Dein Platz, Johannes!

Du stehst am Platz, den Gott dir gab!

Du stehst am Platz, den Gott dir gab,
dem Platz, den er dir zugedacht;
nur dort bleibt er dein Schild und Stab,
dort gibt er Frucht, dort wirkt er Macht.
Will er dich segnen, sucht er dich
nicht in der ganzen weiten Welt;
Er sucht dich nur an deinem Platz
dem Platz, wo er dich hingestellt.

Nimm täglich ihn aus Gottes Hand,
den Platz, den seine Liebe gab;
was sich an eignen Plänen fand
bei dir noch: senk´s in Christi Grab!
Soll er begegnen dir im Sieg,
soll er erhören dein Gebet,
er tut´s nur, wo sein Streiter treu
auf dem gewies´nen Posten steht.

Was du versäumst an deinem Platz,
auch wenn es niemand ahnt und sieht,
das bringt um einen Segenschatz,
vielleicht ein Gott geliebtes Glied.
Bedenk´s den Platz, den Gott dir geb,
kann niemand füllen als nur du;
es ist nich gleich ob du dort stehst,
denn gradedich braucht er dazu.

Sieh, wenn er kommt, sucht er auch dich
nicht in der ganzen weiten Welt;
Er sucht dich dort nur sicherlich,
wohin er selber dich gestellt.
Und dann, o selger Freudentag,
wenn er an deinem Platz dich fand,
versetzt er dich, gibt dir den Platz
auf einem Thron im Heimatland.

Hedwig von Redern (1866 – 1935)

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Was singt die Emanze?

Können Sie sich vorstellen, dass eine Sängerin, die eine mühelose „Königin der Nacht“ singt, die männlichen Sänger um ihre Rollen beneidet und lieber den „Sarastro“ singen würde? Ich war nicht lange, aber lange genug an der Oper, um das für absurd zu halten. Für den Sänger unserer christlich-abendländischen Kultur, der weder elektronisch verstärkt noch frisiert wird, sondern ehrliche Leistung bietet, gilt spätestens seit Orpheus und der Antike die Wahrheit der Natur.

Er ist sich – mit oder ohne Studium – seiner allgemein menschlichen und musischen Natur voll bewusst und verfügt über einen voll aufgeschlossenen Gesangsorganismus. Sein elementares Singen gibt ihm und seinen Zuhörern leibseelische Erfüllung. Umso erstaunlicher ist es, dass der weibliche Typus dieser urtümlich-vitalen Spezies es sich in unserer wissenschaftlich aufgeklärten Zeit immer noch gefallen lässt, sich seine Arien von Männern schreiben bzw. vorschreiben zu lassen. Noch nie stellte eine Sängerin gesellschaftliche Forderungen zum Ausgleich dieser jahrhundertelangen frauen-verachtenden Bevormundung durch den Mann. Lebt sie noch auf dem Mond? Jeder Mensch, nicht nur der Mann, hat in seiner Kehle ein „vollkommenes Instrument“, dessen einzige Bestimmung es ist, sich melodisch zu äußern.

Kennen Sie singende Menschen? Wenn ja, sind das eher mäkelig-kritische Leute? Gibt es feministische Chöre, die melodische Lieder singen und im Kirchenchor mehrstimmig dahinschmelzen, wenn die schönen Terzen, die so schön zu Herzen gehen, sie so schön zu Tränen rühren?

Was singt die Emanze? Singt sie auch beim Duschen oder in der Badewanne? Singt sie melodisch – oder rappt sie nur? Fühlen Sie sich bei ihr von Mensch zu Mensch, oder tritt sie als Abgeordnete der sozial beschleunigten Bildungselite auf, die über das Haar in der Suppe diskutiert und alles weiß, weil sie alles gelesen hat? Kann sie über sich selber lachen?

Durch die Brille meiner Erfahrungen beobachte ich so manche unzufriedene Frau in unserer katholischen Kirche, in der „man“ sich als Frau benachteiligt fühlt. Was genau fehlt ihr eigentlich? Hat sie etwas verloren oder hat ihr jemand widerrechtlich etwas genommen, was sie seit Geburt hatte und nun lebenslang beklagen muss? Wie kann die Rolle des männlichen Priesters einer Frau ersetzen, was sie nicht vermissen kann, weil sie es nie hatte? Warum orientiert sie sich überhaupt am Mann? Und wieso fühlt sie sich von anderen ungerecht behandelt, wenn sie von Anfang an ungerecht gegen sich selbst ist, indem sie sich am Mann misst, statt sich mit einigem Gottvertrauen ihre genetisch vorgegebene weibliche Entwicklung zu gönnen?

Keine Sportlerin würde sich am Mann messen, um anhand dieser Daten zu klagen, dass sie keinen Preis erzielt. Warum verdrängt die unzufriedene Frau die Unterschiede der Geschlechter und neidet dem Mann seinen natürlichen „Vorteil“, um ihn widernatürlich zu begehren? Mit ihrer suggestiven Erwartung: „Sorge Du dafür, dass ich mich wohlfühle!“ überträgt sie ihm die Verantwortung für sich selbst und gibt ihm rückwirkend noch die Schuld an ihrer Unzufriedenheit dazu. In einer Ehe bedeutet das den Verlust des Paradieses mit Umzug in den Teufelskreis gegenseitiger Vorwürfe, in dem die Frau fordert und der Mann sich für sie abstrampelt und als Versager fühlt, bis sich beide ihren Ansprüchen nicht mehr genügen.

