Abendgebet zum Herz Jesu Fest

Den letzten Gruß der Abendstunde
send‘ ich zu Dir, o göttlich Herz!
In Deine heil’ge Liebeswunde,
senk‘ ich des Tages Freud‘ und Schmerz.

O Herz der Liebe, Dir vertraute
am Morgen ich des Tages Last,
und nicht umsonst ich auf Dich baute,
voll Huld Du mich gesegnet hast.

O habe Dank für Deine Güte,
die schützend mir zur Seite stand,
auch diese Nacht mich treu behüte
durch Deines heiligen Engels Hand.

O göttlich Herz, all meine Sünden
bereue ich aus Lieb‘ zu Dir;
o lasse mich Verzeihung finden;
schenk‘ Deine Lieb‘ aufs neue mir!

Herz Jesu, innig ich empfehle
auch alle meine Lieben Dir,
beschütze sie an Leib und Seele,
die Gutes je erwiesen mir.

In Deiner heiligen Herzenswunde
schlaf ich nun sanft und ruhig ein,
o laß sie in der letzten Stunde,
mir eine Himmelspforte sein!

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Morgengebet zum Herz Jesu Fest

Wenn ich erwach am frühen Morgen,
Herz Jesu, dann begrüß‘ ich Dich,
um für des Tages Müh‘ und Sorgen,
Dir innig zu empfehlen mich.

Auf Dich, o Herz, will ich nur schauen,
Du bist mein Stern, mein Trost, mein Licht!
Und immer will ich Dir vertrauen;
denn Deine Treue wanket nicht.

So nimm mein Herz Dir ganz zu eigen;
gib Du ihm Kraft zur guten Tat.
Und sollte es zur Sünde neigen,
halt‘ Du es fest in Deiner Gnad‘!

Von Dir soll heute nichts mich scheiden,
verbirg in Deine Wunden mich!
Dort will ich beten, opfern, leiden
und sterben, wenn Du willst, für Dich!

So oft wie heut‘ mein Herz wird schlagen,
will ich es stets aufs neu‘ Dir weih’n,
und jeder Pulsschlag soll Dir sagen:
„Herz Jesu, für Dich ganz allein!“

In Deine Liebe ich empfehle
auch alle, die mir nahestehen;
behüte sie an Leib und Seele,
lass keinen heute irre geh’n!

Und nun gib mir (uns) den Morgensegen,
er weihe diesen Tag mit (uns) ein,
und sei mit mir (uns) auf allen Wegen,
bis ich werd‘ ewig bei Dir sein!

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Fronleichnam – Hl. Juliana von Lüttich

Liebe Brüder und Schwestern!

[Heute] möchte ich euch eine Frauengestalt vorstellen, die kaum bekannt ist, der aber die Kirche zu großem Dank verpflichtet ist, nicht nur aufgrund der Heiligkeit ihres Lebens, sondern auch, weil sie durch ihren großen Seeleneifer zur Einführung eines der wichtigsten liturgischen Hochfeste des Jahres beigetragen hat: des Fronleichnamsfestes. Es handelt sich um die hl. Juliana von Cornillon, die auch als die hl. Juliana von Lüttich bekannt ist. Wir besitzen einige Angaben über ihr Leben vor allem durch eine Biographie, die wahrscheinlich von einem zeitgenössischen Kleriker geschrieben wurde und in der verschiedene Zeugnisse von Personen, die die Heilige unmittelbar kannten, zusammengetragen werden.

Juliana wurde zwischen 1191 und 1192 in der Nähe von Lüttich, in Belgien, geboren. Es ist wichtig, diesen Ort hervorzuheben, denn in jener Zeit war die Diözese Lüttich sozusagen ein wahrer »eucharistischer Abendmahlssaal«. Vor Juliana hatten namhafte Theologen dort den herausragenden Wert des Sakraments der Eucharistie erläutert, und in Lüttich gab es auch Gruppen von Frauen, die sich großherzig der Verehrung der Eucharistie und dem eifrigen Kommunionempfang widmeten. Unter der Führung von vorbildlichen Priestern lebten sie in Gemeinschaft und widmeten sich dem Gebet und den Werken der Nächstenliebe.

