Tradition und Lehramt – eine Buchempfehlung

Die römisch-katholische Kirche verfügt über ein für alle Gläubigen verbindliches, lebendiges Lehramt – d.h. ein Lehramt, das von lebendigen Menschen ausgeübt wird. Der einzige „traditionalistische“ Territorialbischof bietet in seinem Buch TRADITION UND LEHRAMT eine fundierte „Pastorale Wegweisung“ an, wie die durch Jahrhunderte überlieferte Liturgie heute und in Zukunft Bestand haben und Frucht bringen kann.

Hierzu schreibt Pfarrer Stefan Thiel eine Buchempfehlung:

Kann man sich in einem Botanischen Garten verirren trotz Wegweisern? Ja, wenn man die Wegweiser falsch interpretiert. So ist es auch in der Kirche, wo wir die Hl. Schrift und die Tradition haben, doch durch ihre falsche Interpretation schon unzählige Sekten und Häresien entstanden sind. Deswegen hat Jesus zu der unverfälschten Überlieferung Seiner Kirche noch das lebendige Lehramt Petri und der Apostel gegeben, die sozusagen lebendige Führer durch das Dickicht sind, denen der Heilige Geist die Fähigkeit verleiht, die Wegweiser richtig zu deuten. Das ist gerade in der heutigen Zeit, wo es so viele Fehlinterpretationen gibt, wichtig zu wissen.

Bischof Fernando Rifan zeigt in seinem Buch, daß es sowohl Fehlinterpretationen des Zweiten Vatikanischen Konzils gibt, als auch Auffassungen, die in den der überlieferten Liturgie verbundenen Kreisen verbreitet sind, die mit der Lehre der Kirche unverträglich sind, und daß beide eine gemeinsame Wurzel haben: einen irrigen Begriff vom kirchlichen Lehramt. „Tradition und lebendiges Lehramt“ wird deshalb Widerspruch der einen wie der anderen Seite hervorrufen, erklärt schon der Werbetext für dieses Buch, was nicht gerade verkaufsfördernd zu sein scheint. Eine nüchterne Betrachtung zeige indes dem unvoreingenommenen Leser: „Bischof Rifan behauptet nichts, was einer sachlichen Kritik nicht standhält: Er legt den katholischen Standpunkt schlüssig dar; ein reicher Fußnotenapparat lädt darüber hinaus theologisch-wissenschaftlich Gebildete und Interessierte zur weiteren Vertiefung in die Materie ein.“

Die Ablehnung des lebendigen Lehramtes der Kirche, nur weil dessen Verlautbarungen nicht zur eigenen theologischen Auffassung oder zu Äußerungen früherer Päpste passen, wäre auch schon eine Art der Protestantisierung, so wie die Protestanten nur die Bibel und ihre persönliche Auslegung, bzw. die der Reformatoren gelten lassen.

Das betrifft ja heute vor allem die Theologie und katholische Bücherschreiber. Sie unterscheiden ihre Lehre vom öffentlichen Lehramt der Kirche und stellen sich ihm gewissermaßen entgegen. Jedoch hat schon Papst Pius XII. festgehalten: „Es hat in der Kirche niemals gegeben, gibt nicht – oder wird jemals geben ein rechtmäßiges Lehramt von Laien [worunter auch Professoren zählen, selbst wenn sie Priester sind], das von Gott der Autorität, der Führung und der Wachsamkeit des heiligen Lehramts entzogen ist; ja vielmehr bietet diese Verweigerung der Unterwerfung ein schlagendes Beweismittel und Kriterium, daß Laien, die so sprechen und handeln, nicht vom Geiste Gottes und Christi geleitet sind“ (S. 46).

So reicht es aber auch nicht, für die überlieferte hl. Messe zu sein, weil sie schon immer so gefeiert wurde und frühere Päpste das festgelegt haben, sondern wir brauchen handfeste Argumente, warum die alte Messe bewahrt werden sollte, warum sie ein heilsames Korrektiv für die neue Messe ist und auch ihre Bewahrung mit dem lebendigen Lehramt der Kirche übereinstimmt, wobei das Buch von Bischof Rifan natürlich schon vor Traditionis custodes geschrieben wurde und nur am Schluß eine aktuelle Stellungnahme dazu enthält. Umso interessanter ist es, daß es trotzdem ganz konkret auf die jetzige Situation angewandt werden kann, indem es vor der falschen Haltung warnt, die Traditionis custodes kritisiert, die zwar zum Glück nicht häufig zu finden ist, die aber gerade jetzt nicht als „Trotzreaktion“ auf das Schreiben des Papstes entstehen sollte. Wenn der Papst den liturgischen Frieden, den Papst Benedikt geschaffen hatte, aufkündigt, indem er das Gespenst der Spaltung beschwört, müssen wir umso mehr um die Einheit und den liturgischen Frieden bemüht sein.

Wer „behaupten wollte, die Messe im jetzt verbindlichen Römischen Ritus sei ungültig oder unerlaubt, oder man könne mit ihr seine Sonntagsplicht nicht erfüllen, würde sich damit die Stelle der höchsten kirchlichen Autorität anmaßen. Bedauerlicherweise sind manche der Ansicht, der einzige Grund für die Zelebration der Messe im überlieferten Ritus oder die Teilnahme an ihr bestehe darin, der neue Meßritus sei ungültig oder irrgläubig und daher unerlaubt. Die [von Bischof Rifan] angeführten ernstzunehmenden und schwerwiegenden Gründe reichen jedoch völlig für unser vom Hl. Stuhl gebilligtes Festhalten an der überlieferten Meßform hin – und erweisen einen Rückgriff auf das genannte Argument, das im übrigen falsch und ungerecht wäre, als überflüssig. Ausschließlich Wahrheit und Gerechtigkeit haben unsere Richtschnur in diesem Kampf zu sein: Nur die Wahrheit macht uns frei (Joh 8,32), andernfalls würden wir Luftstreiche ausführen (1 Kor 9,26)“ (S. 69).

Wie oben beschrieben, sind oft gerade die Anmerkungen in dem Buch hilfreich: „Die Tatsache, daß sämtliche Träger der kirchlichen Lehrautorität (d.h. der Papst und alle mit ihm in Gemeinschaft stehenden Bischöfe) am neuen Meßritus festhalten, ist eben deswegen ein Argument für dessen Legitimität. Eine Parallele dazu: Der heilige Alfons von Liguori bemerkt, daß ein Papst, bei dessen Wahl betrügerische Unregelmäßigkeiten vorgelegen haben, nichtsdestoweniger deswegen, weil die ganze Kirche ihn als Papst anerkennt, im vollgültigen Besitz seines Amtes ist (Alfons Maria von Liguori, Verita della fede, Neapel 1838, S. 454 f.)“ (S. 77, Anm. 90). Extreme Positionen der Traditionalisten führen ja unweigerlich zum Sedisvakantismus.

Ich muß persönlich zugeben, daß man angesichts der Situation der Kirche und vor allem der Liturgie und der Verwirrung angesichts sich widersprechender Verlautbarungen des Vatikans und vieler (deutscher) Bischöfe schon fast verzweifeln könnte und unsicher wird, was denn nun der auch für die Pforten der Hölle unüberwindliche Weg der Kirche ist. Da bietet das kleine Büchlein eine wirkliche, hilfreiche Pastorale Wegweisung.

Einen großen Teil des Buches machen die Konsequenzen und Anwendungen der authentischen Lehre über Tradition und lebendiges Lehramt aus, zuerst in Bezug auf die hl. Messe und dann auf das Zweite Vatikanische Konzil. Dabei fand ich es sehr interessant, daß schon 1966 die Glaubenskongregation unter Kardinal Ottaviani allen falschen modernistischen Interpretationen des Konzils die richtige Interpretation im Sinne der Kontinuität mit der Tradition der Kirche entgegengesetzt hat und dieses Schreiben vollständig in dem Büchlein abgedruckt ist.

