon seit Jahren gesehnt hatte. Die ehemalige Fürstin verrichtete die einfachsten Handarbeiten. Sie kochte, putzte und spann Wolle, die sie im Kloster Altenberg, in dem ihre Tochter lebte, verkaufte, um so zum Unterhalt des Hospitals beizutragen. Allerdings war sie als Hausfrau nur schwach qualifiziert. Schon auf der Wartburg hatte sie manch einen mit den unbeholfenen Versuchen, eigenhändig eine Kuh zu melken, belustigt.

Elisabeths Dienerinnen berichten in ihrer Lebensbeschreibung über ihre eifrigen, aber unzulänglichen Versuche, Haus und Handarbeit zu verrichten:

Sie bereitete

„Speisen, aber ganz unschmackhaft, weil sie weder kochen konnte noch das Nötige dafür zur Verfügung hatte. Wegen ihrer überaus großen Armut gab sie sich oft mit wässrigen Suppen aus Hülsenfrüchten oder Krautblättern zufrieden. Diese an sich schon erbärmliche Speise, die sie wegen ihres Betens unaufmerksam zubereitete, schmeckte dann auch noch angebrannt. Wenn die selige Elisabeth Kochtöpfe säuberte und wegen anderer Beschäftigungen der Mägde einfache und armselige Speisen aus Kräutern und Hülsenfrüchten ohne Gewürz und unschmackhaft, so gut sie konnte, selbst zubereitete oder wegen zu dürftiger Kleidung unter Kälte litt, kam sie oftmals dem schwachen Feuer nahe. Sie hatte nämlich ihre Kleider ohne Rücksicht auf sich selbst an die Armen verschenkt. Da geschah es dann manchmal, dass sie bei der Arbeit ihrer Hände in Gebet oder Beschauung versunken mit Augen und Herz mehr dem Himmel zugewandt war (in dieser Haltung pflegte sie stets zu beten, wenn sie allein war) und eine Flamme oder ein Funke ihre armseligen Kleider ergriff, große Löcher hineinbrannte und sie verdarb. Aber sie merkte den Brand nicht, bis eine der Mägde zurückkehrte, den Geruch wahrnahm und das Feuer ausschlug. Elisabeth, durch die lauten Vorwürfe der Magd wieder zu sich gekommen, suchte hier und dort einfache Lappen jedweder Farbe zusammen, nähte sie eigenhändig an und beseitigte den Brandschaden so gut wie möglich. In dieser Weise besserte sie auch alte, zerrissene Stellen ihres verschlissenen Gewandes aus, indem sie es, obwohl der Nadel unkundig, mit billigen Fetzen flickte.“

Es ist also wenig erstaunlich, dass Elisabeth ungeachtet ihres Eifers wirtschaftlich gesehen nicht besonders erfolgreich war. Die Preise, die sie in Altenburg für ihre selbstgesponnene Wolle erzielte, waren gering, was der minderwertigen Qualität ihrer Handarbeit geschuldet war. Allerdings hatte Elisabeth inzwischen einen Punkt erreicht, an dem sie tatsächlich mit dem auskommen musste, was sie erwirtschaftete, denn sowohl ihre kostbaren Kleider, als auch ihr Schmuck und aller Hausrat von Wert waren nach und nach verkauft worden, um das Geld den Armen zu geben. Was ihr an Geschicklichkeit im häuslichen Bereich fehlte, machte sie jedoch durch ihre bewundernswerte Hingabe bei der Krankenpflege wett. Was sie anging, lachte niemand über Elisabeth, die, wie zahlreiche Zeitgenossen berichten, beispielsweise einen gelähmten Jungen Nacht für Nacht mehrmals auf ihren Schultern zum Abort trug, dessen Bett sie säuberte und um den sie sich in jeder Weise liebevoll kümmerte.

Dass viele der Wunderberichte, die später im Zuge ihres Heiligsprechungsprozesses zusammengetragen wurden, Kinder betreffen, hängt auch damit zusammen, dass Elisabeth ihnen besonders zugetan war. Wir erkennen hier ein wenig von dem Zwiespalt Elisabeths. Sie war eine liebende Mutter. Ihre Kinder ließ sie aber, weil das Leben, zu dem sie sich berufen fühlte, untragbar für sie gewesen wäre und vielleicht ebenfalls zu einem frühen Tod geführt hätte, standesgemäß erziehen und kümmerte sich stattdessen um die armen Kinder.

