Der karolingische Stuttgarter Bilderpsalter um 830 – Buchempfehlung

Der sich heute in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart befindende sogenannte Stuttgarter Psalter entstand nicht in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. Vielmehr ist diese karolingische Bilderhandschrift zwischen 820 und 830 durch Mönche der nahe bei Paris gelegenen Abtei Saint-Germain-des-Pres entstanden. Von Karl Eugen (1728-1793), dem zwölften Herzog von Württemberg veranlasst, kam das Manuskript nach Stuttgart, wo es den heute gebräuchlichen Namen Stuttgarter Psalter erhielt.

Das auch im Internet einsehbare Manuskript besticht mit seinen 168 Blättern, auf denen 316 farbige Bilder zu sehen sind. Diese Bilder (Miniaturen) begleiten und schmücken die Texte der 150 Psalmen und weisen auf deren theologische Bedeutung hin. Zwar stand den Mönchen des 9. Jahrhunderts bei der Abschrift des Manuskripts die getreue Textüberlieferung aus der Vulgata im Vordergrund, doch dieses Gebetbuch – nichts anderes hatten die Mönche herzustellen im Sinn – wurde von ihnen zusätzlich mit Miniaturen ausgestattet, die in ihren farbenfrohen Darstellungen noch heute äußerst ausdrucksstark anzusehen sind.

Dr. Mechthild Clauss beschäftigte sich viele Jahre mit dem Stuttgarter Psalter, der es ihr sehr angetan hatte. Im Jahre 2018 konnte sie im EOS-Verlag St. Ottilien die Frucht ihrer Arbeit vorlegen. In dem über 300 Seiten starken, in bester Ausstattung herausgegebenen Buch, will Clauss „die reiche Bilderwelt des Stuttgarter Psalters in ihrer Tiefe erfassen“ und ihre Leserschar „mit den geistigen Voraussetzungen vertraut machen, aus denen diese Bilderwelt erwachsen ist“.

Es war der Autorin nicht möglich, alle 316 farbigen Bilder des Stuttgarter Psalters zu bearbeiten; 48 von ihnen beinhaltet das vorliegende Buch. Dieses ist, neben einem umfangreichen Anhang, in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden Fragen der Darstellung behandelt (etwa anhand von Texten aus den beiden Testamenten und vom hl. Augustinus) sowie die geistigen Voraussetzungen, welche die Bilderwelt prägen (Schriftsinn, Symbole). Im zweiten Teil werden die konkreten Psalmen betrachtet, wobei es um die Verknüpfung der Psalmtexte mit den dazugehörigen Bildern geht.

Zwar gehen die Psalmen des Manuskriptes der Abtei Saint-Germain-des-Pres auf die Septuaginta zurück, mit der entsprechenden Zählweise. Unsere Autorin des vorliegenden Buches bedient sich jedoch der Einheitsübersetzung (mit den Kommentaren der Neuen Jerusalemer Bibel), was sie selbst als Kompromiss ansieht.

„Umfassend ist die Leistung der biblischen Schriftsinne: durch das zeichenhafte Sprechen umspannen sie in einem einzigen Wort die gesamte Weltenzeit von der Schöpfung bis zu ihrer Vollendung. – Entscheidend ist, dass der Mensch die Zeichen lesen lernt.“

(zuerst erschienen UVK 2019, S. 319f)

 

Mechthild Clauss
Illustration als Textauslegung:
Der karolingische Stuttgarter Bilderpsalter um 830.
Sankt Ottilien: EOS Verlag, 2018
312 Seiten; 39,95 Euro
ISBN 978-3830679240

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Vierzigtägiger Kreuzzug vom 17. September bis 26. Oktober 2019

Kardinal Raymond Leo Burke und Bischof Athanasius Schneider haben heute, am Fest des Heiligsten Namen Mariens, um 12 Uhr zu einem vierzigtägigen Kreuzzug des Gebets und Fastens aufgerufen, der am 17. September beginnen und am 26. Oktober 2019 enden wird, nämlich einen Tag vor dem Ende der Sonderversammlung der Amazonas-Synode.

Zitat:

Während des vierzigtägigen Kreuzzugs des Gebets und Fastens schlagen wir vor, täglich mindestens ein Gesätz des Heiligen Rosenkranzes zu beten und einmal pro Woche für die oben genannten Anliegen zu fasten. Nach der Tradition der Kirche besteht das Fasten darin, nur eine volle Mahlzeit am Tag zu essen; zusätzlich kann man bis zu zwei kleinere Mahlzeiten essen. Das Fasten mit Brot und Wasser wird zudem Personen empfohlen, die dazu in der Lage sind.

