Knien vor dem Herrn – 6. Januar

Und da ist endlich das Knien vordem Herrn:

die Anbetung.

Weil er selbst in der Eucharistie gegenwartig ist, deswegen war immer Anbetung in ihr von Wesen gegeben. Auch wenn es in dieser großen festlichen Formel erst im Mittelalter entfaltet wurde, ist doch dies keine Veränderung und kein Abfall, kein Anderes, sondern nur das volle Heraustreten dessen, was da ist.

Denn wenn der Herr sich uns gibt, kann ihn empfangen nur zugleich sein:
sich vor ihm beugen,
ihn verherrlichen,
ihn anbeten.

Und auch heute steht es nicht gegen die Würde und Freiheit und Größe des Menschen, das Knie zu beugen, Gehorsam vor ihm zu haben, ihn anzubeten und zu verherrlichen. Denn wenn wir ihn leugnen, um nicht anbeten zu müssen, dann bleibt ja nur die ewige Notwendigkeit der Materie übrig. Dann sind wir wirklich unfrei, nur irgendein Staubkorn, das in der großen Mühle des Weltalls herumgeschleudert wird und sich vergeblich Freiheit einzureden versucht. Nur wenn er der Schöpfer ist, ist der Grund aller Dinge Freiheit und können wir frei sein. Und indem sich unsere Freiheit vor ihm beugt, wird sie nicht aufgehoben, sondern erst wahrhaft angenommen und endgültig gemacht. Aber an diesem Tag kommt noch eines dazu. Der, den wir anbeten – ich sagte es schon – ist nicht eine ferne Macht.

Er hat sich selbst vor uns hingekniet, um unsere Füße zu waschen. Und das gibt unserer Anbetung das Gelöste, das Hoffende und das Frohe, weil wir uns vor dem beugen, der sich selbst gebeugt hat, weil wir uns in die Liebe hineinbeugen, die nicht versklavt, sondern verwandelt.

So wollen wir den Herrn bitten, dass er solche Erkenntnis und solche Freude uns schenken möge und dass sie von diesem Tag weit hinausstrahlen möge in unser Land und in unseren Alltag.

Papst Benedikt XVI.

Selbst Könige knien nieder.

Die Anbetung der Heiligen Drei Könige – Dieses Bild aus der alten Kirche wurde vom OBAG-Monteur Alois Lackner völlig verdreckt auf einem Dachboden gefunden. Er restaurierte es, brachte es an einem Dreikönigs-Tag nach Wurmannsquick und schenkte es der Pfarrei. – Bildschirmfoto – https://pfarrverband-wurmannsquick.bistum-passau.de/pfarreien/wurmannsquick/zattler

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Gebetsmeinung oder Heuchelei in Vollendung

Gemessen an dem was Papst Franziskus entscheidet – z. B. mit „Traditionis custodes“ und den dazu gehörigen Ausführungsbestimmungen „Responsa ad dubia“ – und dann als „Gebetsmeinung des Papstes für Januar 2022″ ausgibt, kann man sich nur wundern. Manche meinen auch, dies sei Heuchelei in Vollendung.

„Wir beten für alle,
die unter religiöser Diskriminierung
und Verfolgung leiden;
ihre persönlichen Rechte mögen anerkannt
und ihre Würde geachtet werden,
weil wir alle Schwestern und Brüder
einer einzigen Familie sind.“

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Gott hat das Recht auf mein Blut und Leben – 1. Januar

Oktav des Weihnachtsfestes:
Ich lebe von Gottes Gnaden!

