Bereiten wir uns vor, denn die Hölle existiert …

… UND WIR KÖNNEN DORTHIN KOMMEN

Bei der Fatima-Weltfriedenskonferenz der katholischen Bischöfe im Jahre 1992 in Fatima hielt auch Pater Marcel Nault eine Rede. Sie erzielte eine solche Wirkung, dass nach der Konferenz verschiedene Bischöfe ihn um den Empfang des Bußsakramentes baten!

Die Predigt von Father Marcel Nault beginnt mit den Worten:

Unser Herr JESUS Christus kam wegen eines Grundes auf die Erde: um Seelen vor der Hölle zu retten. Die Wirklichkeit der Hölle zu lehren, ist die wichtigste und unvermeidliche Pflicht der heiligen katholischen Kirche. Einer der bedeutendsten Kirchenväter, der hl. Johannes Chrysostomus, lehrte unaufhörlich, dass unser Herr JESUS Christus mehr über die Hölle als über den Himmel predigte.

HIER – lesen und herunterladen:

DIE HÖLLE EXISTIERT

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Herz-Jesu-Freitag / Sühnegebet zum eucharistischen Herzen Jesu

Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an,
ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich.
Ich bitte Dich um Verzeihung für jene,
die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten,
auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben.
(dreimal)

O göttliches eucharistisches Herz Jesu, siehe, wir werfen uns mit reuevollem und anbetenden Herzen vor der Majestät Deiner erlösenden Liebe im Allerheiligsten Sakrament nieder. Wir erklären unsere Bereitschaft, durch freiwillige Sühne zu büßen, nicht nur für unsere eigenen persönlichen Sünden, sondern insbesondere für die unaussprechlichen Verbrechen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, mit denen Du in dieser Zeit im allerheiligsten Sakrament Deiner göttlichen Liebe beleidigt wirst, insbesondere durch die Praxis der Handkommunion und des Empfangs der heiligen Kommunion im Zustand des Unglaubens und der Todsünde.

Je mehr der Unglaube Deine Gottheit und Deine wirkliche Gegenwart in der Eucharistie angreift, desto mehr glauben wir an Dich und verehren Dich, o eucharistisches Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Göttlichkeit wohnt!

Je mehr deine Sakramente geschändet werden, desto fester glauben wir an sie und desto ehrfürchtiger wollen wir sie empfangen, o eucharistisches Herz Jesu, Quelle des Lebens und der Heiligkeit!

Je mehr Dein allerheiligstes Sakrament verunehrt und gelästert wird, desto mehr verkünden wir feierlich: „Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten, auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben“, o eucharistisches Herz Jesu, das allen Lobes würdig ist!

Je mehr Du in Deinen Kirchen verlassen und vergessen bist, desto mehr wollen wir Dich besuchen, der Du unter uns in den Tabernakeln unserer Kirchen wohnst, o eucharistisches Herz Jesu, Haus Gottes und Pforte des Himmels!

Je mehr die Feier des eucharistischen Opfers ihrer Heiligkeit beraubt wird, desto mehr möchten wir eine ehrfürchtige Feier der Heiligen Messe fördern, äußerlich und innerlich auf Dich hin gewendet, o eucharistisches Herz Jesu, Tabernakel des Allerhöchsten!

Je mehr Du von Kommunizierenden stehend und in die Hand empfangen wirst, ohne ein sichtbares Zeichen von Demut und Anbetung, desto mehr möchten wir Dich kniend und in den Mund empfangen, mit der Demut des Zöllners und der Einfachheit eines Kindes, o eucharistisches Herz Jesu, von unendlicher Majestät!

Je mehr Du in der heiligen Kommunion von unreinen Herzen im Zustand der Todsünde empfangen wirst, desto mehr wollen wir Reue erwecken und unser Herz durch häufigen Empfang des Bußsakrament reinigen, o eucharistisches Herz Jesu, unseren Frieden und unsere Versöhnung!

Je mehr die Hölle für das Verderben der Seelen wirkt, desto mehr möge unser Eifer für ihr Heil durch das Feuer deiner Liebe brennen, o eucharistisches Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen!

Je mehr die Verschiedenheit der Religionen als positiver Wille Gottes und als Recht erklärt wird, das auf der menschlichen Natur beruht, und je mehr der Relativismus in der Lehre wächst, desto unerschrockener wollen wir verkünden, dass Du der einzige Retter der Menschen und der einzige Weg zu Gott dem Vater bist, o eucharistisches Herz Jesu, König und Mittelpunkt aller Herzen!

