Die Not-wendigkeit in das Wort Gottes einzutauchen – Buchempfehlung

Immer wieder kann man sich ja fragen, welche Gegenmaßnahmen gegen die gegenwärtigen Zerfallserscheinungen in der Kirche überhaupt noch möglich sind. Sicherlich gehört dazu an erster Stelle die Schriftlesung, die nämlich nicht, wie es das Konzil wollte, zum täglichen oder „häufigen Gebrauch“ der Katholiken geworden ist. In der Wirrnis, die gerade von Theologen erzeugt wird, sollten wir uns noch viel mehr auf die vorkonziliaren theologischen Schriften stützen, bei denen man noch am ehesten davon ausgehen kann, dass sie rechtgläubig sind. Darum ist es sinnvoll, diese „vorkonziliaren Schätze“ zu sichten und den Katholiken anzubieten. Geschehen ist dies z. B. durch den Verlag Media Maria, der eine Neuedition der Meditationen (über die Evangelien) von Richard Gutzwiller besorgt hat, und damit einen wichtigen Beitrag zur Neuevangelisierung leistet.

In den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts war der Jesuitenpater Richard Gutzwiller weithin bekannt, besonders in der Schweiz und im süddeutschen Sprachraum. Aber auch darüber hinaus waren es vor allem seine „Meditationen“ über die Evangelien, die ihm einen Namen machten.

Der 1896 in Basel geborene und schon 1958 gestorbene Jesuit wurde 1926 zum Priester geweiht. Danach war er Studenten- und Akademikerseelsorger. Als Publizist, Radioprediger und Redner vermittelte er stets den wahren katholischen Glauben. Auch als Professor für bibeltheologische Fragen in Innsbruck behielt er seinen klaren katholischen Blick. Seine Meditationen zu den Evangelien fanden den Weg nicht nur in die Hände von Theologen; auch in den damals weit verbreiteten Büchereien der Pfarreien und der Borromäusvereine waren sie jedem Interessierten zugänglich und konnten ausgeliehen werden.

Vor Jahren schon notierte sich der Schreiber dieser Zeilen einen Satz aus einem Nachruf auf Richard Gutzwiller: „Dreißig Jahre lang lebte Pater Gutzwiller was er geschrieben und gesprochen hat. Man wird ihn keines Widerspruchs und keiner Inkonsequenz zeihen können.“ Und noch: „Wahrlich, dieser Diener am Wort hat uns den Herrn vermittelt wie selten einer.“ (Katholische Blätter für weltanschauliche Information. 11/1958)

Wer sich Gutzwillers Meditationen der Evangelien hingibt, wird diesen Worten zustimmen können und die daraus hervorgehende Kraft erspüren. Der Verlag MEDIA MARIA hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gutzwillers Werke wieder zugänglich zu machen. Mit den „Meditationen über Lukas“ sind nun wieder alle vier Evangelien-Meditationen verfügbar.

Bereits mit dem ersten Satz in Gutzwillers „Meditationen über Lukas“ sieht er von sich selbst ab und weist auf das hin, was notwendig ist: „Je mehr man sich in das Wort Gottes vertieft, mit seinem strömenden Reichtum, seiner herben Größe, seiner befreienden Weite und seiner farbigen Lebendigkeit, desto mehr verblasst das Menschenwort mit seiner versickernden Dürftigkeit, seiner kleinlichen Gefühlsbetonung, seiner zeit- und raumgebundenen Enge und seiner farblosen Abstraktion.“ Gutzwiller will die Menschen zum Wort Gottes führen. Kaum etwas scheint notwendiger. Denn die Beschäftigung mit dem authentischen Wort Gottes, das die Konzilsväter voranbringen wollten, hat durch die „Errungenschaften“ des Zweiten Vatikanischen Konzils keine großen Fortschritte gemacht.

In Bezug auf unsere Zeit, in der die Kirche mehr noch als die ganzen weltlichen Mächte ihren Grund und Boden zu verlieren droht, hat Richard Gutzwiller vielleicht weise und vorausschauend formuliert, dass wir uns nicht vom Teufel, dem Satan beeindrucken und beeinflussen lassen dürfen: „Satan ist der Starke, der die ganze Welt bewacht. Christus ist der Stärkere, der ihn überwunden hat.“ Darum wird durch die Kraft Gottes „die Macht Jesu über Satan sichtbar“.

