Papst Pius XIII. – und das 3. Vatikanische Konzil

Das Dritte Vatikanische Konzil, einberufen von Papst Pius XIII., Nachfolger des Heiligen Petrus, Stellvertreter Christi auf Erden, wird an diesem bewölkten Vormittag um 10.30 Uhr eröffnet – das 22. Ökumenische Konzil in der Geschichte der katholischen Kirche. […]

Unter den Teilnehmern [der 3112 Konzilsväter] befinden sich Kardinal Andrea Maria Settaviani, Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Johannes Feuerbach, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Hausmann, Präfekt der Kleruskongregation und Erzbischof Antonio Pannola vom Staatssekretariat. […]

Die nun beginnende Heilige Messe im Petersdom bildet den Höhepunkt der Eröffnungszeremonie, feierlich und weihrauchdurchsetzt, mit Orgel und gregorianischem Gesang.

Und mit einer Liturgie, die bereits in den ersten Minuten dieser Messe für Irritationen sorgt.

Denn der Papst lässt die Predigt ersatzlos streichen und Elemente des mittelalterlichen tridentinischen Ritus einfügen; ein Ritus, bei dem der Priester einst mit dem Rücken zu den Gläubigen gestanden ist, mit weißen Handschuhen, um sich angesichts des Heiligen nicht mit der Welt zu beschmutzen.

Für viele ist diese Abänderung des Eröffnungsgottesdienstes eine Bestätigung dafür, dass Pius XIII. ein Traditionalist ist.

Und als wäre das nicht genug, folgt gleich die nächste Provokation. Nach Beendigung der Messe macht der Papst keinerlei Anstalten, die Gemeinde zu entlassen, was eigentlich seine Aufgabe wäre. Er müsste den anwesenden Medien und TV-Zuschauern signalisieren, dass nun der öffentliche Teil der Feierlichkeiten vorbei sei, dass nun der kircheninterne, für die Konzilsväter reservierte Teil beginne, die Arbeiten hinter verschlossener Tür.

Aber nein:
Der Papst tritt im vollbesetzten Petersdom sogleich ans Rednerpult und beginnt – vor laufenden Kameras – mit seiner Ansprache an die Konzilsväter.

[…]

(aus: Giuseppe Gracia. Der letzte Feind. Roman. 132f.)

 

Giuseppe Gracia
Der letzte Feind, Roman
Fontis-Verlag 2020
256 Seiten; 18 Euro
ISBN: 978-3038481966

HIER BESTELLEN

 

+

 

 

Werbung

Katholizität – Petrus&Paulus – 29. Juni

Katholizität bedeutet Universalität – Vielfalt, die zur Einheit wird; Einheit, die dennoch Vielfalt bleibt. Aus dem Wort des Paulus über die Universalität der Kirche haben wir schon ablesen können, daß zu dieser Einheit die Fähigkeit der Völker zur Selbstüberwindung gehört, um auf den einzigen Gott zu blicken.

Der eigentliche Begründer der katholischen Theologie, der hl. Irenäus von Lyon, hat im 2. Jahrhundert diese Verbindung zwischen Katholizität und Einheit sehr schön ausgedrückt: »Diese Lehre und diesen Glauben bewahrt die Kirche, die sich über die ganze Welt erstreckt, sorgfältig und bildet gleichsam eine einzige Familie: derselbe Glaube mit einer einzigen Seele und einem einzigen Herzen, dieselbe Verkündigung, Lehre, Tradition, als hätte sie nur einen einzigen Mund. Unterschiedlich sind die Sprachen der verschiedenen Regionen, aber es wirkt ein und dieselbe Kraft der Tradition.

Die Kirchen Germaniens haben ebenso wenig einen anderen Glauben oder eine andere Tradition wie jene in Spanien, Gallien, Ägypten, Libyen, im Osten oder im Zentrum der Erde; wie die Sonne als Geschöpf Gottes eine einzige und die gleiche in der ganzen Erde ist, so strahlt das Licht der wahren Verkündigung überall und erleuchtet alle Menschen, die zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen wollen« (Adversus haereses I,10,2).

