Missbrauch – Buchempfehlung

Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird,
auch nichts geheim, was nicht bekannt werden und an den Tag kommen wird“ (Lk 8,17).

So beginnt die Katholikin und Soziologin Gabriele Kuby ihr neuestes Buch „Missbrauch“, um sofort festzustellen, dass der Leib Christi „mit Eiterbeulen übersät“ ist.
Haben die Menschen keine Angst vor Eiterbeulen?
Und leben Katholiken nicht mehr im Bewusstsein, dass Gott uns kennt und alles sieht, was eines Tages beim Gericht offenbar werden wird?
Unter welchem Druck müssen also Menschen stehen, die ein „Doppelleben führen“ und das alles vergessen haben?
Sie haben die „Lüge zu Ihrer Behausung“ gemacht.

Was für alle Menschen gilt, trifft noch wesentlicher auf katholische Priester zu:
sie haben freiwillig das Zölibatsgelöbnis abgelegt.
Warum halten sie sich nicht daran?
Kuby deckt auf, benennt und erklärt – kurz und knapp aber deutlich – diese Misere. Und sie stellt fest, was viele in unserer Gesellschaft nicht wahrhaben wollen, dass es nicht alleine ein Problem der Priester ist, vielmehr seien es „Folgen der sexuellen Revolution“. Die Enthemmung jedweder Intimität, die nicht nur in den verschiedenen Medien festzustellen ist, sondern auch im ganz normalen öffentlichen Leben, sei es am Arbeitsplatz oder im Sportverein, scheint unaufhaltbar zu sein.

Das Fazit der Autorin ist ernüchternd: Es ist nicht nur modische Kleidung, Sex-Unterricht und leicht zugängliche Pornographie; auch die Schlüpfrigkeit der Sprache, das teilweise ungehemmte ansehen und anfassen von Menschen gehören dazu. Es fehlt an Achtung und Respekt. Am Glaubenswissen sowieso! Wer kennt die zehn Gebote, die nicht bloß eine in Stein gemeißelte Schrifttafel sind? Und wer kennt darin das sechste Gebot? Denn nichts ist der Beliebigkeit überlassen.

Kuby beschreibt ein Dilemma, dass, politisch gewünscht und gefördert, einerseits bereits eine große Akzeptanz gegenüber jedweder angeblichen sexuellen Orientierung besteht und andererseits eine oft „existenzvernichtenden Bloßstellung“ sexuellen Missbrauchs. Die Autorin sieht die Zusammenhänge genau und scheut sich nicht davor sie zu benennen. Vor allem benennt sie die Frage nach der praktizierten Homosexualität und erinnert daran, dass allen Untersuchungen zufolge über achtzig Prozent aller Missbrauchsfälle in der Kirche gleichgeschlechtlicher Art waren. Das liege auch daran, so Kuby weiter, dass die Kirche unfähig zu sein scheine und mangelnden Willen zum Durchgreifen zeige, etwaige „Netzwerke“ in den eigenen Reihen anzugehen.

Gabriele Kuby weiß trotz aller schlimmen Missbrauchsgeschehen, dass es dennoch „rechtgläubige Bischöfe“ gibt, auch Priester, „alte und immer mehr junge, die es geschafft haben, ihren Glauben durch die Ausbildung zu retten“. Das hat auch Bischof Rudolf Voderholzer wiederholt betont. Solche Priester werden von ihr an das Johannes-Evangelium erinnert, als der Herr sprach: „[…] Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“; und gleichsam als Hinweis und Trost, wem sie glauben sollen: „wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten“. Im Vorwort bringt es Kardinal Gerhard Ludwig Müller aus seiner Sicht auf den Punkt:

Es geht hier nicht nur um Untaten einzelner psychisch schwer gestörter Personen, sondern um eine strukturelle Verweltlichung im Klerus, die blind macht für den moralischen Verfall, der aus einer Korruption der Glaubenslehre stammt. Mitmachen, Abwiegeln, Herunterspielen, Warten auf bessere Zeiten und sophistische Unterscheidungen zwischen der unantastbaren Lehre und der pastoralen Anpassung an den Zeitgeist bis zum Verlust des unterscheidend Christlichen, helfen weder der Kirche noch der Welt aus dieser Krise, wo nur die Wahrheit wirklich befreiend wirken kann.