Erstveröffentlicht bei kath.net

Richard Gutzwiller
Meditationen über Lukas
Verlag Media Maria 2018
448 Seiten; 19,95 Euro
ISBN 978-3945401910

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Morden ohne Grenzen …

oder: Abtreibung UNDENKBAR machen!

Während in der Europäischen Union, insbesondere in Deutschland, der amerikanische Präsident Trump von Beginn seiner Amtszeit an als Feindbild angesehen wird, so ist er doch der derzeit mächtigste Lebensschützer. Er zeigt sich beispielsweise als erbitterter Gegner der Abtreibung und versucht dies in seinen gesetzgeberischen und politischen Entscheidungen umzusetzen. Dies wird nicht nur von „unseren politischen Eliten“ abgelehnt; auch die US-amerikanischen Linke widersetzt sich ihrem Präsidenten.

Nun hat am 22. Januar, dem 46. Jahrestag des Urteils „Roe gegen Wade“, der Gouverneur von New-York nach der Entscheidung durch den Senat des Bundesstates, ein Gesetz unterzeichnet, das die Tötung ungeborener Kinder bis zur Geburt, also neun Monate lang, legalisiert. „Roe gegen Wade“, war im Jahre 1973 das Grundsatzurteil in den USA, mit dem der Oberste Gerichtshof die Abtreibungen bis zur 24. Schwangerschaftswoche legalisierte. Damit entstand ein Riss quer durch das Land und seine Bevölkerung. Millionen von Menschen wurden seither vor ihrer Geburt getötet.

Vor allem junge Lebensschützer in den USA demonstrieren seit Jahren immer wieder bei großartigen Märschen für das Leben und für ein Ende der Abtreibung. Dabei erhalten sie Unterstützung von US-Präsident Donald Trump und seinem Vizepräsident. Dies missfällt der aggresiven Linken, die sich vor allem in der „Demokratischen Partei“ sammelt.

Im US-Bundesstaat New-York, wo die Demokratische Partei traditionell die Mehrheit inne hat, gelang nun der politischen Linken ein gewaltiger Schlag gegen den „rechten“ Präsidenten. Mit einer Mehrheitsentscheidung stimmte der Senat von New-York für die Abtreibung über den bisherigen Zeitraum hinaus. Abgetrieben werden kann nun straffrei bis zum neunten Monat.

Diese Gesetzesänderung wurde am 22. Januar 2019 von Gouverneur Andrew Cuomo, einem Katholiken und Demokraten, unterzeichnet und damit die Ermordung ungeborener Kinder bis zur Geburt legalisiert.

Abtreibung UNDENKBAR machen!

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Ruhm der Keuschheit

Verschiedene Schüler des Pamphilius fielen der Verfolgung zum Opfer. Bei Eusebius findet man z. B. die Namen Apphianus, Aedesius, Pophepius und Petrus. Auch einige Parthenae [Jungfrauen] werden bei Eusebius genannt, darunter die achtzehnjährige Theodosia. Ebenso wird berichtet, dass aus Gaza, der heidnischen Stadt, Christen zur Verurteilung nach Caesarea geschleppt wurden.

Aus allen diesen Nachrichten kann man schließen, dass das Asketentum in Palästina blühte. Auch in Jerusalem scheinen Asketen und Parthena gewesen zu sein.

„Erkennen sollen die Jungfrauen die Ehrenkrone des Lebenswandels, der ihnen eigen ist. Auch erkennt man an ihrem Stand den Ruhm der Keuschheit“.

„Sei aber nicht, wenn du die Keuschheit neu bewahrst, denen gegenüber, die in den Ehestand eingetreten sind, von Stolz aufgeblasen. Denn die Ehe sei ehrwürdig, und unbefleckt das Ehebett“.

(Mitschrift aus einer Vorlesungen von Nikolaus Egender: Palästinensisches Mönchtum, Jerusalem 1980/81)

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Die Kirche – (Hl. Hildegard. Bericht ihrer Vision)

Die Kirche,
durch die Salbung des Heiligen Geistes geschützt,
kann niemals durch einen Irrtum der Sünde
niedergeworfen werden.

