Hl. Pius V., Papst und Bekenner

Papst Pius V. regierte von 1566 bis 1572, er wurde 1712 von Klemens XI. heiliggesprochen.
Unter seinem Pontifikat erhielt die „tridentinische Liturgie“ ihre feste Gestalt.

Bischof Pius,
Diener der Diener Gottes zum ewigen Gedächtnis

Seit Unserer Berufung zum höchsten Apostolischen Amt richten wir gern Unseren Sinn, Unsere Kräfte und alle Unsere Überlegungen auf die Reinerhaltung des Kirchlichen Kultes und bemühen Uns, das dazu Nötige in die Wege zu leiten und mit Gottes Beistand mit allem Eifer wirksam zu machen.

Nun hatten Wir gemäss den Beschlüssen des Heiligen Konzils von Trient über die Herausgabe und die Verbesserung der Heiligen Bücher, nämlich des Katechismus, des Missales und des Breviers zu verfügen. Nachdem mit Gottes Zustimmung der Katechismus zur Belehrung des Volkes herausgegeben und das Brevier zum schuldigen Gotteslob verbessert worden war, mussten Wir Uns, damit dem Brevier das Missale gebührend entspreche (da es sich gar sehr geziemt, dass in der Kirche Gott auf einheitliche Art gelobt und die Messe auf einheitliche Art gefeiert werde), der noch verbliebenen Aufgabe zuwenden: das Missale selbst herauszugeben.

Wir hielten es darum für richtig, diese Bürde ausgesuchten Gelehrten zu übertragen. Nach sorgfältiger Untersuchung der alten Bücher Unserer Vatikanischen Bibliothek sowie anderer, von überall herbeigeholter, verbesserter und unverderbter Handschriften, ebenso auch der Überlegungen der Alten und der Schriften anerkannter Autoren, die Uns Aufzeichnungen über die heilige Einrichtung der Riten hinterlassen haben, stellten diese gelehrten Männer das Missale nach Vorschrift und Ritus der Heiligen Väter wieder her.

Damit alle aus dieser Arbeit Nutzen zögen, haben Wir, nachdem Wir es geprüft und verbessert hatten, nach reiflicher Überlegung angeordnet, dass es möglichst bald in Rom gedruckt und herausgegeben werde.

Die Priester im besonderen sollen daraus erkennen, welche Gebete sie von jetzt an bei der Messfeier verwenden und welche Riten und Zeremonien sie dabei einhalten müssen. Damit aber alle das von der Heiligen Römischen Kirche, der Mutter und Lehrerin der übrigen Kirchen, Überlieferte überall erfassen und beachten, setzen Wir durch diese Unsere ewig gültige Konstitution unter Androhung Unseres Unwillens als Strafe fest und ordnen an: fürderhin soll in allen kommenden Zeiten auf dem christlichen Erdkreis in allen Patriarchalkirchen, Kathedralen, Kollegiaten und Pfarreien, in allen weltlichen, klösterlichen – welchen Ordens und welcher Regel sie auch seien, ob Männer- oder Frauenklöster – in allen militärischen und ungebundenen Kirchen oder Kapellen, in denen die Messe des Konvents laut mit Chor oder still nach dem Ritus der Römischen Kirche gefeiert zu werden pflegt oder gefeiert werden sollte, nicht anders als nach dem von Uns herausgegebenen Missale gesungen oder gelesen werden, auch wenn diese Kirchen irgendwelche Ausnahmen geniessen, durch ein Indult des Apostolischen Stuhles, durch Gewohnheitsrecht oder Privileg, ja durch Eid oder Apostolische Bestätigung oder irgendwelche andere Besonderheiten bevorzugt sind – ausser wenn sie gleich von ihrer vom Apostolischen Stuhl gutgeheissenen Errichtung an oder aus Tradition bei der Messfeier einen mindestens zweihundertjährigen Ritus in eben diesen Kirchen ohne Unterbrechung eingehalten haben. Diesen letzteren nehmen Wir keineswegs das genannte Sonderrecht oder die Tradition bei der Messfeier, doch gestatten Wir, falls das von Uns herausgegebene Missale mehr gefällt, dass die Messen mit Zustimmung des Bischofs oder Prälaten und des gesamten Kapitels, ungeachtet anderer Bestimmungen, nach Unserem Missale gefeiert werden.

