Unsere liebe Frau vom Berge Karmel – 16. Juli

Gedächtnis der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel

Als am heiligen Pfingstfeste die Apostel vom Heiligen Geiste erfüllt, in verschiedenen Sprachen redeten und unter Anrufung des heiligsten Namens Jesu viele Wunder wirkten, da erkannten, so wird berichtet, auch sehr viele Männer, die den Spuren der heiligen Propheten Elias und Eliseus gefolgt und durch die Predigt des heiligen Johannes des Täufers auf die Ankunft Christi vorbereitet waren, die Wahrheit und nahmen sofort den Glauben und die frohe Botschaft an; sie begannen nun, die heiligste Jungfrau, mit der sie reden und in beglückender Weise zusammensein konnten, mit solcher Innigkeit zu verehren, daß sie zuerst an der Stelle des Berges Karmel, wo Elias einst die aufsteigende Wolke, das leuchtende Vorbild der heiligen Jungfrau, geschaut hatte, dieser reinsten Jungfrau eine Kapelle erbauten. …

In dieser neuen Kapelle kamen sie oft am Tage zusammen und verehrten durch fromme Übungen, in Gebeten und Gesängen die heiligste Jungfrau als die besondere Beschützerin ihres Ordens. Darum nannte man sie auch allenthalben Brüder der heiligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel. Diese Bezeichnung haben die Päpste nicht nur bestätigt, sondern sie haben auch besondere Ablässe denen verliehen, die den Orden oder einzelne Brüder so nannten. Die hehrste Jungfrau lieh dem Orden jedoch nicht nur den Namen und ihren Schutz, sondern verlieh ihm auch noch als besondere Auszeichnung das heilige Skapulier. Sie überreichte es dem heiligen Simon von England; durch dieses himmlische Gewand sollte dieser heilige Orden von anderen sich unterscheiden und vor drohenden Gefahren beschützt werden. Der Orden war in Europa zunächst unbekannt und viele verlangten von Honorius III. dessen Aufhebung. Die heiligste Jungfrau Maria erschien jedoch dem Honorius in der Nacht und gab ihm deutlich zu verstehen, er solle sich des Ordens und seiner Mitglieder in Güte annehmen. …

Doch nicht nur in dieser Welt zeichnete die allerseligste Jungfrau den ihr so teuren Orden mit vielen Vorzügen aus; es ist auch ein frommer Glaube, daß sie, die durch ihre Macht und ihre Güte überall so viel vermag, auch in der andern Welt ihren Kindern, die der Skapulierbruderschaft angehören, etwas Enthaltsamkeit üben, die vorgeschriebenen wenigen Gebete regelmäßig verrichten und standesgemäße Keuschheit bewahren, in ihrer mütterlichen Liebe Trost spendet, wenn sie im Fegfeuer leiden müssen, und sie durch ihre mächtige Fürsprache möglichst schnell in das himmlische Vaterhaus führt. Da dieser Orden also mit so vielen großen Hulderweisen überhäuft wurde, setzte er den feierlichen Gedächtnistag der seligsten Jungfrau ein, der für ewige Zeiten jedes Jahr zu ihrem Ruhme feierlich begangen wird.

(Deutsches Brevier. Vollständige Übersetzung des Stundengebetes der römischen Kirche, Zweiter Band: Pfingsten bis Advent, hrsg. v. Dr. Johann Schenk, 2. Aufl., Regensburg o. J. [1939], S. 651 f. – Imprimatur: Ratisbonæ, die 21. Octobris 1939)

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Die Andacht zum kostbaren Blute Jesu Christi

Als im Anfange des 19. Jahrhunderts der sel. Kaspar del Bufalo in Rom auftrat und die Andacht zu diesem Preise unserer Erlösung mit mächtiger Stimme verkündete, da ward er öfters höherer Erleuchtungen gewürdiget und Gott ließ ihn prophetische Blicke in die Zukunft werfen. Was aber der Diener Gottes in der Zukunft sah, war derart schrecklich, daß er im Innersten erschauderte und unter Tränen seine Mitbrüder ermahnte, sie möchten doch immer und immer wieder das kostbare Blut Jesu Christi dem himmlischen Vater aufopfern und um seinetwillen um Abwendung der drohenden Strafgerichte bitten. Der sel. Kaspar versicherte aber auch öfters und eindringlich, daß, wenn einmal die Strafgerichte kommen und die göttlichen Heimsuchungen begonnen haben, diejenigen Barmherzigkeit finden, welche das kostbare Blut in besonderer Weise verehren. Wahrhaft eine tröstliche Verheißung für diejenigen, welche zu diesem Born der Barmherzigkeit ihre Zuflucht nehmen! Doch wir bedürfen keiner Prophezeihungen, um zu beweisen, daß das kostbare Blut von Gott verlangt wird, um seiner Gerechtigkeit wieder Genugtuung zu leisten. Die Geschichte des alten und neuen Bundes zeigt es mit unwiderstehlicher Klarheit.