Die Schlußfolgerung der beiden Hirten der Kirche im Wortlaut:

Die theologischen Irrtümer und Häresien, die implizit und explizit im Instrumentum Laboris der bevorstehenden Sonderversammlung der Amazonas-Synode enthalten sind, legen ein alarmierendes Zeugnis ab für die Verwirrung, den Irrtum und die Gespaltenheit in der Kirche unserer Tage. Niemand darf sich der Pflicht entledigen, sich über die bedenkliche Lage zu informieren und angemessene Schritte zu unternehmen aus Liebe zu Christus, der uns und die Kirche mit Seinem Leben erfüllt. Vor allem müssen die Glieder Seines mystischen Leibes angesichts einer solchen Bedrohung seiner Unversehrtheit für das ewige Heil ihrer Glieder beten, sind sie doch in Gefahr, Anstoß zu nehmen, das heißt durch diesen für die Bischofssynode bestimmten Text in Verwirrung, Irrtum und Spaltung geführt zu werden. Zudem ist jeder Katholik als wahrer Soldat Christi aufgerufen, die Glaubenswahrheiten zu verteidigen und zu verbreiten, sowie die Disziplin hochzuhalten, durch welche jenen Wahrheiten in der Praxis in Ehren gehaltern werden, damit die feierliche Versammlung der Bischöfe den Auftrag ihrer Synode nicht verraten:
„… dem Papst bei Bewahrung und Wachstum von Glaube und Sitte, bei Wahrung und Festigung der kirchlichen Disziplin mit ihrem Rat hilfreich beizustehen …“ (can. 342).
Am 13. Oktober 2019, während der kommenden Sonderversammlung der Amazonas-Synode, findet die Heiligsprechung des seligen John Henry Newman statt. Mögen der Heilige Vater und alle Mitglieder der Sonderversammlung der Amazonas-Synode die folgende leuchtende Lehre dieses jüngsten Heiligen der Kirche hören und annehmen! Darin warnte er vor theologischen Irrtümern, die den oben genannten Irrtümern im Instrumentum Laboris ähnlich sind:
Private Glaubensbekenntnisse, ausgefallene Religionen können auffällig und imposant für die vielen zu ihrer Zeit sein; nationale Religionen können riesig und leblos sein und den Boden für Jahrhunderte belasten und die Aufmerksamkeit ablenken oder das Urteil der Gelehrten verwirren; aber auf lange Sicht wird sich herausstellen, dass entweder die katholische Religion wahrhaftig und tatsächlich das Eintreten der unsichtbaren Welt in diese ist, oder dass es in keiner unserer Vorstellungen davon, woher wir kommen und wohin wir gehen, etwas Positives, nichts Dogmatisches, nichts Reales gibt“ (Vorträge für gemischte Kongregationen, XIII).

Niemals brauchte die Heilige Kirche Kämpfer gegen den [Geist des Liberalismus in der Religion] so sehr wie jetzt, da er die ganze Erde wie eine Schlinge umspannt; … Der Liberalismus in der Religion ist die Lehre, dass es keine positive Wahrheit in der Religion gibt, sondern dass ein Glaube so gut ist wie das andere, und diese Lehre nimmt täglich an Substanz und Kraft zu. Er steht im Widerspruch zu jeglicher Anerkennung einer Religion als der wahren Religion. Er lehrt, dass alle zu tolerieren sind, denn alle sind Ansichtssache. Die offenbarte Religion ist keine Wahrheit, sondern ein Gefühl und ein Geschmack; keine objektive Tatsache; nicht übernatürlich; und es ist das Recht jedes Einzelnen, sie genau das sagen zu lassen, was ihm gefällt. Andacht basiert nicht unbedingt auf dem Glauben. Die Menschen können in protestantische Kirchen und in die katholische Kirche gehen, von beiden Gutes bekommen und keiner angehören. Sie können sich in geistlichen Gedanken und Gefühlen miteinander verbrüdern, ohne auch nur über einzige Lehraussage die gleiche Ansicht zu teilen oder deren Notwendigkeit zu erkennen“ (Biglietto Speech, 12. Mai 1879).