Als Juliana im Alter von fünf Jahren verwaiste, wurde sie zusammen mit ihrer Schwester Agnes der Obhut der Augustinerinnen des Klosters und Leprosenhospitals Mont-Cornillon anvertraut. Sie wurde vor allem von einer Schwester namens Sapientia erzogen, die ihr geistliches Heranreifen förderte, bis Juliana selbst das Ordensgewand empfing und Augustinerin wurde. Sie erwarb eine beachtliche Bildung und las sogar die Werke der Kirchenväter in lateinischer Sprache, insbesondere den hl. Augustinus und den hl. Bernhard. Außer einer wachen Intelligenz zeigte Juliana von Anfang an einen besonderen Hang zur Kontemplation; sie hatte einen tiefen Sinn für die Gegenwart Christi, die sie erfuhr, indem sie das Sakrament der Eucharistie in besonderer Tiefe lebte und oft über die Worte Jesu nachdachte: »Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 28,20).

Mit 16 Jahren hatte sie zum ersten Mal eine Vision, die sich ihr später in der eucharistischen Anbetung mehrmals wiederholte. In der Vision zeigte sich der Mond in seinem vollen Glanz, von einem dunklen Streifen durchquert. Der Herr gab ihr die Bedeutung dieser Erscheinung zu verstehen. Der Mond symbolisierte das Leben der Kirche auf der Erde, die trübe Linie dagegen das Fehlen eines liturgischen Festes, für dessen Einführung Juliana sich tatkräftig einsetzen sollte: ein Fest, bei dem die Gläubigen die Eucharistie anbeten konnten, um den Glauben zu mehren, die Übung der Tugenden zu fördern und die Schmähungen des Allerheiligsten Sakraments zu sühnen.

Etwa 20 Jahre lang hielt Juliana, die in der Zwischenzeit Priorin des Klosters geworden war, diese Offenbarung, die ihr Herz mit Freude erfüllt hatte, geheim. Dann vertraute sie sich zwei weiteren leidenschaftlichen Anbeterinnen der Eucharistie an: der sel. Eva, die als Einsiedlerin lebte, und Isabella, die zu ihr ins Kloster Mont-Corillon gekommen war.

Die drei Frauen schlossen eine Art »geistlichen Bund«, mit dem Anliegen, das Allerheiligste Sakrament zu verherrlichen. Sie wollten auch einen sehr angesehenen Priester, Johannes von Lausanne, Kanoniker der Kirche »Saint-Martin « in Lüttich, mit einbeziehen und baten ihn, Theologen und Kleriker über das zu befragen, was ihnen am Herzen lag. Die Antworten waren positiv und ermutigend.

Was Juliana von Lüttich geschah, kommt im Leben der Heiligen häufig vor: Um die Bestätigung zu erhalten, daß eine Eingebung von Gott kommt, ist es immer nötig, sich ins Gebet zu versenken, geduldig warten zu können, die Freundschaft und die Gegenüberstellung mit anderen guten Seelen zu suchen und alles dem Urteil der Hirten der Kirche zu unterwerfen. Nach anfänglichem Zögern nahm der Bischof von Lüttich, Robert von Thorote, den Vorschlag Julianas und ihrer Gefährtinnen an und führte erstmalig das Fronleichnamsfest in seiner Diözese ein. Später folgten andere Bischöfe seinem Beispiel und setzten dieses Fest in den ihrer Hirtensorge anvertrauten Gebieten ein.

Von den Heiligen verlangt der Herr jedoch oft, Prüfungen zu überwinden, damit ihr Glaube zunimmt. So war es auch bei Juliana, die starken Widerstand von seiten einiger Angehöriger des Klerus sowie des Oberen, dem ihr Kloster unterstand, erdulden mußte. So verließ Juliana aus freiem Willen das Kloster Mont-Corillon mit einigen Gefährtinnen und war zehn Jahre lang, von 1248 bis 1258, in verschiedenen Zisterzienserinnen-Klöstern zu Gast. Sie erbaute alle durch ihre Demut, übte nie Kritik oder Tadel an ihren Gegnern, sondern verbreitete weiterhin eifrig die Verehrung der Eucharistie. Sie starb 1258 in Fossela-Ville in Belgien. In ihrer Zelle war das Allerheiligste Sakrament ausgesetzt, und ihrem Biographen zufolge betrachtete Juliana im Sterben mit letzter liebender Hinwendung den eucharistischen Jesus, den sie stets geliebt, verehrt und angebetet hatte.