In der Kirche könnte die Frau immerhin auf die Idee kommen, aus eigenen Kräften ein ergänzendes weibliches Amt zu entwickeln und dies dem Papst vorzuschlagen, wenn sie meint, auch der Mann habe sich sein Priesteramt mit Gottes Hilfe selbst geschaffen. Oder noch einfacher: Warum wählt sie nicht eine Konfession, die ihr problemlos gibt, was sie verlangt? Muss eine Jahrtausende alte Kultur einen Kniefall vor der Schattenpflanze des Ewig-Weiblichen zelebrieren, damit diese im Licht der Erkenntnis zu blühen beginnt?

Solange die Frau dem Mann seinen „Vorteil“ neidet und ihn anklagt, statt anzuerkennen und davon zu profitieren, wird sie ihn im übertragenen Sinne „kastrieren“ wollen und dabei selber eine „zu kurz gekommene“ bzw. seelisch unterentwickelte Frau bleiben. Sie kann gar nicht anders. Denn Neid ist die blinde = unbewusste Apophis-Schlange, die dem göttlichen Licht seinen Glanz missgönnt, um selber zu glänzen. Sie umarmt, um zu verschlingen … Es ist schwer, einem Menschen alles recht zu machen, der unter sich selber leidet. Das ist wie im Märchen vom Fischer und seiner Frau: „Mantje, mantje, timpete, buttje, buttje, in der See …“ Keiner wird dabei glücklich.

Unsere Erde hat zwei Pole. Dazwischen gibt es viele Übergänge, wie es auch zwischen den Gattungen der Singstimme und den Geschlechtern Übergänge gibt. Aber die Polarität an sich dürfen wir nicht schmelzen. Sie trägt nicht nur unsere Erde, sondern auch unsere Geisteswelt. Nach allem, was wir schon aufgetaut haben, sodass wir auf manchen Gebieten nur noch schwimmen können, sollten wir die Polarität männlich-weiblich als richtungsweisend stehen lassen: Eine kulturfähig potente Männerstimme wird niemals eine glaubwürdige „Königin der Nacht“ singen, auch wenn der Mann endlos falsettieren und wie der schönste Gockel krähen kann. Die in und um uns lebende Natur zeigt uns nicht nur unsere Grenzen, sondern ist wichtigste Voraussetzung für eine gesunde Denkweise und Kultur.

Gott schuf den Menschen nicht als Hermaphroditen, sondern ab Mann und Frau (Gen 1,27). Ihre Leben schaffende Einheit lebt, solange wir auf dem Boden dieser Erde stehen, vom Unterschied, von der Polarität. Wem dient es, wenn wir den göttlichen Eros durch eine wissenschaftlich aufgeblasene Dekadenz ersetzen? Dient diese Verachtung unserer Natur der Erhaltung unseres Planeten?

(Lucia Tentrop: „Welche Lieder singen die Emanzen“ in THEOLOGISCHES Jg. 52, Nr. 03/04, 2022)

Die Erlaubnis zur Übernahme des Artikels wurde von der Autorin erteilt, wofür wir uns herzlich bedanken! – http://www.lucia-tentrop.de/

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„Sie haben Schweigepflicht – ein Gelübde?“

„Nein“, sagte der Mönch, „über meinen Glauben kann ich Ihnen nichts sagen, ich gehöre einem schweigsamen Orden an.“

„Sie haben Schweigepflicht – ein Gelübde?“

„Ich habe keine anderen Pflichten, als die man sich selbst auferlegt dadurch, dass man in den Orden eintritt.“

„Welche sind das?“

„Sie fragen viel – es sind keine, die ich Ihnen mit Worten begreiflich machen könnte. Ich bin zur Schweigsamkeit nur so weit verpflichtet wie ein Stummer. Es ist mir nicht verboten zu reden. Ich verbiete es mir auch nicht selbst. Alle Pflichten in dem Orden, dem ich angehöre, sind ohne Gelübde, weil sie sich eben von selbst verstehen.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Ich habe Ihnen ja das Gleichnis vom Stummen erzählt, obwohl auch Gleichnisse meist nur mit anderen Worten sagen, was nicht mitteilbar ist. Es handelt sich um einen Stummen, der, sagen wir, reden kann wie alle anderen. Aber er kann nicht anders reden als alle anderen. Um über meinen Glauben mit anderen reden zu können, müsste ich aber anders reden als die anderen, weil mein Glaube ein anderer Glaube ist. Und wollte ich das versuchen, würden sie mich ja nicht verstehen. Ich wiederum verstehe Sie nicht: Sie stellen Fragen, Sie fragen immer weiter. Eine antwortende Stimme, falls es eine solche gäbe, könnte sich ja bei Ihnen kaum Gehör verschaffen.“