Je mehr Verantwortliche in der Kirche die Aufstellung heidnischer Götzenbilder in Kirchen und sogar in Rom weiterhin nicht bereuen, desto mehr werden wir die Wahrheit bekennen: „Welche Übereinstimmung hat der Tempel Gottes mit Götzenbildern?“ (2 Kor 6, 16), desto mehr werden wir mit Dir „den Gräuel der Verwüstung, der an der heiligen Stätte steht“ (Mt 24,15) verurteilen, o eucharistisches Herz Jesu, heiliger Tempel Gottes!

Je mehr Deine heiligen Gebote vergessen und übertreten werden, desto mehr wollen wir sie mit Hilfe Deiner Gnade einhalten, o eucharistisches Herz Jesu, Abgrund aller Tugenden!

Je mehr Sinnlichkeit, Selbstsucht und Stolz unter den Menschen herrschen, desto mehr möchten wir Dir unser Leben im Geiste des Opfers und der Selbstverleugnung weihen, o eucharistisches Herz Jesu, mit Schmach gesättigt!

Je heftiger die Pforten der Hölle gegen Deine Kirche und den Felsen von Petri in Rom stürmen, desto mehr glauben wir an die Unzerstörbarkeit Deiner Kirche, denn auch in den schwersten Stürmen verläßt Du nicht Deine Kirche und den Felsen Petri, o eucharistisches Herz Jesu, Quelle allen Trostes!

Je mehr die Menschen sich in Hass, Gewalt und Selbstsucht voneinander trennen, desto inniger wollen wir als Mitglieder der einen Familie Gottes in der Kirche einander in Dir lieben, o eucharistisches Herz Jesu, voll Güte und Liebe!

O göttliches eucharistisches Herz Jesu, gib uns Deine Gnade, damit wir treue und demütige Anbeter, Liebhaber, Verteidiger und Tröster Deines eucharistischen Herzens in diesem Leben sind und die Herrlichkeit deiner Liebe in der seligen Anschauung in der Ewigkeit empfangen. Amen.

Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an,
ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich.
Ich bitte Dich um Verzeihung für jene,
die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten,
auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben.
(dreimal)

Unsere Liebe Frau vom Allerheiligsten Sakrament, bitte für uns!

Hl. Thomas von Aquin, hl. Peter-Julian Eymard, hl. Francisco Marto,
hl. Pater Pio und alle eucharistischen Heiligen:
bittet für uns!

+ Athanasius Schneider,
Weihbischof der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana

Sühnegebet zum eucharistischen Herzen Jesu

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Der Tod Jesu – 5/5

Mit Bargil Pixner OSB und Paul Badde auf dem Weg der Kreuzigung Jesu:

Bargil schwieg. Ich schwieg. Er wollte nicht weg. Ich wollte nicht weg. Wir schauten zu dem fahlen Felsen.

»Was ist denn mit den Schachern?«, fragte ich noch, »die doch links und rechts von ihm umkamen und ihn vorher verspotteten und um Hilfe baten? Du sagst doch, er habe die ganze Zeit nur gebetet.«

»Stimmt«, sagte Bargil, »und gut, dass du das sagst. Die beiden haben sein Gebet tatsächlich unterbrochen, und Jesus hat es von ihnen unterbrechen lassen, besonders von Dismas, wie der gute Schacher hier in Jerusalem genannt wird. Dem versprach er, ›am gleichen Tag noch mit ihm im Paradies zu sein.‹ Denn Dismas hatte ihm zugerufen: ›Jeshu, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!‹

Es ist das einzige Mal in der ganzen Bibel, dass der Messias nur mit seinem Namen bezeichnet wird. Überall sonst heißt er entweder Meister, Rabbi, Herr oder König. Hier wird er nur mit seinem Namen gerufen. So, wie Maria ihn als Kind gerufen hat. Wir denken uns nicht viel dabei. In Israel rief damals der Name Jeshu aber vor allem den Heerführer Jeshua in Erinnerung, der das Volk Israel beinahe 1500 Jahre zuvor über den Jordan in das Gelobte Land geführt hatte, das Gott schon Abraham versprochen hatte.