Das schmale Bändchen von Gabriele Kuby sollte dazu bestimmt sein, von den Verantwortlichen der Kirche gelesen zu werden, zuvorderst Bischöfe und Priester. Aber es betrifft nicht nur den Klerus, vielmehr müssen sich alle Glieder der Kirche damit befassen. Missbrauch ist eine überschrittene Grenze. An dieser Grenze bewegen wir uns im Alltag in einer „hypersexualisierten Gesellschaft“. Ohne Gottes Hilfe für einen jeden – früher sprach die Kirche von „Gnade“ – wird es keine echte Lösung, kein Entrinnen geben. Wer bereit ist, selbst zu kämpfen und sich unter das Kreuz Christi – das sind Gottes Gebote – zu stellen, wird dereinst zu jener kleinen Herde, dem „Rest meiner Schafe“ gehören, die „sich nicht mehr fürchten und ängstigen“ muss und „nicht verloren gehen“ wird.

Am Ende von Gabriele Kubys Schrift heißt es:
Jeder zölibatär lebende Priester, der Maria verehrt und in seinem Leben wirken lässt, ist dem Weiblichen und dem Mütterlichen, dem Reinen und Schönen zugewandt und kann aus dieser Quelle trinken. Aus ihr wird er die Kraft gewinnen, die Jungfräulichkeit zu leben.“

Heilige Maria, Du, meine Mutter!
Manchmal vergesse ich, dass mein Körper ein Tempel ist.
Hilf mir, ihn als solchen zu erkennen und zu behandeln.
O Maria, die Du ohne Sünde gezeugt worden bist,
bitte für mich, da ich auf dich hoffe.
Amen.

Zuerst veröffentlicht bei CNAdeutsch

Gabriele Kuby.
Missbrauch. Euer Herz lasse sich nicht verwirren;
FE-Medienverlag; 74 Seiten; 5,95 Euro
ISBN 9783863572198

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Pater Reginald Garrigou-Lagrange. Dominikaner. – Buchempfehlung

Pater Reginald Garrigou-Lagrange O.P. (21. Februar 1877 – 15. Februar 1964) gilt als einer der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste Thomist des vergangenen Jahrhunderts. Mit gerade 32 Jahren wird er 1909 nach Rom an die soeben begründete Dominikanerhochschule Angelicum berufen, an der er 1917 den weltweit ersten Lehrstuhl für Spirituelle Theologie gründet. Mehr als 50 Jahre lehrte er am Angelicum, war Konsultor mehrerer römischer Kongregationen, zumeist des Heiligen Offiziums, und zuletzt wichtiger Berater Papst Pius XII. Nicht zu Unrecht beschreibt man ihn als den damals bedeutendsten Theologen und Lehrmeister in der Aszese und Mystik. 1960 mußte er seine Lehrtätigkeit infolge schwerer Erkrankung aufgeben und verstarb am 15. Februar 1964.

Der wesentliche Inhalt seiner zahllosen Bücher und Artikel und seiner durch Jahrzehnte dauernden Lehrtätigkeit findet sich in dem hier vorliegenden Werk, das ursprünglich in zwei Bänden erschien. Die ersten Abschnitte enthalten die Grundlagen und Voraussetzungen des Werkes, das das wahre innere Leben behandelt. Es folgt – in allgemein verständlicher, auf das Leben und die praktische Nachfolge gerichteter Darstellung – die Beschreibung des ansteigenden Weges im geistlichen Leben, der über innere Läuterungen und Entfaltungen des Gnadenlebens verläuft bis zu dem überzeugenden Nachweis: die eingegossene passive Beschauung ist die Vollendung des christlichen Gnadenlebens. Das Werk ist eine unerschöpfliche Fundgrube wahren, konsequenten Vollkommenheitsstrebens und entfaltet das innerliche, organisch wachsende geistliche Leben als die persönliche, vertraute Beziehung der Liebe zu Gott. Es gipfelt in der Eingießung der Gaben des heiligen Geistes und in der Einwohnung der heiligsten Dreifaltigkeit in uns.

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Des Christen Weg zu Gott.
Aszetik und Mystik nach den drei Stufen des geistlichen Lebens.

