Papst Pius XIII. – Eröffnungsansprache zum Konzil

[Papst Pius XIII. spricht zu den Konzilsvätern vor den Kameras der Welt. Giuseppe Gracia dokumentiert im Roman seine Rede. Hier einige Ausschnitte:]

Christus Jesus sei die Mitte der Geschichte, so der Papst mit tiefer, klarer Stimme. Und die Menschen hängten entweder Christus und Seiner Kirche an, dann hätten sie Licht und Güte, dann hätten sie die Früchte der rechten Ordnung und des Friedens. Oder aber die Menschen – hier in Italien wie überall auf der Welt – lebten lieber ohne Christus, lebten gegen Gott und gegen die Kirche, dann herrsche Verwirrung!

Dann herrsche die Verbitterung der Beziehungen. Dann herrsche das Austrocknen und Verdorren der Liebe, durch den Krieg der Wünsche und der gegenseitigen Interessen. Dann herrsche die Zerrüttung der Seele durch Untreue und Verrat.

Verrat bis ins Innerste der Kirche, Verrat der Bischöfe und Kardinäle‘., ruft der Papst plötzlich aus, wobei seine Augen im Licht der TV-Scheinwerfer aufblitzen.

Nein, sagt der Papst, es sei jetzt nicht die Zeit, sich etwas vorzumachen! Es sei nicht die Zeit für Kuschelreden und den faulen Frieden der Heuchler. Z u drängend seien die Mächte der Gegenwart, mit denen sich die Menschen weltweit konfrontiert sähen. Zu groß die Wucht des globalisierten, digitalisierten Wettbewerbs, der Familien und Völker auseinanderreiße, der die Natur aussauge und die Würde des Lebens mit den Füßen der Gier zertrete.

[…]

Gewiss höre man oft, so der Papst, dass die Liberalen mit ihren Reformideen viel verändern könnten, dass sie dafür sorgen könnten, die Kirche näher ans 21. Jahrhundert heranzurücken.

Doch das stimme nicht, denn die Liberalen verstünden nichts vom 21. Jahrhundert und formulierten seit Jahrzehnten im Grunde nur Probleme, die sie selber mit der kirchlichen Lehre hätten. Sie seien weder mit dem Kopf noch mit dem Herzen jemals in der Gegenwart angekommen, sondern vielmehr in der sexuellen Revolution des letzten Jahrhunderts steckengeblieben, die heute kein Mensch mehr brauche. Und auch die Traditionalisten, die sich gern als Verteidiger der Wahrheit darstellten und die technische Zivilisation von heute angeblich mit neuer Gottesfurcht bekehren wollten, seien dazu, aufgrund ihrer Weltfremdheit, nicht in der Lage. Vielmehr seien sie im Schock der Französischen Revolution steckengeblieben und unfähig, den Vorrang der Person als Ebenbild Gottes vor jeder religiös-politischen Macht zu verstehen.

Dies alles, so der Papst, müsse sich heute, an diesem feierlichen Tage zu Rom, ändern!

[…]

Es gelte zu verstehen, dass die heutigen Weltmächte von einer falschen Vorstellung des Menschen ausgingen, nämlich von einem starken, sich selbst reinigenden, zur Hochkultur emporschwingenden Menschen. Statt mit dem wahren Menschen zu rechnen, dem Menschen, der stets ins schwache Fleisch der Bedürftigkeit gehüllt bleibe; dem Menschen der Niedrigkeit und Größe eines Geschöpfes, in dem immer zugleich die Lust des Tieres wie die Lust des Engels wohne.

Vor diesem Hintergrund müsse sich die Kirche neu ins Bewusstsein rufen, dass gerade eine technisch hoch entwickelte Gesellschaft in der besonderen Gefahr schwebe, sich selber genügen zu wollen, in Gleichgültigkeit oder Hochmut gegen Gott. Gleichgültigkeit oder Hochmut zum Schaden des Seelenheils – während doch die Welt dringend ein neues Verlangen nach Gottes Liebe brauche, ein neues Verlangen nach Christus Jesus, Mitte der Geschichte und des Lebens.

(aus: Giuseppe Gracia. Der letzte Feind. Roman. 134ff.)

 

Giuseppe Gracia
Der letzte Feind, Roman
Fontis-Verlag 2020
256 Seiten; 18 Euro
ISBN: 978-3038481966

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Papst Pius XIII. – und das 3. Vatikanische Konzil

Das Dritte Vatikanische Konzil, einberufen von Papst Pius XIII., Nachfolger des Heiligen Petrus, Stellvertreter Christi auf Erden, wird an diesem bewölkten Vormittag um 10.30 Uhr eröffnet – das 22. Ökumenische Konzil in der Geschichte der katholischen Kirche. […]

Unter den Teilnehmern [der 3112 Konzilsväter] befinden sich Kardinal Andrea Maria Settaviani, Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Johannes Feuerbach, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Hausmann, Präfekt der Kleruskongregation und Erzbischof Antonio Pannola vom Staatssekretariat. […]

Die nun beginnende Heilige Messe im Petersdom bildet den Höhepunkt der Eröffnungszeremonie, feierlich und weihrauchdurchsetzt, mit Orgel und gregorianischem Gesang.

Und mit einer Liturgie, die bereits in den ersten Minuten dieser Messe für Irritationen sorgt.

Denn der Papst lässt die Predigt ersatzlos streichen und Elemente des mittelalterlichen tridentinischen Ritus einfügen; ein Ritus, bei dem der Priester einst mit dem Rücken zu den Gläubigen gestanden ist, mit weißen Handschuhen, um sich angesichts des Heiligen nicht mit der Welt zu beschmutzen.

Für viele ist diese Abänderung des Eröffnungsgottesdienstes eine Bestätigung dafür, dass Pius XIII. ein Traditionalist ist.

Und als wäre das nicht genug, folgt gleich die nächste Provokation. Nach Beendigung der Messe macht der Papst keinerlei Anstalten, die Gemeinde zu entlassen, was eigentlich seine Aufgabe wäre. Er müsste den anwesenden Medien und TV-Zuschauern signalisieren, dass nun der öffentliche Teil der Feierlichkeiten vorbei sei, dass nun der kircheninterne, für die Konzilsväter reservierte Teil beginne, die Arbeiten hinter verschlossener Tür.

Aber nein:
Der Papst tritt im vollbesetzten Petersdom sogleich ans Rednerpult und beginnt – vor laufenden Kameras – mit seiner Ansprache an die Konzilsväter.

[…]

(aus: Giuseppe Gracia. Der letzte Feind. Roman. 132f.)

 

Giuseppe Gracia
Der letzte Feind, Roman
Fontis-Verlag 2020
256 Seiten; 18 Euro
ISBN: 978-3038481966

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Jean Raspail + (1925 – 2020)

Am 13. Juni 2020 ist der Schriftsteller Jean Raspail verstorben.

