Betrachtungen und Fürbitten für den Karfreitag – Buchempfehlung

Gerade pünktlich zur Fastenzeit kommt ein kleinformatiges Bändchen aus der Verlagsbuchhandlung Sabat auf den Büchermarkt, das nicht geeigneter sein könnte für die Einstimmung auf das höchste Fest der Christen, die Auferstehung. Es handelt sich um Kardinal NewmansBetrachtungen und Fürbitten für den Karfreitag“.

Dabei geht es nicht nur um den Sterbetag Jesu am Kreuz, vielmehr schon sein Hingehen, sein Hingeführtwerden dorthin. In zwölf Betrachtungen führt John Henry Newman die Leser und Beter durch Jesu Leben. Alle Betrachtungen schließt er mit einem Gebet ab. Diesen folgen in dem von der Verlagsbuchhandlung Sabat herausgegebenen handlichen Buch Gebete zum leidenden Heiland, zum heiligsten Herzen Jesu Christi und für die Verstorbenen sowie die Litanei vom Leiden Jesu und eine Bußlitanei. Daran schließt sich der Kreuzweg an, den Kardinal Newman über 14 Stationen leitet. Jede schließt er mit einem kurzen Gebet ab. Am Ende des Gebet- und Betrachtungsbuches finden sich noch zwei weitere Litaneien: jene von den sieben Schmerzen Mariä und die Litanei von der Auferstehung.

Kurz Erwähnung finden soll hier die zweite Betrachtung „Jesus, der Sohn Davids“. Hier betet Newman „für das Volk der Juden“, sowie zu „ihrem Herrn und Gott“, den sie gekreuzigt haben und zu dem sie wieder zurückkehren sollen. Anders als die meisten heutigen Bischöfe sieht der selige Kardinal Newman, auf welche Weise eine Bekehrung erfolgen muss und er bittet Gott:
„Sei im Zorn eingedenk Deiner Erbarmungen. Vergib ihnen ihre Halsstarrigkeit für die geistigen Dinge, ihre Liebe zu dieser Welt und ihren Genüssen. Rühre ihre Herzen und schenke ihnen den wahren Glauben und den Geist der Buße.“

Sodann betet er:
„Erbarme Dich, o Jesus, deiner eigenen Brüder, der Volksgenossen Deiner Mutter, des heiligen Joseph, Deiner Apostel, des heiligen Paulus, der Gerechten des Alten Bundes, Abraham, Moses, Samuel und David. O Herr, erhöre uns; Gott sei ihnen gnädig; Herr, merke auf und handle; zögere nicht um Deiner selbst willen, o mein Gott, denn einstmals ward Dein Name genannt in der Stadt Jerusalem und unter Deinem Volke.“

Zuerst veröffentlicht bei CNAdeutsch

John Henry Newman
Betrachtungen und Fürbitten für den Karfreitag
Verlagsbuchhandlung Sabat 2019
128 Seiten; 14,95 €
ISBN 9783943506532

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Die Bekenntnisse des heiligen Kirchenlehrers Petrus Canisius SJ – Buchempfehlung

Kein Geringerer als Papst Benedikt XVI., der am 9. Februar 2011 bei seiner Generalaudienz über den heiligen Petrus Canisius predigte, zitiert aus dessen Bekenntnissen: »Da fühlte ich überaus großen Herzenstrost und die Gegenwart deiner Gnade, die mir durch diese mächtigen Fürbitter [Petrus und Paulus] liebevoll angeboten wurde. Auch sie gaben mir jetzt ihren Segen und bestätigten meine Sendung nach Deutschland. Es war mir, als verhießen sie mir ihren wohlwollenden Schutz für meinen Apostelberuf in Deutschland. Du weißt es, o Herr, wie sehr und wie oft du mir an jenem Tag Deutschland ans Herz gelegt hast. Ich sollte fortfahren, für dieses Land besorgt zu sein, mich ganz dafür hingeben … und nichts anderes mehr begehren, als für es zu leben und zu sterben«.