Unter den einzelnen Punkten, wo Aussagen des Konzils heute oft falsch verstanden werden, ist ja die Kollegialität der Bischöfe von besonderer Aktualität. Spannend ist auch die Feststellung, daß die Aussagen des Konzils zur Religionsfreiheit keine Kritik an Aussagen früherer Päpste zur Bedeutung des katholischen Staates etwa darstellen sollten, sondern vor allem als Verurteilung des Umgangs mit der Religionsfreiheit in den damaligen kommunistischen Staaten gedacht waren, wo das Konzil ja aus vermeintlich politischer Klugheit und um der dort lebenden Gläubigen willen auf eine offene Verurteilung des Kommunismus verzichtet hatte. „Die Grenzen der Staatsmacht zu umreißen bedeutet nicht, sie von der Verpflichtung freizusprechen, die wahre Religion – die katholisch Kirche – anzuerkennen, sie in ihrer Sendung zu unterstützen, sie gegen Angriffe zu verteidigen oder Gott und Christus dem König öffentliche Verehrung zu erweisen. Und wenn das Konzil erklärt, daß es ‚die überlieferte katholische Lehre von der moralischen Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi unangetastet läßt‘, dann bestätigt es damit, daß die in den Enzykliken Mirari vos (Gregor XVI.), Quanta cura (Pius IX.), Mortalium animos, Quas primas (Pius XI.) gelehrten Prinzipien und die gesamte traditionelle Lehre über das Soziale Königtum Christi unverändert in Kraft bleiben“ (S. 122).

Wenn Bischof Rifan zum Gehorsam der Kirche gegenüber z.B. den hl. Ignatius zitiert: „Wir müssen, um in allem sicher zu gehen, stets festhalten: was meinen Augen weiß erscheint, halte ich für schwarz, wenn die hierarchische Kirche so entscheidet, überzeugt, daß in Christus (…) und der Kirche (…) derselbe Geist wohnt, der uns zum Heil unsrer Seelen leitet und lenkt…“, dann sind manchmal die Anmerkungen des Übersetzers zu solchen Aussagen witzig erhellend: „Anm. d. Übers.: Diese Bemerkung des hl. Ignatius in seinen Geistlichen Übungen wurde gelegentlich gründlich mißverstanden, etwa in dem Sinne, auch evidentes Fehlverhalten eines kirchlichen Oberen sei gutzuheißen. Dies ist selbstverständlich nicht der Fall. So schreibt einer der größten Söhne des hl. Ignatius, Franziskus Suarez SJ, der maßgebliche ‚Haustheologe‘ der Jesuiten – dem niemand unterstellen wird, er habe den Geist seines heiligen Ordensgründers nicht recht erfaßt: ‚Wenn er (der Papst) etwas anordnet, was gegen die guten Sitten verstößt, wird ihm nicht zu gehorchen sein; wenn er irgendetwas unternimmt, was der offensichtlichen Gerechtigkeit und dem Gemeinwohl zuwiderläuft, wird man ihm zu Recht widerstehen; wenn er eine Gewalttat zufügt, wird man ihn mit Gewalt abwehren dürfen, freilich mit der Mäßigung, die einer schuldlosen Verteidigung eigen ist.‘ (Franziskus Suarez, Tractatus de fide theologica, disp. 10; sect. 6; Opera omnia, Paris 1858, Bd. 12, S. 321)“ (S. 143).

https://www.facebook.com/stefan.thiel.7161

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Bischof Fernando Arêas Rifan
Tradition und lebendiges Lehramt. Pastorale Wegweisung
Vorwort von Gerhard Ludwig Kardinal Müller
Renovamen Verlag 2021
170 Seiten; 15 Euro
ISBN: 978-3956211553
Aus dem Französischen übertragen durch Paolo D’Angona, Priester der Diözese Roermond

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Das Impfbuch

Das Impfbuch“ ist nicht der gelbe Impfpass, den wahrscheinlich jeder Deutsche besitzt. Vielmehr handelt es sich um ein Werk, das aufklären will „über Risiken und Nebenwirkungen einer COVID-19-Impfung“, wie der Untertitel des Buches von Raymond Unger lautet.

Nachdem sich nun auch die katholischen Bischöfe in Österreich in einer gemeinsamen Erklärung   hinter eine Impfpflicht gegen Covid-19 gestellt haben ist es umso wichtiger, neben Meinungsäußerungen von Politikern, Kirchenvertretern und Medien auch von Kritikern zu lesen, um deren Sichtweise zumindest zu verstehen. Sonst werden Millionen Menschen, die nicht geimpft sind — beziehungsweise sich nicht impfen lassen wollen — pauschal über einen Kamm geschert als „Corona-Leugner“, als Anhänger von Verschwörungstheorien, als militante Impfgegner oder Rechtsextremisten.

Der katholische Psychiater und Bestsellerautor Manfred Lütz kritisiert in einer Vorabmeldung der „Tagespost“ den Geisteszustand von katholischen Impfgegnern. Er sei „von sektenartiger Irrationalität“, esoterisch geprägt und Ortsgebunden: „Zwar kommen Corona-leugnende Verschwörungstheoretiker offenbar eher aus dem südwestdeutschen Raum, wo immer schon auch andere Sekten, esoterische Abwegigkeiten und radikale Kleingruppen blühten, wo Natur- und Gesundheitsgurus ihre Anhänger fanden und Katholiken, die gegen dieses ganze Gelichter waren, einen schweren Stand hatten. Doch psychologisch fühlten sich manche dennoch Corona-Leugnern und irrationalen Impfgegnern nahe, wenn sie mit der gleichen Heftigkeit von denselben Leuten angegriffen wurden, die die eigenen katholischen Positionen jahrzehntelange der Lächerlichkeit preisgegeben und öffentlich an den Pranger gestellt hatten.

Lütz, der hier selber mit einer blumigen Sprache fabuliert, bezeichnet Impfen „für Katholiken verantwortbar“. Was der bekannte Arzt und Autor zu übersehen scheint: Viele Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, werden von Ängsten und Sorgen geplagt. Sie haben Bedenken, etwa vor einem Impfstoff, der nicht einer viele Jahre dauernden Forschungs- und Erprobungsphase unterzogen wurde.

Dialog und Diskurs könnte diesen Menschen helfen, und ein Verständnis ihrer Bedenken statt Drohkulissen und Gerede von Geldstrafen, Arbeitsplatzverlust und mehr. Ein Riss geht inzwischen durch die Gesellschaft, die Kirche, durch freundschaftliche Verbindungen und nicht zuletzt durch Familien.

Der mutige Autor Raymond Unger hat die vielfältige Kritik an der Corona-Politik aufgegriffen und für sein Buch Fakten gesammelt und zusammengefasst. Unger sagt, was viele irgendwo schon einmal gehört haben, und viele Mediziner nicht unterschreiben würden: „Was man heute lapidar ‚Impfung‘ nennt, ist in gewisser Hinsicht eine begriffliche Mogelpackung. Eine COVID-19-‚Impfung‘, mit den neuen mRNA- und Vektor-Impfstoffen, hat kaum noch etwas mit den altbewährten Impftechniken zu tun.“ Unger will über Nutzen – oder besser über Risiken – einer Covid-19-Impfung aufklären.

Unger nennt Nebenwirkungen, trifft die nervliche Verfassung der Menschen, mindestens der Ungeimpften, einer freilich schrumpfenden Minderheit: Die Mehrzahl der Menschen in westlichen Ländern ist inzwischen doppelt oder dreifach geimpft. Für so hängt nun die Impfpflicht wie ein Damoklesschwert über den Häuptern der verunsicherten Ungeimpften.

Inzwischen ist Karl Lauterbach Gesundheitsminister. Zu seiner Person vermerkt Unger polemisch: „Wenn [Lauterbach] jemals einen Punkt gemacht hat in seinen alarmistischen Aussagen, dann darin, dass Massenimpfungen den Mutationsdruck auf Virenstämme exorbitant erhöhen.“ Denn das Virus „überlebt auf jeden Fall“. Unger belegt seine Aussagen mit jenen von ernstzunehmenden Wissenschaftlern. Er ist in der Lage zu verifizieren, dass die Sorgen der Impfgegner, die diese schon vor Monaten umgetrieben hat, zu politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeiten werden: „Impfnötigung für alle Bürger, selbst für Kinder, unter Androhung des Entzugs gesellschaftlicher Teilhabe“ und vieles andere. Unger spricht von einem „System“, das sich inzwischen etabliert hat und die Menschen zu Befehlsempfängern und unmündigen Kinder degradiert.