Möge Gott, auf die Fürbitte der vielen wahrhaft katholischen Missionare, die die indigenen amerikanischen Völker evangelisiert haben, darunter der heilige Turibius von Mogrovejo und der heilige Jose von Anchieta, und auf die Fürbitte der Heiligen, die die indigenen amerikanischen Völker der Kirche gegeben hat, darunter der heilige Juan Diego und die heilige Kateri Tekakwitha, und besonders auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria, der Königin des Heiligen Rosenkranzes, die alle Häresie besiegt, gewähren, dass die Mitglieder der kommenden Sonderversammlung der Amazonas-Synode und der Heilige Vater vor der Gefahr bewahrt werden, Irrtümer und Unklarheiten zu billigen und das apostolische Gebot des priesterlichen Zölibats zu untergraben.

Siehe kathnet

KREUZZUG DES GEBETS UND DES FASTENS

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Der Kreuzzug ist ab nächster Woche druckfrisch erhältlich bei VERLAGSBUCHHANDLUNG SABAT.

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Kleiner Schatz zur Verteidigung des Glaubens – Buchempfehlung

Die „Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit“, welche im Juni 2019 von den Kardinälen Raymond Leo Burke und Janis Pujats, den Erzbischöfen Tomash Peta und Jan Pawel Lenga, sowie von Athanasius Schneider, dem Weihbischof der Erzdiözese Astana, veröffentlicht wurde, hat zwar im Frühsommer für einige Aufregung unter verschiedenen Medien gesorgt, scheint aber in unserer so schnelllebigen Zeit fast schon wieder in Vergessenheit geraten zu sein.

Viele oft rat- und orientierungslose Priester und Gläubige finden in dem Dokument, nach der notwendigen erklärenden Einleitung, die Grundlagen des katholischen Glaubens dargestellt in 40 kurzen und einprägsamen Abschnitten. Das Schreiben der Bischöfe soll in einer Zeit völliger Verwirrung, in der sich die Kirche unter Papst Franziskus offenbar befindet, wieder für Klarheit sorgen in den wichtigen Fragen unseres Glaubens.

„10. ‚Unsere [die christliche] Religion stellt tatsächlich eine echte und lebendige Verbindung mit Gott her, was den übrigen Religionen nicht gelingt, auch wenn sie sozusagen ihre Arme zum Himmel ausstrecken‘ (Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 53).“

Wer die „Erklärung“ liest, ist überzeugt von ihrer Richtigkeit und Wichtigkeit. Manchen bietet sie Erhellung der katholischen Glaubenslehre, anderen gar notwendige Argumente, um in Gesprächen und Diskussionen den katholischen Glauben besser verteidigen zu können. Somit kann man der Verlagsbuchhandlung Sabat dankbar sein, diese wichtige Erklärung als kleines, handliches Taschenbuch bzw. als Broschüre herausgebracht zu haben. Interessierte Leser können es stets bei sich tragen und zwischendurch immer wieder einen Blick in das optisch gut gestaltete und sehr gut lesbare apologetische Werk werfen, nicht nur um gewappnet zu sein, sondern auch um sich selbst im Glauben zu stärken.

Für die vorliegende Broschüre der Verlagsbuchhandlung Sabat hat Kardinal Burke ein eigenes Vorwort geschrieben. Er betont darin, dass es heute zwar viele Menschen guten Willens gebe, doch infolge von vielen Jahrzehnten „mangelhafter Katechese und Predigt kennen viele Katholiken ihren Glauben nicht mehr gut genug“. Um „Rechenschaft über ihn abzulegen“, müsse man die Wahrheit aber kennen. Kardinal Burke betont, dass das „Bekenntnis unseres Glaubens in seiner Vollständigkeit“ der einzige Weg sei „zu unserem Glück auf dieser Erde und zu seiner Fülle im himmlischen Reich“ zu kommen. Dazu ist das Büchlein sehr gut geeignet.

(zuerst bei kathnews erschienen)

Kardinal Raymond Leo Burke et al.:
Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit

Zwei Versionen.
Mengenrabatte werden eingeräumt.