Dieses wohl reifste und von dem persönlichen Streben des Verfassers durchseelte Werk über das ‚Eine Notwendige’ fand schnell seinen Platz bei Laien, Ordensleuten und Priestern. Bald war es vergriffen und wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten oft in Kopie weitergegeben, weil es anders nicht zu beschaffen war. In diesem Werk ist eine wahrhafte Summe des inneren, geistigen Lebens geboten.

Garrigou-Lagrange ist im Anschluß an die Größten der Thomistenschule der unentwegte Verteidiger der Einheit des geistlichen Lebens und was er bisher in seinen Werken vorlegte, hat er hier zu einer Pyramide gestaltet, deren Spitze die Ewigkeit berührt. Immer wieder wird das große Ziel für alle Christen aufgezeigt: die christliche Vollkommenheit mit dem Hauptgebot der Liebe. Die konsequente Durchführung des Prinzips der Gnade bis in die höchsten Höhen der Vollkommenheit macht dieses Werk unentbehrlich in einer Zeit, in der wir nicht mehr in einer Mittelmäßigkeit leben dürfen.

Der gelehrte und fromme Verfasser hat hier ein umfassendes, eindrucksvolles Wissen vorgelegt. Er hat es geschöpft aus der biblischen Offenbarung, der Lehre der Kirche, der Theologie und der Aszetik und damit ein geistliches Gebäude von gewaltiger Größe errichtet. Hier treffen sich die Väter der Kirche, die großen Theologen, besonders Thomas und Augustinus, die devotio moderna (Thomas von Kempen), die großen Aszeten und Mystiker (Theresia von Avila, Johannes vom Kreuz und nicht zuletzt Franz von Sales), um uns das Schönste und Beste zu sagen, was aus ihrer Zeit zeitlos für immer gilt.

Die große Menschenkenntnis und gesättigte Erfahrung machen die Darlegungen des Buches außerordentlich geeignet, den Christen als vollendete Persönlichkeit den Weg, psychologisch gesehen seinen Weg, zu Gott zu führen.

 

Reginald Garrigou-Lagrange OP
Des Christen Weg zu Gott. Aszetik und Mystik nach den drei Stufen des geistlichen Lebens
nova & vetera; 759 Seiten; 78 Euro
ISBN 9783936741704

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EIN MENSCH WIRD FERTIG MIT GOTT – die Warnung und das Buch

Statt eines Vorwortes beginnt dieses Buch mit einer Warnung.

Leon Bloy hat einmal gesagt: „Wir haben nur einen Grund traurig zu sein, – daß wir nicht heilig sind.“ Wir alle sind von der Richtigkeit dieses Wortes überzeugt, darum sind wir alle traurig. Heiligkeit scheint uns ja so unerreichbar, so unmöglich zu sein. Wir wissen, was ein Heiliger ist und was er tut, wir wissen aber auch, was wir sind und was wir tun, das macht uns verzweifelt. Darum müssen wir John Green Hanning kennenlernen, den ehemaligen Cowboy, der schließlich ein Heiliger wurde.

Mit ihm, einem echten Amerikaner aus den Südstaaten, will dieses Buch Sie bekannt machen. Da Sie gut erzogen sind, werden Sie natürlich sagen: „Es freut mich, Sie kennenzulernen.“ Aber wenn das Interview vorüber ist, dann werden Sie nach meiner festen Überzeugung erklären: „Es war mir wirklich ein Vergnügen, Sie getroffen zu haben.“

Und nun die Warnung. Wer glaubt, daß bei John schon „in seiner Kindheit Zeichen zukünftiger Heiligkeit“ zu sehen waren, wird enttäuscht sein. Wer denkt, daß er in seiner Jugend sehr fromm gelebt habe, wird noch mehr enttäuscht sein. Wer erwartet, bei ihm außergewöhnliche Dinge wie Ekstasen, Visionen oder dergleichen zu erleben, wird erst recht enttäuscht sein.

John Green Hanning war ein Mensch wie Sie und ich. Mit denselben guten Eigenschaften und denselben Leiden-schaften, nur daß er letztere in außergewöhnlich hohem Maße besaß. Sein überspitztes Ehr- und Gerechtigkeitsgefühl, seine Sucht sich Recht zu verschaffen, sein Eigensinn und sein jähes, hitziges Temperament waren sicher nicht Voraussetzungen für einen Weg zur Heiligkeit, wie er nur zu oft dargestellt wird.
Wenn er in verletztem Stolze seinem Vater die Tabakscheune anzündet, wenn er sich dann neun Jahre als Cowboy in Texas herumtreibt, wenn er im Kloster noch in seiner Wut nach der Heugabel greift, wenn er dem Abt mit dem Rasiermesser die Kehle durchzuschneiden droht, dann — aber, bitte, lesen Sie die Geschichte selbst.

