„Körperliche Reaktionen auf ungesunde Stimulationen.“

… – oder: „Die Toten mit schlagendem Herzen.“

Kliniken in den USA sind schnell bei der Hirntoddiagnose. Und sicherlich treffen die gezeigten Tatsachen und Vorgehensweisen bei uns genauso zu.

Hospitals are Quick to Declare Patients Brain Dead to Harvest Their Organs. Here`s Why.

Kliniken sind schnell dabei, wenn es darum geht, einen Patienten für hirntot zu erklären.
Hier erfahren Sie, warum.

Kommentar:  Brad Mattes June 16, 2016/ 7:14 PM Washington, DC

Jeden Tag werden in den USA Patienten für „hirntot“ erklärt, und mehr als die Hälfte dieser Patienten werden nach Aussage eines Arztes, der Organe entnimmt, zu Organ- und Gewebespendern gemacht. Es ist äußerst alarmierend, dass die meisten Amerikaner nicht wissen, wie subjektiv die Hirntod-Diagnostik ist.

Je mehr ich zu diesem Thema lese, desto besser verstehe ich die Motive für die ansteigende Häufigkeit von Hirntod-Diagnosen. Vor kurzem habe ich etwas herausgefunden, das die Hintergründe klar beleuchtet.

Nancy Valko, eine Gutachterin, die jahrzehntelang als Intensiv-Pflegerin gearbeitet hat, erklärt, wie es sein kann, dass in der einen Klinik ein Patient  behandelt wird, der in einer anderen Klinik für hirntot erklärt würde. Sie verweist auf Forschungsergebnisse, die in „Jama Neurology“ veröffentlicht wurden und aufzeigten, dass es in über 500 Kliniken große Differenzen bei der Hirntod-Diagnose gibt.

Im Jahr 2010 wurden die Richtlinien der „American Academy of Neurology“ überarbeitet, um mehr Übereinstimmung bei den Hirntod-Diagnosen zu erreichen. Allerdings betont Valko auch, dass eine Analyse dieser neuen Richtlinien ergibt, dass sie sich vielmehr  auf subjektive Ansichten berufen.

Lassen Sie diese Information auf sich einwirken.

Subjektive Schlussfolgerungen könnten erklären, warum der Arzt Alan Shewmon Berichte von Fällen aufdeckte, in denen sogenannte „Hirntote“ mit noch funktionierenden Körpern weiterlebten. Diese „Toten mit schlagendem Herzen“ (der Begriff, den man für diese für hirntot Erklärten gefunden hat) hielten ihre Körpertemperatur konstant, ihre Wunden heilten, sie konnten Infektionen bekämpfen, und ihre Organe und Gewebe funktionierten weiterhin, Frauen konnten Kinder austragen, und hirntote Kinder reiften sexuell und wuchsen.

Passt dies alles zu Ihrer Vorstellung von Hirntod?
…..

Welche Gründe bringen Menschen, die im medizinischen Bereich arbeiten, dazu, ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der amerikanischen Bürger aufs Spiel zu setzen?
Dick Teresi, der anfänglich den Hirntod als Tod des Menschen gesehen hat, hat ein anrührendes Buch geschrieben: „The Undead“, das haargenau die Verführbarkeit beschreibt. Ein Auszug aus seinem Buch wurde online gepostet. Welche Beweggründe können Menschen, die im medizinischen Bereich tätig sind, dazu bringen, ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der amerikanischen Bürger aufs Spiel zu setzen? Dick Teresi, anfangs ein Befürworter des Hirntod-Konzeptes, hat ein beeindruckendes Buch geschrieben mit dem Titel „Die Untoten“, das haargenau  die Verführbarkeit aufzeigt. Ein Exzerpt seines Buches ist online zu finden.

Da ist auf der einen Seite das Geld. Teresi berichtet, dass die Transplantations-Industrie 20 Milliarden Dollar im Jahr generiert, indem sie über 1 Milliarde an immunsuppressiven Medikamenten im Jahr verbraucht und auch die Transplantationschirurgen ansehnlich vergütet. Auch die Kliniken kommen dabei finanziell nicht zu kurz. Sie erhalten gewissermaßen einen „Finderlohn“, bezeichnet als Verwaltungskosten. Die einzigen, die von diesem Geldfluss ausgeschlossen sind, sind die Spender und ihre Familien.

Ein Aha-Erlebnis war für mich, als Teresi beschrieb, wie Ärzte  menschliches Leben beschreiben. Das menschliche Herz war früher sozusagen die Zentrale, die Menschen am Leben hielt. Doch heute sehen die meisten Mediziner das Gehirn als entscheidendes Kriterium für Leben und Tod, wobei dem  Hirnstamm die größte Bedeutung beigemessen wird. Darum zähle alles andere, wie er schreibt, nicht mehr als menschliches Leben.“

Als Roe v. Wade ein Preisschild auf das menschliche Leben klebte, hatte das bei vielen Medizinern eine zerstörerische Wirkung auf die Bewertung des Lebens. Wir sehen es es immer dann, wenn während einer Schwangerschaft ein Problem entsteht oder beim Baby das Down-Syndrom festgestellt wird. Abtreibung wird dann oft genannt, angeraten oder sogar vom Arzt dringend nahegelegt.

Ärzte, die Patienten nur als Kohlenstoff-Material sehen, beurteilen Menschen, die nichts mehr „leisten“, als Verschwender von Ressourcen. Ihr Wert endet, wenn ihre Organe geerntet worden sind für andere, produktivere Menschen.