Verlagsbuchhandlung Sabat, 2019
Softcover in Rückendrahtheftung (10,5×14,8 cm)
56 Seiten; 2 Euro; ISBN 978-3-943506-62-4
Hardcover in Fadenheftung (10,5×14,8 cm)
56 Seiten; 6 Euro; ISBN 978-3-943506-63-1

 

Bestellungen an die Verlagsbuchhandlung Sabat

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Zur Spiritualität des Hirtenamtes

Über Wesen und Aufgaben des Bischofs dachte der portugiesische Erzbischof Bartholomäus a Martyribus (1514-1590) intensiv nach. Seine tiefen Einsichten lesen wir heute in dem bei EOS erschienen Buch „Stimulus Pastorum. Zur Spiritualität des Hirtenamtes“. Dieses Buch des feurigen Redners auf dem Trienter Konzil wurde von Marianne Schlosser herausgegeben, die in ihrem Vorwort feststellt, dass der 2001 seliggesprochene Bischof von Braga „wegen seiner menschlichen und geistlichen Vorzüge die Freundschaft der besten“ der Konzilsteilnehmer „wie etwa Karl Borromäus“ erworben habe.

Man kann der Professorin für Theologie und Spiritualität an der Universität Wien nicht genug für dieses Buch danken, denn sie reicht den Spiegel, den der selige Bartholomäus a Martyribus seinen Mitbrüdern, den Bischöfen der Zeit des tridentinischen Konzils vorhält, weiter an die Bischöfe unserer Epoche. Doch wollen diese den Blick in diesen Spiegel wagen? Bereits beim Lesen des kurzen Vorwortes vermag es einem den Atem zu verschlagen, wenn Bartholomäus nur die folgenden drei Dinge von einem kirchlichen Oberen verlangt:

„Erstens: Reinheit der Absicht“, die darin bestehe, dass der Hirte mehr danach trachten möge, „anderen zu nützen“, als ihnen vorzustehen. Er soll nicht seine eigene Ehre und Bequemlichkeit suchen, vielmehr „das Wohlgefallen Gottes und das Heil der Seelen“.

„Zweitens: ein heiliger und untadeliger Lebenswandel.“ Beinahe humorvoll warnt der Autor, dass man jenen, die „von heiligen Dingen“ reden, „nicht vorwerfen könne: Arzt, heile dich selbst“.

„Drittens: eine aufrichtige, von Herzen kommende Demut.“ Hier wird daran erinnert, dass die Gefahr besteht, „dass man sich innerlich wegen der eigenen Heiligkeit etwas einbildet“ und sich rühmen könnte. Doch dies bedeute, „sich zu Unrecht die Ehre anmaßen, die allein Gott“ gebühre. Denn einzig und nur „auf ihn allein muss man sein Vertrauen setzen“ und „ganz von ihm abhängig sein“ wollen.

In den folgenden zwölf Kapiteln führt Bartholomäus a Martyribus genauer, ja detailliert aus, „welche Eigenschaften Bischöfe und höhere Obere nötig haben, und wie sie ihr Leben gestalten sollen“. Im 12. Kapitel, überschrieben mit „Die Tafel des Bischofs“, steht zu lesen: „O weh, die Bischöfe unserer Zeit ‚haben sich mit den Heiden vermischt und von deren Werken gelernt, und sie haben deren Götzenbildern gedient‘ […] sie schmausen glänzend Tag für Tag […], sie, denen aus den Gütern der Kirche nur der Lebensunterhalt zusteht“. Bartholomäus weist auf drei Seuchen, drei Schlangen hin, die einen Bischof und seine Amtsausübung umzingeln, „die Ehre, das Geld, die Tafel“.

Bartholomäus a Martyribus bezieht sich immer wieder auf die Heilige Schrift und auf die katholischen Väter, insbesondere auch den heiligen Bernhard von Clairvaux. Im 5. Kapitel nimmt er wieder Bezug auf den heiligen Zisterzienserabt: „Die Reinheit der Absicht besteht darin, ‚einzig Gottes Ehre und das Heil des Volkes zu suchen.'“ Es geht hier um Verlässlichkeit und Treue zu den heiligen Entscheidungen. „Nicht was wir tun sollen, sondern warum wir es tun“ sei „die letzte Frage in der Gewissensentscheidung“. Es geht dabei auch um innere Unabhängigkeit, um die eigene Entscheidung, denn nicht „hinterhältige Zungen“ soll der Bischof beachten, sondern „seine eigene Absicht und Einstellung“ in den Blick nehmen.

Die Leser dieser Zeilen, auch die Leser des Buches seien – das ist also klar – gewarnt: Man möge sich nicht zurücklehnen und meinen: seht da, so sind sie, die Bischöfe. Vielmehr sollten die Empfehlungen an die Bischöfe uns alle selbst ermahnen, unser Leben neu auszurichten.