Johannes Canisius, 1521 in Nimwegen in der Grafschaft Geldern (heute Niederlande) geboren, war Jesuit. Als solcher war er gewohnt, Gehorsam zu üben. In seinen Bekenntnissen geht es dem Apostel Deutschlands nicht in erster Linie um Deutschland: es geht ihm darum, seinem Herrn und Meister zu folgen. Wenn er Gottes Wille erkannt hat, kann er sagen: „Jetzt habe ich mir fest vorgenommen, unter deiner Gnadenhilfe in allem die […] Grundlage festzuhalten, mich mit neuen Augen vor dir zu betrachten und zugleich, wie es sich geziemt, in Demut und Einfalt des Herzens voranzuschreiten“.

Von Beginn an sucht er den Willen Gottes auch im Willen seiner Vorgesetzten und Ordensoberen zu erkennen. Er spricht hier von der „göttlichen Gnade“. Im Jahre 1549, nach seiner Teilnahme am Konzil von Trient, wurde er von Rom nach Deutschland ausgesandt. Da fühlte er „überaus großen Herzenstrost“ und die Gegenwart von Gottes Gnaden. „Es war mir, als verhießen sie mir ihren wohlwollenden Schutz für meinen Apostelberuf in Deutschland.

In seinem Missionsgebiet Deutschland wurde der Apostel mit den Dingen der Welt konfrontiert. Doch er wusste, wessen Apostel er war, und wem er zu dienen hatte. Das ging nicht ohne innere Kämpfe: „O dass ich doch nur an deinem Kreuz, o König der ewigen Herrlichkeit, Geschmack fände! O dass mir doch die Welt mit ihren Lockmitteln und mit ihrem Trug zum Ekel würde! Ich muss mich gegen dieselbe wappnen durch die heilige Armut sowie durch das Beispiel der Märtyrer […].“

Das handliche Büchlein aus der Verlagsbuchhandlung Sabat ist geeignet, Bischöfen, Priestern und Laien Wegweiser für ein christliches Leben in der Welt zu sein.

Erstveröffentlicht bei kath.net

Die Bekenntnisse des heiligen Kirchenlehrers Petrus Canisius SJ und sein Testament
Verlagsbuchhandlung Sabat 2019
Ca. 170 Seiten; 16,95 Euro
Format: 10,5 x 14,8 cm
ISBN 978-3-943506-54-9

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Über die Lauheit in der Liebe – Buchempfehlung

Lauheit – wenn die Liebe erkaltet

Der erste Eindruck beim Blick auf den Buchtitel könnte auf Eheberatung hinweisen. Doch dem ist nicht so. In zwölf Kapiteln betrachtet der Autor urchristliche, echt katholische Eigenschaften, mit denen er in die Tiefen des menschlichen Herzens eindringt um die Seele wieder fähig zu machen, Gott zu lieben.

Der Autor des lesenswerten Büchleins, Francisco F. Carvajal; wendet sich an Menschen, die wirklich glücklich sein möchten, weil sie gespürt haben, dass sie in dieser Welt oft genug nur einem vermeintlichen Glück hinterherlaufen. Carvajal erkennt die Ersatzwerte und weist stattdessen auf die wahre Freude hin, das Glück, den Frieden, die man nur in und mit Gott und niemals getrennt von ihm finden kann. Denn am Ende macht uns alles, was uns von Gott, von der Liebe zu Christus trennt, nur freudlos. Das Gegenteil der Freude ist aber die Traurigkeit, die den Menschen kraftlos und hoffnungslos macht. Ein besonderer Anlass für diese Traurigkeit ist, neben der Sünde, die eigene Lauheit. Francisco F. Carvajal weißt auf Abhilfen hin, wie der Christ diese Krankheit des Seelenlebens erkennen und ihr gegenübertreten kann. Das Buch zeigt uns die Symptome der Lauheit und gibt die entsprechenden Heilmittel an. Einer von vielen Schlüsselsätzen des Buches lautet: „Viele Versuchungen und lässliche Sünden könnten durch das Bemühen um mehr Frömmigkeit, um mehr Gegenwart Gottes und um einen feinfühligeren Umgang mit dem Herrn vermieden werden.

Francisco Fernández Carvajal, Spanier, Priester, Professor und Mitglied des Opus Dei hat in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts in seiner Heimat dieses Buch herausgegeben, das im Jahre 2007 beim Fassbaender Verlag in Wien eine deutsche Übersetzung erfahren hat. Während es in Spanischen Original mit „La tibieza“ – Die Lauheit herausgegeben wurde, erhielt die deutschsprachige Ausgabe den präziseren Titel „Lauheit – wenn die Liebe erkaltet“.

