Missbrauch – Buchempfehlung

Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird,
auch nichts geheim, was nicht bekannt werden und an den Tag kommen wird“ (Lk 8,17).

So beginnt die Katholikin und Soziologin Gabriele Kuby ihr neuestes Buch „Missbrauch“, um sofort festzustellen, dass der Leib Christi „mit Eiterbeulen übersät“ ist.
Haben die Menschen keine Angst vor Eiterbeulen?
Und leben Katholiken nicht mehr im Bewusstsein, dass Gott uns kennt und alles sieht, was eines Tages beim Gericht offenbar werden wird?
Unter welchem Druck müssen also Menschen stehen, die ein „Doppelleben führen“ und das alles vergessen haben?
Sie haben die „Lüge zu Ihrer Behausung“ gemacht.

Was für alle Menschen gilt, trifft noch wesentlicher auf katholische Priester zu:
sie haben freiwillig das Zölibatsgelöbnis abgelegt.
Warum halten sie sich nicht daran?
Kuby deckt auf, benennt und erklärt – kurz und knapp aber deutlich – diese Misere. Und sie stellt fest, was viele in unserer Gesellschaft nicht wahrhaben wollen, dass es nicht alleine ein Problem der Priester ist, vielmehr seien es „Folgen der sexuellen Revolution“. Die Enthemmung jedweder Intimität, die nicht nur in den verschiedenen Medien festzustellen ist, sondern auch im ganz normalen öffentlichen Leben, sei es am Arbeitsplatz oder im Sportverein, scheint unaufhaltbar zu sein.

Das Fazit der Autorin ist ernüchternd: Es ist nicht nur modische Kleidung, Sex-Unterricht und leicht zugängliche Pornographie; auch die Schlüpfrigkeit der Sprache, das teilweise ungehemmte ansehen und anfassen von Menschen gehören dazu. Es fehlt an Achtung und Respekt. Am Glaubenswissen sowieso! Wer kennt die zehn Gebote, die nicht bloß eine in Stein gemeißelte Schrifttafel sind? Und wer kennt darin das sechste Gebot? Denn nichts ist der Beliebigkeit überlassen.

Kuby beschreibt ein Dilemma, dass, politisch gewünscht und gefördert, einerseits bereits eine große Akzeptanz gegenüber jedweder angeblichen sexuellen Orientierung besteht und andererseits eine oft „existenzvernichtenden Bloßstellung“ sexuellen Missbrauchs. Die Autorin sieht die Zusammenhänge genau und scheut sich nicht davor sie zu benennen. Vor allem benennt sie die Frage nach der praktizierten Homosexualität und erinnert daran, dass allen Untersuchungen zufolge über achtzig Prozent aller Missbrauchsfälle in der Kirche gleichgeschlechtlicher Art waren. Das liege auch daran, so Kuby weiter, dass die Kirche unfähig zu sein scheine und mangelnden Willen zum Durchgreifen zeige, etwaige „Netzwerke“ in den eigenen Reihen anzugehen.

Gabriele Kuby weiß trotz aller schlimmen Missbrauchsgeschehen, dass es dennoch „rechtgläubige Bischöfe“ gibt, auch Priester, „alte und immer mehr junge, die es geschafft haben, ihren Glauben durch die Ausbildung zu retten“. Das hat auch Bischof Rudolf Voderholzer wiederholt betont. Solche Priester werden von ihr an das Johannes-Evangelium erinnert, als der Herr sprach: „[…] Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“; und gleichsam als Hinweis und Trost, wem sie glauben sollen: „wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten“. Im Vorwort bringt es Kardinal Gerhard Ludwig Müller aus seiner Sicht auf den Punkt:

Es geht hier nicht nur um Untaten einzelner psychisch schwer gestörter Personen, sondern um eine strukturelle Verweltlichung im Klerus, die blind macht für den moralischen Verfall, der aus einer Korruption der Glaubenslehre stammt. Mitmachen, Abwiegeln, Herunterspielen, Warten auf bessere Zeiten und sophistische Unterscheidungen zwischen der unantastbaren Lehre und der pastoralen Anpassung an den Zeitgeist bis zum Verlust des unterscheidend Christlichen, helfen weder der Kirche noch der Welt aus dieser Krise, wo nur die Wahrheit wirklich befreiend wirken kann.