„Bei allem Tun und Lassen, ob du etwas erlaubst oder verweigerst, erforsche die Zielrichtung deiner Absicht: ob es wirklich nur Gott ist, weswegen ich z. B. jemanden nicht aufnehme etc. Wenn du erkennst, dass etwas Gott entspricht, dann kümmere dich nicht darum, was andere sagen, sondern geh über all das hinweg, brich (Diskussionen) ab und vertraue Gott.“

Zuerst veröffentlicht bei CNA

Bartholomäus a Martyribus.
Stimulus Pastorum – Zur Spiritualität des Hirtenamtes
Hrsg. von Marianne Schlosser
EOS Verlag 2018
238 Seiten; 19,95 Euro
ISBN: 978-3830679080

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Liberale protestantische Theologie häufig auch das Normdenken in der katholischen Theologie

Exegeten sind beim Begriff „Altar“ viel zu schnell mit dem Verdikt „Metapher“. Aber es geht um Tieferes. Denn bevor man wirklich die Texte des Neuen Testaments und der Kirchenväter durchgehen kann, sind auch ganz grundsätzliche Fragen zu klären.

Es gibt in der Theologie und Kirchengeschichte seit Jahrzehnten festgefahrene Überzeugungen, die wie alle scheinbaren Gewissheiten einer Überprüfung anhand der Quellen bedürfen. Das geschieht allerdings immer seltener, weil die Sprachfähigkeit im Lateinischen und Griechischen leider auch in der theologischen Wissenschaft verschwindet und man sich mehr und mehr auf Sekundärliteratur stützt, ohne noch deren Wahrheitsgehalt an den Originalen überprüfen zu können.

Zu den unhinterfragten Gewissheiten gehört etwa die Behauptung, das Christentum sei ursprünglich kultlos gewesen. Jesus habe eine Moral, keine Religion gewollt. Das ist natürlich typisch liberale protestantische Theologie, die aber heute auch in der katholischen Theologie das Normdenken ist.

Ähnlich fragwürdig ist die sozialgeschichtliche Schule, wenn sie schematisch davon ausgeht, das Christentum sei ursprünglich eine Armenbewegung gewesen, die erst nach und nach in die höheren Gesellschaftsschichten aufgestiegen sei.

Schließlich haben wir die Verfallstheorie, wonach ein ursprünglich reines, jesuanisches Christentum durch „katholisierende“ Tendenzen verformt wurde und dann so etwas wie der „Frühkatholizismus“ mit Dogma, Bischöfen und Priestertum entstanden sei.

Aus einem Interview mit Prof. Dr. Stefan Heid zum Thema: „Gab es Altäre in der Urkirche?“ – (Theologisches Nr. 07/08 2019, 393ff.)

Beachten Sie auch das Buch:

Stefan Heid
Altar und Kirche
Prinzipien christlicher Liturgie
Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2019
496 Seiten, zahlreiche Illustrationen, 50 €.
ISBN: 978-3795434250

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Land in Sicht – oder nicht? – Eine Rezension

Die abgebildete Landschaft auf dem Buchumschlag steht zum Auge des Betrachters um 90 Grad verdreht. Also quer zum Buchtitel. Das ist eine Affektion der Gestaltung beim Berlin Verlag. Aber dieser Roman liegt tatsächlich quer. Die Kölner Journalistin und Autorin Husch Josten hat sich mit ihrem Buch und dem – alles und nichts sagenden – Titel „Land sehen“ an ein innerkirchliches Thema herangewagt, aber verhandelt dieses letztlich nicht.

Inwiefern sie der Frage nach der Suche der eigenen Identität ihrer Protagonisten so näher kommt, das kann wiederum nur jeder Leser für sich beantworten.

Dieses 240-Seiten-Werk ist also weder Kirchen- noch Klosterroman, auch wenn es bei der Geschichte von „Land sehen“ um den Glauben geht. Nicht um irgendeinen Geisterglauben, sondern den katholischen. Die Autorin nimmt durchaus geschickt einen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht überwundenen Streit in der katholischen Kirche auf. Was scheint geeigneter zu sein, als extreme Positionen aufeinandertreffen zu lassen, um dieses Thema streitbar zu führen?