Die Einheit der Menschen in ihrer Vielfalt ist möglich geworden, weil Gott, dieser eine Gott des Himmels und der Erde, sich uns gezeigt hat; weil die wesentliche Wahrheit über unser Leben, über unser »Woher?« und »Wohin?« sichtbar geworden ist, als er sich uns zeigte und in Jesus Christus uns sein Angesicht, sich selbst, sehen ließ. Diese Wahrheit über das Wesen unseres Seins, über unser Leben und unser Sterben, eine Wahrheit, die von Gott her sichtbar geworden ist, vereint uns und läßt uns zu Brüdern werden. Katholizität und Einheit gehören zusammen.

Und die Einheit hat einen Inhalt: den Glauben, den die Apostel uns im Auftrag Christi übermittelt haben.

BENEDIKT XVI., Petersdom, 29. Juni 2005

+

 

Keine Angsthasen sein

Die Messtexte des 4. Sonntag nach Pfingsten schärfen uns ein, dass wir zwar auf unserem Weg des irdischen Lebens auch den Weg der irdischen Leidens gehen müssen. Aber wir sollen deswegen doch nicht ängstlich resignieren:

Aus dem Introitus:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten?
Der Herr ist der Beschützer meines Lebens, vor wem sollte ich zittern?
Die Feinde, die mich rings bedrängen, – kraftlos stürzen sie zu Boden.

Aus der Lesung:

Ich halte dafür, daß die Leiden dieser Zeit
nicht zu vergleichen sind mit der künftigen Herrlichkeit,
die an uns offenbar wird.
Auch das Sehnen der Schöpfung ist ja ein Harren auf diese Offenbarung der Kinder Gottes.
Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen,
nicht freiwillig, sondern durch Den, der sie unterworfen hat.
… Wir wissen ja, daß alle Geschöpfe seufzen und in Wehen liegen bis auf diesen Tag.
Aber nicht allein sie, auch wir, die wir die Erstlingsgabe des Geistes bereits besitzen,
seufzen in unserem Innern und harren auf die [Vollendung der] Kindschaft Gottes,
die Erlösung unsres Leibes: in Christus Jesus, unsrem Herrn.

Aus dem Evangelium:

In jener Zeit drängte sich das Volk an Jesus heran, um das Wort Gottes zu hören. Er stand am See Genesareth. Da sah Er zwei Schiffe am Ufer des Sees liegen; die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Er stieg in das eine der Schiffe, das dem Simon gehörte, und bat ihn, etwas vom Lande zu fahren. Dann setzte Er Sich und lehrte das Volk vom Schiffe aus. Als Er aufgehört hatte zu reden, sprach Er zu Simon:
«Fahr hinaus in die See, und werft eure Netze zum Fange aus.»
Da antwortete Ihm Simon:
«Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf Dein Wort will ich das Netz auswerfen.»
Sie taten es und fingen eine so große Menge Fische, daß ihr Netz zerriß. Darum winkten sie ihren Gefährten im andern Schiff, sie möchten kommen und ihnen helfen. Diese kamen, und sie füllten beide Schifflein, so daß sie beinahe sanken.
Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach:
«Herr, geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!»
Staunen hatte nämlich ihn und alle seine Gefährten ergriffen …
Jesus aber sprach zu Simon:
«Fürchte dich nicht; von nun an wirst du Menschen fangen

Sie verließen alles und folgten Ihm nach.

+

 

Das Konzil öffnete die Fenster

Charles de Gaulle, Präsident von Frankreich von 1959 bis 1969:

„Johannes XXIII. öffnete die Schleusen und konnte sie nicht wieder schließen.
Es war, als wäre ein Damm gebrochen.
Johannes XXIII. wurde von dem, was er auslöste, überwältigt“
(siehe Alain Peyrefitte, C’était de Gaulle, Paris 1997, Bd. 2, S. 19).