Der gute Schächer ruft Jesus hier also als neuen Jeshua an: als letzten Führer in das letzte gelobte Land.›Ja‹, antwortet ihm der Sterbende, ›ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.‹ An diesem Tag ging Jeshua wieder über den Jordan, zum letzten Mal. Jetzt bahnte er für alle Ewigkeit den Weg ins gelobte, ins letzte wahre und Heilige Land. Kurz danach schrie er auf. Sein Haupt fiel nach rechts auf die Brust, voll Blut und Wunden. Sein Gesicht, in dem Gott uns seine ureigenen Züge gezeigt hatte, wurde mit einem Schlag leichenblass, die Lippen blau. Er hatte ausgelitten.«

Sehr empfehlenswert:

Paul Badde
Heiliges Land.
Auf dem Königsweg aller Pilgerreisen
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ISBN: 978-3863572709
320 Seiten; 12,80 Euro

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Der Tod Jesu – 4/5

Mit Bargil Pixner OSB und Paul Badde auf dem Weg der Kreuzigung Jesu:

Bargil verschnaufte und erholte sich kurz von seinem Eifer.

Bargil (Virgil) Pixner OSB (1921-2002). Mitglied bei den Josefsmissionaren von Mill Hill. Priesterweihe 1946. Missionsarbeit auf den Philippinen. Pätere Missionseinsätze in Norditalien und Amerika. 1972 Eintritt in die Dormitio-Abtei der Benediktiner in Jerusalem. Seit dieser Zeit leitete er biblische Exkursionen und wurde bekannt als leidenschaftlicher und unkonventioneller Archäologe und guter Kenner der zeitgeschichtlichen Situation der Bibel. Ab 1982 lebte er im Priorat Tabgha. Die Entdeckungen und Ausgrabungen in Bethsaida gehen auf ihn zurück. Pater Bargil hat viele Publikationen zu seinen biblisch-zeitgeschichtlichen Thesen veröffentlicht. 1994 kehrte er in die Dormitio-Abtei auf den Berg Zion in Jerusalem zurück.

Dann setzte Bargil wieder an:

»Hier auf dem Golgatha hat Jesus diese Versöhnung vollbracht. So kommt er auch an das Ende seines langen Gebets. Wahrscheinlich hat er den Psalm dauernd wiederholt, bis zum Ende, wo es heißt: ›Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist.‹
Dann das letzte Wort:
›Es ist vollbracht.‹
Das entscheidende Wort kam aber doch aus dem Mund des römischen Hauptmanns, eines hartgesottenen Soldaten:
›Dieser war wahrlich Gottes Sohn.‹
Wie ich schon sagte:
Ein Gott, der leidet, das war in der Antike ganz und gar unvorstellbar. Und jetzt spricht ein Heide dieses Wort über diesen Gemarterten, den seine Soldaten noch mit verhöhnt haben. Das ist sehr, sehr bemerkenswert. Von den Aposteln war hier überhaupt nichts zu hören. Nur Johannes war da. Und die Frauen. Die Frauen haben am meisten standgehalten. Wahrscheinlich weinten und schluchzten sie nur durcheinander.«

»Lass uns gehen!«, sagte ich zu Bargil und zündete bei dem griechischen Mönch eine dünne Kerze an, die ich in das Sandbecken steckte. Draußen musste es bald dunkel sein. Am Fußende der Golgatha-Kapelle setzten wir uns dann aber doch noch einmal auf eine Holzbank und schauten zu der Felskuppe hinüber, knapp 15 Meter vor uns. »Und dann?« sagte ich nach einer Weile.

Bargil steckte das Taschentuch weg. »Jesus war tot. Es war das Ende. Die Frauen sind dort, aufgelöst und hilflos. Die Feinde sind auch dort gewesen. Sie haben ihn verspottet, sie gehen nach Hause. Sie bereiten sich vor, das eigentliche Pessach zu feiern und in ihren Häusern das Paschahmahl zu halten. Dann kommt ein Freund Jesu, Josef von Arimathäa, aus dem heutigen Rantis, am Rand des Westjordanlandes. Wahrscheinlich war er schon da. Er hatte das Ende kommen sehen und eigens ein großes kostbares Leintuch gekauft, um Jesus da hineinzuwickeln. Er geht zu Pontius Pilatus – es war ja nicht weit – und bekommt von ihm die Erlaubnis, die Leiche abzunehmen.