Allen anderen genannten Kirchen jedoch benehmen Wir damit den Gebrauch ihrer Missalien, verwerfen sie von Grund auf und vollständig und setzen fest, dass diesem Unseren gerade herausgegebenen Missale niemals etwas hinzugefügt, weggenommen oder an ihm verändert werden dürfe.

Streng befehlen Wir jedem einzelnen Patriarchen und Verwalter der vorgenannten Kirchen, allen anderen Personen, gleich welchen Ranges sie auch seien, in der Tugend des heiligen Gehorsams: sie sollen die bisher gewohnten Weisen und Riten (auch die aus noch so alten Messbüchern) in Zukunft ganz und gar aufgeben, völlig verwerfen und die Messe nach Ritus, Weise und Norm Unseres Messbuches singen und lesen, und sie sollen nicht wagen, bei der Messfeier andere Zeremonien und Gebete als die in diesem Missale enthaltenen hinzuzufügen oder vorzulesen.

Und dass sie in allen Kirchen bei der gesungenen oder gelesenen Messe ohne Gewissensskrupel oder Furcht vor irgendwelchen Strafen, Urteilen und Rügen von nun an ausschliesslich diesem Missale folgen, es unbefangen und rechtens zu gebrauchen imstande und ermächtigt sind, dazu geben Wir kraft Unserer Apostolischen Vollmacht für jetzt und für ewig Unsere Bewilligung und Erlaubnis.

Ebenso setzen Wir fest und erklären: Kein Vorsteher, Verwalter, Kanoniker, Kaplan oder anderer Weltpriester und kein Mönch gleich welchen Ordens darf angehalten werden, die Messe anders als wie von Uns festgesetzt zu feiern, noch darf er von irgendjemandem gezwungen und veranlasst werden, dieses Missale zu verändern, noch kann das vorliegende Schreiben irgendwann je widerrufen oder modifiziert werden, sondern es bleibt für immer im vollen Umfang rechtskräftig bestehen.


Damit sind alle gegenteiligen früheren Bestimmungen, Apostolischen Konstitutionen und Ordinationen, alle allgemeinen oder besonderen Konstitutionen und Ordinationen von Provinzial- oder Synodalkonzilien, ebenso die Statuten und Gewohnheiten der oben erwähnten Kirchen, auch wenn ihr Brauch zwar durch eine sehr alte und ehrwürdige Vorschrift gestützt, aber nicht älter als zweihundert Jahre ist, ausser Kraft gesetzt.

Von der Veröffentlichung dieser Unserer Konstitution und des Missales an sollen die Priester an der römischen Kurie angehalten werden, nach einem Monat, die diesseits der Alpen nach drei, die jenseits der Alpen nach sechs Monaten, oder sobald sie dieses Missale käuflich erwerben können, die Messe danach zu singen oder zu lesen.


Damit es überall auf der Erde unverderbt und von Fehlern und Irrtümern rein bewahrt werde, verbieten Wir kraft Apostolischer Vollmacht mit dem vorliegenden Schreiben allen Buchdruckern in Unserem (und von S. R. E. [Sanctae Romanae Ecclesiae]) mittelbaren und unmittelbaren Herrschaftsbereich bei Strafe des Bücherverlusts und von an die Apostolische Kammer zu zahlenden hundert Golddukaten, den anderen Buchdruckern aber in allen Teilen der Erde bei Strafe der Exkommunikation im weiten Sinne und anderen Strafen nach unserem Schiedsspruch: dass sie sich ohne Unsere bzw die ausdrücklich dazu erteilte Erlaubnis eines von Uns an dem betretenden Ort zu bestellenden Apostolischen Kommissars nicht unterstehen sollen, zu drucken, zu verkaufen und überhaupt anzunehmen, ausser wenn vorher durch eben diesen Kommissar eben diesem Buchdrucker volle Gewissheit gegeben worden ist, dass das Messbuchexemplar, welches die Norm für den Druck weiterer Exemplare zu sein hat, mit dem in Rom im Erstdruck hergestellten Missale verglichen worden sei, mit ihm übereinstimme und in gar nichts abweiche.

