„Genug geschwiegen!“ – Empfehlenswertes Buch GEGEN Abtreibung!

Wenn sich nicht erst seit heute, vielmehr schon seit Jahrzehnten, Menschen für die Abtreibung oder zumindest für die Freigabe dieser Methode der Tötung ungeborener Kinder einsetzen, so liegt dies auch daran, dass sie sich von niemandem etwas vorschreiben lassen wollen. Aus dem Brüllen der 1968er-Bewegung „Mein Bauch gehört mir!“ ist längst eine „Pro Choice“-Bewegung geworden, deren Anhänger sich für eine grundsätzliche Entscheidungsfreiheit in dieser, aber auch in anderen Fragen einsetzen.

„Was denkst du über Abtreibung?“ fragte ich eine Studentin. Sie hielt inne und sagte dann: „Also, ich selber würde nie eine machen lassen, aber ich denke, jede Frau sollte selbst entscheiden, was sie mit ihrem Körper macht.“

Offenbar ist es in einem gesellschaftlichen Klima, das für Freiheit und Toleranz einsteht, nicht einfach, einen großen, renommierten Verlag zu finden, der mit seiner Werbemaschinerie in der Lage ist, „ein Lehrbuch, das die Gedanken renommierter Lebensschützer enthält und ihre Argumente auf praktische und ausführliche Weise darstellt“ auf dem deutschsprachigen Buchmarkt zu positionieren.

Stattdessen hat die Aachener Verlagsgruppe Mainz mit dem kleinen, aber feinen Bernardus-Verlag, in dem Publikationen herausgegeben werden, die auf einem soliden katholischen Wertefundament stehen, sich des Buches „Genug geschwiegen!“ der kanadischen Lebensschützerin Justina van Manen angenommen.

Bei dem Taschenbuch „Genug geschwiegen!“ handelt es sich um ein neues, ja einmaliges Hilfsmittel für Menschen, die sich in der Lebensschutzbewegung engagieren, und für solche, die sich selbst bilden möchten und Argumente suchen, um das, was sie in ihrem Inneren wissen – menschliches Leben darf grundsätzlich nicht getötet werden –, weiterzugeben.

Die Autorin Justina van Manen gibt diesen Menschen einen Leitfaden an die Hand, wie sie lernen können, „mit Abtreibungsbefürwortern kompetent und einfühlsam über Abtreibungen diskutieren“ zu können. Sie macht die Menschen stark und spricht ihnen Mut zu.

„Unsere Pro-Life-Position zu äußern, mag uns einschüchtern, besonders im heutigen politischen Klima. Aber sich hinter unseren Ängsten zu verstecken und zu hoffen, dass jemand anderes einspringt und unseren Auftrag erfüllt, ist egoistisch. Wenn wir unsere Angst mit dem Leben kostbarer Kinder abwägen, wie können wir dann schweigen?“

Jedes Argument wird „anhand einfacher Konversationsbeispiele“ erklärt. Diese wurden alle bereits oft von Pro-Life-Aktivisten bei ihren Einsätzen auf Straßen oder vor Kliniken und Arztpraxen, in denen Abtreibungen vorgenommen werden, aber auch bei persönlichen Beratungen, angewendet.

In zahlreichen Faktenchecks und Begriffserklärungen werden dem Leser Grund- und Fachwissen vermittelt, an dem es oft mangelt. Das Buch enthält viele apologetische Hilfen, dokumentiert Zeugnisse „von geretteten Leben und überzeugten Mitmenschen“. Vor allem aber gibt es Antworten „auf jede Frage“, die jemand zum Thema Abtreibung haben könnte.

„Gute Botschafter setzen sich mit Wissen für die Schwachen ein, aber sie tun dies auch mit Weisheit und Charakter.“

Dieses Buch ist in der Lage, Herzen und Köpfe zu verändern.

(Erstveröffentlicht bei CNA)

Justina van Manen
Genug geschwiegen
Schwierige Abtreibungsfragen selbstsicher begegnen
Bernardus-Verlag 2022
259 Seiten; 15 Euro
ISBN: 978-3810703613

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Verblüffend …

Als Kind schlug der heute 28-jährige ein Buch auf,
das sein ganzes Leben verändern sollte:
die Apophthegmata Patrum – Sprüche der Wüstenväter.
Von da an wollte er „die Söhne dieser Verrückten Christi“ treffen.
Die Mission war nicht unmöglich, denn er wurde
in eine praktizierende katholische Familie hineingeboren
und hatte nach eigenen Angaben das Glück,
„beide Messen“, Paul VI. und Pius V., kennenzulernen.

Seine Kindheit und Jugend waren von kurzen Aufenthalten
in verschiedenen Klöstern geprägt.
„Je öfter ich dort war,
desto mehr wuchs mein Wunsch,
Mönch zu werden.“

Apophthegmata Patrum
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Wahrer Gehorsam in der Kirche. – Ein Leitfaden in schwerer Zeit

Kann man angesichts von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg überhaupt davon reden, dass es eine „Krise des Gehorsams“ gibt? Die überwiegende Mehrzahl der Menschen wenigstens steht treu und gewissenhaft zu verordneten Maßnahmen. Und doch gibt es eine Gehorsamskrise. Ein jeder weiß davon zu berichten: Eltern, Lehrer, Vorgesetzte: Wer Gehorsam erwartet, muss Überzeugungsarbeit leisten.

Das weiß auch Dr. Peter Kwasniewski, der Autor des vorliegenden Buches, das den Titel trägt: „Wahrer Gehorsam in der Kirche“. Er philosophiert darin über jene Probleme, die es heute dem treuen Katholiken schwer machen können, im Glauben fest zu stehen.

Kwasniewskis schmales Bändchen bietet eine kurze und prägnante Zusammenfassung eines schwierigen Themas, das besonders auf unsere Zeit anwendbar ist. Das Buch bietet eine informative und spannende Lektüre. Der Autor weiß, dass „Gehorsam“ einen schlechten Ruf hat.

Dies sei immer dann der Fall, wenn „Autorität missbraucht und Vertrauen ausgenutzt und enttäuscht“ werde. Dabei werde nicht auf das Gemeinwohl geachtet, sondern das eigene oder das von besonderen Interessengruppen. Bequemlichkeit, Liberalismus, moralische Laxheit und religiöse Missbräuche seien Folgen davon.