(Siehe auch HIER)

 

Barbara Stühlmeyer
Elisabeth von Thüringen: Spiritualität – Geschichte – Wirkung (Topos Taschenbücher) (Deutsch)
160 Seiten; 12 Euro;
ISBN: 978-3836711258

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Geistiger Missbrauch als „tödlicher Krebs“

In dem Beitrag „Ein Kartäuser spricht über Missbrauch“ berichtet die TAGESPOST über ein Buch des Generalminister der Kartäuser. Dom Dysmas de Lassus stellt fest, dass es nicht alleine um sexuellen Missbrauch geht. Er hat sich vier Jahre mit den Fragen befasst:

Was ist ein geistiger Missbrauch?
Wie kann man ihn erkennen?
Und wie reagiert die Kirche darauf?

Dom Dysmas gab kürzlich einer franz. Zeitschrift ein Interview, auf das sich die TAGESPOST in ihrem Bericht bezieht:

Geistiger Missbrauch als „tödlicher Krebs“

Aus diesem Anlass veröffentlicht die französische katholische Wochenzeitschrift Famille Chrétienne ein ausführliches Gespräch mit dem Ordensmann. Dabei geht es nicht nur um sexuellen Missbrauch und dessen Aufarbeitung innerhalb der Kirche – Dom Dysmas hat sich die Frage gestellt, wie es auch zu geistigem Missbrauch kommen kann. Diesen bezeichnet er als „tödlichen Krebs“. Die Schweizer Bischöfe hätten den geistigen Missbrauch als „Ausnutzung eines moralischen Einflusses“ bezeichnet. Was so viel bedeute, dass jemand, der einen moralischen Einfluss ausübt (wie etwa Eltern, Lehrer, geistlicher Vater oder Oberer) anstatt diesen im Sinne des Dienstes auszuüben, ihn zur Ausnutzung eines anderen Menschen für seine eigenen Zwecke einsetzt: „In einem kirchlichen Kontext könnte man sagen, dass die Macht für die Schäfchen zu einer Macht über die Schäfchen wird. Der Hirte ist nicht mehr im Dienst der Schäfchen, sondern die Schäfchen sind im Dienst am Hirten. Letztlich besteht die Frage darin, wie dieser Einfluss ausgeübt wird und welche Grenze man ihm setzt“. Je größer er sei, desto eher könne er zum Guten oder Bösen eingesetzt werden.

Bei seinen Überlegungen konstatiert Dom Dysmas, dass in den meisten Fällen „ein Pater Abt, der entgleist, nicht von Anfang an eine perverse Persönlichkeit ist. Es sind die Zeit, das Umfeld und dann Stolz, Ruhm und Macht“, die diese Wirkung entfalteten.

Gehorsam „nicht einem Menschen, sondern Gott“ geschuldet

Das Kirchenrecht bietet ausreichend Handhabe gegen Missbrauchstäter, wenn es konsequent umgesetzt würde, so der Untersekretär beim Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte. Zudem seien neue geistliche Gemeinschaften besonders anfällig für geistlichen Missbrauch, so Graulich.

Oftmals seien sich die auf Abwege geratenen Oberen nicht bewusst, dass sie andere Menschen geistig missbrauchen. Im Allgemeinen gehe einem sexuellen Missbrauch ein geistiger Missbrauch voraus, sagt Dom Dysmas:

„Ich kann Ihnen versichern, dass manche Missbrauchstäter, die ich getroffen habe, noch immer nicht das Problem verstanden haben! Unglaublich ist, dass intelligente Menschen Missbräuche mitunter rechtfertigen können und sagen: ‚Das ist ein so großes Geschenk, das uns Gott anbietet, dass dies für uns erlaubt ist.‘ Noch schlimmer: Man kann Aussagen von Opfern lesen, die davon berichten, dass der Obere meinte, Gott erlaube dies nicht nur, sondern wolle es sogar!“

In seinem Buch sage Dom Dysmas nichts Neues oder Außergewöhnliches über den Ordensgehorsam. Aber er sei bestürzt darüber, „dass die Dinge, die allen bekannt sein sollten, es nicht sind!“ Der rechte Gehorsam sei „nicht einem Menschen, sondern Gott“ geschuldet. Er realisiere sich allerdings „vermittels eines Menschen“. Man müsse daher „den Gehorsam einem Oberen gegenüber stets als Chance sehen, Gott durch einen ganz konkreten Akt zu gehorchen. Dies ermöglicht, dem Fegen eines Klosters einen erstaunlichen Sinn zu verleihen. Aber natürlich muss die verlangte Handlung immer mein Menschsein respektieren. Ein Ordensangehöriger ist ein mit Verstand ausgestatteter Mensch und verantwortlich für seine Taten. Im Allgemeinen beginnen die Probleme dann, wenn sich der Gehorsam auf den Oberen konzentriert“.