Jean Raspail durchlief eine Reihe katholischer Schulen, die ihm jedoch meist die Tür wiesen; das Abitur gelang erst im dritten Anlauf. Eine berufliche Orientierung scheiterte ebenso wie erste Schreibversuche, deren Mängel er aber intuitiv begriff. Das Nachkriegsfrankreich mit seinen schrumpfenden Horizonten eignete sich wenig zur Erweiterung des eigenen; es folgte „ein Abenteuer, das über meine Existenz entschieden hat“: Raspail durchmaß im Kanu über 4.500 Kilometer die einstigen französischen Besitzungen in Nordamerika, von Québec bis La Nouvelle-Orléans. Seine Leitsterne waren der Jesuitenmissionar Marquette und der Cavelier de La Salle, die Entdecker des Mississippis beziehungsweise seiner Mündung. Beide gingen nach ungeheuren Anstrengungen dabei zugrunde. Dann ging er nach Kanada und Louisiana, entlang der „Wasserwege des Königs“, allesamt 2005, 55 Jahre nach der Fahrt, im gleichnamigen Buch von Raspail in berückender Schönheit heraufbeschworen. Man findet darin schon den Kern von Raspails Faszinationen und Werk angedeutet – Königtum, Katholizismus, verlorene Sachen, ergänzt durch eine zärtliche Liebe zu untergehenden Kleinstvölkern, erworben auf einer weiteren Reise, diesmal vom Kap Hoorn nach Alaska und zu den Ureinwohnern Patagoniens, die in den Regenstürmen der Magellanstraße ein Dasein herzerweichender Kargheit fristeten.

Eine Laufbahn als Reiseschriftsteller folgte, bis Raspail sesshaft wurde und Frankreich in einem „radikalen Wandel kultureller Natur“ wiederfand, in seiner Substanz bedroht und wie so viele Völkerschaften davor „reif für den finalen Schlag“. Mit dem „Heerlager der Heiligen“ (Schnellroda 2015), dessen Übersetzungen allein mehrere Regalreihen füllen, nimmt er auch die Literatur wieder auf und die Gegenwart in beängstigend prophetischer Weise schon 1973 vorweg: Eine Million bettelarmer, aber entschlossener Boatpeople fällt als Vorhut der Dritten Welt gewaltlos in Frankreich ein, das ein Trommelfeuer der Indoktrination durch faktisch gleichgeschaltete Medien und politische Eliten zu jeglichem Widerstand und Selbstbehauptungswillen unfähig gemacht hat. Heute spricht man von „Willkommenskultur“ – und Raspail von der „altruistischen Idiotie, die Millionen deutscher Schwachköpfe, pardon, ‚Aber ja! Nur immer herein!‘ ausrufen lässt“.

Quelle: freilich-magazin – Es lebe der König – Nachruf auf Jean Raspail (1925 – 2020)

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Aktueller denn ja:

Das Heerlager der Heiligen“ – kein Allerheiligen- oder Allerseelen-Roman

Jean Raspails Roman „Das Heerlager der Heiligen“ ist 1973 in Frankreich erschienen. Eine deutsche Übersetzung erschien erstmals 1985. Zwanzig Jahre später, am 12.10.2005, nahm sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2005 dem Roman an. Denn der Papst, der in „Das Heerlager der Heiligen“ vorkommt, ist kein geringerer als Benedikt XVI., allerdings aus Brasilien stammend.

Dieser Papst Benedikt XVI. hat nicht nur wie Papst Paul VI. seine Papstkrone verschenkt, er hat auch ein III. Vatikanischen Konzil einberufen. Er ist ein Papst der Armen und der Barmherzigkeit und hat es geschafft, das gesamte Vermögen der römisch-katholischen Kirche zu verkaufen. Doch vom erzielten Verkaufserlös konnte nicht einmal der vergleichsweise kleine Landwirtschaftsetat von Pakistan auch nur für ein Jahr ausgeglichen werden.

Lorenz Jäger von der FAZ schreibt 2005 über den Roman:
„Raspails Roman ist grotesk-apokalyptisch bis zur Obszönität, er schwelgt im Häßlichen, Grausamen, und vielleicht war dies der Preis für die visionäre Kraft. Der Autor verlängerte, wie Orwell in der negativen Utopie „1984“, die Linien seiner Gegenwart. Die traurigste Rolle spielen die Kerenskis der multikulturellen Gesellschaft – jene, die an Dialog glauben, aber gleich vom ersten Ansturm am Strand überrannt werden. Zu diesen Gutgläubigen gehören im Roman auch die Vertreter der Kirche […]. Überall herrscht die neue Religion der Ökumene – für Raspail die Lehre des Antichrist. Man trifft sich zum Hungerstreik für die Migranten in einer Abtei, deren Leiter Dom Vincent Laréole eigens zu diesem Zweck von einem buddhistischen Kongreß in Kioto zurückgekehrt ist.“

Lorenz Jäger griff am 23.09.2015 erneut in die Tastatur seines PC:
„Das Heerlager der Heiligen dürfte ein Kultbuch werden.“ Warum?
Weil „Das Heerlager der Heiligen die aktuelle Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer in prophetischen und verstörenden Bildern vorweggenommen wird.

Das Buch ist erschütternd zu lesen; auch heute noch.

So ist tatsächlich aus ganz aktuellem Anlaß Jean Raspails Roman in den Schlagzeilen vieler Feuilletons und Zeitschriften, sowie mancher Blogs präsent. Vor wenigen Tagen, am 27. Oktober 2015, gab der Tagesspiegel gar „eine Lesewarnung“ heraus und bezeichnete „Das Heerlager der Heiligen“ als „Das Kultbuch der Neuen Rechten“ und sei „eine Blaupause von Pegida“.

Alexander Pschera schrieb im Vatican Magazin ein Essay, das zu lesen ich empfehle. Er zitiert Raspai, der über sich „mit anti-ökumenischer Verve“ sagte: „Ich bin Katholik, kein Christ“.

Pschera schreibt:

„Das „Heerlager der Heiligen“ ist sein bekanntestes und erfolgreichstes Buch. Es schildert
den Untergang und die freiwillige Unterwerfung Frankreichs unter eine Flut von Immigranten aus Indien. Das Land ist dabei nur ein Platzhalter. Es könnte auch ein afrikanisches oder lateinamerikanisches gemeint sein. Das Buch erzählt, wie eine Million ausgehungerter und kranker indischer Immigranten an der französischen Mittelmeerküste landet – an einem Ostersonntag, nachdem die Flotte vierzig Tage auf den Wüsten der Weltmeere umherirrte. Eine ins Negative gewendete Ostersymbolik durchzieht den ganzen Roman wie ein dunkler Basso Continuo. Die Ankunft der Flüchtlinge versetzt Kirche, Politiker und Journalisten in einen kollektiven Rausch des Gutmenschentums, der durch das postkoloniale schlechte Gewissen weiter angestachelt wird.

Die Immigranten gehen an Land und nehmen den ganzen französischen Süden in Besitz. Friedlich und gewaltfrei. Die Soldaten der Grande Armée desertieren. Die weiße Bevölkerung flieht nach Norden. Das Abendland hat keine Kraft mehr, sich zu wehren. In den südfranzösischen Städten werden die verbleibenden weißen Frauen in Bordelle für die Inder gesteckt. Umgekehrte Harems, sozusagen. In den Großstädten brechen Rassenunruhen aus.“

„Es gibt das Leben der Anderen, das nicht unser Leben ist, nicht unsere Geschichte, nicht unsere Kultur. Und es gibt unser Leben, unsere Geschichte, unseren Erfahrungsraum, den wir das „christliche Abendland“ nennen. Diese Unterscheidung hält Raspail für wesentlich. Ist er deswegen schon ein Rassist, wie es ihm linke Kritiker vorwerfen?