Kwasniewski befolgt in seiner Arbeit die Prinzipien, die in der Kirche immer Geltung besaßen. Der britische Dominikaner Dr. Thomas Crean O.P. sagt dazu: „In Anlehnung an die Lehre des heiligen Thomas von Aquin stellt Peter Kwasniewski zeitlose Prinzipien vor, die uns helfen können, in schwierigen Zeiten durch die Meerenge wahren Gehorsams zu navigieren.“

Kwasniewski geht es um die Gehorsamsfrage im Zusammenhang mit dem Thema der heiligen Liturgie. Päpstliche Dokumente zur Liturgie sind seit vielen Jahren zu Streitobjekten zwischen Theologen und Laien geworden.

Papst Benedikt XVI. bestätigte 2007 mit dem Motuproprio „Summorum Pontificum“, dass jene Liturgieform, die in der katholischen Tradition seit 2000 Jahren gewachsen war und weitergegeben wurde, nicht mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ein Ende gefunden hat, sondern stattdessen weiter seine Existenzberechtigung habe.

Als nur wenige Jahre später sein Nachfolger eine andere Verordnung samt Einschätzung der Katholiken vefügt, die Schmerz, Sorge und Unverständnis ausgelöst haben, kann das Gewissen eines Katholiken schon sehr strapaziert werden.

Pater Richard Beron OSB (1903–1989) aus Beuron, ab 1962 Mitglied der liturgischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und ab 1964 Consultor des Concilium Liturgicum in Rom, notierte, als unmittelbar im Zusammenhang mit der Liturgiereform ein regelrechter Kampf darüber ausbrach, welche Theologen ihre Liturgietexte und welche Verlage künftig liturgische Bücher herausgeben dürften: „Was sind das alles für Überlegungen unter Menschen, die im engsten geistlichen Sinn zueinander Brüder sind! Können wir so voreinander bestehen?“

Wie sich heute Bischöfen wie Betroffenen der Papst als Destabilisator der Römischen Liturgie präsentiert, ist vielfach berichtet und dokumentiert worden. Nicht nur mit „Traditionis Custodes“ hat demnach Franziskus die von Papst Benedikt begonnene Befriedung in liturgischen Fragen in das Gegenteil verkehrt: Wie kann es sein, dass innerhalb von weniger als 15 Jahren und innerhalb von zwei Pontifikaten der jeweilige Papst etwas vollkommen anderes verfügt als sein Vorgänger? Wie und wem und wo ist der Katholik da Gehorsam schuldig?

Das Franziskus-Dokument „Traditionis Custodes“ hebt nicht nur Benedikts „Summorum Pontificum“ auf; für Kritiker verabschiedet sich dieses auch von jener katholischen Position, die besagt, dass es in der Geschichte der Liturgie zwar „Wachstum und Fortschritt, aber keinen Bruch“ geben kann.
Während speziell das Verbot der „tridentinischen Messe“ von Benedikt als ein Verstoß gegen die lebendige Tradition der Kirche und sein natürliches „Wachsen“ betrachtet wurde, betont er auch noch, dass es „uns außerordentlich geschadet“ habe.

„Jenen Uniformismus, mit dem man jetzt das absolute Verbot des Missale von 1962 zu rechtfertigen versucht, hat es in der Geschichte allenfalls in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gegeben, aber er gehört nicht zum Wesen der lateinischen Liturgie. Mit Recht hat Mailand seine alte Liturgie festgehalten; mit Recht suchen Toledo und Lyon ihre alten Traditionen neu zu beleben.“ (Vgl. Ratzinger, „Aus meinem Leben“.)

Der Schaden, der durch das Verbot hervorgerufen wurde, und die Favorisierung einer neuen Liturgie, die als ein „Produkt gelehrter Arbeit und von juristischer Kompetenz“ (Ratzinger/Benedikt) anzusehen ist, bezeichnen einige Theologen als ein „Werk des Heiligen Geistes“. Doch welch Geistes Kind gebastelte Liturgien sein können, erleben viele Gläubigen Sonntag für Sonntag in Kirchen landauf, landab.

Wie die Dogmen ist auch die Liturgie etwas der Kirche Vorgegebenes. Hier wird von Kwasniewski die Diskussion zum Thema „wahrer Gehorsam in der Kirche“ eröffnet. Unfreiwillig erhält er Unterstützung eines anderen Benediktiners und Liturgiewissenschaftlers. Während Papst Franziskus die Konzilsväter als die eigentlichen „Väter“ der Liturgiereform betrachtet, stellt Pater Angelus Häußling (1932–2017) die wichtige Frage: „Welche ,Väter‘ sind die ,heiligen‘, deren Normen gelten sollen?“

Der Autor unseres Buches beteuert, dass er und andere, die sich für die überlieferte Liturgie einsetzen, weder „Revolutionäre noch Ungehorsame“ seien. Denn tatsächlich ginge es nicht darum, was einer sage oder nicht. Vielmehr gehe es um „die Autorität der Wahrheit im Hinblick auf das höchste Gut, auf Gott“. So stehe auch das Gewissen „immer in Verbindung mit der wahren Lehre“, und sie alleine ist die „Quelle der Erleuchtung“, „die sich dem empfänglichen Geist als Wahrheit nahelegt“.

Zuletzt schreibt Kwasniewski, das Gewissen müsse das tun, „wozu es geschaffen“ sei. Es dürfe sich nicht „durch einen fadenscheinlichen Missbrauch des Gehorsams auslöschen lassen“. Es geht also um den „Gehorsam gegenüber der Wahrheit, aus Liebe zum Guten – aus Liebe zu Gott“.

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Peter Kwasniewski
Wahrer Gehorsam in der Kirche.
Ein Leitfaden in schwerer Zeit
Os Justi Press 2022
118 Seiten; Preis 11,72 Euro
ISBN: 979-8807100887

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„Weckt Eure Liebe auf!“

Exerzitien-Buch von Kardinal Sarah für Ehepaare

„Exerzitien für Ehepaare“

„In der natürlichen Schöpfungsordnung gleicht jede Ehe einem kostbaren Kelch denn Gott ist ihr Urheber.“ Wie der Kelch des eucharistischen Opfers, „wird die Ehe, diese natürliche und von Gott geschaffene und gewollte Wirklichkeit, die im Kelch ihr Abbild findet, zur Würde des Sakramentes erhoben.“

Kardinal Sarah sieht und betrachtet im ersten Teil seines Buches die Gemeinschaft der Ehepartner in Christus. Er erläutert, wie die Ehe als „Wirklichkeit des Bundes im Herrn und Schöpfer alles Guten“ ihren Ursprung und ihren „wahren Grund und ihr Ziel“ findet.