Quelle: DIE TAGESPOST vom 5. März 2020

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Das Buch des Kartäuser-General trägt den Titel:
Risques et dérives de la vie religieuse – Il n’y a pas que des abus sexuels dans l’Église. Il y a aussi des abus spirituels.
(auf Deutsch etwa „Risiken und Abwege des Ordenslebens – es gibt in der Kirche nicht nur sexuellen Missbrauch. Es gibt auch geistigen Missbrauch“).

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Liebe Brüder im priesterlichen Amt …

… ich möchte offen mit Euch reden.

Ihr scheint verloren, entmutigt, vom Schmerz überwältigt zu sein. Ein furchtbares Gefühl der Verlassenheit und der Einsamkeit erdrückt Euer Herz.

In einer von Unglaube und Gleichgültigkeit verseuchten Welt ist es unvermeidbar, dass der Apostel leidet:

Der von Glaube und apostolischer Liebe glühende Priester stellt schnell fest, dass die Welt, in der er lebt, verkehrt zu sein scheint. Dennoch kann das Mysterium, das in Euch ist, die Kraft schenken, inmitten der Welt zu leben. Und immer dann, wenn der Diener des »einzig Notwendigen« sich bemüht, Gott ins Zentrum seines Lebens zu setzen, bringt er etwas Licht in die Dunkelheit.

Mit dem Priestertum steht die sakramentale Kontinuität der Liebe des Guten Hirten auf dem Spiel. Ich ergreife also das Wort, damit überall in der Kirche, in einem wahrhaften synodalen Geist, ein befriedetes und betendes Nachdenken über die geistige Wirklichkeit des Weihesakraments stattfindet.

Und ich flehe die einen wie die anderen an:
Lasst uns hier nichts übereilen!

Wir werden die Dinge nicht innerhalb weniger Monate ändern können. Wenn unsere Entscheidungen nicht in langer Anbetung verwurzelt sind, dann werden sie nicht mehr Zukunft haben als jene Schlagwörter und politischen Reden, die so schnell aufeinander folgen und in Vergessenheit geraten.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat uns eine wunderbare lectio divina geschenkt, in der er zu den biblischen Ursprüngen des Mysteriums des Priestertums zurückführt.

Ich möchte meinerseits in aller Demut einen pastoralen Blick auf dieses Sakrament werfen. Unsere Überlegung über das Priestertum darf nicht nur der Aktualität geschuldet sein oder auf eine soziologische Analyse reduziert werden.

Es ist unbedingt notwendig, sie mit geistlicher Betrachtung zu nähren und sie durch Theologie zu strukturieren. Sie muss aber auch konkret sein. Ich habe beobachtet, dass man sich oft darauf beschränkt, an die theoretischen Prinzipien zu erinnern, ohne daraus die praktischen Folgen zu ziehen.

Wenn man sich der Theologie des Priestertums widmet, reicht es nicht aus, an den Wert des Zölibats zu erinnern. Man muss daraus auch die konkreten ekklesiologischen und pastoralen Folgen ziehen.

Während der Amazonas-Synode habe ich mir die Zeit genommen, den Menschen vor Ort und erfahrenen Missionaren zuzuhören. Dieser Austausch hat mich in der Überzeugung bestärkt, dass die Möglichkeit, verheiratete Männer zu weihen, eine pastorale Katastrophe, eine ekklesiologische Verwirrung und eine Verdunkelung im Verständnis des Priestertums darstellen würde. Um diese drei Themen ordnen sich die Überlegungen an, die ich nun anstellen möchte.

(Kardinal Robert Sarah. Aus der Tiefe des Herzens. 60-62.)

 

Kardinal Robert Sarah.
Aus der Tiefe des Herzens.
Priestertum, Zölibat und die Krise der katholischen Kirche.
FE-Verlag 2020.
ca. 150 Seiten; 16.80 Euro.
ISBN: 9783863572556

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Hoffnung der Welt

Guillaume d’Alançon im Gespräch mit Raymond Leo Kardinal Burke.

Gerade noch rechtzeitig, um den weihnachtlichen Gabentisch der Katholiken zu bereichern, erreicht ein weiteres Gesprächsbuch mit einem der wichtigsten Kardinäle der Kirche den Buchhandel. Der Renovamen-Verlag veröffentlicht mit „Raymond Leo Kardinal Burke. Hoffnung der Welt“ die Gespräche, die Guillaume d’Alançon mit ihm führte und dabei wichtige und heute notwendige Themen anspricht.

D’Alançon ist Buchautor, Beauftragter für Familie und Leben des Bischofs von Bayonne sowie Gründer des Familienzentrums „Accueil Louis et Zélie“, das mit bereits 25 Standorten in Frankreich Familien und Einzelpersonen hilft, aus schwierigen Situationen herauszukommen.