Als Gott im Begriffe war, Pharao und das ägyptische Volk mit der zehnten und schrecklichsten Plage zu schlagen, da befahl er Moses und Aaron, den Führern der Israeliten, daß ein jeder für seine Familie und sein Haus ein Lamm nehmen, dasselbe schlachten, und etwas von seinem Blute an die beiden Türpfosten und an die Oberschwelle der Häuser streichen solle, in denen sie es verzehren werden. (Exodus 12:.1 u. 7.) Weiter spricht der Herr:

„Und ich werde in jener Nacht durch das Land Aegypten hindurchziehen, und alle Erstgeburt im Lande Aegypten, sowohl unter den Menschen, wie unter dem Vieh töten, … Das Blut aber wird zum Zeichen für euch an den Häusern sein, in denen ihr seid; wenn ich das Blut sehe, werde ich vor euch vorübergehen und die verderbenbringende Plage soll nicht über euch kommen.“ (Exod. 12. 12 u. 13.)

Wenn nun das Blut jenes irdischen Lammes, das doch nur ein Vorbild des kostbaren, allein rettenden Blutes Jesu Christi war, die Israeliten vor zeitlichem Schaden bewahren konnte, wie viel mehr wird das hochheilige Blut des Lammes Gottes, das gekommen ist, um die Sünden der Welt hinwegzunehmen, unsere Seelen und Leiber vom ewigen Verderben erretten, wenn wir dasselbe an uns fruchtbar machen?

Als im dreizehnten Jahrhundert die Sarazenen Assisi belagerten und das Kloster der heiligen Klara zu erobern versuchten, da ließ sich die Heilige, trotz schwerer Krankheit, das hochwürdigste Gut bei sich tragend, zur Pforte bringen, wo sie also betete:

„O Herr, übergib die Seelen, die auf dich vertrauen, nicht den Gelüsten iher Feinde und beschütze deine Dienerinnen, welche du mit deinem kostbaren Blute erlöst hast.“ Und es erscholl die Stimme Gottes: „Ich werde euch immer beschützen.“ (Brev. Rom.) Tatsächlich konnten die Anhänger Mohammeds dem Kloster kein Leid antun.

Der selige Pfarrer von Ars sagt, daß die Aufopferung des kostbaren Blutes Jesu Christi durch die Hände der allerseligsten Jungfrau Maria das beste Gebet sei, das man verrichten könne, und er fügt hinzu:

„Meine Kinder, merkt euch dieses wohl! Jedesmal, wenn ich eine Gnade erhalten habe, so habe ich sie auf diese Weise erbeten; sie trügt niemals.“

Als im Jahre 1837 in Rom die Cholera ausgebrochen war, eilte der selige Kaspar, obwohl selber schon sehr kränklich und dem Tode nahe, dorthin, er half, wie er nur konnte, die Not zu lindern. Besonders aber forderte er auf zum Vertrauen auf das kostbare Blut Jesu Christi, welches die beste Versicherung sei gegen die göttlichen Strafgerichte. Zu einem Priester, der ihn besuchte, sagte er:

„Es ist Zeit, daß wir mit aller Inbrunst beten, weil Gott uns züchtigt für unsere Sünden; predigen Sie mit aller Kraft und ohne Unterlaß die Andacht zum kostbaren Blute, da haben Sie die Reglen dieser Andacht.“

Damit überreichte er ihm 1000 Stück Statuten der Erzbruderschaft vom kostbaren Blute. Es versicherte der Selige, das kostbare Blut ist es, das die Sünde tilgt, die Seelen rettet, dem Worte des Missionärs Kraft und Fruchtbarkeit gibt und das kostbare Blut ist es, durch das wir gerettet werden.

