Homosexualität aus katholischer Sicht – Buchempfehlung

Eine Streitschrift nennt der FE-Verlag das schmale, inhaltlich jedoch aussagekräftige Büchlein der Theologin Johanna Maria Jesch „Homosexualität aus katholischer Sicht – Ein Wegweiser“. Eine Streitschrift vermutlich deshalb, weil einerseits die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität zwar klar und eindeutig ist – auf den Punkt gebracht: den Sünder zu lieben, aber die Sünde nicht – andererseits aber diese katholische Lehre auch von ihren eigenen Vertretern nicht immer klar und eindeutig vorgelegt wird.

Um es vorweg zu sagen: dieses Buch im Taschenbuchformat gehört in die Hände von Theologen, Lehrern und Medienmenschen; nicht zuletzt sollte es auch den Betroffenen und deren Familien empfohlen sein. Denn vom LGBT-Aktivisten bis zum traditionell orientierten Katholiken dürften sich mittlerweile alle einig sein: Sich dieser Frage zu stellen, statt sie unter den Tisch zu kehren, ist wichtig und richtig.

Schon die ersten Worte des Buches, die nicht erschrecken sollen, vielmehr eindeutig die Position der Kirche aufzeigen, sind glasklar: „Homosexuelle Neigungen sind ungeordnet“ und „sündhaft“. „Homosexuelle sollen keusch leben.“ Im Folgenden wird die katholische Sicht von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet: „aus Sicht der Natur, der Bibel, der Kirchenlehre und der Geschichte“.

Der Leser wird über Homosexualität informiert und erfährt, was wirklich ist, worüber alle reden, aber es vielleicht selbst nicht genau formulieren können. „Homosexualität ist ein sexuelles Begehren, das sich auf das gleiche Geschlecht richtet. Eine homosexuelle Neigung hat, wer sich erotisch zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt, während die Neigung zum anderen Geschlecht vermindert ist. Homosexuelle Handlungen zielen auf die Befriedigung des Geschlechtstriebs mit einem Partner des gleichen Geschlechts.“ Dass es in der Reifezeit des Menschen vorübergehend Tendenzen zur Homosexualität geben kann, wird nicht verschwiegen.

Wichtig ist das Kapitel zur Begriffserklärung dessen, was Homosexualität meint und vor allem, wo der Begriff herkommt. Der Begriff „homosexual“ wurde im 19. Jahrhundert noch als „psychische Anomalität“ von „gleichgeschlechtlicher Neigung“ bezeichnet. Während man bis dahin von „Sodomie“ sprach, als eine eindeutig schlechte und abzulehnende Handlung, wurde mit der Einführung des neuen Begriffes, dem dann „Homosexualität“ folgte, „eine Verschiebung der Gewichte“ und „eine Verzerrung der Tatsachen“ vollzogen, so die Autorin. So komme es auch, dass heute behauptet werde, „der Mensch sei in gleicher Weise homosexuell, wie er etwa eine bestimmte Hautfarbe oder Abstammung besitze“.

Im Verlauf des Buches wird der Leser Wesentliches über „Homosexualität und Natur“ und „Homosexualität und Bibel“ erfahren. Ebenso wird die Lehre der katholischen Kirche zur Homosexualität erläutert, sowie über den Umgang mit Betroffenen innerhalb der Kirche nachgedacht. Ein Blick in die Geschichte der Homosexualität wird für viele Leser erhellend sein. Nicht ausgespart sind die Themen, wie Homosexuelle heute leben und wie Homosexualität zur Priesterberufung steht. Am Ende des 135-seitigen Buches gibt es Auszüge aus lehramtlichen Aussagen sowie eine ganze Reihe von Literaturempfehlungen.

Erstveröffentlicht bei CNA

Johanna Maria Jesch
Homosexualität aus katholischer Sicht
Christiana-Verlag 2019
135 Seiten; 6,95 Euro
ISBN 9783717113089

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Zölibat – Von den Aposteln bis zu Gregor VII. – Buchempfehlung

Der Klerikal-Zölibat ist zu allen Zeiten von den Feinden der Kirche als ein arger Stein des Anstoßes betrachtet worden, doch noch nie wurde er mit einer solchen Wut angefochten, als dies gerade in unseren Tagen geschieht.“ – Dieser Satz könnte kaum aktueller sein, doch stammt er aus dem Jahr 1830. Theodor Friedrich Klitsche schrieb ihn in das Vorwort seines Buches „Geschichte des Zölibats der katholischen Geistlichen. Von den Zeiten der Apostel bis zum Tode Gregors VII.

