Erzengel Michael – 29. September

Wieder einmal die Liturgiereform:
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verschwand das folgende Gebet aus der „Eucharistiefeier“.

„Heiliger Erzengel Michael, du Fürst der himmlischen Heerscharen,
schirme uns im Kampf gegen die Bosheiten und die Arglist des Teufels,
sei du unser Schutz.
Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich.
Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,
stürze den Satan und die anderen bösen Geister,
die zum Verderben der Seelen die Welt durchschweifen,
in der Kraft Gottes hinab in die Hölle.
Amen.“

Immerhin:
1994 mahnte jedoch Papst Johannes Paul II. „es nicht zu vergessen und es zu beten, um Hilfe zu erlangen im Kampf gegen die Mächte der Finsternis und gegen die Gesinnung dieser Welt“.

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Evangelium – 17. Sonntag nach Pfingsten

In jener Zeit kamen die Pharisäer zu Jesus.

Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte Ihn versuchen und fragte Ihn:

Meister, welches ist das größte Gebot im Gesetze?

Jesus antwortete ihm:

Du sollst den Herrn, deinen Gott,
lieben mit deinem ganzen Herzen,
aus deiner ganzen Seele
und aus deinem ganzen Gemüte.

Dies ist das größte und erste Gebot.
Ein zweites aber ist diesem gleich:

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

An diesen zwei Geboten
hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Da nun die Pharisäer versammelt waren, fragte sie Jesus:

Was haltet ihr von Christus?
Wessen Sohn ist Er?

Sie antworteten Ihm:

Der Sohn Davids.

Da sprach Er zu ihnen:

Warum kann Ihn dann David, vom Geiste erleuchtet, ‚Herr‘ nennen?
Sagt er doch: Es sprach der Herr zu meinem Herrn:
Setz Dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde
Dir als Schemel hingelegt für Deinen Fuß [Ps. 109, 1].
Wenn also David Ihn, ‚Herr‘ nennt, wie ist Er dann sein Sohn?

Niemand konnte Ihm darauf etwas antworten,
und niemand wagte es von diesem Tage an,
Ihm wieder eine Frage vorzulegen.

(Matth. 22, 34-46)

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Sieben Schmerzen Mariens – 15. September

Die sieben Schmerzen Mariens:

1. die Weissagung Simeons (Lk 2,34-35)
2. die Flucht nach Ägypten (Mt 2, 13-15)
3. das dreitägige Suchen nach Jesus bei der Wallfahrt zum Tempel (Lk 2,41-52)
4. der Weg nach Golgota
5. die Kreuzigung Jesu
6. die Abnahme Jesu vom Kreuz
7. die Grablegung Jesu

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Christi Mutter stand mit Schmerzen
bei dem Kreuz und weint von Herzen,
als ihr lieber Sohn da hing.

Durch die Seele voller Trauer,
scheidend unter Todesschauer,
jetzt das Schwert des Leidens ging.

Welch ein Schmerz der Auserkornen,
da sie sah den Eingebornen,
wie er mit dem Tode rang.

Angst und Jammer, Qual und Bangen,
alles Leid hielt sie umfangen,
das nur je ein Herz durchdrang.

Ist ein Mensch auf aller Erden,
der nicht muss erweichet werden,
wenn er Christi Mutter denkt,

wie sie, ganz von Weh zerschlagen,
bleich da steht, ohn alles Klagen,
nur ins Leid des Sohns versenkt?

Ach, für seiner Brüder Schulden
sah sie ihn die Marter dulden,
Geißeln, Dornen, Spott und Hohn;

sah ihn trostlos und verlassen
an dem blutgen Kreuz erblassen,
ihren lieben einzgen Sohn.

O du Mutter, Brunn der Liebe,
mich erfüll mit gleichem Triebe,
dass ich fühl die Schmerzen dein;

dass mein Herz, im Leid entzündet,
sich mit deiner Lieb verbindet,
um zu lieben Gott allein.

Drücke deines Sohnes Wunden,
so wie du sie selbst empfunden,
heilge Mutter, in mein Herz!

Dass ich weiß, was ich verschuldet,
was dein Sohn für mich erduldet,
gib mir Teil an seinem Schmerz!