Das schmale Bändchen von Gabriele Kuby sollte dazu bestimmt sein, von den Verantwortlichen der Kirche gelesen zu werden, zuvorderst Bischöfe und Priester. Aber es betrifft nicht nur den Klerus, vielmehr müssen sich alle Glieder der Kirche damit befassen. Missbrauch ist eine überschrittene Grenze. An dieser Grenze bewegen wir uns im Alltag in einer „hypersexualisierten Gesellschaft“. Ohne Gottes Hilfe für einen jeden – früher sprach die Kirche von „Gnade“ – wird es keine echte Lösung, kein Entrinnen geben. Wer bereit ist, selbst zu kämpfen und sich unter das Kreuz Christi – das sind Gottes Gebote – zu stellen, wird dereinst zu jener kleinen Herde, dem „Rest meiner Schafe“ gehören, die „sich nicht mehr fürchten und ängstigen“ muss und „nicht verloren gehen“ wird.

Am Ende von Gabriele Kubys Schrift heißt es:
Jeder zölibatär lebende Priester, der Maria verehrt und in seinem Leben wirken lässt, ist dem Weiblichen und dem Mütterlichen, dem Reinen und Schönen zugewandt und kann aus dieser Quelle trinken. Aus ihr wird er die Kraft gewinnen, die Jungfräulichkeit zu leben.“

Heilige Maria, Du, meine Mutter!
Manchmal vergesse ich, dass mein Körper ein Tempel ist.
Hilf mir, ihn als solchen zu erkennen und zu behandeln.
O Maria, die Du ohne Sünde gezeugt worden bist,
bitte für mich, da ich auf dich hoffe.
Amen.

Zuerst veröffentlicht bei CNAdeutsch

Gabriele Kuby.
Missbrauch. Euer Herz lasse sich nicht verwirren;
FE-Medienverlag; 74 Seiten; 5,95 Euro
ISBN 9783863572198

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Pater Reginald Garrigou-Lagrange. Dominikaner. – Buchempfehlung

Pater Reginald Garrigou-Lagrange O.P. (21. Februar 1877 – 15. Februar 1964) gilt als einer der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste Thomist des vergangenen Jahrhunderts. Mit gerade 32 Jahren wird er 1909 nach Rom an die soeben begründete Dominikanerhochschule Angelicum berufen, an der er 1917 den weltweit ersten Lehrstuhl für Spirituelle Theologie gründet. Mehr als 50 Jahre lehrte er am Angelicum, war Konsultor mehrerer römischer Kongregationen, zumeist des Heiligen Offiziums, und zuletzt wichtiger Berater Papst Pius XII. Nicht zu Unrecht beschreibt man ihn als den damals bedeutendsten Theologen und Lehrmeister in der Aszese und Mystik. 1960 mußte er seine Lehrtätigkeit infolge schwerer Erkrankung aufgeben und verstarb am 15. Februar 1964.

Der wesentliche Inhalt seiner zahllosen Bücher und Artikel und seiner durch Jahrzehnte dauernden Lehrtätigkeit findet sich in dem hier vorliegenden Werk, das ursprünglich in zwei Bänden erschien. Die ersten Abschnitte enthalten die Grundlagen und Voraussetzungen des Werkes, das das wahre innere Leben behandelt. Es folgt – in allgemein verständlicher, auf das Leben und die praktische Nachfolge gerichteter Darstellung – die Beschreibung des ansteigenden Weges im geistlichen Leben, der über innere Läuterungen und Entfaltungen des Gnadenlebens verläuft bis zu dem überzeugenden Nachweis: die eingegossene passive Beschauung ist die Vollendung des christlichen Gnadenlebens. Das Werk ist eine unerschöpfliche Fundgrube wahren, konsequenten Vollkommenheitsstrebens und entfaltet das innerliche, organisch wachsende geistliche Leben als die persönliche, vertraute Beziehung der Liebe zu Gott. Es gipfelt in der Eingießung der Gaben des heiligen Geistes und in der Einwohnung der heiligsten Dreifaltigkeit in uns.