Nach seiner Einleitung, in der Klitsche auf das Für und Wider des Zölibats der Kleriker eingeht, werden von ihm auf knapp 200 Seiten sowohl die Geschichte der Griechischen Kirche als auch die der Lateinischen Kirche verzeichnet. In der gebotenen Knappheit durchschreitet der Autor die Zeiten der Apostel bis hin zum Schisma der Griechischen Kirche. In diese Epoche des ungeteilten Glaubens lernt der Leser in drei Abschnitten die apostolischen Aussagen des ersten Jahrtausends kennen. Das Finden der Identität der Priester wird hier aufbereitet und beginnt bereits in der Zeit der Apostel. Die aufgeführten Zeugnisse liefern jedoch keinen Beweis für die Priesterehe, außer dass sie als eigenmächtige Neuerungen von den Griechen eingeführt worden ist. Alle Synoden und Konzile, die von „Anfang des vierten Jahrhunderts den Zölibat erwähnen“, beschränken sich darauf, den Priesterzölibat „als schon längst bestehende Disziplin zu betrachten“.

In der Lateinischen Kirche, welcher der zweite Teil gewidmet ist, wird bereits im 11. Jh. deutlich, dass zum Kampf gegen Unkeuschheit und Laschheit der Priester, die sich nicht an das Gebot des Zölibats halten, auch der Kampf gegen die Simonie gehört. Unter Simonie wird der Kauf oder Verkauf von kirchlichen Ämtern, von Pfründen, Sakramenten, Reliquien u. ä. verstanden, wenn Geistliche „Gottes Gabe gegen Geld erwerben“. Es handelt sich dabei um eine unzulässige Bereicherung. Sie ist ebenso verwerflich wie die Verfehlungen gegen den Zölibat. Darum erzwingt Papst Gregor VII. auf einer 1075 einberufenen Synode die Ahndung der Simonie, nachdem er schon 1074 die strikte Einhaltung des Zölibats gefordert hatte. Er ist es, der den Zölibat im 11. Jahrhundert zur Bedingung für das Priesteramt macht.

Klitsche macht sich zum Sprecher und Verteidiger des Papstes und mit seiner immer deutlichen Sprache hält er nicht vor dem Berg. Er schreibt: „Aus der bisher gelieferten Geschichte des Zölibats geht sein fortwährender Kampf, den er mit den Leidenschaften und Begierden der Menschen bestanden hat, hervor, ein Kampf, der den Zölibatsgegnern jederzeit ein hinreichender Grund zu seiner Abschaffung geschienen hat, und noch scheint, während dem wahren Katholiken aus ihm der ewige Bestand, den Christus seiner Kirche verheißen hat, unverkennbar hervorstrahlt.

Wenn auch heute manche geschichtlichen Ereignisse anders zu bewerten sein mögen, so ist es dennoch Theodor Friedrich Klitsche´s Verdienst, eine Sammlung der Ereignisse und Texte des ersten Jahrtausends vorgelegt zu haben. Aufgrund der lebendigen und bildreichen Sprache, und den weitreichenden Informationen ist das Buch zu empfehlen.

Gerade in unserer Zeit, in der hochrangige Kirchenvertreter permanent dabei sind, die Sexualmoral der Kirche aufzuweichen und dem weltlichen Denken und Tun anpassen zu müssen glauben, wie jüngst Kardinal Marx, der sagte, es bestehe hier Gesprächsbedarf ( vgl. hier: https://de.catholicnewsagency.com/story/bericht-abschluss-der-vollversammlung-der-deutschen-bischofskonferenz-kardinal-marx-4415), erkennt Klitsche etwas ganz anderes.

In seinem Buch notiert er, und dies sei dem Leser dieser Buchempfehlung mitgegeben, dass bei diesem Thema alle Gläubigen persönlich angesprochen sind; nicht um zu klagen, sondern sich zu besinnen und zu ändern.

So wie die Verletzung der Heiligkeit der Ehe von Seite der Eheleute, nicht die Schändlichkeit ihrer Einheit und Unauflöslichkeit, sondern nur die Verderblichkeit der menschlichen Natur und die Herrschaft der Fleischeslust bekundet, so beweisen auch die Ausschweifungen, die von Zeit zu Zeit von katholischen Priestern begangen werden, nicht die Schändlichkeit des Zölibats, wohl aber die Schlechtigkeit derer, die sich demselben nicht unterworfen haben.

