Mariä Himmelfahrt – 15. August

Das Fest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ feiert die katholische und die orthodoxe Christenheit gemeinsam am 15. August.

Wie erklärt sich diese Termineinheit, wo doch die anderen christlichen Feste, bedingt durch die Unterschiede zwischen Gregorianischem und Julianischem Kalender, zeitlich differieren?

Das Fest Mariä Himmelfahrt ist in der Ostkirche bald nach dem Konzil von Ephesus (431) aufgekommen, und die Weltkirche hat es übernommen. Kaiser Mauritius (582-602) hat dafür den 15. August als Feiertag bestimmt.

Aus jener Zeit der ungeteilten Christenheit stammt also das Datum. Und was genau feiern wir Christen in Ost und West gemeinsam?

Die Überzeugung, dass Maria wegen ihrer Makellosigkeit nach ihrem Tod nicht erst den Weg der leiblichen Verwesung gehen musste, sondern dass sie sofort mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Paradieses eingehen durfte. Viele wunderschöne Marienlieder bringen diese Ehrung zum Ausdruck, zahlreiche Bildwerke hat die Kunst geschaffen, die die Apostel um ihr Grab versammelt sein lässt. Doch nicht Marias Leib ruht darin, sondern eine üppige Blumenpracht leuchtet hervor. Diese Blumenlegende führte zum Brauch der Heilkräuter-Segnung.

Im Neuen Testament selbst wird vom Sterben Marias nichts berichtet. Wenn wir heute Maria und ihre Verherrlichung preisen, dann denken wir auch an unser eigenes Lebensziel. Nämlich nicht für Tod und Verwesung sind wir geschaffen, sondern für jene Herrlichkeit bei Gott, aus der Maria zu uns herübergrüßt.

So bekennen wir es auch im Credo: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Und damit wir dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren und damit uns keine Angst vor dem Sterben befällt, deshalb ersuchen wir Maria im von Kindheit an vertrauten „Ave Maria“ um ihre himmlische Fürsprache: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.“

(Mariologisches 3, 2009)

Gegrüßet seist du, Königin, o Maria (= Salve Regina)

1. Gegrüßet seist du, Königin, o Maria,
erhabne Frau und Herrscherin, o Maria!

/:Freut euch, ihr Cherubim,
lobsingt, ihr Seraphim,
grüßet eure Königin:
Salve, / salve, / salve, Regina!:/

2. O Mutter der Barmherzigkeit, o Maria,
du unsres Lebens Süßigkeit, o Maria!

3. Du unsre Hoffnung, die gegrüßt, o Maria,
die du der Sünder Zuflucht bist, o Maria!
4. Wir Kinder Evas schrein zu dir, o Maria,
aus Tod und Elend rufen wir, o Maria!
5.O mächtige Fürsprecherin, o Maria,
bei Gott sei unsre Helferin, o Maria!

6.Dein mildes Auge zu uns wend, o Maria,
und zeig uns Jesus nach dem End, o Maria!

Consolatrix Afflictorum – Gnadenbild von Kevelaer

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MARIA KÖNIGIN – und Magd

„Die Muttergottes nimmt an der universalen Herrschaft und Gewalt Gottes und ihres Sohnes selbst teil – weiterhin Gott, dem Schöpfer, unterworfen, aber als das besondere, wunderbare, einzigartige, unvergleichliche und unwiederholbare Geschöpf des Schöpfers. Diesen erkennt sie auch als Königin an, aber alles jeder andere sonst ist und bleibt ihr unterworfen – nach dem Willen Gottes, nicht, weil sie diese Herrschaft für sich beansprucht oder gar usurpiert hätte.