Lass mich wahrhaft mit dir weinen,
mich mit Christi Leid vereinen,
so lang mir das Leben währt!

An dem Kreuz mit dir zu stehen,
unverwandt hinaufzusehen,
ist’s, wonach mein Herz begehrt.

O du Jungfrau der Jungfrauen,
woll auf mich in Liebe schauen,
dass ich teile deinen Schmerz,

dass ich Christi Tod und Leiden,
Marter, Angst und bittres Scheiden
fühle wie dein Mutterherz!

Alle Wunden, ihm geschlagen,
Schmach und Kreuz mit ihm zu tragen,
das sei fortan mein Gewinn!

Dass mein Herz, von Lieb entzündet,
Gnade im Gerichte findet,
sei du meine Schützerin!

Mach, dass mich sein Kreuz bewache,
dass sein Tod mich selig mache,
mich erwärm sein Gnadenlicht,

dass die Seel sich mög erheben
frei zu Gott im ewgem Leben,
wann mein sterbend Auge bricht!

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Kreuzerhöhung – 14. September

Ein guter Tag
um für die Kirche zu beten, für den Papst und die Bischöfe.
Wir leben in einer schweren Zeit.
Die Heilige Mutter Kirche wird entthront.
Der Gekreuzigte, der Erlöser, wird zerfleddert.

Die Feinde der Kirche sind die Feinde Gottes,
sind die Mit- und Nachläufer des Satans;
sie wirken außerhalb der Kirche
und innerhalb der Kirche.

Darum, entscheide DICH!

Jeder ist gerufen, auch DU,
treu zu seinem Taufversprechen zu stehen:

Widersagst DU dem Satan,
und all seinen Werken,
und all seinem Gepränge?
Glaubst DU an Gott, den allmächtigen Vater,
den Schöpfer des Himmels und der Erde;
glaubst DU an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn,
der geboren wurde und gelitten hat?
Glaubst DU an den Heiligen Geist,
an die heilige katholische Kirche,
die Gemeinschaft der Heiligen,
den Nachlass der Sünden,
die Auferstehung des Fleisches
und das ewige Leben?

Entscheide DICH!
heute ist ein guter Tag dazu!

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Neue Eva mit Namen MARIA – 12. September

„Wie soll ich dich nennen, o uns Fremder, der einer aus uns geworden? Soll ich dich, Sohn‘ nennen, Bruder, Bräutigam, Herr, Erzeuger seiner Mutter, (in) einer andren Geburt, aus dem Wasser! Denn Schwester bin ich (dir), aus dem Hause Davids, der (für uns) zweiter Vater ist. Und Mutter bin ich, weil ich Dich im Schoß trug. Und Braut bin ich, weil du keusch bist…“

(Hl. Ephräm, +373)

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Jungfrau, Mutter Gottes mein. – Mariä Geburt – 8. September

Jungfrau, Mutter Gottes mein,
lass mich ganz Dein eigen sein.

Dein im Leben, Dein im Tod,
Dein in Unglück, Angst und Not,
Dein in Kreuz und bittrem Leid,
Dein für Zeit und Ewigkeit.

Jungfrau, Mutter Gottes mein,
lass mich ganz Dein eigen sein.

Mutter, auf Dich hoff und baue ich.
Mutter, zu Dir ruf und seufze ich.
Mutter, Du gütigste, steh mir bei.
Mutter, Du mächtigste, Schutz mir leih.

O Mutter, so komm, hilf beten mir.
O Mutter, so komm, hilf streiten mir.
O Mutter, so komm, hilf leiden mir.
O Mutter, so komm, und bleib bei mir.

Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste.
Du willst mir ja helfen, o Gütigste.
Du musst mir nun helfen, o Treueste.
Du wirst mir auch helfen, Barmherzigste.

O Mutter der Gnade, der Christen Hort,
Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Port.
Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier,
Du Trost der Betrübten, ihr Schutzpanier.

Wer hat je umsonst Deine Hilf angefleht.
Wann hast Du vergessen ein kindlich Gebet.
Drum ruf ich beharrlich, in Kreuz und in Leid,
Maria hilft immer, sie hilft jederzeit.