(Leicht verändert zur Erstveröffentlichung bei CNAdeutsch.)

Theodor Friedrich Klitsche
Geschichte des Zölibats der katholischen Geistlichen
Von den Zeiten der Apostel bis zum Tode Gregors VII.
Verlagsbuchhandlung Sabat 2019
200 Seiten; 19,95 Euro
ISBN 9783943506556

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Das Offizium der seligen Jungfrau Maria – Buchempfehlung

Nach der Verwendung und dem Brauch des Kartäuser-Ordens

Ein Gebetbuch für den Privatgebrauch

ZU IHM
DURCH SIE

In einer sehr schönen, gebundenen und zweifarbig gedruckten Ausgabe liegt erstmals in deutscher Sprache „Das Marianische Offizium der Kartäuser“ in vollständiger Weise vor. Die nebeneinanderliegenden lateinisch-deutschen Texte sind in dem handlichen Format (10,5×19,5 cm) leicht lesbar. Dem Buch vorangestellt wurde eine knappe aber doch ausführliche Erläuterung zur Benutzung des Buches. Abkürzungen, Sonderzeichen und vorkommende Grundgebete sind ebenso aufgezeichnet wie die Zeremonien beim Beten des Marianischen Offiziums. Ebenso werden die Gebetszeiten erläutert und der Stundenplan der Kartäusermönche vorgestellt.

Die Tagzeiten sind ohne viel zu blättern zu beten. Dem lateinischen Text sind Singzeichen beigegeben. Neben dem ganzen Marianischen Offizium gibt es auch eine verkürzte Form, die bereits einmal in dem Buch „Gott allein“ abgedruckt worden ist.

Der Beter lernt als besondere Eigenart des kartusianischen Marienoffiziums in diesem Buch auch das „Mess-Offizium von der seligen Jungfrau Maria“ (Officium Missae Beatæ Virginis Mariæ) kennen: die „Trockene Messe“ (Missa Sicca). Sie wird so genannt, weil darin der Opferteil mit der Wandlung von Brot und Wein in Christi Leib und Blut fehlt. Die „Missa Sicca“, die seit der Beseitigung des Opfercharakters der Heiligen Messe ohnehin keine Bedeutung mehr hat, wurde mancherorts bis in die Zeit des 2. Vatikanischen Konzils bei Versehgängen und Sterbekommunionen in Privathäusern gebetet.

OFFICIUM MARIANUM CARTUSIENSE
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DAS MARIANISCHE OFFIZIUM DER KARTÄUSER

Hans Jakob Bürger (Herausgeber)
Das marianische Offizium der Kartäuser:
Officium Marianum Cartusiense
Lateinisch-deutsch
FE-Verlag 2019
Gebundene Ausgabe 10,5 x 1,7 x 19,5 cm
240 Seiten; 19,95 Euro
ISBN 9783863572181

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Sexualität, Jungfräulichkeit und Berufung – Buchempfehlung

Sexualität, Jungfräulichkeit und Berufung. – Ein Gespräch mit Maria Luisa Öfele. Sie antwortet auf Fragen zu ihrem neuen Buch „Virgo Maria. Urbild der Kirche – Vorbild der geweihten Jungfrau“; sie erklärt, was sie am Thema fasziniert – und warum es weltweit immer mehr geweihte Jungfrauen gibt.

Papst Franziskus hat zum Abschluss des Krisengipfels im Vatikan sexuellen Missbrauch in der Kirche als Folge des Klerikalismus beschrieben. Aber das 6. Gebot gilt nicht nur für Kleriker, sondern alle Katholiken. Und jeder Mensch muss sich an Regeln halten, was die Sexualität betrifft – mit anderen Worten das sein, was Katholiken „keusch“ kennen. Keuschheit kommt buchstäblich aus dem Lateinischen conscius – „beherrscht“.

So fremd – und doch brennend aktuell – der Begriff der „Keuschheit“ für viele geworden ist, so fremd ist vielen auch der Begriff der geweihten Jungfrau. Diese Gott geweihte Lebensform ist eine große Herausforderung, die eine Vorausschau auf das Ewige Leben verspricht.

Die Regensburger Ordinariatsrätin Maria Luisa Öfele hat sich in den letzten Jahren immer wieder mit der Berufung der geweihten Jungfrauen – Virgo consecrata – beschäftigt. Die Expertin hat mehrere Bücher zum Thema herausgegeben, darunter im Jahr 2017 ein wahres Standardwerk über die Jungfrauenweihe mit dem Titel „Jungfrauenweihe. Altes und neues Charisma“.

