Epiphanie

Blicke gnädig, wir bitten Dich, Herr,
auf die Gaben Deiner Kirche.
In ihnen wird ja nicht mehr
Gold, Weihrauch und Myrrhe dargebracht,
sondern, was jene Gaben bezeichnen,
Jesus Christus, Dein Sohn, unser Herr.
Der mit Dir lebt …

Secreta dieses Festtages

 

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Quem vidisti – zur PRIM, am frühen Morgen

Wen habt ihr gesehen
ihr Hirten?
Sprecht und verkündet es uns!
Wer ist auf Erden erschienen?

Wir haben ein Kind gesehen
und Chöre vom Himmel vernommen,
die dem Herrn lobsangen,
alleluja, alleluja.

Prim-Antiphon

Quem vidistis, pastores? dicite, annuntiate nobis, in terris quis apparuit?
Natum vidimus, et choros Angelorum collaudantes Dominum, alleluia, alleluia.

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Betrachtung zur Geburt unseres Herrn

Wir stellen uns den Stall zu Bethlehem vor und betrachten den neugeborenen Erlöser der Welt in der Krippe. Wir bitten um die Gnade, die Wirkungen seiner heiligen Geburt an uns zu erfahren.

1. Siehe, ich komme, Deinen Willen zu erfüllen

Die Zeit, die Gott von Ewigkeit her zur zeitlichen Geburt seines Sohnes bestimmt hatte, war gekommen. Unser Heiland hatte sich geduldig in diese Stunde gefügt. Er war ihr weder zuvorgekommen, noch hatte er sie verschoben. Dann aber erhob er sich wie ein Riese, seinen Weg zu laufen (Ps 18,6), der ihm von der Wiege bis zum Kreuze eröffnet war.

O anbetungswürdiges Kind, wie viele Kreuze wirst Du finden, bevor Du jenem begegnest, auf dessen Armen Du Deinen Lauf vollenden sollst! Welche Ergebung in den Willen Deines Vaters, der Dir genau vorgezeichnet ist, findet sich bei Dir! Wie sehr muss mich der Gedanke packen, hier einen untertänigen Gott zu sehen, untertänig den strengen Beschlüssen eines Vaters, der die Empörung seiner Knechte am eigenen Sohne rächt!

Durch seine Ankunft in der Welt zu der vom Vater bestimmten Stunde, da er das Heiligtum unter dem Herzen seiner Mutter verließ, schenkte unser Heiland Maria ein Übermaß himmlischer Schätze, einen Überfluss an Gnaden, der sich leichter betrachten als beschreiben lässt.

O liebenswürdigster Jesus, mit welchen Gnaden wirst Du unser Herz erfüllen, wenn wir Dich in der heiligen Kommunion empfangen und Deiner Gnade kein Hindernis entgegensetzen! Findest Du in unserer Seele eine Tugend, die mit jener der gebenedeiten Jungfrau auch nur entfernte Ähnlichkeit hat, so wirst Du gewiss ihren Glanz vermehren, so wie Du die Tugend Deiner heiligen Mutter vollkommener machtest.

2. Das Geheimnis der Weihnacht

Da die seligste Jungfrau wusste, dass die Geburt Jesu herannahe, erwartete sie in zurückgezogener Einsamkeit, in tiefer Betrachtung den wichtigen Augenblick. In höchstem Glück schenkte sie jenen der Welt, der ihr Befreier war. Unaussprechliche Liebe und Ehrfurcht durchdrang ihr Herz. Sie betete jenen als ihren Gott an, den sie als ihren Sohn liebte. Mit der Zärtlichkeit einer Mutter umfing sie ihn. Sie nahm das göttliche Kind auf ihre Arme und an ihr Herz. Sie küsste es voll Ehrfurcht, und Tränen der heiligsten Freude rollten aus ihren Augen. Ehrfurcht und Liebe sollten deine Empfindungen sein, mein Christ, wenn du das Glück hast, denselben Heiland zu besitzen. Ehrfurcht und Liebe sind die Hände, die du ihm reichen sollst.