Die Rede vom „Öffnen der Fenster“ vor und während des Konzils war eine irreführende Illusion und ein Grund zur Verwirrung.

Durch diese Worte bekamen die Menschen den Eindruck, dass der Geist einer ungläubigen und materialistischen Welt, der zu dieser Zeit deutlich zu erkennen war, einige positive Werte für das christliche Leben vermitteln könnte. Stattdessen hätten die Autoritäten der Kirche in jenen Zeiten ausdrücklich die wahre Bedeutung der Worte „Öffnen der Fenster“ erklären müssen, die darin besteht, das Leben der Kirche zu öffnen für die frische Luft der Schönheit der göttlichen Wahrheit, für die Schätze der immerfrischen Heiligkeit, für das übernatürliche Licht des Heiligen Geistes und der Heiligen, für eine Liturgie, die mit einem immer übernatürlicheren, heiligeren und ehrfürchtigeren Sinn gefeiert und gelebt wird. Im Laufe der Zeit, während der nachkonziliaren Ära, gab das teilweise geöffnete Schleusentor einer katastrophalen Flut Platz, die enorme Schäden in Lehre, Moral und Liturgie verursachte. Heute erreicht das eingedrungene Hochwasser gefährliche Werte. Wir erleben jetzt den Höhepunkt der Flutkatastrophe.

Heutzutage wurde der Schleier gelüftet und der Modernismus hat sein wahres Gesicht offenbart, das darin besteht, Christus zu verraten und ein Freund der Welt zu werden, indem man sich ihre Denkweise aneignet. Sobald die Krise in der Kirche vorbei ist, wird das Lehramt der Kirche die Aufgabe haben, alle negativen Phänomene zurückzuweisen, die in den letzten Jahrzehnten im Leben der Kirche aufgetreten sind. Und die Kirche wird dies tun, weil sie göttlich ist. Sie wird es genau tun und alle Irrtümer korrigieren, die sich angesammelt haben, beginnend mit einigen mehrdeutigen Ausdrücken in den Konzilstexten.

Der Modernismus ist wie ein verborgenes Virus, das teilweise in einigen Aussagen des Konzils verborgen ist, und das sich jetzt manifestiert hat. Nach der Krise, nach der schweren geistigen Virusinfektion, werden die Klarheit und Genauigkeit der Lehre, die Heiligkeit der Liturgie und die Heiligkeit des Priesterlebens heller leuchten.

Weihbischof Athanasius Schneider

Quelle katholisches.info

+

 

Aktive Sterbehilfe ist nicht mehr zu bremsen

Der Medizinethiker Professor Axel W. Bauer gab der TAGESPOST ein Interview. Er reflektiert über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass „einzig die Selbstbestimmung als Kriterium für Leben und Tod“ anzusehen ist.

Bauer sieht „nach dem Urteil eine Art Grundrecht auf Selbsttötung“. Da nun jedes das Recht habe, die angebotene Hilfe zu Selbsttötung auch anzunehmen, würden auch „die Sterbehilfe und der assistierte Suizid“ „jetzt nicht mehr zu bremsen sein“.

Der Medizinethiker weißt auf sein Buch „Wir sollen sterben wollen“ aus dem Jahr 2013 hin. So hat er darauf hingewiesen, dass es künftig immer mehr ältere und pflegebedürftige Menschen gebe, die gepflegt und versorgt werden müssten und resultiert: „Da wäre aus der Sicht des Staates ein freiwilliges Zurückgreifen der Senioren auf den assistierten Suizid finanziell gesehen nicht unpassend“.

Mit einem Blick in das Jahr 2030, also in zehn Jahren, kann er sich „vorstellen, dass im Rahmen einer ärztlichen Beratung Alternativen zur laufenden Therapie erörtert werden oder gar erörtert werden müssen. Da wird man manchem Patienten alternativ zur Chemotherapie etwa gegen den Krebs, die starke Nebenwirkungen hat, auch die Möglichkeit des assistierten Suizids aufzeigen“.