Zwei Jahrzehnte ist Raspail als Abenteurer unterwegs gewesen, hat bedrohte Völker besucht und in seinen Büchern ihre Bedrohung durch die moderne Zivilisation beschrieben. Das Fremde war ihm allzu gut bekannt, aber als Fremdes. Viele so genannte „Antifaschisten“, die sich lautstark zu Anhängern des „Anderen“, des „Fremden“ machen, haben ihr Kinderzimmer nie verlassen. Die Rassismus-Keule dieser Linken trifft Raspail durchaus in einigen Szenen, an denen er das Leben an Bord der Armada als ein wollüstig-animalisches Vegetieren schildert (wobei man ihm dabei aber auch den Geist der siebziger Jahre zu Gute halten kann, der ja auch die „rassistischen“ Blaxspoitation-Movies hervorbrachte). Sie trifft ihn aber nicht in seinem Versuch, das je Eigene der Kulturen herauszuarbeiten und auf einer kulturellen Authentizität der Völker zu beharren, was übrigens ein linker Ethnologe wie Lévi-Strauss auch getan hat.

Raspail formuliert die bedenkenswerte These, dass die Globalisierung, die mit dem Entstehen der so genannten „dritten Welt“ ihren Ausgang nahm, die Substanz des katholischen Selbstverständnisses angreifen und letztlich zerstören muss, weil sie die Identifikationsmuster dieses Katholischen auslöscht, das ja in seiner Geschichte immer auch mit einer Freund/Feind-Opposition gearbeitet hat.

Quelle: etnunc

Jean Raspail
Das Heerlager der Heiligen
Verlag Antaios 2015
ISBN: 978-3944422121

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Hilaire Belloc – Gegen Mächte und Gewalten / Buchempfehlung am Sonntag

Von alten und neuen Feinden der katholischen Kirche

Zweifellos kann bereits der Titel des hier zu empfehlenden Buches kaum aktueller sein: „Gegen Mächte und Gewalten“. Und im Untertitel wird noch deutlicher, was damit gemeint ist, nämlich „Die alten und neuen Feinde der katholischen Kirche“.

Nach „Der Sklavenstaat“ und „Die großen Häresien“ ist mit diesem Buch bereits das dritte von Hilaire Belloc im noch jungen Renovamen-Verlag erschienen. Die Krisen der Welt und jene der katholischen Kirche finden hier wie dort ihren Niederschlag. „Gegen Mächte und Gewalten“ scheint nun gerade für die heutige Zeit geschrieben worden zu sein; gerade für die Kirche.

Im Vorwort von Robert Hickson wird dies deutlich. Er weist auch darauf hin, dass Belloc „den modernen Geist als einen Geist, der nicht im Glauben verwurzelt ist“ ansieht und stattdessen „träge, blind und obrigkeitshörig“ sei. Hickson schreibt:

„Belloc beschreibt sehr treffend das den modernen Geist auszeichnende Prinzip, eine nicht auf Vernunftgründen beruhende Autorität blind zu akzeptieren, und stellt fest, dass dieses das ganze Elend durchziehe und verdichte: ‚Mode, Presse und die blinde Wiedergabe sind die Führer, denen unterwürfig gehorcht und vertraut wird‘.“

Der Autor des Vorwortes wirft einen Blick auf die katholische Kirche und lässt den Leser mit-überlegen:

„Vielleicht denken wir in diesem Moment an das fortwährende Wortgeklingel langatmiger amtlicher Schriftstücke, die teilweise ihren Ursprung den vielen und zwielichtigen Bischofskonferenzen mit ihren geschwätzigen Reden verdanken, und an die zuweilen anspruchslosen Predigten kirchlich Hochgestellter, nicht zuletzt begleitet von Presseinterviews, die progressistische, gelegentlich auch nach Ausflüchten suchende Prälaten geben? Erinnern wir uns hier nicht auch ihrer rabulistischen Parteigänger samt deren penetrant lautstarken Unterstützern aus dem Laienstand, die Neuerungen unterstützen und sich gegen altbewährte Tradition wenden?“

Belloc ermahnt, nicht unhinterfragt alles zu akzeptieren. Nicht blinder Glaube soll uns leiten, der völlig von der Vernunft getrennt wäre. Achten wir nur selbst einmal darauf, wie mit den derzeit drei wichtigen Themen der Kirche daselbst umgegangen wird: dem Klimawandel, dem Umbau der Kirche durch den Synodalen Weg und der Coronakrise.
Natürlich reflektiert Belloc (1870–1953) nicht die heutigen Krisen, er starb am 16. Juli 1953. Dennoch ist sein kritischer Geist auch für uns Heutige ein Ansporn, seinem denkerischen Weg nachzugehen. Nicht nur, dass tatsächlich so manche Parallelen festzustellen sind, auch seine Analysen sind so pfiffig wie aktuell. Im Übrigen ist Bellocs Sprache gut verständlich und nachzuvollziehen. Er hat „keine Geduld mit Leuten, die den armen kleinen Gesellen mit Wörtern wie ‚subjektiv‘ und ‚objektiv‘ verwirren“. Die Deutschen bezeichnet er als „benebelt“, da sie die Klarheit von René Descartes (Begründer des Rationalismus) „missverstanden“ hätten.

Interessant für den Schreiber dieser Zeilen sind die Erwägungen über das Ordensleben, die sich in dem Kapitel über den Antiklerikalismus finden. Dies im Besonderen darum, weil Papst Franziskus in den letzten Jahren zwei wichtige Dokumente über die Ordensfrauen erlassen hat, die die vorhergehenden, über viele Jahrzehnte bewährten Dokumente nun durch seine Schreiben ersetzen. Es handelt sich um die Apostolische Konstitution „Vultum Dei quaerere“ (2016) und die dazugehörigen Ausführungsbestimmungen, die in der Instruktion „Cor orans“ (2018) festgeschrieben sind. Auf diese neuartige Gesetzgebung soll hier nicht weiter eingegangen werden, außer dass gesagt werden muss, dass die Selbstbestimmungsrechte von Ordensfrauen, insbesondere derer in klausurierten, also abgeschlossenen, kontemplativen Orden, gravierend eingeschränkt worden sind.

Dies ist zu sehen vor dem Hintergrund des sogenannten Klerikalismus, dem heute sowohl vom Papst als auch von hohen Würdenträgern der Kirche der Kampf angesagt wurde. Und zwar dem Klerikalismus in der Kirche. Obgleich viele Würdenträger vielfach gerade jetzt massivst die Macht an sich ziehen, geben sie sich dennoch als Demokraten und Antiklerikale aus. Im Zusammenhang mit der neuen Ordensgesetzgebung sprechen wir also von einem Klerikalismus, der im universalen katholischen System beheimatet ist und hier auch das Ordensleben und das Mönchtum betrifft. Belloc stellt fest, dass Antiklerikale die Orden unbehelligt lassen müssten. Da dies unter dem Pontifikat des Bergoglio-Papstes nicht geschieht, stellt Belloc dazu passend die Frage, ob der „Antiklerikale ganz schnell zum Antikatholiken“ werden könnte. Und er behauptet: „Ganz ohne Zweifel.“

In Bezug auf mancherlei Klöster, die in den letzten Jahren durch Römische Anweisung ihre Pforten schließen mussten, liest man bei Belloc den Satz: „Wenn man aber die Ordensgemeinschaften aufhebt, erhält man die Gelegenheit, ihren Besitz zu plündern.“ Tatsächlich werden nämlich „Orden, die lediglich kontemplativ waren […] aus ihren Klöstern vertrieben“ und deren Besitz beschlagnahmt.

Zugegeben, Belloc formuliert harsch, und er denkt dabei nicht zuerst an die Hirten der Kirche. Doch wir sind heute fähig, die Gedanken und das Urteil von Hilaire Belloc weiterzudenken.