Als im Jahre 1848 Papst Pius IX. wegen beständiger Revolutionen von Rom flüchten und in einer kleinen Hafenstadt Gaeta mit Namen, seine Zuflucht nehmen mußte, da fand er scheinbar keine Hilfe, bis er, sozusagen auf Befehl Gottes, das Fest zu Ehren des kostbaren Blutes auf die ganze katholische Welt ausdehnte und dadurch die Andacht zu demselben besonders beförderte, wie im nächsten Abschnitte näher beschrieben wird.

Im Anschlusse an das erhabene Beispiel seiner erlauchten Vorgänger sprach und schrieb dann auch der gegenwärtig glorreich regierende Papst Benedikt XV. bei Gelegenheit einer Privataudienz, die er am 12. Juli 1915 dem hochwürdigsten General der Missionspriester vom kostbaren Blute gewährte, in folgender Weise eine Ansicht über diese Andacht und den Krieg aus:

„Ihr in der Tat befördert auf besondere Weise die Andacht zum kostbaren Blute und habt einen Zweck vor Augen, der den Zeitverhältnissen gemäß, besonders in unsern Tagen, nicht übertroffen werden kann.“

„Die Liebe und Nachahmung des Gekreuzigten muß notwendigerweise in den Herzen der Menschen entzündet werden, wenn wir den Zorn des Himmels besänftigen wollen.“

„Es ist absolut unmöglich, einen bleibenden Frieden hier auf Erden zu haben, wenn er nicht auf Ihn gegründet ist, durch welchen der Vater alles versöhnt hat, weil er durch dessen Blut am Kreuze allem, was auf Erden und im Himmel ist, den Frieden hergestellt hat.“ (Koloss. 1; 20.)

„Jesus von seinem Kreuz, durch die Vergießung seines Blutes, als wie mit einer mächtigen Stimme, lehrt uns jede Art des Lebens, besonders das Heil der Menchheit für alle Generationen.“

„Ermüdet deshalb nie und breitet immer mehr die Andacht zum göttlichen Blute aus, zum Heil der Seelen und zur Besserung der menschlichen Gesellschaft.“

Wenn Gott durch die Andacht zum kostbaren Blute früher auf so wunderbare Weise geholfen hat, sollte die nämliche Andacht, wenn wirklich und allgemein geübt, nicht auch jetzt der schwer bedrängten Menschheit zur Rettung dienen?

Sollten nicht wenigstens die Katholiken der ganzen Welt auf Anleitung des Heilgen Vaters und Stellvertreters Jesu Christi jetzt anfangen, die Andacht zum kostbaren Blute allgemein zu üben und dasselbe dem himmlischen Vater aufzuopfern zur Abwendung weiterer und schwererer Strafgerichte Gottes?

Man befördert und übt die Andacht zum kostbaren Blute schon durch ein frommes, christliches Leben, Meidung der Sünde und Gelegenheit zu derselben, durch häufigen und würdigen Empfang der heiligen Sakramente, durch Besuchung des heiligen Kreuzweges; dann duch die Stoßgebete:

„Gelobt und gebenedeit sei das heiligste Herz und das kostbare Blut Jesu im hochheiligen Sakramente des Altars.“ (300 Tg. Abl. jedesmal. Pius X. 25, Aug. 1908.)

„Ewiger Vater, ich opfere dir auf das kostbare Blut Jesu Christi zur Genugtuung für meine Sünden und für die Anliegen der heiligen Kirche.“ (Ablaß von 100 Tagen, so oft man dieses Gebet spricht. Pius VII. 22. Sept. 1817.)

Oder wie besonders angemessen für die gegenwärtige Zeit:

„Ewiger Vater, ich opfere dir auf durch die Hände der allerseligsten Jungfrau Maria das kostbare Blut Jesu Christi zur Genugtuung für meine Sünden, für die Anliegen der heiligen Kirche, zur Abwendung der Kriesgefahr und zum Troste der armen Seelen.“

„Wir bitten dich also, komme deinen Dienern zu Hilfe, die du mit deinem kostbaren Blute erlöset hast.“

„Hochgepriesen sei das heiligste Blut Jesu jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen.“

Besonders verdienstliche Gebete zu Ehren des kostbaren Blutes sind die weiter unten angeführten sieben Aufopferungen oder das Rosenkränzlein.