Die Palliativmedizin, die von Seiten der Kirche gerne als das „Nonplusultra gegen die Sterbehilfe“ angesehen würde, käme an ihre Grenzen. Denn es werde immer wieder „Fälle geben, die von der Palliativmedizin nicht erfasst werden“. Schon heute gäbe es Menschen, „die sterben wollen, weil sie verzweifelt sind, sich in einer aussichtslosen Lage befinden, aber die durchaus noch eine Weile leben würden. Es wird ein Teil von Menschen übrig bleiben, die einfach nicht mehr weiterleben wollen. Das sind Menschen, die dieses Grundrecht einfordern werden und bei denen palliativmedizinische Behandlung gar nicht indiziert wäre“.

Auf die Frage, welchen Ausweg er sähe, antwortet Professor Axel W. Bauer, dass er ehrlich gesagt keinen Ausweg sehe.

Das Bundesverfassungsgericht nimmt im säkularen Staat die Rolle ein, die das Wort Gottes in der Kirche hat. Selbst Vertreter der Sterbehilfe waren überrascht davon, wie sehr ihnen das Bundesverfassungsgericht entgegengekommen ist. Ich wüsste nicht, dass irgendwo sonst im europäischen Kontext ein Verfassungsgericht ein derartiges Grundrecht auf Suizid geschaffen hätte.

DIE TAGESPOST, 18.06.2020

+

 

Hl. Wilhelm von Vercelli – 25. Juni

Die Geschichten der Heiligen sind voller Wunder und wunderbaren Begebenheiten. Auch jene des heiligen Ordensstifters Wilhelm von Vercelli:

Wilhelm (= der willkommene Beschützer), stammte von vornehmen Eltern in Piemont, 1085 zu Vercelli geboren. Im 15. Lebensjahr wallfahrtete er nach Compostella in Spanien zum heiligen Jakobus im Pilgergewand. Ein frommer Schmied machte ihm 2 eiserne Ringe um den Leib. Dann wollte er nach Jerusalem pilgern 1106. Aber in Apulien (Neapel) lernte er den Eremiten Petrus auf einem Berge kennen und führte 2 Jahre ein strenges Einsiedler-Leben. Wilhelm war bereits Gott so wohl gefällig geworden, daß er einem Blinden das Gesicht wiedergeben konnte. Im Jahre 1108 wollte er abermals in das gelobte Land reisen, jedoch Räuber überfielen und mißhandelten ihn. Nun erkannte er durch eine Offenbarung, daß Gott ihn berufen hätte, als Eremit ihm zu dienen. Er hatte einige Zeit mit dem heiligen Johannes von Genosa Gott gedient, trennte sich aber nun von ihm und baute sich eine Eremitenzelle auf dem Monte Virgiliano. Da aber der Ruf von seiner Heiligkeit ihm Schüler zuführte, so erbaute er ein Kloster und gab seinen Religiosen die Regel des heiligen Benedikt als Grundlage und besondere Lebensregeln, die er jedoch nicht niederschrieb. Auch eine Kirche erbaute er daselbst zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria, weshalb später jener Berg Monte Vergine (Berg der Jungfrau) genannt wurde. Der Heilige gab seinen Schülern einen Obern und zog sich an andere einsame Orte zurück, wo sich das gleiche wiederholte, da ihn immer wieder neue Schüler aufsuchten, die er nicht abweisen wollte. So ward der heilige Wilhelm der Stifter eines neuen Ordens, dessen Mitglieder man Einsiedler-Mönche nennen könnte; später wurden sie Wilhelmiten genannt. König Roger von Neapel (und Sizilien) berief den heiligen Abt zu sich nach Neapel, um seinen weisen Rat zu vernehmen. Neidige Höflinge hingegen suchten ihn in Ungnade zu bringen und ließen ihn durch eine freche Frauensperson versuchen. Der Heilige legte sich auf glühende Kohlen, ohne verletzt zu werden. Da bekehrte sich jene Person, gründete zu Venosa ein Frauenkloster und führte ein strenges Bußleben. Auch der König gründete mehrere Klöster. Dann entstanden auch Klöster für Jungfrauen, die in ähnlicher Weise Gott dienen wollten. Nachdem der Heilige viele Kranke geheilt und nicht wenige Sünder bekehrt hatte, starb er am voraus gesagten Tage, nämlich am 25. Juni 1142. Sein Grab wurde durch Wunder glorreich. –