„Ich wollte nicht zudringlich sein“, sagte der Mann.
„Wenn ich mich nicht bis hierher durchgefragt hätte, ich hätte dieses Kloster nie gefunden. Ich bin sehr lange unterwegs gewesen und habe mich mehrmals vergangen, mehrmals verirrt. Meine Zudringlichkeit war größer als meine Müdigkeit. Ich erinnere Sie an das Gleichnis von dem Mann, der einen anderen nachts weckt und so lange zudringlich bittet, ihm mit etwas Essbarem auszuhelfen, bis der andere sich dazu bequemt, aufzustehen und es ihm zu geben.“

Der Mönch lächelte und nickte.
„Ja, wenn er es hat. Der Mann hat am richtigen Haus angeklopft. Ich kann Ihnen nichts geben, Sie sprechen nicht dieselbe Sprache.“

„Wie viele Ausreden einer findet, der keine Konvertiten machen will“, sagte der Mann.

Jetzt sah ihn der Mönch eindringlich an, und über sein Gesicht ging wieder ein heiteres Lächeln, aber er schwieg, nur schien es dem Mann, als sei dieses Schweigen beredter als alles, was der Mönch bisher gesprochen hatte. Der Mann wandte die Augen ab und sah in den Garten hinaus, und auf einmal spürte er, dass es hier drinnen völlig windstill war; kein Halm schwankte, kein Blatt bewegte sich, kein Zweig schaukelte im Lufthauch. Die Vögel saßen regungslos in den Büschen. Man meinte das Sonnenlicht lautlos und inständig über die Mauern des Kreuzganges herunterströmen und im Boden versickern zu hören. Es war, als habe er ein neues Sinnesorgan erhalten, ein Gehör für die Lautlosigkeit.

Eine Weile spürte er noch, wie der Atem seinen Körper durchflutete, steigend, sinkend und steigend. Dann hörte auch das auf, ja, recht eigentlich hörte es auf, wie auch alles im Garten, und besonders der Mönch, aufgehört, aufgehorcht hatte. Der Mann war selbst ganz und gar ein regungslos, lautlos, atemlos Horchender geworden. Er bemerkte zum erstenmal, dass die Lautlosigkeit einen eigentümlichen Klang hatte. Natürlich war das Wort „Klang“ für etwas Lautloses unangebracht, wie aber sollte er seinen Eindruck dem Gedächtnis anders einprägen als mit Worten. Obwohl sich das alles nicht wörtlich fassen ließ. Er begriff nun, dass der Mönch vorhin nicht davon hatte reden wollen, darum hatte er davon geschwiegen.

Zeit verging, verging und kam wieder nach einer Weile, als der Duft der Rosen dem Mann so deutlich zu Bewusstsein kam, dass er sogleich feststellte: Die Luft bewegt sich jetzt wieder, sie hat den Duft der Rosen zu mir herübergetragen. Ohne eine Luft, die sich bewegte, gäbe es diese Erfahrung meiner Sinne nicht, die wenigen Schritte, die mich von dem Rosenstrauch trennen, würden zu einer für den Duft unüberbrückbaren Entfernung. Der Wind ist es, der ihn mir herüberweht. Ich muss nun auch wieder auf meinen Fragen bestehen. Jetzt bebte ein Halm unter dem Abflug einer Mücke. Ein Tropfen lief einen Zweig entlang und fiel mit leisem Klingen in eine Wasserlache. Ein Sperling flatterte auf, und der Wind durchblätterte das Laub.

Der Mann fühlte sich leicht und leer wie ein Boot, dem eine Brise ins Segel haucht. Er wollte nun doch noch eine Frage stellen, die er sich in seiner Wissbegier zurechtgelegt hatte: wieviel Mönche in dem Kloster lebten. Diese Frage aber war nun überflüssig geworden, er wusste bereits, dass ein solches Kloster nur für einen einzigen Menschen da ist; um einen Menschen baut es sich von selber auf und bildet alle notwendigen heiligen und profanen Räume, durch die der Geist des Einzelnen gehen muss.

So verbeugte er sich nur schweigend und ging dem Ausgang zu. Der Mönch folgte ihm höflich. Als sie das Tor erreichten, kamen dem Mann gleichsam alle Gedanken, die ihn bis ans Tor geführt hatten, wieder entgegen, besonders der Gedanke, den Mönch um Brot zu bitten, weil er sehr hungrig gewesen war. Zwar wies er diesen Gedanken lächelnd ab, er fühlte sich gesättigt und wunschlos; erst, als er schon aus dem Tor getreten war, sagte er doch noch gewohnheitsmäßig, wie er es auf seiner Wanderschaft automatisch vor fremden Türen tat: „Bitte um Brot!“

Der Mönch bückte sich, hob einen flachen Stein auf und reichte ihn dem Mann.

Dazu gehört Mut, dachte der Mann.

Er nahm den Stein aus der Hand des Mönchs entgegen und hielt ihn ehrfürchtig auf der flachen Hand. Das ist der Grundstein zu meinem eigenen Kloster, dachte er, es wird sich darauf bauen lassen. Dann machte er sich wieder auf den Weg. Als er sah, dass sein Weg immer tiefer in die Wildnis führte und keine Aussicht bestand, heute noch Brot und Dach zu finden, freute er sich darüber, dass er einen Stein bei sich hatte, auf den er sein Haupt betten konnte.