Ich ruf voll Vertrauen im Leiden und Tod,
Maria hilft immer, in jeglicher Not.
So glaub‘ ich und lebe und sterbe darauf,
Maria hilft mir in den Himmel hinauf.

Jungfrau, Mutter Gottes mein,
lass mich ganz Dein eigen sein.
Amen.

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Unbeflecktes Herz der Allerseligsten Jungfrau Maria – 22. August

Ist die Not in Europa heute geringer als während des Zweiten Weltkrieges?

Die geistliche Not ist ganz sicher viel größer!

Darum sollten wir heute jenes Muttergottesfest feiern, das die Kirche am 4. Mai 1944 eingeführt hat. Papst Pius XII. weihte, angeregt durch die Erscheinungen der Muttergottes in Fatima, am 8. Dezember 1942, die Kirche und die Menschheit dem Unbefleckten Herzen Mariens.

Am achten Tag nach Mariä Himmelfahrt sollte dieses Fest begangen werden.

Alleluia.
Hochpreist meine Seele den Herrn,
und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Retter.
Alleluia.

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MARIA ADVOCATA / Mariä Himmelfahrt – 15. August

Eia ergo, ADVOCATA nostra –
Wohlan denn, unsre Fürsprecherin.
(aus dem SALVE REGINA)

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Wie das Feuer, das brennt und nie verlöscht,
so bleibt auch das Herz immer wach und voller Sehnsucht,
und unablässig erhebt es sein Loblied zu Gott.

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Noch bevor ihr geboren wurdet,
hat der Herr euer Herz für sich bewahrt,
um es mit seiner Liebe erfüllen zu können.

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Es ist der 24. Juni 2010:
Benedikt XVI. besucht das Dominikanerinnenkloster „Santa Maria del Rosario“ auf dem Monte Mario, wo einem die Stadt zu Füßen liegt. Das Kloster beherbergt einen der großen verborgenen Schätze Roms: die Ikone der „Maria Advocata“, eine Ikone der Gottesmutter, die der Überlieferung nach vom heiligen Evangelisten Lukas gefertigt wurde. Und wie aktuell doch ihre Geschichte ist in dieser Zeit der wütenden Raserei, in der die Verbrecher nicht einmal vor Statuen von Heiligen einhalten und die Zerstörung unter satanischem Grinsen und Schreien fortgesetzt wird.

Aber wie es so schön heißt: nil novi sub sole – nix Neues gibt’s nicht. Denn schon vor 1300 Jahren hatte der byzantinische Kaiser Leo III. heiligen Bildern den Krieg erklärt. Unzählige Ikonen wurden in jenem Kulturkampf zerhackt und verbrannt, ihre leidenschaftlichsten Verehrer verbannt, gefoltert, ermordet. Beinahe die ganze frühchristliche Kunst des Ostens wurde dadurch zerstört. Wie gesagt: nil novi sub sole. Das Elend des beschränkten menschlichen Geistes wiederholt sich immer, Zeichen des Wirkens Satans und der Ursünde.

Wenige Ikonen gelangten dann nach Rom und wurden so gerettet, und von vielen dieser Ikonen und ihrer Reisen könnte man Romane schreiben, bzw. eine Geschichte, die dann einem Roman ähneln könnte. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür dürfte wohl das „Volto Santo“ von Manoppello sein, das Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006 besucht hatte: das wunderbare Antlitz Christi auf unbemalbarer Muschelseide.

Hier in Rom haben wir ein besonderes Beispiel: die „Madonna Maria Advocata“. Sie gehört zu den ältesten Ikonen überhaupt. Sie befand sich seit dem Jahr 1221 im Kloster der ersten Dominikanerinnen und begleitete diese dann durch die Jahrhunderte. Domenico de Guzman, der Gründer des Dominikanerordens, hatte sie persönlich am 28. Februar aus der nahen Kirche Santa Maria in Tempulo ins Kloster getragen. Auf welchen Wegen sie dorthin gelangt war, ist ungewiss. Nach Rom kam sie wohl schon Jahrhunderte vorher.