In Anbetracht der Schwierigkeit, das vorliegende Schreiben an alle Orte des christlichen Erdkreises und gerade in der ersten Zeit zur Kenntnis aller zu bringen, schreiben Wir vor: Es soll in herkömmlicher Weise an den Türflügeln der Basilika des Apostelfürsten und der Apostolischen Kanzlei und an der Spitze des Campus Florae öffentlich angeschlagen werden; man soll auch den gedruckten Exemplaren dieses Schreibens, die von einem öffentlichen Notar handschriftlich unterzeichnet und mit dem Siegel eines kirchlichen Würdenträgers versehen sind, bei allen Völkern und an allen Orten geradewegs denselben unbezweifelten Glauben schenken, wie man ihn dem vorliegenden Schreiben schenken würde, wäre es sichtbar ausgestellt.


Überhaupt keinem Menschen also sei es erlaubt, dieses Blatt, auf dem Erlaubnis, Beschluss, Anordnung, Auftrag, Vorschrift, Bewilligung, Indult, Erklärung, Wille, Festsetzung und Verbot von Uns aufgezeichnet sind, zu verletzen oder ihm im unbesonnenem Wagnis zuwiderzuhandeln. 
 
Wenn aber jemand sich herausnehmen sollte, dies anzutasten, so soll er wissen, dass er den Zorn des Allmächtigen Gottes und Seiner Heiligen Apostel Petrus und Paulus auf sich ziehen wird.
Gegeben zu Rom bei Sankt Peter im fünfzehnhundertsiebzigsten Jahre der Geburt des Herrn

am 14. Juli im Fünften Jahre Unseres Pontifikats
Pius V. PP.

Bulle Quo primum von Papst Pius V.
zur Einführung des Römischen Messbuches 14. Juli 1570

(Quelle: Übersetzt von Professor Peter Schilling, April 1971)

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„Summorum Pontificum“ – Negatives

Die Feier von heiligen Messen im klassischen römischen Ritus wird an manchen Stellen immer noch unterdrückt, erschwert, die Information darüber, wann wer wo zelebriert, untersagt. Das reicht von der „Bestrafung“ traditioneller Gottesdienstgemeinden durch Rücknahme der Genehmigung zur Feier der alten Messe – weil die Gläubigen etwa mit einer Petition gegen irgendetwas protestiert haben – bis zur Forderung an junge Männer, die Priester werden wollen, alle im Internet publizierten Artikel, in denen sie sich positiv zur außerordentlichen Form des römischen Ritus äußern, zu löschen beziehungsweise löschen zu lassen.

Monika Rheinschmitt im Interview mit CNA

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1. Passionssonntag – JUDICA

Um ihren Schmerz über das Leiden und den Tod ihres Bräutigams noch mehr zu bekunden, läßt die Kirche in den Tagesmessen der Passionszeit im Staffelgebet den Psalm Judica, der in freudigem Jubel ausklingt und im Introitus des Passionssonntags wiederkehrt, wegfallen und das Gloria Patri, den frohen Lobruf an die heiligste Dreifaltigkeit, verstummen. Sie verhüllt auch das Altarkreuz und die Altarbilder mit dunklen Tüchern, um so an die Erniedrigung des Erlösers zu erinnern und das Bild des Gekreuzigten um so tiefer in unsre Herzen zu prägen. Die Altarkreuze bleiben verhüllt bis nach der Kreuzverehrung am Karfreitag, die Altarbilder bis zum Gloria der Osternacht.

Introitus
Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta: ab homine iniquo et doloso eripe me: quia tu es Deus meus et fortitudo mea. (Ps. ibid. 3) Emitte lucem tuam et veritatem tuam: ipsa me deduxerunt et adduxerunt in montem sanctum tuum et in tabernacula tua. – Judica me (usque ad Ps.).
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Schaff Recht mir, Gott, und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk; von frevelhaften, falschen Menschen rette mich; denn Du bist ja mein Gott und meine Stärke. (Ps. ebd. 3) Send mir Dein Licht und Deine Wahrheit, daß sie zu Deinem hl. Berg mich leiten und mich führen in Dein Zelt. – Schaff Recht mir (bis zum Ps.).