[…] Denn der Heilige Geist hat sich auf wunderbare Weise in der starken Macht der Menschwerdung dessen, der der wahre Bräutigam der Kirche ist, seine Wunder gewirkt und die Kirche durch die Verteidigung seines Schutzes als so stark offenbart, dass sie durch jene Kraft, mit der sie von seiner feurigen Gabe geschützt ist, niemals durch den Irrtum irgendeiner Sünde wird gestürzt werden können. Denn durch den himmlischen Schutz wird sie sich an der Liebe ihres Bräutigams immer ohne Makel und Runzel erfreuen, weil auch mein eingeborener Sohn vom Heiligen Geist empfangen und auf erhabene Weise ohne Makel aus der Jungfrau geboren ist.

(Hildegard von Bingen: Wisse die Wege, 4. Vision des 2. Teils, 4)

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Im Himmel thront Christ-König

Der im Himmel thronende Christ-König (Intr.)
wirkt seine Macht an uns, so daß wir
allen Menschen, selbst den Feinden,
gut gesinnt bleiben, den Geist Christi offenbaren (Epistel)
und auf diese Weise an der Ausbreitung des Reiches Christi
in unsrer Umgebung mitwirken können.

Introitus (Ps. 96, 7-8)

Adorate Deum, omnes Angeli ejus:
audivit, et lætata est Sion:
et exsultaverunt filiæ Judæ. (Ps. ibid. 1)
Dominus regnavit, exsultet terra:
lætentur insulæ multæ.
Gloria Patri. etc

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Gott betet an, ihr Engel alle:
Sion hört’s und freuet sich;
die Töchter Judas jauchzen. (Ps. ebd. 1)
Der Herr ist König; jauchze, Erde;
ihr vielen Inseln, freuet euch.
Ehre sei. usw.

Epistel (Röm 12,16-21)

Brüder! Haltet euch nicht selbst für klug.
Vergeltet niemand Böses mit Bösem:
seid auf das Gute bedacht nicht nur vor Gott,
sondern auch vor allen Menschen.
Wenn es möglich ist, bleibt, soviel an euch liegt,
mit allen Menschen in Frieden.
Rächet euch nicht selbst, Geliebte,
sondern überlasset es dem Zorngericht (Gottes).
Es steht ja geschrieben:
(5 Mos 32,35) Mein ist die Rache,
Ich will vergelten, spricht der Herr.
Vielmehr wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen;
wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken.
Handelst du so, dann sammelst du feurige Kohlen auf sein Haupt.
Laß dich nicht vom Bösen überwinden,
sondern überwinde du das Böse durch das Gute.

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Robertus – Albericus – Stephanus

Am 26. Januar begehen die verschiedenen Zweige aller Zisterzienser ihr großes Ordensfest. Sie feiern die Gründeräbte:

Robert von Molesme
* um 1027 in der Champagne
† 1111 in Molesme

Alberich von Cîteaux
* um 1050 in Frankreich
† 26. Januar 1109 in Cîteaux

Stephan Harding
* 1059 in Merriott, Somerset, England
† 28. März 1134 in Cîteaux

Diese drei und weitere achtzehn Mönche aus Molesme wollten ganz treu nach der Regel des heiligen Benedikt leben. Die Lebensweise der Mönche von Cîteaux wollte sich unterscheiden von der des damals üblichen benediktinischen Lebensstiles, der geprägt war durch die Abtei Cluny in Burgund, nicht weit von Citeaux. Es entstand aus dieser Reform innerhalb des benediktinischen Mönchtums ein neuer Orden: die Zisterzienser.

Hll. Zisterziensergründer: Robertus – Albericus – Stephanus

Freilich wird oft auch weithin auch Bernhard von Clairvaux als Mitbegründer des Zisterzienserordens genannt. Aber er war kein Ordensgründer, er war Ordensreformator und Motor dieser neuen geistlichen Bewegung. Bernhard trat 1113 zusammen mit 30 weiteren Gefährten, die meisten waren mit ihm verwandt, als Novize in Citeaux ein. Durch den Einfluss seiner starken Persönlichkeit begann ein enormer Aufschwung im neuen Orden. Sehrschnell wurden die ersten Tochterklöster gegründet werden: 1113 La Ferté, 1114 Pontigny, 1115 Morimond.