Sie wird Ihnen zeigen, daß auch der Heilige erst werden muß, Schritt für Schritt in ständigem, hartem Ringen mit seiner Leidenschaft. Wird Ihnen vor allem zeigen, daß auch Sie und ich heilig werden können. Die Geschichte John Green Hannings wird uns dazu ein Trost und eine Ermutigung sein.

Das Buch als PDF herunterladen:

RAYMOND. Ein Mensch wird fertig mit Gott

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Bücher für den Gabentisch – Empfehlenswerte katholische Bücher zum Verschenken und zum selber lesen! / 4

Jakob Schweizer, der Inhaber des noch jungen, erst im Jahre 2012 gegründeten Alverna-Verlags, schreibt in seiner Begrüßung im brandneuen Gesamtverzeichnis:

„Bücher sind nicht nur Nahrung für die eigene Seele, sondern auch ein tolles Geschenk für Familienangehörige, Freunde, Bekannte, Patenkinder usw. Denn, wer ‚ein Buch schenkt, und dabei kein anderes Verdienst hätte, als einen Gedanken für Gott entfacht zu haben, hat sich schon dadurch ein unvergleichliches Verdienst bei Gott erworben‘, sagt der hl. Don Bosco.“

Mit diesen Worten macht Jakob Schweizer deutlich, dass sein Alverna-Verlag ein katholischer Verlag ist. Alle bei Alverna verlegten Bücher können also getrost und mit Sicherheit als „katholisch“ bezeichnet werden. Im Besonderen seien auch all jene Damen und Herren angesprochen, die dezidiert katholische Kinder- und Jugendbücher suchen: hier gibt es sie!

Die Bücher dieses jungen Verlages seien somit wärmstens empfohlen.

ALVERNA VERLAG

Der neue Alverna-Katalog

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Bücher für den Gabentisch – Empfehlenswerte katholische Bücher zum Verschenken und zum selber lesen! / 3

Ob das folgende Buch tatsächlich auf einen weihnachtlichen Gabentisch gehört? -Eindeutig JA. Denn gerade an Weihnachten darf die Wahrheit nicht verschwiegen werden.

Als dieses Buch erschienen ist, hat es die kirchlichen Institutionen empört. Bis heute wird es in allen Weltsprachen veröffentlicht. Man will wissen was sich hinter dem Titel „Der Diktatorpapst“ verbirgt. Gerade im innerkirchlichen Millieu wird viel getuschelt, das Buch sei zwar unmöglich, aber man müsse es unbedingt gelesen haben. Kirchliche Mitarbeiter, vor allem vor allem Priester, sprechen nicht über das Buch. Es ist ihnen vielleicht peinlich. Denjenigen Katholiken, die es gelesen haben, war am Anfang auch peinlich, was sie über den jetzigen Papst lesen mussten. Aber es war ihnen nicht deswegen peinlich, weil sie zu dem Buch gegriffen haben, sondern weil sie bestätigt fanden, was sie schon länger über Papst Franziskus dachten. Das Buch macht seinen Weg auch unter der Priesterschaft. Wie man hört, wurde es schon auf Friedhöfen zugesteckt und ausgetauscht. Es muss ja nicht jeder alles wissen…

Ein scharfes Resümee hat MMag. Wolfram Schrems bei seiner Buchbesprechung verfasst. Der Wiener Theologe und Philosoph notiert zu dem Buch von Marcantonio Colonna (Henry Sire) „Der Diktatorpapst“:

Sires Buch ist noch vor der Veröffentlichung der Zeugnisse des ehemaligen päpstlichen Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Maria Viganò, erschienen. Durch diese aktuelle Information erhalten die Ausführungen Sires weitere Bestätigung und Gewicht: Der Stuhl Petri ist von einem Diktator besetzt, der sich um Glauben, Moral und Tradition nichts schert.