Aber die Kavallerie ist auf dem Weg. Anaesthesisten, wie Teresi berichtet, sind führend unter den Medizinern, die den Hirntod in Frage stellen. Sie haben mit eigenen Augen den Nachweis von Lebenszeichen gesehen, wenn man Leichen mit schlagendem Herzen aufschneidet, um ihre Organe zu „ernten“. Einer von ihnen sah, wie ein Patient spontan atmete und sich als Reaktion auf das Skalpell bewegte, aber der Chirurg sah über seine Einwände hinweg, weil sie vorher schon eingeschätzt hatten, dass er sich nicht erholen würde. „Ich würde es so sagen: Seine Organe zu entnehmen hing mit der Prognose zusammen.“

Lebenszeichen werden routinemäßig ignoriert als spontane Bewegungen. Ein Chirurg bezeichnete sie als „körperliche Reaktionen auf ungesunde Stimulationen.“ Ja, ich bin mir ganz sicher, dass ein Patient, der bei Bewusstsein ist, die chirugische Entfernung seiner Leber als „ungesunde Stimulation“ bezeichnen würde.

LifeNews.com Note: Bradley Mattes ist Vorstandsvorsitzender des „Life Issues Institute“.

Aus dem Englischen übersetzt von Renate Focke (2016-08-21)

http://www.lifenews.com/2016/06/16/hospitals-are-quick-to-declare-patients-brain-dead-to-harvest-their-organs-heres-why/

 

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Pfarrer Stefan Kaiser verstorben. – RIP.

Stefan Kaiser, 1962 in Düren-Birkesdorf geboren, wurde 1988 in Aachen durch Bischof Hemmerle zum Priester geweiht. Am 6. August 2016 ist er im Alter von 53 Jahren gestorben. „Er erlag unerwartet rasch einer schweren Organerkrankung.“ Seine Beerdigung fand am 15. August, dem Hochfest Mariä-Himmelfahrt statt.

War Pfarrer Kaiser ein Opfer der Willkür des „Bischöflichen-Apparates“ des Aachener Bischofs em. Heinrich Mussinghoff?

+

Als im September 2009 im Rahmen der groß angelegten Fusionen von Pfarreien im Bistum Aachen mit der Errichtung von „Gemeinschaft der Gemeinden (GdG)“ in die Endphase ging, und zuletzt auch  die Pfarrer „verschoben“ wurden, geschah dies generalstabsmäßig und  in autoritärer Manier. Per Serienbrief von Domkapitular Heiner Schmitz, dem „Hauptabteilungsleiter Pastoralpersonal im Bischöflichen Generalvikariat Aachen“ wurde neben vielen anderen Priestern auch Stefan Kaiser, dem Pfarrer von St. Peter in Krefeld-Uerdingen, mitgeteilt, dass er künftig woanders tätig werden solle.

Diese Nachricht des Bischofs erreichte Pfarrer Kaiser aus heiterem Himmel. Weder der Bischof selbst, noch seine Adjutanten im Generalvikariat hatten vorher darüber etwas verlauten lassen oder ein persönliches Gespräch gesucht. Wie in der Zeitung zu lesen war hatte sich Pfarrer Kaiser sehr geärgert. Möglicherweise hat er sich dann im Ton vergriffen, als er äußerte: „Dieser Stil des Bistums scheint mittlerweile allgemein üblich zu sein und spricht für die menschliche Qualität der Bistumsleitung.“

Der Bezirksvorsteher in Uerdingen war über die Entscheidung des Bischofs dermaßen entsetzt, dass er sich für die Sache des Pfarrers einsetzte, denn es handelte sich um diejenige Pfarrei, die den höchsten Kirchenbesucheranteil hatte. Er schrieb an Bischof Heinrich Mussinghoff: „Sie wissen nicht, was sie tun. Wenn sich ein Bischof so weit von seinem Bistum entfernt, dass er die vorrangigen Probleme nicht mehr wahrnimmt, müsste er sich sagen, dass er nicht geeignet ist, dieses Bistum zu führen. Man kann nur den Heiligen Geist bitten, dass er alles andere liegen lässt und sich nur auf das Bistum Aachen konzentriert.“ Die „2500-Seelen-Pfarre-St. Peter-Uerdingen“ war in Sorge, nicht zuletzt um ihren „sehr guten Seelsorger“. Doch der Einsatz für ihren Seelsorger verhallte in Aachen in tauben Ohren.

Pfarrer Stefan Kaiser wurde in die fusionierenden Pfarrgemeinden St. Lambertus Birgelen, St. Johann Baptist Myhl, St. Mariä Himmelfahrt Ophoven, St. Martin Orsbeck, St. Martin Effeld, St. Georg Wassenberg und St. Mariä Himmelfahrt Wassenberg-Oberstadt bestellt. Für den 7. Oktober 2009 wird er an einem Mittwochabend um 20 Uhr zu einem „Vorstellungs- und Kennenlerngespräch“  eingeladen. Pfarrer Kaiser sollte sich vorstellen und Perspektiven für die gemeinsame pastorale Zukunft mit den Vertretern der Pfarreien besprechen. Auch dies kann man in Zeitungsberichten nachlesen.

Die Zwangsfusionierer in Aachen wussten es längst: da Kaiser ihnen als Konservativer galt, hatte er mit seinen Kirchen- und glaubenstreuen Vorstellungen, in der „Gemeinschaft der Gemeinden (GdG)“ von vorne herein keine Chance und musste scheitern. „Den Konservativen“ wollten „die Taufscheinkatholiken“ nicht. Nach einem halben Jahr war seine Gesundheit mehr als angegriffen. Er kam nach Aachen ins Marienhospitel, dann als Pfarrer nach Nideggen in der Eifel.