(Vgl.: Wilhelm Auer. Goldene Legende. Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902)

+

 

24. Juni – Johannes der Täufer – Ohne Kompromisse Zeuge der Wahrheit

Am heutigen 24. Juni lädt uns die Liturgie zur Feier des Hochfestes der Geburt des hl. Johannes des Täufers ein, dessen Leben ganz auf Christus ausgerichtet ist wie das von Maria, der Mutter Jesu. Johannes der Täufer ist der Wegbereiter gewesen, die »Stimme«, die entsandt wurde, um das menschgewordene Wort anzukündigen. Deshalb bedeutet das festliche Gedenken an seine Geburt in Wirklichkeit die Feier Christi, der Erfüllung der Verheißungen aller Propheten, unter denen der Täufer der größte gewesen ist, der dazu berufen war, für den Messias den Weg zu bahnen (vgl. Mt 11,9–10).

Alle Evangelien beginnen die Erzählung des öffentlichen Lebens Jesu mit dem Bericht über seine Taufe durch Johannes im Fluß Jordan. Der hl. Lukas fügt das Auftreten des Täufers in einen feierlichen geschichtlichen Rahmen ein. Auch am Anfang meines Buches Jesus von Nazareth steht die Taufe Jesu im Jordan, ein Ereignis, das zu seiner Zeit großes Aufsehen erregte. Von Jerusalem und aus allen Teilen Judäas eilten die Menschen herbei, um Johannes den Täufer zu hören, sich von ihm im Fluß taufen zu lassen und dabei ihre Sünden zu bekennen (vgl. Mk 1,5). Der Ruf des Propheten und Täufers wuchs in einem Maß an, daß viele sich fragten, ob er der Messias sei. Er aber – so hebt der Evangelist hervor – wies dies entschieden zurück: »Ich bin nicht der Messias « (Joh 1,20). Er bleibt auf jeden Fall der erste »Zeuge« Jesu, da er den Hinweis auf ihn vom Himmel erhalten hat: »Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft« (Joh 1,33). Genau dies geschah, als Jesus nach dem Empfang der Taufe aus dem Wasser stieg: Johannes sah auf ihn den Geist wie eine Taube herabkommen. Da »erkannte« er die volle Wirklichkeit des Jesus von Nazaret, er begann, »Israel mit ihm bekanntzumachen« (Joh 1,31) und wies ihn als Sohn Gottes und Erlöser des Menschen aus: »Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt« (Joh 1,29).

Als echter Prophet gab Johannes ohne Kompromisse Zeugnis von der Wahrheit. Er klagte die Überschreitungen der Gebote Gottes auch dann an, wenn die Verantwortlichen die Mächtigen waren. So zahlte er mit dem Leben, als er Herodes und Herodias des Ehebruchs anklagte, und er besiegelte mit dem Martyrium seinen Dienst an Christus, der die Wahrheit in Person ist. Wir bitten um seine Fürsprache zusammen mit jener der allerseligsten Jungfrau Maria, auf daß es die Kirche auch in unseren Tagen verstehe, Christus immer treu zu bleiben und mutig seine Wahrheit und seine Liebe für alle zu bezeugen.

BENEDIKT XVI., ANGELUS, 24. Juni 2007

+

 

 

Seminaristen mit zwei Gesichtern

Über die „Ergebnisse diözesaner Untersuchung von Missbrauchsfällen im Bistum Limburg“ schreibt Regina Einig in der TAGESPOST:

Dass erhebliche Defizite in puncto Transparenz im Bistum bestehen, geht aus der Befragung dreier Seminaristen hervor, die scharfe Kritik an der Situation der Ausbildung im Priesterseminar Sankt Georgen üben.