Vor dem Hintergrund der im Zusammenhang mit Covid-19 stark rückläufigen Kirchensteuereinnahmen entstehen den Kirchenverwaltungen gewaltige Finanzlücken. So passt auch jener Satz aus dem Buch „Gegen Mächte und Gewalten“ erhellend und angstmachend zugleich:

„Zuletzt gelangt man zum bewährten Prinzip, dass Klöster und Konvente unterschiedslos zu plündern seien. Sie seien zu enteignen, ihre Mitglieder seien zu zerstreuen oder, sollten sie sich nicht zerstreuen, zu exilieren.“

Gott bewahre uns davor. Auch von der gespenstischen Aussicht:

„Mönchen und Nonnen werden die bürgerlichen Rechte entzogen.“ … „Sie dürfen sich nicht zusammenschließen.“ … „Und so endet das Ganze: mit einer massiven Verletzung der fundamentalsten Prinzipien, von denen der „Liberalismus“ – anfänglich – ausgegangen war.“

Zuerst erschienen bei katholisches.info

Hilaire Belloc.
Gegen Mächte und Gewalten.
Die alten und neuen Feinde der katholischen Kirche.
Renovamen-Verlag 2020
ISBN 978-3956211386
248 Seiten; 16 Euro.

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Hl. Philipp Neri – 26. Mai

Nachdem einige große Heilige namentlich benannt werden, denen es gelang „Frömmigkeit mit Bildung, das Setzen ästhetischer Maßstäbe mit Wohltätigkeit zu vereinen“ heißt es weiter: „Für diese Heiligen wäre die moderne Unsitte, die drei Säulen der Kirche – Liturgia, Diakonia und Martyria – gegeneinander auszuspielen und gar eine Rangfolge unter ihnen herzustellen, in der die Diakonia, die tätige Nächstenliebe, den ersten Rang behauptet, ein Höhepunkt an Absurdität gewesen.“

Diesen Satz, der auf die derzeitige und nicht zu unterschätzende Kirchenkrise hindeutet, lesen wir im Vorwort der großen Biographie „Leben des heiligen Philipp Neri“. Dieses Vorwort wurde von Martin Mosebach verfasst und er bescheinigt unserem Heiligen, dass er dem Wort des Apostels Paulus „Seid allen alles!“ beispielhaft entsprochen habe.

Die vorliegende Biographie stammt von aus der Feder von Piero Giacomo Bacci, der selbst Mitglied des Oratoriums war und den heiligen Philipp noch kennenlernen durfte. Er verfasste die erste ausführliche Lebensbeschreibung von ihm, die nun neu von den beiden Herausgebern Markus Dusek und Paul Bernhard Wodrazka mit einer ausführlichen Einleitung versehen in deutscher Sprache durch den EOS-Verlag St. Ottilien verlegt wurde.

Pater Piero Giacomo Bacci hegt die Hoffnung, dass es Gott gefallen möge, „dass die Lektüre dieses Buches dem frommen Leser dieselben reichen geistlichen Früchte“ bringen möge, wie es „das Leben und die Briefe“ des heiligen Philipp Neri „schon verschiedentlich hervorgebracht haben“.

Das Buch mit den ausführlichen Erzählungen des Lebens des heilig Philipp Neri richtet sich nach diesen Worten also zuerst an die „frommen Leser“. Andere werden damit kaum etwas anfangen können, wenn Gott nicht seine Gnade dazu gibt.

In dem Bericht über die Kindheit des 1515 in Florenz geborenen Philipp geht hervor, dass der Junge gute Charaktereigenschaften besaß und ein „äußerst frommer Geist“. Er besuchte oft Kirchen und Klöster, eher er mit achtzehn Jahren einen richtigen Beruf erlernen sollte. Er führte einen „ungewöhnlich frommen Lebensstil“. In Rom studierte er Philosophie und Theologie. Doch bald suchte er nur jene Wissenschaft, die man „allein im Kreuz“ findet. Er unterbricht sein Studium, verkauft seine Bücher und verschenkt den Erlös. Von nun an vertieft er sich ins Gebet und und übt sich in „allerlei körperlicher Abtötung“.

Mit neunundzwanzig Jahren verändert ein Beben in seinem Herzen sein bisheriges Leben. Zunächst gründet er eine Bruderschaft um bald „im Gehorsam“ die Priesterweihe zu empfangen (1551). Von nun an tritt er in noch größerem Eifer für den Glauben ein in Vorträgen, Beicht-hören und der Zelebration der heiligen Messe.

Im Jahre 1575 kommt es zur Gründung der Kongregation des Oratoriums. Philipp verlangte von den Mitgliedern seiner Gemeinschaft, dem Oratorium, dass sie täglich die Messe zelebrierten. Die Vormittage der Sonn- und Feiertage, am Mittwoch und Freitag sollten sie im Beichtstuhl zubringen. Seine Priester sollten selbst „mindestens dreimal wöchentlich zur Beichte“ gehen. Der Biograph berichtet, dass sich Philipp Neris Frömmigkeit sogar auf Menschen übertrug, mit denen er zu tun hatte; er sagte z. B.: „Ich will zu Gott für dich beten und du wirst es spüren“.

Ein Kapitel widmet sich der jungfräulichen Reinheit Philipps. Dies nicht nur in seinen Jugendjahren, auch als Priester, denn „der Teufel versuchte mehrmals seine vollkommene Reinheit zu beflecken“. Auch hierzu hat der Biograph zahlreiche Beispielerzählungen.

Philipp Neri stirbt am 26. Mai 1995 in der Nacht nach dem Fronleichnamstag.

Pater Piero Giacomo Bacci berichtet nun weiter, etwa dass Philipp Neri Ekstasen und Visionen hatte. Sie geschahen nicht immer zu seinem Trost, denn er hatte auch solche, „in denen er böse Geister sah“, die dazu dienten „ihn zu prüfen und andere zu belehren“.

Desweiteren ergänzen unzählige Wunderberichte die Lebensbeschreibung, die sowohl zu Lebzeiten des Heiligen geschahen als auch nach seinem Tod. Er besaß auch die Gabe der Weissagung sowie die der Bilokation (gleichzeitiges Erscheinen bei verschiedenen Personen an verschiedenen Orten).

Philipp Neri war ein gesuchter Beichtvater und Seelenführer. Kardinal Bandini berichtet folgendes: „Sein Ruf als Heiliger war so groß, dass jedermann ihn verehrte und viele glaubten, keinen Fortschritt auf dem Weg des Geistes machen zu können, wenn sie sich nicht unter seine Führung stellten.“ Weiter heißt es im Bericht des Kardinals: „Wer den seligen Philipp kannte und seine Lebensweise gesehen hat, wer das reine und heilige Leben kennt, das er so viele Jahre hindurch geführt hat, kann keinen Zweifel darüber hegen, dass die Gnaden, die unser Herrgott durch ihn zu seinen Lebzeiten und nach seinem Tod gewirkt hat, echte und bedeutende Wunder sind.“

„Das Leben des heiligen Philipp Neri“ ist eine Fundgrube an Anregungen für das eigene geistliche Leben und eine Inspiration für das persönliche Gebet. Könnte denn ein so praktisch veranlagter Heiliger wie Philipp nicht auch über das Gebet schreiben? Er führte in den römischen Familien „das gemeinsame Gebet“ ein. Die Familienväter und -mütter trafen „sich allabendlich mit den Bewohnern des Hauses in ihren Gebetsräumen“ um dort so zu beten, wie es auch im Oratorium geschehe.