Offertorium
Confitebor tibi, Domine, in toto corde meo: retribue servo tuo: vivam, et custodiam sermones tuos: vivifica me secundum verbum tuum, Domine.
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Dich will ich preisen, Herr, aus ganzem Herzen. Erweise Deinem Knechte Huld, so werd ich leben und Dein Wort befolgen. Belebe neu mich, Herr, so wie Du mir verheißen.

Mariawalder Messbuch

Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (16)

17. „Offerimus tibi, Domine. – Wir opfern Dir“

Darbringung des Kelches

Wir opfern Dir, Herr, den Kelch des Heiles und flehen Dich, den Allgütigen, an:
laß ihn, uns zum Segen und der ganzen Welt zum Heile,
wie lieblichen Wohlgeruch vor das Angesicht
Deiner göttlichen Majestät emporsteigen. Amen.

Auch dieses Opferungsgebet läßt uns bereits auf das Geschehen der Wandlung blicken, wo der Wein zum kostbaren Blut und das heilige Gefäß zum „Kelch des ewigen Heiles und zum Segen der ganzen Welt“ wird.

18. „In spiritu humilitatis. – Im Geiste der Demut“

Unsere Mitaufopferung

Priester und Volk müssen von einer demütigen und reuevollen Opfergesinnung erfüllt sein, soll ihr Opfer dem unendlich heiligen Gott Wohlgefallen.

Bibelworte:
„Ein Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist; ein zerschlagenes und gedemütigtes Herz wirst Du, o Gott, nicht verschmähen“ (Ps 50,19).

O Laß uns, Herr, im Geiste der Demut
und mit zerknirschtem Herzen
bei Dir Aufnahme finden.
So werde unser Opfer heute vor Deinem Angesichte,
auf daß es Dir wohlgefalle, Herr und Gott.

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

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Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (15)

16. „Deus, qui humanae substantiae. – Gott, Du hast den Menschen“

Mischung des Weines mit Wasser

Gott, Du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen
und noch wunderbarer erneuert:
laß uns durch das Geheimnis dieses Wassers und Weines
teilnehmen an der Gottheit Dessen, der Sich herabgelassen hat,
unsre Menschennatur anzunehmen,
Jesus Christus, Dein Sohn, unser Herr:
der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes,
Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Diese uralte Zeremonie geht zurück auf Kalvaria, wo aus der durchbohrten Seite Jesu „Blut und Wasser herausfloß“ (Joh 19,34). Zugleich wird damit die mystische Vereinigung und Versenkung der geläuterten Seele mit und in das Meer der Gnade und Liebe Christi versinnbildet, von der sie, wie ein Wassertropfen vom Meere, gleichsam absorbiert wird und gnadenhaften Anteil an seiner Gottheit erhält.

Bibelworte:
„Dadurch sind uns die so kostbaren und überaus großen Verheißungsgüter geschenkt worden, damit ihr durch sie der göttlichen Natur teilhaftig werdet“ (2 Ptr 1,4).

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

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Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (14)

IV. Opferung bis Präfation

Von jetzt ab vollzieht sich im heiligen Meßopfer alles, was Jesus im Abendmahlsaal getan hat: Darbringung und Segnung von Brot und Wein, Danksagung und Lobpreis, Verwandlung der irdischen Opfergaben von Brot und Wein in den wahren Leib und in das kostbare Blut des Gotteslammes, Darreichung und Genuß des himmlischen Opfermahles.

14. Offertorium. – Opferungslied

Gepriesen sei Gott Vater und Gottes eingeborener Sohn wie auch der Heilige Geist, weil sie an uns Barmherzigkeit getan.

Mit einem Altarkuß bringt der Priester seine und unsere Opfergemeinschaft mit Christus zum Ausdruck. Nach dem Wechselgruß: „Dominus vobiscum“, betet der Priester das kurze Offertorium. Dieses bringt einen Gedanken aus der Tagesmesse und verbindet diese wieder mit den feststehenden Meßtexten und der Opferhandlung.