Auch am Oktavtag des Weihnachtsfestes steht die Kirche noch in der unmittelbaren Gegenwart des großen Heilsgeschehens. Im Grunde sind ihr all diese Tage zwischen Weihnachten und Epiphanie ein großes Fest: die Feier der Ankunft Gottes bei den Menschen. Wenn sie auch nicht unterläßt, ihre Heiligen in dieser Zeit zu feiern, so bedeutet ihr das doch keine Abwendung von der beglückenden Schau des Weihnachtsmysteriums. Der Kommende erscheint ja „im Glanze der Heiligen„. Er ist ein Leib mit ihnen. Ihre Feier legt nur einen neuen Strahlenkranz um das königliche Haupt. Sein Fest dauert in dem ihrigen fort. Nicht nur in unvermindertem, in reicherem Glanz leuchtet uns heute, da die „acht Tage voll werden„, die Gegenwart des „Schönsten unter den Menschenkindern„.

Und wie am vergangenen Sonntag erkennen wir: Seine Schönheit ist die Schönheit der göttlichen Liebe, die in ihm offenbar wird: „Aus seiner großen Liebe, mit der er uns liebte, sandte Gott seinen Sohn in der Gleichheit des Sündenfleisches.“

So steht schon mit der Magnifikatantiphon der ersten Vesper wiederum die ganze Weihnachtswirklichkeit als festlicher Inhalt auch des heutigen Tages vor uns. Die Messe – mit wenigen Änderungen ist es die Tagesmesse des Weihnachtsfestes – führt unsere Gedanken in den gleichen Bahnen weiter. Die rührende und beispielhafte Gestalt des Gottesknechtes tritt abermals in die Mitte des Mysteriengeschehens. Das veränderte Tagesevangelium leiht ihm nur noch sprechendere Züge. Wie am vergangenen Sonntag sehen wir ihn in der Unterwerfung unter das Gesetz des „Sündenfleisches„. Das Kind, dessen Füße noch gebunden sind, hat den Gehorsamsweg beschritten. Obwohl ohne Sünde geboren, unterwirft der Gottesknecht das freiwillig angenommene „Sündenfleisch“ dem Gebote der Beschneidung.

Damit bekennt er sich öffentlich und feierlich als Mensch, Knecht Gottes und Eigentum seines Herrn. Denn so hatte Gott durch Moses geboten: „Weihe mir alles Erstgeborene! Alles, was unter den Israeliten bei Menschen und Vieh zuerst aus dem Mutterschoße kommt, gehört mir.“ Was die Beschneidung ganz allgemein und für den Israeliten im besonderen ausdrücken soll, ist die völlige Hörigkeit des Menschen, das absolute Eigentumsrecht Gottes auf ihn. Ich lebe von Gottes Gnaden, will der Mensch sagen, der sich der Beschneidung unterwirft. Gott hat das Recht auf mein Blut und Leben. Er kann es nehmen, wie er es gegeben hat. Ich gebe wenige Tropfen meines Blutes — Gott hat das Anrecht auf das ganze. Ich opfere ein Tier an meiner Statt — Gott kann mein eigenes Leben als Opfer verlangen.

(Aemiliana Löhr, Das Herrenjahr)

Propter nimiam caritatem suam,
qua dilexit nos Deus,
Filium suum misit in similitudinem
carnis peccati.

Wegen seiner solch großen Liebe,
mit der uns Gott liebte,
sandte er seinen Sohn in der gleichen Gestalt
wie das Fleisch der Sünde.

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Oratio : Vigil von Weihnanchten

Deus, qui nos redemptionis nostræ annua exspectatione lætificas:
præsta; ut Unigenitum tuum, quem Redemptorem læti suscipimus,
venientem quoque Judicem securi videamus,
Dominum nostrum Jesum Christum, Filium tuum:
Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus:
per omnia sæcula sæculorum. Amen.