Wie das Bistum Aachen mit ihm umgegangen ist? Begeben wir uns nicht in die Welt der Spekulationen und missbrauchen wir nicht die Diskretion. Doch sei hier festgehalten, was eine Gläubige über ihn sagte: „Er war einer der besten und frömmsten Priester die ich kannte.“

+

Lassen wir an dieser Stelle einen „priesterlichen Mitarbeiter“ der „GdG-Heimbach-Nideggen“ zu Wort kommen. Er gedachte am 21. August 2016 in der Sonntagsmesse in Nideggen seines verstorbenen Mitbruders im Priesteramt. Im folgenden Ausschnitte seiner Predigt (Hervorhebungen von mir):

In dieser Heiligen Messe gedenken wir des früheren Seelsorgers dieses Pfarrverbandes. Kurz, viel zu kurz, war er hier tätig; und hat dann noch 2 ½ Jahr Tür an Tür mit dieser Pfarrkirche gelebt und in ihr beinahe täglich das Geheimnis des Glaubens allein mit dem unsichtbaren Gott gefeiert.

[…] Er war eine Persönlichkeit, die an ihre ureigene Berufung zum Seelsorger geglaubt hat. Er war ‚voll präsent‘ mit allen Fasern seines Wirkens, mit dem Risiko, unbequem zu sein, nonkonformistisch, eigensinnig, doch nie weltabgewandt. Er war ein geistesgegenwärtiger Zeitgenosse und wusste doch (im Sinne Papst Benedikts XVI.) um die ‚Weltfremdheit‘ des Glaubens. Er war ein Wegweiser hin zu der engen Tür, vor die wir alle einmal geraten.

Ich weiß nicht, ob der Priester immer Vorbild ist und sein kann; er ist auch kein Athlet des Glaubens, kein geistlicher Spitzensportler, kein Jäger nach Rekorden und Beifall, und die Berufung zum Christen ist mehr als geistlicher Freizeitsport. Der Priester ist auch nur ein Mensch, Fragment, ein stotterndes Zeuge, gefährdet, zerbrechlich, kritikbedürftig; nicht zur Vollendung gereift, er hat Begleitung und Stütze nötig; er weiß nicht Antwort auf alle Lebensfragen;  aber er soll Durchhaltevermögen mitbringen und ein Wegweiser sein; er soll an der engen Tür stehen, nicht um zu blockieren, sondern um einzuladen: Wagt den Schritt, verbringt euer Leben nicht untätig und unschlüssig vor der für euch geöffneten Tür.

Pfarrer Kaiser war einer, der hier stand und Bote war, einer, der Sie neugierig gemacht hat auf die fremde Glaubenswelt, einer, der es verstand, pointiert und mit dem ihm eigenen Frömmigkeitsstil den Kern des Evangeliums auf den Punkt zu bringen. Nideggen war sein letzter Einsatzort. Für viele wurde er in der kurzen Wirkungszeit ein nahbarer Mensch. Für kurze Zeit schrieb er mit an der Geschichte dieser alten Gemeinde und der drei anderen Pfarren.

Viel haben wir von seiner segensreichen Tätigkeit in Krefeld-Uerdingen gehört. Oder auch seine Dienste am Krankenbett in Aachen. […]

Ich habe selten Mitbrüder gerade auch in meiner und seiner Generation erlebt, die eine solche Begeisterung für die Seelsorge zeigten. „Einfach“ Seelsorger sein, Verständnis zu haben für menschliche Lebensläufe, wohlwollend und doch Richtung weisend, manchmal Halt sagend, wenn es so nicht weitergehen kann in Kirche und Welt, unkonventionell und zuweilen Zeichen des Widerspruchs und Diener in der Kirche des Täufers Johannes, der ‚Stimme in der Wüste‘ war.

„Seelsorge heilt den Seelsorger“, sagte Pater Mühlenbrock SJ , der frühere Aachener Spiritual. In Beichte und Eucharistie hat er Menschen vor die „enge Tür“ geführt und ermutigt einzutreten – denn was sind die Sakramente anders als die engen konkreten Türen, die uns in das Geheimnis führen? Und wozu sonst braucht es des Priesters, als Menschen zu ermutigen, diese enge Tür wahrzunehmen und sich zu bemühen, in den Lebensraum zu gelangen, in den diese enge Tür führt? Er war kein Türsteher, der abschreckt und Dienst nach Vorschrift macht, kein unbeteiligter Dienstleister, kein Leisetreter, der um den heißen Kern des Evangeliums herumschleicht wie eine Katze um den heißen Brei. Einer, der uns auch zuweilen beunruhigt und erschüttert und der mir die Anstrengung des Glaubens nicht abnimmt. Dazu braucht es Priester wie Stefan, die mehr sind als reine Verwalter sakramentaler Gegenstände und Rituale. Stefan Kaiser war Pfarrer aus Leidenschaft. Das Evangelium und die Liturgie waren für ihn kein schönes Glasperlenspiel.