Nachdem Maria dem ersten Drang ihrer Liebe Genüge getan hatte, war sie um die Erfüllung ihrer Mutterpflichten bekümmert. Sie wickelte das göttliche Kind in Windeln und legte es in die Krippe. Welch ein Schmerz für die liebevolle Mutter, den eingeborenen Sohn Gottes, ihren Schöpfer und Erlöser, in eine arme, der Würde seiner Person so wenig angemessene Wiege legen zu müssen! Wie sehr musste sie staunen, Gott in einem so bescheidenen Zustande zu erblicken! Wie sehr musste sie von Dankbarkeit durchdrungen sein, dass ihr Schöpfer sie zu seiner Mutter gewählt hatte. Mit welcher Hingabe opferte sie sich seinem Dienste! Und der hl. Joseph vereinigte seine Huldigung, Liebe und Zärtlichkeit mit jener seiner gebenedeiten Braut.

Werfen wir uns mit Maria und Joseph zu den Füßen des Jesuskindes nieder und beten wir mit ihnen das menschgewordene Wort an. Es hat sich ja aus Liebe zu uns in so wunderbarer Weise herabgelassen. Wir lieben es, wir bewundern es. Wir danken ihm in Demut für eine so unaussprechliche Gnade. Wir bringen ihm aus Dankbarkeit uns selbst zum Opfer dar und sprechen mit aller Zärtlichkeit unseres Herzens: „Liebenswürdiger Erlöser, was soll ich tun, um Deiner großen Güte zu entsprechen? Hätte ich doch in jener Stunde zu Bethlehem sein können, um euch beizustehen und euch zu dienen. Lass mich Dir mit Leib und Seele zu Diensten sein. Verfüge über mich nach Deinem Wohlgefallen!

3. Sanftmütig und demütig von Herzen

Welche Wunder sind hier zu betrachten, welche Tugendbeispiele stehen im neugeborenen Heilande in allen Umständen seiner Geburt vor unseren Augen! Jener, der im Himmel thront in unnahbarer Herrlichkeit mit dem Vater und dem Heiligen Geiste, umgeben von Cherubinen und Seraphinen, die ihr Angesicht bedecken, er steigt auf diese Erde hernieder, wird als armes Kind geboren, liegt auf Stroh und teilt seine Wohnung mit dem Vieh der Menschen. Wo ist sein Hab, wo ist sein Gut? Er hat sich aller Herrlichkeit beraubt, um seinen Vater zu ehren und uns zu erlösen. Unser Herr schaut aus der Krippe hinauf zum Vater, um ihn zu preisen, er schaut auf uns, um uns Demut zu lehren. Er übt Entsagung und Demut vom Tage seiner Geburt an.

Hörst du, meine Seele, die Stimme des göttlichen Kindes, in dessen Umgebung alles predigt: „Die Windeln, die Krippe, der Stall als Sinnbilder der Demut?“ Lernet von mir, sagt es, „denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen“ (Mt 11,29).

O Gott, welch große und inhaltsschwere Lehre! Aber wie wenig erkennt man sie, und noch weit weniger lebt man nach ihr! Der ewige Vater wollte uns zur Liebe dieser göttlichen Tugenden bewegen. Er stellte uns daher in seinem eigenen Sohne das Muster vor. Er erklärte uns, dass wir keinen Teil an seinem Reiche haben würden, wenn wir seinen Sohn nicht zu unserem Vorbild machten. Wir sollen die Tugenden seiner heiligen Kindheit uns aneignen und das Gepräge derselben in uns tragen. Wenn ich heute vor Dir erscheinen müsste, mein Herr und Richter, wie beschämt stünde ich da, weil ich Dir, Du demütiges Kind in der Krippe, so wenig ähnlich bin!

(Ludwig de Ponte. Meditationen)

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Betrachtung zum 4. Advent

Das Leben und Wirken des hl. Johannes des Täufers

Wir stellen uns den hl. Johannes in der Wüste und an den Wassern des Jordan vor und bitten den Heiligen Geist um die Gnade, die Tugenden dieses großen Mannes nachahmen zu können.

1. Der Mann der Stille

Johannes der Täufer ging schon in seiner frühesten Jugend in die Wüste. Er übte dort vier herrliche Tugenden, die der Grund der Vollkommenheit sind.

Die erste Tugend war die Buße. Sie ist bei dem jungen Mann umso bewunderungswerter, als er von keiner Seite aufgefordert wurde, ein so strenges Leben zu führen. War er doch schon im Leibe seiner Mutter geheiligt und hatte niemals einen bedeutenden Fehltritt begangen. Trotzdem lebte er bei all seiner Heiligkeit in strenger Buße. Er verzehrte Heuschrecken und wilden Honig, kleidete sich mit einem Tierfell, trug einen ledernen Gürtel um seine Lenden.