Von den Aposteln ist immer noch keiner zu sehen. Doch Nikodemus ist dazugekommen, der mit Jesus einmal eine ganze Nacht lang debattiert hatte, und er hat kostbare Öle und Spezereien und Duftstoffe mitgebracht. Es war eine Unmenge, mit der man einen König sehr würdig hätte bestatten können. Maria von Magdala hatte Jesus ja schon vorher, als Lebenden, gesalbt und schaute jetzt an sich herab, was sie ihm noch mitgeben könnte. So wird der Leichnam vom Kreuz abgenommen. Man lässt ihn mit dem Balken herunter. Der Nagel wird aus dem Fuß herausgedreht. Die Nägel, die i hm durch die Handgelenke und die Füße getrieben worden waren, sind brutal groß. Es war keine Kleinigkeit, sie wieder herauszuziehen.

Dann wurde er in das Tuch gewickelt. Das neue Grab des Josef von Arimathäa war ganz nah. Bevor der Abendstern am Himmel erschien, musste er da hineingelegt werden. Der Sabbat würde gleich beginnen, und Pessach, das höchste Fest des Judentums. Es ist das Fest vom Vorbeigang Gottes durch sein Volk.«

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Paul Badde
Heiliges Land.
Auf dem Königsweg aller Pilgerreisen
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Der Tod Jesu – 3/5

Mit Bargil Pixner OSB und Paul Badde auf dem Weg der Kreuzigung Jesu:

Jesus hat daran gelitten, bis zum Kreuz hin, bis zu den letzten Minuten. Jetzt sieht er also die Vertreter dieser beiden Familien vor sich. Da, der Jünger, den er liebt, der einer von seinen zwölf Aposteln war, und da Maria, seine Mutter, die als Braut Josefs ja auch Pflegemutter von dessen Söhnen war. Diese Nazoräer mit einem teilweise wohl radikalen Hintergrund, manche vielleicht auch mit fanatischen Streifen. Das waren die, von denen es bei Johannes heißt:

›Auch die Brüder glaubten nicht an ihn.‹

Sie waren nicht einverstanden, dass Jesus ihre Eigenart verlassen hatte, sondern einfach ein ganz gewöhnlicher normativer Jude geworden war, um allen zugänglich zu sein. Jetzt will er am Kreuz, dass die doch noch mit seinen Aposteln zusammenkommen.

Johannes nahm seine Mutter von da an bei sich auf, heißt es danach lapidar. Nicht Jakobus nahm sie zu sich, der Sohn Josefs, der ›Herrenbruder‹ aus dem Nazarethkreis, sondern ein Fremder, der sein Freund und Lieblingsjünger geworden war.

Beide Gruppen kamen von dieser Stunde an zusammen, unter denen es vorher auch große Verletzungen gab. Hier ist seine letzte Versöhnung und Aussöhnung gelungen, als Frucht seines Kreuzestodes.

Später bildeten dann tatsächlich diese beiden Gruppen zusammen die erste Urgemeinde auf dem Zionsberg. Sie beteten zusammen nach seiner Himmelfahrt im oberen Saal. Auf diese beiden Familien ist die Kirche gegründet worden. In diesen beiden Gruppen oder Familien waren auch schon die beiden ›Völker‹ spiegelbildlich vertreten, von denen es im Hebräerbrief heißt, dass Jesus sie in der Kirche vereint und versöhnt hat – und dass er die Mauer zwischen ihnen zum Einsturz brachte.

Jakobus, der Bruder des Herrn, wird der erste Bischof von Jerusalem. Er wird der erste Oberhirte der jüdischen Gemeinschaft, die glaubt, dass Jesus der verheißene Messias war. Er war kein Apostel Jesu gewesen. Die zwölf Apostel hingegen gingen bald hinaus in die ganze Welt, um diesen Glauben unter allen Völkern zu verbreiten.«

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Paul Badde
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Der Tod Jesu – 2/5

Mit Bargil Pixner OSB und Paul Badde auf dem Weg der Kreuzigung Jesu:

Er wird also auf dieses Kreuz geworfen. Die Nägel bohrten sich durch seine Hände. Allein der Klang der Hammerschläge peinigte das Trommelfell seiner Mutter wie ein Schwert, das in ihre Seele fuhr. Die Mitte der Handfläche wäre viel zu schwach, einen Menschen zu halten. Darum wurde der Nagel darunter in den Rist, unterhalb des Gelenks, eingeschlagen. Da ist die Hand viel kräftiger. Es waren grausamste Qualen.

Als die Annagelung fertig war und er beinahe wieder in Ohnmacht fiel, wurde dieser Balken mit Hilfe einer Leiter, die dort war, von Soldaten an Seilen hochgezogen auf den Senkrechtbalken. Oben war eine Art Gabelung, da wird ein Seil darübergeworfen, und dann wird es hochgezogen und kommt an Ort und Stelle.