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Nonnen leben nicht in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung

Auf die Frage, wie sie als Äbtissin prüfe, ob eine Bewerberinnen für ein klösterliches Leben geeignet sei, antwortet die Oberin des Klarissenklosters in Münster, Sr. Ancilla:

Ich merke schnell, ob eine Frau für ein Leben im Kloster geschaffen ist oder nicht. Ich finde aber, dass jede Ordensfrau, die ins Kloster will, auch die Fähigkeit haben sollte, eine gute Mutter und Ehefrau zu sein. Ich bin schließlich nicht Nonne geworden, weil bei mir etwas amputiert wurde. Es gibt aber Frauen, die das Kloster mit einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung verwechseln. Es gibt sogar Ärzte, die psychisch labilen Frauen raten, so eine abgeschlossene Klosterwelt aufzusuchen. Wir sind aber keine therapeutische Gemeinschaft! Bei der Aufnahme zum Postulat wird der Gesundheitszustand einer Bewerberin sehr genau geprüft. Wir schauen auch, ob sie eine dem Alter angemessene Reife hat und sie auch charakterlich für ein klösterliches Leben geeignet ist. Außerdem sollte sie gemeinschaftsfähig sein und fest verankert in ihrem Glauben. Nur so kann ihr Wunsch nach einem klösterlichen Leben aufrichtig sein.

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Ist Anselm Grün katholisch?

Nein, so fragt Pater Bernward Deneke von der Petrusbruderschaft
in der zweiwöchentlich erscheinende Zeitschrift
Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt“ nicht.

Seine Frage lautet vielmehr:

„Anselm Grün – Ein katholischer Erfolgsautor?“

Nachfolgend die Meinung von P. Bernward Deneke:

Wer kennt nicht Anselm Grün? Der Benediktinerpater von der Abtei Münsterschwarzach, Jahrgang 1945, ist einer der erfolgreichsten spirituellen Autoren der Gegenwart auch über den deutschen Sprachraum hinaus.

Das Sortiment der allermeisten Klosterläden ist von Spruchkartensammlungen und Inspirationskalendern unter seinem Namen gespickt, und in wenigen Buchhandlungen mit dem Ressort „Religion und Lebenshilfe“ fehlen seine Schriften. Deren Anzahl ist kaum zu überblicken.

Pater Anselm Grün, der im Klappentext eines seiner Bücher als „Geistlicher Berater und Kursleiter für Meditation, tiefenpsychologische Auslegung von Träumen, Fasten und Kontemplation“ beschrieben wird, widmet sich sehr verschiedenen Themen, wie z.B. „Rituale im Alltag“, „Der Umgang mit der Angst vor dem Fremden“, „Wie Männer zu sich selbst finden“, „Die spirituelle Dimension des Weines“ , „Der heilige Benedikt von Nursia“ und „Wege durch die Depression“.

Das milde Mönchsgesicht mit dem Rauschebart, das uns von den Büchern anlächelt, dürfte dabei einen nicht unbedeutenden Anteil an seinem Erfolg haben. Er sieht aus wie ein Mann, der uns mit unseren Problemen und Schwächen versteht und uns so annimmt, wie wir sind.

Im März 2017 Jahres erschien das Buch „Luther gemeinsam betrachtet“, ein Ergebnis der Zusammenarbeit des Paters mit Nikolaus Schneider, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das offizielle Internetportal der deutschen katholischen Kirche (katholisch.de) hat die beiden Autoren Anfang Juli darüber interviewt.

Wer bisher noch nichts über die theologischen Positionen Anselm Grüns wusste, kann sich nun Klarheit verschaffen.

Sofort in der ersten Frage geht es zur Sache: „Wie stehen Sie zum gemeinsamen Abendmahl?“ Die Antwort: „Wenn ich im Gästehaus unserer Abtei in Münsterschwarzach Kurse gebe, lade ich immer alle ausdrücklich ein, zur Kommunion zu gehen, weil manche evangelische Christen sich nicht trauen. Aber wenn ich sie einlade, kommen sie gern. Daβ der katholische Pfarrer die Eucharistie etwas anders feiert als der evangelische, entspricht der Vorstellung der jeweiligen Konfession. Wichtig ist der Glaube, daβ Jesus in der Hostie präsent ist. Dazu gehören die Einsetzungsworte ‚Das ist mein Leib‘ und ‚Das ist mein Blut‘. Ist dies gegeben, spricht nichts gegen ein gemeinsames Abendmahl.“

Doch, es spricht sehr viel dagegen! Nach katholischer Lehre ist die Verwandlung der Gaben von Brot und Wein in Leib und Blut Christi an das Sakrament der Weihe gebunden. Nur ein Priester kann die Konsekration gültig vollziehen. Somit genügt es nicht, daβ ein nicht geweihter Vorsteher der Gemeinde die Einsetzungsworte spricht und die Anwesenden daran glauben.