Gott, Du erfreust uns alljährlich durch die Erwartung unsrer Erlösung;
so gib denn, daß wir Deinen Eingeborenen,
den wir freudig als Erlöser aufnehmen,
einstens auch als Richter mit Zuversicht kommen sehen,
unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn,
der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes,
Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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Deine starke Macht

Biete Deine Macht auf, o Herr,
und komm, wir bitten Dich;
eile uns zu Hilfe mit starker Macht,
damit Dein verzeihendes Erbarmen
durch den Beistand Deiner Gnade
das Heil beschleunige,
das unsre Sünden noch aufhalten:
der Du lebst und herrschest mit Gott dem Vater
in der Einheit des Heiligen Geistes, G
ott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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Maestro Piero. Chrisus Pantocrator. 1506. San Marco Venedig.
http://library.bc.edu/venetianart/plugins/Dropbox/files/0021519p.jpg

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Unbefleckt empfangen – 8. Dezember

Der hl. Maximilian Kolbe über die Erneuerung der Weihe an die Immaculata

Der 8. Dezember ist der Tag der Unbefleckten Empfängnis, unser Fest, unser Fest im wahrsten Sinne des Wortes. Denn es ist der Namenstag der Mutter Gottes und unserer Mutter, eben unter dem Titel Immaculata. Für die männlichen und weiblichen Mitglieder der MI ist es ein Tag besonderer Gnaden, auf den sie sich entsprechend vorbereiten sollten.

Wie sollten sie das tun? – An diesem Tag dürfen ausnahmslos alle, die unter ihrem Banner stehen, die heilige Kommunion nicht vernachlässigen. Sie sollen mit reinem Herzen und möglichst alle zusammen zum Tisch des Herrn gehen. Denn nur eine reine Seele kann bereit sein, Gnaden zu empfangen. Das Allerheiligste Herz Jesu ist die Quelle der Gnade, aus der die Immaculata, unsere Frau und Königin, schöpft und reichlich austeilt, nicht nach unseren Verdiensten – denn wir sind alle unwürdig -, sondern nach ihrer Barmherzigkeit. Der heilige Bernhard sagt über sie, dass Gott die Wirtschaft der Gerechtigkeit sich selbst vorbehalten hat, ihr aber die ganze Wirtschaft der Barmherzigkeit anvertraut hat. Reinigen wir also unsere Herzen und nehmen wir den Herrn der Herren, die Quelle aller Wahrheit, alles Guten und allen Glücks, in unser Herz auf … Was sonst?

Beten wir mit Inbrunst zur Immaculata, dass sie uns als ihr Eigentum annimmt. Wir können das tun, indem wir den Weiheakt an die Immaculata benutzen, der auf unseren Einschreibekarten abgedruckt ist. So erneuern wir Ritter der Immaculata an diesem Tag alle unseren Akt der bedingungslosen Hingabe an sie. Lasst es uns gemeinsam tun, wenn wir können; wir alle. In Polen gibt es jetzt etwa 20.000 von uns.

Entfachen wir in uns die Liebe und das Vertrauen zu unserer geliebten Frau, Königin, Mutter, Führerin, Hoffnung… Einige von uns haben vielleicht schon vergessen, jeden Tag dieses kurze Gebet zu sprechen: das Stoßgebet, das die Immaculata selbst uns gelehrt hat und das in unseren Aufnahmekarten als eines der Mittel aufgeführt ist, die [uns] zur Verfügung stehen. Mögen solche Menschen neu entfacht werden und sich entschließen, es nicht länger zu vernachlässigen. Auch … sollte sich jeder von uns fragen: Habe ich im Laufe dieses Jahres alles getan, was ich für die Immaculata, für das Heil und die Heiligung meiner Seele und der meines Nächsten tun konnte? Oder macht mir mein Gewissen Vorwürfe wegen meiner Faulheit, meiner Trägheit, meines mangelnden Eifers … oder meines Mangels an Selbstaufopferung?

… Prüfen wir uns selbst … Lassen wir diesen Tag zu einem Tag der Wiedergeburt für unsere Seelen werden, zu einem Tag der Erneuerung unseres Eifers für die Ausbreitung des Reiches der allerliebsten Königin des Himmels und der Erde. Wir sollten uns keineswegs auf uns selbst verlassen. Wir dürfen aber auch unser Vertrauen in sie nicht einschränken. In jeder Schwierigkeit oder Versuchung sollen wir uns an sie wenden, und wir werden nicht versagen. Vertrauen wir ihr alle unsere Bemühungen an, und wir werden sicher erreichen, was sie will.