Nur weil sie nichts anderes als Magd sein wollte und war, ist sie die universale Herrscherin von Gott her geworden. So wie auch ihr Sohn Christkönig wurde, weil er nichts anderes als Knecht sein wollte und war.“

(Quelle)

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Du, o Maria

Du, o Maria,
bist das Buch geworden,
in dem unsere Lebensregel aufgeschrieben ist.
In dich ist die Weisheit des ewigen Vaters
hineingeschrieben worden.
Denn ich sehe,
wenn ich auf dich schaue,
wie die Hand des Heiligen Geistes in dich
die Heiligste Dreifaltigkeit hineingeschrieben,
indem Er in dir das menschgewordene Wort,
den eingeborenen Sohn des Vaters, gebildet hat.
Er hat in dich hineingeschrieben
die Weisheit des Vaters, das Wort,
die Allmacht des Vaters,
der dieses große Geheimnis zu vollbringen verma
die milde Güte des Heiligen Geistes.
Ewige Dreifaltigkeit,
betrachte ich Deinen Heilsplan,
so erkenne ich in Deinem Licht
die Würde und den Adel
des Menschengeschlechts.
Wie die Liebe Dich drängte,
den Menschen aus Dir heraus
ins Dasein zu setzen,
so ruhte sie nicht,
bis sie ihn, der durch die Sünde verloren,
wiedererkauft hatte.

(Caterina von Siena)

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Der Schüler über den verkrüppelten Meister

Hermanns Schüler Berthold schreibt über seinen Lehrer und Mitbruder Hermann:

„Er war derart durch die Grausamkeit der Natur an den Gliedmaßen verrenkt, dass er sich von der Stelle, auf die man ihn niedersetzte, nicht ohne Hilfe wieder weg-bewegen, noch sich auf die eine oder die andere Seite wenden konnte.“

Wir wissen nicht, ob alle Benediktiner der Reichenau Bertholds Ansicht geteilt haben oder ob er deswegen expressis verbis von der Grausamkeit der Natur gesprochen hat, um eben anders denkende Mitbrüder von seiner Denkweise zu überzeugen. Jedenfalls haben wir heute die größte Achtung vor dem natur-wissenschaftlichen Denken der Reichenauer Mönche. Schließlich war das Kloster im Bodensee um diese Zeit ja aber auch die „Elite-Universität“ im damaligen Mitteleuropa.

Wenn Hermann der Lahme als Autor des Salve Regina noch im 11. Jahrhundert übermittelt worden war, dann durfte dieses Wissen wegen der Ächtung der Behinderten nicht aufrecht erhalten werden. Es mussten als Autoren des Salve Regina repräsentative Männer der Kirche gefunden werden, auch wenn diese sich bei näherem Hinsehen als völlig unwahrscheinlich herausstellten.

Die erste „Zuschreibung“ des Salve Regina an Hermann den Lahmen, allerdings in versteckter Form, stammt von Johannes von Viktring (*um 1270 + 1347), seit 1307 Abt in Viktring (Kärnten), Verfasser einer Chronik. Man fragt sich, warum Johannes als Chronist sich nicht ganz offen für die Autorenschaft Hermann des Lahmen einsetzt und kann dies nur mit der damaligen offiziellen Meinung der Kirche zu Behinderten erklären. Diese Meinung teilte Johann von Viktring möglicherweise nicht und wollte deswegen wenigstens „durch die Blume“ doch Hermann den Lahmen als Autor des Salve Regina ansprechen.

[Berschin] zitiert die Hermann-Legende des Johannes von Viktring:
„Zu dieser Zeit stand in Deutschland Hermann der Lahme auf seinem Höhepunkt, ein Mann vornehmer Abstammung, der sich in Paris in der Hoffnung auf höchste Würden mit dem Studium plagte, aber wegen seines schwerfälligen Geistes nicht vorankam. Als er sah, dass arme Leute niederen Standes hohen Rang in der Wissenschaft erreichten, schmerzte ihn das heftig und er vertraute sich voll Eifer kniefällig der heiligsten Jungfrau an, die den Schlüssel zu den Wissens- und Weisheitsschätzen Gottes hat, und jammerte tags und nachts, dass er nicht beschämt und bar jeden Wissens zu seinen Freunden und in sein Vaterland zurückkehren müsse. Die Jungfrau, von der man weiß, dass sie milde, gütig und süß ist (clemens, pia et dulcis) und allen im Überfluss gibt, bot ihm folgendes an: entweder überfließendes Wissen verbunden mit einer Auflösung seiner Glieder oder körperliche Gesundheit mit geistiger Schwerfälligkeit wie zuvor. Letzteres verschmähte er und fand seine Freude an der Weisheit.“

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Hermann der Lahme und das Salve Regina

Herimannus Contractus, Hermann der Lahme, genauer übersetzt: der Krüppel (1013-1054), war im Mittelalter hochberühmt als vielseitiger Gelehrter und begeisternder Lehrer der Klosterschule auf der Reichenau; sein Andenken blieb lebendig, weil ihm das SALVE REGINA zugeschrieben wurde, eine Kostbarkeit mittelalterlicher Dichtung.