Er hat die Liturgie geerdet. Sie war ihm mehr als eine routiniert abzuleistende Zeremonie. Er war auch da präsent, wo die Verlierer waren, die Kranken, die, die um Vergebung baten, die Hausaufgabenhilfe in Krefeld, Impulse für die Bolivienbrücke, die Alten im Christinenstift. Hier konnte er sich einbringen mit der ihm eigenen Leidenschaft, hier hat er versucht, Wurzeln zu fassen, Spuren zu hinterlassen und mit den Gemeinden den Glauben zu feiern und Suchenden beizustehen. Er gehörte zu den Seelsorgern seiner Generation, die das Energische, das Kämpferische, das Ungetrübte des Evangeliums ausgerichtet haben. Darin hat er sich nicht geschont. Es war sein Talent, seine Leidenschaft, gerade in Einzelbegegnungen, in Hausbesuchen, im Beichtgespräch, im katechetischen Einsatz die Schönheit und den Glanz des Glaubens aufleuchten zu lassen, sehr spritzig und geistreich, humorvoll und hintergründig, ohne Denkverbote und ohne die seltsamen sprachlichen Regeln, die unsere Verkündigungssprache oft so blass und seicht und langweilig und zahnlos werden lassen. Er war allergisch, wenn die Botschaft untergeht im Jargon der Betroffenheit, wenn die Kirche an ihrer eigenen Sprache verreckt […].

Und Stefan hat gerne gelebt. Auch in seiner Kirche, auch für seine Kirche, die es ihm nicht leicht gemacht hat. Ist da alles gut und verantwortlich durchdacht und entschieden gewesen, was mit ihm auf seinem beruflichen Lebenslauf geplant worden ist?

Er war ein wundervoller Gastgeber, er war ein gebildeter, belesener Zeitgenosse. Das Evangelium ist nichts Lebensfeindliches und Freudloses. Man muss nicht alles zurücklassen, wenn man sich durch die enge Pforte zwängt. Stefan konnte Kochen und das Essen richtig zelebrieren und wunderbare Tischgespräche führen, lachen, frotzeln, lästern…

Sein Leben gibt vielen von uns Grund zur Dankbarkeit, er hat nachdenklich gemacht und gerade auch die, die sich von Kirche abgewandt hatten, wieder aufhorchen lassen. Er, der der Kirche so von Herzen verbunden hat, hat gerade auch die aufhorchen lassen, die eher abseits stehen, die „Seltengeher“, die Suchenden und Fragenden. In manchen hat er vielleicht polarisiert, als Zeichen des Widerspruchs zu manchem Zeitgeistlichem im Kirchenmilieu, doch sein Rückgrat und seine Widerstandskraft und seine katholische Seele, das war zugleich seine große Kunst zu integrieren.

Er war ein Priester und ein Mensch. Und er würde sagen: mein Leben ist nicht zu idealisieren, nicht zu beschönigen, nicht zu verklären. Doch der Tod dieses Einen, diesen einzigartigen Mitbruders, lässt viele verstört und tieftraurig zurück. Wir können kaum ermessen, was es für einen Seelsorger aus Leidenschaft bedeutet, schweren Herzens dies sein lassen zu müssen und auf sich selbst acht zu geben, auch das therapeutisch zu erwerben, was wir ihm gewünscht hätten: Stabilisierung, Selbstsorge. Wir wünschten, er hat einen heilsamen Raum gehabt, sich selbst anzunehmen. Was hätten wir tun können? Was haben wir versäumt? Was muss sich durch diesen Tod ändern auch in Umgangsformen der Kirche? Behutsame Seelsorge der Kirche an ihren Seelsorgern! Was hätte er anders tun oder lassen können? Das sind Fragen, die man nur andeuten kann, aber die ihm nicht mehr helfen.

Wir stehen auch vor der Lebenstragik dieses Menschen und vieler, denen es so ergeht wie ihm. Und dem, was sein Charisma war, vielleicht auch sein ‚pastoraler Erfolg‘. Und ich frage mich: ist die Pforte, von der Jesus heute spricht, wirklich so eng, dass nicht, sagen wir, zwei nebeneinander gehen können? Was, wenn bestimmte Lebensumstände bewirken, dass einem der Boden unter den Füssen fortgezogen wird.

Wir stehen machtlos vor einer Krankheit, die zunächst harmlos und kaum bemerkt beginnt und sich dann verselbständigt, in der Menschen buchstäblich ertrinken und Niederlagen erleiden. Ertrinken an der eigenen Erlösungsbedürftigkeit, manchmal Überforderung, dem Alleinsein, dem Ungereimten, dem Unerfüllten, der unausgesprochenen Lebensnot, einer Neigung, die ihn aus der Balance brachte und ein Gefälle bekommt, ein Rausch und eine Sucht, die nach unten ziehen. Wer ist gefeit vor den Gefährdungen einer Lebensform, der drohenden sozialen Isolierung, den vergeblichen Versuchen zur Hilfe?

Gott sei Dank hat Stefan  dankbar die Hilfe und Nähe der Menschen angenommen, die es ihm erlaubten, dabei zu sein, aufzuatmen, er fand Stützen und offenen Türen. Wir stehen immer auch vor dem Rätsel eines Menschenlebens. Wie wenig wissen wir von uns selbst, geschweige vom Nächsten, von der eigenen Gefährdung, der Macht der Gewohnheit und der Abhängigkeit, von der eigenen Leere, die man mit Vorläufigem zukippt; von der Einsamkeit, dem Frust und den Niederlagen, dem Heimatverlust, dem Nicht-Verstanden-werden. Man kann in kleinen Fluchten dem zu entkommen versuchen, der Endlichkeit und Einsamkeit davonlaufen, der Erfahrung, in manchen Krankheiten und Schwächen nicht der eigene Herr und hilfsbedürftig zu sein.