Im zweiten Teil betrachtet Sarah die Ehe und die Ehepartner im Lichte der Herausforderungen unserer Zeit. Er spricht von Kampf, von Opfer und Furcht. Auch Martyrium und Heiligkeit sind Begriffe, die er verwendet. Hierbei zeigt er auf, dass die Ehe, wenn sie im Sakrament Christi gegründet ist, jene Gnadengaben erhält, die nicht nur persönliche Schwierigkeiten auszuräumen, sondern sogar in einer Welt bestehen kann, in der die Werte unseres Glaubens verleumdet und verachtet werden.

Es folgen zwei Anhänge, wobei der erste dem Gebet der Ehepartner gewidmet ist. Der Kardinal gibt eine Einführung und erläutert, wie er sich vorstellen kann, dass Eheleute miteinander beten. Für jeden Wochentag liefert er Gebets-, Schrift- und Betrachtungs-Texte. Das folgende, besondere Gebet, beendet die tägliche gemeinsame Gebetszeit:

O Gott, wir kommen zu dir.
Leite du uns nach dem Willen Gottes.
Mach uns fähig. Eheleute und Eltern nach dem Herzen deines Sohnes zu sein.
Gewähre, dass sich unsere Vereinigung jeden Tag vertieft.
Gib uns ein Herz, das unseren Ehegatten, unsere Kinder und unseren Nächsten immer mehr liebt.
Bewahre uns in der Treue zum Wort Gottes.
Erneuere in uns die Gaben des Heiligen Geistes.
Mögen wir immer das Herz des Armen haben, das uns nur zu Gott hinführt.
O Maria, bewahre uns vor allem Bösen, besonders in der Stunde unseres Todes. Amen.

Robert Kardinal Sarah.
Weckt eure Liebe auf! – Exerzitien für Ehepaare
fe-medienverlag 2021
152 Seiten; 12,90 Euro
ISBN: 978-3863573041

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Neues Buch zu Hildegard von Bingen

Das große Hildegard von Bingen Lesebuch

„Es kommt darauf an, sich den Zuspruch aus den Visionen [der heiligen Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen] vollständig anzueignen: mit dem Geschmacksinn der Seele auszukosten, mit affektiver Zuneigung zu umarmen und mit dem Verstand aufzunehmen. Dann wachsen dem Menschen Flügel, die ihn auf seinem Weg weitertragen und zum Ziel seiner Hoffnung emporschwingen. Es ist hier und jetzt die beste Gelegenheit, dies auszuprobieren …“

Mit diesen Worten ermuntert die Benediktinerin Maura Zátonyi ihre Leser, „Das große Hildegard von Bingen Lesebuch“ nicht nur einfach zur Hand zu nehmen, sondern die „Worte wie von Feuerzungen“ zu „verkosten“ und verstehen zu lernen. Denn wenn es um Hildegard gehe, so ihre Erfahrung, kommt „man schnell ins Schwärmen“. Doch die Lektüre der theologischen Werke der Kirchenlehrerin erweise sich „als ein eher schwieriges Unterfangen.“

So wurden für das vorliegende „Hildegard von Bingen Lesebuch“ eine Textauswahl aus dem Gesamtwerk der Visionärin so aufbereitet, dass sie einem weiteren Kreis von Lesern auf eine verständliche Weise zugänglich sind. Die allen Texten beigegebenen Kommentare von Schwester Maura Zátonyi machen deutlich, dass sie auch nach über 800 Jahren Einsichten von überraschender Aktualität in sich bergen und die Menschen unserer Epoche in Bann ziehen können.

Die Benediktinerin Maura Zátonyi, die 1974 in Ungarn geboren wurde, gehört der Abtei St. Hildegard in Eibingen an. Nach dem Studium der klassischen Philologie promovierte sie in Mainz in Philosophie und absolvierte das Theologiestudium in Sankt Georgen. Sie gilt sie als ausgewiesene Hildegard-Kennerin. Sie hat mehrere Übersetzungen und Publikationen vorgelegt und ist Vorsitzende der 2018 gegründeten „St. Hildegard-Akademie Eibingen“, einem „Zentrum für Wissenschaft, Forschung und europäischen Spiritualität“.

Sr. Mauras großes „Hildegard von Bingen Lesebuch“ kann man getrost als einen Schlüssel betrachten, der es möglich macht, in die Bildersprache der Visionen der heiligen Hildegard einzudringen.

„Die größte Gefahr, sein Leben zu verfehlen, erkennt Hildegard in einer Haltung, die wir heute Gleichgültigkeit nennen würden. Je mehr der Mensch seiner Trägheit nachgibt, umso tiefer gerät er in eine dauerhafte Nachlässigkeit, die ihn existenziell prägt. In Hildegards Wortgebrauch heißt diese negative Haltung Vergessen, und zwar Gottesvergessenheit. Diese Vergessenheit leitet einen unheilvollen Prozess ein: Was für einen nicht wichtig ist, das verdrängt und vergisst man. Ist die Sinnfrage des Lebens nicht mehr bedeutend genug, um die Denk- und Handlungsweise zu bestimmen, dann werden andere Gedanken das Innere des Menschen beschäftigen. Das Eigentliche entfällt dann. Der Mensch vergisst, dass es auch andere Dimensionen gibt, als sie der Alltag kurzfristig aufzeigt und als man vordergründig erkennen, verstehen und schmecken kann. Die Gleichgültigkeit macht sich nicht einmal die Mühe, sich mit den Fragen des Lebens auseinanderzusetzen und sich für oder gegen eine jenseitige übersinnliche Wirklichkeit zu entscheiden.“ (92. „Beflügelt durch gute Erkenntnis“ – Heiligkeit)

Anlässlich der Vorstellung des Buches in der „St. Hildegard-Akademie“ erinnerte die Priorin des Klosters, Sr. Katharina Drouvé OSB, an ein Wort der im Jahr 2016 verstorbene Äbtissin Clementia Killewald:

„Das Erstaunliche ist, dass Hildegards Strahlkraft über 900 Jahre hinweg ungebrochen ist. Jahr für Jahr besuchen uns Tausende Menschen aus aller Welt, um sich durch Hildegard Wege zu Gott, zum Glauben und zu einem sinnvollen und im umfassenden Sinn heilen Leben weisen zu lassen. Es scheint fast so, als ob Hildegard für viele Menschen heute ein Fenster zum Himmel ist.“

In diesem Sinne kann „Das große Hildegard von Bingen Lesebuch“ hilfreich sein, einen Überblick über die Werke der mittelalterlichen Nonne und heutigen Kirchenlehrerin zu gewinnen, und darüber hinaus die wahre, christliche Bedeutung Hildegards Schauungen zu verstehen. Mögen ihre „Worte wie von Feuerzungen“ die Menschen zu dem hinführen, den Hildegard erkannte und so sehr liebte.