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Des Christen Weg zu Gott.
Aszetik und Mystik nach den drei Stufen des geistlichen Lebens.

Dieses wohl reifste und von dem persönlichen Streben des Verfassers durchseelte Werk über das ‚Eine Notwendige’ fand schnell seinen Platz bei Laien, Ordensleuten und Priestern. Bald war es vergriffen und wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten oft in Kopie weitergegeben, weil es anders nicht zu beschaffen war. In diesem Werk ist eine wahrhafte Summe des inneren, geistigen Lebens geboten.

Garrigou-Lagrange ist im Anschluß an die Größten der Thomistenschule der unentwegte Verteidiger der Einheit des geistlichen Lebens und was er bisher in seinen Werken vorlegte, hat er hier zu einer Pyramide gestaltet, deren Spitze die Ewigkeit berührt. Immer wieder wird das große Ziel für alle Christen aufgezeigt: die christliche Vollkommenheit mit dem Hauptgebot der Liebe. Die konsequente Durchführung des Prinzips der Gnade bis in die höchsten Höhen der Vollkommenheit macht dieses Werk unentbehrlich in einer Zeit, in der wir nicht mehr in einer Mittelmäßigkeit leben dürfen.

Der gelehrte und fromme Verfasser hat hier ein umfassendes, eindrucksvolles Wissen vorgelegt. Er hat es geschöpft aus der biblischen Offenbarung, der Lehre der Kirche, der Theologie und der Aszetik und damit ein geistliches Gebäude von gewaltiger Größe errichtet. Hier treffen sich die Väter der Kirche, die großen Theologen, besonders Thomas und Augustinus, die devotio moderna (Thomas von Kempen), die großen Aszeten und Mystiker (Theresia von Avila, Johannes vom Kreuz und nicht zuletzt Franz von Sales), um uns das Schönste und Beste zu sagen, was aus ihrer Zeit zeitlos für immer gilt.

Die große Menschenkenntnis und gesättigte Erfahrung machen die Darlegungen des Buches außerordentlich geeignet, den Christen als vollendete Persönlichkeit den Weg, psychologisch gesehen seinen Weg, zu Gott zu führen.

 

Reginald Garrigou-Lagrange OP
Des Christen Weg zu Gott. Aszetik und Mystik nach den drei Stufen des geistlichen Lebens
nova & vetera; 759 Seiten; 78 Euro
ISBN 9783936741704

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Stell dir einen Streit vor!

Stell dir einen Streit vor!

Denk dir, dass dein Vater vor dir steht und sagt:

„Ich habe dich gezeugt und aufgezogen, also folge mir und tue mit mir Unrecht und gehorche nicht dem Gesetz Christi!“

Er sagt dies und noch anderes, was wohl ein Mensch sagen mag, der Gott lästert und der im Grunde schon tot ist. Auf der andern Seite aber höre den Heiland, der zu dir sagt:

„Ich habe dich wieder geboren, denn du warst von der Welt zum Tod geboren; ich habe dich befreit, geheilt und erlöst. Ich werde dir Leben schenken, das unvergänglich ist und ewig, das diese Welt übersteigt. Ich werde dir das Antlitz Gottes zeigen, des guten Vaters. Folge mir nach! Ich werde dich zur Ruhe empor führen, wo du jene unaussprechlichen und unbeschreiblichen Güter genießen kannst, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, die in keines Menschen Herz gelangt sind. Die Engel sehen sich danach, wenigstens einen Blick auf diese Güter zu werfen, die Gott seinen Heiligen und seinen Kindern, die ihn lieben, bereitet hat. Ich bin dein Ernährer, denn ich gebe mich selbst als Brot, und wer davon isst, der stirbt den Tod nicht mehr. Und täglich gebe ich mich dir als Trank der Unsterblichkeit. Ich bin Lehrer der himmlischen Weisheit. Ich habe den Kampf gegen den Tod für dich geführt, und für dich habe ich den Tod erlitten, den du dir zugezogen hattest durch deine Sünden und durch deinen Unglauben.“

Wenn du nun diese Reden von den beiden Seiten gehört hast,
dann triff die Entscheidung über dich.

Gib deine Stimme für dein Heil ab!

(Aus der Clemens von Alexandrien: Welcher Reiche wird gerettet?)

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Die Zeit läuft ab – für jeden Einzelnen

„Die Zeit läuft ab,
aber Sie können noch beichten und ihre
Sünden, Verbrechen und Sakrilege bereuen, und das öffentlich.
Ihr ewiges Heil ist in Gefahr.
Eine öffentliche Reue ihrerseits wäre für eine schwer verwundete Kirche
eine außerordentliche Maßnahme zur Heilung.
Machen Sie der Kirche dieses Geschenk.“

Erzbischof Carlo Maria Vigano an den 89jährigen Ex-Kardinal McCarrick

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Wööööölkiiiii ein Narrrrr

Der Kardinalerzbischof von Köln hat in seiner Kathedrale einen großen, ungeheuren Schatz: den Dreikönigsschrein.

Er ist das größte, künstlerisch bedeutendste und inhaltlich anspruchsvollste Reliquiar des Mittelalters. Die Gebeine der Heiligen drei Könige wurden 1164 aus Mailand kommend nach Köln gebrachten und befinden sich seither dort. Sie werden weithin verehrt, besonders in der Weihnachtszeit.

Dass ausgerechnet am Tag vor dem Hochfest Epiphanie, also dem Festtag der Heiligen drei Könige, der höchste Repräsentant des kölnischen Spengels in seiner Kathedrale sich selbst zum Narren macht ist mehr als schändlich.

Kardinal Wölki 5.1.2019 – https://koelnerkarneval.de/2018/01/05/domgottesdienst-kardinal-woelki-fordert-zum-tanz-auf/

Vor den Narren Kölns verballhornte er seine Berufung und seinen Rang. So tanzen er mit Kölns Narren vor oder um den Dreikönigsschrein und vielleicht ereiferte er sich wie das Rumpelstilzchen:

Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!

Wörtlich sagte er, sein liturgisches Gewand mit einer Narrennase verunehrend:

„Im Karneval können wir auch mal aus der Reihe tanzen.
Denn das Leben ist ein Fest,
da muss man immer mal aus der Reihe tanzen
und dabei Kraft schöpfen.
Am besten – wie Cat Ballou es singt – immer, immer widder!”

Quelle: https://koelnerkarneval.de/2018/01/05/domgottesdienst-kardinal-woelki-fordert-zum-tanz-auf/

Die Kölnische Rundschau schreibt:

„Karnevalskerze entzündet.“ Und:
„Kardinal Woelki will Lappenclown-Stola ‚voller Stolz‘ tragen.“

Und weiter geht’s mit KNA:

Kardinal und Karneval – Woelki bei jeckem Gottesdienst im Dom

Köln (KNA) Jecke und auch weihnachtliche Töne im Kölner Dom: Mit einem stimmungsvollen ökumenischen Gottesdienst haben die Karnevalisten am Donnerstagabend die fünfte Jahreszeit auch religiös eingeläutet. Bei der traditionellen Feier mit dem Kölner Dreigestirn sagte Kardinal Rainer Maria Woelki, dass Kölsch die Sprache Gottes sei. Er erinnerte an das Lied „Drink doch eine met“ der Bläck Fööss; schöner könne man Nächstenliebe einfach nicht zum Ausdruck bringen.