Der Biograph berichtet auch von Stoßgebeten, die Philipp empfohlen hatte. Denn er, der selbst viel betete, hielt auch die Gläubigen zu den kurzen Anrufungen an. Einige der Stoßgebete die der heilige Philipp Neri lehrte und zeitlose Gültigkeit besitzen, seinen hier erwähnt:

„O Gott komm mir zu Hilfe, Herr, eile mir zu helfen!“

„Herr, gedenke nicht meiner Sünden!“

„Entzünde in mir das Feuer Deiner Liebe!“

„O mein Jesus, ich wünsche mir, Dich zu lieben!“

„O mein Jesus, ich werde nie lernen, Dich zu lieben, wenn Du mir nicht hilfst!“

„Ich will Dich lieben, o meine Jesus, aber ich finde den Weg nicht!“

„Wenn Du mich willst, o Jesus, beseitige alle Hindernisse!“

Zuerst veröffentlicht inSchweizerisches katholisches Sonntagsblatt 29.9.2019.

 

Pietro Giacomo Bacci
Leben des hl. Philipp Neri
hrsg. von Markus Dusek und Paul Bernhard Wodrazka
Mit einem Vorwort von Martin Mosebach
EOS-Verlag 2019
Zahlreiche Abbildungen mit Stichen von Francesco Donia
706 Seiten; 39,95 Euro
ISBN: 978-3-8306-7936-3

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Corona-Krise und unsere Begegnung mit ihr – eine Buchempfehlung

Jeder von uns ist von der sogenannten „Corona-Krise“ betroffen. Selbst jene, die wie die überwältigende Mehrheit der Menschen NICHT an Convid-19 erkrankt sind, erfahren tagtägliche deren Auswirkungen. Kaum jemand ist in der Lage, sich diesem Hype zu entziehen: Ein jeder ist bemüht, sich selbst und andere zu schützen. Die meisten Menschen nehmen das sehr ernst: sie halten Abstand, tragen Einmalhandschuhe und Mundschutz. Vor allem halten sie sich von anderen Menschen fern, sie halten Abstand voneinander.

Völlig losgelöst von der Frage nach der tatsächlichen Gefahr, die von dem Corona-Virus ausgeht, stellen wir fest, dass sich die Menschen aus dem Weg gehen. Aus Sorge, andere anzustecken? Aus Angst, angesteckt zu werden? Wir wenden uns von den Menschen ab, obwohl wir, so menschenfreundlich wir sind, einem jeden zurufen: bleiben Sie gesund!

Hilfe für die wirklich Betroffenen: die in verschiedensten Einrichtungen kasernierten Behinderten etwa, die wochenlang ihre Einrichtungen (Heime, Wohngruppen usw. nicht verlassen dürfen, noch Besuch empfangen können; aber auch die wirklich Kranken, überlassen wir getrost den professionellen Diensten.

Und wir stellen fest: selbst die Kirche zieht sich fast völlig zurück. Und dies, so scheint uns, ist etwas neues, etwas, das es in der Kirchengeschichte so noch nicht gegeben hat. Denn stets waren es die Diener der Kirche, Priester und Ordensleute, aber auch die Gläubigen selbst, die sich einer konkreten Situation angenommen und tatkräftig geholfen haben. Dabei waren die Sakramente immer im Vordergrund gegenwärtig: Beichte, Taufe, Kommunion, Sterbesakrament.

Blicken wir auf eine Heilige, die in unserem Deutschland lebte und wirkte: die heilige Elisabeth. Über sie hat Frau Dr. Barbara Stühlmeyer ein Buch geschrieben, das ich SEHR empfehlen möchte.

Hier lesen Sie hier daraus das Kapitel „Im Dienst der Kranken“:

Dass es in Marburg ein neues Hospital gab, in dem eine ehemalige Landgräfin sich aufopfernd um die Kranken kümmerte, sprach sich schnell herum. Vor allem wanderte die Nachricht, dass Elisabeth auch Bettler und Mittellose willkommen hieß und mitunter überreich beschenkte, von Mund zu Mund. Angesichts der öffentlichkeitswirksamen Aktion, mit der Elisabeth für ihr Hospital warb, ist das allerdings wenig erstaunlich.

Denn als sie ihr Witwengut von 2000 Mark erhalten hatte, ließ sie im Umkreis von 20 Kilometern um Marburg – was etwa einer Tagesreise für jemanden entspricht, der nicht ganz so gut zu Fuß ist – verkünden, dass sie ein Viertel dieser Summe an die Armen verteilen werde. Um zu verstehen, welche Bedeutung diese Summe für die so Beschenkten hatte, lohnt sich der Blick auf ein Rechenbeispiel. Für eine Mark, die als Zähleinheit im Mittelalter 144 Pfennige umfasste, konnte man mehr als fünfhundert Heringe kaufen. Schon mit einer einzigen Mark konnte Elisabeth also mehrere hundert Menschen für einen Tag satt und glücklich machen. Kein Wunder, dass die Armen aus der Region in Scharen herbeiströmten, denn die neue Leiterin des Spitals verteilte zusätzlich zu den 72 000 Pfennigen noch Brot und bot dazu warme Getränke an. Die Vita schildert, wie aufmerksam und gerecht sie dabei vorging. Denn natürlich herrschte auch unter den Armen und Kranken der Gesellschaft keine uneingeschränkte Nächstenliebe.

„Nach dem Weggang der kräftigen Leute“, so schildert es die Lebensbeschreibung der Heiligen, blieben in der folgenden Nacht bei Mondschein sehr viele schwächere und kranke Personen am Zaun des Krankenhauses und in den Winkeln des Hofes liegen.“ Und ihre Hoffnung gab ihnen Recht, auch ihnen gab Elisabeth von ihrem Reichtum ab und versorgte sie mit Nahrungsmitteln. Als die Armen vor Freude zu singen begannen, sagte Elisabeth zu ihren Dienerinnen:

Seht, ich habe euch doch gesagt, wir sollen die Menschen froh machen.

Auch wenn die Rolle der edlen Spenderin sehr gut in das Verhaltensmuster einer Landgräfin passte, die Szene blieb ein Einzelfall. Der Alltag Elisabeths entsprach vielmehr genau der radikalen Nachfolge des armen Jesus, nach der sie sich schon seit Jahren gesehnt hatte. Die ehemalige Fürstin verrichtete die einfachsten Handarbeiten. Sie kochte, putzte und spann Wolle, die sie im Kloster Altenberg, in dem ihre Tochter lebte, verkaufte, um so zum Unterhalt des Hospitals beizutragen. Allerdings war sie als Hausfrau nur schwach qualifiziert. Schon auf der Wartburg hatte sie manch einen mit den unbeholfenen Versuchen, eigenhändig eine Kuh zu melken, belustigt.