Maura Zátonyi OSB (Hrg.)
Das große Hildegard von Bingen Lesebuch.
Worte wie von Feuerzunge
Herder Verlag 2022
320 Seiten, 25 Euro
ISBN: 978-3451391668

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Heilige Elisaveta: Eine deutsch-russische Märtyrin

Angesichts eines teuflischen Krieges, der zwischen zwei ehemaligen sowjetischen Bruderländern geführt wird, erschauert es den neutralen Betrachter ob des großen Leides der Menschen. Unverständnis, Trauer und große Ohnmacht erschüttern uns. Während die vermeintlich Mächtigen der Welt mit starken Worten, wirtschaftlichen und militärischen Maßnahmen dem Angriff Russlands auf die Ukraine ein Ende bereiten wollen, wissen die an Christus, den Heiland und Retter der Welt Glaubenden, dass menschliches Vermögen nur ungenügend sein kann und nicht ausreicht, Frieden zu schaffen. Nur Gott kann helfen. Am 25. März hat Papst Franziskus Russland und die Ukraine dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht.

Eine Heilige Russlands und der orthodoxen Kirche starb vor mehr als hundert Jahren als Märtyrin. Sie stammte aus Deutschland und hatte Einfluss am Zaren Hof, bei den Machthabern des alten Russlands. Sicher ist sie eine große Fürsprecherin bei Gott damit der neue Krieg ein Ende findet und Frieden geschaffen wird.

Wer ist Elisaveta?

Am 1. November 1864 wurde in Darmstadt Elisabeth von Hessen und bei Rhein geboren. Sie war eine Tochter des späteren Großherzogs von Hessen-Darmstadt, Ludwig IV. und dessen Ehefrau Alice, Prinzessin von Großbritannien und Irland. Aus der Anglikanerin sollte eine Neumärtyrerin der russisch-orthodoxen Kirche werden: die heilige Großfürstin Elisaveta.

Elisabeths Mutter Alice (1843–1878) war eine Tochter der britischen Königin Victoria (1819–1901). Bis heute ist sie in der Geschichte von Darmstadt gegenwärtig. Sie lernte frühzeitig Not und Elend der Menschen kennen und gründete für sie Kranken- und Waisenhäuser sowie Wohnheime. Noch heute gibt es das Alice-Hospital, das aus dem 1867 von ihr gegründeten „Alice Frauenverein für Krankenpflege“ hervorgegangen ist. Alices Sorge und ihr Mitleid mit ihren Mitmenschen waren Elisabeth bereits zu eigen, als sie im Alter von 14 Jahren ihre Mutter verlor.

Obwohl die Mutter früh starb, war ihre Jugend unbeschwert. Sie wuchs in einer glücklichen Familie auf, liebte die Natur und die Musik. Ihre Lehrer waren Deutsche. In den Jahren von 1879 bis 1884 kümmerte sich die Großmutter um die Erziehung von Elisabeth und ihren Geschwistern. Es gab häufige und lange Besuche bei Königin Victoria. Wegen ihrer außerordentlichen Schönheit hatte Elisabeth schon früh viele Verehrer. Als ihren Gemahl erwählte sie sich Großfürst Sergej Aleksandrovic (1857-1905), den jüngeren Bruder des späteren Zaren Alexandr III. (1845-1894). Die Hochzeit fand am 15. Juni 1884 statt.

Sergej Aleksandrovic war Generalgouverneur von Moskau. Somit war das Schicksal von Elisaveta Feodorovna, wie Elisabeth jetzt hieß, untrennbar mit dieser Stadt verbunden. Moskau war das Herz des alten Russlands. Hier fühlte sie sofort eine starke Anziehungskraft und Faszination.

Die Großfürstin

Wie die Großfürstin es von ihrer Mutter kennen gelernt hatte, kümmerte auch sie sich um die Bedürftigen der Hauptstadt. 1888 entsandte der Zar seinen Bruder als seinen Stellvertreter zur Einweihung der russischen Maria-Magdalenen-Kirche auf dem Ölberg in Jerusalem. Zwar wurde Elisaveta nicht gedrängt und war als Großfürstin auch nicht dazu verpflichtet, zur orthodoxen Kirche zu konvertieren, doch sie hatte deren Glaubenslehre gründlich studiert und sich 1890 zu dem Schritt entschlossen. Zar Aleksandr III. starb 1894 nach nur dreizehnjähriger Regierung. Sein Nachfolger und Sohn Nikolaus II. (1868-1918) heiratete Elisavetas Schwester Alix (1872-1918), die nun Alexandra Feodorovna hieß.

Als Elisavetas Ehemann, Großfürst Sergej, zur Überzeugung gekommen war, dass die aufkommenden revolutionäre Wirren nicht guttaten, da das russische Volk für ein parlamentarisches System, das die Revolutionäre forderten, nicht vorbereitet sei, reichte er seinen Rücktritt als Generalgouverneur von Moskau ein. Vorläufig musste er noch Kommandeur der Moskauer Garnison bleiben, doch dunkle Wolken zogen über das Herrscherhaus Romanow. Am 17. Februar 1905 explodierte eine Bombe eines linken Revolutionärs vor dem Kreml und tötete Sergej Aleksandrovic. Elisaveta hörte die Explosion und lief zur Stelle des Attentats. Sie sammelte die Überreste ihres Mannes ein und brachte sie in das Wunder-Kloster (Cudov-Kloster) im Kreml.

Elisaveta Feodorovna wohnte weiterhin im Nikolaj-Palast, aber ihr Alltag nahm monastische Strenge an. Sie verbannte jeden Prunk für sich, gründete Krankenhäuser und sorgte sich persönlich um Verwundete und Kranke. Sie strebte nach christlicher Vollkommenheit und teilte ihre Zeit in Gebet und Arbeit auf. Ihr Bestreben war es, ein gottgefälliges Leben zu führen. Vor allem widmete sie sich dem Jesusgebet, das sie ihrer Schwester Victoria so erklärte: Bei jeder Perle des hundertteiligen Rosenkranzes müsse man beten: „Lord Jesus Christ, forgive me sinner“, und zur Verdeutlichung fügt sie noch auf Deutsch und Französisch hinzu: „erbarme Dich meiner, couvre-moi de ta grâce“.