Im Advent 2018 ist, ebenfalls im Heiligenkreuzer Be&Be-Verlag, ein weiterer Band zum Thema der geweihten Jungfrauen erschienen, unter dem Titel „Virgo Maria. Urbild der Kirche. Vorbild der geweihten Jungfrau“. Maria Luisa Öfele ergänzt darin ihre eigenen Studien mit jenen hervorragender Fachleute, so dass wesentliche biblisch-theologische Fundamente genauso vorgelegt werden wie liturgische Aspekte der „marianischen Dimension eines Gott geweihten Lebens“.

Im Gespräch erzählt sie, was sie an dieser Berufung so sehr fasziniert, dass sie sich damit immer wieder neu beschäftigt.

MARIA LUISA ÖFELE: Diese uralte und immer noch aktuelle Berufung von Frauen in der Kirche ist ein sehr kostbares Zeichen für die Kirche selbst. Die dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen Gentium“ beschreibt im 6. Kapitel die Kirche mit zahlreichen Bildern, darunter auch mit dem Bild einer Braut Christi. Diesem Bild liegt die alttestamentliche Brautsymbolik zu Grunde, insbesondere im Hohenlied Salomos, bis hin zur wiederholten Rede der Braut des Lammes in der Offenbarung des Johannes.

Die geweihte Jungfrau ist vor allem Braut Christi – sponsa Christi. Dies ist der Kern des Weihegebetes. Aus einem privaten jungfräulichen Leben, welches eine Frau über mehrere Jahre gelebt hat, wird ein öffentlicher Lebensvollzug der Kirche, der durch einen feierlichen Ritus durch den Diözesanbischof von der Kirche angenommen wird. Durch ihre Weihe wird die geweihte Jungfrau zu einem Zeichen, das auf die bräutliche und unzertrennliche Liebe der Kirche zu Christus hinweist. Dies ist ein tiefes Geheimnis, das eine solche Lebensform immer wieder durch Höhen und Tiefen mitten im Alltag trägt. Gleichzeitig muss mit dem Apostel Paulus festgehalten werden: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (2 Kor 4,7).

Vielleicht können Sie auch ein paar Zahlen nennen, wie viele Frauen weltweit die Jungfrauenweihe „mitten in der Welt“ empfangen haben. Die Jungfrauenweihe wird ja mancherorts noch in monastischen Gemeinschaften gespendet.

MARIA LUISA ÖFELE: Mir liegen keine offiziellen Statistiken vor, doch anlässlich des Abschlusses des Jahres des geweihten Lebens (2015) in Rom, war die Rede von über 3.000 virgines consecratae in aller Welt, Tendenz steigend. Es gibt Länder in denen mehr als 500 geweihte Jungfrauen ihren Weg gehen, wie etwa in Italien oder Frankreich. Das hängt auch mit der historischen Entwicklung der Berufung in diesen Ländern zusammen. Interessant ist die Tatsache, dass die Berufung auf allen Kontinenten gelebt wird und die Zahlen der Jungfrauenweihen steigend sind, auch in Deutschland.

Dem heutigen hypersexualisierten Zeitgeist bedeutet Jungfräulichkeit nichts. Stattdessen ist auch die Kirche von Skandalen betroffen, die darum existieren, weil sich viele, darunter auch Priester und sogar Bischöfe, nicht an das 6. Gebot des Dekalogs halten, in dem es heißt: du sollst nicht Unkeuschheit treiben. Wie ist es möglich, auch und gerade den Katholiken die Schönheit und Erhabenheit der Keuschheit klar zu machen, die die Voraussetzung ist für ein jungfräuliches Leben?

MARIA LUISA ÖFELE: Die Definition christlicher Jungfräulichkeit hat ihren Ursprung im Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit. Dies kommt auch im Weihegebet im „Pontificale Romanum“, also an zentraler Stelle im Ritus zur Spendung der Jungfrauenweihe, zum Ausdruck: „Die Jungfräulichkeit um Christi willen erkennt in dir, o Gott, ihren Ursprung…“ (OCV I, Nr. 24).

Auf dem Fundament der natürlichen Jungfräulichkeit beinhaltet das Charisma geweihter Jungfräulichkeit die mystisch-bräutliche Vermählung mit Christus. Darauf haben sich schon die Kirchenväter bezogen. Die Jungfrauenweihe erfasst das ganzes Sein und Leben einer Virgo consecrata.