Der, der hier gesprochen hat, kann auf Erden nichts mehr sagen. Doch über sein Leben ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Das steht nur Einem zu. Stefan ist auf Worte der Wandlung und des Wunders angewiesen, die aus Jesu Mund kommen, auf seine Einladung, durch die Tür in die himmlischen Wohnungen einzutreten. Er ist nun aufgebrochen auf den schmalen Weg zu Gott hin, eingetreten durch die enge heilige Pforte, die Jesus ist. Wir wünschen ihm, dass er das Leben gewonnen hat (Mk 10,28-31).

Es ist das Schöne, dass wir zu guter Letzt in das Auge des Barmherzigen geraten. Stefan gerät in der Ewigkeit an den, der ihn wirklich erfüllt und sein Leben ins Osterlicht hält und auch das Verborgene mit barmherzigen Augen entdeckt, was keiner von uns von Stefan mitbekam und was doch ewig Bestand hat und bleiben muss. Stefan ohne Christus – das ist nun zu wenig. Ihm ist nun Christus der Allernächste. […]

Pfarrer Stefan Kaiser ruhe in Frieden.

Die Leser dieses Artikels werden um ein stilles Gebetsgedenken gebeten.

Pfarrer Stefan Kaiser RP-Foto, 25. Mai 2009
Pfarrer Stefan Kaiser
RP-Foto, 25. Mai 2009

 

Der Lebenswirklichkeit entgegen? – 29. August: Enthauptung des hl. Johannes des Täufers

Wofür ist Johannes der Täufer gestorben?

Johannes der Täufer hatte Herodes Antipas, der nach dem Tod Herodes des Großen als Tetrarch über Galiläa und Peräa herrschte, öffentlich Ehebruch vorgeworfen, weil dieser seine Frau verstieß und an ihrer Stelle die Frau seines Halbbruders Herodes Philippus nahm (Mt 14, 3). Daraufhin musste Johannes in der östlich vom Toten Meer gelegenen Festung Machärus das Schicksal vieler unbequemer Mahner (Mt 23, 37) teilen.

Evangelium Mk 6, 17-29

In jener Zeit sandte Herodes hin und ließ Johannes ergreifen und ihn in den Kerker werfen wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte.

Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt:
Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben!

Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten, konnte es aber nicht. Herodes nämlich fürchtete Johannes, da er wusste, dass er ein gerechter und heiliger Mann war. Er ließ ihn bewachen und tat vieles auf seinen Rat hin; und er hörte ihn gerne. –

Und als ein günstiger Tag gekommen war, gab Herodes zu seinem Geburtstag den Großen, den Obersten und den Vornehmen von Galiläa ein Gastmahl. Da trat die Tochter jener Herodias herein und tanzte, und sie gefiel dem Herodes und seinen Tischgenossen. Der König sagte zu dem Mädchen: Erbitte von mir, was du willst, und ich will es dir geben. Und er schwor ihr: Was auch immer du erbittest, will ich dir geben, und wäre es die Hälfte meines Reiches. Da ging sie hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich erbitten? Sie antwortete: Das Haupt Johannes‘ des Täufers! Sogleich eilte sie zum König hinein und bat: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schüssel das Haupt Johannes‘ des Täufers gibst. Da wurde der König traurig, doch wegen des Schwures und wegen der Tischgenossen wollte er sie nicht abweisen, sondern sandte einen Henker aus und befahl ihm, sein Haupt auf einer Schüssel zu bringen. Dieser enthauptete ihn im Kerker, brachte sein Haupt auf einer Schüssel und gab es dem Mädchen, und das Mädchen gab es seiner Mutter. –

Als seine Jünger dies hörten, kamen sie, nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Herodias and Salome with the head of John the Baptist Onorio Marinari (1627-1715)
Herodias and Salome with the head of John the Baptist
Onorio Marinari (1627-1715)

 

15. Sonntag nach Pfingsten – Inclina, Domine.

Epistel – (Gal 5, 25-26 und 6, 1-10)

Brüder! Wenn wir im Geiste leben, lasst uns auch im Geiste wandeln. Lasst uns nicht lüstern nach eitler Ehre sein, nicht einander herausfordern, nicht einander beneiden. –

Brüder, wenn ein Mensch bei irgendeinem Fehler überrascht wird, so sollt ihr, die ihr geistig gesinnt seid, ihn im Geist der Sanftmut belehren. Dabei achte auf dich selbst, dass nicht auch du versucht werdest. –

Einer trage des anderen Last, und so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand meint, etwas zu sein, da er doch nichts ist, betrügt er sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Tun; dann mag er sich bei sich selber rühmen, nicht vor einem anderen. Jeder nämlich hat seine eigene Last zu tragen. – Wer unterrichtet wird im Wort, teile all sein Gut mit dem, der ihn unterrichtet. Täuscht euch nicht: Gott lässt seiner nicht spotten.

Was der Mensch sät, das wird er auch ernten. Wer nämlich in seinem Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten. Wer aber im Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. –

Wir  wollen also nicht müde werden, Gutes zu tun, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, sofern wir nicht nachlassen. Lasst uns also, solange wir Zeit haben, allen Gutes tun, besonders den Brüdern im Glauben.

Inclina, Domine – Video

 

40 Jahre „Freundeskreis Maria Goretti e. V.“ – FMG

Den nachfolgenden Text empfehle ich allen zu lesen, auch wenn er etwas länger ausfällt. – Vielleicht werden Sie danach mit Freuden FMG-Unterstützer.