Zitat:

Die lässliche Sünde verringert den Eifer der Liebe.
Sie führt zur geistlichen Mittelmäßigkeit und
macht so ein echtes Innenleben unmöglich.

Die lässliche Sünde vermehrt die Schwierigkeiten im Erwerb der Tugenden. Sie bereitet außerdem auf die schwere Sünde vor, die mit Sicherheit folgt, wenn nicht sofort und entschlossen reagiert wird.

Die lässlichen Sünden können eine Gefühllosigkeit für das Göttliche, eine wahre Unempfänglichkeit für das Übernatürliche hervorrufen.

Wer nach und nach für die göttlichen Dingen gefühllos wird, wird dadurch auch für das unempfindsam, für das er geschaffen wurde: um Gott zu erkennen, ihn zu lieben und ihm zu dienen.

 

Francisco F. Carvajal
Lauheit – wenn die Liebe erkaltet
Verlag Fassbaender 2007;
136 Seiten; 14.90 Euro
ISBN 978-3-900538-85-9

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Unsichtbare Mächte und Gewalten – Buchempfehlung

Der in Berlin geborene und heute in Köln lebende Priester Johannes Stöhr ist nach seiner Laufbahn als Theologieprofessor an verschiedenen in- und ausländischen Hochschulen zwar nicht mehr als Wissenschaftler tätig, dennoch befaßt er sich auch in seinem hohen Alter noch immer mit aktuellen theologischen Fragen und Zusammenhängen. In einem seiner jüngsten Bücher, 2018 im Patrimonium-Verlag herausgegeben, befaßt er sich mit den Engeln Gottes. Unter dem Titel „Unsichtbare Mächte und Gewalten“ erleichtert er dem interessierten Leser den Zugang zu jenen katholischen Quellen, die die Existenz der himmlischen Wesen Gottes bezeugen. Die vorgelegten Texte werden vom grundlegenden lateinischen Text begleitet, so daß neben dem frommen Leser auch eher kritische Köpfe Stöhr folgen und Gewinn aus der Lektüre ziehen können.

Der Autor setzt die Existenz der Engel als katholische Glaubenswahrheit voraus. Dies belegt er mit Zitaten aus der Heiligen Schrift und aus Schriften der Kirchenlehrer. Nach der Beschreibung der englischen Natur und der Aufgaben der Engel befaßt sich Stöhr mit den Schutzengeln. Zwar sei die „Existenz von Schutzengeln“ von der Kirche niemals definiert worden, dennoch würden sie „in der Tradition allgemein angenommen“. So wird etwa in der Apostelgeschichte bezeugt, daß bereits die ersten Christen die Schutzengel verehrten. Auch von Irrtümern und Übertreibungen wird hier berichtet. Doch im „Laufe der Jahrhunderte“ habe „die Kirche immer wieder die verschiedenen Formen des Aberglaubens […] verworfen“. Auf den folgenden etwa 150 Seiten hat Johannes Stöhr über 150 Texte der Heiligen Schrift, der Zeit der katholischen Väter, aus dem Mittelalter, dem Barock und der Neuzeit zusammengetragen.

(Erstveröffentlicht: Kirchliche Umschau 2.2019)

Hw. H. Prof. Dr. Johannes Stöhr
Unsichtbare Mächte und Gewalten.
Die Engel Gottes
Patrimonium- Verlag 2018;
182 Seiten; € 24,80
ISBN 978386417113

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Abkehr von der Vernunft im säkularen Europa und die Folgen – Buchempfehlung

Die vorliegende Schrift des ehemaligen Gymnasiallehrers Norbert ClasenIm Garten des Unmenschlichen. Die Abkehr von der Vernunft im säkularen Europa und ihre Folgen“ liest sich wie ein Offenbarungsbericht unserer Gesellschaft und des Glaubens, Das Nietzsche-Zitat, das sich erst auf Seite 195 des über 250-seitigen Buches findet, scheint dem Leser wie ein Orakel über der Bestandsaufnahme zu stehen, welche der Autor zeichnet: „Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll …“. Und schon am Anfang des Buches findet der Leser den Satz, dass es „eine gewaltige Allianz“ gibt, „welche die Kultur des 21. Jahrhunderts auf ganz andere Grundlagen stellen will, als auf die des christlichen Menschenbildes“.