Wenn der geweihten Jungfrau der Ehrentitel „Braut Christi“ anerkannt wird, der nur der Kirche vorbehalten ist (vgl. OCV I, Nr. 17), dann ist geweihte Jungfräulichkeit nach dem Beispiel der Jungfrau von Nazareth, eine Quelle für eine besondere geistige Fruchtbarkeit, sie ist Quelle der Mutterschaft im Heiligen Geist (vgl. Enzyklika „Redemptoris Mater“, Nr. 43). Diese Berufung ist allein der Frau vorbehalten und ist weit davon entfernt eine Funktion, ein Amt oder eine besondere Aufgabe darzustellen noch anzustreben. Mehr noch: durch alle Aufgaben und Dienste und in allen Lebensphasen einer geweihten Jungfrau wird ihr innerstes Sein zur Quelle besonderer geistiger Fruchtbarkeit. Christus, ihr göttlicher Bräutigam, soll wie das Kind in Mariens Schoß, für die Welt groß werden. Darum geht es! Er ist nicht nur der göttliche Gemahl, dem sich die Virgo consecrata in ausschließlicher Liebe für immer vereint, sondern auch das Ziel ihres Lebens über den Tod hinaus. Für ihn allein lebt sie und darum lebt sie auch für alle Brüder und Schwestern, zu denen sie gesandt wird. Liebe kann nicht anders als sich bedingungslos zu verschenken. Alles andere wäre nicht Liebe, sondern ein rein menschlicher Kompromiss. Das Wesen der Liebe ist eben Hingabe, das gilt auch in der Berufung zur Ehe oder zum priesterlichen Leben und in jeder Form Gott geweihten Lebens in der Kirche.

„Zu den Aufstiegen der Liebe und ihren inneren Reinigungen gehört es, dass Liebe nun Endgültigkeit will, und zwar in doppeltem Sinn: im Sinn der Ausschließlichkeit — „nur dieser eine Mensch“ — und im Sinn des „für immer“. Sie umfasst das Ganze der Existenz in allen ihren Dimensionen, auch in derjenigen der Zeit. Das kann nicht anders sein, weil ihre Verheißung auf das Endgültige zielt: Liebe zielt auf Ewigkeit. Ja, Liebe ist „Ekstase“, aber Ekstase nicht im Sinn des rauschhaften Augenblicks, sondern Ekstase als ständiger Weg aus dem in sich verschlossenen Ich zur Freigabe des Ich, zur Hingabe und so gerade zur Selbstfindung, ja, zur Findung Gottes.“ (Papst Benedikt XVI., Enzyklika „Deus caritas est“, über die christliche Liebe, 25.12.2005, Nr. 6). Ich möchte an dieser Stelle noch auf eine besondere und zentrale Stelle im Weihegebet selbst hinweisen: „Obwohl sie die Würde des Ehebundes, das du geschenkt hast, erkennen, verzichten sie dennoch auf das Glück einer Ehe: denn sie suchen einzig, was das Sakrament der Ehe bedeutet: Die Verbindung Christi mit deiner Kirche“ (OCV I, Nr. 17). Es ist sehr kostbar, dass wir an zentraler Stellung der Liturgie, hier den Bezug zur Ehe finden! In diesem „Dasein für“, in dieser Hingabe, die zur Findung Gottes führt, ist uns die Jungfrau und Mutter aus Nazareth Vorbild und Wegbegleitung auf unserem Pilgerweg mit Christus. Dieser Weg schließt Fragen und Zweifel, Höhen und Tiefen nicht aus. Auch Maria hat in der Freiheit der Kinder Gottes den Engel gefragt, wie das geschehen sollte, was er ihr verkündet hat. Die Antwort des Engels verheißt den Beistand des Hl. Geistes. Anders ist das darauffolgende „Fiat“ Mariens und auch das „Fiat“ der Kandidatin zur Jungfrauenweihe nicht möglich.

Bereits im Geleitwort von Bischof Rudolf Voderholzer von Regensburg wird aufgezeigt, dass die Jungfrauenweihe wie jedes Gott geweihte Leben eng mit dem Geheimnis der Kirche verwoben ist. Wie die Jungfrauen, die „nach der Vereinigung mit dem einen Bräutigam Jesus Christus“ warten, so erwartet auch die Kirche die endgültige Wiederkunft Jesu Christi. Mir scheint, dass dieses uralte Geheimnis nicht mehr so präsent ist. Könnten Sie dazu etwas sagen?