[Das Kloster von Jeannie Ebner (1918-2004),
bearbeitet von Heinrich Spaemann (1903-2001)
– ohne Quellenangabe]

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Etwas Schönes für Gott bauen – für tausend Jahre

„Our Lady of Clear Creek Abbey“

Dieses Kloster in Oklahoma (Diözese Tulsa, USA) ist eine benediktinische Gemeinschaft, die zur Kongregation von Solesmes gehört und, wie andere Klöster dieses benediktinischen Verbandes, auf das monastische und kontemplative Leben ausgerichtet.

Über die Geschichte der Abtei
Unserer Lieben Frau von Clear Creek

In den 1970er Jahren eröffneten drei Professoren an der „University of Kansas“ mit einem Stipendium des „National Endowment for the Humanities“ ein „Great Books-Program“ (Pearson Integrated Humanities Program oder PHIP). Einige der Studenten die sich diesem Studium der westlichen Zivilisation und dem damit einhergehenden „Staunen und Streben nach Wahrheit“ unterwarfen, konvertierten zum katholischen Glauben. Bekannte Absolventen haben in der Kirche wichtige Positionen erreicht. Unter ihnen befinden sich Persönlichkeiten wie Bischof James Conley (Diözese Lincoln, Nebraska), Erzbischof Paul Coakley (Erzdiözese Oklahoma City , Oklahoma) und Dr. Robert Carlson (Mitbegründer des Wyoming Catholic College).

Auch die späteren Gründungsmönche von Clear Creek waren Schüler dieses Studienganges. Um Genaueres über das klösterliche Leben zu erfahren reisten sie nach Frankreich und besuchten die Abtei Notre-Dame de Fontgombault. In der Folge dieser eindrucksvollen Erlebnisse traten einige in das Noviziat ein, – ganz in der Hoffnung, eines Tages Teil einer neuen klösterlichen Gründung in den USA zu sein.

Die nordamerikanischen Mönche stellten fest, dass es in ihrem Kloster in Frankreich so viele Berufungen gab, und Fontgombault darum neue Klöster gründen musste. Im Jahr 1998 wurde ein geeignetes Anwesen gefunden, wo die Gründung erfolgen sollte.

Die Mönche von Fontgombault sprachen sich für eine Gründung aus und am Fest Mariä Himmelfahrt 1998 wurde ein Vertrag zwischen dem Abt von Fontgombault und dem Bischof von Tulsa unterzeichnet, der besagt, dass das Bistum das entstehende Kloster formell anerkennt.

Die ersten Gebäude wurden 1999 errichtet. Aus einem ehemaligen Pferdestall wurden Klosterzellen und aus Scheune die erste Kapelle. Dank einer großen Spende aus dem Jahr 2009 konnte der Plan für den Bau einer Klosterkirche vorangetrieben werden.

Clear Creek – Kloster im Bau; li. Die früheren Gebäude der Ranch und erstem Kloster

Heute ist „Our Lady of Clear Creek“ als Kloster, welches im Jahr 2000 zum einfachen Priorat und 2010 zur Abtei erhoben wurde, zwar noch immer im Bau, aber in Bezug auf die Qualität des monastischen Lebens der Mönche und ihrer Pflege der traditionellen Liturgie ein wirkliches Herzstück des Katholizismus in den USA.

Clear Creek  – Prozession an Fronleichnam

Dom Philip Anderson ist der Abt der Abtei Unserer Lieben Frau von der Verkündigung von Clear Creek. Mit ihm gehören knapp 60 Mönche zur Abtei. In Stille und Einsamkeit, in ständigem Gebet und bereitwilliger Buße führen sie ein in Gott verborgenes Leben nach der Regel des heiligen Benedikt.

Clear Creek – Kardinal Müller und die Kommunität 2021

Die Abtei liegt etwa 45 Meilen östlich von Tulsa und ist Teil der Diözese Tulsa. Es gibt ein Gästehaus, in dem Besucher kürzer oder länger verweilen können.

Our Lady of Clear Creek Abbey
5804 W Monastery Road
Hulbert, OK 74441-5698
https://clearcreekmonks.org/

VIDEO

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Wunden salben

Denn der Hirt muss scharfsichtig zum Tadeln
und milde zur Barmherzigkeit sein.
Er soll vollkommen zuschlagen,
um alle Kraft der Krankheit vollkommen zu durchbohren;
er soll vollkommen mit Barmherzigkeit salben,
um die Wunden, die er schlägt, zu heilen.
Denn wenn er weniger heftig als erforderlich schlägt,
dann bringt er den verborgenen Eiter nicht heraus.
Und wenn er heftig schlägt und nicht reichlich salbt,
dann bringt er den Geschlagenen durch Strenge um
und macht ihn nicht wieder gesund.
Gregorius Magnus

(J. Stöhr: Brüderliche Zurechtweisung, EOS 1989)

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Begegnung mit Pater Winfried Leipold, einen Kamaldulenser-Eremiten

