Vor Gott sind tausend Jahre wie ein Tag

Es war ein einziges Wort, das für die Spaltung der Ost- und Westkirchen entscheidend wurde. Das war, als die Bischöfe des Westgotenreichs im Mai 581 im Konzil von Toledo dem damals 200 Jahre alten katholischen Glaubensbekenntnis des Konzils von Nizäa-Konstantinopel das lateinische Wort „filioque“ hinzufügten. Das heißt auf deutsch: „und dem Sohn“. Seitdem beten die Christen des Westens in ihrem Credo: „wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht“, wo es bis heute in den Ostkirchen in der alten Fassung weiter heißt: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht.“ Dogmatischen Rang erhielt dieser Zusatz im Westen unter Papst Benedikt VIII. und dann noch einmal im Jahr 1215, als die Entfremdung zwischen Ost und West schon weit gediehen war.

Doch im Grunde war es dieses eine und einzige Wort, das zum Stolper- und Meilenstein im Prozess der Spaltung zwischen der Ost- und Westkirche wurde. Abertausende höchst gelehrte Worte haben diese Spaltung danach und später nur vertieft und konnten sie nie heilen.

Und nun hat ein einziges Bild die Ost- und Westkirche unterhalb des Radars aller Nachrichtenkanäle auf eine Weise zusammengeführt, wie vielleicht noch nie zuvor. Das war, als an diesem Sonntag 70 orthodoxe Bischöfe mit zwei Kardinälen und etlichen römisch-katholischen Bischöfen und Geistlichen in dem Abruzzenstädtchen Manoppello die Göttliche Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos vor dem Schleierbild des „Heiligen Gesichts“ gefeiert haben, das dort über 300 Jahre lang in einer Seitenkapelle der Michaelskirche verborgen wurde, bis es im Jahr 1923 nach dem großen Erdbeben von 1915 erstmals in einem neu errichteten Aufbau über dem Hauptaltar öffentlich ausgestellt wurde, wo es seitdem Tag für Tag verehrt werden kann.

Zehn Jahre nach dem Besuch Papst Benedikts XVI. 2006 in diesem Heiligtum war jetzt der Besuch dieser gemischten orthodoxen Synode mit ihren lateinischen Brüdern das bedeutendste Ereignis im Prozess der Wiederentdeckung dieser geheimnisvollen Urikone Christi, die in Konstantinopel lange als „Hagion Mandylion“ verehrt wurde, nachher in Rom als „Sanctissimum Sudarium“ galt, bevor der Schleier dort auch noch „Sancta Veronica Ierosolymitana“ genannt wurde.

Ganzer Artikel von Paul Badde in DT vom 21.9.2016

Volto Santo die Manoppello (Foto Paul Badde)
Volto Santo die Manoppello
(Foto Paul Badde)

 

Benedikt und das menschliche Antlitz Gottes

(Paul Badde befragt Erzbischof Bruno Forte, der im Jahre 2006 unmittelbar dabei gewesen ist, als Papst Benedikt das Volto Santo in Manoppelle besuchte und verehrte.)

Wie erklären Sie denn den Widerstand gegen das Volto Santo, zum Beispiel aus Turin, selbst heute noch?

Das Grabtuch von Turin ist seit langem in aller Welt bekannt und verehrt. Dagegen scheint das Heilige Gesicht von Manoppello für manche immer noch als eine unerhörte Neuigkeit, die nicht in der gleichen Weise von der Wahrnehmung und Tradition aus dem Glauben des Gottesvolks gestützt wird. So ist es in Wirklichkeit aber nicht, wie ich hier gerade kurz in Erinnerung gerufen habe.

Zwischen diesen beiden unvergleichlichen Zeugnissen gibt es nicht nur überhaupt keinen Widerspruch, sondern es ist sogar längst eine perfekte Übereinstimmung und Entsprechung nachgewiesen worden. Die Trappistin Blandina Paschalis Schlömer hat an einer Vielzahl von übereinstimmenden Punkten die extreme Kompatibilität zwischen dem Antlitz auf der Sindone und dem Antlitz im Sudarium zwingend herausgestellt. Es deutet also vieles darauf hin, dass es zwischen den beiden Tüchern eine Beziehung gibt, die im heiligen Grab in Jerusalem begründet wurde. Jedenfalls zeigen das Grabtuch in Turin und das Schweißtuch in Manoppello auf unerklärliche und geheimnisvolle Weise denselben Menschen, einmal tot, einmal lebendig. Es ist Jesus Christus. Es ist der Herr.

Und was antworten Sie den Stimmen, die behaupten, das Christus-Porträt in dem Schleier von Manoppello sei einfach nur „gemalt“, und zwar von Menschenhand, wohl in der Zeit der Renaissance?

Im Schleier von Manoppello hat man in Untersuchungen unter dem Elektronenmikroskop auch in außergewöhnlichen Vergrößerungen keine Farbspuren gefunden. Das Bild ist nicht gemalt, sondern ein wahres Lichtbild – und das macht es noch einmal wertvoller, weil es uns damit quasi das einzige authentische Bild liefert, das wir vom Erlöser der Welt haben!

Benedikt und das menschliche Antlitz Gottes: Paul Badde im Gespräch mit Erzbischof Forte. Vor zehn Jahren kam Papst Benedikt nach Manoppello, um Christus zu sehen.

CNA – Deutsche Ausgabe 6.8.2016

Antlitz Christi im Heiligen Schweißtuch (Volto Santo in Manoppello)
Antlitz Christi im Heiligen Schweißtuch
(Volto Santo in Manoppello)