Gregorianik: „Unsere Stimme schmettere dir Lieder“ – 2/2

(über die letzten Jahre in der Trappistenabtei Mariawald, bevor der „frische Wind des 2. Vatikanischen Konzils den Mief der Jahrhunderte“ Begann hinauszuwehen; darüber schreibt ein ehemaliger Mönch dieses Klosters, der 1966 eingetreten ist:)

Wenn ich mich an hohen Feiertagen nach zweieinhalb oder fast drei Stunden Gesang von den Vigilien zum Frühstück ins Refektorium begab, war ich ganz benommen von einer eigenartigen Mischung aus Erschöpfung und Euphorie.

Ich glaube, der gregorianische Choral konnte seine ganze Schönheit und Tiefe, ja hinreißende Gewalt nur vollkommen im Rahmen jener sprachlichen und kulturellen Ganzheit entfalten, die ich gerade noch einige Jahre erleben durfte. Das Latein, in dem er gesungen wurde, war die Sprache der Vulgata, in der wir auch die Bibel lasen, und genauso die Sprache der wenigen Literatur, die wiederum vorwiegend von biblischen Themen und Bildern durchsetzt war. Wir hoben also sozusagen all das Sprachliche und Gedankliche, womit wir den ganzen Tag beschäftigt waren, unmittelbar auf die Ebene des Gesangs. Die Ränder zwischen Lektüre, Sprache und Gesang waren fließend. Unser Choral erhob sich aus dem Schweigen, tanzte in jubelnde Höhen, spielte auf den Wellen seiner meditativen Melodien, tauchte in traurige Abgründe und glitt schließlich wieder ins Schweigen unseres Alltagslebens zurück. Mich fragte in diesen Jahren einmal jemand, ob ich es nicht als Entbehrung empfände, niemals Musik hören zu können. Mir kam spontan die Antwort: »Ich lebe doch den ganzen Tag in der Musik.«

(aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Bernardin Schellenberger
Gott suchen – sich selbst finden – Erfahrungen mit der Regel Benedikts
Verlag der Ideen 2016
ISBN: 978-3942006217
432 Seiten; 24,90 Euro

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Gregorianik: „Unsere Stimme schmettere dir Lieder“ – 1/2

(über die letzten Jahre in der Trappistenabtei Mariawald, bevor der „frische Wind des 2. Vatikanischen Konzils den Mief der Jahrhunderte“ Begann hinauszuwehen; darüber schreibt ein ehemaliger Mönch dieses Klosters, der 1966 eingetreten ist:)

Im Werktagsvesper-Hymnus Deus creator omnium sangen wir Gott zu:

Te cordis ima concinant,
te vox canora concrepet,

was sich mit keiner Übersetzung derart prägnant und zugleich poetisch wiedergeben lässt und jedenfalls heißt:

»Der tiefste Grund unseres Herzens singe dir zu,
unsere Stimme schmettere dir Lieder

Das Singen aus voller Kehle war nicht nur eine emotionale, sondern geradezu körperliche Erfahrung:
Man wurde selbst zum Klangkörper; es war, als vibriere man von Kopf bis Fuß, schaukle leibhaftig auf den sanften Wellen der Choralmelodien, die nicht betäuben, sondern eher eine spirituelle Sensibilität und Wachheit wecken – jene sobria ebrietas, »nüchterne Trunkenheit«, von der in einem Hymnus und in etlichen spirituellen Werken der Mönche die Rede ist.

(aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Bernardin Schellenberger
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Pater Paulus, vertriebener Trappist aus Mariawald ist verstorben

Die heutigen Verantwortlichen der Abtei Mariawald gaben bekannt, dass Pater Paulus (Josef Rankel) am Freitag, den 19. Juli 2019 gegen 18 Uhr entschlafen ist.