Die Ordensgründerin

Die Großfürstin hatte vor, eine Ordensgemeinschaft zu gründen, die zur Linderung der Not der Menschen da sein sollte. Hierzu untersuchte sie verschiedene Ordensregeln, doch ihre Ideen wurden vom Hl. Synod, dem obersten Organ der Orthodoxen Kirche Russlands, zurückgewiesen. Elisaveta ließ sich nicht entmutigen. Sie studierte die Werke des hl. Vinzenz von Paul und der hl. Theresa von Avila. Mit einigen ihr wohlgesonnenen geistlichen Vätern, darunter Metropolit Trifon (Boris Petrovich Turkestanov, 1861–1934), entwarf sie eine neue Klosterregel, nach welcher die künftigen Schwestern leben sollten. Ihr Ordensleben sollte unterteilt sein in Gebet und Arbeit. Asketische Übungen, wie sie im orthodoxen Klosterleben üblich waren, darunter strenges Fasten und nächtliches Gebet, wurden zugunsten der Bedürftigen reduziert. Mit Hilfe von Zar Nikolaj II. konnte im März 1910 Elisavetas Stiftung errichtet werden.

Am 15. April 1910 überreichte Erzbischof Trifon Elisaveta und mehr als 20 junge Frauen den Schleier. Das Kloster am Südufer der Moskva erhielt zwei Kirchen, ein Krankenhaus, ein Altersheim, ein Waisen-und Gästehaus sowie ein Haus für die Geistlichen. Priorin Elisaveta kümmerte sich mit ihren Schwestern um Alte und Kranke. Sie fürchtete sich nicht vor Ansteckungen und nahm selbst die schmutzigsten und ekelhaftesten Arbeiten auf sich. Trotz aller Arbeit führte sie ein weitaus strengeres Leben als ihre Mitschwestern. Sie schlief nur wenige Stunden – ohne Matratze auf einem Brett. Nachts besuchte sie oft das Männer-Kloster im Kreml, um am Chorgebet teilzunehmen.

Mehrmals überfielen revolutionäre und kommunistische Banden das Kloster. Öfter wurde der Priorin angeboten, aus dem Land zu fliehen. Doch Elisaveta blieb im Kloster. Sie schrieb: „Unser ganzes Land wird in Stücke geschnitten. All das, was in Jahrhunderten gewonnen wurde, wird zerstört durch unser eigenes Volk, das ich wirklich von Herzen liebe.“ „Aber ich habe keine Bitterkeit. Kann man einen Menschen kritisieren oder verurteilen, der im Delirium oder verrückt ist?

Die Märtyrin

Im April 1918 wurde die Priorin verhaftet und mit Schwester Varvara im ca. 1500 Km entfernten Nonnenkloster von Perm gefangen gehalten. Danach wurden beide nach Jekaterinburg und Alapajevsk gebracht, wo sie mit anderen Personen des kaiserlichen Hauses in einem Schulhaus eingesperrt wurden. Da Lenin befürchtete, dass bei einer Befreiung durch die Truppen der Anhänger des Zaren die Mitglieder der „Familie Romanov“ zu „lebenden Bannern“ werden könnten, wurde die Haft ständig verschärft.

Am 17. Juli 1918 wurden die Gefangenen in Lastwagen verfrachtet und zu einem verlassenen Minenschacht bei Alapajevsk gebracht. Hier stießen die Schergen in der Nacht einen Gefangenen nach dem anderen hinab in den Schacht. Priorin Elisaveta kniete, als die Reihe an ihr war, nieder und betete auf Deutsch und mit lauter Stimme: „Du lieber Gott, vergib ihnen, denn sie wissen wirklich nicht, was sie tun!“ Nachdem alle in den Schacht gestürzt worden waren, warfen die Soldaten einige Handgranaten hinterher, die jedoch nicht alle explodierten. Um auf sich aufmerksam zu machen, sangen die zum Tod geweihten in der Tiefe der Grube Kirchenlieder. Bauern der Umgebung hörten dies, wagten es aber nicht, näher heranzukommen. In diesen Tagen hielt sich der Mönch Serafim, Prior des Serafim- Klosters von Perm, in der Gegend auf. Zusammen mit einigen Mutigen stieg er in den 25 bis 30 Meter tiefen Schacht hinab.

Am 11. Oktober fanden sie die Leiche von Elisaveta. Wie die Obduktion ergab, hatte die Priorin beim Sturz einen Schädelbruch erlitten. Die meisten starben an Hunger und Durst. Auf der Brust trug die Priorin eine edelsteinverzierte Christusikone mit der Inschrift „Palmsonntag, 13. April 1891“, die heute in der orthodoxen Kapelle zu Darmstadt aufbewahrt wird.

Vater Serafim wusste, dass die tote Großfürstin das Heilige Land sehr geliebt hatte. Er machte das Gelübde, ihre Leiche und die ihrer Mitschwester Varvara nach Jerusalem zu bringen. Dies war in jener Zeit nur möglich in einem Güterwagen mit einem Zug auf der Eisenbahnstrecke durch Sibirien nach Peking. Die abenteuerliche Reise dauerte von Juli 1919 bis April 1920. Die Särge wurden ausgewechselt und vorübergehend beigesetzt. Später wurden die Leichname nach Jerusalem überführt und im Januar 1922 feierlich von Patriarch Damianos von Jerusalem in einer Grabkapelle der Maria-Magdalenen-Kirche auf dem Ölberg beigesetzt.

„Im Jahre 1981 verfügte das Konzil der Erzbischöfe und Bischöfe der Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland, dass die Märtyrer und Bekenner des orthodoxen Glaubens, die unter den Händen der Gottlosen in Russland gelitten haben, in den Kalender der Heiligen aufgenommen werden sollten.“

„Es ist leichter für einen dürren Strauch,
einem mächtigen Feuer zu widerstehen,
als für die Natur der Sünde
der Macht der Liebe.“

Heilige Elisaveta, bitte für die Menschen in Russland und der Ukraine um Frieden!