Und was den Kommunionempfang betrifft, so muss man dafür der katholischen Kirche angehören, muss ihren Glauben bejahen und bekennen sowie sich im Stand der Gnade befinden. Kein Priester kann sich darüber hinwegsetzen.

Zur Frage, ob die Reformation vor 500 Jahren ihre Berechtigung hatte, lässt uns Pater Grün wissen, daβ Päpste und Bischöfe unbeweglich gewesen und sich hinter ihrer Macht versteckt hätten. Auch heute gebe es noch „konservatives Denken“ in Rom, „allerdings nicht beim jetzigen Papst“. Jedenfalls tue die Kirche „manchmal so, als ob sie Moral und Verhalten festschreiben könnte. Luther hatte Recht, als er dagegen rebellierte.“ –

Mit Verlaub: Die Kirche hat von ihrem Gründer die Binde- und Lösegewalt empfangen (Mt 16,19; 18,18) und ist „Säule und Grundfeste der Wahrheit“ (1 Tim 3,15). Es ist ihr Auftrag, den Menschen die gottgewollte Lebensweise kundzutun, dafür ist sie in diesem Bereich sogar mit der Unfehlbarkeit ausgestattet. Wie kann ein katholischer Christ und Theologe das in Abrede stellen?

Die unbefleckte Empfängnis Mariens besagt laut Anselm Grün nichts anderes, als daβ „wir alle … von Anbeginn der Welt in Christus auserwählt“ sind, „heilig und makellos zu sein. Es heiβt also nicht, daβ Maria etwas Besonderes ist und wir die armen Sünder. So wird es leider oft interpretiert. Aber das ist nicht die katholische Dogmatik.“

Wie bitte? Das Dogma von 1854 besagt, daβ „die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Makel der Erbsünde rein bewahrt blieb“ (Pius IX., Bulle Ineffabilis Deus). Es geht hier also sehr wohl um ein Privileg Mariens: Sie ist „etwas Besonderes“, nämlich der einzige Mensch, der nach Adams Fall in der Gnade empfangen wurde.

Etwas später bringt der Pater die unbefleckte Empfängnis dann noch mit Übertreibungen in der Mariologie in Verbindung und bemerkt: „Rein logisch würde ich sagen: Laβt das weg! Aber nun ist es einfach geschehen, und die Frage bleibt, wie wir es interpretieren können, damit es stimmig wird.“ Daβ die „Interpretation“ des Benediktiners sich gegen den Wortlaut des Dogma wendet, scheint ihn nicht zu bekümmern. Stattdessen klagt er lieber darüber, „daβ es in der katholischen Kirche Formen aggressiver Marienverehrung gibt, die unangenehm und oft sehr konservativ und infantil sind.“

Fazit: Ohne ihm zu nahe treten zu wollen, muss man doch sagen dürfen, daβ hinter Pater Anselm Grüns einträglichen Schriften nicht der authentische katholische Glaube steht. Hier schreibt allenfalls ein „geistlicher Berater und Kursleiter für Meditation, tiefenpsychologische Auslegung von Träumen, Fasten und Kontemplation“, wobei die Begriffe „geistlich“, „Meditation“ und „Kontemplation“ nicht im eindeutig christlichen Sinn benutzt werden. Eine diffuse „Spiritualität“ statt Dogma und Moral – auch das scheint zu seinem Erfolgsrezept zu gehören.

P. Bernward Deneke
Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt
14. Januar 2019

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Der verlorene Hirte – Eine Buchempfehlung

„Jeden Tag bete ich für Papst Franziskus.“

Philip F. Lawler hat ein aufsehenerregendes Buch geschrieben, ein Buch, das einen Katholiken noch mehr zu erschrecken – oder verärgern – vermag als „Der Diktator-Papst“, das bereits kritische Einblicke in den Charakter des Pontifikates von Papst Franziskus bietet, und warum dieses für viele rätselhaft ist. „Der verlorene Hirte“ geht weiter in seiner Analyse: Lawler beschreibt und behauptet, dass, wie es im Untertitel heißt, „Papst Franziskus seine Herde in die Irre führt“.