Er wurde am 8. November 1931 in Fürstenberg an der Oder geboren und trat mit 22 Jahren in die Abtei Mariawald ein, wo er am 7. November 1954 als Novize eingekleidet wurde. Am 11. November 1956 legte Pater Paulus die Einfache Profess ab, drei Jahre später, am 15. November 1959, die Feierliche Profess. Am 12. Juni 1960 wurde er zum Priester geweiht. Von 1960 bis 1963 studierte er an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Altes Testament (Lic.theol.). Pater Paulus arbeitete viele Jahre verborgen in der Landwirtschaft und in der Likörfabrik der Abtei.

Nach der Ausweisung der Trappisten aus Mariawald und einem längeren Krankenhausaufenthalt wurde er im September 2018 in das Seniorenhaus der Cellitinnen in Nideggen aufgenommen. Dort entschlief ist er friedlich.

Das Requiem für Pater Paulus wurde am Dienstag, dem 23. Juli in der Mariawalder Klosterkirche zelebriert, danach wurde er auf dem Klosterfriedhof von Abt Bernardus Peeters aus Tilburg (NL) begraben.

Pater Paulus möge ruhen in Frieden!

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kölnische_rundschau

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Die neue Sicht auf MARIAWALD

Die Tourismusmanager sehen die Aufhebung und Vertreibung der Klostergemeinschaft der Trappisten ganz anders als die Mönche und deren Anhänger und Freunde. Für sie und den Bürgermeister der Stadt Heimbach, auf deren Stadtgebiet sich die Abtei Mariawald befindet, handelt es sich nicht um die Schließung eines Klosters. Hier spricht man von der „Öffnung von Mariawald“, und davon, dass es sich um einen wichtigen „touristischer Hotspot“ handle.

https://www.wochenspiegellive.de/eifel/kreis-dueren/huertgenwald/artikel/eifelturm-als-neues-wahrzeichen-56883/

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Mariawald – was der Orden zur Schließung sagt

Nachdem sich der Trappistenorden von seinem Kloster, sowie seinen Mönchen von Mariawald getrennt hat, gab es am 17. September 2018 die erste und einzige Stellungnahme seit Jahren. Damit wird hoffentlich dem Letzten deutlich werden, wie man von offizieller Ordensseite zu Mariawald und zu dem Versuch Mariawalds einer „Rückkehr zu den Ordensstatuten von Monte Cistello“ oder vereinfacht, zu der „Rückkehr zu den jahrhundertealten Gebräuchen des Ordens“ gestanden hat.

Die offizielle Website des „Order of Cistercians of the Strict Observance“ gibt, wie üblich emotionslos, nur die Schließung des Klosters bekannt, ohne auf die Wirklichkeit einzugehen. Es gibt nur diese EINE veröffentlichte Wahrheit:

„Die offizielle Schließung der Abtei Mariawald (Deutschland) fand am 15. September 2018 statt. Der Beschluss zur Schließung wurde auf dem Generalkapitel Assisi 2017 gefasst (Abstimmung 43). Die Feier wurde von Bischof Karl Borsch, Weihbischof von Aachen, in Anwesenheit von Dom Dominique-Marie, Abt von Oelenberg (Frankreich) und Pater Immediate, Dom Bernardus, Abt von Tilburg (Niederlande) und Päpstlicher Kommissar von Mariawald, geleitet. Anwesend waren auch Dom François de Place und Dom Bruno Gooskens als ehemalige Äbte von Mariawald und Dom Hubert von Engelszell (Österreich). Drei Brüder aus der Gemeinschaft konnten an dem Abschlussgottesdienst teilnehmen. Schwestern von den Gemeinschaften Maria Frieden und Donnersberg waren ebenso anwesend wie viele Gläubige der Region. Am Ende der Feier überreichte Dom Bernardus dem Bischof die Schlüssel von Mariawald. Es ist die Diözese, die jetzt die Verantwortung für den Ort übernimmt, der ein Ort des Gebets bleibt. Die Feier endete mit dem Gesang des Salve Regina. Es war ein berührender Moment nach so vielen Jahrhunderten Zisterzienserleben.
Nach der Schließung gingen zwei Brüder von Mariawald, darunter Dom Josef, der letzte Abt des Klosters, in die Zisterzienserabtei Vissy Brord in der Tschechischen Republik. Die sechs anderen älteren Brüder leben in verschiedenen Altersheimen rund um Mariawald.“

https://www.ocso.org/2018/09/17/mariawald-4/

Trappistinnen spielen die Abschiedsmelodie, gewissermaßen das Lied vom Tod, im Chor der Abteikirche Mariawald. – Foto: OCSO