MARIA LUISA ÖFELE: Die Jungfrauenweihe ist ein ewiger Bund der Liebe mit dem Herrn, über den Tod hinaus. Dabei handelt es sich um ein eschatologisches und prophetisches Zeichen für die kommende, schon angebrochene Welt. Die Weihe ist öffentlich, einmalig und unwiderruflich. Deswegen geht eine angemessene Vorbereitungszeit voraus. Jede Berufung ist nicht mit einem feierlichen liturgischen Akt endgültig vollzogen, sondern erneuert sich immer wieder durch das Wirken des Hl. Geistes. So bleibt jede Berufung auch ein Glaubensakt. Geweihte Jungfräulichkeit repräsentiert die verheißene eschatologische Vollendung der Kirche, die in der verherrlichten Jungfrau und Gottesmutter Maria schon vorweggenommen ist. Auf diesen „Stern des Meeres“ blickt „in tausend Bildern“ die gesamte Kirche auf ihrer irdischen Pilgerschaft.

Für Ihr Buch haben Sie Theologen gewinnen können, die nicht nur die marianische Dimension des Gott geweihten Lebens vorstellen; sie vertiefen ihre jeweiligen Ausführungen stets auch biblisch und theologisch. Sogar ein eigenes künstlerisches Kapitel wurde beigesteuert, in dem weitere Deutungsversuche für das jungfräuliche Leben ergänzt werden. In wie weit verlangt es der Stand der Jungfräulichkeit, dass er theologisch-wissenschaftlich neu ausgedeutet wird? Warum und wie muss geistliches Leben durch die Theologie begründet werden?

MARIA LUISA ÖFELE: Ein systematischer und ganzheitlicher Zugang zu jeder Berufung kann nur eine große Hilfe sein, vor allem auch hinsichtlich der Unterscheidung der Geister in der Berufungsfindung. Zu einem gesunden geistlichen Leben, tragenden menschlichen Beziehungen, gehören eben auch biblische-, theologische und anthropologische Fundamente dazu. Auch der Zugang über die Kunst kann dazu beitragen, manches auf dem eigenen Weg besser zu verstehen. Jede Person vernimmt „die Stimme des Bräutigams“ anders! Das kann sowohl durch die Feier der Liturgie, die Musik, die darstellende Kunst und die Schönheit der Schöpfung geschehen. Der Herr kennt keine Grenzen, um seine Liebe zu offenbaren und einen Menschen zu umwerben!

Der Begriff der Jungfrauenweihe, der geweihten Jungfrau ist weiblich begründet. Gibt es in der Kirche Entsprechungen für das männliche Geschlecht?

MARIA LUISA ÖFELE: Die Berufung geweihter Jungfräulichkeit ist in der Kirche Frauen vorbehalten, da sie die natürliche Gabe haben, menschliches Leben zu empfangen. Die Gottesmutter ist in ihrer Liebe sowohl jungfräulich als auch fruchtbar und darin das Urbild der Frau und das Urbild der Kirche. Die geistliche Mutterschaft gehört zum Wesen des Frauseins. Anders gesagt, die geweihte Jungfrau schenkt Christus Leib und Seele in treuer Liebe, um Christus selbst in die Welt zu tragen. Die Jungfrauenweihe wird zu einem Zeichen für die große Würde der Frau und für die Wertschätzung der Frau in der Kirche.

Männer tragen Christus in die Welt durch den Dienst der Verkündigung, des Lehrens und des Heiligens. Sie tun dies aber qua Amt oder gemäß der spezifischen Sendung einer Gemeinschaft.

Erstveröffentlicht bei CNAdeutsch

Maria Luisa Öfele
Virgo Maria. Urbild der Kirche – Vorbild der geweihten Jungfrau
160 Seiten; 24,90 €.
Be&Be-Verlag 2018
ISBN 978-3-903118-62-1

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Betrachtungen und Fürbitten für den Karfreitag – Buchempfehlung

Gerade pünktlich zur Fastenzeit kommt ein kleinformatiges Bändchen aus der Verlagsbuchhandlung Sabat auf den Büchermarkt, das nicht geeigneter sein könnte für die Einstimmung auf das höchste Fest der Christen, die Auferstehung. Es handelt sich um Kardinal NewmansBetrachtungen und Fürbitten für den Karfreitag“.