Es ist an dieser Stelle notwendig zu betonen, dass ein solches Urteil aus der Feder dieses Autors überrascht: Philip F. Lawler war viele Jahre ein publizistischer Verteidiger von Papst Franziskus. Auch ist der Autor niemand, der die tridentinische Liturgie bevorzugen würde. Lawler ist kein „Traditionalist“, wohl aber überzeugter Katholik.

Das auf Deutsch nun im Renovamen-Verlag erschienene Buch lässt bereits in der Einleitung keinen Zweifel daran aufkommen, dass Lawler auf dem Boden der Lehre der katholischen Kirche steht. Der erste Satz ist sein Bekenntnis zur Treue zum Lehramt der Kirche, das im Papst geradezu personalisiert wird: „Jeden Tag bete ich für Papst Franziskus“, betont Lawler. Und wie ernst es ihm ist, geht auch aus dem folgenden Satz hervor: „Wenn der Heilige Vater mich wegen meiner Sünden tadeln würde, hätte ich keinen Grund, mich zu beschweren.

Lawler bekennt sich also von vornherein als Sünder und treuer Sohn seiner Kirche. Und er leidet. Er leidet, weil er spürt, dass der Papst Katholiken wie ihn offenbar nicht gutheißt. „Jeden lieben langen Tag beschimpft mich der Papst – und unzählige andere tausende gläubige Katholiken – in den Predigten seiner Morgenmessen in der Vatikanresidenz Casa Santa Marta, weil wir an den Wahrheiten festhalten, die die Kirche immer gelehrt hat und für die wir manchmal leiden.

Damit steht Lawler nicht allein. Viele Katholiken sehen es ähnlich – und auch viele Nichtkatholiken. Besonders jene freilich, die versuchen, die tradierten Lehren und Gebote zu halten, fühlen sich vom Papst ausgegrenzt, weil er ihnen sage, sie seien „rigide“, „Gesetzeslehrer“ und „Pharisäer“, die es sich „mit ihrem Glauben bequem“ machen wollen.

Philip F. Lawler ist im Katholizismus zu Hause. Er wurde in der Nähe von Boston geboren. Er studierte unter anderem an der Harvard University, wandte sich dem Journalismus zu und gründete mit CWN (Catholic World News) den ersten englischsprachigen katholischen Nachrichtendienst im Internet. Er war Director of Studies bei der Heritage Foundation, einer „Denkfabrik“ für die politische Elite der USA, und trat im Jahr 2000 selbst als Kandidat für den US-Senat gegen Senator Ted Kennedy an. Ebenso war er einige Jahre als Herausgeber der renommierten internationalen Monatszeitschrift „Catholic World Report“ tätig. Lawler, Vater von sieben Kindern, ist Pro-Life-Aktivist und lebt mit seiner Frau in Massachusetts. Von ihm sind unzählige Essays, Buchrezensionen und Kolumnen in über 100 Zeitungen erschienen.

Man kann sein Buch „Der verlorene Hirte“ für anmaßend oder falsch oder beides halten, genau wie „Der Diktator-Papst“. Manchen Katholiken gehen schon diese Begriffe viel zu weit, besonders frommen und kirchentreuen Katholiken stoßen sie als despektierlich auf.

Dennoch sind es gerade auch sie, die praktizierenden Katholiken, wie immer mehr auch Theologen und Priester, die sich daran reiben, wie unklar und widersprüchlich bisweilen der Papst spricht und agiert. So war es vielleicht notwendig, dass dieses Buch geschrieben wurde, zumindest dahingehend, dass zur Sprache kommt, statt gefährlich verdrängt zu werden: Die Menschen wollen verstehen, denn sie erkennen die aufgetretenen Probleme. Sie wollen das Tun, die Aussagen und Entscheidungen des Papstes einordnen können, gerade wenn sie auseinanderklaffen. Und dazu ist dieses Buch sehr geeignet.