Der Regierungsstil ähnelt demjenigen im Ozeanien von George Orwells 1984: Angst und Unsicherheit schüren, zwei plus zwei je nach aktueller Parteilinie fünf sein lassen, die Untergebenen nicht nur nicht fördern, sondern unterdrücken, Macht vor Prinzip setzen – also die von Benedikt XVI. so sehr kritisierte „Diktatur des Relativismus“. Dabei werden moralisch integre Personen aus dem Apparat ausgeschieden und korrupte Personen zu höchsten Ämtern befördert.

(Quelle: Zitat MMag. Wolfram Schrems)

Siehe auch hier!Und hier.

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Marcantonio Colonna / Henry Sire
Der Diktatorpapst
260 Seiten; 16 Euro
Renovamen Verlag 2018
ISBN 978-3956211348

 

 

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Der heilige Martin von Tour – 11. November

„Ein andermal hatte Martin (ca. 316-397) in einem Dorf einen uralten Tempel zerstört.“

Die Schließung von Tempeln hatte bereits unter Konstantin begonnen und sollte gegen Ende des Jahrhunderts gerade unter Theodosius im Osten systematisch vorangetrieben werden. Oft fiel diese Aufgabe den Bischöfen zu, denen dazu Soldaten beigesellt wurden. Martins Vorgehen bewegte sich also im Rahmen des damals Üblichen, das uns heute auf den ersten Blick intolerant erscheint. Doch damals galt allgemein: Nur wer einen Tempel zerstören kann, erweist den eigenen Gott als mächtiger – und damit als den wahren Herr. Das wurde verstanden – und akzeptiert.

(Thomas Merz. Martin von Tours begegnen)

Thomas Mertz. Martin von Tour (56-60)

 

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Thomas Mertz
Martin von Tours begegnen
Paulinus-Verlag 2014
152 Seiten, 12,90 €
ISBN 9783790218541

 

 

 

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Bücher für den Gabentisch – Empfehlenswerte katholische Bücher zum Verschenken und zum selber lesen! / 2

Pater Pio – Sein Leben, Lieben und Leiden

Vor 50 Jahren, am 23. September 1968, ist Pater Pio gestorben. Dass er ein Heiliger war, haben schon unzählige Menschen zu seinen Lebzeiten erfahren, zum Teil sind vielfältige Wunder an ihnen geschehen. Inzwischen wurde Pater Pio schon längst heiliggesprochen. Man sagt, er sei der bekannteste Heilige.

Doch der Kapuzinerpater aus Italiens Süden wurde nicht immer so beachtet wie heute. Vielmehr erging es ihm wie schon vielen anderen Heiligen vor ihm, die in ihrem Erdendasein oft verachtet, nicht ernstgenommen, verspottet und der Lüge und des Betrugs bezichtigt wurden. Dem jungen Kapuziner Pater Pio erging es nicht anders, besonders seit er die Wundmale Christi, die Stigmata, an seinem Leibe empfangen hatte. Im Verlaufe vieler Jahre wurde er unzähligen Untersuchungen und Prüfungen unterworfen; sowohl theologischen wie medizinischen. Monsignori aus dem Vatikan und viele Mitbrüder des Kapuzinerordens waren oft mehr als skeptisch. Der Verdacht des Betrugs stand stets im Raum. Es ging soweit, dass man dem frommen Kapuziner verbot, offen die Sakramente zu spenden. Er durfte über Jahre hinweg nur privat zelebrieren und keine Beichten hören. Heute weiß jedes Kind, dass Pater Pio ein Heiliger des Beichtstuhls gewesen ist.

Obgleich in den letzten Lebensjahren Pater Pios keine negativen Stellungnahmen von Seiten des Vatikan geäußert wurden, vielmehr reichlich Bischöfe nach San Giovanni Rotondo reisten um sich zusammen mit ihm auf einem Foto zu schmücken, so gab es doch erhebliche Kritik an ihm. Ganz besonders wieder in den Jahren seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Allzusehr schien ihnen der mystisch begnadete und stigmatisierte Kapuziner jenes Kirchenbild zu verkörpern, das sie glaubten, gerade überwunden zu haben. So erinnert sich der Rezensent allzu gut an jene Jahre unmittelbar nach dem Konzil, da gerade so mancher deutsche und moderne Kapuziner ein Füllhorn der Häme und des Schmutzes über Pater Pio ausgoss. Da begann gerade der Abschied vom Beichtsakrament. Was sollte man also mit einem anfangen, der „gleich dem Pfarrer von Ars“ im Beichtstuhl in den „Menschenherzen lesen“ konnte.