Pater Winfried Leipold ist unerwartet am Mittwochabend der Osteroktav, am 20. April 2022, gestorben. Don Winfrido, wie er in seinem Orden genannt wurde, war der einzige aus Deutschland stammende Mönch der Kongregation von Monte Corona im Orden der Kamaldulenser-Eremiten.
Winfried Leipold wurde am 21. Mai 1939 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur war er Trappist und Kartäuser. Bei den Kamaldulensern von Monte Corona ist er am 2. September 1972 eingetreten.
Einfache Profeß an Maria Geburt, am 8. September 1974.
Ewige am gleichen Marienfesttag 1977.
Priesterweihe Allerheiligen 1980.
Don Winfrido“ war viele Jahre Prior in Monte Rua („Eremo Camaldolese di Monte Rua“ in der Nähe von Padua), danach eine Periode lang Oberer der Kongregation der Kamaldulenser-Eremiten von Monte Corona im Generalhaus der Kongregation (Sacro Eremo Tuscolano) in Frascati. 1995 wurde er Prior des Klosters „Eremo Di San Girolamo, Monte Cucco“, anschließend Novizenmeister in Frascati und später wieder Prior in Monte Rua. Seit 2019 lebte Don Winfrido wieder in Frascati, wo er zuletzt noch als Visitator tätig war.

Don Winfrido 2017 (Foto privat)

Vor vielen Jahren besuchte Freddy Derwahl (*1946), belgischer Journalist und Buchautor, den aus Deutschland stammenden Kamaldulesermönch Pater Winfried Leipold, der zu jener Zeit Prior der Kamaldulenser-Einsiedelei von Monte Rua war:

Das Taxi aus Padua musste im Berg oberhalb von Torreglia umkehren, die Pforte ist nur zu Fuß erreichbar. Dann die graue Mauer und ein langer Glockenstrang, man zögert, die Stille zu unterbrechen. Lange muss man im Schatten strenger Heiligenfiguren an der Klosterpforte warten. Plötzlich Schritte auf dem Hofpflaster, das Gerassel von Schlüsseln. Als sich die Türe öffnet, sehe ich zunächst einen langen, rötlich-schwarzen Bart. „Kommen Sie, kommen Sie“, sagt der Mönch in deutscher Sprache, „Sie werden schon erwartet“. Dann führt er mich in eine geräumige Klosterküche, wo ein alter Bruder Holzscheite im offenen Feuer wendet. Zuerst muss ich essen, der Bruder besteht darauf, tischt am Nachmittag reihum die besten Gerichte dieser „cucina rusticana“ auf, schiebt Käse hinzu, schüttet Wein nach, zaubert schließlich eine verstaubte Grappaflasche hervor und pocht darauf, dass dies alles notwendig und auch ratsam sei, eine Henkersmahlzeit sozusagen, eine letzte Wegzehrung vor dem einstweiligen Abschied von der Welt …

[…] Zur Komplet sehe ich zum ersten Mal die Eremiten. Im Chor stehend die bärtigen Mönche in ihren kurzen Kapuzenmänteln aus weißer Wolle über dem Habit. Vor dem Altartisch knien vier betagte Brüder, die etwas Unzertrennliches haben. Immer sieht man sie zu den Gebetszeiten in dieser wartenden, geduckten Position. Die Rosenkränze in ihren schweren Arbeiterhänden, während die Mönche mit rauhen Stimmen Psalm für Psalm rezitieren. […]

Die Aprilnächte sind empfindlich kühl hier oben. Als ich in mein Häuschen zurückkehre, hat jemand in dem kleinen Terracotta-Ofen bereits ein Feuer angezündet. Wild prasseln die Flammen in den roten Steinen. Die Zelle ist eremitisch: ein Bett, ein Tisch, ein Fenster zum Garten, das andere hinaus auf die schwarze Kette der Berge. Nebenan eine winzige Hauskapelle mit einem Altar, man könnte die Messe lesen. Jenseits des Flurs, Waschbecken und Toilette, Werkzeug und hoch aufgestapeltes Holz. Alles sauber, gut besorgt. Mehr braucht man nicht. Zu den Essenszeiten stellt ein Bruder, den man kaum zu Gesicht bekommt, ein Henkelgeschirr mit etwas Suppe, Teigwaren, Brot und Früchte aufs Fensterbrett. Auch gibt es Weißwein, man braucht den Krug nur nach draußen zu stellen.

In den Gesprächen mit dem Gastpater und dem Prior wird gleich klar, dass es in solche Reservate wohl nur eine bestimmte Spezies zieht. […]

Pater Winfried, der Prior, verbindet hessische Daseinsfreude mit dem Sinn für strikte Observanzen. Hier oben, zwischen den Weinstöcken des Veneto und der lateinischen Schwermut der Zypressen, ist er eine völlig überraschende Erscheinung. Während seine Frankfurter Altersgenossen für „Ho-Ho-Ho Chi Minh“ und gegen die „Startbahn West“ auf die Straße zogen, suchte er ganz andere Orientierungen, einen noch „ferneren Osten“. Von einem wohlmeinenden Priester ursprünglich zu den Trappisten geleitet, verbrachte er einige Jahre in der Abtei Tegelen. Als in den Konzilsstürmen die niederländische Kirche in Turbulenzen geriet und innerhalb der Klausur ein Schwimmbad (!) angelegt wurde, ergriff er die Flucht und bat bei den Kartäusern […] um Aufnahme. Es war eine gute Zeit, doch wurde er zur ewigen Profess nicht zugelassen. Blieben schließlich für seine strengen Ambitionen die Kamaldulenser-Eremiten, die sich nicht nur seiner erbarmten, sondern ihn später auch zum Prior und Ordensgeneral wählten.