Auch Jacques Pantaléon aus Troyes wurde für das gute Anliegen des Fronleichnamsfestes gewonnen; er hatte die Heilige während seiner Amtszeit als Archidiakon in Lüttich kennengelernt. Als er dann mit dem Namen Urban IV. Papst geworden war, setzte er 1264 das Fronleichnamsfest als gebotenen Feiertag für die Universalkirche ein, am Donnerstag nach Pfingsten. In der Einsetzungsbulle mit dem Titel Transiturus de hoc mundo (11. August 1264) verwies Papst Urban sehr zurückhaltend auch auf Julianas mystische Erfahrungen und bestätigte damit ihre Echtheit. So schreibt er: »Wenngleich die Eucharistie jeden Tag gefeiert wird, so halten wir dafür, sie wenigstens einmal im Jahr ehrwürdiger und feierlicher zu begehen. Die anderen Dinge nämlich, derer wir gedenken, begreifen wir mit dem Geist und mit dem Verstand, erhalten aber deshalb nicht ihre Realpräsenz. In dieser sakramentalen Gedächtnisfeier Christi dagegen ist Jesus Christus, wenngleich unter anderer Gestalt, in seiner eigenen Substanz bei uns gegenwärtig. Denn bevor er in den Himmel aufgenommen wurde, sagte er: ›Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt‹ (Mt 28,20)«.

Der Papst selbst wollte mit gutem Beispiel vorangehen und feierte das Fronleichnamsfest in Orvieto, der Stadt, in der er damals residierte. Auf sein Geheiß hin wurde – und wird noch immer – im Dom der Stadt das berühmte Korporale mit den Spuren des eucharistischen Wunders verwahrt, das ein Jahr zuvor, 1263, in Bolsena geschehen war. Ein Priester wurde während der Wandlung von Brot und Wein von starken Zweifeln an der Realpräsenz von Leib und Blut Christi im Sakrament der Eucharistie befallen. Auf wunderbare Weise begannen einige Blutstropfen aus der geweihten Hostie hervorzuquellen. Auf diese Weise bestätigte sich das, was unser Glaube bekennt. Urban IV. bat einen der größten Theologen der Geschichte, den hl. Thomas von Aquin – er begleitete damals den Papst und befand sich in Orvieto –, die Texte für das liturgische Gebet dieses großen Festes zu verfassen. Sie werden heute noch in der Kirche verwendet: Meisterwerke, in denen Theologie und Poesie miteinander verschmelzen. Es sind Texte, die die Saiten des Herzens in Schwingung versetzen, um dem Allerheiligsten Sakrament Lob und Dank zum Ausdruck zu bringen, während der Verstand staunend in das Geheimnis vordringt und in der Eucharistie die lebendige und wahre Gegenwart Jesu erkennt, seines Liebesopfers, das uns mit dem Vater versöhnt und uns das Heil schenkt.

Zwar wurde nach dem Tod Urbans IV. die Feier des Fronleichnamsfestes auf einige Regionen Frankreichs, Deutschlands, Ungarns und Norditaliens beschränkt, aber ein anderer Papst, Johannes XXII., stellte es 1317 für die ganze Kirche wieder her. Seitdem hat das Fest eine wunderbare Entwicklung erfahren und ist beim christlichen Volk noch immer sehr beliebt. Ich möchte mit Freude darauf hinweisen, daß es heute in der Kirche einen »eucharistischen Frühling« gibt: Wie viele Menschen verweilen still vor dem Tabernakel, um mit Jesus ein liebevolles Gespräch zu führen! Es ist tröstlich zu wissen, daß nicht wenige Gruppen junger Menschen neu entdeckt haben, wie schön es ist, das Allerheiligste Sakrament anzubeten. Ich denke zum Beispiel an unsere eucharistische Anbetung im »Hyde Park« in London. Ich bete darum, daß dieser »eucharistische Frühling« in allen Pfarreien sich immer mehr verbreiten möge, insbesondere in Belgien, der Heimat der hl. Juliana. Der ehrwürdige Diener Gottes Johannes Paul II. stellte in der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia fest: »An vielen Orten findet die Anbetung des heiligsten Sakramentes täglich einen weiten Raum und wird so zu einer unerschöpflichen Quelle der Heiligkeit. Die andächtige Teilnahme der Gläubigen an der eucharistischen Prozession am Hochfest des Leibes und Blutes Christi ist eine Gnade des Herrn, welche die teilnehmenden Gläubigen jedes Jahr mit Freude erfüllt. Man könnte noch andere positive Zeichen des Glaubens und der Liebe zur Eucharistie erwähnen« (Nr. 10).