Den Sproß eines mächtigen schwäbischen Grafengeschlechts, körperlich untauglich zu einer standesgemäßen Karriere, brachte man 1020 im Kloster Reichenau unter und eröffnete ihm so die Möglichkeit, trotz seiner Gebrechen ein sinnerfülltes Leben zu führen: Er konnte durch Gebet und Aufopferung seiner Leiden heiligmäßig wer-den, oder aber in Bibliothek und Klosterschule seine geistigen Fähigkeiten ausbil-den und nutzbar machen. Hermann ergriff entschieden die zweite Möglichkeit und führte trotz seiner Behinderung ein aktives Leben als erstaunlich vielseitiger Gelehrter (Historiker, Mathematiker, Astronom, Instrumentenbauer, Musiktheo-retiker), als Dichter und Komponist. Er wollte sich möglichst viel Welt erschließen und nicht hinter Menschen mit gesunden Gliedern zurückstehen, eine heroische Leistung für einen Mann, der fast ganz bewegungsunfähig war und nicht einmal ein Buch halten konnte.

Seine geistlichen Dichtungen – Hymnen und Antiphonen, darunter eine Kreuzes- und eine Osterhymne und „Alma redemptoris mater“ – zeugen von tiefer Frömmig-keit, die ja kein Widerspruch zu Verstandesklarheit und Willensstärke ist. Ein Lehr-gedicht, das er für die Nonnen in Buchau verfaßte, beweist, daß dieser Mann zu all seinen Fähigkeiten auch noch eine seltene Gottesgabe besaß, nämlich Humor.

Sein Schüler Berthold, der Hermanns Geschichtswerk fortsetzte, hinterließ eine kurze, dichte Biographie seines verehrten Lehrers. Die Analyse dieses Textes, insbe-sondere der Träume, die Hermann kurz vor seinem Tod hatte – die Traumdeutung nach Erkenntnissen moderner Psychologie führt in seinem Fall zu überzeugenden Ergebnissen – zeigt das eindrucksvolle Bild eines unermüdlich tätigen, leistungs-orientierten Menschen, der sich nicht auf den Bereich theoretischer Wissenschaft und die Klosterschule beschränkte, sondern auch als Vordenker auf die große Politik des Reiches Einfluss nehmen wollte.

Hermann hatte ein besonders enges Verhältnis zu seiner Mutter Hiltrud; neben ihr wollte er in Altshausen begraben werden. Sein Grab ist verschwunden, die Echtheit eines in Altshausen bewahrten Schädelfragments zweifelhaft. Um 1630 ist die Ver-ehrung von Hermann-Reliquien noch bezeugt; 1790 ist es damit vorbei, schon die um 1750 neu ausgestattete Kirche in Altshausen erinnert nicht mehr an ihn. Ein Ende mit dem Hermann-Kult machte – außer in Veringenstadt – vermutlich die Auf-klärung, die manche traditionellen und volkstümlichen Formen der Frömmigkeit in die Nähe des Aberglaubens rückte und bekämpfte. Neuere Forschung hat den faszi-nierenden Menschen und Wissenschaftler mit erstaunlich modernen Zügen wieder entdeckt.

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Geblieben ist uns von Hermann dem Lahmen das SALVE REGINA; hier in der ältesten erhaltenen Fassung:

Salve, regina misericordiae,
Vita, dulcedo et spes nostra, salve.
Ad te clamamus exsules filii Evae,
Ad te suspiramus gementes et flentes
In hac lacrimarum valle.
Eia ergo, advocata nostra,
Illos tuos misericordes oculos ad nos converte
Et Jesum, benedictum fructum ventris tui,
Nobis post hoc exsilium ostende,
O clemens, o pia O dulcis Maria.