Elisabeths Dienerinnen berichten in ihrer Lebensbeschreibung über ihre eifrigen, aber unzulänglichen Versuche, Haus und Handarbeit zu verrichten:

Sie bereitete

„Speisen, aber ganz unschmackhaft, weil sie weder kochen konnte noch das Nötige dafür zur Verfügung hatte. Wegen ihrer überaus großen Armut gab sie sich oft mit wässrigen Suppen aus Hülsenfrüchten oder Krautblättern zufrieden. Diese an sich schon erbärmliche Speise, die sie wegen ihres Betens unaufmerksam zubereitete, schmeckte dann auch noch angebrannt. Wenn die selige Elisabeth Kochtöpfe säuberte und wegen anderer Beschäftigungen der Mägde einfache und armselige Speisen aus Kräutern und Hülsenfrüchten ohne Gewürz und unschmackhaft, so gut sie konnte, selbst zubereitete oder wegen zu dürftiger Kleidung unter Kälte litt, kam sie oftmals dem schwachen Feuer nahe. Sie hatte nämlich ihre Kleider ohne Rücksicht auf sich selbst an die Armen verschenkt. Da geschah es dann manchmal, dass sie bei der Arbeit ihrer Hände in Gebet oder Beschauung versunken mit Augen und Herz mehr dem Himmel zugewandt war (in dieser Haltung pflegte sie stets zu beten, wenn sie allein war) und eine Flamme oder ein Funke ihre armseligen Kleider ergriff, große Löcher hineinbrannte und sie verdarb. Aber sie merkte den Brand nicht, bis eine der Mägde zurückkehrte, den Geruch wahrnahm und das Feuer ausschlug. Elisabeth, durch die lauten Vorwürfe der Magd wieder zu sich gekommen, suchte hier und dort einfache Lappen jedweder Farbe zusammen, nähte sie eigenhändig an und beseitigte den Brandschaden so gut wie möglich. In dieser Weise besserte sie auch alte, zerrissene Stellen ihres verschlissenen Gewandes aus, indem sie es, obwohl der Nadel unkundig, mit billigen Fetzen flickte.“

Es ist also wenig erstaunlich, dass Elisabeth ungeachtet ihres Eifers wirtschaftlich gesehen nicht besonders erfolgreich war. Die Preise, die sie in Altenburg für ihre selbstgesponnene Wolle erzielte, waren gering, was der minderwertigen Qualität ihrer Handarbeit geschuldet war. Allerdings hatte Elisabeth inzwischen einen Punkt erreicht, an dem sie tatsächlich mit dem auskommen musste, was sie erwirtschaftete, denn sowohl ihre kostbaren Kleider, als auch ihr Schmuck und aller Hausrat von Wert waren nach und nach verkauft worden, um das Geld den Armen zu geben. Was ihr an Geschicklichkeit im häuslichen Bereich fehlte, machte sie jedoch durch ihre bewundernswerte Hingabe bei der Krankenpflege wett. Was sie anging, lachte niemand über Elisabeth, die, wie zahlreiche Zeitgenossen berichten, beispielsweise einen gelähmten Jungen Nacht für Nacht mehrmals auf ihren Schultern zum Abort trug, dessen Bett sie säuberte und um den sie sich in jeder Weise liebevoll kümmerte.

Dass viele der Wunderberichte, die später im Zuge ihres Heiligsprechungsprozesses zusammengetragen wurden, Kinder betreffen, hängt auch damit zusammen, dass Elisabeth ihnen besonders zugetan war. Wir erkennen hier ein wenig von dem Zwiespalt Elisabeths. Sie war eine liebende Mutter. Ihre Kinder ließ sie aber, weil das Leben, zu dem sie sich berufen fühlte, untragbar für sie gewesen wäre und vielleicht ebenfalls zu einem frühen Tod geführt hätte, standesgemäß erziehen und kümmerte sich stattdessen um die armen Kinder.

(Siehe auch HIER)

 

Barbara Stühlmeyer
Elisabeth von Thüringen: Spiritualität – Geschichte – Wirkung (Topos Taschenbücher) (Deutsch)
160 Seiten; 12 Euro;
ISBN: 978-3836711258

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Geistiger Missbrauch als „tödlicher Krebs“

In dem Beitrag „Ein Kartäuser spricht über Missbrauch“ berichtet die TAGESPOST über ein Buch des Generalminister der Kartäuser. Dom Dysmas de Lassus stellt fest, dass es nicht alleine um sexuellen Missbrauch geht. Er hat sich vier Jahre mit den Fragen befasst:

Was ist ein geistiger Missbrauch?
Wie kann man ihn erkennen?
Und wie reagiert die Kirche darauf?

Dom Dysmas gab kürzlich einer franz. Zeitschrift ein Interview, auf das sich die TAGESPOST in ihrem Bericht bezieht:

Geistiger Missbrauch als „tödlicher Krebs“

Aus diesem Anlass veröffentlicht die französische katholische Wochenzeitschrift Famille Chrétienne ein ausführliches Gespräch mit dem Ordensmann. Dabei geht es nicht nur um sexuellen Missbrauch und dessen Aufarbeitung innerhalb der Kirche – Dom Dysmas hat sich die Frage gestellt, wie es auch zu geistigem Missbrauch kommen kann. Diesen bezeichnet er als „tödlichen Krebs“. Die Schweizer Bischöfe hätten den geistigen Missbrauch als „Ausnutzung eines moralischen Einflusses“ bezeichnet. Was so viel bedeute, dass jemand, der einen moralischen Einfluss ausübt (wie etwa Eltern, Lehrer, geistlicher Vater oder Oberer) anstatt diesen im Sinne des Dienstes auszuüben, ihn zur Ausnutzung eines anderen Menschen für seine eigenen Zwecke einsetzt: „In einem kirchlichen Kontext könnte man sagen, dass die Macht für die Schäfchen zu einer Macht über die Schäfchen wird. Der Hirte ist nicht mehr im Dienst der Schäfchen, sondern die Schäfchen sind im Dienst am Hirten. Letztlich besteht die Frage darin, wie dieser Einfluss ausgeübt wird und welche Grenze man ihm setzt“. Je größer er sei, desto eher könne er zum Guten oder Bösen eingesetzt werden.

Bei seinen Überlegungen konstatiert Dom Dysmas, dass in den meisten Fällen „ein Pater Abt, der entgleist, nicht von Anfang an eine perverse Persönlichkeit ist. Es sind die Zeit, das Umfeld und dann Stolz, Ruhm und Macht“, die diese Wirkung entfalteten.

Gehorsam „nicht einem Menschen, sondern Gott“ geschuldet

Das Kirchenrecht bietet ausreichend Handhabe gegen Missbrauchstäter, wenn es konsequent umgesetzt würde, so der Untersekretär beim Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte. Zudem seien neue geistliche Gemeinschaften besonders anfällig für geistlichen Missbrauch, so Graulich.

Oftmals seien sich die auf Abwege geratenen Oberen nicht bewusst, dass sie andere Menschen geistig missbrauchen. Im Allgemeinen gehe einem sexuellen Missbrauch ein geistiger Missbrauch voraus, sagt Dom Dysmas:

„Ich kann Ihnen versichern, dass manche Missbrauchstäter, die ich getroffen habe, noch immer nicht das Problem verstanden haben! Unglaublich ist, dass intelligente Menschen Missbräuche mitunter rechtfertigen können und sagen: ‚Das ist ein so großes Geschenk, das uns Gott anbietet, dass dies für uns erlaubt ist.‘ Noch schlimmer: Man kann Aussagen von Opfern lesen, die davon berichten, dass der Obere meinte, Gott erlaube dies nicht nur, sondern wolle es sogar!“

In seinem Buch sage Dom Dysmas nichts Neues oder Außergewöhnliches über den Ordensgehorsam. Aber er sei bestürzt darüber, „dass die Dinge, die allen bekannt sein sollten, es nicht sind!“ Der rechte Gehorsam sei „nicht einem Menschen, sondern Gott“ geschuldet. Er realisiere sich allerdings „vermittels eines Menschen“. Man müsse daher „den Gehorsam einem Oberen gegenüber stets als Chance sehen, Gott durch einen ganz konkreten Akt zu gehorchen. Dies ermöglicht, dem Fegen eines Klosters einen erstaunlichen Sinn zu verleihen. Aber natürlich muss die verlangte Handlung immer mein Menschsein respektieren. Ein Ordensangehöriger ist ein mit Verstand ausgestatteter Mensch und verantwortlich für seine Taten. Im Allgemeinen beginnen die Probleme dann, wenn sich der Gehorsam auf den Oberen konzentriert“.