Dabei geht es nicht nur um den Sterbetag Jesu am Kreuz, vielmehr schon sein Hingehen, sein Hingeführtwerden dorthin. In zwölf Betrachtungen führt John Henry Newman die Leser und Beter durch Jesu Leben. Alle Betrachtungen schließt er mit einem Gebet ab. Diesen folgen in dem von der Verlagsbuchhandlung Sabat herausgegebenen handlichen Buch Gebete zum leidenden Heiland, zum heiligsten Herzen Jesu Christi und für die Verstorbenen sowie die Litanei vom Leiden Jesu und eine Bußlitanei. Daran schließt sich der Kreuzweg an, den Kardinal Newman über 14 Stationen leitet. Jede schließt er mit einem kurzen Gebet ab. Am Ende des Gebet- und Betrachtungsbuches finden sich noch zwei weitere Litaneien: jene von den sieben Schmerzen Mariä und die Litanei von der Auferstehung.

Kurz Erwähnung finden soll hier die zweite Betrachtung „Jesus, der Sohn Davids“. Hier betet Newman „für das Volk der Juden“, sowie zu „ihrem Herrn und Gott“, den sie gekreuzigt haben und zu dem sie wieder zurückkehren sollen. Anders als die meisten heutigen Bischöfe sieht der selige Kardinal Newman, auf welche Weise eine Bekehrung erfolgen muss und er bittet Gott:
„Sei im Zorn eingedenk Deiner Erbarmungen. Vergib ihnen ihre Halsstarrigkeit für die geistigen Dinge, ihre Liebe zu dieser Welt und ihren Genüssen. Rühre ihre Herzen und schenke ihnen den wahren Glauben und den Geist der Buße.“

Sodann betet er:
„Erbarme Dich, o Jesus, deiner eigenen Brüder, der Volksgenossen Deiner Mutter, des heiligen Joseph, Deiner Apostel, des heiligen Paulus, der Gerechten des Alten Bundes, Abraham, Moses, Samuel und David. O Herr, erhöre uns; Gott sei ihnen gnädig; Herr, merke auf und handle; zögere nicht um Deiner selbst willen, o mein Gott, denn einstmals ward Dein Name genannt in der Stadt Jerusalem und unter Deinem Volke.“

Zuerst veröffentlicht bei CNAdeutsch

John Henry Newman
Betrachtungen und Fürbitten für den Karfreitag
Verlagsbuchhandlung Sabat 2019
128 Seiten; 14,95 €
ISBN 9783943506532

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Die Bekenntnisse des heiligen Kirchenlehrers Petrus Canisius SJ – Buchempfehlung

Kein Geringerer als Papst Benedikt XVI., der am 9. Februar 2011 bei seiner Generalaudienz über den heiligen Petrus Canisius predigte, zitiert aus dessen Bekenntnissen: »Da fühlte ich überaus großen Herzenstrost und die Gegenwart deiner Gnade, die mir durch diese mächtigen Fürbitter [Petrus und Paulus] liebevoll angeboten wurde. Auch sie gaben mir jetzt ihren Segen und bestätigten meine Sendung nach Deutschland. Es war mir, als verhießen sie mir ihren wohlwollenden Schutz für meinen Apostelberuf in Deutschland. Du weißt es, o Herr, wie sehr und wie oft du mir an jenem Tag Deutschland ans Herz gelegt hast. Ich sollte fortfahren, für dieses Land besorgt zu sein, mich ganz dafür hingeben … und nichts anderes mehr begehren, als für es zu leben und zu sterben«.

Johannes Canisius, 1521 in Nimwegen in der Grafschaft Geldern (heute Niederlande) geboren, war Jesuit. Als solcher war er gewohnt, Gehorsam zu üben. In seinen Bekenntnissen geht es dem Apostel Deutschlands nicht in erster Linie um Deutschland: es geht ihm darum, seinem Herrn und Meister zu folgen. Wenn er Gottes Wille erkannt hat, kann er sagen: „Jetzt habe ich mir fest vorgenommen, unter deiner Gnadenhilfe in allem die […] Grundlage festzuhalten, mich mit neuen Augen vor dir zu betrachten und zugleich, wie es sich geziemt, in Demut und Einfalt des Herzens voranzuschreiten“.

Von Beginn an sucht er den Willen Gottes auch im Willen seiner Vorgesetzten und Ordensoberen zu erkennen. Er spricht hier von der „göttlichen Gnade“. Im Jahre 1549, nach seiner Teilnahme am Konzil von Trient, wurde er von Rom nach Deutschland ausgesandt. Da fühlte er „überaus großen Herzenstrost“ und die Gegenwart von Gottes Gnaden. „Es war mir, als verhießen sie mir ihren wohlwollenden Schutz für meinen Apostelberuf in Deutschland.