(Zuerst veröffentlicht: VATICAN-Magazin, 11/2021; Catholicnewsagency.deutsch, 02.04.2022)

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Lubov Millar
Großfürstin Elisabeth von Russland
Heilige Neumärtyrerin unter dem kommunistischen Joch
357 Seiten; 25 Euro
ISBN: 978-3935217156

Bestellmöglichkeit: Edition Hagia Sophia – HIER

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Gekreuzigt – samt unseren Lastern und Gelüsten

Der christliche Glaube ist ein Geheimnis von Tod und Leben; aber der Tod ist ihm nur Mittel, um das übernatürliche Leben in uns zu bewahren:

Non est Deus mortuorum sed viventium
Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen.
(Matt 22,32)

Jesus Christus hat „durch seinen Tod unsern Tod überwunden und durch seine Auferstehung uns das Leben wiedergegeben“, wie die Präfation der Osterzeit so schön singt:

Mortem nostram moriendo destruxit et vitam resurgendo reparavit.

Die wesentliche Aufgabe des Christentums und sein Endziel, dem es naturnotwendig zustrebt, dient dem Leben. Das Christentum soll in unserer Seele das Leben Jesu Christi nachbilden. Man könnte […] das Leben Jesu Christi in die zwei Gedanken fassen:
„Unserer Sünden wegen ist er geopfert worden und unserer Rechtfertigung wegen ist er auferstanden.“ – Traditus est propter delicta nostra et resurrexit propter justificationem nostram. (Röm 4,25)

Der Christ soll allem absterben, was Sünde heißt, aber nur, damit er dann um so mehr lebe vom Leben Gottes. Die Buße dient in erster Linie nur als Mittel, um dieses Ziel, das Leben, zu gewinnen.

Das will auch der hl. Paulus sagen mit den Worten: „Wir tragen immerdar das Sterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde.“ (2Kor 4,10)
Das Leben Christi, das aus der Gnade entspringt und in der Liebe sich vollendet, ist unser Ziel, ein anderes gibt es nicht.

Aber um dieses Ziel zu erreichen, ist Abtötung vonnöten. Darum schreibt der hl. Paulus: „Die Christo angehören“ – und wir gehören durch die Taufe Christo an – „haben ihr Fleisch gekreuzigt samt ihren Lastern und Gelüsten,“ – qui sunt Christi, crucifixerunt carnem suam cum vitiis et concupiscentiis suis. (Gal 4,27)

Und noch deutlicher sagt er an einer anderen Stelle: „Wenn ihr nach dem Fleische lebt, werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Werke des Fleisches ertötet, werdet ihr leben.(Röm 8,13)

(Columba Marmion OSB. Christus das Leben der Seele)

Columba Marmion:
Christus, das Leben der Seele
Patrimonium-Verlag 2016
478 Seiten; 24,80 Euro
ISBN: ‎978-3864170744

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Christus und der Christ

Gestern wurde ich mit Christus gekreuzigt,
heute werde ich mit ihm verherrlicht.
Gestern wurde ich mit ihm getötet,
heute werde ich mit ihm zum Leben gerufen.
Gestern wurde ich mit ihm begraben,
heute werde ich mit ihm auferweckt.

Wohlan, bringen wir Opfer dem, der für uns gelitten hat und auferstanden ist!

Ihr denkt vielleicht an Gold oder Silber oder feines Gewebe oder glänzende und kostbare Steine, an vergängliche, irdische Stoffe, woran immer die Bösen und die Diener der Erde und des Fürsten dieser Welt größeren Anteil haben.

Opfern wir uns selbst, den Gott teuersten und eigensten Besitz!
Geben wir dem Bilde das, was nach dem Bilde geschaffen ist, erkennen wir unsere Würde, halten wir das Urbild in Ehren!
Erfassen wir die Bedeutung des geheimnisvollen Festes und den Zweck des Todes Christi!

(Gregor von Nazianz: Predigt zum Osterfest)

Marianne Schlosser
Das Leben hat besiegt den Tod.
Gebete und Betrachtungen zur Passions- und Osterzeit
EOS-Verlag 2022
168 Seiten; 19,95 Euro
ISBN 978-3830681281

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Die Wahrheit der Kirche ist unveränderlich, weil der Herr die Wahrheit ist!

Entwurzelung und Verdrängung der alten Sprachen: Ein Beispiel ist der Niedergang der in den Publikationen der modernen Naturwissenschaft verwendeten Sprache, in der die Philologie abgeschafft worden ist. Aber Wissenschaft benötigt nicht nur Sprache, sondern ist selbst Sprache; daher beginnt jede Wissenschaft mit Philologie.

Die „Sprache“ der modernen Naturwissenschaft ist nur noch eine Aneinanderreihung von Informationen. Durch den Hochmut, die Geschichte nicht mehr nötig zu haben, ist die heutige Sprache im Sinne des Wortes entwurzelt.

Der Stand der Sprache ist stets ein Maß für den Stand der Kultur. Die Gegenwart ist deshalb eine denkbar ungeeignete Zeit, um bewährte Texte dem jetzigen Sprachverständnis anzupassen.

Verheerende Auswirkungen kann das bei Übersetzungen der Evangelien und kirchlicher Texte haben. Für die abendländische Kultur haben Griechisch und Latein eine hervorragende Bedeutung, weil sie die Ursprachen des heranwachsenden Christentums sind, unabhängig von der Tatsache, dass der Herr aramäisch gesprochen hat. Das Latein wurde die Muttersprache der Kirche, weil es die Sprache des Römischen Reiches gewesen ist, in dessen Hauptstadt Petrus und Paulus mit ihrem Blut das erste Blatt der Römischen Kirche geschrieben haben.

Es ist eine historische Tatsache, dass sich aus dieser Kirche alle anderen christlichen Denominationen abgespalten haben. Das Licht des Evangeliums wurde von Jerusalem über Antiochien nach Rom getragen, von wo aus zuerst das Römische Reich und dann die ganze Erde erleuchtet worden ist.

Gegen historische Tatsachen anzurennen ist sinnlos.

Kein helleres Licht gibt es, als das des Christentums. Daher ist es Recht, dass die Fehler der Christen härter verurteilt werden als die Fehler der Nichtchristen. Aber nicht recht ist es, wenn man nur die dunklen Schatten der Christen sieht.

Die Wahrheit der Kirche ist unveränderlich, weil der Herr die Wahrheit ist.