Husch Josten bedient sich zweier Romanfiguren: Einen Literaturprofessor mittleren Alters, getrennt von seiner Frau lebend, aber immer wieder verschiedene Partnerschaften führend, und natürlich in einer ständigen Lebenskrise befindend. Ihm stellt sie eine zweite Romanfigur gegenüber. Ein bereits älterer Herr, der Onkel der ersten Person, ein früherer Lebemann, der nichts im Leben ausgelassen hat, aber irgendwann einen Schnitt mit seiner Vergangenheit gemacht und Mönch einer traditionalistischen Benediktinergemeinschaft geworden ist. Jahrzehnte haben sich die beiden Männer nicht mehr gesehen. Nun begegnen sie sich in Bonn.

Jener Benediktiner, der ausgerechnet auch noch den Ordensnamen Athanasius trägt, und hier wird es für die katholisch Frommen interessant, gehört zu den der Piusbruderschaft nahestehenden Benediktinern des Klosters „Notre-Dame de Bellaigue“. In dieses französische und traditionalistische Benediktinerkloster ist also unser ehemaliger Hippie und Lebemann eingetreten. Nach der Ablegung der Mönchsgelübde wurde er zum Priester geweiht und sollte nun mit Hilfe der Piusbruderschaft in Deutschland eine Gründung vornehmen. Dazu ausersehen wurde das heruntergekommene ehemalige Kloster Reichenstein, das auf den Höhen der Eifel unweit von Monschau gelegen ist. Dort angekommen, will Athanasius unbedingt promovieren. Er erhält die Erlaubnis zum Studium in Bonn, von wo aus man wieder schnell in der Eifel und im Kloster Reichenstein sein kann. Der Mönch verlässt das Kloster und zieht in die Stadt, wo er in Zivil wohnt und lebt.

Hier begegnen sich der Literaturprofessor und sein Onkel. Während der Professor mehr oder weniger bereitwillig die Fragen des Mönchs in Zivil beantwortet und aus seinem Leben berichtet, verhält es sich mit jenem nicht so. Der Neffe wird aus seinem Mönchs- und Priester-Onkel nicht ganz schlau. Er erhält nicht nur kaum Informationen aus dessen Biografie, auch zu seinem Mönchsleben genügen dem Professor die Antworten des Onkels nicht. Daraufhin begibt der Neffe sich nach Maria Laach, dem bedeutenden Benediktinerkloster im Rheinland, unweit von Bonn. Hier will er diese Antworten erhalten.

In Maria Laach hat der Literaturprofessor Gelegenheit zum Gespräch mit einigen Mönchen. Er begegnet in den Aussagen desjenigen Mönches, mit dem er sich unterhält, dem „Geist des Konzils“ und der modernen Sprache der heutigen katholischen Kirche, ihren nachahmenden Ideen des Mainstreams und vielen Phrasen über Barmherzigkeit und einen gemeinsamen Glauben. Ganz auf seinen Onkel bezogen stellt der Klostergast die Frage: „Was denken Sie: Könnte man glaubhaft Mitglied in einem Orden werden, ohne diese spezielle Gemeinschaft durchgängig zu wollen? … könnte man seine Mitbrüder und alle Welt täuschen?“ Der Pater aus Maria Laach fragt daraufhin zunächst zurück, welche Gemeinschaft man denn schon durchgängig wollen könne, um dann seine Einschätzung mitzuteilen, dass es sehr ungewöhnlich wäre, wenn jemand bewusst in einen Orden eintrete, den man eigentlich ablehne.

In der konkreten Auseinandersetzung, was eine traditionelle Klostergemeinschaft und ihre Anhängerschaft von der modernen Kirche unterscheide, findet der Benediktinermönch vom Laacher See „keine Gebrauchsanweisung“. Leider gebe es so etwas nicht, dass man lerne, „wie man sein Leben im Geist Gottes führt“.

Es bleibt nicht bei dieser Aussage, die so stark der katholischen Tradition und Frömmigkeitsgeschichte widerspricht. Der fiktive Pater fährt im Gespräch mit dem Protagonisten fort: „Mein Stichwort für die Zukunft ist jedenfalls offensive Patchwork-Religiosität.“ Damit meine er „alle möglichen spirituellen Elemente aus fernöstlichen Religionen, Esoterik, New Age“. Er sehe diesen „Mix von Praktiken und Glaubensinhalten“ als „völlig normal“ an, weil „die Menschen“ heute mit „diesem Religionscocktail“ aufwüchsen. „Warum sollen wir nicht fördern, was die Menschen wählen?“

Keine Frage, dass solchen Aussagen im Kontrast stehen zu dem, was etwa ein Mönch von Bellaigue oder von Reichenstein sagen würde.