Indem wir uns an die hl. Juliana von Lüttich erinnern, wollen auch wir den Glauben an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie erneuern. Das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche lehrt uns: »Jesus Christus ist in der Eucharistie auf einzigartige und unvergleichliche Weise gegenwärtig: wirklich, tatsächlich und substantiell, mit seinem Leib und seinem Blut, mit seiner Seele und seiner Gottheit. In der Eucharistie ist also der ganze Christus, Gott und Mensch, auf sakramentale Weise gegenwärtig, das heißt unter den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein« (Nr. 282).

Liebe Freunde, die Treue zur Begegnung mit dem eucharistischen Christus in der Sonntagsmesse ist für den Glaubensweg wesentlich, aber wir sollten auch den im Tabernakel gegenwärtigen Herrn oft aufsuchen! Gerade wenn wir die geweihte Hostie anbetend betrachten, zieht uns der Herr zu sich, in sein Geheimnis hinein, um uns zu verwandeln, wie er Brot und Wein verwandelt. Die Heiligen haben in der eucharistischen Begegnung stets Kraft, Trost und Freude gefunden. Mit den Worten des eucharistischen Hymnus Adoro te devote sagen wir immer wieder zum Herrn, der im Allerheiligsten Sakrament anwesend ist: »O gib, daß immer mehr mein Glaub’ lebendig sei, mach meine Hoffnung fest, mach meine Liebe treu!« Danke.

Papst Benedikt XVI. am 17. November 2010

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Heiligste Dreifaltigkeit

O mein Gott, Dreifaltiger,
den ich anbete,
hilf mir, mich ganz zu vergessen, damit ich in Dir bin,
regungslos und friedvoll, als ob meine Seele
bereits in der Ewigkeit weilte.
Nichts soll meinen Frieden stören,
nichts mich von Dir entfernen,
o mein Unwandelbarer, jede Minute soll mich mehr
in die Tiefe Deines Geheimnisses hineinführen.
Schenke meiner Seele Frieden, mach aus ihr
Deinen Himmel, Deine geliebte Wohnstatt
und den Ort Deiner Ruhe.
Niemals will ich Dich dort allein lassen, sondern
selber ganz dort sein,
ganz wach in meinem Glauben, ganz anbetend,
ganz Deinem schöpferischen Wirken hingegeben.

O mein Christus, den ich liebe, aus Liebe gekreuzigt,
ich möchte eine Braut Deines Herzens sein,
ich möchte Dich mit Ehre überhäufen,
ich möchte Dich lieben… bis ich daran sterbe!
Aber ich fühle meine Ohnmacht,
und ich bitte Dich, mich mit Dir selbst
zu bekleiden, meine Seele der Deinen
in all ihren Regungen ähnlich zu machen,
mich einzutauchen, mich zu überfluten,
Dich an meine Stelle zu setzen,
damit mein Leben nichts anderes sei als
ein heller Widerschein Deines Lebens.
Komm in mich, als der Anbetende,
als Retter und Heiland.

O ewiges Wort, Wort meines Gottes,
ich will mein Leben lang Dir zuhören,
ich will mich von Dir unterweisen lassen,
damit ich alles über Dich erfahre.
Und durch alle Nächte, durch alle Leere,
durch alle Ohnmachten hindurch
will ich immer auf Dich schauen
und in Deinem hellen Licht bleiben;
o mein Gestirn, das ich liebe,
nimm mich so gefangen, dass ich nicht mehr
aus Deinem Strahlenkranz weichen kann.

O verzehrendes Feuer, Geist der Liebe, komm in mich,
damit das Wort in meiner Seele Fleisch annehme:
dass ich für Es eine Weiterführung Seiner Menschheit bin,
in dem Es Sein ganzes Mysterium erneuert.