Wem fällt hier nicht das Wort des Erzbischofs von München und Freising ein, der kürzlich den Begriff „christliches Abendland“ kritisierte, weil er „vor allem ausgrenzend“ sei? Jener Kardinal Marx hat sich aktuell zum christlichen Menschenbild geäussert und gesagt, zu ihm gehöre, „dass nicht alles schon fertig“ sei, „sondern, dass es immer eine Dynamik nach vorne“ geben müsse. Er meinte damit, die Kirche müsse „die Zeichen der Zeit“ „im Lichte des Evangeliums und vom Gedanken der Freiheit her“ lesen. Zwar müsse man sich nicht den Moden unterwerfen, aber die Tradition kritisch reflektieren, denn die „Traditionen“ bezögen „nur Einzelne“ ein, was „keinen Bestand haben“ könne.

Ist es möglich, dass Kardinal Marx das christliche Menschenbild, vielleicht weil es katholisch ist, als überholt ansieht? Der Autor unseres Buches sieht jedenfalls einen neuen Glauben entstehen, „der zu einem materialistischen Verständnis der Wirklichkeit bekehren will“.

Clasen sieht eine weltweite Ethik des nach-christlichen Zeitalters um sich greifen, eine Ethik, die eben nicht zurückgreift auf das christliche Menschenbild, sondern auf angebliche Errungenschaften positivistischer Wissenschaften und Weltanschauungen. Diese von Geld und Macht getränkten Kräfte werden heutzutage gerne als menschenfreundlich dargestellt Dabei versuchen sie vielmehr, den alten Menschen in der Stufenleiter der Evolution abzulösen. Sich selbst sehen diese neuen Übermenschen als Schöpfer der neuen Welt

Das Buch gliedert sich drei grössere Teile. Während im ersten Teil der Glaube und die Vernunft ganz traditionell aufeinander bezogen werden und, mit etlichen Beispielen aus dem menschlichen Alltag untermauert, Fehler und Probleme der neuen Lehre aufgezeigt werden, befasst sich der zweite Teil mit den jetzigen Herausforderungen des Christentums. Natürlich und dankenswerterweise wird hier ausführlich das Christentum mit den Lehren des Islam konfrontiert. Im dritten Teil beschreibt der Autor die Wirrnisse im Denken (und Tun) der Visionäre und Utopisten, die derzeit dabei sind, als selbsternannte intellektuelle und wissenschaftliche Elite mit einem wissenschaftliche Experiment «Mensch» durchzustarten, an dessen Ende der Tod Gottes stehen muss.

Das kenntnisreich und denkerisch scharf geschriebene Buch ist kurzweilig und aufrüttelnd – und vor allen katholisch. Darum sollte es von Vielen gelesen werden.

(Zuerst veröffentlicht in Schweizerisches katholisches Sonntagsblatt, 17. Februar 2019)

Norbert Clasen
Im Garten des Unmenschlichen. Die Abkehr von der Vernunft im säkularen Europa und ihre Folgen
Patrimonium-Verlag 2018
254 Seiten; 14.80 Euro
ISBN 9783864171079

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Die Not-wendigkeit in das Wort Gottes einzutauchen – Buchempfehlung

Immer wieder kann man sich ja fragen, welche Gegenmaßnahmen gegen die gegenwärtigen Zerfallserscheinungen in der Kirche überhaupt noch möglich sind. Sicherlich gehört dazu an erster Stelle die Schriftlesung, die nämlich nicht, wie es das Konzil wollte, zum täglichen oder „häufigen Gebrauch“ der Katholiken geworden ist. In der Wirrnis, die gerade von Theologen erzeugt wird, sollten wir uns noch viel mehr auf die vorkonziliaren theologischen Schriften stützen, bei denen man noch am ehesten davon ausgehen kann, dass sie rechtgläubig sind. Darum ist es sinnvoll, diese „vorkonziliaren Schätze“ zu sichten und den Katholiken anzubieten. Geschehen ist dies z. B. durch den Verlag Media Maria, der eine Neuedition der Meditationen (über die Evangelien) von Richard Gutzwiller besorgt hat, und damit einen wichtigen Beitrag zur Neuevangelisierung leistet.