Die Sprache Gottes sei die Sprache „der Mitmenschlichkeit und Solidarität“, betonte der Erzbischof. „Es ist eine Sprache, die Unterschiede respektiert, aber keine Unterschiede macht.“ Sie könne auch ohne Worte weitergegeben werden, in dem man sich für mehr Fairness in der Gesellschaft engagiere, Kinder und Jugendlichen Perspektiven eröffne oder Einsame und Trauernde ins Leben zurückhole.

Zu Beginn der Feier, an der auch der evangelische Pfarrer Gebhard Müller und Stadtdechant Robert Kleine teilnahmen, entzündete das Kölner Kinderdreigestirn eine von ihm selbst gebastelte Karne-valskerze. Darauf dargestellt sind der Dom, blaue Wellenlinien für den Rhein, drei Sterne für die Heiligen Drei Könige und Sprechblasen als Zeichen für die in Köln gepflegten 180 Sprachen.

Der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, schenkte Woelki eine Stola, die auf der Vorderseite das Vaterunser auf Kölsch zeigt und auf der Rückseite bunte Quadrate eines Lappenclowns. Dies sei schon vorab ein Dank für die gemeinsame Pilgerfahrt, die den Kardinal und das Dreigestirn kommende Woche zur Generalaudienz mit Papst Franziskus führen wird. Der Erzbischof segnete die Stola und trug sie anschließend bei dem Karnevalsgottesdienst. Auch Papst Franziskus wird am Mittwoch eine solche närrische Stola überreicht bekommen.

Quelle: Landesdienst Nord-West der Katholischen Nachrichtenagentur, Nr. 5 v. 11.01.19, (KNA – tkllk-89-00190)

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Erste Begegnung mit der „alten Messe“

Es sind allem voran bestimmte Begegnungen, die unserem Leben Richtung und Prägung geben.

Begegnungen, die aus dem flüchtigen Grau-in-Grau des Alltags hervorstechen. Die ihr Zeichen tief in Seele und Herz drücken. Und die uns wie verwandelt entlassen. Rückblickend erkennen wir sie als Fügungen göttlicher Vorsehung; als Wege der Gnade hin zum Leben in Fülle.

Die bescheidene Begegnung, von der hier die Rede sein soll, ereignete sich vor über 3 Jahrzehnten in einer Kapelle. Deren Besonderheit liegt nicht in hohem Alter und bedeutenden Kunstschätzen, sondern darin, daß sie zur Versammlungsstätte jener Katholiken geworden ist, die die heilige Messe im „alten Ritus“ besuchen wollen.

Der Verfasser dieser Zeilen hatte eigentlich keine Veranlassung, sich in den Kreis solcher Außenseiter zu begeben. Selbst Ministrant in seiner Pfarrei und aktiv in deren Jugendgruppen, war er im „normalen“ kirchlichen Leben zuhause und vertraut mit der Form des Gottesdienstes, die er von Kindertagen an als einzige kennengelernt hatte. Warum etwas Neues, auch wenn es das Ältere wäre?

Aber einige Vorkommnisse, teils abschreckender, teils erfreulicher Art, trieben zur Suche an und drängten mit wachsender Eindeutigkeit auf den Pfad der Tradition. So erlebte er auf der einen Seite die offene In-Frage-Stellung von Glaubenswahrheiten im Religionsunterricht und Abstoßendes in der Jugendarbeit und in Jugendgottesdiensten, an deren Gestaltung er selbst Anteil hatte.

Auf der anderen Seite standen Begebenheiten, die neue Horizonte eröffneten: eine intensiv religiöse Wallfahrt, die Entdeckung und Pflege „altertümlicher Frömmigkeitsformen“ (besonders des Rosenkranzgebetes) sowie die Lektüre wahrhaft katholischen Schrifttums.