In seinem Geleitwort erinnert Hw. Paolo D’Angona, Priester der niederländischen Diözese Roermond, daran, dass Kardinal Burke eine Freundschaft mit dem amerikanischen Jesuitenpater John Hardon (1914-2000) verband, der zu ihm gesagt habe: „Nur heroische Katholiken werden die heutigen Zeiten überleben.“ Dass Kardinal Burke ein solcher Hirte ist, steht heute außer Frage. Dies zeigt sich nicht nur in seinem Leben, sondern auch in solchen Worten, wie sie in diesem Buch in sechs Kapiteln die Leser begeistern, aufrütteln und befähigen mögen, selbst heroische Katholiken zu werden.

Dankbar kann man dem Kardinal für die Beantwortung persönlicher Fragen zu seinem Werdegang im 1. Kapitel sein. Bereits im 2. Kapitel führt das Gespräch hin zu den großen Krisen in der heutigen Zeit, besonders in der Kirche. Die Notwendigkeit der geistigen Erneuerung wird im 3. Kapitel besprochen und klargestellt. Denn: „Die Kirche muss wieder zu einer theozentrischen Perspektive zurückkehren. Wir müssen den wahren Sinn der heiligen Messe wiederfinden.“ Diese sei „ein Geschenk Gottes“ und nicht etwas, das von uns ausgehe, das wir uns „zusammenbasteln“. Gerade die Heilige Messe sei wirklich „ein Geschenk Gottes, das uns trägt und von Sünden reinigt, durch sie werden wir von Gott in der Heiligung unseres Lebens unterwiesen, sie lässt uns in Glaube, Hoffnung und Liebe wachsen“. Burke verlangt geradezu, dass wir auch wieder „das rechte Verhältnis zwischen dem Glauben und der Kultur, in der wir leben“ entdecken müssten.

Im 4. und 5. Kapitel geht es um die Verkündigung des Evangeliums und darum, wie die Familien und das Leben geschützt werden können. Beides sind Voraussetzungen für ein christliches Gemeinwohl.

„Alles in Christus erneuern“ lautet das 6. Kapitel. Darin geht es wesentlich um das wirkliche Apostolat der Laien und ihren Auftrag in der Kirche. Kardinal Burke möchte, dass sie sich „ihrer Sendung, um nicht zu sagen ihrer besonderen Berufung wirklich bewusst werden: der Berufung nämlich zur christlichen Aufbauung der zeitlichen Ordnung“. Diese bestehe darin, „Mentalität und Sitte, Gesetz und Strukturen der Gemeinschaft, in der jemand lebt, im Geist Christi zu gestalten“.

Das Buch von Kardinal Burke „Hoffnung der Welt“ ist wirklich ein aufbauendes Buch für die Laien in der Kirche, die ja keine Ersatzpriester sein können. Burke lässt sie nicht alleine, sondern stärkt ihre Berufung:

„Das Laienapostolat muss – dies ist das Wichtigste – aus der Quelle der heiligen Liturgie, aus Gebet und Frömmigkeit hervorgehen. Aus der Verbindung mit Christus in Liturgie, Gebet und Frömmigkeit empfangen wir nämlich erst den Antrieb und die Kraft, Christus zu den anderen zu bringen – vor allem in die eigene Familie, die unsere unmittelbare Gemeinschaft ist. Christliches Leben ist von Natur aus missionarisch. Wenn man die große Freude erfährt, die aus der Beziehung zu Christus erwächst, ist es unmöglich, diese nicht mit anderen teilen zu wollen.“

Der Kardinal erinnert an die heilige Therese von Lisieux, die sogar in ihrer Klosterzelle sich ihre große Missionarsseele bewahrt habe. „Sie dachte an Indien, an die Missionare, die das Evangelium an den Rändern der Welt verkünden.“ In diesem Sinne appelliert er: „Für uns allerdings ist das Missionsland hier, vor der Haustür, in einer Welt, die heute eigentlich nicht mehr christlich ist. Diese Welt hat sich verändert und wir müssen den banalen Alltag neu mit dem christlichen Geist erfüllen, die Wirtschaft, die Erziehung, die Politik, die Medizin.“ Hier sei das originäre Betätigungsfeld der Laien und hier könnten sie „zur Verwandlung der Welt beitragen“.

Für die vielen positiven Hinweise, wie die gegenwärtige kirchliche Krise überwunden werden kann, ist Kardinal Burke zu danken. Ebenso für seine Hinweise auf die Wichtigkeit der Ehrfurcht, mit der allein das hl. Messopfer gefeiert werden darf. Er ruft auf, die hl. Kommunion kniend und als Mundkommunion zu empfangen. Er erinnert an die Wichtigkeit der Verehrung des Allerheiligsten Herzens Jesu.