Ich habe Pater Winfried sehr ins Herz geschlossen. Er ist ein Mann diskreter, väterlicher Sorge. Noch bevor ich Jahre nach unserer ersten Begegnung im Frühjahr 1999 seinen Rat brauchte, hat er sich bereits nach mir erkundigt. Selbstverständlich war ich in seiner neuen Bleibe, dem umbrischen Eremo San Girolamo, gleich hoch willkommen. Eben erst vom Generalkapitel aus Frascati heimgekehrt, eilte er noch vor der Vesper zum Bahnhof von Fabriano, um mich abzuholen. Kaum älter geworden, steuerte er den kleinen Jeep durch die Dörfer. Zu meiner Bemerkung, es werde immer einsamer, grinste er nur, ich werde mich wohl noch wundern. Dann hält er in der Nähe des Örtchens Pascelupo an und zeigt zur Linken auf den Monte Cucco. Jenseits eines Wildbaches aufstrebender dichter Wald, darüber dramatische Felsen, zerklüftet, abweisend. Er fordert mich auf, seiner Hand zu folgen und ganz oben, neben dem weißen Gischtstreifen eines riesigen Wasserfalls, klebt das Eremo wie ein Adlerhorst. Aus Tibet oder vom Athos kennt man solche Felsenklöster. San Girolamo wirkt kleiner, aber entrückter, verwegener, unheimlicher. Das Yeti, der Schneemensch, oder Graf Dracula könnten da hausen. Wer sich dahin vorwagt, braucht eine spezielle Art von Humor.

Schon für die Auffahrt in dieses Genist bedarf es des Gottvertrauens. Hin und her rüttelt der Allradjeep, die Sturzbäche des sich hier oben nur zögernd zurückziehenden Winters haben in dem Dreckweg tiefe Furchen hinterlassen. Doch immer dann, wenn ich denke, es sei das Ende der Fahnenstange, ab hier gehe es per pedes weiter hinauf, entdeckt mein kontemplativer Chauffeur noch einen schmalen Übergang oder einen rettenden Felsbrocken, über den er die Reifen steuert. Er scheint diese steil ansteigende Geisterbahn auswendig zu kennen, beugt sich schmunzelnd über Abgründe, setzt überraschend zurück, um neue Anläufe zu nehmen. Der Motor heult auf, als schrecke selbst das Gefährt vor dieser Direttissima zurück. Rechts und links im lichter werdenden Wald fallen kleinere und größere Felsbrocken auf, manche haben ganze Schneisen gerissen. Pater Winfried erläutert, das seien die Reste des Erdbebens, das letztes Jahr die gesamte Region erschüttert habe. „Manchmal finde ich so ein Ding morgens im Garten“, berichtet er, „doch keine Sorge, das letzte Mal, dass ein Mönch vom Steinschlag tödlich getroffen wurde, das war vor 600 Jahren“. In der Tat, ein tröstendes Wort.

Endlich oben angelangt, erweist sich das vermeintliche Nest als eine feste Burg. Streng und kompakt klebt sie am Fels. Mehr als für eine Handvoll Eremiten ist nicht Platz, aber es herrscht eine wohltuende architektonische Ökonomie. Alles ist klein und übersichtlich, aber nichts eng oder gewagt. Die Zellen umfassen einen Flur, der im Winter auch zum Auf- und Abgehen dient, eine Toilette mit Dusche und Waschbecken, sowie den eigentlichen Wohn-, Schlaf- und Gebetsraum. Weiße Wände, Holzfußboden, ein kleiner Ofen, in dem die Flammen züngeln, ein Tisch zum großen Fenster. Gleich berührt die einfache und warme Atmosphäre; drüben hinter den Bergen von Pascelupo, dem „Pfad der Wölfe“, geht die Märzsonne unter. Das stürzende Wasser rumort im Tal, noch liegt goldenes Licht auf den dichten Wäldern, die sich bis zur Schneegrenze erstrecken. Es ist eine großartige, einmalige Lage, fast verführerisch. Hier möchte man bleiben.

Später stehe ich im Chor der winzigen Kirche. Neben dem Prior umfasst die Gemeinschaft von San Girolamo zwei weitere Einsiedler: einen ehemaligen italienischen Trappisten und einen alten, spät berufenen Puerto-Ricaner; für viel mehr wäre auch kein Platz. Nach dem Glockenzeichen rezitieren wir die Abendpsalmen auf Italienisch. Es ist so kalt, dass der Hauch des Atems sogleich gefriert; im Weihwasserbecken klebt ein Stück Eis. Das Stundengebet endet mit Fürbitten für die Welt. Selten erschien sie so fern, aber die Anliegen sind sehr konkret: Krieg im nahen Ex-Jugoslawien, innere und äußere Katastrophen, Krankheit und Tod, das Leid scheiternder Menschen.