Und Du, o mein Vater, neige Dich zu Deinem armen,
kleinen Geschöpf, birg es in Deinem Schatten,
sieh in ihm nichts als den Vielgeliebten,
an dem Du Dein ganzes Wohlgefallen hast.

O mein dreifaltiger Gott, mein Alles,
meine Seligkeit, unendliche Einsamkeit,
unendliche Weite, in der ich mich verliere,
ich gebe mich Dir zum Opfer hin.
Versenke Dich in mir, damit ich mich in Dich versenke,
so dass ich dereinst den Abgrund Deiner Größe
in Deinem Licht schauen darf.

(Hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit, Karmelitin)

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Papst Paul VI. kamen die Tränen

Fr. John Zuhlsdorf erinnerte an eine Pfingsterfahrung von Papst Paul VI., von der er während seiner mehrjährigen Tätigkeit bei der damaligen Kommission Ecclesia Dei in Rom erfahren hatte. Nicht über sieben Ecken, sondern von einem päpstlichen Zeremonienmeister, der selbst anwesend war und es selbst erlebt hatte.

Zitat Zuhlsdorf:

Sie wissen wahrscheinlich, daß das große Pfingstfest im herkömmlichen römischen Kalender seine eigene Oktav hatte. Pfingsten war (und ist) auch liturgisch gesehen eine großartige Angelegenheit. Es hat eigene Formulierungen im Communicantes und Hanc igitur (im sonst unveränderlichen römischen Canon), eine Oktav, eine Sequenz usw. An einigen Plätzen der Welt wie Deutschland oder Österreich war der Pfingstmontag (Whit Monday bei den Engländern) sogar Anlaß für einen weltlichen Feiertag zusätzlich zu den kirchlichen Feiern.
Der Novus Ordo war im April 1969 in Kraft getreten. Am Montag nach Pfingsten 1970 begab sich Seine Heiligkeit Papst Paul VI. zur Feier der Messe in seine Kapelle. Statt der roten Gewänder für die Oktav, die wie jeder weiß auf Pfingsten folgt, waren für ihn grüne Gewänder ausgelegt. Papst Paul fragte den an diesem Tag zuständigen Zeremoniar: Was um Himmels willen sollen diese grünen Gewänder, wir sind in der Pfingstoktav. Wo sind die roten Gewänder?
„Euer Heiligkeit“ sprach der Zeremoniar, „wir sind jetzt im Jahreskreis. Das ist jetzt grün. Die Pfingstoktav ist abgeschafft.“
„Grün?“ sagte der Papst – „das kann nicht sein. Wer hat das angeordnet?“
„Euer Heiligkeit – das waren Sie.“
Und Paul VI. kamen die Tränen.

Quelle: summorum-pontificum

Papst Paul VI. an der Kathedra kurz nach dem Moment seiner Krönung am 29. Juni 1963.

Erster Päpstliche Zeremonienmeister von Paul VI. war Enrico Dante (links vor dem Papst stehend), der bereits unter den Päpsten Pius XII. und Johannes XXIII. das Amt inne hatte (1947-1968). Im Zuge der Liturgiereform griff Annibale Bugnini, der die treibende Kraft der liturgischen Veränderungen nach dem 2. Vaticanum war, höchstpersönlich nach diesem wichtigen und stilbildendem Amt (1968-1970). Er war seit 1964 Sekretär des Consilium zur Durchführung der Liturgiekonstitution und von 1969 bis 1975 Sekretär der daraus hervorgegangenen Kongregation für den Gottesdienst. Seine Nachfolger als Päpstliche Zeremonienmeister waren Virgilio Noè (1970-1982); John Magee (1982-1987); Piero Marini (1987-2007) und Guido Marini (2007-2021). Seit 2021 begleitet Diego Giovanni Ravelli dieses Amt.

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Pfingst-Sequenz Veni Sancte Spiritus

Komm, o Geist der Heiligkeit!
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende deines Lichtes Strahl!

Vater aller Armen du,
Aller Herzen Licht und Ruh’,
Komm mit deiner Gaben Zahl!

Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
Komm, du süßer Seelenfreund!

In Ermüdung schenke Ruh’,
In der Glut hauch Kühlung zu,
Tröste den, der trostlos weint.

O du Licht der Seligkeit,
Mach dir unser Herz bereit,
Dring in unsre Seelen ein!