Das überdiözesane Priesterseminar an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main wird vom Jesuitenorden und den Diözesen Limburg, Hamburg, Hildesheim und Osnabrück getragen.

Den Angaben der Seminaristen zufolge fühlen sich die Seminaristen „kontrolliert und einer intransparenten Machtfülle der Regenten ausgesetzt“ und weder ernst genommen und noch wertgeschätzt. Die Anforderungen der Ausbildung seien „unklar beziehungsweise ihnen nicht bekannt“.

Wörtlich heißt es im Bericht: „Das gesamte Ausbildungssystem im Seminar ist intransparent.

Auch gehöre eine gewisse Verstellungstaktik für Seminaristen zum Alltag:

Man hat zwei Gesichter im Seminar:
eins, das ich zeige
und eins, wie ich wirklich bin.

DIE TAGESPOST, 18.06.2020

+

 

Heiliger Paulinus – 22. Juni

Pontius Meropius Anicius Paulinus wurde im Jahre des Heiles 353 aus einer hochberühmten, mit dem römischen Bürgerrecht ausgestatteten Familie zu Bordeaux in Aquitanien geboren. Er besaß einen scharfen Verstand und einen liebenswürdigen Charakter. Unter der Leitung des Ausonius erwarb er sich hervorragende Kenntnisse in der Redekunst und in der Dichtkunst. Da er hohem Adel entsprossen und sehr vermögend war, eröffnete sich ihm eine glänzende Laufbahn; schon im jugendlichen Alter erhielt er die Würde eines Senators. Dann ging er als Konsul nach Italien und wählte, da ihm die Provinz Kampanien zur Verwaltung übertragen wurde, Nola zu seinem Wohnsitz. Hier traf ihn angesichts der glänzenden Wunder, die das Grab des heiligen Priesters und Martyrers Felix verherrlichten, ein göttliches Licht, und er schloß sich mit großem Eifer dem wahren christlichen Glauben an, mit dem er sich schon seit längerer Zeit beschäftigt hatte. Daraufhin gab er auch das Rutenbündel und das Beil wieder aus der Hand, ohne es jemals durch Blut befleckt zu haben. Er kehrte nach Gallien zurück. Dort wurde er von vielen schweren Heimsuchungen zu Lande und zu Wasser getroffen und verlor das Augenlicht. Vom heiligen Bischof Martin von Tours wurde er wieder geheilt und vom heiligen Bischof Delphinus von Bordeaux mit dem reinigenden Wasser der Taufe abgewaschen.

Er entsagte dem großen Reichtum, den er besaß, verkaufte seine Güter und verteilte den Erlös unter die Armen; er trennte sich von seiner Gattin Theresia, zerriß alle Bande des Fleisches, verließ sein Heimatland und zog nach Spanien. Er wollte die verehrungswürdige Armut üben, die ihm kostbarer schien als die ganze Welt. Als er zu Barcelona am Feste der Geburt des Herrn andächtig dem heiligen Opfer beiwohnte, wurde er plötzlich vom Volke, das staunend ihn beobachtete und in Bewegung geriet, ergriffen und trotz seines Sträubens vom Bischof Lampidius zum Priester geweiht. Dann kehrte er nach Italien zurück, gründete zu Nola, wohin ihn seine große Verehrung zum heiligen Felix trieb, an seinem Grabe ein Kloster und begann mit einigen Gefährten ein klösterliches Leben. Der Mann, der vorher die Würde eines Senators und Konsuls bekleidet hatte, umfing nun die Torheit des Kreuzes, hüllte sich in ein ärmliches Gewand und versenkte sich unter Fasten und Nachtwachen ganze Tage und Nächte in die Betrachtung der himmlischen Wahrheiten. Fast die ganze Welt beobachtete es unter Staunen. Als der Ruf seiner Heiligkeit sich immer weiter verbreitete, wurde er auf den Bischofsstuhl von Nola erhoben. Bei der Verwaltung dieses Hirtenamtes hinterließ er ein bewundernswertes Beispiel der Frömmigkeit, der Weisheit und vor allem der Liebe.