Bartolomé Esteban Murillo and studio, 1617 – 1682 The Immaculate Conception of the Virgin 17th century Oil on canvas, 211 x 126 cm Bequeathed by Joseph Trueman Mills, 1924 NG3910 https://www.nationalgallery.org.uk/paintings/NG3910

Oh, wann wird die Zeit kommen, in der du,
o Königin des Himmels,
die Königin aller Menschen und eines jeden Einzelnen wirst?
Mit deiner Hilfe
und im Rahmen unserer Möglichkeiten
werden wir bis zum letzten Atemzug
für dieses Ziel kämpfen.
Hilf uns also, o Königin, Frau,
liebevollste Mutter!

(Quelle: Maximilian Maria Kolbe. Die Schriften des heiligen Maximilian Maria Kolbe – Band II – Verschiedene Schriften, Nerbini International. Kindle-Version., aus dem „Ritter der Immaculata“ von 1924 – Übersetzter Originalartikel, mit dem sich der hl. Maximilian Kolbe in der Zeitschrift „Ritter der Immaculata“ 1924 an die Mitglieder der MI wendete)

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Alma Redemptoris Mater – Marianische Antiphon im Advent

Alma Redemptoris Mater,
quae pervia caeli Porta manes
et stella maris,
succurre cadenti,
Surgere qui curat populo;
tu quae genuisti,
Natura mirante,
tuum sanctum Genitorem.
Virgo prius ac posterius,
Gabrielis ab ore
Sumens illud Ave,
peccatorum miserere.

Erhabne Mutter des Erlösers,
du allzeit offene Pforte des Himmels
und Stern des Meeres,
komm, hilf deinem Volke,
das sich müht, vom Falle aufzustehn.
Du hast geboren,
der Natur zum Staunen,
deinen heiligen Schöpfer.
die du, Jungfrau davor und danach,
aus Gabriels Mund
vernahmst das selige Ave,
o erbarme dich der Sünder.

Die auf Dich warten: werden nicht enttäuscht!

Ad te levavi animam meam:
Deus meus, in te confido,
non erubescam:
neque irrideant me inimici mei:
etenim universi, qui te exspectant,
non confundentur.

Zu Dir erhebe ich meine Seele;
mein Gott, auf Dich vertraue ich.
Drob werd ich nicht erröten,
noch sollen meine Feinde mich verlachen.
Denn all die vielen, die auf Dich warten,
werden nicht enttäuscht.

(Introitus 1. Advent
Ps 24,1-3)

Ad te levavi animam meam

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Advent des Herrn

Nach dem hl. Bernhard von Clairvaux kennen wir eine dreifache Ankunft des Herrn:
In der ersten Ankunft kam er im Fleisch und in der Schwachheit.
In der zweiten kommt er in Geist und Kraft.
In der letzten kommt er in Herrlichkeit und Majestät.

„Die Weisen der mittleren Ankunft sind vielfältig: Der Herr kommt durch sein Wort; er kommt in den Sakramenten, besonders in der heiligsten Eucharistie; er kommt durch Worte und Ereignisse in mein Leben hinein. Es gibt aber auch epochale Weisen dieses Kommens. Das Wirken der beiden großen Gestalten Franziskus und Dominikus im 12. aufs 13. Jahrhundert war eine Weise, wie Christus neu in die Geschichte hereintrat, neu sein Wort und seine Liebe zur Geltung brachte; eine Weise, wie er seine Kirche erneuerte und die Geschichte auf sich zu bewegte. Ähnliches können wir von den Heiligengestalten des 16. Jahrhunderts sagen: Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Ignatius von Loyola, Franz Xaver bringen mit sich neue Einbrüche des Herrn in die verworrene und von ihm wegtreibende Geschichte ihres Jahrhunderts.