Daher ist es gut, dass die Sprachen, die zuerst in der Kirche gesprochen wurden, als sogenannte „tote“ Sprachen unveränderlich sind: Griechisch und Latein.

Wie durch den Tod des Menschen das wahre Leben entsteht, sind durch den Tod des Griechischen und des Lateins die Sprachen des wahren Lebens entstanden. Die „toten“ Sprachen sind wegen ihrer Unveränderlichkeit die Sprachen der Wahrheit geworden und dadurch die Sprachen des Lebens, da der Herr sowohl die Wahrheit als auch das Leben ist. Weil die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden (vgl. Mt 16,18), werden sie auch ihre Sprache, das Latein, mit allem Progressismus nicht überwältigen. Die wenigen Texte der Liturgie verstehen auch Menschen, die nie Latein gelernt haben, sich aber dadurch in der Kirche eines fremden Landes zu Hause fühlen.

(vgl. Max Thürkauf: Die geistgelenkte Hand greift nach der Erde: Über die technologischen Maßlosigkeiten unserer Zeit – Ihre Ursachen, Konsequenzen und ihre Überwindung; Christiana-Verlag 2020; 176 Seiten; 9,80 Euro; bei FE-MEDIEN bestellen.)

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Tradition und Lehramt – eine Buchempfehlung

Die römisch-katholische Kirche verfügt über ein für alle Gläubigen verbindliches, lebendiges Lehramt – d.h. ein Lehramt, das von lebendigen Menschen ausgeübt wird. Der einzige „traditionalistische“ Territorialbischof bietet in seinem Buch TRADITION UND LEHRAMT eine fundierte „Pastorale Wegweisung“ an, wie die durch Jahrhunderte überlieferte Liturgie heute und in Zukunft Bestand haben und Frucht bringen kann.

Hierzu schreibt Pfarrer Stefan Thiel eine Buchempfehlung:

Kann man sich in einem Botanischen Garten verirren trotz Wegweisern? Ja, wenn man die Wegweiser falsch interpretiert. So ist es auch in der Kirche, wo wir die Hl. Schrift und die Tradition haben, doch durch ihre falsche Interpretation schon unzählige Sekten und Häresien entstanden sind. Deswegen hat Jesus zu der unverfälschten Überlieferung Seiner Kirche noch das lebendige Lehramt Petri und der Apostel gegeben, die sozusagen lebendige Führer durch das Dickicht sind, denen der Heilige Geist die Fähigkeit verleiht, die Wegweiser richtig zu deuten. Das ist gerade in der heutigen Zeit, wo es so viele Fehlinterpretationen gibt, wichtig zu wissen.

Bischof Fernando Rifan zeigt in seinem Buch, daß es sowohl Fehlinterpretationen des Zweiten Vatikanischen Konzils gibt, als auch Auffassungen, die in den der überlieferten Liturgie verbundenen Kreisen verbreitet sind, die mit der Lehre der Kirche unverträglich sind, und daß beide eine gemeinsame Wurzel haben: einen irrigen Begriff vom kirchlichen Lehramt. „Tradition und lebendiges Lehramt“ wird deshalb Widerspruch der einen wie der anderen Seite hervorrufen, erklärt schon der Werbetext für dieses Buch, was nicht gerade verkaufsfördernd zu sein scheint. Eine nüchterne Betrachtung zeige indes dem unvoreingenommenen Leser: „Bischof Rifan behauptet nichts, was einer sachlichen Kritik nicht standhält: Er legt den katholischen Standpunkt schlüssig dar; ein reicher Fußnotenapparat lädt darüber hinaus theologisch-wissenschaftlich Gebildete und Interessierte zur weiteren Vertiefung in die Materie ein.“

Die Ablehnung des lebendigen Lehramtes der Kirche, nur weil dessen Verlautbarungen nicht zur eigenen theologischen Auffassung oder zu Äußerungen früherer Päpste passen, wäre auch schon eine Art der Protestantisierung, so wie die Protestanten nur die Bibel und ihre persönliche Auslegung, bzw. die der Reformatoren gelten lassen.

Das betrifft ja heute vor allem die Theologie und katholische Bücherschreiber. Sie unterscheiden ihre Lehre vom öffentlichen Lehramt der Kirche und stellen sich ihm gewissermaßen entgegen. Jedoch hat schon Papst Pius XII. festgehalten: „Es hat in der Kirche niemals gegeben, gibt nicht – oder wird jemals geben ein rechtmäßiges Lehramt von Laien [worunter auch Professoren zählen, selbst wenn sie Priester sind], das von Gott der Autorität, der Führung und der Wachsamkeit des heiligen Lehramts entzogen ist; ja vielmehr bietet diese Verweigerung der Unterwerfung ein schlagendes Beweismittel und Kriterium, daß Laien, die so sprechen und handeln, nicht vom Geiste Gottes und Christi geleitet sind“ (S. 46).

So reicht es aber auch nicht, für die überlieferte hl. Messe zu sein, weil sie schon immer so gefeiert wurde und frühere Päpste das festgelegt haben, sondern wir brauchen handfeste Argumente, warum die alte Messe bewahrt werden sollte, warum sie ein heilsames Korrektiv für die neue Messe ist und auch ihre Bewahrung mit dem lebendigen Lehramt der Kirche übereinstimmt, wobei das Buch von Bischof Rifan natürlich schon vor Traditionis custodes geschrieben wurde und nur am Schluß eine aktuelle Stellungnahme dazu enthält. Umso interessanter ist es, daß es trotzdem ganz konkret auf die jetzige Situation angewandt werden kann, indem es vor der falschen Haltung warnt, die Traditionis custodes kritisiert, die zwar zum Glück nicht häufig zu finden ist, die aber gerade jetzt nicht als „Trotzreaktion“ auf das Schreiben des Papstes entstehen sollte. Wenn der Papst den liturgischen Frieden, den Papst Benedikt geschaffen hatte, aufkündigt, indem er das Gespenst der Spaltung beschwört, müssen wir umso mehr um die Einheit und den liturgischen Frieden bemüht sein.