Eine Grotte oder ein Felsenloch war seine Wohnung. Tag und Nacht weilte er im Gebete vor Gott. Dieses ständige Gebet war die zweite Tugend, die er übte. So war der Heilige Geist der Herr seines inneren Lebens. Dieser Geist hatte ihn in die Wüste geführt. Dieser Geist sprach zu ihm im Innersten seiner Seele und beschäftigte ihn mit der Betrachtung göttlicher Dinge.

Ungeachtet des Kampfes, den der Feind der Heiligkeit auch ihn bestehen ließ, verharrte er in dieser Lebensweise mit einer Standhaftigkeit, die die dritte seiner Tugenden, vielleicht die bewunderungswürdigste war. Aushalten können, das ist die größte Kraft der heiligen und strebsamen Menschen.

Die vierte Tugend endlich, die man gleichsam als die Frucht der drei vorhergehenden betrachten kann, war eine engelgleiche Reinheit.

So schritt der große Mann immer folgsam auf dem Wege der Gnade vorwärts. Er machte das Wort des Evangelisten, das später über ihn geschrieben werden sollte, wahr: „Er wird vor ihm hergehen mit dem Geiste und der Kraft des Elias, um die Herzen der Väter wieder ihren Kindern zuzuwenden, die Ungehorsamen zur Gesinnung der Gerechten zu drängen und dem Herrn ein williges Volk zu bereiten“ (Lk 1,17).

Die Zurückgezogenheit, meine Seele, ist ein an allen Tugenden fruchtbares Feld, zumal wenn man den Mut hat. solange in dieser Stille zu verharren, wie Gott es will. Blei ben wir in der Einsamkeit, im Gebete und in der Buße, sie wird für uns ein Berg an Myrrhe und ein Weihrauchhügel sein, darauf wir Gott beständig Opfer darbringen und zum Lohne dafür zu einer Reinheit des Herzens gelangen, die uns fähig machen wird, mit den Engeln Umgang zu pflegen. Wir werden dadurch so an Tugend wachsen, wie der Morgenstern immerzu bis zum hellen Tage wächst.

Nur Du kannst uns den Armen der Welt entreißen, o göttlicher Geist, Du kannst uns in die Einöde führen und uns die Erkenntnis göttlicher Dinge geben. Du kannst uns zur Übung der Tugenden Deines Vorläufers aneifern. Wir bitten Dich demütig um diese Gnaden und überlassen uns ganz Deiner göttlichen Leitung.

2. Der Wegbereiter

Johannes verließ seinen Aufenthalt und ging an das Ufer des Jordan, um die Bußtaufe zu predigen. Warum brach Johannes plötzlich aus seiner Einsamkeit auf? Wie alt mag er zu jener Zeit gewesen sein? Wie erfüllte er seine Pflicht und welche Früchte zeigte sein Wirken? Das ist reichhaltiger Stoff zum Nachdenken, besonders ist er für jene nützlich, die Gott zum Dienste seiner Ehre und zur Seelsorge berufen hat.

1. Johannes verließ nicht aus Überdruss die Wüste. Noch viel weniger geschah es aus bloßem Eigenwillen. Der Heilige Geist führte ihn in die Stille und führte ihn unter die Menschen. Er hatte ihn in der Einöde geschult, um das Wort Gottes auf den Straßen der Menschen zu verkünden. Mein Gott, wie glücklich ist der Mensch, der von den Händen eines so großen Meisters geleitet wird! Steht man einmal unter der Leitung des Heiligen Geistes, so muss man auch seine Absichten sorgfältig zu erkennen suchen, ohne ihnen durch übereilte Ungeduld unter dem Vorwand des Eifers zuvorzukommen.

2. Johannes wurde also aus einem Einsiedler ein Volksprediger. Er hatte in der Stille das Wort Gottes in sich reifen lassen, um es nun laut zu verkünden. Er war in die Geheimnisse Gottes eingedrungen, um sie den Menschen zu offenbaren. O Herr und Gott der Liebe, Du hast während so vieler Jahre das Feuer der Liebe im Herzen des hl. Johannes entzündet, damit er die Flammen nach außen verbreite, gib auch mir diese Liebe. Kann man sich wohl zurückhalten und unter den Menschen erscheinen, ohne sie zur Liebe zu ermuntern, wenn man Dich, mein Gott liebt?