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SALVE REGINA – Trost- und Sehnsuchtsgebet

Rund um Ostern nimmt orden.de das „Gebet“ in den Fokus. Zu diesem Kernaspekt des geistlichen Lebens kommen Ordensmänner und Ordensfrauen mit den Prägungen ihrer Gemeinschaften zu Wort. Alle Beiträge zum Thema können hier nachgelesen werden.

Das Salve Regina ist eines der ersten großen liturgischen Gebete bzw. Gesänge des Stundengebets, die mir bereits als Schüler begegnet sind. Dies hängt damit zusammen, dass die Komplet die erste Gebetszeit des Stundengebets war, die ich näher kennen lernte. Sie endete stets mit dem gesungenen Salve Regina. Etwas später erfuhr ich, dass in manchen Gemeinschaften auch andere Mariengesänge zur Komplet gesungen wurden je nach liturgischer Zeit. Bei den Zisterziensern lernte ich dann wieder das täglich wieder kehrende Salve Regina kennen, das den Tag beschloss, während dort die Mariengesänge zur Vesper gemäß der liturgischen Zeit wechselten.

Als Zisterzienser ist mir das Salve Regina besonders an das Herz gewachsen, weil es die tiefe, aber auch nüchterne Marienfrömmigkeit unseres Ordens zeigt, und weil der heilige Bernhard selbst zum heutigen Wortlaut beigetragen haben soll. Auf ihn sollen die letzten drei Anrufungen zurückgehen: „o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria“. Wenn es auch nicht nachweisbar ist; wer die Schriften des heiligen Bernhard kennt, weiß, dass diese Annahme nachvollziehbar ist.

Wenn ich die Komplet als Abschluss des Tagwerks und Einladung zur Nachtruhe ansehe, eröffnet mir das Salve Regina eine neue Dimension und bildet den Höhepunkt zum Horenabschluss. In den Zisterzienserklöstern wird dies besonders erlebbar, da alle Lichter im Kirchenraum gelöscht werden. Es brennen nur Kerzen an der Marienstatue und am Altarkreuz. Die gesamte Klostergemeinschaft steht in feierlicher Haltung im Chorgestühl und blickt zum Altar und zur Marienstatue.

Mit dem Blick auf Maria eröffnet sich die neue Dimension. Mit ihr dürfen wir auf den vollendeten Menschen schauen, den sie darstellt. Mit ihr werden uns aber auch unsere Schwächen und Fehler, Leiden und Sorgen bewusst – besonders wenn wir am Abend auf den vergangenen Tag zurückblicken. Mit dem Blick auf Maria schauen wir aber auch auf eine gute Mutter im Himmel, die für uns da ist. All dies wird in schlichte, aber inhaltsreiche Worte gekleidet und im Gesang ausgedrückt. Maria ist unser Leben, sie unsere Süßigkeit und unsere Hoffnung – aber auch nur als vorläufige. Es geht um Jesus. Es geht um Gott. Ihn soll sie uns zeigen. Die Gebetsworte des Salve Regina vergessen ihn nicht. Maria ist nicht Selbstzweck, sondern sie trägt „nur“ die Frucht aus, die sie uns zeigen soll.

Das Salve Regina wirkt auf mich als großes Trost- und Sehnsuchtsgebet, das sehr schön an den Abend des Tages passt und das bei uns auch am Abend des Lebens gesungen wird: am offenen Grab eines Mitbruders, der aus diesem Leben geschieden ist. Jesus als Erlöser möge erscheinen, der alle Lasten von uns nimmt.

Bruno Robeck  –  Quelle

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Königin und Mutter

Königin und Mutter des Herrn,
deine mächtige Fürsprache
halte fern von deinem Diener
jede Mutlosigkeit,
Trägheit, Lauheit und jedweden Irrtum,
unreine, böse und unnütze Gedanken.
Befreie mich armen Sünder
von den leidenschaftlichen Begierden.
Nimm von mir
meine Fehler,
schlechte Gedanken und Taten;
bewahre mich
vor allen unguten Neigungen;
denn du bist gesegnet
unter allen Geschlechtern.
Dein Name sei verherrlicht,
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

(Makarius der Ägypter)

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