Zum ersten Mal wurde der Glaube hier in seiner erregenden Größe und Schönheit, in seinem bindenden und bannenden Anspruch erfahren. Schwindelerregend hoch und abgrundtief, erhaben und innig zugleich erschien die Lehre von der eucharistischen Gegenwart Jesu und von der unblutigen Vergegenwärtigung Seines Liebes- und Lebensopfers in der heiligen Messe.

Warum nur waren dem praktizierenden und engagierten Jugendlichen alle diese Wahrheiten so lange beinahe vollständig vorenthalten geblieben? Und wo fanden sie überhaupt einen angemessenen Ausdruck? Im gewohnten gottesdienstlichen Leben jedenfalls war davon wenig auszumachen. Trotz – oder vielmehr: wegen? – der vielgepriesenen „Verständlichkeit“ der neuen Liturgie.

So wurde der Wunsch unabweislich, das, was bisher nur vom Hörensagen her bekannt war, mit eigenen Augen und Ohren mitzuerleben: die „alte Messe“. War sie, die von den Bauleuten Verworfene, nicht schon durch die bloße Kunde zum Eckstein im Herzen des Suchenden geworden?

Fast immer erspäht der junge Mensch in neuer Umgebung zuerst, was er denn da für Leute um sich habe. Erfreulich war die Entdeckung, daß sich in der Kapelle alle Altersstufen einfanden; und daß es sich keineswegs um lauter religiöse Fanatiker und frömmelnde Exzentriker (die es natürlich auch gab) handelte.

Die Formen der Ehrfurcht, im pfarrlichen Leben auf ein kaum noch zu unterbietendes Minimum reduziert und nur von wenigen Randexistenzen beibehalten, hatten bei diesen Gläubigen so gar nichts Übertriebenes an sich. Reine Selbstverständlichkeiten.

Und dann die heilige Messe selbst. Der Neuling sah sich einer eigenen Welt gegenüber. Die war ihm noch weithin verschlossen. Aber in ihrer erfüllten Stille und im erahnten Tiefsinn der Zeichen übte sie eine unaufdringliche und zugleich kraftvolle Anziehung aus. Bis auf die Predigt, weit und wogend wie das Meer, machte dieser Gottesdienst nicht den Eindruck eines Vortrages von Mensch zu Mensch, sondern einer Handlung, genauer noch: einer Begegnung.

Die Haltung und Ausrichtung des Zelebranten, der Ministranten und Gläubigen ließen keinen Zweifel mehr darüber, wer da im Mittelpunkt stand. Es fiel gar nicht schwer, an die wirkliche und persönliche Gegenwart des Erlösers in Seinem Opfer zu glauben. Alles redete ja davon. Alles lenkte die Aufmerksamkeit auf Ihn hin. Anstatt seine Person hervorzuheben, verschwand der Priester nahezu. Er tauchte gleichsam in dem liturgischen Vollzug unter und ging völlig auf in der Stellvertretung des einen Hohenpriesters Jesus Christus.

Aus der Hinwendung zum „Geheimnis des Glaubens“ heraus wandte er sich dann auch den Gläubigen zu. Aber ohne den Blick auf den Herrn zu verstellen. Keine störenden subjektiven Einlagen. Die heilige Messe hatte nicht das Gesicht ihres menschlichen Zelebranten. Sie war theozentrisch, christozentrisch.

Endlich hatte der Sucher den Ausdruck jenes eucharistischen Glaubens, der aus den Worten und Gebeten der Heiligen spricht, gefunden! Wohl waren die Zelebrationsrichtung, die lateinische Kultsprache und die lang empfundenen Phasen des Schweigens für den an Verständlichkeit und Abwechslung gewöhnten Meßbesucher zunächst fremdartig.