Wer „behaupten wollte, die Messe im jetzt verbindlichen Römischen Ritus sei ungültig oder unerlaubt, oder man könne mit ihr seine Sonntagsplicht nicht erfüllen, würde sich damit die Stelle der höchsten kirchlichen Autorität anmaßen. Bedauerlicherweise sind manche der Ansicht, der einzige Grund für die Zelebration der Messe im überlieferten Ritus oder die Teilnahme an ihr bestehe darin, der neue Meßritus sei ungültig oder irrgläubig und daher unerlaubt. Die [von Bischof Rifan] angeführten ernstzunehmenden und schwerwiegenden Gründe reichen jedoch völlig für unser vom Hl. Stuhl gebilligtes Festhalten an der überlieferten Meßform hin – und erweisen einen Rückgriff auf das genannte Argument, das im übrigen falsch und ungerecht wäre, als überflüssig. Ausschließlich Wahrheit und Gerechtigkeit haben unsere Richtschnur in diesem Kampf zu sein: Nur die Wahrheit macht uns frei (Joh 8,32), andernfalls würden wir Luftstreiche ausführen (1 Kor 9,26)“ (S. 69).

Wie oben beschrieben, sind oft gerade die Anmerkungen in dem Buch hilfreich: „Die Tatsache, daß sämtliche Träger der kirchlichen Lehrautorität (d.h. der Papst und alle mit ihm in Gemeinschaft stehenden Bischöfe) am neuen Meßritus festhalten, ist eben deswegen ein Argument für dessen Legitimität. Eine Parallele dazu: Der heilige Alfons von Liguori bemerkt, daß ein Papst, bei dessen Wahl betrügerische Unregelmäßigkeiten vorgelegen haben, nichtsdestoweniger deswegen, weil die ganze Kirche ihn als Papst anerkennt, im vollgültigen Besitz seines Amtes ist (Alfons Maria von Liguori, Verita della fede, Neapel 1838, S. 454 f.)“ (S. 77, Anm. 90). Extreme Positionen der Traditionalisten führen ja unweigerlich zum Sedisvakantismus.

Ich muß persönlich zugeben, daß man angesichts der Situation der Kirche und vor allem der Liturgie und der Verwirrung angesichts sich widersprechender Verlautbarungen des Vatikans und vieler (deutscher) Bischöfe schon fast verzweifeln könnte und unsicher wird, was denn nun der auch für die Pforten der Hölle unüberwindliche Weg der Kirche ist. Da bietet das kleine Büchlein eine wirkliche, hilfreiche Pastorale Wegweisung.

Einen großen Teil des Buches machen die Konsequenzen und Anwendungen der authentischen Lehre über Tradition und lebendiges Lehramt aus, zuerst in Bezug auf die hl. Messe und dann auf das Zweite Vatikanische Konzil. Dabei fand ich es sehr interessant, daß schon 1966 die Glaubenskongregation unter Kardinal Ottaviani allen falschen modernistischen Interpretationen des Konzils die richtige Interpretation im Sinne der Kontinuität mit der Tradition der Kirche entgegengesetzt hat und dieses Schreiben vollständig in dem Büchlein abgedruckt ist.

Unter den einzelnen Punkten, wo Aussagen des Konzils heute oft falsch verstanden werden, ist ja die Kollegialität der Bischöfe von besonderer Aktualität. Spannend ist auch die Feststellung, daß die Aussagen des Konzils zur Religionsfreiheit keine Kritik an Aussagen früherer Päpste zur Bedeutung des katholischen Staates etwa darstellen sollten, sondern vor allem als Verurteilung des Umgangs mit der Religionsfreiheit in den damaligen kommunistischen Staaten gedacht waren, wo das Konzil ja aus vermeintlich politischer Klugheit und um der dort lebenden Gläubigen willen auf eine offene Verurteilung des Kommunismus verzichtet hatte. „Die Grenzen der Staatsmacht zu umreißen bedeutet nicht, sie von der Verpflichtung freizusprechen, die wahre Religion – die katholisch Kirche – anzuerkennen, sie in ihrer Sendung zu unterstützen, sie gegen Angriffe zu verteidigen oder Gott und Christus dem König öffentliche Verehrung zu erweisen. Und wenn das Konzil erklärt, daß es ‚die überlieferte katholische Lehre von der moralischen Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi unangetastet läßt‘, dann bestätigt es damit, daß die in den Enzykliken Mirari vos (Gregor XVI.), Quanta cura (Pius IX.), Mortalium animos, Quas primas (Pius XI.) gelehrten Prinzipien und die gesamte traditionelle Lehre über das Soziale Königtum Christi unverändert in Kraft bleiben“ (S. 122).

Wenn Bischof Rifan zum Gehorsam der Kirche gegenüber z.B. den hl. Ignatius zitiert: „Wir müssen, um in allem sicher zu gehen, stets festhalten: was meinen Augen weiß erscheint, halte ich für schwarz, wenn die hierarchische Kirche so entscheidet, überzeugt, daß in Christus (…) und der Kirche (…) derselbe Geist wohnt, der uns zum Heil unsrer Seelen leitet und lenkt…“, dann sind manchmal die Anmerkungen des Übersetzers zu solchen Aussagen witzig erhellend: „Anm. d. Übers.: Diese Bemerkung des hl. Ignatius in seinen Geistlichen Übungen wurde gelegentlich gründlich mißverstanden, etwa in dem Sinne, auch evidentes Fehlverhalten eines kirchlichen Oberen sei gutzuheißen. Dies ist selbstverständlich nicht der Fall. So schreibt einer der größten Söhne des hl. Ignatius, Franziskus Suarez SJ, der maßgebliche ‚Haustheologe‘ der Jesuiten – dem niemand unterstellen wird, er habe den Geist seines heiligen Ordensgründers nicht recht erfaßt: ‚Wenn er (der Papst) etwas anordnet, was gegen die guten Sitten verstößt, wird ihm nicht zu gehorchen sein; wenn er irgendetwas unternimmt, was der offensichtlichen Gerechtigkeit und dem Gemeinwohl zuwiderläuft, wird man ihm zu Recht widerstehen; wenn er eine Gewalttat zufügt, wird man ihn mit Gewalt abwehren dürfen, freilich mit der Mäßigung, die einer schuldlosen Verteidigung eigen ist.‘ (Franziskus Suarez, Tractatus de fide theologica, disp. 10; sect. 6; Opera omnia, Paris 1858, Bd. 12, S. 321)“ (S. 143).

https://www.facebook.com/stefan.thiel.7161

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Bischof Fernando Arêas Rifan
Tradition und lebendiges Lehramt. Pastorale Wegweisung
Vorwort von Gerhard Ludwig Kardinal Müller
Renovamen Verlag 2021
170 Seiten; 15 Euro
ISBN: 978-3956211553
Aus dem Französischen übertragen durch Paolo D’Angona, Priester der Diözese Roermond

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