Der Autor stellt fest, dass sich inzwischen, nach beinahe zwei Jahren Corona-Politik eine weitere Problematik entwickelt habe. Politische bzw. gesundheitspolitische Fehlentscheidungen seien zwar weithin bekannt, würden aber nicht verantwortet. Unger schreibt dazu, politische Entscheider könnten nicht mehr zurück, selbst wenn sie erkennen, dass sie Lobbyisten auf den Leim gegangen seien.

Raymond Unger schreibt, dass „ein Notbündnis aus politischen Entscheidern, Pharmalobbyisten, Medien und Wissenschaftlern eine geradezu zynische Informationspolitik“ betreibe. Auch und gerade wenn man diese Meinung nicht teilt, ist es wichtig, sich mit dieser Perspektive auseinanderzusetzen und die Argumente ernst zu nehmen, und wenn es nur darum geht, diese auch zu entkräften versuchen. In zahlreichen Demokratien, auch der unseren, steht die so viel beschworene „unantastbare Würde des Menschen“ auf dem Spiel.

„Das Impfbuch“ ist ein wichtiges Buch für eine desolate Zeit.

Erstveröffentlicht bei CNAdeutsch am 8. Dezember 2021

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Raymond Unger
Das Impfbuch. Über Risiken und Nebenwirkungen einer COVID-19-Impfung
Scorpio Verlag 2021
240 Seiten; 15 Euro
ISBN: ‎ 978-3958034617

Kardinal Newman über den heiligen Philipp Neri – Buchempfehlung

Zwei Vorträge von Kardinal Newman. – Die Texte sind um das Jahr 1850 entstanden, als Newman, gerade erst zum katholischen Priester geweiht (1847), zusammen mit einigen Gefährten das erste Oratorium des Hl. Philipp Neri in Maryvale (Birmingham, England) gründete. Nichts lag näher, als dass Newman über das Leben des Vaters des Oratoriums, den heiligen Philippus Neri (1515–1595), sprach. Beide Texte spiegeln den hohen Geiste Newmans wider.

Die katholische Kirche zählt wenige Heilige, die von Gott in so außerordentlicher Weise begnadigt und verherrlicht worden sind wie Philipp Neri. Seine Christus-liebende Seele, die ganz erfüllt war vom wahren Apostelgeist und echter Martyrerglaubenskraft, ging in seiner unermüdlichen Sorge um die Rettung der Seelen ganz auf. Mit unvergleichlicher Erziehungsweisheit begann er sein Wirken als Erneuerer Roms und der katholischen Kirche. Seine Reformwirksamkeit vollzog sich in großer und vorbildlicher Demut, Geduld und Liebe, in Milde und Klugheit, sowie mit einer unwiderstehlichen Güte und kindlichen Fröhlichkeit. Seine selbstlose Liebe, welche auch die erste und einzige Regel der von ihm gegründeten Kongregation des Oratoriums werden sollte, war die Krönung seines Lebenswerkes.

Newmans Vorträge werden in dem empfehlenswerten Büchlein ergänzt durch eine Novene und weitere Gebete zu dem Heiligen.

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John Henry Kardinal Newman
Sankt Philippus Neri
Zwei Vorträge über seine Mission nebst einer Novene und Gebeten zu dem Heiligen
Verlagsbuchhandlung Sabat 2019
Hardcover; 176 Seiten; 14,95 Euro
ISBN 978-3-943506-58-7

 

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Briefe der heiligen Louis und Zélie Martin

Am 30. September des Jahres 1897 ist in dem unscheinbaren Karmelitinnenkloster von Lisieux in Frankreich die junge Schwester „Theresia vom Kinde Jesus und dem heiligen Antlitz“ im Alter von 24 Jahren gestorben. Es war Papst Pius XI., der sie 1925 selig- und am 17. Mai 1925 heiliggesprochen hat. Später wurde sie noch zur Patronin der Weltmission und zur Kirchenlehrerin erhoben.

Zweifellos ist die „kleine Therese“, wie sie gerne liebevoll genannt wird, eine große Heilige. Mit ihren autobiographischen Aufzeichnungen, die als „Geschichte einer Seele“ noch heute in allen Sprachen der Welt gedruckt werden, hat sie viele Menschen auf ihrem Glaubensweg begleitet.

Am 18. Oktober 2015 wurden auch die Eltern von Therese, Zélie und Louis Martin, heiliggesprochen. So wird sich mancher verwundert fragen: Was wird das für ein Familie gewesen sein? Und wie wird es im Haus dieser Eltern mit neun Kindern, wovon vier im Säuglings- bzw. Kindesalter gestorben sind, zugegangen sein?

Louis und Zélie haben in vielen Bereichen ihres Lebens nichts Außergewöhnliches geleistet: nicht in ihrer Ehe und nicht in der Erziehung ihrer Kinder. Sie geben uns das Beispiel eines ausgeglichenen und liebevollen Ehepaares, das versucht, in der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts ein gutes und gottgefälliges Leben zu führen. Beide arbeiten für den Lebensunterhalt der Familie und die Erziehung ihrer Kinder.

Zélie Martin wurde am 23. Dezember 1831 geboren und starb bereits am 28. August 1877 im Alter von 45 Jahren an Brustkrebs, als ihre jüngste Tochter Therese gerade vier Jahre alt war. Louis Martin, geboren am 22. August 1823, starb am 29. Juli 1894. Er erlitt zwei Schlaganfälle; wegen starker Arteriosklerose (der heutigen Alzheimer-Krankheit) kam für drei Jahre in ein Nervenkrankenhaus und verstarb als Pflegefall.

Nichts in ihrem äußeren Dasein unterscheidet sich von dem unseren: Es gibt Freuden, Leid und Prüfungen. Auch in den scheinbaren Schicksalsschlägen wissen sich die Eheleute in Gottes Händen geborgen und gut aufgehoben. Was ihr Lebensbeispiel als heilig erscheinen lässt, wird vordergründig zunächst nicht deutlich, denn der Alltag ist im Wesentlichen zeitlos. Ihr Leben zeigt jedoch, dass ein heiligmäßiges Leben zu führen auch in der Ehe und im Familienleben möglich ist.

Louis und Zélie zeichnet eine außergewöhnliche Seelengröße sowie einen bewundernswerten Glauben aus. Beide wollten, bevor sie heirateten, in ein Kloster eintreten. Beide wurden nicht aufgenommen. Doch ihr großer Wunsch nach Vollkommenheit lässt sie nur wenige Monate nach der Eheschließung gegenseitig versprechen, absolute Keuschheit zu bewahren. Ein Beichtvater aber rät ihnen von diesem außergewöhnlichen Weg ab.

Sicherlich verstehen wir, dass ihr unerfüllter Wunsch nach dem Ordensleben sie dazu befähigte zu akzeptieren, dass sie die religiöse Berufung ihrer fünf Töchter förderten. Der Wert der ewigen Jungfräulichkeit im Ordensleben ist für sie unumstößlich.

Dennoch sind Louis und Zélie Martin normale Menschen, normale Katholiken. Sie leben in ihrer Zeit und an einem konkreten Ort. Louis besucht jeden Morgen die hl. Messe und geht danach seiner Arbeit nach. Er angelt gerne, spielt Billard, macht seinen Apfelwein und singt Lieder für seine Kinder. Er ist ein engagierter Christ und nimmt an Vorträgen und Konferenzen teil, liest katholische Magazine und unternimmt Pilgerreisen. Zélie gehört dem dritten Orden der Franziskaner an. Während ihr Mann eher still und diskret ist, ist sie aktiv und spontan. Ihre Anpassungsfähigkeit ist ihre Stärke und ihr Glück.

In jedem Familienleben gibt es Gefahren, individuelle Charakterschwächen, Müdigkeit, Stress, Gezänk unter Geschwistern, Launen von Kindern, Wünsche von Jugendlichen, Bildungsprobleme, überarbeitete Eltern, Zeiten verschiedener Krisen, Krankheit, Tod.

Alle diese Lebenswirklichkeiten blieben auch der Familie Martin nicht erspart. Es kam auch bei ihnen zu Spannungen und Meinungsverschiedenheiten. Das kann in einer Familie mit fünf Kindern kaum überraschen. Doch bei den Martins ist das Wichtigste: zuerst Gott. Das ist der Klebstoff ihrer Beziehung.