Durch den Entzug äußerer Beschäftigungen sah er sich plötzlich auf sein eigenes, armes Inneres zurückgeworfen: auf die Leere, den schwachen Glauben, die verkümmerte Fähigkeit zur Anbetung…

Doch gerade dadurch kam auch die Einsicht: Die heilige Messe ist eben ein Mysterium; ein Geheimnis, das nicht dem Fassungsvermögen des Menschen angepaßt werden darf, sondern dem sich dieses Fassungsvermögen durch die Gnade und eigenes Bemühen mehr und mehr anpassen soll.

Der innerste Mittelpunkt des Glaubenslebens kann nicht nach den Maßstäben Fernstehender gestaltet werden. Nur dem gläubigen Mitvollzug erschließt er sich nach und nach. In das wahrhaft Große wächst man erst mit der Zeit hinein.

Der Blick muß geläutert, das übernatürliche Sensorium geschärft werden. Dann beginnt das Abenteuer immer neuer, immer noch herrlicherer Entdeckungen.

Diese erste Begegnung läutete für den Verfasser eine Entdeckungsreise ein, die bis heute kein Ende gefunden hat. Auch die spätere „Gewöhnung“ an den traditionellen Meßritus im Priesterseminar und als Priester hat daran nichts geändert.

Während das Moderne in seiner Ausrichtung auf den „Menschen von heute“ veraltet, offenbart das Alte sich in ewiger Jugend, denn es ist in erster Linie ein „Hintreten zum Altare Gottes, zu Gott, der meine Jugend erfreut“ (Stufengebet der hl. Messe). In der Begegnung mit diesem Wunderwerk des Glaubens findet das abenteuerliche Herz, was es sucht: den unerschöpflichen Reichtum des Lebens in der Begegnung mit dem Herrn.

Von P. Bernward Deneke FSSP im Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt

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Maria von Mörl aus Kaltern starb am 11. Januar 1868

Diözesaner Seligsprechungsprozess geschlossen.

Maria von Mörl wurde am 16. Oktober 1812 in Kaltern geboren; sie hatte acht Geschwister. Am Tag ihrer Geburt wurde sie auf den Namen Maria Catharina Barbara getauft.

Aus den biografischen Schriften über Maria wird ersichtlich, dass sie bereits ab dem fünften Lebensjahr kränklich war. Nach den Pflichtschuljahren, wurde Maria von Mörl nach Cles am Nonsberg gesandt, um die italienische Sprache zu erlernen. Nach dieser Studienzeit starb ihre Mutter bei der Geburt des neunten Kindes. Maria hatte in der Folgezeit große Verantwortung zu übernehmen, da sie Mutterersatz für ihre jüngeren Geschwistern sein musste.

Nach einigen Jahren hat sich Maria dem Franziskanerpater Johannes Kapistran Soyer anvertraut, der ihr Beichtvater und geistlicher Führer wurde und dies bis zu seinem Tod im Jahr 1865 blieb. Mit 18 Jahren wurde Maria von Mörl durch ihren geistlichen Vater in den Dritten Franziskanischen Orden aufgenommen. Zum Jahresende 1830 erkrankte Maria schwer; Krankheit und Leid sollten sie bis zu ihrem Lebensende begleiten.

Im Jahr 1831 wurde ihr am Fest „Mariä Lichtmess“ durch P. Kapistran die heilige Kommunion gereicht; anschließend fiel Maria in Ekstase – dieses Phänomen hat sich bei ihr bis zu ihren letzten Lebenstagen wiederholt, was zur Folge hatte, dass viele Menschen kamen, um die im Ruf der Heiligkeit stehende Jungfrau von Kaltern zu sehen. Ab Ende Juli und bis Mitte September des Jahrs 1833 sollen 40.000 bis 50.000 Pilger gezählt worden sein.

Seit dem 4. Februar 1834 trug sie die Wundmale des Herrn.

Ab 1841 lebte sie bis zu ihrem Tod in der Nacht des 11. Januar 1868 bei den Schwestern des Dritten Franziskanischen Ordens.

Maria von Mörl (16. Oktober 1812 – 11. Januar 1868)

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