Auch der Begriff des Königtums Christi sei heute weitgehend vergessen, weil er nicht verstanden werde. Dabei sei dies ein grundlegender Begriff, denn irgendetwas beherrsche das Leben eines jeden Menschen. Gerade Orientierung sei wichtig, nämlich im Sinne des Jesuswortes: „wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz“. Das „Soziale Königtum Christi, meine Beziehung und meine Freundschaft zu Christus verleihen allen anderen Aspekten meiner Existenz Sinn und Richtung. Wir sagen, dass Christus durch sein durchbohrtes Herz herrscht. Das ist ein Königtum der Opferliebe“.

Die letzte Frage von Guillaume d’Alançon an Raymond Leo Kardinal Burke lautet: Was ist Ihre Hoffnung für die Kirche?

„Meine Hoffnung ist, dass die Kirche ihr Wesen als Braut Christi immer treuer verwirklicht: In ihrer Lehre, in ihrer Liturgie, in ihrem Gebet, in ihrer Frömmigkeit und in ihrem sittlichen Leben. Meine Hoffnung ist, dass jede Ranke des Weinstocks, dass jedes einzelne Glied an Christi Leib sich Christus immer inniger anschließt, dass es ihn kennt, ihn liebt und ihm dient, und dass dadurch die Herrlichkeit Christi unsere Welt erleuchte in Erwartung seiner Wiederkunft, bei der er die Schöpfung dem Vater zurückgibt, um so ‚einen neuen Himmel und eine neue Erde‘ zu schaffen.“

Zuerst veröffentlicht bei kath.net

Raymond Leo Kardinal Burke
Hoffnung der Welt:
Guillaume d’Alançon im Gespräch mit Raymond Leo Kardinal Burke
Renovamen-Verlag 2019
180 Seiten; 14,00 Euro;
ISBN: 78-3956211409

 

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Klausur – Vom Leben im Kloster

„Klausur – Vom Leben im Kloster“ ist der Titel eines Fotobandes über zehn bayerische Frauenklöster. Ca. 225 teilweise ganzseitige und doppelseitige Fotos dokumentieren eine Ausstellung, die über mehrere Monate der Jahre 2012-2013 im Diözesanmuseum des Erzbistums München und Freising stattfand. Damit dies ermöglicht werden konnte, war eine mehrere Jahre dauernde Vorbereitungszeit notwendig.

Der Verlag Antje Kunstmann verlegte „Klausur. Vom Leben im Kloster“ als Band 61 der „Kataloge und Schriften“ des Diözesanmuseums Freising. Auf über 600 Seiten werden Einblicke in die eigentlich verborgene Lebenswelt der Klausur ermöglicht.

Das äußerst interessante Buch erzählt „Geschichten von Menschen und Orten: Von Frauen, die als Klosterschwestern in einer langen Tradition der Gottsuche stehen, die in ihrer Konsequenz und Radikalität für viele Zeitgenossen nur schwer nachvollziehbar ist.“ In zehn Themenkreisen wird vom Leben im Kloster erzählt. Dabei sind es vor allem die Fotos, die beeindrucken. Kleidung, Gebet und Ordnung sind nur drei Themenkreise die behandelt werden. Sie sind, wie die übrigen auch, wichtig um zu verstehen, was die Frauen in diesen Klöstern bewegte, dort zu leben. Zwischen den Seiten der schier unzähligen Fotos sind kurze Texte eingestreut, die in die Gegenwart der Nonnen und des Klosterlebens führen.

Christoph Kürzeder widmet das Buch allen „Sehnenden und Suchenden“. Er beschreibt die Ordensfrauen als Menschen, die an einem „ganz besonderen Ort“ leben würden. Sie hätten „die Sehnsucht nach einem Leben in einer Gemeinschaft von Menschen, die von einer gemeinsamen Vision getragen“ seien „in Teilen Wirklichkeit“ werden lassen.

Die so wichtigen Tätigkeiten der Ordensfrauen, seien sie in der Erziehung und der Pflege der Kranken oder auch missionarischen Aufgaben, sind nicht das Ziel, das sie ersehnen; auch nicht die Gründe für ihren Klostereintritt. Äbtissin M. Petra Articus gibt in ihren, in dem Buch eingestreuten Zitaten, von all dem Zeugnis. Auch die Worte von Heiligen und aus den Satzungen der Ordensgemeinschaften erhellen und weisen hin auf die eigentlichen Beweggründe des Klosterlebens: „Jesus verlangt von mir keine große Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit“ (Therese von Lisieux). Über das Gebet der Schwestern ist zu lesen, es gelte „nicht nur sich selbst oder der Gemeinschaft“, vielmehr seien sie „mit anderen Konventen verbunden und beten für verschiedenste Anliegen“.