15. „Suscipe, sancte Pater. – Heiliger Vater“
Darbringung des Hostienbrotes

Die dünne Hostienscheibe und das Gläschen Wein sind nun wirklich die ganzen Opfergaben, die wir Gott aus unserem menschlichen Eigentum anbieten können.
Jedoch sollen wir mit Brot und Wein zugleich uns selbst Gott schenken und aufopfern, um so in die Opfergesinnung Christi einzugehen.
Dazu fordert uns schon der Apostel auf: „Bringt euren Leib als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer dar! Das sei euer geistiger Gottesdienst“ (Röm 12,1).
„Während wir um den Altar versammelt sind, sollen wir unser Inneres derart umformen, daß alles, was darin Sünde ist, ausgelöscht werde. Hingegen soll alles eifrig gepflegt und gestärkt werden, was durch Christus das übernatürliche Leben nährt. So sollen wir zusammen mit der makellosen Opferhostie ein dem ewigen Vater angenehmes Opfer werden“ (Mediator Dei, Pius XII.).

Die Opferungsgebete selbst lauten wie eine sakramentale Intention der ganzen Messe. Sie richten unseren Blick bereits jetzt auf das Mysterium der Wandlung und bereiten – gerade auch durch die wiederholten Kreuzzeichen – unsere irdischen Opfergaben darauf vor. – Zugleich erklären uns diese Gebete die mannigfaltigen und wunderbaren Früchte des eucharistischen Opfers, dessen Fernwirkungen über „die ganze Welt hin“ und bis hinab ins Fegfeuer dringen, „für die Lebenden und Verstorbenen“.

Der Priester führt mit der Patene und der darauf liegenden Hostie ein Kreuz über dem Altar aus und legt dann die Hostie gleichsam aufs Kreuz nieder. Dasselbe geschieht mit Kelch und Wein. Dadurch wird der Charakter des Meßopfers als Kreuzopfer nochmals symbolisch unterstrichen.

[Der Priester hält die Patene mit der Hostie empor und betet leise:]

Heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott,
nimm diese makellose Opfergabe gnädig an.
Dir, meinem lebendigen, wahren Gott, bringe ich, Dein unwürdiger Diener,
sie dar für meine unzähligen Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten.
Ich opfere sie auf für alle Umstehenden und alle Christgläubigen,
für die Lebenden und Verstorbenen.
Gib, daß sie mir ihnen zum Heile gereiche für das ewige Leben. Amen.

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

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Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (12)

12. Zum Evangelium

Die reine Wahrheit des Evangeliums soll auch mit reinem Herzen und reinen
Lippen verkündet werden. Daher betet der Priester, nach einem Aufblick zu
Gott, in der Mitte des Altares tief verbeugt das:

„Munda cor. Reinige mein Herz“

Reinige mein Herz und meine Lippen, allmächtiger Gott. Wie Du einst die Lippen des Propheten Isaias mit glühender Kohle gereinigt hast, reinige auch mich in Deinem gnädigen Erbarmen und laß mich so Dein heiliges Evangelium würdig verkünden. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Herr, gib mir Deinen Segen. Der Herr sei in meinem Herzen und auf meinen Lippen, damit ich Sein Evangelium würdig und geziemend verkünde. Amen. [Entfällt in Totenmessen].

Der Priester bittet den Herrn, hier den Heiligen Geist, er möge ihm Herz und Lippen mit heiligem Feuer reinigen und gleichsam aufs neue salben, damit er in der Kraft und Würde Christi das Wort Gottes verkünden könne.

Bibelworte:
„Da flog einer der Seraphim auf mich (Isaias) zu, in der Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altare genommen hatte. Er berührte damit meinen Mund und sprach: Siehe, dies hat gerührt an deinen Lippen. Getilgt ist deine Schuld und deine Sünde ist ausgelöscht“ (Is 6,6-7).

Verkündigung des Evangeliums

Der Priester verkündet uns an Christi Statt das Evangelium.