Ohne Dein lebendig Wehn
Nichts im Menschen kann bestehn,
Nichts ohn’ Fehl und Makel sein.

Wasche, was beflecket ist,
Heile, was verwundet ist,
Tränke, was da dürre steht.

Beuge, was verhärtet ist,
Wärme, was erkaltet ist,
Lenke, was da irregeht.

Heil’ger Geist, wir bitten dich,
Gib uns allen gnädiglich
Deiner Gaben Siebenzahl.

Spende uns der Tugend Lohn,
Lass uns stehn an deinem Thron,
Uns erfreun im Himmelssaal.

Der kraftvolle Text wird Kardinal Stephen Langton (1150-1228) zugeschrieben. Der Erzbischof von Canterbury zählt zu den großen Gestalten der katholischen Kirche in England vor dem anglikanischen Schisma.

Veni, Sancte Spiritus
Et emitte cælitus
Lucis tuæ radium.

Veni, Pater pauperum,
Veni, dator munerum,
Veni, lumen cordium.

Consolator optime,
Dulcis hospes animæ.
Dulce refrigerium.

In labore requies,
In æstu temperies,
In fletu solatium.

O lux beatissima,
Reple cordis intima
Tuorum fidelium.

Sine tuo numine
Nihil est in homine,
Nihil est innoxium.

Lava, quod est sordidum,
Riga, quod est aridum,
Sana, quod est saucium;

Flecte, quod est rigidum,
Fove, quod est frigidum,
Rege, quod est devium.

Da tuis fidelibus
In te confidentibus
Sacrum septenarium.

Da virtutis meritum,
Da salutis exitum,
Da perenne gaudium.

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Fest Maria Königin – 31. Mai

Das Fest „Maria, Königin aller Heiligen“ wurde zuerst in der Hafenstadt Ancona (Italien) gefeiert. In der dortigen Kathedrale wird ein Gnadenbild unter diesem Titel verehrt. 1550 hat es ein Schiffskapitän der dortigen Kirche geschenkt, und zwar als Dankgabe für die Errettung seines Sohnes aus einem furchtbaren Seeunwetter, die er seinem inständigen Gebet vor diesem Bilde zuschrieb. Sogleich setzte eine eifrige Verehrung dieses Bildes seitens des Volkes ein.

Während der argen Bedrängnis der Kirche im Jahre 1796 beobachtete man am 25. und 26. Juni dieses Jahres an dem Bilde eine Bewegung der Augen, die mehrmals von vielen wahrgenommen wurde. Das löste eine starke Volksbewegung aus, denn die gleichen Erscheinungen wiederholten sich öfters bis zum 23. Januar 1797. Die Verehrung wuchs immer mehr. Viele Ungläubige bekehrten sich. Dadurch veranlaßt, beschloß der Stadtmagistrat die Abhaltung eines eigenen Festes zu Ehren der „Königin aller Heiligen“. Gregor XVI. gab dem Feste 1845 die kirchliche Bestätigung, anerkannte das Fest und gab ihm ein eigenes Stundengebet, nachdem Pius VII. bereits im Jahre 1814 das Gnadenbild feierlich krönen ließ. Natürlich blieb dieses Fest nicht auf die Kathedrale von Ancona beschränkt. Es wurde bald von vielen Diözesen Italiens und auch anderer Länder übernommen. Liegt doch seine eigentliche Begründung in der einzigartigen Auserwählung Mariens.

Durch Papst Pius XII. (1939 – 1958) wurde 1954 zum Abschluß des Marianischen Jahres das Fest Maria Königin am 31. Mai eingeführt.

Die Rose nennen wir die Königin unter allen Blumen. Jeder weiß, damit soll gesagt werden: Keine Blume könne an Pracht mit der Rose wetteifern. Gleiches wollen wir sagen, wenn wir Maria als die Königin aller Heiligen bezeichnen. An Heiligkeit kommt ihr demnach keiner der seligen Himmelsbewohner gleich. Alle überstrahlt sie durch die Fülle der Gnaden, durch die Fülle ihrer Tugenden, durch die Fülle ihrer Seligkeit. Bewundernd schauen alle Heiligen des Himmels zu ihr auf als zur Herrlichsten, zur Reichsten, zur Vornehmsten unter ihnen. Aber nicht nur alle seligen Mitmenschen dort oben, sondern selbst die heiligen und mächtigen Engelgeister.