„Gott will es! Gott will es!“ –
So ertönte einst der Ruf einer fast überirdischen Stimme an das Ohr des christlichen Volkes, um sie zu den Kreuzzügen aufzufordern. Gott will es! so rufen wir auch heute mit überzeugter Gewißheit, Gott will es, daß das kostbare Blut aufgeopfert werde zur Genugtuung für unsere Sünden, für die Anliegen der heiligen Kirche, zur Abwendung der Kriegsgefahren und zum Troste der armen Seelen.

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Aus: Die Andacht zum kostbaren Blute Jesu Christi. Hilfe und Trost in Trübsal. 5. Auflage 21 – 31000. Von P. Alfons Müller, Missionspriester vom kostbaren Blute. Druck der Theodosius-Buchdruckerei „Paradies“ Ingenbohl, Kt. Schwyz.
Nihil obstat: M. Balzer, Libr.Censor. Imprimatur. Curiae, 1. Mart. 1916. + Georgius, Ep. Cur. – Nihil obstat puominus iterum typis edatur. Romae, 6 Jan. 1915. Joseph Schaeper, Censor delegatus C. PP. S.

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12 Verheißungen für die Verehrer des göttlichen Herzens Jesu – (Herz-Jesu-Monat-Juni)

Unser Herr Jesus Christus ist mehrere Male der hl. Margareta Maria Alacoque erschienen (von 1673 bis 1675). Während dieser Erscheinungen hat er Seinen Verehrern 12 Versprechen oder Verheißungen gegeben:

1. Alle werden mittels dieser liebenswürdigen Andacht alle für ihren Stand notwendige Hilfe finden.

2. Er wird ihren Familien den Frieden schenken. Er wird die getrennten Familien wieder vereinigen.

3. In ihrer Not wird er sie trösten.

4. Sie werden in diesem Herzen ihre Zuflucht im Leben, besonders aber in der Stunde des Todes finden. Wie süß ist das Sterben, nachdem man eine beständige Andacht zum Herzen dessen unterhalten hat, der uns richten wird. Die, welche dieses heilige Herz verehren, werden nie verloren gehen.

5. Über alle ihre Unternehmungen wird er Segnungen ausgießen. Er wird sie in allen ihren Arbeiten unterstützen.

6. Ich hoffe, dass dieses göttliche Herz eine überfließende und unerschöpfliche Quelle von Barmherzigkeit und Gnaden werde, um den gerechten Zorn Gottes für so viele Verbrechen zu besänftigen, Gott wird im Hinblick auf die Liebe, die er zu diesem heiligen Herzen trägt, den Sündern verzeihen. Das heilige Herz ist wie eine Feste und ein sicherer Zufluchtsort für alle armen Sünder, die sich dorthin flüchten wollen, um der göttlichen Gerechtigkeit zu entgehen. Das heilige Herz ist allmächtig, um Barmherzigkeit zu erlangen.

7. Er hat mir versprochen, die süße Salbung seiner brennenden Liebe über alle Gemeinden auszugießen, welche ihn verehren und sich unter seinen besonderen Schutz stellen werden: er wird die Züchtigungen seiner göttlichen Gerechtigkeit entfernen, um sie wieder eifrig zu machen, wenn sie lau geworden sein sollten.

8. Ich kenne keine andere Übung der Frömmigkeit, die imstande wäre, in kurzer Zeit eine Seele zur höchsten Vollkommenheit emporzuführen.

9. Mein göttlicher Erlöser gab mir zu verstehen, dass alle, welche am Heile der Seelen arbeiten, die Gabe haben werden, auch die verhärtetsten Herzen zu rühren; sie werden, falls sie nur selber eine zarte Andacht zu seinem heiligen Herzen pflegen, mit wunderbarem Erfolg arbeiten. Es genügt, das göttliche Herz bekannt zu machen und dann ihm die Sorge zu überlassen, die Herzen, die er sich vorbehalten hat, mit der Salbung seiner Gnade zu durchdringen: glücklich, wer zu dieser Zahl gehört!

10. Da er die Quelle allen Segens ist, so wird er diesen reichlich über alle Orte ausgießen, an denen das Bild dieses liebenswürdigen Herzens zur Liebe und Verehrung aufgestellt ist.