Der Leser wird feststellen, dass er in den meisten Fotos einer ihm fremden Welt begegnet. Dies zeigen nicht nur die Photographien aus zehn Frauenklöstern und ihren veralteter Utensilien. Vielmehr wird es noch deutlicher an den gezeigten Ordensfrauen selbst, an ihren Gesichtern, die fast alle auf ein vorgerücktes Alter hinweisen. Darum ist es verständlich, wenn wir lesen, dass manche der gezeigten Klöster „innerhalb der nächsten Jahrzehnte“ verschwinden würden. Insofern ist das Buch eine „Geschichte des Abschiednehmens“ und ein „Dokument einer Zeitenwende“.

Zuerst veröffentlicht bei CNA

Thomas Dashuber und Christoph Kürzeder
Klausur – Vom Leben im Kloster
Verlag Antje Kunstmann, München 2016
Fotobuch, 17,4 x 4 x 23,6 cm
608 Seiten; 35,00 Euro
ISBN: 978-3956140983

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Die Mächte der Finsternis.

Ingo Langner im Gespräch mit Pater Franz Schmidberger

Vielleicht weil Gesprächsbücher heute ein bisschen in Mode sind oder vielleicht auch, weil die Menschen heute zwar Bücher kaufen, aber, wie man hört, selten bis zum Ende lesen und sich mit dem Gelesenen wirklich beschäftigen. Wer weiß. Ingo Langner hat nach 2017 nun ein zweites langes Gespräch mit Pater Franz Schmidberger von der Priesterbruderschaft St. Pius X. geführt und als Gesprächsbuch im Patrimonium-Verlag herausgegeben.

Manch einer scheut sich, besonders in Deutschland, sich in offener Weise mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu beschäftigen. Vor allem in offiziellen Stellungnahmen wird immer wieder betont, dass es sich bei ihr um keine offizielle Gemeinschaft der Kirche handeln würde. Ingo Langner stellt folgendes fest:

„Die Priesterbruderschaft St. Pius X. betet also seit fünfzig Jahren stets und ausführlich für den jeweiligen Papst. Sie hat das für Paul VI. getan und für Johannes Paul I. und für Johannes Paul II. und auch für Benedikt XVI. und sie tut das selbstverständlich auch für Papst Franziskus. Was für eine gute Nachricht für alle, die der Piusbruderschaft immer noch skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen.“

Um es vorweg zu sagen: es ist nicht weniger interessant als das erste Buch der beiden: „Gott, Kirche, Welt und des Teufels Anteil„. Im Gegenteil. „Die Mächte der Finsternis“ beschreibt nicht nur die Krise der heutigen Kirche und der Welt. Es gibt vielmehr einen Überblick über die dunklen Epochen in der Kirche, über verschiedenste theologische Entwicklungen sowie über gute und schlechte Hirten.

Zwar erkennen nicht alle Bischöfe, Priester und Gläubigen heute „Die Mächte der Finsternis“, sie scheinen stattdessen dabei zu sein, ein Paradies auf Erden schaffen zu wollen. Doch all diesen, aber auch jenen, die längst „erkannt haben“, sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Gottes Schöpfung, sein Werk, die Wahrheit, soll zerstört werden. Dafür zuständig ist letztlich seit dem Sturz der Engel ihr Anführer Luzifer selbst. Seine Waffen sind „Irrtum, Lüge, Zwietracht, Streit und all die der Vernunft entgegenstehenden Leidenschaften“. Diese sät er unter dem Menschengeschlechte aus. Gott wird heute missachtet und schlechtgeredet. Die Mächte der Finsternis versprühen ihr Gift. Schmidberger nennt die entstehenden Häresien „ganz allgemein gesprochen, Verwirrungen des Geistes, gewissermaßen eine häppchenhafte Falschdarstellung des Evangeliums“:

„Häresie bedeutet »Schneiden«, das heißt, man schneidet aus, man nimmt nicht das ganze Evangelium, sondern man nimmt das, was einem gerade zusagt, was dem Eigensinn und dem Eigenwillen entspricht, und lässt den Rest beiseite. Das ist die Methode, durch die der Teufel die ganzen Jahrhunderte hindurch die Kirche belästigt, der Kirche geschadet hat und die Menschen in Irrtum geführt hat. Irrtümer, wie sie beispielsweise vom Alexandriner Arius […] oder von dem Deutschen Martin Luther […] stammen.“

Für die Pharisäer zu Jesu Zeiten waren die Christen eine Sekte. „Sekte kommt von »sequi-folgen«, einem Führer folgen, oder von »abschneiden«. (Schmidberger) Aber Jesus „greift auch die Sadduzäer an. Die Pharisäer waren die Strengen, die Gesetzestreuen, die Sadduzäer waren eher die Liberalen, die weder an eine Auferstehung geglaubt haben, noch an Engel“.