3. „Tuet Buße!“ rief der Vorläufer allen zu, die um ihn versammelt waren (Mt 3,2). Johannes behandelte nicht alle seine Zuhörer gleich. Er gleicht sich den Verschiedenheiten der Herzen an. Die verstockten Pharisäer und Sadduzäer bedroht er, vom Geiste des Elias beseelt. Das Volk dagegen, die öffentlichen Sünder und die Soldaten behandelte er milde. Alle, die geneigten Herzens waren, führte er mit der Sanftmut eines Moses. Nichts ist sanftmütiger und großmütiger als die Liebe. Sie mag sich im Donner zeigen oder im Tau herabträufeln, sie bleibt sich immer gleich und hat keinen anderen Zweck als die Bekehrung der Seelen.

4. Die größte Stütze des hl. Johannes im Dienste des Herrn war nicht seine Wunderkraft, sondern seine Heiligkeit. Das große und einzige Wunder, das dem hl. Johannes so viele Zuhörer verschaffte und seine Worte fruchtbar machte, war seine erstaunliche Lebensweise. Göttlicher Geist, rufe doch stets solche Johannesseelen in Deiner Kirche hervor, erwecke wahre Nachfolger seines Eifers und seines Lebens. Gib uns Prediger, die durch ihr Beispiel das bekräftigen, was sie mit Worten lehren. Mache sie zuerst selbst heilig, damit sie dann andere zur Heiligkeit führen können.

3. Ich muss abnehmen

Das Leben und die Predigten des hl. Johannes hatten ihm unter dem Volke eine so hohe Achtung erworben, dass man ihn für den wirklichen Messias hielt. Sobald der Vorläufer diesen Irrtum bemerkte, beseitigte er ihn, indem er über seine Person keinen Zweifel ließ. „Ich taufe nur mit Wasser“, erklärte er allen, „es kommt aber einer, der mächtiger ist als ich. Ich bin nicht würdig, auch nur seine Schuhriemen aufzulösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geiste und mit Feuer taufen“ (Lk 3,16). In diesen Worten liegen drei große Beweise der Demut des Heiligen.

Der erste Beweis liegt darin, dass ihn weder sein strenges Leben, noch die besonderen Gnaden des Himmels, noch der ausgezeichnete Ruf, den er sich erworben, stolz machten. Wie wenig braucht es bei uns, dass wir uns etwas einbilden!

Zum zweiten beweist Johannes seine Demut dadurch, dass er die Wahrheit auf Kosten seiner Ehre und zur Ehre des Gottessohnes nicht verschweigt. Ja, er verkündigt laut, dass er nichts im Vergleich mit Christus sei. Er sei nicht einmal würdig, ihm den geringsten Dienst zu erweisen. Wie selten weisen wir ein Lob zurück, selbst wo es nicht verdient ist! Wie noch weit seltener gibt man jenen die Ehre, denen sie gebührt, zumal dann, wenn es zu unserem eigenen Nachteile gereicht.

Der dritte Beweis für die Demut des hl. Johannes liegt darin, dass er seine eigene Taufe hinter der Taufe Jesu Christi zurückstellt. Meine Taufe, sagt er, ist nur eine gewöhnliche Taufe mit Wasser, der aber nach mir kommt, den ihr nicht kennt, der hat eine andere Taufe, er wird euch seinen Heiligen Geist in dieser Taufe mitteilen.

So macht man es, mein Gott, wenn man wahrhaftig demütig ist. Je mehr man von der Welt geachtet wird, desto weniger muss man sich selbst achten. Man erscheint in seinen eigenen Augen ebenso klein und verachtungswert wie man in den Augen der Menschen groß angesehen wird. Gern setzt man sich zu den Füßen anderer und bezieht alle Ehre, die man empfängt, in Gerechtigkeit und Wahrheit auf jenen, der der Grund und die Quelle aller Ehre ist, Gott der Herr.

Schämen wir uns, mein Christ, dass wir dem großen hl. Johannes so wenig ähnlich sind. Wir gereichen Gott und den Menschen zur Verachtung und bilden uns dennoch ein, etwas zu sein. Wir geben uns selbst einen Vorrang vor anderen, die viel mehr wert sind als wir. Und während wir gar nichts Erhebliches für Gott tun, berauben wir ihn noch der wenigen Ehre, welche er aus unserem geringen Dienste ziehen konnte.