In den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts war der Jesuitenpater Richard Gutzwiller weithin bekannt, besonders in der Schweiz und im süddeutschen Sprachraum. Aber auch darüber hinaus waren es vor allem seine „Meditationen“ über die Evangelien, die ihm einen Namen machten.

Der 1896 in Basel geborene und schon 1958 gestorbene Jesuit wurde 1926 zum Priester geweiht. Danach war er Studenten- und Akademikerseelsorger. Als Publizist, Radioprediger und Redner vermittelte er stets den wahren katholischen Glauben. Auch als Professor für bibeltheologische Fragen in Innsbruck behielt er seinen klaren katholischen Blick. Seine Meditationen zu den Evangelien fanden den Weg nicht nur in die Hände von Theologen; auch in den damals weit verbreiteten Büchereien der Pfarreien und der Borromäusvereine waren sie jedem Interessierten zugänglich und konnten ausgeliehen werden.

Vor Jahren schon notierte sich der Schreiber dieser Zeilen einen Satz aus einem Nachruf auf Richard Gutzwiller: „Dreißig Jahre lang lebte Pater Gutzwiller was er geschrieben und gesprochen hat. Man wird ihn keines Widerspruchs und keiner Inkonsequenz zeihen können.“ Und noch: „Wahrlich, dieser Diener am Wort hat uns den Herrn vermittelt wie selten einer.“ (Katholische Blätter für weltanschauliche Information. 11/1958)

Wer sich Gutzwillers Meditationen der Evangelien hingibt, wird diesen Worten zustimmen können und die daraus hervorgehende Kraft erspüren. Der Verlag MEDIA MARIA hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gutzwillers Werke wieder zugänglich zu machen. Mit den „Meditationen über Lukas“ sind nun wieder alle vier Evangelien-Meditationen verfügbar.

Bereits mit dem ersten Satz in Gutzwillers „Meditationen über Lukas“ sieht er von sich selbst ab und weist auf das hin, was notwendig ist: „Je mehr man sich in das Wort Gottes vertieft, mit seinem strömenden Reichtum, seiner herben Größe, seiner befreienden Weite und seiner farbigen Lebendigkeit, desto mehr verblasst das Menschenwort mit seiner versickernden Dürftigkeit, seiner kleinlichen Gefühlsbetonung, seiner zeit- und raumgebundenen Enge und seiner farblosen Abstraktion.“ Gutzwiller will die Menschen zum Wort Gottes führen. Kaum etwas scheint notwendiger. Denn die Beschäftigung mit dem authentischen Wort Gottes, das die Konzilsväter voranbringen wollten, hat durch die „Errungenschaften“ des Zweiten Vatikanischen Konzils keine großen Fortschritte gemacht.

In Bezug auf unsere Zeit, in der die Kirche mehr noch als die ganzen weltlichen Mächte ihren Grund und Boden zu verlieren droht, hat Richard Gutzwiller vielleicht weise und vorausschauend formuliert, dass wir uns nicht vom Teufel, dem Satan beeindrucken und beeinflussen lassen dürfen: „Satan ist der Starke, der die ganze Welt bewacht. Christus ist der Stärkere, der ihn überwunden hat.“ Darum wird durch die Kraft Gottes „die Macht Jesu über Satan sichtbar“.

Erstveröffentlicht bei kath.net

Richard Gutzwiller
Meditationen über Lukas
Verlag Media Maria 2018
448 Seiten; 19,95 Euro
ISBN 978-3945401910

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Der verlorene Hirte – Eine Buchempfehlung

„Jeden Tag bete ich für Papst Franziskus.“

Philip F. Lawler hat ein aufsehenerregendes Buch geschrieben, ein Buch, das einen Katholiken noch mehr zu erschrecken – oder verärgern – vermag als „Der Diktator-Papst“, das bereits kritische Einblicke in den Charakter des Pontifikates von Papst Franziskus bietet, und warum dieses für viele rätselhaft ist. „Der verlorene Hirte“ geht weiter in seiner Analyse: Lawler beschreibt und behauptet, dass, wie es im Untertitel heißt, „Papst Franziskus seine Herde in die Irre führt“.