Leider gab es in jener Zeit wenig wirklich gute Literatur zu Pater Pio. Von ihm wurde hauptsächlich in Kirchenblättchen berichtet, die, weil oft nur frömmlerisch daherkommend, nicht für ernst genommen wurden oder reißerisch daherkamen, wie etwa eine damalige kirchliche Wochenzeitung. Um so dankbar waren viele, als der deutsche Franziskaner Pater Ferdinand Ritzel (1922–1981) sein Pater-Pio-Buch veröffentlichte (P. Ferdinand Ritzel OFM. Pater Pio – Seine geistliche Gestalt – Sein weltweites Wirken. Credo-Verlag-Wiesbaden 1970). In diesem Buch wurde erstmals wirklich systematisch das Leben des Kapuziners vorgestellt, seine Berufung und seine „geistliche Lehre“ gewürdigt.

Dem herausgebenden Media-Maria-Verlag gilt mein besonderer Dank für die nochmalige Veröffentlichung dieses Buches, das hier unter dem Titel „Pater Pio – Sein Leben, Lieben und Leiden“ zum 50. Todestag des Heiligen erschienen ist. Ferdinand Ritzel beschreibt in seinem Buch, wie er zu Pater Pio kam, den er zweimal besuchen konnte. Er, der nach dem Zweiten Weltkrieg Franziskaner wurde und 1951 von Kardinal Faulhaber die Priesterweihe erhielt, fand in der Mystik „die eigentliche Sinngebung seines Ordenslebens“. Somit hatte er einen besonderen Zugang zum Geschehen in San Giovanni Rotondo und zu Pater Pio.

Der Autor Ritzel konnte, befähigt durch seinen persönlichen Kontakt sowie sein umfangreiches Studium der vorhanden Dokumente zu Pater Pio (auch jene zur Einleitung des Seligsprechungsprozesses), eine eindrucksvolle Biografie vorlegen, die unübertroffen ist.

Pater Pio ist bis heute der einzige stigmatisierte Priester, was manchen erstaunen dürfte. In seinen letzten Lebenstagen verminderten sich die Blutungen der Wundmale an seinem Leib. Bei seiner letzten Heiligen Messe fielen Schuppen von seinen Händen; das konnte jeder sehen. Als er am nächsten Tag, am 23. September 1968, morgens um 2.30 Uhr starb, waren alle Wunden verschlossen und keine Narbe ist zurückgeblieben.

Pater Ferdinand Ritzel sagt über den stigmatisierten Kapuziner: „Pater Pio ist mir wahrhaft Vater meiner Seele.“ Hier begegnet uns der Begriff der „Seelenführung“, der heute gänzlich aus dem Gebrauch gekommen ist. Was Pater Pio unter „Seelenführung“ verstand und wer überhaupt Seelenführung nötig hat, mag den Leser erstaunen.

Pater Pio „war davon überzeugt, dass die Notwendigkeit eines erfahrenen Seelenführers in dem Maße wächst, wie sich die Seele Gott nähert. Anfänger, die sich nie über eine gewisse Gewöhnlichkeit und Mittelmäßigkeit emporschwingen, brauchen keinen Seelenführer. Sie würden ihm mit dem Schwergewicht ihrer geistlichen Trägheit zur Last fallen. Aber je mehr man auf den Wegen Gottes voranschreitet, desto mehr wird das Thema Seelenführung aktuell. Bei Pater Pio war es in den letzten Jahren so gewesen, dass er seinen Beichtvater beständig in seiner Nähe hatte, um von ihm Licht und Weisung zu erbitten, wenn Gott ihm das Licht für seine eigene Seele vorenthielt. – Pater Pio verstand die Seelenführung als Frucht wahrhaft apostolischen Geistes, der einen jeden Priester erfüllen sollte, und als einen Dienst, den der Priester den Seelen guten Willens zu leisten hat.

Als Rezension erstveröffentlicht bei CNA

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P. Ferdinand Ritzel OFM
Pater Pio – Sein Leben, Lieben und Leiden
Verlag Media Maria 2018
352 Seiten; 18,95 Euro
ISBN 978-3945401897

 

 

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