Wie er dann droben ist, wird oben der Titulus mit dem Grund seiner Verurteilung angenagelt. Dieser Querbalken wird dann mit Stricken festgemacht. Schließlich werden auch die Füße angenagelt. Dafür war da eine Art Höcker, der aus dem Stamm herausragt. Da wird ein einziger Nagel durch beide Füße in dieses Holz geschlagen. Nun hängt Jesus am Kreuz. Es ist furchtbar. Man muss sich das so vorstellen:

Er hängt an den Händen und immer wieder sackt er zusammen. Beim Zusammensacken klemmt die Lunge ein, dass er fast daran erstickt. Um nicht zu ersticken, muss er sich wieder hochziehen. Hebt er sich wieder hoch, mit den Beinen über die angenagelten Füße, für eine Zeitlang, dann sackt er auch schon wieder zusammen.

So geht es hin und her, hinauf und herab. Eine furchtbare Qual. Jesus ist dann ›zu früh‹ gestorben. Nach der Geißelung, nach der Dornenkrönung und allem, was er mitgemacht hat, war er nach sechs Stunden schon tot. Den Verbrechern neben ihm, die vor Beginn des Sabbats immer noch nicht tot waren, hat man nach seinem Tod die Beine zerschlagen, damit sie sich nicht mehr aufrichten konnten. Danach erstickten sie einfach bei den durchhängenden Armen und der eingequetschten Lunge.

Bei Jesus ist das nicht geschehen. Jesus hat man mit einer Lanze durchbohrt, um zu sehen, ob er wirklich tot war. E in Offizier stößt die Lanze in sein Herz, da kommt Blut und Wasser heraus; das Blut zersetzt sich schon. Er war tot, eindeutig.«

»Als Jesus hier hing, in welche Richtung hat er da geschaut?«

»Über die Mauer hinweg, Richtung Stadt und Tempel.«

»Sein letzter Blick ging auf den Tempel, in den ihn Maria schon als Kind getragen hatte?«

»Ja, sehr wahrscheinlich. Das wollten sich die Römer bei diesem König der Juden sicher nicht nehmen lassen. Er schaute wohl nach Osten, auf den Tempel. Diesem letzten Blick entspricht auch sein letztes großes Gebet:
›Eli, eli, lama sabatanu‹ – Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Dabei schaut er auf den Tempel hin. Es ist der 22. Psalm, der so anfängt und der am Schluss mit einem großen Lobpreis Gottes endet. Am Schluss heißt es da: ›Es ist vollbracht!‹ – Doch Gott hat hier alles vollbracht.

Diesen Psalm hat er gebetet mit Unterbrechungen, wie seine Lunge es zuließ. Wenn die Kraft ausging, hat er den Psalm schweigend weitergebetet. ›Mich dürstet‹ findet sich auch in diesem Psalm. ›Die Zunge klebt mir am Gaumen.‹ Alles ist in diesem Psalm 22 drin.

Dann bringt man ihm Essigwasser. Er nippt davon. Er betet dann immer weiter. Dann schaut er herunter. Der Tod kommt näher.

In diesem Psalm 22 heißt es auch: ›Du hast mich aus der Mutter gezogen. Ich bin dein von Jugend auf, von Kindheit an.‹ Da sieht er die Mutter unter sich und sieht, wie Johannes dort steht – und er sagt zu ihnen: ›Mutter, sieh da, dein Sohn‹, und zu dem Apostel: ›Sohn, sieh da, deine Mutter!‹ –

Diese Szene berührt mich ungeheuerlich. Denn diese zwei Familien, musst du wissen, die Familie
Jesu und die Familie der Zwölf standen sich fremd gegenüber: die Brüder in Nazareth und seine zwölf Jünger in Kapharnaum.

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Der Tod Jesu – 1/5

Mit Bargil Pixner OSB und Paul Badde auf dem Weg der Kreuzigung Jesu:

»Bemerkenswert eindrücklich ist diese Stunde von Gerhard Kroll im Jahr 1964 in Leipzig in seinem Buch ›Auf den Spuren Jesu‹ beschrieben worden«, sagte Bargil.