Quelle: DIE TAGESPOST vom 5. März 2020

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Das Buch des Kartäuser-General trägt den Titel:
Risques et dérives de la vie religieuse – Il n’y a pas que des abus sexuels dans l’Église. Il y a aussi des abus spirituels.
(auf Deutsch etwa „Risiken und Abwege des Ordenslebens – es gibt in der Kirche nicht nur sexuellen Missbrauch. Es gibt auch geistigen Missbrauch“).

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Liebe Brüder im priesterlichen Amt …

… ich möchte offen mit Euch reden.

Ihr scheint verloren, entmutigt, vom Schmerz überwältigt zu sein. Ein furchtbares Gefühl der Verlassenheit und der Einsamkeit erdrückt Euer Herz.

In einer von Unglaube und Gleichgültigkeit verseuchten Welt ist es unvermeidbar, dass der Apostel leidet:

Der von Glaube und apostolischer Liebe glühende Priester stellt schnell fest, dass die Welt, in der er lebt, verkehrt zu sein scheint. Dennoch kann das Mysterium, das in Euch ist, die Kraft schenken, inmitten der Welt zu leben. Und immer dann, wenn der Diener des »einzig Notwendigen« sich bemüht, Gott ins Zentrum seines Lebens zu setzen, bringt er etwas Licht in die Dunkelheit.

Mit dem Priestertum steht die sakramentale Kontinuität der Liebe des Guten Hirten auf dem Spiel. Ich ergreife also das Wort, damit überall in der Kirche, in einem wahrhaften synodalen Geist, ein befriedetes und betendes Nachdenken über die geistige Wirklichkeit des Weihesakraments stattfindet.

Und ich flehe die einen wie die anderen an:
Lasst uns hier nichts übereilen!

Wir werden die Dinge nicht innerhalb weniger Monate ändern können. Wenn unsere Entscheidungen nicht in langer Anbetung verwurzelt sind, dann werden sie nicht mehr Zukunft haben als jene Schlagwörter und politischen Reden, die so schnell aufeinander folgen und in Vergessenheit geraten.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat uns eine wunderbare lectio divina geschenkt, in der er zu den biblischen Ursprüngen des Mysteriums des Priestertums zurückführt.

Ich möchte meinerseits in aller Demut einen pastoralen Blick auf dieses Sakrament werfen. Unsere Überlegung über das Priestertum darf nicht nur der Aktualität geschuldet sein oder auf eine soziologische Analyse reduziert werden.

Es ist unbedingt notwendig, sie mit geistlicher Betrachtung zu nähren und sie durch Theologie zu strukturieren. Sie muss aber auch konkret sein. Ich habe beobachtet, dass man sich oft darauf beschränkt, an die theoretischen Prinzipien zu erinnern, ohne daraus die praktischen Folgen zu ziehen.

Wenn man sich der Theologie des Priestertums widmet, reicht es nicht aus, an den Wert des Zölibats zu erinnern. Man muss daraus auch die konkreten ekklesiologischen und pastoralen Folgen ziehen.

Während der Amazonas-Synode habe ich mir die Zeit genommen, den Menschen vor Ort und erfahrenen Missionaren zuzuhören. Dieser Austausch hat mich in der Überzeugung bestärkt, dass die Möglichkeit, verheiratete Männer zu weihen, eine pastorale Katastrophe, eine ekklesiologische Verwirrung und eine Verdunkelung im Verständnis des Priestertums darstellen würde. Um diese drei Themen ordnen sich die Überlegungen an, die ich nun anstellen möchte.

(Kardinal Robert Sarah. Aus der Tiefe des Herzens. 60-62.)

 

Kardinal Robert Sarah.
Aus der Tiefe des Herzens.
Priestertum, Zölibat und die Krise der katholischen Kirche.
FE-Verlag 2020.
ca. 150 Seiten; 16.80 Euro.
ISBN: 9783863572556

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Hoffnung der Welt

Guillaume d’Alançon im Gespräch mit Raymond Leo Kardinal Burke.

Gerade noch rechtzeitig, um den weihnachtlichen Gabentisch der Katholiken zu bereichern, erreicht ein weiteres Gesprächsbuch mit einem der wichtigsten Kardinäle der Kirche den Buchhandel. Der Renovamen-Verlag veröffentlicht mit „Raymond Leo Kardinal Burke. Hoffnung der Welt“ die Gespräche, die Guillaume d’Alançon mit ihm führte und dabei wichtige und heute notwendige Themen anspricht.

D’Alançon ist Buchautor, Beauftragter für Familie und Leben des Bischofs von Bayonne sowie Gründer des Familienzentrums „Accueil Louis et Zélie“, das mit bereits 25 Standorten in Frankreich Familien und Einzelpersonen hilft, aus schwierigen Situationen herauszukommen.

In seinem Geleitwort erinnert Hw. Paolo D’Angona, Priester der niederländischen Diözese Roermond, daran, dass Kardinal Burke eine Freundschaft mit dem amerikanischen Jesuitenpater John Hardon (1914-2000) verband, der zu ihm gesagt habe: „Nur heroische Katholiken werden die heutigen Zeiten überleben.“ Dass Kardinal Burke ein solcher Hirte ist, steht heute außer Frage. Dies zeigt sich nicht nur in seinem Leben, sondern auch in solchen Worten, wie sie in diesem Buch in sechs Kapiteln die Leser begeistern, aufrütteln und befähigen mögen, selbst heroische Katholiken zu werden.

Dankbar kann man dem Kardinal für die Beantwortung persönlicher Fragen zu seinem Werdegang im 1. Kapitel sein. Bereits im 2. Kapitel führt das Gespräch hin zu den großen Krisen in der heutigen Zeit, besonders in der Kirche. Die Notwendigkeit der geistigen Erneuerung wird im 3. Kapitel besprochen und klargestellt. Denn: „Die Kirche muss wieder zu einer theozentrischen Perspektive zurückkehren. Wir müssen den wahren Sinn der heiligen Messe wiederfinden.“ Diese sei „ein Geschenk Gottes“ und nicht etwas, das von uns ausgehe, das wir uns „zusammenbasteln“. Gerade die Heilige Messe sei wirklich „ein Geschenk Gottes, das uns trägt und von Sünden reinigt, durch sie werden wir von Gott in der Heiligung unseres Lebens unterwiesen, sie lässt uns in Glaube, Hoffnung und Liebe wachsen“. Burke verlangt geradezu, dass wir auch wieder „das rechte Verhältnis zwischen dem Glauben und der Kultur, in der wir leben“ entdecken müssten.

Im 4. und 5. Kapitel geht es um die Verkündigung des Evangeliums und darum, wie die Familien und das Leben geschützt werden können. Beides sind Voraussetzungen für ein christliches Gemeinwohl.

„Alles in Christus erneuern“ lautet das 6. Kapitel. Darin geht es wesentlich um das wirkliche Apostolat der Laien und ihren Auftrag in der Kirche. Kardinal Burke möchte, dass sie sich „ihrer Sendung, um nicht zu sagen ihrer besonderen Berufung wirklich bewusst werden: der Berufung nämlich zur christlichen Aufbauung der zeitlichen Ordnung“. Diese bestehe darin, „Mentalität und Sitte, Gesetz und Strukturen der Gemeinschaft, in der jemand lebt, im Geist Christi zu gestalten“.