Dieser Kontrast spiegelt sich auch in der weiteren Beschreibung der Abtei und der modernen Mönche von Maria Laach durch die Autorin. So schildert Josten den Handschlag des Mönchs, der seinen Gast empfängt, als ohne Druck, butterweich und seifig. Auch der Eindruck beim Besuch des Literaturprofessors in Klosterladen und Buchhandlung ist erhellend. Der Leser begegnet „kirchenbiederes Randsortiment. Bronzene Seelentröster für die Hosentasche. Getöpfertes Geschirr. Enthusiastisch verschlungene Glasarbeiten in schreienden Farben. In den Regalen dahinter die religiöse und belletristische Auswahl.“

Der Literaturprofessor findet das Buchsortiment im Klosterladen „gleichermaßen freisinnig und unverbrämt“ und kauft sich prompt „ein Werk zu Anstößigen Bibeltexten und ihren Erläuterungen“.

Wie aber geht es weiter mit seinem Onkel? Nicht nur der im religiösen Leben gebildete Leser wird über diese Schilderung stolpern: Der vermeintlich stockkonservative Mönch aus Bellaigue und Reichenstein ist ein Getäuschter und ein Täuscher. Einer, der verwirrt sein muss und selbst verwirrt. Von Alkohol und Drogen kam er auf der Suche nach Heil zu einem strengen katholischen Orden. Die Mönche, die ihn aufnahmen, waren blind und erkannten den Blender nicht.

Nicht nur katholische Leser werden sich spätestens an dieser Stelle fragen: Hätte ein solcher Mann im Kloster wirklich eine Chance? Würde er denn überhaupt aufgenommen? Würde er die mindestens fünfjährige Probezeit überstehen? Der im Roman gezeichnete Charakter hätte nicht die Möglichkeit dazu gehabt. In der monastischen Ausbildungsstätte von Bellaigue hätte man ihn wieder weggeschickt.

Doch im Roman kommt es ganz anders – und das macht diesen Roman über den Glauben leider wenig glaubwürdig: Die Mönche nehmen den Täuscher auf und lassen ihn die Priesterweihe empfangen. Doch für diesen „Athanasius“ war das nur eine Phase. Die Figur nimmt sich – als Mönch – die Freiheit, mit einer eigenen Website gegen die „radikalkatholische Website ‚kreuz.net'“ zu wettern, und seine Ansichten unter seinen über sechzehntausend Abonnenten zu verbreiten. Im Kloster ist man ahnungslos, dass für den neuen Mönch in Reichenstein „Selbstbestimmung und Freiheit für den Weg zur Wahrheit maßgeblich“ sein sollen. Und dass er für seine Ideen reiche Geldgeber gewonnen hatte, die darum wussten, dass er ein anderes Kloster errichten wollte, eines, „in dem er nicht mehr als Mönch von Bellaigue, sondern mit Gleichgesinnten leben wollte“.

So weit, so wirr, und dann kommt es doch, wie es offenbar kommen musste: Der Schwindel fliegt auf. Dem Klosteroberen bleibt keine Wahl, er muss Konsequenzen ziehen und eine Entscheidung treffen. Sein Prior sagt: „Ich kann nur vermuten, dass Du hier von Anfang an ganz eigene Pläne verfolgt hast.“

Nun ja. „Land sehen“ ist eben ein Roman, kein Klosterroman, kein Glaubensbuch und natürlich nur eine gezeichnete Spur von Wahrheit und Wirklichkeit. Es geht um einen Anspruch, den der Leser mitgehen kann – oder auch nicht: Hier wird Literatur als Kunst mitverhandelt, und Kunst als etwas Unangreifbares, insofern Kunst so verstanden tun kann, was sie will und sagen, was sie will. Der Wahrheitsanspruch solcher Kunst ist „wertfrei“, insofern alles gelten kann, alles gültig sein und richtig in seiner Beliebigkeit. Nicht die Wahrheit ist der entscheidende Wert für diese Kunst, so gesehen, sondern eher „Freiheit“. Und wer möchte sich dieser schon entziehen? Offenbar sind die Vermischung von Teilwahrheiten und Fiktion das Mittel, die einen Roman spannend und interessant machen. Aber echt und wahr, wie das richtige Leben? Oder doch liegt das alles letztlich doch eher quer, wie der Umschlag zum Titel? Eine Antwort kann ein solches Buch nur schuldig bleiben.