In seinem Missionsgebiet Deutschland wurde der Apostel mit den Dingen der Welt konfrontiert. Doch er wusste, wessen Apostel er war, und wem er zu dienen hatte. Das ging nicht ohne innere Kämpfe: „O dass ich doch nur an deinem Kreuz, o König der ewigen Herrlichkeit, Geschmack fände! O dass mir doch die Welt mit ihren Lockmitteln und mit ihrem Trug zum Ekel würde! Ich muss mich gegen dieselbe wappnen durch die heilige Armut sowie durch das Beispiel der Märtyrer […].“

Das handliche Büchlein aus der Verlagsbuchhandlung Sabat ist geeignet, Bischöfen, Priestern und Laien Wegweiser für ein christliches Leben in der Welt zu sein.

Erstveröffentlicht bei kath.net

Die Bekenntnisse des heiligen Kirchenlehrers Petrus Canisius SJ und sein Testament
Verlagsbuchhandlung Sabat 2019
Ca. 170 Seiten; 16,95 Euro
Format: 10,5 x 14,8 cm
ISBN 978-3-943506-54-9

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Über die Lauheit in der Liebe – Buchempfehlung

Lauheit – wenn die Liebe erkaltet

Der erste Eindruck beim Blick auf den Buchtitel könnte auf Eheberatung hinweisen. Doch dem ist nicht so. In zwölf Kapiteln betrachtet der Autor urchristliche, echt katholische Eigenschaften, mit denen er in die Tiefen des menschlichen Herzens eindringt um die Seele wieder fähig zu machen, Gott zu lieben.

Der Autor des lesenswerten Büchleins, Francisco F. Carvajal; wendet sich an Menschen, die wirklich glücklich sein möchten, weil sie gespürt haben, dass sie in dieser Welt oft genug nur einem vermeintlichen Glück hinterherlaufen. Carvajal erkennt die Ersatzwerte und weist stattdessen auf die wahre Freude hin, das Glück, den Frieden, die man nur in und mit Gott und niemals getrennt von ihm finden kann. Denn am Ende macht uns alles, was uns von Gott, von der Liebe zu Christus trennt, nur freudlos. Das Gegenteil der Freude ist aber die Traurigkeit, die den Menschen kraftlos und hoffnungslos macht. Ein besonderer Anlass für diese Traurigkeit ist, neben der Sünde, die eigene Lauheit. Francisco F. Carvajal weißt auf Abhilfen hin, wie der Christ diese Krankheit des Seelenlebens erkennen und ihr gegenübertreten kann. Das Buch zeigt uns die Symptome der Lauheit und gibt die entsprechenden Heilmittel an. Einer von vielen Schlüsselsätzen des Buches lautet: „Viele Versuchungen und lässliche Sünden könnten durch das Bemühen um mehr Frömmigkeit, um mehr Gegenwart Gottes und um einen feinfühligeren Umgang mit dem Herrn vermieden werden.

Francisco Fernández Carvajal, Spanier, Priester, Professor und Mitglied des Opus Dei hat in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts in seiner Heimat dieses Buch herausgegeben, das im Jahre 2007 beim Fassbaender Verlag in Wien eine deutsche Übersetzung erfahren hat. Während es in Spanischen Original mit „La tibieza“ – Die Lauheit herausgegeben wurde, erhielt die deutschsprachige Ausgabe den präziseren Titel „Lauheit – wenn die Liebe erkaltet“.

Zitat:

Die lässliche Sünde verringert den Eifer der Liebe.
Sie führt zur geistlichen Mittelmäßigkeit und
macht so ein echtes Innenleben unmöglich.

Die lässliche Sünde vermehrt die Schwierigkeiten im Erwerb der Tugenden. Sie bereitet außerdem auf die schwere Sünde vor, die mit Sicherheit folgt, wenn nicht sofort und entschlossen reagiert wird.

Die lässlichen Sünden können eine Gefühllosigkeit für das Göttliche, eine wahre Unempfänglichkeit für das Übernatürliche hervorrufen.

Wer nach und nach für die göttlichen Dingen gefühllos wird, wird dadurch auch für das unempfindsam, für das er geschaffen wurde: um Gott zu erkennen, ihn zu lieben und ihm zu dienen.

 

Francisco F. Carvajal
Lauheit – wenn die Liebe erkaltet
Verlag Fassbaender 2007;
136 Seiten; 14.90 Euro
ISBN 978-3-900538-85-9

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