Die Familie Martin ist in allen physischen und psychischen Prüfungen vergleichbar mit vielen anderen, ja allen Familien. Denn alle tragen ihr Kreuz in der Endlichkeit ihres Daseins auf Erden. Allerdings lebten Zélie und Louis, genau wie ihre Töchter, weder in Revolte gegen Gott noch in Resignation. Sie verstanden, was jeder Christ wissen sollte: Die Lebenszeit auf Erden ist begrenzt und umfasst Schmerz, Leid und Tod. Doch in unserem übernatürlichen Glauben wissen wir von einer anderen Existenz, die dieses vergängliche Leben nicht als das Ende ansieht. Gott erwartet uns und ruft uns mit unserem Namen zu sich in sein ewiges Reich.

Die Eltern der hl. Therese von Lisieux haben zahlreiche Briefe geschrieben. 218 Brief von Zélie und 16 von Louis beinhaltet das Buch von Media Maria: „Briefe der hl. Louis und Zélie Martin“.

Darin finden sich konkrete Beispiele für Zeiten, in denen der Ton unter den Eheleuten angespannt war. So fürchtet Zélie Louis’ Reaktion, als sie ihm schreibt, dass sie seine Uhrmacherbank [er war Uhrmacher] aufgeräumt hat, während er in Paris ist: „Du darfst deswegen nicht böse sein, es wird nichts verloren gehen, nicht einmal ein alter Vierkant, kein Stückchen Feder, wirklich nichts; und dann wird sie oben und unten schön sauber sein! Du wirst nicht sagen können, ich hätte den Staub nur von einer Seite zur anderen geschoben […].“ Wenn Zélie das so sagt, dann im Grunde, weil sie die Erfahrung gemacht hat, dass ihr Mann in dieser Art sehr pingelig ist. Und Zélie beendet den Brief: „Deine Frau, die dich mehr liebt als ihr Leben.“

Als Marie einmal eine Unstimmigkeit zwischen ihren Eltern bemerkte, beklagte sie sich bei ihrer Mutter darüber. Zélie schrieb dazu: „Ich sagte zu ihr: ‚Überlass das mir, ich erreiche immer, was ich will, und das ohne Streit. Bis dahin bleibt noch ein ganzer Monat Zeit, das reicht, um Deinen Vater noch zehnmal umzustimmen.‘“ Sie wollte damit sagen: Hab keine Angst, ich liebe deinen Vater. Denn „er verstand mich und tröstete mich, so gut er konnte, denn seine Neigungen waren den Meinen ähnlich; ich glaube sogar, dass unsere gegenseitige Zuneigung dadurch noch zunahm.“

Eine andere Meinungsverschiedenheit entsteht im Mai 1871, als Zélie davon spricht, mit den Mädchen nach Lisieux gehen zu wollen. Die Tochter Céline ist gerade erst 25 Monate alt. Louis hält dies für Wahnsinn. Zélie überlegt und schreibt in einem Brief: „Louis sagte zu mir, es sei verrückt, die Kleine mitzunehmen; ich glaube er hat recht, ich könnte es bereuen.“

Was können Ehepaare daraus lernen? Louis und Zélie Martin versuchen Ordnung der Harmonie in ihre Beziehung zu bringen, was nicht immer gelingt. Dafür ist gegenseitiges Verständnis notwendig, das sie sicher beständig suchen, denn dies ist ein kostbares Gut. Dabei sollen die Eltern keine Einstellung zueinander haben, die bei ihren Kindern Fragen erzeugen könnten, ob Vater und Mutter unliebsame Auseinandersetzungen austragen würden. Vielmehr sollen sie Vorbild sein und die Worte Jesu befolgen: „Wenn du deine Gabe zum Altar bringst, und du dich erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe vor dem Altar, gehe hin, und versöhne dich zuvor mit deinem Bruder; und dann komm und opfere deine Gabe!“ (Mt 5,23–24) Auf diese Weise wächst man in einer Gemeinschaft des Lebens und der Liebe, wie in der Ehe und in der Familie.

Einer der letzten Briefe von Louis ist aus dem Jahr 1888. Die jüngste Tochter Therese war gerade in den Karmel eingetreten. Der Vater schrieb seinen Kindern:

„Ich muss Euch sagen, meine lieben Kinder, dass es mir ein Bedürfnis ist, dem lieben Gott zu danken, und auch Euch zu bitten, es zu tun, denn ich spüre, dass unsere Familie, so bescheiden sie auch ist, die Ehre hat, zu den Auserwählten unseres wunderbaren Schöpfers zu zählen.“

Briefe der hl. Louis und Zélie Martin (1863–1888):
Die Eltern der hl. Therese von Lisieux
Verlag Media Maria 2021
384 Seiten; 18,95 Euro
ISBN: ‎ 978-3947931286

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Die Ehe und die beiden Geschlechter

Die Ehe wird von vielen belächelt, von anderen oberflächlich und abstoßend betrachtet, sogar bekämpft. Wiederum andere ideologisieren sie als politisches Instrument und wollen die „Ehe für alle“. Dabei ist die Ehe ein Sakrament der Christen. Ganz eindeutig war bisher die katholische Lehre über das Ehesakrament. Doch offenbar scheinen maßgebliche Vertreter der Kirche von einer zweitausendjährigen christlichen Tradition abweichen zu wollen.

Im Fahrwasser von Papst Franziskus, der schon zu Beginn seiner Amtszeit in unserem Zusammenhang aussprach: „Wer bin ich, dass ich urteile?“, und damit einer gewissen Beliebigkeit sowohl sexueller Vorlieben eine Tür geöffnet und andererseits bestehende Glaubenswahrheiten in Frage stellt, hat nun auch der von ihm ins Amt gesetzte neu Chef des Päpstlichen Instituts für Ehe- und Familienwissenschaften (Pontificium Institutum Theologicum pro Scientiis de Matrimonio et Familia), Monsignore Philippe Bordeyne etwas gesagt, das nicht der Lehre zu entsprechen scheint. Über das „Mysterium Familie“ gäbe es keine vorgefertigten Antworten mehr; vielmehr gelte diese Parole: „Wir Theologen müssen damit aufhören, Gewissheiten über die Familie zu behaupten, wenn wir die Veränderungen sehen, die jene heute durchläuft.“ Als ob gesellschaftliche Veränderungen die Wahrheit neu definieren müssten.

Weder die Ehescheidung noch die Ehe für alle, noch sonstige denkbare Konstruktionen können die sakramentale christliche Ehe in Frage stellen. Manchmal kann es hilfreich sein, in Glaubensfragen nicht nur auf den Papst, die Bischöfe und Theologen zu hören. Auch ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus kann zu verstehen helfen, was das Mysterium der Ehe ist. Der orthodoxe verheiratete Erzpriester und mehrfache Vater Vasilios E. Vouldakis hatte den Mut, über das Geheimnis von Mann und Frau in der Ehe zu schreiben. Das sehr lesenswerte schmale Bändchen trägt im Deutschen den Titel „Die Ehe und die Psychologie der beiden Geschlechter“. Darin ist sein Ansatz nicht das Dogma, sondern unmittelbar die Heilige Schrift, das Wort Gottes.

Der Autor spricht vom Kampf der Geschlechter, der bereits im Sündenfall ursächlich ist. Die männliche und die weibliche Psychologie werden von daher betrachtet. Und immer wieder betont er, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde als Mann und Frau geschaffen hat, ebenso die menschliche Seele. Er spricht vom „Austausch von Wesenszügen zwischen Mann und Frau“, die zur „Vervollkommnung“ und damit zur „psychischen Gesundheit“ führt. Der „Austausch der Wesenszüge“ müsse zwischen Mann und Frau „im Mysterium der Ehe“ erfolgen. Nach Vasilios E. Vouldakis ist dieser Austausch der „Schlüssel“ ihrer jeweiligen Psychologie.

„Unterwerft euch einander in der Furcht Christi.“ Dieser Appell beseitige „den Irrtum von der Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau“.