Großer hl. Johannes, der du dich erniedrigtest, indes Himmel und Erde sich gleichsam um die Wette bemühten, dich zu erheben, erbitte mir eine heilige Demut. Du hast sie in so hohem Maße besessen. Ich habe sie dringend notwendig, weil ich durch meinen Stolz die himmlischen Gaben zu verlieren fürchte, die mir der Herr in seiner Barmherzigkeit geschenkt hat.

(Ludwig de Ponte. Meditationen)

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Weihnachtsmensch

(von Alexander Kissler)

Jahr um Jahr schrieb Gilbert Keith Chesterton eine Weihnachtsbetrachtung, mindestens eine. Chesterton war ein Mensch der Freude, und also musste er ein Weihnachtsmensch sein. Er war ein Mensch voller Abgründe, und also musste er ein Weihnachtsmensch sein. Er war ein Mensch der Hoffnung und musste auch darum ein Weihnachtsmensch sein. Seine letzte Betrachtung wurde am 28. Dezember 1935 in der englischen Ausgabe der „Illustrated London News“ veröffentlicht. Es war ein Plädoyer für ein „Abschieds-Dankfest nach dem Weihnachtsfest“, das am 28. Dezember eben keineswegs vorüber sei. Eines „der seltsamsten Dinge in unserer eigenen, auf dem Kopf stehenden Zeit“ sei der Umstand, „dass wir alle eine solch riesige Menge über Weihnachten hören, kurz bevor es kommt, und hinterher plötzlich gar nichts mehr.“ Dagegen, schlug Chesterton vor, könne jeder aufbegehren und künftig seinen Freunden „einen Nach-Weihnachts-Gruß schicken“. Damit die Freude nicht vor der Zeit stirbt. Damit die heiligen Drei Könige noch den Grund für ihr Kommen vorfinden. Damit die verrückte Ordnung der Moderne vom Kopf auf die Füße gelangt. Im Leben und in der Kunst, mahnte Chesterton 1908, bedeute, „nur ,modern‘ zu sein, sich zu einer endgültigen Beschränktheit zu verdammen, genauso wie man sich endgültig altmodisch macht, wenn man seinen letzten Pfennig für den allerneusten Hut ausgibt.“ Glücklich der Mensch, der wisse: „Alle neuen Ideen stehen in alten Büchern“. Vollends im Glauben mache der Hang zur Modernität unfroh. „Moderne Theologie“ war für Chesterton ein Widerspruch in sich. Als modern galt zu Chestertons Zeit der Glaube an den ewigen Fortschritt des Menschengeschlechts wie auch an dessen evolutionäre Herkunft. Modern war der Sammelbegriff für Weltanschauungen, die fest davon überzeugt sind, dass alles aus allem hervorgehe, jedes Geschehen im Fluss sei und einem geraden Weg der „Fortentwicklung und höherer Moral“ folge. Den stärksten Einspruch gegen diese Ideologie formuliere Weihnachten. In seiner knappsten Betrachtung, 1925 entstanden, fasst Chesterton die Botschaft von Weihnachten schlicht zusammen: „Etwas ist geschehen.“ Die „dramatische und krisenhafte Seite dieses Festes“ hänge damit zusammen. Ein einmaliges Ereignis fand statt im Stall zu Bethlehem, das weder wiederholt werden kann noch veraltet, das keinen Vorgänger kennt und keinen Nachfolger haben wird. Die Modernen können damit nichts anfangen, weil sie Evolutionisten sind und sich nur Prozesse vorstellen können und keine unwiderruflichen Ereignisse. Deshalb sei den Modernen die Freude am Weihnachtsfest verstellt. Heute, mag man einwenden, haben sich die Dinge anders verkehrt. Ereignisse jagen einander so rasch, dass sie den Sinn für Kontinuitäten und Entwicklungen schwächen. Dennoch: Weihnachten ist der Ernstfall. Weihnachten ruft uns die Krise eines nur menschlichen Zeitbegriffs dramatisch ins Gedächtnis. Wenn damals wirklich etwas geschehen ist, dann werden die Herren dieser Welt dieser Welt nie Herr. Dann haben wir allen Grund, frohe Weihnachtsmenschen zu werden.

Quelle: DIE TAGESPOST 20.12.2018

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ADVENT – ein Gedicht


– von Annette von Droste-Hülshoff

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Wo bleibst du, Wolke, die den Menschensohn
Soll tragen?
Seh‘ ich das Morgenrot im Osten schon
Nicht leise ragen?
Die Dunkel steigen, Zeit rollt matt und gleich;
Ich seh‘ es flimmern, aber bleich, ach, bleich!