In unserer heutigen Zeit, der modernen Zeit, die durch das Zweite Vatikanische Konzil voller Optimismus und Zuversicht eingeläutet wurde, die uns bis heute jedoch eine riesige Kirchenkrise beschert hat, stellt sich die Frage nach den modernen Häresien allenthalben. Spätestens mit dem Pontifikat von Papst Franziskus kommt wiederum die Frage auf: „Warum ist ausgerechnet dieser Simon zum Petrus, zum Fels der Kirche Christi geworden?“

„Ein Mann mit Schwächen […] ein Mann des Jähzorns und der Gewalt“. Einer, der „im Garten Gethsemane bei der Verhaftung Jesu […] zum Schwert“ greift und einem Soldaten das Ohr abhaut.

„Kurzum: Petrus macht im Laufe der Zeit so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann“. Langner fragt: „Ist es also richtig, wenn ich vermute, dass in dieser Petrus-Figur alle Fehler enthalten sind, die seine päpstlichen Nachfolger auf dem Stuhle Petri durch die Jahrhunderte hindurch auch machen werden?“

Schmidberger betont, dass Jesus einfache Fischer vom See Genezareth in seine Nachfolge gerufen habe, die er drei Jahren lang zu „Säulen und Grundfesten der Wahrheit, zu Weltmissionaren und Welteroberern“ geformt habe. „Petrus hat den Herrn geliebt, außerordentlich geliebt. Aber er hat seine schwachen Momente gehabt.“

Die Schwächen des Petrus sind also auch die Schwächen der Hirten und die Schwächen der Gläubigen. Langner erinnert an die frommen Kopten, die sich als unübersehbares Zeichen ihres Christ-Seins ein Kreuz auf die Hand tätowieren lassen. Für sie sei es völlig ausgeschlossen und unmöglich, dass sie schnell mal das Kreuz ablegen, wie es etwa Kardinal Marx in Jerusalem getan habe. Wir Menschen sind es, die Gott verleugnen.

Heute fehle das Glaubenswissen. Bei der Frage nach den Schuldigen kommt man schnell auf die Priester. Schmidberger sagt:

„Ich würde sogar weitergehen: Die Schuld liegt bei den Bischöfen. Dass die Bischöfe die Priester dazu nicht mehr auffordern, dass die Bischöfe selber der Verkündigung nicht mehr nachkommen, dass die Bischöfe selber nicht mehr diese Elementarforderungen vortragen, ist eine schwere Schuld, die die Bischöfe auf sich laden und für die sie sich später vor dem Gericht Gottes verantworten müssen.“

Zuletzt sagt Pater Schmidberger:

„Jeder Christ, ja sogar jeder Mensch, steht täglich, stündlich vor zwei großen Geheimnissen: Dem Geheimnis der Bosheit, dem mysterium iniquitatis, und dem Geheimnis der Gnade. Beide sind sogar in unserem eigenen Herzen tätig als gefallene Geschöpfe und in der Taufe Wiedergeborene. Es liegt an uns, dem einen zu widerstehen, das andere zu ergreifen, um das ewige Ziel zu erreichen. Die große Frau, die Gottesmutter Maria, die nach dem Glauben der Kirche allein alle Häresien auf der ganzen Welt überwunden hat und der höllischen Schlange den Kopf zertritt, wird uns in diesem Kampf machtvoll zur Seite stehen.“

Zuerst veröffentlicht bei CNA

Die Mächte der Finsternis
Ingo Langner im Gespräch mit Pater Franz Schmidberger von der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Patrimonium-Verlag 2019
236 Seiten; 14,80 Euro
ISBN: 978-3-86417-125-3

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Sr. Marie-Claire, die hl. Margrit Bays und die Trappistinnen in Fille-Dieu

Am 23. November 2019 ist Sr. Marie-Claire Crausaz, Trappistin der Abtei Fille-Dieu in der Schweiz, von ihrem Schöpfer aus diesem irdischen Dasein abberufen worden. Sie starb 53-jährig.

Marie-Claire Crausaz wurde 1966 in dem kleinen Dorf Villarsiviriaux in der Nähe des Klosters geboren. Sie tat es einer ihrer Tanten gleich und trat im November 1991 in das Kloster ein

Nach ihrer feierlichen Profess 1998 wurde Sr. Marie-Claire mit den unterschiedlichsten klösterlichen Aufgaben betraut und wurde zu einer Stütze der Abtei. Sie ließ sich von keinem Auftrag abschrecken; alles ging sie im Vertrauen auf Gott und mit ihrer ganzen Kraft an. Ihre Anliegen und Sorgen teilte sie mit dem hl. Josef.