Können wir also um das Kommen Jesu beten? … Ja, wir können es. Nicht nur das: Wir müssen es! Wir bitten um Antizipationen seiner welt-erneuernden Gegenwart. Wir bitten ihn in Augenblicken persönlicher Bedrängnis: Komm, Herr Jesus, und nimm mein Leben hinein in die Gegenwart deiner gütigen Macht. Wir bitten ihn, dass er Menschen, die wir lieben oder um die wir Sorge tragen, nahe werde. Wir bitten ihn, dass er in seiner Kirche wirksam gegenwärtig werde. Warum sollten wir ihn nicht bitten, dass er uns auch heute wieder neue Zeugen seiner Gegenwart schenke, in denen er selber kommt? … Komm, Herr Jesus!“

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Der letzte Sonntag

Angesichts der Verwirrungen in Welt und Kirche scheint es unmöglich zu sein, selbst jene Zuversicht zu haben und diese auch noch weiterzutragen, wie sie uns durch die Liturgie des letzten Sonntags im Kirchenjahr vermittelt wird.

Insbesondere die Kirche liegt am Boden, der letzte Hort, der auf Erden Friede und Einheit verkörpern sollte. Ihr Ziel sollte in der Ewigkeit, vor dem Angesicht Christi sein. Heute scheint die Kirche weithin zu einer Veranstaltung korrupter Beamter geworden zu sein.

Tatsächlich ist auch das höchste Gut der Kirche, die Liturgie, für Papst Franziskus und viele seiner Kardinäle, Bischöfe und weiteren Helfershelfern, zum Mittel degeneriert, Macht zu zeigen und sie auszuüben. Menschenfreundlich daherkommenden Protagonisten, die beständig die Begriffe Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung im Munde führen, sind in Wahrheit Scharlatane, Wölfe im Schafspelz – Machtmenschen. Ihnen geht es darum, Macht auszubauen und Exempel zu statuieren, sowie Positionen zu verfestigen, die mit der Kirche Jesu Christi nicht übereinstimmen.

Wer meint, nur der deutsche „synodale Weg“ würde die katholische Kirche uns Unglück stürzen, gar vernichten, der täusche sich nicht. Auch Rom ist dabei, das Antlitz der Kirche zu verändern, besser: zu verunstalten. Wiederum ist es die Liturgie, die zum Ausgangspunkt eines Umsturzes herhalten muss, der schon einmal, in der Zeit der „Vor-68er“, nämlich in den Jahren des 2. Vatikanischen Konzils (1962-1965) eine große Krise hervorgerufen hat. Heute ist diese Krise existentiell. Und heute erkennen wir besser als damals, wie die Spieler auf diesem spiegelglatten Parkett agieren. Darum sollen und müssen wir bereit sein. Wir müssen uns wehren. Einfach zuschauen und geduldig folgen ist heute nicht mehr angesagt, nicht einmal mehr ein Mittel der Wahl.

Mit „Traditionis custodes“ will Papst Franziskus dem tridentinischen Ritus den endgültigen Todesstoß versetzen. Hier gilt es Widerstand zu leisten. Sein Hinweis, er wolle liturgischen Frieden herstellen und darum nur den „Novus Ordus Missae“ als alleinige Form liturgischer Praxis gelten zu lassen, ist nicht wirklich ernst zu nehmen. Jeder Bischof weiß, wie natürlich auch der Papst, dass liturgischer Unfriede, liturgische Beliebigkeit, ja liturgischer Missbrauch das Kennzeichen der nachvatikanischen Liturgiereform des NOM ist. Vor dieser „Liturgiereform“ ist der „Greuel der Verwüstung“ in der Weltkirche allgegenwärtig.

Unser Ansinnen ist es, die liturgische Vielfalt wieder verwirklicht zu sehen, wie sie das tridentinische Konzil beschlossen hat. Das sind sowohl der Römische Ritus, der die vielen örtlichen Riten zusammengeführt hat und fortan als „tridentinische Liturgie“ bestand, als auch jene Liturgien, die bereits älter als 200 Jahre waren, z. B. bestimmte Liturgien von Diözesen (z. B. die ambrosianische Liturgie in der Diözese Mailand) und Orden (z. B. Dominikanerritus usw.)..