„Die gegenseitige Unterwerfung der beiden muss ‚in der Furcht Christi‘ erfolgen, d. h. wir müssen uns absolut bewusst sein, was wir im Begriff sind zu tun und zu welchem Zweck. Andernfalls enden wir in einer kriegerischen Unterwerfung und einer bedingungslosen Kapitulation mit katastrophalen Folgen sowohl für die Psyche jedes einzelnen als auch für die gegenseitige Beziehung von Mann und Frau.“

Dem Autor ist es möglich, sowohl starke Wort zu benutzen als auch die Realität der Ehe im Alltag zu sehen. Es gilt für ihn, was die Kirche durch den Apostel Paulus lehrt: „Ihr sollt aber wissen, dass Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann das Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi“ (1 Kor 11,3). Damit betont er, dass „das Haupt des Ehepaares“ „letztlich nicht der Mann“ sei, „wie viele unbedacht folgerten, sondern Jesus Christus“. „Der Mann ist nicht ‚das Haupt der Frau‘ um zu tun, was er sich in den Kopf setzt“, vielmehr trägt er Verantwortung für sie und für die „Wiedervereinigung der aufgespaltenen menschlichen Seele“.

Der Autor lehnt vehement homosexuelle Beziehungen und Geschlechtsumwandlung ab. Für ihn steht fest:

„Nur mit der Hilfe des anderen Geschlechts, mit der wahren Partnerschaft und dem Mysterium der ehelichen Beziehung ist der Mensch imstande, seine Persönlichkeit durch die Ausschöpfung seiner seelischen Gaben und durch die Beseitigung und Heilung der psychischen Mängel und Verletzungen zu vollenden.“

Erzpriesters Vasilios E. Voloudakis
Die Ehe und die Psychologie der beiden Geschlechter
Edition Hagia Sophia
92 Seiten; 9,50 Euro
ISBN: 978-3963210815

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Die Reduzierung der Weltbevölkerung ist eine Notwendigkeit für die Entwicklung der Welt.

Aus den „PROPHEZEIUNGEN“ des Philosophen Bertrand Russel (1872-1970). Er war Philosoph, Mathematiker, Religionskritiker, Logiker. Lehrer am Trinity College der Universität Cambridge, der London School of Economics, der Harvard University, der Peking-Universität. Sozialist, Atheist, Rationalist, Pazifist. Mitglied der Geheimgesellschaft der Cambridge Apostles. 1950 Nobelpreis für Literatur.

„Bisher hatten Kriege keinen allzu großen Einfluss auf das Bevölkerungswachstum, das auch während des Zweiten Weltkrieges weiter angehalten hat. Vielleicht wäre der bakteriologische Krieg wirksamer. Wenn sich in jeder Generation einmal die schwarze Pest ausbreitete, wären die Überlebenden frei, sich fortzupflanzen, ohne jedoch den Planeten zu stark zu besiedeln. Vielleicht ist diese Sachlage unangenehm, aber wenn schon? Wirklich edle Menschen stehen dem Glück gleichgültig gegenüber, insbesondere dem anderer.“

„Durch die selektive Reproduktion werden die angeborenen Unterschiede zwischen Führern und Geführten allmählich zunehmen, bis sie schließlich zu fast verschiedenen Spezies werden. Eine Revolte des Pöbels wäre genauso undenkbar, wie ein Aufstand der Schafe gegen die Praxis des Verzehrs von Schaffleisch.“

Die Kombination von Ernährung, Injektionen und Verboten wird schon in sehr frühem Alter dazu führen, jene Art von Charakter und jene Art von Überzeugungen z u produzieren, der den Autoritäten erstrebenswert scheint und jede ernsthafte Kritik der Macht würde psychologisch unmöglich werden.“

Die Bevölkerung wird nicht wissen, auf welche Art ihr Überzeugungen eingeimpft werden. Wenn die Technik perfektioniert sein wird, wird jede Regierung, die Gene die gesamte Bevölkerung wirksam und sicher zu kontrollieren, ohne, dass Armee oder Polizei benötigt werden … Die Bildungspropaganda wird mit Hilfe der Regierung innerhalb einer einzigen Generation Ergebnisse erzielen. Es gibt jedoch zwei mächtige Kräfte, die sich einer solchen Politik entgegenstellen: die eine ist die Religion, die andere der Patriotismus … Eine wissenschaftliche Gesellschaft kann nur unter der Führung einer Weltregierung stabil sein.“

Bertrand Russell
in: The Impact of Science and Society – Wissenschaft wandelt das Leben, 1953

zitiert nach:

Priestermönch Savatie Bastovoi.
Der Teufel ist politisch korrekt
Edition Hagia-Sophia
164 Seiten; 16,50 Euro
ISBN: 978-396321025

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Die Heilige Edith Stein und ihre Leidensgenossen auf dem Weg nach Ausschwitz

Natürlich war Edith Stein nicht die einzige Ordensperson, die in den Lagern der Nazis im „Dritten Reich“ getötet wurde. An einige ihrer Leidensgenossen erinnert ein Priester aus dem Bistum Roermond in den Niederlanden. Sein Buch, das erst jetzt, nachdem es bereits in vielen Weltsprachen übersetzt worden ist, auch in deutscher Sprache erscheint, trägt den Titel „Die Heilige Edith Stein und ihre Leidensgenossen auf dem Weg nach Auschwitz“.

Mgr. Dr. Paul Hamans war viele Jahre am Theologischen Institut Rolduc tätig. Als Professor für Kirchengeschichte war er ein ausgewiesener Fachmann, als der Bischof von Roermond ihn im Jahr 2004 beauftragt, eine Publikation der niederländischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts herauszugeben. In diesem Zusammenhang ist auch sein Buch entstanden, das Gegenstand dieser Buchbesprechung ist. Seit einigen Jahren lehrt Paul Hamans allgemeine und niederländische Kirchengeschichte und Patristik am Großen Seminar der Diözese Haarlem-Amsterdam.

Für das Vorwort der deutschen Ausgabe konnte Kardinal Woelki gewonnen werden, der feststellt, dass Märtyrer „im menschlichen Sinne nicht nur Helden“ in der Kirche seien. Vielmehr seien sie „Vorbilder und Fürsprecher für die pilgernde und leidende Kirche“. In diesem Sinne sei die Lektüre des Buches weithin empfohlen.

In den 15 Kapiteln des Buches zeichnet der Autor Lebenslinien von Menschen, die von ihren Zeitgenossen umgebracht wurden, weil sie katholisch waren und eine jüdische Herkunft besaßen. Zwar wird mit keinem Wort ein Bogen in die jetzige Zeit gespannt, dennoch gibt es heute gesellschaftliche und politische Symptome, die es nahelegen, die damaligen Geschehnisse, die nun fast 80 Jahre zurückliegen, nicht zu vergessen und mit offenen Augen und Ohren die Zeitläufe zu beobachten. Die Debatten um den Lebensschutz in all sein Facetten, aber auch die Corona-Situation zählen dazu.

Zunächst beleuchtet Hamans die politische Situation in den Niederlanden des Jahres 1942. Die niederländischen Bischöfe hatten anlässlich eines Hirtenbriefes zum Judenmord Klartext gesprochen. Auf dieses Schreiben vom 26. Juli folgte nur wenige Tage danach, am 2. August 1942, die Verhaftung von 413 katholischen Juden in den Niederlanden. Die Nazis hielten das Land besetzt und regierten mit eisernen Besen. Ein Exempel wurde statuiert. Es ging alles sehr schnell. Nur eine Woche später, am Sonntag den 9. August, unmittelbar nach der Ankunft in Auschwitz, löschten die giftigen Gase in den Todeskammern die Leben von Edith Stein und ihrer Leidensgenossen aus.

Vorausgegangen waren die Verhaftungen. Die Gefangenen wurden in das Lager Westerbork gebracht, von wo aus sie umgehend in Waggons zu je 60 Personen nach Auschwitz transportiert wurden. Niemand von ihnen wusste jedoch, wohin sie gebracht würden.

„In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurden in den Baracken die Listen mit den Namen derjenigen vorgelesen, die sich für die Abreise bereit machen mußten. Bis auf sechs Menschen wurden alle aufgerufen. […] Am frühen Morgen des 7. August, als die Sonne eben aufgegangen war, stand eine lange Reihe Männer, Frauen und Kinder aufgestellt auf dem großen Weg, der quer durch das Lager lief. Seltsam stachen die Ordensgewänder von dem Gepäck und der Ausstattung der übrigen ab. An Stelle der Polizisten waren bewaffnete SS-Leute gekommen, und unter ihren groben und anschnauzenden Befehlen zog der lange Trupp aus dem Lager hinaus. Wir Zurückbleibenden haben ihm noch sehr lange nachgewinkt! Das war das letzte, was wir von diesem Transport gesehen haben.“

In Auschwitz wurde kein einziges Dokument angefertigt, das bestätigt, dass die katholischen Juden angekommen seien und umgebracht wurden. Nichts wurde registriert. Es gab überhaupt keine Informationen, so dass am 29. August Erzbischof de Jong schrieb: Wir können die Hoffnung aufgeben. Gemeint war die Freilassung dieser Menschen. Dass sie bereits tot waren, wusste er nicht.