Das Buch von Kardinal Burke „Hoffnung der Welt“ ist wirklich ein aufbauendes Buch für die Laien in der Kirche, die ja keine Ersatzpriester sein können. Burke lässt sie nicht alleine, sondern stärkt ihre Berufung:

„Das Laienapostolat muss – dies ist das Wichtigste – aus der Quelle der heiligen Liturgie, aus Gebet und Frömmigkeit hervorgehen. Aus der Verbindung mit Christus in Liturgie, Gebet und Frömmigkeit empfangen wir nämlich erst den Antrieb und die Kraft, Christus zu den anderen zu bringen – vor allem in die eigene Familie, die unsere unmittelbare Gemeinschaft ist. Christliches Leben ist von Natur aus missionarisch. Wenn man die große Freude erfährt, die aus der Beziehung zu Christus erwächst, ist es unmöglich, diese nicht mit anderen teilen zu wollen.“

Der Kardinal erinnert an die heilige Therese von Lisieux, die sogar in ihrer Klosterzelle sich ihre große Missionarsseele bewahrt habe. „Sie dachte an Indien, an die Missionare, die das Evangelium an den Rändern der Welt verkünden.“ In diesem Sinne appelliert er: „Für uns allerdings ist das Missionsland hier, vor der Haustür, in einer Welt, die heute eigentlich nicht mehr christlich ist. Diese Welt hat sich verändert und wir müssen den banalen Alltag neu mit dem christlichen Geist erfüllen, die Wirtschaft, die Erziehung, die Politik, die Medizin.“ Hier sei das originäre Betätigungsfeld der Laien und hier könnten sie „zur Verwandlung der Welt beitragen“.

Für die vielen positiven Hinweise, wie die gegenwärtige kirchliche Krise überwunden werden kann, ist Kardinal Burke zu danken. Ebenso für seine Hinweise auf die Wichtigkeit der Ehrfurcht, mit der allein das hl. Messopfer gefeiert werden darf. Er ruft auf, die hl. Kommunion kniend und als Mundkommunion zu empfangen. Er erinnert an die Wichtigkeit der Verehrung des Allerheiligsten Herzens Jesu.

Auch der Begriff des Königtums Christi sei heute weitgehend vergessen, weil er nicht verstanden werde. Dabei sei dies ein grundlegender Begriff, denn irgendetwas beherrsche das Leben eines jeden Menschen. Gerade Orientierung sei wichtig, nämlich im Sinne des Jesuswortes: „wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz“. Das „Soziale Königtum Christi, meine Beziehung und meine Freundschaft zu Christus verleihen allen anderen Aspekten meiner Existenz Sinn und Richtung. Wir sagen, dass Christus durch sein durchbohrtes Herz herrscht. Das ist ein Königtum der Opferliebe“.

Die letzte Frage von Guillaume d’Alançon an Raymond Leo Kardinal Burke lautet: Was ist Ihre Hoffnung für die Kirche?

„Meine Hoffnung ist, dass die Kirche ihr Wesen als Braut Christi immer treuer verwirklicht: In ihrer Lehre, in ihrer Liturgie, in ihrem Gebet, in ihrer Frömmigkeit und in ihrem sittlichen Leben. Meine Hoffnung ist, dass jede Ranke des Weinstocks, dass jedes einzelne Glied an Christi Leib sich Christus immer inniger anschließt, dass es ihn kennt, ihn liebt und ihm dient, und dass dadurch die Herrlichkeit Christi unsere Welt erleuchte in Erwartung seiner Wiederkunft, bei der er die Schöpfung dem Vater zurückgibt, um so ‚einen neuen Himmel und eine neue Erde‘ zu schaffen.“

Zuerst veröffentlicht bei kath.net

Raymond Leo Kardinal Burke
Hoffnung der Welt:
Guillaume d’Alançon im Gespräch mit Raymond Leo Kardinal Burke
Renovamen-Verlag 2019
180 Seiten; 14,00 Euro;
ISBN: 78-3956211409

 

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Klausur – Vom Leben im Kloster

„Klausur – Vom Leben im Kloster“ ist der Titel eines Fotobandes über zehn bayerische Frauenklöster. Ca. 225 teilweise ganzseitige und doppelseitige Fotos dokumentieren eine Ausstellung, die über mehrere Monate der Jahre 2012-2013 im Diözesanmuseum des Erzbistums München und Freising stattfand. Damit dies ermöglicht werden konnte, war eine mehrere Jahre dauernde Vorbereitungszeit notwendig.

Der Verlag Antje Kunstmann verlegte „Klausur. Vom Leben im Kloster“ als Band 61 der „Kataloge und Schriften“ des Diözesanmuseums Freising. Auf über 600 Seiten werden Einblicke in die eigentlich verborgene Lebenswelt der Klausur ermöglicht.

Das äußerst interessante Buch erzählt „Geschichten von Menschen und Orten: Von Frauen, die als Klosterschwestern in einer langen Tradition der Gottsuche stehen, die in ihrer Konsequenz und Radikalität für viele Zeitgenossen nur schwer nachvollziehbar ist.“ In zehn Themenkreisen wird vom Leben im Kloster erzählt. Dabei sind es vor allem die Fotos, die beeindrucken. Kleidung, Gebet und Ordnung sind nur drei Themenkreise die behandelt werden. Sie sind, wie die übrigen auch, wichtig um zu verstehen, was die Frauen in diesen Klöstern bewegte, dort zu leben. Zwischen den Seiten der schier unzähligen Fotos sind kurze Texte eingestreut, die in die Gegenwart der Nonnen und des Klosterlebens führen.

Christoph Kürzeder widmet das Buch allen „Sehnenden und Suchenden“. Er beschreibt die Ordensfrauen als Menschen, die an einem „ganz besonderen Ort“ leben würden. Sie hätten „die Sehnsucht nach einem Leben in einer Gemeinschaft von Menschen, die von einer gemeinsamen Vision getragen“ seien „in Teilen Wirklichkeit“ werden lassen.

Die so wichtigen Tätigkeiten der Ordensfrauen, seien sie in der Erziehung und der Pflege der Kranken oder auch missionarischen Aufgaben, sind nicht das Ziel, das sie ersehnen; auch nicht die Gründe für ihren Klostereintritt. Äbtissin M. Petra Articus gibt in ihren, in dem Buch eingestreuten Zitaten, von all dem Zeugnis. Auch die Worte von Heiligen und aus den Satzungen der Ordensgemeinschaften erhellen und weisen hin auf die eigentlichen Beweggründe des Klosterlebens: „Jesus verlangt von mir keine große Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit“ (Therese von Lisieux). Über das Gebet der Schwestern ist zu lesen, es gelte „nicht nur sich selbst oder der Gemeinschaft“, vielmehr seien sie „mit anderen Konventen verbunden und beten für verschiedenste Anliegen“.

Der Leser wird feststellen, dass er in den meisten Fotos einer ihm fremden Welt begegnet. Dies zeigen nicht nur die Photographien aus zehn Frauenklöstern und ihren veralteter Utensilien. Vielmehr wird es noch deutlicher an den gezeigten Ordensfrauen selbst, an ihren Gesichtern, die fast alle auf ein vorgerücktes Alter hinweisen. Darum ist es verständlich, wenn wir lesen, dass manche der gezeigten Klöster „innerhalb der nächsten Jahrzehnte“ verschwinden würden. Insofern ist das Buch eine „Geschichte des Abschiednehmens“ und ein „Dokument einer Zeitenwende“.

Zuerst veröffentlicht bei CNA

Thomas Dashuber und Christoph Kürzeder
Klausur – Vom Leben im Kloster
Verlag Antje Kunstmann, München 2016
Fotobuch, 17,4 x 4 x 23,6 cm
608 Seiten; 35,00 Euro
ISBN: 978-3956140983

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