Pater Winfried stellt mir das Essen nach einem kurzen Klopfzeichen in den Flur. Es ist wieder jenes Henkelgeschirr, schlichter und praktischer geht es nicht. Sonderbar, jetzt allein zu essen. Am Fenster steht schon die Nacht, weit in der Ferne funkeln einige Lichter. Die Zelle erhält eine andere Dimension, wird enger, nur das Feuer leistet Gesellschaft. Schwierig, jetzt Schlaf zu finden. Kurz vor vier geht die Glocke zum ersten Mal. Das Wasser ist so eisig, dass es schmerzt. Der bärtige Puerto-Ricaner steht aufrecht am Glockenstrang, dann erfolgen drei kurze Schläge zum Angelus und in schneidender Kälte beginnt die Vigil. Das sind unromantische Nächte.

Zu besichtigen gibt es in diesem Felsennest nicht viel. Der Prior führt durch die Keller, wo mächtige Fundamente und Stützmauern aufstreben. Der Orden hat das historische Gebäude auf schwierigen Umwegen von zahlreichen Erben zurückerwerben müssen und von Grund auf renoviert. An der Felswand entlang schlängelt sich ein schmaler Pfad hinauf zum Wasserfall. Es sind scharfe Extreme, an die man hier herantritt. […]

(Die vorstehenden Ausschnitte entstammen dem Essay „Am Pfad der Wölfe“ und durfte mit der Erlaubnis des Autors hier abgedruckt werden. Original: Freddy Derwahl, Eremiten. Die Abenteuer der Einsamkeit, Pattloch-V. 2000)

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Dom Jean-Baptiste Muard

Am 13. Dezember 1839 notiert Jean-Baptiste Muard:

„Ich befand mich zur Mittagszeit in meinem Gestühl neben dem Altar. Ich bat Gott, mir seinen Willen kundzutun und es schien mir, dass Gott mir nach drei oder vier Wiederholungen meiner Bitte, sagte: ,lch will, dass du ein Heiliger bist‘ und ich bat ihn um die Gnade, zu der Heiligkeit zu gelangen, die er von mir erwartete. Da fand ich mich gleichsam im Geist auf die Mitte des Altars versetzt. Ich sah, dass sich der Tabernakel öffnete und mir der Herr auf halbem Weg entgegenkam und mir mit dem Zeigefinger seiner Rechten ein Kreuz auf die Stirn machte. Mit derselben Hand machte er mir ein Kreuz auf mein Herz und ein Kreuz auf den Mund.“

Jean-Baptiste Muard wurde am 24. April 1809 geboren und am 24. Mai 1834 zum Priester geweiht. 1839 hat er vor dem Tabernakel eine Vision und schließt sich einer Priestergemeinschaft an. Erstmals begegnet er Jean Maria Vianney, dem späteren heiligen Pfarrer von Ars. 1845 folgt in der Nähe der Abtei Pontigny eine zweite Vision, die ihn veranlasst, einen neuen Orden der Armut, Demut und Abtötung zu gründen. Drei Jahre später reist er nach Rom und Subiaco und entdeckt die Regel des heiligen Benedikt (regula benedicti). Danach wird er Novize bei den Trappisten zu Aiguebelle.

Am 2. Juli 1850 gründet er mit vier Brüdern das Kloster La Pierre-qui-Vire, – „eine Wüste Thebais in den Wäldern“. Die Einsiedelei, in die sich der Mönch zurückzog, ist erhalten geblieben: ein an einem Felsen errichtete Hütte mit Strohdach, einem Schafstall gleichend. Die harte Arbeit bei Brot und Wasser und die bis ins Detail befolgte strenge Ordensregel mit Buße und Nachtwachen fordern bald ihren Tribut. Jean-Baptiste Muard starb am 19. Juni 1854.

Dom Jean-Baptiste Muard (1809-1854)

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Die Bernhardinerinnen von Esquermes

Bernhardinerinnen sind heute eine eigene Kongregation (Zweig) des Zisterzienserordens. In der Frühzeit der Zisterzienser wurden die Nonnen des Ordens, da sie dem heiligen Bernhard folgen wollte, oft Bernhardinerinnen genannt.

Die nordfranzösischen Nonnen-Abteien Notre Dame de la Brayelle in Annay (1196), Notre Dame de la Woestine in St. Omer (1217) und Notre Dame des Près in Douai (1221) waren drei Zisterzienserinnenklöster für Frauen in Flandern in Frankreich. Wie alle Klöster des Landes wurden auch diese Abteien mit der Französischen Revolution 1789 aufgelöst und die Mitglieder zerstreut.

Drei Nonnen aus jeder der oben genannten Abteien trafen sich nach der Revolution mit dem einzigen Ziel, ihr klösterliches Leben als Zisterzienserinnen wieder aufzunehmen. Nach vielen Jahren im Exil und auf Reisen von Ort zu Ort konnte sich schließlich eine neu gebildete Gemeinschaft in dem kleinen Dorf Esquermes in der Nähe von Lille niederlassen, wo sie 1827 offiziell anerkannt wurde.