Bei der Schilderung der verschiedenen Lebenszeugnisse erscheint dem Schreiber dieser Zeilen jenes der Mitglieder der Familie Löb besonders eindringlich. Der Vater, der ursprünglich aus Deutschland stammte, war der Meinung, dass jeder Jude, der seine Religion wirklich kennen würde, in letzter Konsequenz katholisch werden müsse. Er heiratete nach der Konversion seine Frau katholisch. Das Ehepaar hatte acht Kinder. Sechs von ihnen traten in den Orden der Trappisten ein. Auf Seite 167 sind die Portraits dieser drei Trappistinnen (Nonnen) und drei Trappisten (Mönche) abgebildet.

Sieben Löb-Geschwister erleiden mit vielen anderen katholischen Juden dasselbe Schicksal wie Edith Stein: ihr Leben endet in den Gaskammern von Auschwitz. Die Todesanzeige des Trappistenordens kann getrost über allen beschriebenen Schicksalen stehen:

„‚In diesem Leben haben sie sich geliebt; deshalb waren sie nicht durch die Wolke getrennt‘ (Liturgie). ‚Ich werde zu Dir in einer dichten Wolke kommen‘ (Ex 19,9). Wir lesen diese Worte im Buch Mose, das den Exodus der Juden erzählt. Wir dürfen diese Worte wohl anwenden auf diese auserwählten Seelen. Sie kamen aus dem gleichen Volk zu dem Gott auf dem heiligen Berg gesprochen hat […]. Dieser Berg ist das Symbol des kontemplativen Klosterlebens. Auf diesem Berg beten sie in der Nacht, als die dichte bzw. dunkle Wolke, unheilvoll über sie heranzog. Aus rein menschlicher Sicht wäre diese Wolke, unheilvoll und unausweichlich, nichts weiter als eine Bedrohung zu verstehen. Aus dieser Wolke hörten sie jedoch die Stimme Gottes. Obwohl jeder seinen eigenen Weg hatte, waren sie eins in ihrer edlen Hingabe an Gottes heiligen Willen, und sie erkannten mit Freude ihr auserwähltes Los. Und wir haben sie gehen sehen.“

Die Märtyrer der Familie Löb

Schwester Hedwige, Trappistin (Lien Löb),
*3. März 1908
Verhaftet am 2. August 1942 in der Abtei Koningsoord, Getötet am 30. September 1942 in Auschwitz.
Pater Ignatius, Trappist (Georg Löb),
*25. September 1909
Verhaftet am 2. August 1942 in der Abtei Koningshoeven.
Getötet am 19. August 1942 in Auschwitz.
Bruder Linus, Trappist (Robert Löb),
*15. Oktober 1910
Verhaftet am 2. August 1942 in der Abtei Koningshoeven.
Getötet am 30. September 1942 in Auschwitz.
Schwester Veronica, Trappistin (Wies Löb),
*22. Oktober 1911
Wurde verhaftet aber wieder freigelassen.
Sie stirbt nach späterer Verhaftung
am 1. August 1944.
Schwester Maria-Theresia, Trappistin (Door Löb) *22.Okt.11
Verhaftet am 2. August 1942 in der Abtei Koningsoord
Getötet am 30. September 1942 in Auschwitz.
Pater Nivardus, Trappist (Ernst Löb),
*29. Oktober 1913
Verhaftet am 2. August 1942 in der Abtei Koningshoeven
Getötet am 19. August 1942 in Auschwitz.
Hans Löb, Techniker,
*11. November 1916
Wurde später verhaftet und zur Zwangsarbeit verschleppt.
Stirbt am 20. Februar 1945 im KZ Buchenwald.

Das Buch:

Paul Hamans
Die Heilige Edith Stein und ihre Leidensgenossen auf dem Weg nach Ausschwitz
Vorwort Kardinal Rainer Maria Woelki
Bernardus-Verlag 2021
299 Seiten; 19,80 Euro
ISBN: 978-3810703460

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Das große Instrument des Betens: Die Psalmen

Sie sind von Gott geschenkte Worte – im Psalmgebet verbinden wir uns mit David, Christus und der Kirche. Das neue Werk von P. Rodrigo H. Kahl OP erschließt den Reichtum des römischen Psalters.

VON P. DR. SVEN LEO CONRAD FSSP

Von jeher übt das Buch der Psalmen eine große Faszination aus. Hier ist von der Not des Beters die Rede, vom Lob seines Gottes und von der Erhebung aus Schmach und Erniedrigung durch die Feinde. Ja, selbst menschlicher Zorn wird zum Ausdruck gebracht und zu Gott getragen als Bitte um Erlösung. Praktisch alle Situationen eines menschlichen Lebens finden also im Psalter ihren sprachlichen Ausdruck. Papst Benedikt XVI. nennt es von daher das „Gebetbuch schlechthin“ (Katechese, 22.06.11) und drückt damit aus, wie wir das Psalmenbuch verstehen müssen.

Während wir jedoch in unserem Alltag Gebet als etwas verstehen, was sich in unserem Innersten formt und tief aus unserem eigenen Herzen aufsteigt oder – wenn wir an festgeformte Texte denken – als Gedanken, die Heilige oder heiligmäßige Menschen uns vorgebetet und hinterlassen haben, so sind die Psalmen doch unendlich mehr. Als Buch der Heiligen Schrift sind sie vom Heiligen Geist inspiriert. Das bedeutet, sie haben „Gott zum Verfasser“ und zugleich im menschlichen Autor „ein beseeltes und vernünftiges Werkzeug“ (Pius XII., Divino afflante spiritu), dessen sich Gott bedient. Sie sind somit Gotteswort im Menschenwort. Wenn Gott aber der Verfasser der Psalmen ist, dann zeichnet sie vor allen anderen Gebeten aus, daß nur hier „er uns die Worte gibt, mit denen wir ihn anreden, im Gespräch unser Leben vor ihn tragen können und so das Leben selbst in eine Bewegung auf Gott hin verwandeln“ (Benedikt XVI., Verbum Domini 24). Unwillkürlich mag man hier an Roöm 8,26 denken: „So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern.“ Gott selbst also schenkt uns die Worte, mit denen wir zu ihm beten sollen. Von daher kann es nicht verwundern, daß der Psalter nicht nur das Stundengebet, sondern die gesamte Liturgie prägt. So sind etwa die Proprientexte der Messe in der Regel den Psalmen entnommen.

Ein weiterer Gedanke ist für das Verständnis dieses einzigartigen Buches grundlegend. Man kann die Psalmen als heilsgeschichtliches Offenbarungszeugnis nehmen, in dem wir David und in ihm den Alten Bund als Beter der Psalmen erkennen. Wenn Psalm 3 beginnt mit: „O Herr, wie zahlreich sind die geworden, die mich bedrängen? Viele erheben sich gegen mich“, dann können wir hier den Gerechten des Alten Bundes erblicken, vielleicht David auf der Flucht vor Saul. Doch letztlich bleibt auch das Buch der Psalmen wie das gesamte Alte Testament auf Christus hin ausgerichtet. Den genannten Vers können wir dem Herrn angesichts seiner Verfolger, angesichts von Sünde und Tod, in den Mund legen, die er besiegen wird. So erkennen wir Christus als den eigentlichen Beter der Psalmen! Da wir als Getaufte Glieder seines Mystischen Leibes sind, werden in ihm diese Worte aber auch zu den unsrigen. Wir können sie sprechen als Ausdruck all der Bedrängnisse und Nöte unseres eigenen Lebens und unserer Zeit. Als Beter der Psalmen erscheinen also David, Christus und wir selbst in der hl. Kirche und keine Ebene des Schriftverständnisses schließt die anderen aus.