Mein eignes Sinnen ist es, was da quillt
Entzündet,
Wie aus dem Teiche grün und schlammerfüllt
Sich wohl entbindet
Ein Flämmchen und von Schilfgestöhn umwankt
Unsicher in dem grauen Dunste schwankt.

So muß die allerkühnste Phantasie
Ermatten;
So in der Mondesscheibe sah ich nie
Des Berges Schatten,
Gewiß, ob ein Koloß die Formen zog,
Ob eine Träne mich im Auge trog.

So ragt und wälzt sich in der Zukunft Reich –
Ein Schemen!
Mein Sinnen sonder Kraft! – Gedanke bleich.
Wer will mir nehmen
Das Hoffen, was ich in des Herzens Schrein
Gehegt als meiner Armut Edelstein?

Gib dich gefangen, törichter Verstand!
Steig nieder
Und zünde an des Glaubens reinem Brand
Dein Döchtlein wieder,
Die arme Lampe, deren matter Hauch
Verdumpft, erstickt in eignen Qualmes Rauch.

Du seltsam rätselhaft Geschöpf aus Ton,
Mit Kräften,
Die leben, wühlen, zischen wie zum Hohn
In allen Säften,
O bade deinen wüsten Fiebertraum
Im einz’gen Quell, der ohne Schlamm und Schaum!

Wehr ab, stoß fort, was gleich dem frechen Feind
Dir sendet
Die Macht, so wetterleuchtet und verneint,
Und starr gewendet
Wie zum Polarstern halt das Eine fest,
Sein Wort, sein heilig Wort, und – Schach dem Rest!

Dann wirst du auf der Wolke deinen Herrn
Erkennen,
Dann sind Jahrtausende nicht kalt und fern,
Und zitternd nennen
Darfst du der Worte Wort, des Lebens Mark,
Wenn dem Geheimnis deine Seele stark.

Und heute schon, es steht in Gottes Hand,
Erschauen
Magst du den Heiland und der Seele Brand
Gleich dem Vertrauen.
Zerfallen mögen Erd‘ und Himmelshöhn,
Doch seine Worte werden nicht vergehn.

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Rorate caeli desuper

Rorate caeli desuper

Zu den Perlen der Adventsliturgie gehört der Wechselgesang der Rorate-Rufe. In ihm wird, immer wieder durch den flehentlichen Ruf nach dem Erlöser unterbrochen, mit biblisch inspirierten Worten die Bedrängnis des Gottesvolkes geschildert, die eine Folge von Untreue und Schuld ist.

In der letzten Strophe aber (bei der Rorate-Messe ist es der Augenblick, in dem der Priester einzieht), spricht der Herr selbst die tröstlichsten aller Worte: Er selbst wird kommen, uns zu retten! Reicher und kraftvoller als alle Lied-Übertragungen ist der Text in seiner ursprünglichen Fassung, die hier in deutscher Übersetzung wiedergegeben sei:

«Tauet, Himmel, von oben, ihr Wolken,
regnet den Gerechten!
Zürne nicht länger, Herr, nicht länger
gedenke unserer Missetaten!
Siehe, die Heilige Stadt ist zur Wüste,
Sion zur Wüste geworden, Jerusalem
verödet, das Haus Deiner Heiligung
und Deiner Herrlichkeit, wo Dich gepriesen
haben unsere Väter.

Wir haben gesündigt und sind unrein
geworden und sind gefallen alle wie
ein Blatt, und unsere Missetaten haben
uns fortgetragen wie der Wind.
Verborgen hast Du Dein Antlitz vor
uns und uns zerschmettert durch die
Wucht unserer Schuld.

Sieh an, Herr, die Betrübnis Deines
Volkes, und sende, den Du senden
willst. Sende aus das Lamm, den Beherrscher
der Erde, vom Felsen der Wüste
zum Berg der Tochter Zion,
dass es hinwegnehme das Joch
unserer Knechtschaft.

Tröste dich, tröste dich, mein Volk!
Bald wird kommen dein Heil. Warum
verzehrst du dich in Trauer, da dich
erneuert hat der Schmerz? Ich werde
dich retten, fürchte dich nicht. Denn
ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige
Israels, dein Erlöser.»

Quelle: Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt

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