Aus FMG-Information Nr. 116, August 2016

Es werden in wenigen Wochen 40 Jahre sein, dass der FREUNDESKREIS MARIA GORETTI (FMG) am 13. September 1976 gegründet wurde. Ursache dafür war, dass in den Schulen Bayerns und darüber hinaus in der Folge der 1968er Sexrevolution die sog. „Sexualerziehung“ (SE) eingeführt worden war – völlig neu für die Schule, weil Schamhaftigkeit, Intimsphäre und Würde des Einzelnen bis dahin hoch geschätzt waren. Zunächst geschah dies weithin unbemerkt von den Eltern und der Öffentlichkeit, und wenn man davon hörte, waren viele im guten Glauben, es sei nur „ein wenig Aufklärung“, um den jungen Menschen zu helfen, die erwachende Geschlechtlichkeit im Sinn der Ordnung GOTTES zu bewältigen. Man erkannte nicht, dass eine weltweite Ideologie dahinter stand, die im Lauf dieser Jahrzehnte nun immer totalitärer geworden ist. Die Abwendung gegen die christlichen Wurzeln, ja der Kampf gegen sie, hat auch im Raum der Kirche immer tiefere Einbrüche gebracht.

Anfangs der 1970er Jahre hatte sich eine Gruppierung engagierter Christen zusammengefunden, ein „Kreis katholischer Eltern und Erzieher Regensburg-München“. Daraus erwuchs auch der Gedanke, sich unmittelbar an einer „Schaltstelle“ der Schulpolitik zum Gebet zusammenzufinden. So wird seit dem 19. März 1976 zweimal monatlich stellvertretend vor dem Bayerischen Kultusministerium der Rosenkranz gebetet im Anliegen der reinen, gläubigen Erziehung der jungen Menschen und der Abschaffung der falschen, verführerischen Schul-SE.

Noch früher wurde der hl. Erzengel Michael angerufen, dessen Name die Verteidigung der Rechte GOTTES ausdrückt, er möge die Rechte GOTTES in den Kinderseelen verteidigen und irgendeine Möglichkeit eröffnen, wirkungsvoller zusammenzuarbeiten und Einfluss nehmen zu können. So nahm im Sommer 1976 die Idee Gestalt an, eine sich ganz dem Einsatz gegen Verführung und für die reine Erziehung widmende Vereinigung zu bilden. Auch die Finanzierung für den Anfang wurde ermöglicht – und seither arbeitet der FMG vollkommen auf Spendenbasis. Es war keine große Organisation angestrebt, doch der FMG sollte überregional sein. Dass wir auch über die Landesgrenzen hinaus Freunde gewinnen würden, auch manche aus anderen Konfessionen, hatte sich anfangs nicht absehen lassen.

Der FMG ist von Laien gegründet worden, wenn auch mit priesterlicher Begleitung und späterer Mitarbeit. Dabei war bewusst, dass „alle Gläubigen aufgrund ihrer Taufe und Firmung zum öffentlichen Bekenntnis ihres von GOTT durch die Kirche erhaltenen Glaubens verpflichtet“ und befähigt sind; dass sie ihn „als echte Zeugen CHRISTI verbreiten und verteidigen müssen“ (hl. Papst Johannes Paul II.). Dass diese Tätigkeit aus katholischem Geist, auf dem Boden der katholischen Lehre stehend, geschehen solle, war von Anfang an selbstverständlich und wurde auch in die Vereinssatzung aufgenommen.

Zunächst wurde versucht, über die Schul-SE aufzuklären, Unterstützer zu gewinnen, auf die Verantwortlichen einzuwirken – mit Briefen, Flugblattaktionen, Unterschriftensammlungen,
Informationsabenden etc., ab 1977 schon mit der FMG-INFORMATION, deren erste Nummer noch hektographiert war.

Es blieb nicht aus, dass Entwicklungen in der Kirche, Missbräuche und Irrlehren, die als verkehrt und schädlich erkannt werden und unter denen wir mit vielen Gläubigen zutiefst leiden, in Ehrfurcht vor dem kirchlichen Amt, aber auch in Klarheit genannt werden. Richtschnur ist uns dabei nach bestem Bemühen nicht die eigene Meinung, sondern die beständige katholische Lehre.

Eine besondere Freude und Ermutigung war es, als im Oktober 1979 Kardinal Karol Wojtyla Papst wurde, der uns erst Wochen vorher geschrieben hatte: „Für die mir zugesandte INFORMATION und die guten Worte… danke ich Ihnen von Herzen. Eine große Freude ist mir das Bewusstsein, dass die großen und schwierigen Probleme der Welt von heute in der Gemeinschaft der hl. Kirche tiefes Verständnis finden und treue Verfechter für die Güter des Glaubens und der wahren Sittlichkeit. GOTT segne euer GOTT-gefälliges Wirken.

Zum „Kontra“ gegen Verführung und Sexualisie-rung und gegen die Missachtung des Elternrechts gehört zugleich das „Pro“ für eine Erziehung zu Selbstbeherrschung und Keuschheit. Für das christliche Leben unentbehrlich sind die Gnade GOTTES, das Gebet, und das Vorbild heiligmäßiger Gestalten (wofür unsere Namensgeberin St. Maria Goretti steht). Das hat dann auch zur Verbreitung und Herausgabe von guter, aufbauender, die Reinheit fördernder Literatur und Medien geführt. So wollten und wollen wir mithelfen, die Kinder und Jugendlichen zu stärken, wenn der tiefe Wunsch nach Achtung der Intimsphäre, nach Reinheit und einer christlichen Lebensführung selbst in der Schule schon missachtet wird und Widerstand findet.