Bleibt noch ein Wort darüber zu sagen, welche Version des Psalters für die Liturgie maßgeblich ist. Wir unterscheiden beim Alten Testament die hebräische Bibel, die griechische Version und die lateinische. Die griechische Septuaginta entstand als Übersetzung aus dem Hebräischen im 3. Jahrhundert v. Chr. im Raum Alexandrien, also im Judentum der Diaspora. Sie war die Hl. Schrift zur Zeit Jesu und der jungen Kirche und gilt ebenso wie die hebräische Bibel als inspiriert. Dabei gibt es Abweichungen zum heutigen hebräischen Text. An manchen Stellen setzt die Septuaginta aber ältere hebräische Versionen voraus. Der hl. Hieronymus nahm sie zur Grundlage des Psalterium Gallicanum, der lateinischen Vulgata, und dieses wurde maßgebend für das kirchliche Stundengebet.

„Der Psalter der Vulgata ist im Abendland das große Instrument des Betens geworden. Aber gerade durch seine griechische Mutter, die Septuaginta, trifft er sich harmonisch mit den Psalmen der Ostkirchlichen Liturgien.“

Pater Rodrigo H . Kahl OP, der seit fast 30 Jahren an unserem Priesterseminar St. Petrus lehrt, hat nun ein entscheidendes Hilfsmittel vorgelegt, das das Verstehen der liturgischen Psalmenfassung erleichtert. In seinem Werk hat er alle 150 Psalmen meisterhaft getreu dem Text der Vulgata übersetzt und in Fußnoten auf Besonderheiten der lateinischen Sprache verwiesen, die der Übersetzung zugrundeliegen. Zudem bietet er auch einige Hilfen zum geistlichen Verständnis des Psalters.

Der Leser wird den einzelnen Psalmvers erst auf Deutsch lesen, dann auf Latein und dann auf die Fußnoten achten. In diesem direkten Vergleich der Sprachen werden ihm einzelne Worte auffallen, in die er sich betrachtend versenken kann. Schritt für Schritt durchdringt man zunächst die einzelnen Psalmverse, dann die jeweiligen Psalmen als ganze. Unser Beten wird hierdurch geformt und bereichert. Dieses Buch gehört in die Hand jedes Gläubigen, der sich das Beten der Kirche von innen her zu eigen machen will.

Papst Pius XII. zitiert in seiner Liturgieenzyklika Mediator Dei das schöne Wort des hl. Ambrosius: „Der Psalm … ist Segen für das Volk, Lob Gottes, Preislied des Volkes, Beifall aller, Wort der Gesamtheit, Stimme der Kirche, lautes Bekenntnis des Glaubens, volle Ergebung in den allerhöchsten Willen, Erlösungsglück, Jubelruf, Jauchzen der Freude.“ Im Geiste der Liturgischen Bewegung hat schon dieser Papst die Gläubigen dazu aufgerufen, sich dem Stundengebet der Geistlichen und Klöster anzuschließen. Doch der Mitvollzug des Stundengebetes erfordert ein Grundverständnis dessen, was die Psalmen sind und im Leben der Kirche bedeuten.

(Aus dem INFORMATIONSBLATT 07/2021 der Petrusbruderschaft)

 

Rodrigo H. Kahl OP
Die liturgischen Psalmen der lateinischen Kirche
lateinisch-deutsch
Textfassung der Vulgata – Wörtliche Übersetzung
Traditionelle geistliche Deutungen
Verlagsbuchhandlung Sabat 2021
560 Seiten; 24,95 Euro
ISBN: 978-3943506709

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Kardinal George Pell im Gefängnis, Bd. 1

Am 13. Juni 2019 notiert Kardinal Pell in sein „Gefängnistagebuch“, was Father Peter Cross ihm an jenem Tag sagte, als er zum Bischof geweiht wurde: „Das bedeutet, dass du den Rest deines Lebens damit verbringen wirst zu tun, was man dir sagt.“

Diese Wirklichkeit erfuhr Pell, der eine großartige Laufbahn in der kirchlichen Hierarchie machte, als Bischof immer wieder. Zwischen den beiden Buchdeckeln des ersten von drei Bänden seines Gefängnistagebuchs begegnen dem Leser solche Tatsachen. Auch von unglaublichen Wahrheiten, von denen er nur wenig oder überhaupt keine Vorstellungen hat, ist die Rede.

George Kardinal Pell, der vor wenigen Tagen, am 8. Juni, sein 80. Lebensjahr vollendete und damit nicht mehr zu den Papstwählern gehört, wurde im Jahr 2001 von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Sydney und zwei Jahre später zum Kardinal ernannt. Er gehörte eher zu den konservativeren Kirchenfürsten, was sich auch darin zeigte, dass er beim Weltjugendtag in Köln (16.-21. August 2005) zu jenen Würdenträgern gehörte, welche die täglich stattfindenden Pontifikal- und Hochämter im klassischen römischen Ritus zelebrierte. Von Papst Franziskus wurde Pell im Jahr 2014 zum Leiter der vatikanischen Finanzen bestimmt und zu einem der Mitglieder seines Kardinalsrates.

Bald danach wurden Vorwürfe bekannt, die Kardinal Pell sexuellen Missbrauch vorwarfen. Aus diesem Grunde begab er sich 2017 aus dem sicheren Rom nach Sydney, um sich vor Gericht gegen diese Anschuldigungen verteidigen zu können.

„Am Nachmittag erhielt ich einen Schriftsatz von einem der Kläger, in welchem dem Bundesstaat Victoria, einem Schwesternorden, der Kinder- und Familienhilfe und mir jede Menge angeblicher Vergehen vorgeworfen werden. Seine Beschuldigungen gegen mich waren von der Staatsanwaltschaft zurückgezogen worden, ehe die Sache vor dem Obersten Gerichtshof verhandelt wurde. Der Kläger war ein Drogenabhängiger mit einem Vorstrafenregister. Er warf mir unangemessenes Verhalten in einer Einrichtung vor, die ich in elf Jahren nur ein paarmal besucht hatte, und in einem Schwimmbad, das ich nie besucht und von dessen Existenz ich nicht einmal gewusst hatte. Er hatte mich im Fernsehen »wiedererkannt«, nachdem er mich, wie er behauptete, 40 Jahre zuvor in diesem Schwimmbad einmal gesehen hatte. […]“

Kardinal Pell, geboren 1941, Priester seit 1966 und Bischof seit 1987, wurde am 13. März 2019 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

„Ich habe einen Besen bekommen und meine kleine Zelle gefegt. Die Farbe auf dem Boden ist immer noch abgeblättert, es gibt keinen Vorhang, und während ich hier sitze und schreibe, ist die offene Toilette nur gut einen Meter von mir entfernt. Doch das ist für den Moment mein Zuhause.“

Seinen Prozess bezeichneten später sogar Gegner Pells und Gegner der Kirche als skandalös. Das Gericht hatte entschieden, dass der Bischof im Jahr 1966 in der Kathedrale von Melbourne im Anschluss an die Hl. Messe in der Sakristei und bei offen stehender Tür zwei Chorknaben sexuell missbraucht habe.

Die obersten Richter Australiens hoben dieses Urteil am 7. April 2020 auf. Kardinal Pell wurde unverzüglich freigelassen. Einige Monate danach, am 30. September 2020, kehrte er wieder nach Rom zurück.
George Kardinal Pell war 404 Tagen im Gefängnis. In dieser Zeit schrieb er ein Tagebuch. Sein Gefängnistagebuch „Unschuldig angeklagt und verurteilt“ besteht aus 4 Bänden, deren erster Band nun in deutscher Sprache beim Verlag Media-Maria erschienen ist.

Was Pell in seinem Buch notierte sind spontane Gedanken, Gebete, Lebenserinnerungen – und über 400 Seiten, die seine Leser herausfordern. Natürlich geht es immer wieder um die Gerichtstage, um die Verteidigung und deren Strategien. Niemand wird sich bei der Lektüre seiner Analysen, Erkenntnisse, aber auch seiner Betroffenheit und Enttäuschungen nicht berühren und beindrucken lassen. Pell kennt das Leben. Er kennt auch jene Abgründe denen die Menschen ausgesetzt sind.