Es ist an dieser Stelle notwendig zu betonen, dass ein solches Urteil aus der Feder dieses Autors überrascht: Philip F. Lawler war viele Jahre ein publizistischer Verteidiger von Papst Franziskus. Auch ist der Autor niemand, der die tridentinische Liturgie bevorzugen würde. Lawler ist kein „Traditionalist“, wohl aber überzeugter Katholik.

Das auf Deutsch nun im Renovamen-Verlag erschienene Buch lässt bereits in der Einleitung keinen Zweifel daran aufkommen, dass Lawler auf dem Boden der Lehre der katholischen Kirche steht. Der erste Satz ist sein Bekenntnis zur Treue zum Lehramt der Kirche, das im Papst geradezu personalisiert wird: „Jeden Tag bete ich für Papst Franziskus“, betont Lawler. Und wie ernst es ihm ist, geht auch aus dem folgenden Satz hervor: „Wenn der Heilige Vater mich wegen meiner Sünden tadeln würde, hätte ich keinen Grund, mich zu beschweren.

Lawler bekennt sich also von vornherein als Sünder und treuer Sohn seiner Kirche. Und er leidet. Er leidet, weil er spürt, dass der Papst Katholiken wie ihn offenbar nicht gutheißt. „Jeden lieben langen Tag beschimpft mich der Papst – und unzählige andere tausende gläubige Katholiken – in den Predigten seiner Morgenmessen in der Vatikanresidenz Casa Santa Marta, weil wir an den Wahrheiten festhalten, die die Kirche immer gelehrt hat und für die wir manchmal leiden.

Damit steht Lawler nicht allein. Viele Katholiken sehen es ähnlich – und auch viele Nichtkatholiken. Besonders jene freilich, die versuchen, die tradierten Lehren und Gebote zu halten, fühlen sich vom Papst ausgegrenzt, weil er ihnen sage, sie seien „rigide“, „Gesetzeslehrer“ und „Pharisäer“, die es sich „mit ihrem Glauben bequem“ machen wollen.

Philip F. Lawler ist im Katholizismus zu Hause. Er wurde in der Nähe von Boston geboren. Er studierte unter anderem an der Harvard University, wandte sich dem Journalismus zu und gründete mit CWN (Catholic World News) den ersten englischsprachigen katholischen Nachrichtendienst im Internet. Er war Director of Studies bei der Heritage Foundation, einer „Denkfabrik“ für die politische Elite der USA, und trat im Jahr 2000 selbst als Kandidat für den US-Senat gegen Senator Ted Kennedy an. Ebenso war er einige Jahre als Herausgeber der renommierten internationalen Monatszeitschrift „Catholic World Report“ tätig. Lawler, Vater von sieben Kindern, ist Pro-Life-Aktivist und lebt mit seiner Frau in Massachusetts. Von ihm sind unzählige Essays, Buchrezensionen und Kolumnen in über 100 Zeitungen erschienen.

Man kann sein Buch „Der verlorene Hirte“ für anmaßend oder falsch oder beides halten, genau wie „Der Diktator-Papst“. Manchen Katholiken gehen schon diese Begriffe viel zu weit, besonders frommen und kirchentreuen Katholiken stoßen sie als despektierlich auf.

Dennoch sind es gerade auch sie, die praktizierenden Katholiken, wie immer mehr auch Theologen und Priester, die sich daran reiben, wie unklar und widersprüchlich bisweilen der Papst spricht und agiert. So war es vielleicht notwendig, dass dieses Buch geschrieben wurde, zumindest dahingehend, dass zur Sprache kommt, statt gefährlich verdrängt zu werden: Die Menschen wollen verstehen, denn sie erkennen die aufgetretenen Probleme. Sie wollen das Tun, die Aussagen und Entscheidungen des Papstes einordnen können, gerade wenn sie auseinanderklaffen. Und dazu ist dieses Buch sehr geeignet.

Lawler hat herausgefunden, dass für ihn und andere Katholiken so manche öffentliche Äußerung des Papstes nur mit Mühe mit den überlieferten und verankerten Lehren der Kirche in Einklang zu bringen sind. Im Laufe der Jahre, so stellte er fest, nahmen diese für ihn „problematischen Aussagen“ immer mehr zu.