„Sei gegrüßt, Gnadenvolle, sei gegrüßt, da du heiliger bist als die Engel, würdiger als die Erzengel. Sei gegrüßt, Gnadenvolle, da erhabener als die Throne, herrschgewaltiger als die Herrschaften, mächtiger als die Kräfte. Sei gegrüßt, Gnadenvolle, die Fürstentümer überragt und Gewalten übersteigt. Sei gegrüßt, Gnadenvolle, kostbarer als die Cherubim, erhabener als die Seraphim!“ (Johannes von Damaskus)

„Weder der Patriarchen ehrwürdige Versammlung, noch der Propheten vorausschauende Schar, noch der Apostel Richtersenat, noch der Märtyrer siegreiche Reihen, noch einer der ältern noch einer der jüngern Väter kann mit der seligsten Jungfrau verglichen werden!“ (Petrus Damiani)

Gott, Du willst, daß wir die allerseligste Jungfrau Maria
als Königin aller Heiligen und Mutter der schönen Liebe verehren.
Gewähre uns gnädig, daß wir unter ihrem Schutz
Dich hier auf Erden in allem und über alles lieben
und im Himmel die selige Gemeinschaft
Deiner Heiligen genießen.

MARIA REGINA

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Rosensonntag – Sonntag nach Christi-Himmelfahrt

In Rom hieß der heutige Sonntag im Mittelalter Rosensonntag. An diesem Tage wurden als Huldigung für den Heiland in den Kirchen Blumen, besonders Rosen streute.

Introitus (Ps 26,7-9)

Exaudi, Domine, vocem meam, qua clamavi ad te, alleluja: tibi dixit cor meum, quæsivi vultum tuum, vultum tuum, Domine, requiram: ne avertas faciem tuam a me, alleluja, alleluja. Dominus illuminatio mea, et salus mea: quem timebo?
Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto. Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in sæcula sæculorum. Amen.

Erhör mein Rufen, Herr, mit dem ich zu Dir flehe, alleluja. Es spricht zu Dir mein Herz: Dein Antlitz suche ich. Ja Herr, Dein Antlitz will ich suchen. Dein Antlitz wende nicht hinweg von mir, alleluja, alleluja. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten?
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste; wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Oratio

Omnipotens sempiterne Deus: fac nos tibi semper et devotam gerere voluntatem; et majestati tuæ sincero corde servire. Per Dominum nostrum Jesum Christum, Filium tuum: Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus: per omnia sæcula sæculorum. Amen.

Allmächtiger, ewiger Gott, gib, daß wir mit unserem Willen Dir stets ergeben seien und mit lauterem Herzen Deiner Majestät dienen. Durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Epistel (1 Petr 4,7-11)

Carissimi: Estote prudentes, et vigilate in orationibus. Ante omnia autem, mutuam in vobismetipsis caritatem continuam habentes: quia caritas operit multitudinem peccatorum. Hospitales invicem sine murmuratione: unusquisque, sicut accepit gratiam, in alterutrum illam administrantes, sicut boni dispensatores multiformis gratiæ Dei. Si quis loquitur, quasi sermones Dei: si quis ministrat, tamquam ex virtute, quam administrat Deus: ut in omnibus honorificetur Deus per Jesum Christum Dominum nostrum.

Geliebte! Seid klug und wachsam im Gebet. Vor allem liebet einander allezeit; denn die Liebe deckt eine Menge Sünden zu. Seid gastfreundlich einander ohne Murren. Dienet einander, jeder mit der Gnadengabe, die er empfangen hat, als gute Verwalter der mannigfachen Gnade Gottes. Wer redet, rede Gottes Wort. Wer ein Amt hat, verwalte es mit der Kraft, die Gott gibt: damit in allen Dingen Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus, unsern Herrn.