Bibelworte:
„Wer euch hört, der hört Mich“ (Lk 10,16).
„Jesus lehrte in ihren Synagogen. Aller Augen waren gespannt auf Ihn gerichtet. Alle staunten ob der anmutsvollen Worte, die aus seinem Munde kamen (Lk 4, 15.20.22).
„Jesus lehrte die Volksscharen vom Schifflein aus“ (Lk 5, 3).
„Er lehrte sie, wie einer, der da Macht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten“ (Mt 7, 29).

Der Herr sei mit euch.
M. Und mit deinem Geiste.
Pr. + Aus dem heiligen Evangelium nach N.
M. Ehre sei Dir, o Herr.

Evangelium
(Joh. 15,26-27; 16,1-4)
In jener Zeit sprach Jesus zu Seinen Jüngern: „Wenn der Tröster kommt, den Ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis von Mir ablegen. Aber auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei Mir seid. Das habe Ich euch gesagt, damit ihr nicht Anstoß nehmt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen; ja es kommt die Stunde, da jeder, der euch tötet, glaubt, Gott einen Dienst zu erweisen. Und zwar werden sie dies tun, weil sie weder den Vater noch Mich erkannt haben. Doch Ich habe euch dies gesagt, damit, wenn die Stunde dafür kommt, ihr daran denkt, daß Ich es euch gesagt habe.“

M. „Laus tibi, Christe. Lob sei Dir, Christus“.

Ein kurzes Danklob für die Frohbotschaft des Herrn. Dem feierlich verkündeten oder auch gläubig gelesenen Wort Gottes wird eine Seele und Geist reinigende Kraft zugeschrieben. Jesus selbst sagt: „Ihr seid gereinigt durch das Wort, das Ich zu euch gesprochen habe“ (Joh 15,3).

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

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Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (9)

9. Oration. Kirchengebet

Pr. Der Herr sei mit euch!
A. Und mit deinem Geiste.

Oremus.
Allmächtiger ewiger Gott, Du hast Deinen Dienern die Gnade verliehen, im Bekenntnis des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten; nun bitten wir Dich, laß uns kraft dieses unerschütterlichen Glaubens stets vor allem Unheil gesichert sein.
Durch unsern Herrn…

„Oremus. Lasset uns beten“: Der Priester fordert uns auf, uns seinem Gebet anzuschließen. Er ist der Wortführer bei unserer feierlichen Audienz vor dem dreimal heiligen Gott. Der Priester betet flehentlich „mit ausgebreiteten Händen“ oder auch „ausgespannten Armen“ (Segnung der Opfergaben, Beginn des Kanon). Es ist dies eine biblische und altchristliche Gebetshaltung. In den Katakomben finden wir die Kirche (oder auch Seele) mit Vorliebe als Frau in der Orante-Stellung, mit ausgebreiteten Armen betend abgebildet.

Die Oration beginnt mit einer die Ewigkeit oder Allmacht Gottes hervorhebenden Anrufung. Sie nennt einen Kernpunkt der Tagesfeier und fugt daran eine Bitte um Gnade und Hilfe. Der Priester schließt das ganze Gebet „durch unsern Herrn Jesus Christus“, wobei er durch Herz und Mund des primären Hohenpriesters und des Hauptes des mystischen Leibes, der Kirche, unser Gebet zum himmlischen Vater emporsendet. Mit diesem lebt und herrscht Christus, zugleich in der Einheit des Heiligen Geistes, „als Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Mit den Schlußworten klingt unser Gebet hinüber und hinein in die himmlische Sphäre der göttlichen Unendlichkeit von Raum und Zeit.

„Amen, Ja, so soll es sein“: Damit schließen sich die Gläubigen mit vertrauensvoller Beteuerung dem feierlich-liturgisch vorgetragenen Gebet des Priesters an.

Bibelworte: „So lange Moses seine Arme (in Kreuzesform) ausgebreitet hielt, siegten die Israeliten“ (Ex 17,11).
„Da trat Salomon angesichts der ganzen Gemeinde vor den Altar des Herrn, breitete seine Hände gen Himmel aus und betete“ (1 Kön 8,22).
Der Apostel mahnt: „Ich will, daß Männer allerorts reine Hände zum Gebet erheben“ (1 Tim 2,8). „Unserem Gott und Vater aber sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen“ (Phil 4,20).“
„So preisen wir einmütig, aus einem Munde Gott und den Vater unseres Herrn Jesus Christus“ (Röm 15,6).