Tatsächlich rüttelt uns die Liturgie des letzten Sonntags im Kirchenjahr des tridentinischen Kalenders wiederum auf, endlich der Wahrheit entgegenzugehen, die wir zwar noch nicht sehen, aber dennoch erahnen können.

Christus der Menschensohn ist vor uns verhüllt und verschleiert. Er will uns in der Kraft seines Kreuzesopfers der Gewalt der Finsternis entreißen. Wir müssen jedoch bereit sein, uns umgestalten zu lassen, damit wir reif sind für sein Reich:

das Reich der Verklärung, der ewigen Ruhe
und der ewigen Gottesgemeinschaft.

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Introitus: Dicit Dominus:
Ego cogito cogitationes pacis, et non afflictionis:
invocabitis me, et ego exaudiam vos:
et reducam captivitatem vestram de cunctis locis.
Benedixisti, Domine, terram tuam:
avertisti captivitatem Jacob.

So spricht der Herr:
Ich denke Gedanken des Friedens, nicht des Verderbens.
Ihr werdet zu Mir rufen, und Ich werde euch erhören.
Heimführen werd Ich euch aus der Gefangenschaft von überall her.
Herr, Du hast Dein Land gesegnet
und Jakob heimgeführt aus der Gefangenschaft.

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In jener Zeit sprach Jesus zu Seinen Jüngern:

Wenn ihr am heiligen Ort den Greuel der Verwüstung seht
der von dem Propheten Daniel vorausgesagt wurde
dann fliehe, wer in Judäa ist, auf die Berge;
wer auf dem Dache ist, steige nicht herab, um etwas aus seinem Hause mitzunehmen;
und wer auf dem Felde ist, kehre nicht heim, um sein Oberkleid zu holen.
Wehe aber den Müttern und ihren Kindlein in jenen Tagen!

Betet, daß eure Flucht nicht in den Winter oder auf einen Sabbat falle. Denn es wird alsdann eine so große Bedrängis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht war, auch fernerhin nicht mehr sein wird. Ja, würden diese Tage nicht abgekürzt, so würde kein Mensch gerettet werden; doch um der Auserwählten willen werden jene Tage abgekürzt werden.

Wenn dann jemand zu euch sagt:
Seht, hier ist Christus, oder dort, so glaubt es nicht.
Denn es werden falsche Christus
und falsche Propheten aufstehen
und große Zeichen und [Schein-] Wunder wirken,
so daß selbst die Auserwählten, wenn es möglich wäre,
in Irrtum geführt würden.

Seht, Ich habe es euch vorhergesagt.
Wenn man also zu euch sagt:
Seht, er ist in der Wüste, so geht nicht hinaus;
seht, er ist in den Gemächern, so glaubt es nicht.
Denn wie der Blitz vom Aufgang ausgeht und bis zum Niedergang leuchtet, ebenso wird es mit der Ankunft des Menschensohnes sein.

Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Adler. Sogleich nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, der Mond wird seinen Schein nicht mehr geben, die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird das Zeichen des Menschensohnes [das Kreuz] am Himmel erscheinen. Alle Geschlechter der Erde werden wehklagen.

Und sie werden den Menschensohn kommen sehen in den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Er wird Seine Engel aussenden mit lautem Posaunenschall, und sie werden Seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.

Vom Feigenbaum aber lernet das Gleichnis: Wenn seine Zweige saftig werden und die Blätter hervorsprossen, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. Ebenso sollt ihr auch, wenn ihr all dies sehet, wissen, daß das Ende nahe vor der Türe steht.

Wahrlich, Ich sage euch, dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis das alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte werden nicht vergehen.

(Evangelium am letzten Sonntag nach Pfingsten, Matth. 24, 15-35)

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