Das erste Ziel, die Abschaffung der stimulierenden, unchristlichen Schul-SE zu erreichen, war nicht möglich. Vielmehr wurden von den weltweit mächtigen Organisationen und ihren willentlichen oder getäuschten Nachläufern immer neue Themen und Kampagnen gefunden, um die Sexualisierung weiter voranzutreiben – Kondompropaganda in den Schulen, um – wie man behauptete – ungewollte Schwangerschaften zu verhindern; AIDS-„Aufklärung“, Gleichberechtigung und Feminismus, Homosexualisierung, Gender usw. Dagegen muss weiterhin für die Keuschheit, für Lebensrecht, Elternrecht, Ehe und Familie Zeugnis gegeben werden. Und wir suchen seit Anfang den Eltern, die sich oft ohnmächtig fühlen und wenigstens ihr Kind vor der sittlichen Belastung, der Verletzung ihrer Intimsphäre und der Verführung zu bewahren suchen, ratend und betend zur Seite zu stehen. An Zahl mögen es nicht viele sein, aber jede einzelne Menschenseele ist unendlich kostbar.

Schon zum 25. Jubiläum des FMG heißt es in der FMG-INFORMATION 75 (November 2001): „Der äußere Erfolg ist kein christlicher Maßstab. Wo es um die Anliegen geht, die mit dem Glauben, der geistlichen Einstellung und dem Willen des Menschen zum Guten zu tun haben, müssen wir es im Letzten vertrauensvoll dem HERRN der Ernte überlassen, was aus dem ausgestreuten Samen wird.“ Der hl. Johannes Paul II. hat 1980 im Kölner Dom gesagt: „Die Erkenntnis der Wahrheit trägt ihren Sinn in sich selbst.“ Beitragen-dürfen zur Erkenntnis und zum Bekanntmachen der Wahrheit, ist also ehrenvoller Dienst. Und gerade im Blick etwa auf die NS-Zeit wird deutlich, dass jedes Zeugnis des Widerstands gegen den Abfall eines Volkes von GOTT im Urteil der Geschichte viel wiegt, selbst wenn es im Hinblick auf den erkennbaren Zusammenhang der Geschichtsabläufe ohnmächtig war oder eine Wirkung nicht unmittelbar belegbar ist. Für den Glaubenden wird doch manches an Wirkung spürbar und ist Grund zu notwendiger und freudiger Dankbarkeit.

Dankbar haben wir festgestellt, dass – gegenüber den 70er-, 80er-Jahren, als man dem Wort Keuschheit nur einen verklemmten, veralteten Klang zusprach, und trotz des Einbruchs einer Sexualisierung auch in den Raum der Kirche – von neuen geistlichen Gemeinschaften, von katholischen Internet-Portalen, von Bloggern usw. Keuschheit wieder als kostbarer Wert erkannt und vertreten wird. Dennoch bedrückt es, wenn in der gegenwärtigen, wahrlich berechtigten Kritik gegen Gender-Ideologie, Bildungsplan, „Sexualpädagogik der Vielfalt“ nicht gesehen wird, dass es nicht reicht, nur gegen „Früh-Sexualisierung“ zu sein, und wenn z. B. gegen den Entwurf neuer SE-Richtlinien in Bayern die bisherigen Richtlinien als „bewährt“ gelobt werden. Sie waren und sind keineswegs gut, auch wenn mit der Sturzflut von Gender auch in Bayern eine noch schlimmere zerstörerische Ideologisierung hereinbricht.

40 Jahre FMG. Wir sind dankbar für alle, die das durch Ihre Spenden, Ihr Gebet, Ihre Unterstützung das Wirken des FMG möglich gemacht haben und machen, dankbar für alle, die immer wieder Zeit opferten und opfern, um (früher) bei Flugblattaktionen und all die Jahre beim Versenden der Schriften und besonders den großen Versandarbeiten der FMG-INFORMATION usw. sich einzusetzen. GOTT vergelte es! Der hl. Erzengel Michael, Schirmherr der Kirche, sei weiter machtvoller Helfer und Verteidiger.

Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um Ihr betendes Mittragen
Ihr FREUNDESKREIS MARIA GORETTI e. V. München

Besuchen Sie die Webseite:
http://www.freundeskreis-maria-goretti.de/

FMG 116

Wolfgang Waldstein zur Vollendung seines 88. Lebensjahres – (Mein Leben – Erinnerungen)

Eine Buchempfehlung

In wenigen Tagen, am 28. August 2016, vollendet Prof. Dr. Wolfgang Waldstein sein 88. Lebensjahr, wozu ihm der Schreiber dieser Zeilen von Herzen gratuliert. Zu diesem Anlass wurde bei „kathtv.org“ ein Interview veröffentlicht, welches Frau Gisela Geirhos vom Media-Maria-Verlag, mit ihm führten konnte. Dieses Gespräch ist hier abrufbar – http://www.kathtv.org/video/1567855.html – (Prof. Dr. Waldstein-Ein bewegtes Leben) und es ist gleichzeitig eine willkommene und gute Ergänzung zu dem autobiographischen Buch: „Wolfgang Waldstein. Mein Leben – Erinnerungen“, das im Jahre 2013 beim Media-Maria-Verlag erschienen ist.