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ABSCHIEDSGEBET

15. September 2018
„Sieben Schmerzen Mariens“
– Patrozinium von Mariawald.
Schließung des Klosters
durch die kirchlichen Behörden.

Es waren der Worte genug …

Wir beten, dass zu gegebener Zeit die Mönche zurückkehren können in ihr klösterliches Kleinod Mariawald. Dafür bitten wir Gott und die „Schmerzhafte Muttergottes von Mariawald“. Dann möge auch, so bitten wir, die liturgischen Traditionen der Kirche, so wie sie durch Jahrhunderte überliefert wurden, wieder gelten und in Mariawald gefeiert werden.

Glaubensbekenntnis.
Vater unser.
Gegrüßet seist du Maria.

Die göttliche Hilfe sei mit uns allezeit;
und mit unseren abwesenden Brüdern
Die Verstorbenen mögen
durch die Barmherzigkeit Gottes
ruhen in Frieden.
Amen.

Nach Beendigung der Komplet, der letzten Gebetszeit des monastischen Tages, richtet man sich auf und singt feierlich, in Zeremonie stehend und gegen den Altar gewendet das SALVE REGINA.

Salve Regina, *
Mater misericordiae,
vita, dulcedo et spes nostra, salve.
Ad te clamamus, exsules filii Evae.
Ad te suspiramus, gementes et flentes
in hac lacrimarum valle.
Eia ergo, advocata nostra,
illos tuos misericordes oculos ad nos converte.
Et Jesum, benedictum fructum ventris tui,
nobis post hoc exsilium ostende.
O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.
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Sei gegrüßt, o Königin, *
Mutter der Barmherzigkeit,
unser Leben, unsre Wonne und
unsere Hoffnung, sei gegrüßt!
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
zu dir seufzen wir trauernd und weinend
in diesem Tal der Tränen.
Wohlan denn, unsre Fürsprecherin,
wende deine barmherzigen Augen uns zu;
und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
die gebenedeite Frucht deines Leibes.
O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

Am Ende läßt man sich auf die Knöchel nieder, der Obere sagt den Versikel AVE MARIA und alle antworten DOMINUS TECUM. Man erhebt sich wieder für die Kollekte OMNIPOTENS, während der man mit herunterhängenden, auf den Knien gekreuzten Ärmeln extra stalla verneigt ist. Der Obere, in Zeremonie stehend singt die Kollekte im feierlichen Ton …

Man läutet alsdann sogleich den ANGELUS und macht die Gewissenserforschung.

Der Obere gibt das Zeichen zum Verlassen der Kirche. Er bleibt beim Weihwasserbecken an der Kirchentüre stehen und besprengt alle Mitglieder der Gemeinde einzeln. Dabei verbeugen sie sich tief vor ihm und nachdem sie das Weihwasser empfangen haben, bedecken sie ihr Haupt und gehen …

Einzig die verstorbenen Trappisten bleiben in Mariawald – wartend auf die Rückkehr ihrer Brüder und auf die Auferstehung von den Toten.

Sub tuum praesidium confugimus,
Sancta Dei Genetrix.
Nostras deprecationes ne despicias
in necessitatibus nostris,
sed a periculis cunctis
libera nos semper,
Virgo gloriosa et benedicta.

Unter deinen Schutz und Schirm
fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin;
Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten,
sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren,
o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau.

AMEN.

GEBETS-TRIDUUM und Abschiedsgebet MARIAWALD

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