Lawler hat herausgefunden, dass für ihn und andere Katholiken so manche öffentliche Äußerung des Papstes nur mit Mühe mit den überlieferten und verankerten Lehren der Kirche in Einklang zu bringen sind. Im Laufe der Jahre, so stellte er fest, nahmen diese für ihn „problematischen Aussagen“ immer mehr zu.

Es wurde für Lawler – als steten Verteidiger des Papstes – immer schwerer, verstehen zu können, wie er dessen Behauptungen mit der Lehre der Kirche in Übereinstimmung bringen und auch so erklären konnte. Zu viele Konflikte und Spannungspunkte bauten sich auf.

Wie die Aussagen von Franziskus über die Ehe, das Sakrament und die Barmherzigkeit inzwischen von vielen in die Praxis umgesetzt werden, ist dafür ein besonders klares Beispiel: „Es ist ein offenes Geheimnis, dass Geistliche in einigen Teilen der katholischen Welt bereits still und heimlich damit begonnen haben, geschiedene und wiederverheiratete Katholiken zu ermutigen, die Kommunion zu empfangen.“ Mit dem Blick auf den „deutschsprachigen Raum“ stellt Lawler fest, dass „laxe pastorale Praktiken zur Regel“ würden. Dem wird konkret niemand widersprechen können. Die Frage ist eher, ob dies als „lax“ betrachtet wird, oder eben als barmherzig.

Der Autor dieses – auch und gerade, wenn man als Leser nicht zustimmt – spannenden und in seinen Argumentationen stellenweise nicht widerlegbaren Buches will den Lesern eine Perspektive auf die aktuelle Krise aufzeigen. Lawler ist kein Extremist oder Spinner. Er behauptet nicht, dass Franziskus ein Antipapst oder ein Ketzer sei, und er sagt auch nicht, dass wir uns dem Ende der Welt nähern oder gerade den Zusammenbruch des Katholizismus erleben. Allerdings erkennt er, wie wohl jeder Katholik, dass wir in einer Krisenzeit leben. Und er behauptet: Wenn ein Papst den Lehren der vorherigen Päpste widerspricht, untergräbt er seine eigene Autorität – und verwirrt als Hirte seine Schafe.

Lawler behauptet auch, dass Papst Franziskus durchaus verstehe, dass er Wellen schlägt und aneckt, dass er die Dinge im Innern der Kirche stört. Doch er bezweifelt, dass Franziskus die bereits aufgetretenen Spannungen – oder sind es schon Spaltungen – anerkennen würde, obwohl sie kaum noch zu ignorieren sind. Lawler zeigt sich verwundert, wie oft der Papst mit harscher Sprache diejenigen in der Kirche beschreibt, die mit ihm nicht einverstanden sind.

Während im Deutschland der Mainstream-Medien – zumindest in den ersten Jahren des Pontifikates – das Bild von Papst Franziskus als das eines angenehmen, lockeren und mitfühlenden Mannes vermittelt haben, unterscheidet sich dieses Empfinden mittlerweile erheblich bei vielen, die näher am Geschehen sind. In der römischen Kurie genauso wie im Alltag der Weltkirche andernorts.

Keine Frage: Philip F. Lawler zeichnet letztlich in „Der verlorene Hirte“ Franziskus als einen die Regeln der Kirche verwirrenden, Verwirrung stiftenden Papst. Nur bei „einer anderen Sache“, schreibt er, sei Franziskus „ganz bewusst und methodisch vorgegangen“. Durch die Ernennung von Kardinälen, „die seine Ansichten befürworten, schaffe er nicht nur eine „Gleichschaltung des Kardinalskollegiums“, sondern arbeite gezielt daran, dass diese Kardinäle „nach dem Ende seines Pontifikates einen Mann wählen, der seine Politik fortsetzen“ würde. Und dies sei „der wichtigste Aspekt“ des päpstlichen Planes: „die Veränderungen innerhalb der Kirche ‚unumkehrbar‘ zu machen“. Zumindest dieser These werden viele Unterstützer wie Kritiker zustimmen können.

Zuerst veröffentlicht: CNAdeutsch

Philip F. Lawler
Der verlorene Hirte
Wie Papst Franziskus seine Herde in die Irre führt
Aus dem Englischen übersetzt von Philipp Liehs und Julian Voth
Renovamen Verlag 2018; 296 Seiten; 19 Euro
ISBN 978-3-95621-135-5

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