Und dann besuchte sie vor zehn Jahren Benedikt XVI. Der Papst vor dem Bild der Gottesmutter, gemalt von jenem Autor, dessen Werk sein letztes Jesus-Buch inspirierte. Nicht umsonst wurde Lukas im Mittelalter zum Schutzpatron der Maler. Ein inniger Abschluss eines Tages, ein betender Abschluss an jenem 24. Juni 2010, eingefügt in eine Intimität des Lobes, der Gegenwart, der Anerkenntnis.

Vor der Madonna Advocata auf dem Berg – in Stille die Messe, dann der Rosenkranz, während SIE einen anblickt. Und den Weg weist, zwei Hände, die nach rechts weisen, als die „Hodegetria“, an und für sich die Urikone der Gottesgebärerin: der Beginn eines Tages, der unvergesslich wird…

Dann:
Benedikt XVI. und die Advocata – der Abschlusse eines Tages, der in die Geschichte eingegangen ist.
Benedikt XVI., gemeinsames Gebet der Sext und Begegnung mit den Klausurschwestern des Dominikanerinnenklosters „Santa Maria del Rosario“, 24. Juni 2010:

Maria Advocata – Dominikanerinnenklosters „Santa Maria del Rosario“, Rom

Liebe Schwestern!
An eine jede von euch wende ich mich mit den Worten aus Psalm 125, den wir soeben gebetet haben: »Herr, tu Gutes den Guten, den Menschen mit redlichem Herzen« (V. 4). Ich möchte euch vor allem mit diesem guten Wunsch begrüßen: Der Herr gewähre euch seine Güte. Mein besonderer Gruß gilt eurer Mutter Priorin, der ich von Herzen für die freundlichen Worte danke, die sie im Namen der Gemeinschaft an mich gerichtet hat. Mit großer Freude habe ich die Einladung zum Besuch dieses Klosters angenommen, um gemeinsam mit euch zu Füßen des Acheropita-Bildes der Gottesmutter von »San Sisto« zu verweilen, der früheren Schutzfrau der römischen Klöster »Santa Maria in Tempulo« und »San Sisto«.

Wir haben zusammen die Sext gebetet, einen kleinen Teil jener liturgischen Gebete, die euren Tagesablauf als Klausurschwestern bestimmen und euch zu Sprecherinnen der bräutlichen Kirche machen, die in besonderer Weise mit ihrem Herrn vereint ist.

Durch dieses gemeinsame Beten, das seinen Höhepunkt in der täglichen Teilnahme am eucharistischen Opfer findet, wird eure Weihe an den Herrn im Schweigen und in der Abgeschiedenheit reich und fruchtbringend, und dies nicht nur im Hinblick auf den Weg eurer persönlichen Heiligung und Läuterung, sondern auch bezüglich des Apostolats der Fürbitte, das ihr für die ganze Kirche ausübt, damit sie rein und heilig vor das Antlitz des Herrn treten kann. Ihr, die ihr die Wirksamkeit des Gebets nur allzu gut kennt, spürt jeden Tag, wie viele Gnaden der Heiligung es für die Kirche erwirken kann.

Liebe Schwestern, eure Gemeinschaft ist ein Ort, an dem ihr beim Herrn wohnen könnt; sie ist für euch das neue Jerusalem, zu dem die Stämme des Herrn hinaufziehen, um den Namen des Herrn zu preisen (vgl. Ps 121,4). Seid der göttlichen Vorsehung dankbar für die erhabene und ungeschuldete Gabe der monastischen Berufung, zu der euch der Herr völlig unverdient gerufen hat. Mit Jesaja könnt ihr von euch behaupten: »…der Herr hat mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht gemacht« (Jes 49,5). Noch bevor ihr geboren wurdet, hat der Herr euer Herz für sich bewahrt, um es mit seiner Liebe erfüllen zu können. Durch das Sakrament der Taufe habt ihr die göttliche Gnade empfangen und seid, eingetaucht in seinen Tod und seine Auferstehung, Jesus geweiht worden, um ihm allein anzugehören. Die Art des kontemplativen Lebens, die ihr aus den Händen des hl. Dominikus in Form der Klausur empfangen habt, stellt euch als lebendige und lebensnotwendige Glieder mitten ins Herz des mystischen Leibes des Herrn, der die Kirche ist; und ebenso wie das Herz das Blut zum Zirkulieren bringt und den ganzen Leib am Leben hält, so trägt auch euer verborgenes Leben mit Christus, das von Arbeit und Gebet geprägt ist, zum Erhalt der Kirche bei, die Werkzeug des Heils für jeden Menschen ist, den der Herr mit seinem Blut erlöst hat.