Nur wenigen Wissenschaftlern und Denkern wird die große Ehre zuteil, von einem Papst in einer wichtigen Ansprache mit Wohlwollen zitiert zu werden. 2011 war dies der Fall, als Papst Benedikt XVI. im Berliner Reichstagsgebäude eine Rede hielt, in der er auf die Bedeutung des Naturrechts hinwies und diesbezüglich auf einem Buch des einstigen österreichischen Professors für römisches Recht, Wolfgang Waldstein, aufbaute. Mitte 2013 hatte Waldstein dann unter dem Titel „Mein Leben. Erinnerungen“ im „Media Maria Verlag“ einige autobiografische Fragmente vorgelegt, um die es an dieser Stelle gehen soll. Jene Aufzeichnungen wurden übrigens, wie Waldstein im Vorwort betont, vom damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, angeregt, nachdem er zum Essen beim Ehepaar Waldstein zu Gast gewesen war.

Wolfgang Waldstein erblickte am 27. August 1928 in Finnland das Licht der Welt, wo er dann die ersten Lebensjahre verbrachte – wenn auch an ständig wechselnden Wohnorten. Wegen des gerade ausgebrochenen Krieges der Sowjetunion gegen Finnland wanderte die Familie – der Vater, in Russland geboren, aber zu jener Zeit staatenlos, hatte österreichische Wurzeln – 1939 nach Salzburg aus. Waldstein schildert ausführlich die Erlebnisse aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Mehrfach gab es Situationen, in denen er gerade noch seine eigene Haut retten konnte. Über die Erfahrungen, als gegen Kriegsende Salzburg bombardiert wurde, schreibt Waldstein beispielsweise: „Ich rannte um mein Leben zum Eingang des Stollens hinauf. Als ich den Eingang erreichte, warf mich der Luftdruck der hinter mir detonierenden Bomben geradezu in den Stollen hinein. Das hinter mir dröhnende Inferno erfüllte mich mit unendlicher Dankbarkeit dafür, dass ich den Stollen lebend erreicht hatte.“

Nach dem Krieg muss Waldstein, der eigentlich studieren will, erst einmal Geld verdienen, um sich sein rechtswissenschaftliches Studium in Innsbruck zu finanzieren. In jener Zeit lernt er auch seine spätere Ehefrau kennen, mit der er sich innerhalb weniger Wochen bereits verlobt. Die akademische Laufbahn, wenn auch nicht ohne Hindernisse, entwickelt sich doch recht zielstrebig für den jungen Juristen. 1965 wurde er zum Professor für römisches Recht an die neugegründete rechtswissenschaftliche Fakultät in Salzburg berufen. Entsprechend erlebt Waldstein dort auch die desaströsen Umstände der 1968er-Revolution, wie sie zumeist genannt wird. 1992 erfolgte auf eigenen Wunsch die Versetzung in den Ruhestand, was anscheinend auch diversen untragbaren universitären „Reformen“ geschuldet war. Dieser Ruhestand währte indes nur kurze Zeit, bevor Waldstein an der Lateranuniversität in Rom zu lehren begann.

Ungefähr zur gleichen Zeit wurde Waldstein auch Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben. In diesem Zusammenhang würde man eigentlich die größte „Rechtgläubigkeit“ erwarten, doch macht Waldstein deutlich, dass er hier auch immer wieder Kämpfe zu bestehen hatte. Besonders interessant sind hier seine Ausführungen zur Debatte um den sogenannten „Hirntod“.

Zwei wichtige Wirkungsfelder des Professors für römisches Recht werden in seinen Erinnerungen deutlich: das Naturrecht und die angedeutete Arbeit für den Lebensschutz. Leider wird ein drittes Feld kaum erwähnt, obwohl es mindestens ebenso wichtig ist: der Einsatz für die überlieferte Liturgie. Waldstein veröffentlichte etwa das wichtige Buch „Hirtensorge und Liturgiereform“, war involviert bei „Pro Missa Tridentina“ und verfasste Beiträge für die „Una Voce Korrespondenz“. In dem Buch haben diese Tatsachen leider keinen Platz gefunden; dankenswerterweise wurden sie in dem o. g. Interview, wenn auch nur kurz, thematisiert. Empfehlenswert ist das Buch „Wolfgang Waldstein. Mein Leben – Erinnerungen“ allemal.

Herzliche Glück- und Segenswünsche zu Ihrem Geburtstag, lieber Herr Prof. Dr. Waldstein! – Und ja: ad multos annos!

Waldstein_coverWolfgang Waldstein
Mein Leben – Erinnerungen
Media-Maria-Verlag 2013
240 Seiten; 17,95Euro
ISBN 978-3-9815943-4-8
www.media-maria.de

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Nachtrag zum Erdbeben in Norcia

Offenbar sind die Schäden an den Gebäuden des Benediktinerklosters doch größer, als es zunächst den Anschein hatte. Außerdem scheint die Entwicklung der seismischen Situation in der Region unsicher. Als Vorsichtsmaßnahme haben sich die Mönche entschlossen, die Gemeinschaft vorübergehend nach Rom überzusiedeln.

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Die Mönche des internationalen Sitzes der Benediktiner in St. Anselmo in Rom haben den Mönchen von Norcia einen Platz angeboten, wo sie in dieser Zeit der Unsicherheit bleiben können.

Jedoch bleiben zwei Mönche in Norcia, um nahe bei der Basilika zu sein und die Entwicklung der Situation zu überwachen. Allerdings „wohnen“ sie, wie viele Bewohner der Stadt, in Zelten außerhalb der Stadtmauern.

Die Mönche wollen auch in diesen schwierigen Umständen nach der Regel des hl. Benedikt leben und das Mönchsleben aufrecht erhalten.

Es ergeht die Bitte, „weiterhin für unsere Gemeinschaft zu beten.“

Sehen SIE hier!

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