Zuerst veröffentlicht bei CNAdeutsch

Husch Josten
Land sehen. Roman
Berlin Verlag 2018)
240 Seiten; 20 Euro
ISBN 978-3827013798

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Die letzten Tage im Leben der Mönche – Buchempfehlung

Gestorben wird auch in den Klöstern, auch hier wird gelitten und getrauert.

Diat erzählt in seiner von Respekt geprägten Art, was ihm Äbte und Mönche anvertrauen.

Der Autor des Buches „Heimkehr – Die letzten Tage im Leben der Mönche“ hat ein unerhörtes Buch geschrieben, das viele Tabus bricht und ans Licht bringt, was gerade in unserer Epoche verschwiegen und verschmäht wird: das Sterben des Menschen. Nicolas Diat, der in den Ländern deutscher Sprache bekannt wurde durch seine Gesprächsbücher mit dem afrikanischen Kardinal Sarah („Gott oder nichts“, „Kraft der Stille“), hat in acht französischen Klöstern Gespräche über die letzten Tage der Mönche geführt. Gestorben wird auch in den Klöstern, auch hier wird gelitten und getrauert. Diat erzählt in seiner von Respekt geprägten Art, was ihm Äbte und einfache Mönche anvertrauen, ohne indiskret zu sein. Dennoch ist seine Sprache und das, was er zu sagen hat, klarer und eindringlicher als es uns heute vielfach von medizinischem Fachpersonal vermittelt wird. Die Ehrlichkeit in diesem Buch ist frappierend und beschämt dadurch auch die Leser.

Dennoch geht es nicht nur um das Sterben. Das Mönchsleben hat jene, die nicht hinter Klostermauern leben, schon immer interessiert. So ist dieses Buch dazu geeignet, einen Blick über die Mauern zu werfen um etwas zu erahnen von dem Geheimnis der Mönche.

Doch Mönch ist nicht Mönch, Orden nicht Orden. Eine große Vielfalt bietet der Herr jenen, die er in seine Nachfolge ruft. Die Menschen müssen sich entscheiden. Nicolas Diat berichtet aus der Abtei der Regularkanoniker von Lagrasse, aus den Benediktinerabteien En-Calcat, Solesmes und Fontgombault, aus den Trappistenklöstern Sept-Fons und Cîteaux, der Prämonstratenserabtei von Mondaye und aus der Grande Chartreuse, dem Mutterkloster der Kartäuser.

In alle diese Klöster treten junge Männer voller Ideale und Eifer für Gott ein, um irgendwann zu sterben. Dazwischen liegen manchmal nur Monate, manchmal viele Jahrzehnte. Mönche sterben wie andere Menschen jung, an Krebs oder an einer anderen schweren Krankheit, durch einen Unfall; und manche nehmen sich selbst das Leben. Mönche leiden wie andere Menschen an ihren Krankheiten und den Schmerzen; ebenso an den von Ärzten vorgesehenen Therapien, oder auch an anderen lebensverlängernden Maßnahmen – und seien es auch nur bestimmte Medikamente. Aber Mönche sterben auch im hohen Alter und erfüllt von einem reichen Leben. Manche gehen einfach hinüber zum Herrn, wer er sie leise ruft. Von solch wunderbaren Begebenheiten des menschlichen Lebens und Sterbens erfährt der Leser des Buches „Heimkehr – Die letzten Tage im Leben der Mönche“.

Am Ende des Buches erzählt Nicolas Diat von einem Mönch, der ihm nach dem Besuch in seinem Kloster eine Karte geschrieben hatte, auf der zu lesen war: „Sie haben mich gefragt, ob ich den Tod erwarte. Ich antwortete nicht sofort, aus einem sehr einfachen Grund: Ich warte nicht auf die Tür, sondern auf das, was sich auf der anderen Seite von ihr befindet. Ich wünsche mir nicht den Tod herbei, sondern das Leben …“

Zuerst erschienen bei kath.net


Nicolas Diat
Heimkehr. Die letzten Tage im Leben der Mönche
Übersetzung Hedwig Hageböck
Fe-Medienverlag 2019
208 Seiten; 16,80 Euro
ISBN 9783863572266

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