Als sie an Krebs erkrankte, erwartete sie nicht, dass dieser sie so schnell besiegen könnte. Noch am 13. Oktober 2019 durfte sie in Rom an der Heiligsprechung von Margrit Bays teilnehmen, die, wie sie selbst, im Dunstkreis der Trappistinnen von Fille-Dieu aufgewachsen ist und gelebt hat. – Am 25. November wurde Sr. Marie-Claire Crausaz auf dem Klosterfriedhof beigesetzt.

Gott sei ihrer Seele gnädig. – RIP

Video: Ein Tag der Trappistinnen in Fille-Dieu

Margrit Bays wurde am Fest Mariä-Geburt am 8. September 1815 in La Pierraz, unweit des Klosters der Trappistinnen von Fille-Dieu, geboren. Sie wuchs als frommes, bescheidenes und häufig die Stille suchendes Kind in einer gut katholischen Bauernfamilie auf. Obwohl sie sehr religiös war, wollte sie keine Ordensfrau werden, weil sie sich dazu nicht berufen fühle. Sie erlernte den Beruf einer Näherin, der damals überwiegend in Näharbeiten bestand, die in den Bauersfamilien und in deren Häuser erledigt wurden.

Im Jahr 1853 erkrankt Margrit Bays und erhält die Diagnose Darmkrebs. Trotz OP verschlimmert sich die Krankheit. Am 8. Dezember 1854, dem Tag der Verkündigung des Dogmas von der unbefleckten Empfängnis, wird sie plötzlich geheilt. Von nun an trägt sie die Wundmale Jesu an ihrem Leib, die an jeden Freitag und während der Karwoche hervortreten. Margrit wurde „an ihrem Leibe durch die Stigmata verwundet und fiel oft in unaussprechliche Verzückungen“. Zwar verbirgt sie die Wundmale, sie werden trotzdem bekannt. Es folgen Untersuchungen von Ärzten, angeordnet durch kirchliche Behörden. Am 11. April 1873, einem Karfreitag, muss sie wieder eine Untersuchung über sich ergehen lassen. Der Arzt versucht mit einer Lanzette „Anzeichen von Empfindungen hervorzurufen“. Er will „dem Unfug“ ein Ende bereiten.

So arbeitet denn die Lanzettenspitze weiter. Sie sticht in die Stigmata der Hände und des Herzens; sie sticht in die Nasenlöcher, unter die Fingernägel und sogar in die Augen.“ „Margrit verharrt im Zustand völliger Empfindungslosigkeit. Keine einzige Bewegung, nicht das geringste Zittern, überhaupt kein Reflex. Alles an ihr verhält sich wie bei einer Toten.

Als sie nach 25 Minuten aus der Ekstase erwachte, fühlte sie mit einem Schlag die von den Lanzettenstichen hervorgerufenen Schmerzen, an denen sie noch mehrere Wochen zu leiden hatte. Sie bat Gott, er möge die Wundmale von ihr nehmen, doch die Schmerzen belassen. Von diesem Tag an verschwanden die Stigmata. Sie wurde „von innerem Feuer verzehrt“.

Margrit wird Terziarin im Dritten Orden des heiligen Franziskus. Doch das Kloster der Trappistinnen von Fille-Dieu ist ihr ein Stück Heimat. Dort ist sie oft zu Gast und erhält sogar einen eigenen Platz im Chor der Schwestern. Manchmal bleibt sie eine ganze Woche dort.

Der Schweizer Franziskaner Pater Gottfried Egger hat zum Anlass der Heiligsprechung von Margrit Bays eine Kleinschrift beim Miriam-Verlag herausgegeben. Er zitiert einen Satz von Bischof Bürcher von Rejkjavik, der darin zum Ausdruck bringt, dass es sich bei Margrit Bays zuerst und vor allem um ein treues katholisches Leben handele:

Margit, ein wunderbar ausgeglichenes Leben, aufgeteilt zwischen Gebet, Betrachtung und tätiger Liebe an ihrem Nächsten, das alles macht aus ihr ein Lebensmodell, ein Beispiel der Heiligkeit für uns alle.

P. Gottfried Egger OFM
Hl. Margrit Bays – Die Näherin mit den Wundmalen
Bebilderte Biografie und Novene
Miriam-Verlag 2019
64 Seiten; 3,80 Euro
ISBN: 978-3- 87449-418-2

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Robert Loup
Margrit Bays. Die stigmatisierte Näherin
Paulus-Verlag (Herder) 2019
144 Seiten; 24 Euro
ISBN: 978-3722809410

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