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

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Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (8)

8. „Gloria in excelsis Deo. Ehre sei Gott in der Höhe“.

Engelsgesang von Bethlehem

Ehre sei Gott in der Höhe.
Und auf Erden Friede den Menschen, / die guten Willens sind.
Wir loben Dich. Wir preisen Dich.
Wir beten Dich an. Wir verherrlichen Dich.
Wir sagen Dir Dank ob Deiner großen Herrlichkeit.
Herr und Gott, König des Himmels, / Gott, allmächtiger Vater!
Herr Jesus Christus, / eineingeborener Sohn!
Herr und Gott, Lamm Gottes, / Sohn des Vaters!
Du nimmst hinweg die Sünden der Welt: / erbarme Dich unser.
Du nimmst hinweg die Sünden der Welt: / nimm unser Flehen gnädig auf.
Du sitzest zur Rechten des Vaters: / erbarme Dich unser.
Denn Du allein bist der Heilige. Du allein der Herr.
Du allein der Höchste, / Jesus Christus,
Mit dem Heiligen Geiste, /
+ in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. / Amen.

Mit den Weihnachtsengeln begrüßen wir den Erlösergott, wie Er einst zwischen Maria und Joseph in der Krippe lag und wie Er jetzt aufs neue in Brotsgestalt auf unseren Altar herabkommen will. Wir preisen Ihn als „Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt“, das aber zugleich mit dem allmächtigen Vater und dem Heiligen Geist in der Gottherrlichkeit thront.

Bibelworte: „Da gesellte sich plötzlich zu dem Engel eine Menge der himmlischen Heerschar, die Gott lobten und priesen: Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Friede den Menschen, die guten Willens sind“ (Lk 2,13-14).
„Ihm, dem einen, weisen Gott, sei durch Jesus Christus die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen“ Röm 16,27).

Das „Gloria“ – unser tägliches Weihnachten.

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

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Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (7)

II. Gebetsgottesdienst:
Introitus,
Kyrie,
Gloria,
Oration

6. Introitus. Eingangslied.

Es ist die Einstimmung in die Tagesmesse, die erste Begegnung mit dem Geheimnis oder dem Heiligen des Tages, das – oder der – uns von jetzt an durch die ganze Meßfeier begleitet.

Introitus (Tob. 12, 6)
Gepriesen sei die Heilige Dreifaltigkeit und ungeteilte Einheit. Laßt uns Ihr danken, weil Sie Barmherzigkeit an uns getan (Ps 8, 2).
O Herr unser Herr, wie wunderbar ist doch Dein Name allüberall auf Erden.
V. Ehre sei.

7. „Kyrie, eleison. Herr, erbarme Dich unser“

Pr. Herr, erbarme Dich unser.
A. Herr, erbarme Dich unser.
Pr. Herr, erbarme Dich unser.
A. Christus, erbarme Dich unser.
Pr. Christus, erbarme Dich unser.
A. Christus, erbarme Dich unser.
Pr. Herr, erbarme Dich unser.
A. Herr, erbarme Dich unser.
Pr. Herr, erbarme Dich unser.

Ein je dreimal wiederholter urchristlicher Bittruf an die drei Personen der göttlichen Dreifaltigkeit. Er ist in seiner griechischen Ursprache gelassen, so daß wir hier in gemeinsamer Sprache mit unseren griechischen Glaubensbrüdern zum „Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes“ beten (2 Kor 1,3).

Bibelworte: „Als die zwei Blinden hörten, daß Jesus vorbeikomme, riefen sie laut: Herr, erbarme Dich unser, Sohn Davids“ (Mt 20,30). „Die kananäische Frau rief laut: Erbarme Dich meiner, Herr, Sohn Davids“ (Mt 15,22)! –

Das „Kyrie“- unser täglicher Adventruf nach dem erbarmenden Kommen Gottes.

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

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