Dabei gab er mehrere weisheitsvolle Schriften über die Religion und den Glauben heraus; er verlegte sich auch auf das Dichten, feierte in kunstgerechten Liedern das Leben der Heiligen und erwarb sich so hohes Lob als christlicher Dichter. Alle durch Heiligkeit und Gelehrtsamkeit hervorragenden Männer seiner Zeit wurden seine Freunde und Bewunderer. Von allen Seiten kamen sie in Scharen zu ihm als dem Lehrer der christlichen Vollkommenheit. Als die Goten Kampanien verwüsteten, gab er sein ganzes Vermögen hin und behielt für sich nicht einmal das zum Leben Notwendige, um den Armen Nahrung, den Gefangenen die Freiheit geben zu können. Als später die Vandalen diese Gegend heimsuchten, bat ihn eine Witwe, ihren von den Feinden gefangenen Sohn wieder loszukaufen. Er hatte aber schon alles zu Werken der Liebe hergegeben. Da ging er selbst an dessen Statt in die Sklaverei und wurde in Ketten nach Afrika geschleppt. Nicht ohne sichtbare göttliche Hilfe erlangte er wieder die Freiheit und konnte nach Nola zurückkehren; der gute Hirt konnte seine geliebte Herde wiedersehen. Dort entschlief er im 78. Jahre seines Lebens sanft im Herrn. Sein Leib wurde neben dem Grabe des heiligen Felix beigesetzt; später, zur Zeit der Longobarden, wurde er nach Benevent, unter Kaiser Otto III. nach Rom in die Basilika des heiligen Bartholomäus auf der Tiberinsel übertragen. Papst Pius X. jedoch ließ die heiligen Überreste des Paulinus nach Nola zurückbringen und erhob sein Fest für die ganze Kirche zu einem Duplexfeste.
Kirchengebet

O Gott, Du hast jenen, die in diesem Leben um Deinetwillen alles verlassen, für die Zukunft das Hundertfache und das ewige Leben verheißen; verleihe gnädig, daß wir in diesen Fußstapfen des hl. Bischofs Paulinus tretend imstande seien, Irdisches zu verschmähen und nur nach dem Himmlischen zu streben: der Du lebst.

Vgl. Römisches Brevier 1950, Schott-Messbuch 1962

+

 

„Evangelisiert wird auf den Knien.“

„Wie entstehen gute Predigten?“

Diese Frage stellt Regina Einig in Ihrem Artikel „Johannes von Avila: Lehrmeister und Wanderprediger“, der der in THEOLOGISCHES 05/06 2020 erschienen ist.

In unseren Tagen, in denen liturgisches Leben, ja kirchliches Leben im Allgemeinen, an seinem niedrigsten Level angelangt zu sein scheint, ist die Frage, wie Priester ihren Auftrag heute erfüllen gerechtfertigt. …

Wird nicht, wie seit Jahrzehnten schon, der sozial- und gesellschaftspolitische Aspekt in den Sonntagspredigten viel zu stark betont? Wird heute nicht etwa über Corona und Diskriminierung mehr geredet als über das Heil der Seele? Der gläubige Laie stellt sich die Frage, woher die Priester ihr Predigtmaterial nehmen. Wie haben sie sich auf ihre Sonntagspredigt vorbereitet?

Regina Einig:

„Johannes von Avila (1499-1500-1569) setzte bei der Ausarbeitung seiner Homilien auf Gebet und Studium:

Jeweils zwei Stunden vor und nach der Predigtvorbereitung widmete der Patron des spanischen Klerus dem Gebet.

Kontemplation hatte für den von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2012 zum Kirchenlehrer erhobenen Weltpriester Vorrang.

Ein durchbetetes Predigtwort sage mehr als zehn ohne Gebet, schrieb Johannes einmal.“

+