11. Er ließ mich viele Namen schauen, die darin (im heiligen Herzen) eingeschrieben waren wegen ihres Verlangens, seine Ehre zu fördern, darum wird er es nie gestatten, dass sie daraus getilgt werden. Er entdeckte mir Schätze von Liebe und Gnaden für die Personen, welche sich ihm weihen und hinopfern, damit sie ihm alle Ehre, Liebe und Verherrlichung verschaffen, die nur in ihrer Macht steht.

12. Unser Herr spricht: „Im Übermaß meiner Barmherzigkeit verspreche ich dir, dass meine allmächtige Liebe all denen, welche neun Monate nacheinander am ersten Freitag kommuni-zieren, die Gnade der endlichen Bußfertigkeit gewähren wird; sie werden nicht in meiner Ungnade, noch ohne Sakramentenempfang sterben und mein Herz wird für sie eine sichere Zuflucht in dieser Stunde sein.“

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Sünder sein, der Buße tut.

Wir sind verirrte Schafe.
Wir sind in vielerlei Nöte geraten und wir leiden.
Wir wenden uns hilfesuchend hin zum guten Hirten.
IHM vertrauen wir uns an.

In jener Zeit traten Zöllner und Sünder zu Jesus, um Ihn zu hören.
Da murrten die Pharisäer und Schriftgelehrten und sprachen:
„Dieser nimmt sich der Sünder an und ißt mit ihnen.“
Er aber hielt ihnen dieses Gleichnis vor:
„Wer von euch, der hundert Schafe hat und eines davon verliert, läßt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es voll Freude auf seine Schultern; und wenn er nach Hause kommt, so ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel Freude sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. Und zündet nicht eine Frau, die zehn Drachmen hat und eine davon verliert, ein Licht an, kehrt das Haus aus und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet? Und hat sie diese gefunden, so ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und spricht: Freuet euch mit mir, ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte. Ebenso, sage ich euch, ist Freude bei den Engeln Gottes über einen einzigen Sünder, der Buße tut.

Evangelium (Lukas 15,1-10) vom 3. Sonntag nach Pfingsten

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FEST DES ALLERHEILIGSTEN HERZENS JESU

Die Geheimnisse des Erlöserlebens Christi, das wir im Laufe des Kirchenjahres feiern, gründen schließlich alle in dem einen tiefsten Geheimnisse seiner Liebe. Sie ist da vor Urbeginn alles Werdens; sie ist die schöpferische Kraft aller Gottestaten, wie Menschwerdung, Erlösungstod, Eucharistie, Gnade, Kirche. All diese Liebe stellt sich uns verkörpert dar im Herzen Jesu.

In die Liebe, in das Innenleben dieses Herzens sich zu vertiefen, besonders aber diesem Herzen, das trotz all seiner Liebe soviel Undank erfährt, Sühne zu leisten, ist Sinn und Zweck der Herz-Jesu-Verehrung. Die Gedanken, die dem Herz-Jesu-Kulte zu Grunde liegen, wurzeln in der Hl. Schrift. Heilige des christlichen Altertums (Augustinus), des Mittelalters (Bernhard, Gertrud, Mechthild) und der Neuzeit (Johannes Eudes, Margareta Alacoque) halfen mit, Gehalt und Gestalt des Herz-Jesu-Festes zu schaffen. Papst Pius XI. verlieh ihm einen Rang, der es unter die höchsten Herrenfeste einreiht.

Im Introitus rühmen wir die Großtaten der Liebe Christi: Erlösung und Eucharistie.
Diese Liebe, die sich ganz für uns opferte, verpflichtet uns zur Gegenliebe (Oratio).
Dringen wir daher immer mehr ein in die Geheimnisse dieser Liebe.
Vereinigen wir uns mit dieser Liebe durch einen glühenden Glauben an Christus (Epistola) und durch ein Leben, das in Gerechtigkeit, Sanftmut, Demut die Tugenden des heiligsten Herzens nachzubilden sucht (Graduale, Alleleluia).
Das durchbohrte Herz des Gekreuzigten (Evangelium) ist ein Apell an den Edelmut und Heroismus unsres Herzens, uns aus dem grauen Alltag zu einem Leben heiliger Sühne und Liebe zu erheben (Offertorium).
Die heilige Opferfeier weihe unser Herz zum Altar, auf dem die Glut heiliger Opferliebe nie mehr erlöschen soll! (Postcommunio).

vgl. Mariawalder Messbuch – http://www.mariawalder-messbuch.de/as62/pfingstkreis/herzjs/index.html

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ADORO TE DEVOTE

Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir.
Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier.
Sieh, mit ganzem Herzen schenk ich dir mich hin,
weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin.

Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir,
doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir.
Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an;
er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann.

Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz,
hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz.
Beide sieht mein Glaube in dem Brote hier;
wie der Schächer ruf ich, Herr, um Gnad zu dir.

Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot,
bet ich dennoch gläubig: „Du mein Herr und Gott!“
Tief und tiefer werde dieser Glaube mein,
fester laß die Hoffnung, treu die Liebe sein.

Denkmal, das uns mahnet an des Herren Tod!
Du gibst uns das Leben, o lebendig Brot.
Werde gnädig Nahrung meinem Geiste du,
daß er deine Wonnen koste immerzu.

Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein;
wasch in deinem Blute mich von Sünden rein.
Schon ein kleiner Tropfen sühnet alle Schuld,
bringt der ganzen Erde Gottes Heil und Huld.

Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht,
stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht:
laß die Schleier fallen einst in deinem Licht,
daß ich selig schaue, Herr, dein Angesicht.
Amen.

Thomas von Aquin

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Allerheiligste Dreifaltigkeit und die Heilige Liturgie

Die heilige Liturgie hat die Verherrlichung Gottes und die Erinnerung an seine Werke zum Gegenstande. Sie folgt alljährlich den erhabenen Phasen, in welchen der Allerhöchste sein ganzes Wesen einfachen Sterblichen erklärt hat. In den düsteren Adventsfarben haben wir die Zeit der Erwartung durchschritten, während welcher die glänzende Dreiheit nur wenige Strahlen durch das Gewölke dringen ließ. Die Welt erflehte einen Befreier, einen Messias, und der eigene Sohn Gottes sollte dieser Befreier, dieser Messias sein. Damit wir die Vorhersagungen, die ihn ankündigten, vollständig verstanden, mußte er auch thatsächlich kommen. „Ein Kind ist uns geboren worden [Is. 9, 6],“ und wir hatten den Schlüssel der Prophezeiungen. Indem wir den Sohn anbeten, haben wir auch den Vater angebetet, der uns denselben im Fleische sandte und der ihm wesensgleich ist. Das Wort des Lebens, das wir in seiner Menschheit gesehen, das wir gehört, das wir mit Händen betastet haben, hat uns überzeugt, daß es in Wahrheit eine Person und von dem Vater verschieden ist; denn der Eine sendet, der Andere ist gesandt. In dieser zweiten göttlichen Person sind wir dem Mittler begegnet, der die Schöpfung mit ihrem Schöpfer vereinigt hat, dem Erlöser unserer Sünden, dem Lichte unserer Seelen, dem Bräutigam, nach welchem alle Seelen sich sehnen.

Nachdem die Reihe der ihm eigenthümlichen Geheimnisse vorüber, haben wir die Ankunft des Geistes, des Heiligmachers, gefeiert, welcher angekündigt war, um das Werk des Sohnes Gottes zu vollenden. Wir haben ihn angebetet und als verschieden von Vater und Sohn erkannt, welche uns denselben mit dem Auftrage sendeten, bei uns zu bleiben [Joh. 14, 16]. Er hat sich in dem ihm eigenthümlichen göttlichen Wirken offenbart. Denn dies Wirken ist eben der Grund seiner Herabkunft. Er ist die Seele der heiligen Kirche, er erhält sie in der Wahrheit, welche der Sohn gelehrt hat. Er ist die Quelle der Heiligung in unseren Seelen, woselbst er seine Wohnung aufschlagen will. Kurz, das Geheimniß der allerheiligsten Dreifaltigkeit ist für uns nicht nur ein unseren Gedanken vertrauter, durch die Offenbarung kundgewordener Glaubenssatz, sondern eine jener Wahrheiten, die wir durch die unerhörte Gnadenfülle Gottes an uns selbst praktisch werden fühlen: wir sind von dem Vater an Kindesstatt angenommen, Brüder und Miterben des Sohnes, innerlich bewegt und bewohnt vom Heiligen Geiste.

Aus: Das Kirchenjahr von Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes; Zehnter Band: Die Zeit nach Pfingsten; Mainz 1881

Siehe auch HIER

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