Es wurde für Lawler – als steten Verteidiger des Papstes – immer schwerer, verstehen zu können, wie er dessen Behauptungen mit der Lehre der Kirche in Übereinstimmung bringen und auch so erklären konnte. Zu viele Konflikte und Spannungspunkte bauten sich auf.

Wie die Aussagen von Franziskus über die Ehe, das Sakrament und die Barmherzigkeit inzwischen von vielen in die Praxis umgesetzt werden, ist dafür ein besonders klares Beispiel: „Es ist ein offenes Geheimnis, dass Geistliche in einigen Teilen der katholischen Welt bereits still und heimlich damit begonnen haben, geschiedene und wiederverheiratete Katholiken zu ermutigen, die Kommunion zu empfangen.“ Mit dem Blick auf den „deutschsprachigen Raum“ stellt Lawler fest, dass „laxe pastorale Praktiken zur Regel“ würden. Dem wird konkret niemand widersprechen können. Die Frage ist eher, ob dies als „lax“ betrachtet wird, oder eben als barmherzig.

Der Autor dieses – auch und gerade, wenn man als Leser nicht zustimmt – spannenden und in seinen Argumentationen stellenweise nicht widerlegbaren Buches will den Lesern eine Perspektive auf die aktuelle Krise aufzeigen. Lawler ist kein Extremist oder Spinner. Er behauptet nicht, dass Franziskus ein Antipapst oder ein Ketzer sei, und er sagt auch nicht, dass wir uns dem Ende der Welt nähern oder gerade den Zusammenbruch des Katholizismus erleben. Allerdings erkennt er, wie wohl jeder Katholik, dass wir in einer Krisenzeit leben. Und er behauptet: Wenn ein Papst den Lehren der vorherigen Päpste widerspricht, untergräbt er seine eigene Autorität – und verwirrt als Hirte seine Schafe.

Lawler behauptet auch, dass Papst Franziskus durchaus verstehe, dass er Wellen schlägt und aneckt, dass er die Dinge im Innern der Kirche stört. Doch er bezweifelt, dass Franziskus die bereits aufgetretenen Spannungen – oder sind es schon Spaltungen – anerkennen würde, obwohl sie kaum noch zu ignorieren sind. Lawler zeigt sich verwundert, wie oft der Papst mit harscher Sprache diejenigen in der Kirche beschreibt, die mit ihm nicht einverstanden sind.

Während im Deutschland der Mainstream-Medien – zumindest in den ersten Jahren des Pontifikates – das Bild von Papst Franziskus als das eines angenehmen, lockeren und mitfühlenden Mannes vermittelt haben, unterscheidet sich dieses Empfinden mittlerweile erheblich bei vielen, die näher am Geschehen sind. In der römischen Kurie genauso wie im Alltag der Weltkirche andernorts.

Keine Frage: Philip F. Lawler zeichnet letztlich in „Der verlorene Hirte“ Franziskus als einen die Regeln der Kirche verwirrenden, Verwirrung stiftenden Papst. Nur bei „einer anderen Sache“, schreibt er, sei Franziskus „ganz bewusst und methodisch vorgegangen“. Durch die Ernennung von Kardinälen, „die seine Ansichten befürworten, schaffe er nicht nur eine „Gleichschaltung des Kardinalskollegiums“, sondern arbeite gezielt daran, dass diese Kardinäle „nach dem Ende seines Pontifikates einen Mann wählen, der seine Politik fortsetzen“ würde. Und dies sei „der wichtigste Aspekt“ des päpstlichen Planes: „die Veränderungen innerhalb der Kirche ‚unumkehrbar‘ zu machen“. Zumindest dieser These werden viele Unterstützer wie Kritiker zustimmen können.

Zuerst veröffentlicht: CNAdeutsch

Philip F. Lawler
Der verlorene Hirte
Wie Papst Franziskus seine Herde in die Irre führt
Aus dem Englischen übersetzt von Philipp Liehs und Julian Voth
Renovamen Verlag 2018; 296 Seiten; 19 Euro
ISBN 978-3-95621-135-5

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