Evangelium (Jo 15,26-27; 16,1-4)

In illo tempore: Dixit Jesus discipulis suis:
Cum venerit Paraclitus, quem ego mittam vobis a Patre, Spiritum veritatis, qui a Patre procedit, ille testimonium perhibebit de me: et vos testimonium perhibebitis, quia ab initio mecum estis. Hæc locutus sum vobis, ut non scandalizemini. Absque synagogis facient vos: sed venit hora, ut omnis, qui interficit vos, arbitretur obsequium se præstare Deo. Et hæc facient vobis, quia non noverunt Patrem, neque me. Sed hæc locutus sum vobis: ut, cum venerit hora eorum, reminiscamini, quia ego dixi vobis.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
„Wenn der Tröster (Beistand) kommt, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird er Zeugnis von Mir ablegen. Auch ihr werdet von Mir Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei Mir waret. Das habe Ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmet. Sie werden euch aus den Synagogen stoßen; ja es kommt die Stunde, da jeder, der euch tötet, Gott einen Dienst zu tun glaubt. Das werden sie euch antun, weil sie weder den Vater noch Mich kennen. Ich sage euch das, damit, wenn jene Stunde kommt, ihr euch daran erinnert, daß Ich es euch gesagt habe.“

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IN ASCENSIONE DOMINI – CHRISTI HIMMELFAHRT

Ursprünglich war die gottesdienstliche Feier der Auffahrt des Herrn mit dem Pfingsttage verbunden gewesen. Um das Jahr 400 aber war ihr bereits auch ein eigener Tag geweiht. Als selbständiges Fest gewann es von den ältesten Zeiten her gerade in der Mutterkirche von Rom eine hervorragende Stellung. War Ostern das Fest des Sieges Jesu Christi, so erscheint das heutige als das Fest des triumphierende Einzuges des Ostersiegers in die ewige Lichtstadt des Himmels, wo er als unser glorreicher Mittler und König thront – Rex gloriæ. In der Frühzeit des Kirchenjahres war dieser Tag der Abschluß der großen Feste des Erlösers.

Christus zog nicht allein in den Himmel ein, an seinem Triumphzug nahm die ganze menschliche Natur teil.
Gott hat uns mitbelebt in Christus und mitauferweckt und in Christus Jesus mitversetzt in den Himmel. (Eph. 2, 4-6)
Er ist nicht allein aufgefahren, er hat nicht allein den Thron der Herrlichkeit bestiegen, sondern wir mit ihm:
Gottes Sohn hat die mit ihm als Glieder zu einem Leibe zusammengeschlossenen Gläubigen zur Rechten des Vaters gesetzt. (Leo der Große)
So findet das erhabene Geheimnis der Himmelfahrt seine Fortsetzung, bis mit der Aufnahme des letzten Auserwählten der mystische Leib Christi seine Vollendung erreicht haben wird.

Wir wollen uns freuen über den Triumph unsres göttlichen Heilandes, der nun der König der Glorie ist.
Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe. (Joh. 14,28)
Wir sollen aber auch selbst ein sehnsüchtiges Verlangen erwecken nach der Seligkeit des Himmels, unsrer einstigen Heimat. Was droben ist, suchet, wo Christus ist zur Rechten des Vaters (Kol. 3,1).
Beachten wir auch, daß der Heiland vom Ölberg, der Stätte seines Leidensbeginnes, zum Himmel aufgefahren ist; so müssen auch wir durch viele Trübsale ins Himmelreich eingehen. (Act. 14,22)

Die Himmelfahrt Christi ist die Vollendung und Erfüllung
aller seiner übrigen Feste und ein glückseliger Beschluß
der ganzen irdischen Laufbahn des Gottessohnes.
(Bernhard von Clairvaux)

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Vigil von Christi Himmelfahrt

Die Himmelfahrt des Heilandes ist die Krönung und Vollendung seines gottmenschlichen Lebens auf Erden. Unter den Siegesgesängen der vereinigten Himmelschöre öffnen sich für ihn die Tore des Himmels; mit seiner verklärten Menschheit, begleitet von den Erstlingen der Erlösung: den Vätern aus der Vorhölle, tritt Jesus als König ein in die blendende Gottesherrlichkeit. Statt mit der schimpflichen Dornenkrone ist er nun mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt. Er sitzt auf dem höchsten Throne und hat von seinem Vater unumschränkte Herrschergewalt erhalten über alle Völker der Erde. Als mitleidsvoller, mit unseren Schwachheiten vertrauter Hoherpriester zeigt er dem Vater ohne Unterlaß die Wundmale, die er auch in seiner Verklärung beibehalten wollte, und bewegt ihn dadurch zum Erbarmen. Er ist unser Fürsprecher beim Vater (1 Joh. 2,1).

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