„Heutzutage sind junge Christen stärkeren feindlichen Mächten ausgesetzt, als ich es vor 50 Jahren war, angesichts von gescheiterten Ehen, rückläufigen Kirchenbesucherzahlen, Drogen, Pornografie und den fragwürdigen Wohltaten der Social Media.“

„Dass viele Menschen unzufrieden und rastlos sind, beweisen die Ehen, die in die Brüche gehen, die Alkohol- und Drogenprobleme und die Pornografiesucht.“

Pell macht sich Gedanken über Papst und Kirche. Er blickt zurück und nach vorne. Oft sieht er sich in einem „Netz der Täuschung“. Dann sind ihm Briefe, die er in großer Zahl aus aller Welt zugeschickt bekommt und beim Gefängnis-Zensor durchgehen, willkommen und Trost.

„Ein australischer Priester teilte mir mit, dass er gerade sechs Muslime in die katholische Kirche aufgenommen, sie getauft und gefirmt habe, wovon zwei von ihrer Familie verstoßen worden sind. Als er bei einer von ihnen nachfragte, warum sie diesen Schritt tun wolle, antwortete sie ganz schlicht, dass sie »Jesus lieben wolle, wie hoch auch immer der Preis dafür sei«.“

Frommer Lesern seines Buches werden es dem Kardinal danken, dass er sich immer wieder an Gebete erinnert oder neue verfasst und sie aufgeschrieben hat.

„Lieber Herr Jesus, gib mir die Kraft, morgen meine Fassung und meine christliche Würde zu bewahren und mich nicht vom Zorn darüber hinreißen zu lassen, wie ungerecht das alles ist. Möge Maria, deine Mutter, unsere Mutter und daher auch meine Mutter, bei mir sein, damit ich ein annehmbares Opfer zum Wohl der Kirche bringen kann.“

Wie am Anfang dieses Textes sei auch am Schluss noch einmal an den 13. Juni 2019 erinnert, da Kardinal Pell im Gefängnis seinen Gefängnistagebucheintrag mit diesem kurzen Gebet beendet:

„Du, der du wolltest, dass die neunte Stunde
Eine Stunde des Gebetes sei:
Höre uns, während wir in der Stunde des Gebetes beten,
und bewirke, dass unser Gebet und unsere Bitten sich erfüllen, und rette uns.“

Man kann gespannt sein, wie es im zweiten Band des Gefängnistagebuches, das noch in diesem Jahr erscheinen soll, weiter gehen wird.

George Kardinal Pell
Unschuldig angeklagt und verurteilt – Band I
Das Gefängnistagebuch
Vorwort von George Weigel
Verlag Media Maria 2021
416 Seiten; 24,90 Euro
ISBN: 978-3947931255

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Ratschläge für das geistliche Leben

„Steigt der Geist auf unerklärliche Weise zu dem Einen auf, der jenseits des Begreifens ist, so ist es ihm unmöglich, sich nicht in diesen zu verlieben. Denn er begegnet einer unsäglichen und unbegreiflichen Schönheit, die aus Ihm entströmt wie aus einer mächtigen Quelle. In diesem Zustand, eingetaucht ins göttliche Licht, ähnelt der Geist einem Fischernetz, das wegen des Gewichts der vielen Fische, die es enthält, zu reißen droht. In Staunen steht der Geist vor Gottes Schönheit und ist berauscht wie von Wein. Wie von Sinnen gerät er außer sich und wird er von einer Bewunderung erfasst, die alles Begreifliche übersteigt; denn er ist außerstande, die Schau solch außergewöhnlicher Schönheit über aller Schönheit zu ertragen. Darum ist er von der Liebe Banden gebunden und brennt er vor lauter Durst nach Gott“

(Philokalie, Kapitel 24, hl. Kallistos über die geistliche Wonne).

Diese unbegreifliche Schönheit des Heiligen Geistes und den Durst nach Gott wollen die „Ratschläge für das geistliche Leben“ vermitteln. Sie entstammen der Feder des heiligen Nikodemos vom Berg Athos, auch Nikodemos der Hagiorite genannt, der 1749 auf der Insel Naxos auf (Kykladen, Griechenland) geboren wurde. Er studierte in Smyrna (heutige Ízmir) und wurde anschließend Sekretär an der Metropoliankirche des Metropoliten von Naxos. Hier lernte er Mönche aus verschiedenen Athos-Klöstern kennen und ging 1775 selbst auf den Berg Athos, wo er Mönch wurde im Groß-Kloster Dionysiou. Gestorben ist Nikodemos im Alter von 60 Jahren am 14. Juli 1809. 1955 wurde er heiliggesprochen und gilt als großer geistlicher Lehrer.

Der heilige Nikodemos hat eine Vielzahl von Schriften von großem spirituellem Wert hinterlassen. In der postbyzantinischen Zeit jener Epoche war es sein Anliegen, die geistigen Schätze der Orthodoxie zu bewahren, die vor allem im Innern von vielfältigen Angriffen, aber auch vom Vergessen der eigen Tradition gefährdet waren. Heute nehmen die Schriften dieses Heiligen in der Orthodoxie weltweit eine zentrale Position ein.

Zahlreiche seiner Werke wurden in vielen Sprachen übersetzt. Nun liegen uns seine „Ratschläge für das geistliche Leben – Symboleutikon Enchiridion“ in deutscher Sprache vor, die von dem rührigen deutschen Verlag „Edition Hagia Sophia“ herausgegeben wurden. Ein Biograph bezeichnet diese Arbeit nicht nur als „Erzeugnis des Gedächtnisses und des Verstandes“; vielmehr sei sie „das Erzeugnis des Gedächtnisses der Seele, die von Gott durchtränkt“ sei.

Nikodemos weiß als gebetserprobter Mönch wovon er spricht. Was er schreibt beruht ganz auf der christlichen Tradition wie auf der Gebetserfahrung eines reichen Mönchs- und Eremitenlebens.

In zwölf großen Kapiteln werden wesentliche Aspekte des geistlichen Lebens behandelt. Es ist beeindruckend, dass dieses Werk vom heiligen Nikodemus auf einer einsamen Insel niedergeschrieben wurde, wo er sich für einige Zeit aufhielt und wo er keinerlei Bücher zur Verfügung hatte. Die vielleicht reifste geistliche Frucht seines asketischen Lebens fasst in diesem sicheren Wegweiser für das geistliche Leben die reichen Erfahrungen der Heiligen Väter zusammen.

Der fromme und gelehrte Mönch wird neben der theoretischen Beschreibung immer auch ganz praktisch und bezieht sich stets auf das wirkliche Leben und die Einflüsse, denen der fromme, suchende Mensch ausgesetzt ist. Auch für heutige, moderne Menschen taugen die Ratschläge des Athos-Mönches.

Als einen kleinen Einblick sei auf das 9. Kapitel hingewiesen: „Wie man über die Phantasie wacht“. Wir lernen, dass die Phantasie Leidenschaften erzeugt und wir darum prüfen müssen, wie sich Phantasie von den Sinnen unterscheidet. Die moderne Welt erzeugt permanent Phantasien und regt ununterbrochen die Sinne an. Dabei sind die Bilder die sich ihnen einprägen oft teuflischer Natur, denn der Teufel verwendet die Phantasie als „Organ der Verblendung“. Die Welt gaukelt dem Menschen alles Mögliche vor, vor allem jenes, das ihm nicht gut tut, das, was gegen die göttliche Ordnung verstößt. Darum ist es wichtig zu erfahren, „wie man die Phantasie gebrauchen sollte“.

Nikodemus schreibt deshalb: „du müsstest über deine Phantasie ebenso wachen wie über die äußerlichen Sinne“, eigentlich sogar noch mehr „über unsere Phantasie […] als über unsere Sinne“.

„Leidenschaftsbestimmte Phantasie hat größere Kraft und Gewalt über den Menschen als die Sinne selbst. Hat eine leidenschaftsbestimmte Phantasie einmal vom Menschen Besitz ergriffen, so wird er zum willigen Knecht dieser Vorstellung. Er wird nicht mehr imstande sein zu sehen, obschon er den Sehsinn hat, zu hören, obgleich er Ohren hat, zu riechen oder zu tasten. Obschon er all seine Sinne offen hat, macht er den Anschein, sie verschlossen und vollauf untätig zu halten.“

Vor uns liegt ein leidenschaftliches und geisterfülltes Buch für leidenschaftliche Gottsucher.

Heiliger Nikodemos vom Berg Athos
Ratschläge für das geistliche Leben
– Symboleutikon Enchiridion –
Edition Hagia Sophia 2018
256 Seiten; 19,80 Euro
ISBN: 978-3963210129

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