1936 wurde zunächst eine geistliche und informelle Verbindung zu den „Zisterziensern der strikten Observanz“ (Trappisten) hergestellt. Im Jahr 1955 wurden die Bernhardinerinnen von Esquermes offiziell als Kongregation im Orden der Zisterzienser mit feierlichen Gelübden anerkannt: „Ordo Monialium Cisterciensium Bernardinarum de Esquermes“.

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Aus dem Orden der Kongregation der Bernhardinerinnen von Esquermes verstarb am Fest der unbefleckten Empfängnis, dem 8. Dezember 2021, im Alter von 99 Jahren Schwester Marie-Helene.

Nach einem ausgezeichneten Studium in Mathematik, Physik und Chemie trat sie in den Karmel ein. Obwohl sie dort sehr glücklich war, erlaubt es ihre angegriffene Gesundheit nicht, Profess ablegen zu können. Man rät ihr zum Übertritt zu den Bernhardinerinnen.

In dem neuen Orden fühlt sie sich wohl. Ihre Persönlichkeit wie ihre Studien lenken die Aufmerksamkeit der Oberen auf sie. In den Gemeinschaften und im Orden werden ihr verschiedene Verantwortlichkeiten anvertraut. U. a. wirkt sie als Lehrerin in Lille und in Cambrai, wo sie Direktorin wird. Etwa zwanzig Jahre ist sie Generalökonomin und Generalpriorin in Péruwelz (Belgien) und später im Kloster „Monastère N.­D. de la Plaine„.

Das lange Leben von Schwester Marie-Helene verlief dennoch in großer Einfachheit, in der totalen Hingabe ihrer selbst an die Gemeinschaften, in denen sie lebte. Sie war zurückhaltend und diskret, aufmerksam für jeden. Sie zeichnete sich auch durch eine freudige, schnelle und effiziente Dienstbarkeit aus.

Es wird berichtet, dass Schwester Marie-Helene eine Beterin gewesen sei. Früh morgens sah man sie als Erste in der Kirche; hier war sie vor und bei den Gottesdiensten des Tages in ein tiefes Gebet eingetaucht.

Friedlich und schweigsam schuf sie durch ihre Anwesenheit eine heitere Atmosphäre um sich herum. Ihr feiner Humor, der von einem guten Urteilsvermögen und einem richtigen Blick geprägt war, sorgte für Distanz bei den kleinen Reibereien des Alltags und den Unwägbarkeiten des Alters. Man liebte ihre diskrete und intensive Präsenz. Sie diente der Gemeinschaft fast bis zu ihrem Ende; sie legte Wert darauf, die Dienste zu leisten, die ihre völlig zusammengekrümmten Hände ihr noch erlaubten.

Erst durch einen Sturz ein Jahr vor ihrem Tod wurde sie plötzlich völlig von anderen abhängig. Ohne zu klagen akzeptierte sie ihren neuen Zustand. Es schien ihr nichts auszumachen.

Schwester Marie-Helene starb diskret und friedlich im 70. Jahr ihrer klösterlichen Profess, am Tag der Unbefleckten Empfängnis Mariens, zu der sie stets fleißig betete.
Der zum Schmunzeln einladende schöne Spruch auf der Benachrichtigung des Todes der fast hundertjährigen Schwester Marie-Helene lautet:

„Ich hüpfe vor Freude in dem Herrn,
meine Seele jubelt in meinem Gott.“
(Jes 61,10)

Schwester Marie-Helene möge ruhen in Frieden!

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Eine Eremitin erzählt

Ist es erstaunlich, dass ein Video mit dem Titel
Eine deutsche Eremitin erzählt von ihren unglaublichen Erfahrungen
ein halbes Jahr, nachdem es bei youtube eingestellt wurde,
über 400 000 mal aufgerufen worden ist?

„Was machen Sie mit langen Abenden – ohne Fernseher? Geht das denn so einsam?!“
„Es geht allein“, sagt sie lächelnd.

„Ein Mensch, der nicht schweigen kann, kann nicht hören.“

„Ein Mensch der nicht schweigen kann, der es nicht gelernt hat, der kann eigentlich auch nicht hören und wird kaum dieses Anliegen, was der andere hinter und zwischen seinen Worten hat, heraushören.“

„Ruhig und sicher spricht die Eremitin, ohne Pathos, ihre klaren tiefen Augen taxieren den neugierigen Besucher nicht, sie schauen ihn an, der zufriedene Mund zuckt nicht urteilend, er wartet auf sorgsam durchdachte Worte.“

„Wenn man anfängt zu schweigen, werden die Gedanken im Kopf lauter und klarer, und man merkt, daß auch die Dinge Stimmen haben. Erst wenn man auch diese Töne im Kopf zum Schweigen gebracht hat, ist man offen für das, was Menschen sagen können.“

„Gute Musik mit Arvo Pärt.“

„Eremiten sind die Gottessucher, bei den Russen gelten sie als heilig.“

Ein Film von Norbert Busè:
Eine deutsche Eremitin erzählt von ihren unglaublichen Erfahrungen.