Aus dieser unversiegbaren Quelle schöpft ihr mit eurem Gebet, indem ihr vor den Allerhöchsten die geistlichen und materiellen Bedürfnisse so vieler Brüder und Schwestern in Not und das orientierungslose Leben all jener bringt, die sich vom Herrn entfernt haben. Wie könnte man nicht Mitleid empfinden für diejenigen, die ziellos umherzuirren scheinen? Wie könnte man sich nicht wünschen, daß es in ihrem Leben zur Begegnung mit Jesus komme, der allein dem Leben einen Sinn verleihen kann? Die heilige Sehnsucht, daß das Reich Gottes im Herzen eines jeden Menschen Raum finde, ist mit dem Gebet selbst gleichzusetzen, wie es uns der hl. Augustinus lehrt: »Ipsum desiderium tuum, oratio tua est; et si continuum desiderium, continua oratio« (vgl. Ep. 130,18–20); wie das Feuer, das brennt und nie verlöscht, so bleibt auch das Herz immer wach und voller Sehnsucht, und unablässig erhebt es sein Loblied zu Gott.

Liebe Schwestern, achtet daher darauf, daß über die jeweiligen Momente des Gebets hinaus euer Herz in allem, was ihr tut, stets von der Sehnsucht geleitet wird, Gott zu lieben. Mit dem Bischof von Hippo möget ihr erkennen, daß der Herr selbst seine Liebe in eure Herzen gelegt hat, eine Sehnsucht, die eurem Herzen Weite schenkt und es befähigt, Gott selbst aufzunehmen (vgl. in Io. Ev. tr. 40,10). Dies ist der Horizont eures irdischen Pilgerweges! Dies ist euer Ziel! Aus diesem Grund habt ihr euch dafür entschieden, im Verborgenen und im Verzicht auf irdische Güter zu leben: damit ihr vor allem jenes eine, unvergleichliche Gut erstreben könnt, jene wertvolle Perle, für die es sich lohnt, auf jedes andere Gut zu verzichten, um in ihren Besitz zu kommen.

Möget ihr jeden Tag euer »Ja« zu den Plänen Gottes sprechen können, mit derselben Demut, mit der auch die selige Jungfrau ihr »Ja« gesprochen hat. Sie, die das Wort Gottes in Stille aufgenommen hat, führe euch Tag für Tag in eurer jungfräulichen Lebenshingabe, damit ihr im Verborgenen jene tiefe Innerlichkeit verspüren könnt, die sie selbst mit Jesus erlebt hat. Während ich um ihre mütterliche Fürsprache bitte – zusammen mit der Fürsprache des hl. Dominikus, der hl. Katharina von Siena und der vielen heiligen Männer und Frauen des Dominikanerordens –, erteile ich euch allen meinen besonderen Apostolischen Segen, den ich gern auf all jene ausweite, die sich eurem Gebet anvertrauen.

(Armin Schwibach, kath.net 24. Juni 2010 – http://kath.net/news/72036 )

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Wie ER will! – Epistel v. 10. So n. Pf.

Brüder!
Ihr wißt, daß ihr euch,
solange ihr noch Heiden waret,
zu den stummen Götzen führen ließet,

wie man wollte [willenlos].

Darum tue ich euch kund, daß niemand, der im Geiste Gottes spricht, sagt:
Verflucht sei Jesus;
und niemand kann sagen:
Herr Jesus,
als nur im Hl. Geiste.

(Damit gibt der hl. Paulus ein Erkennungszeichen an für die echten Gnadengaben: sie stammen von Gott, wenn sie die Gottheit Christi bekennen).

Es gibt zwar verschiedene Gnadengaben, aber nur einen Geist.
Es gibt verschiedene Ämter, aber nur einen Herrn.
Es gibt verschiedene Wunderkräfte, aber nur einen Gott,
der alles in allen wirkt.

Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes
zum [gemeinsamen] Nutzen zuteil.
Dem einen wird durch den Geist die Rede der Weisheit verliehen;
einem andern durch denselben Geist die Rede der Wissenschaft;
einem dritten der Glaube durch denselben Geist;
wieder einem andern die Gabe der Heilungen durch den nämlichen Geist;
diesem die Gabe, Wunder zu wirken,
jenem die Gabe der Weissagung;
diesem die Gabe der Unterscheidung der Geister,
jenem die Gabe der Sprachen,
einem andern die Auslegung der Sprachen.

Dies alles aber bewirkt ein und derselbe Geist,
der jedem zuteilt,
wie Er will.

(Epistel 1 Kor. 12,2-11)

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Verklärung Christi – 6. August

Der innere Sinn der Verklärung des Herrn auf dem Berg Tabor erschließt sich, wie Origenes betont, nicht unmittelbar, »da die Verklärung Jesu nicht auf den ersten Blick einleuchtet, sondern ihren Glanz erst erhält durch das ganze Christusmysterium, das Leiden und Auferstehung einschließt«.

Origenes versteht die Verklärung des Herrn auf dem Tabor als Modell für den Aufstieg der Gläubigen durch Askese und Kontemplation.

Der Aufstieg findet »nach sechs Tagen« statt, ein Hinweis, den Origenes in Parallele dazu setzt, daß die Welt in sechs Tagen erschaffen wurde. Nur wer die sichtbaren und zeitlichen Dinge überschreitet, nämlich auf die unsichtbare und ewige Wirklichkeit Gottes hin, kann der Verklärung teilhaftig werden.

Jesus wird sich denen, die diesen Überschritt gewagt haben, in Gottesgestalt (in forma Dei) zeigen, in der er bereits vor seiner Menschwerdung war, während die anderen Jünger ihn nur in der Knechtsgestalt gesehen haben. Matthäus und Markus geht es in ihrem Bericht von der Verklärung des Herrn, wie Origenes betont, nicht allein um die Verklärung Jesu im allgemeinen, sondern daß er sich vor seinen drei Jüngern, die er mitnahm, verklären wollte: »Dementsprechend wirst du sagen, es sei möglich, daß Jesus zwar vor irgendwelchen mit dieser Verklärung verklärt wird, vor anderen aber zur selben Zeit nicht verklärt wird, sondern in Knechtsgestalt ist.«Deshalb soll, wer glaubt, nicht in den Niederungen des geistlichen Lebens stehen bleiben, sondern »durch aufsteigende Werke und die Übung geistlicher Worte auf den geistlichen Berg der Weisheit« steigen.

Wer diesen Aufstieg wagt, wird Jesus nicht mehr »dem Fleische nach« erkennen, sondern als Logos (theologoumenon, deus verbum) und ihn in Gottesgestalt anbeten und verehren.

Als die Jünger schließlich aufblickten, sahen sie nur noch Jesus allein, denn nach Origenes sind Mose (Gesetz) und Elija (Propheten) im Evangelium eins geworden. Wie die Toten nach der Auferstehung Jesu aus ihren Gräbern aufsteigen und in der Heiligen Stadt Jerusalem vielen erscheinen (Mt 27,52f.), so gehen Mose und Elija dorthin, woher sie gekommen waren, »um die Worte Jesu weiterzugeben an jene, die noch nicht seine Wohltaten erfahren hatten«.

Nach Tertullian ist die Gegenwart von Mose und Elija bei der Verklärung Jesu ein Beweis für das Überleben des Menschen nach dem Tod: »Mose erscheint im Bild jenes Fleiches der Auferstehung,das er noch nicht angenommen hat, Elija in der Wahrheit des noch nicht gestorbenen Leibes, denner wurde ja zu Gott entrückt, ohne den Tod zu erleiden (vgl. 2 Kön 2,1-18)«

Michael Schneider – VERKLÄRUNG DES HERRN

Kirche der Verklärung auf dem Berg Tabor, Apsis-Mosaik, Ausschnitt. – Foto: CNS/Greg Tarczynski.

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