»Der Mann hatte die DDR nie verlassen und wurde doch einer der besten Kenner des Heiligen Landes. Erst nach dem Fall der Mauer hat er mich einmal hier besucht und gesagt, er hätte sich in seinem Standardwerk nur einmal bei einer Treppe um ein paar Stufen vertan. Bei vielen Orten klingen seine Beschreibungen wie Augenzeugenberichte. Er war ein grandioser Wissenschaftler und ein genialer Visionär. Leider ist er schon gestorben. Doch warte, die Stelle über Christi Tod muss ich dir kurz vorlesen.«

Pater Gerhard Kroll SJ (geb. 1914 in Oppeln, gest. 1997 in Berlin) war seit 1940 Priester der Gesellschaft Jesu. Eine Predigt zum Thema „Hat Jesus gelebt?“ wurde zur Geburtsstunde seines viele Auflage erlebenden Buches „Auf den Spuren Jesu“ (1964). Das konkurrenzlose Standardwerk beinhaltet einen einzigartigen Fundus an Informationen zur Zeit und zum Leben Jesu. Obwohl Kroll damals, zur DDR-Zeit, niemals das Heilige Land besuchen konnte, gelang es ihm durch fortlaufende Forschungen und Sammlungen der Zeugnisse Jesu Christi im Heiligen Land das Leben Jesu in seiner Gesamtheit historisch zu belegen. – Leider ist dieses Buch heute nur noch antiquarisch zu erhalten.

Bargil hatte sie extra in die Grabeskirche mitgenommen, als Fotokopie aus dem dicken alten Buch aus seiner Zelle.

»›Am frühen Nachmittag begann im Tempel die feierliche Liturgie zur Vorbereitung des Pessachfestes‹ schrieb Gerhard Kroll also über diese Stunde.
›Vor den Augen des Hohepriesters wurde ein makelloses Opferlamm geschlachtet. Dann versammelten sich die Ältesten der vierundzwanzig Priesterordnungen, und es begann das hochheilige Sühneritual des Pascharüsttages.

Josephus schätzt die Zahl der Lämmer, die dabei geschlachtet wurden, auf 18.000. –

Posaunen und Hornsignale verkündeten weithin hörbar das große Ereignis, dass Gott an seinem blutbesprengten Opferaltar mit seinem Volk Frieden und Versöhnung schloss – während draußen vor dem Tor der Stadt das wahre Lamm Gottes verblutete, von seinem Volk nicht erkannt, von seinen Jüngern verlassen, nur von einigen Frauen und einem Apostel beweint.‹«

»Wie müssen wir uns die Kreuzigung konkret vorstellen?«

»Nach meinen Berechnungen wird Jesus gekreuzigt um 9 Uhr. Um 12 Uhr ist diese so genannte Finsternis, es verdunkelt sich alles. Gegen 3 Uhr nachmittags stirbt Jesus. Sechs Stunden hat die Kreuzigungsqual gedauert. Die Frauen, denke ich mir, die Jesus gefolgt waren, durften wohl nicht mit auf den Berg, höchstens seine Mutter. Alle anderen mussten drunten im Tal bleiben, da ging ein Weg vorbei entlang der zweiten Mauer, die vom Süden nach Norden ging. Jesus wurden die Kleider abgenommen.

Er wird dann hingeworfen, nackt – vielleicht hat er ein Lendentuch gehabt, vielleicht auch nicht. Das Turiner Grabtuch zeigt einen splitterfasernackten Mann.

Bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts waren öffentliche Hinrichtungen auch in Europa vor allem darum so beliebt, weil viele zur Richtstätte kamen, um die letzte Erektion des Gehenkten im Augenblick des Todes zu beobachten und zu beklatschen. Gekreuzigte in der Antike waren nackt; sie bekamen für ihre letzte Zurschaustellung kein Lendentuch umgebunden.

Die Römer wussten, womit sich die Menschen am ehesten ergötzen und unterhalten ließen.

Manche meinen zwar, Pilatus habe hier die jüdischen Sitten berücksichtigt. Doch andere gut dokumentierte Vorkommnisse seiner Amtszeit zeigen, dass er darauf herzlich gepfiffen hat. Wir wissen also nicht, ob Jesus völlig nackt war oder nicht, ob man ihn so entblößt an den Pfahl genagelt hat, wie seine Mutter ihn geboren hat. Es ist gut möglich, als ultimative Demütigung. Wir können uns die Fleischwerdung Gottes jedenfalls bis zu seinem letzten Atemzug nicht drastisch genug vorstellen.

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Paul Badde
Heiliges Land.
Auf dem Königsweg aller Pilgerreisen
FE-Medienverlag 2020
ISBN: 978-3863572709
320 Seiten; 12,80 Euro

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