Heiliger Johannes von Capistran – 23. Oktober

Johann, zu Capistrano im südlichen Neapel 1386 geboren, war der Sohn eines deutschen Edelmannes und genoß eine sehr sorgfältige, seinen ungewöhnlichen Geistesgaben angemessene Erziehung. Auf der Hochschule zu Perugia studierte er die kirchliche und bürgerliche Rechtswissenschaft und erwarb sich sich mit Auszeichnung die Doktorwürde. Ladislaus, König von Neapel, wandte dem jungen Advokaten seine besondere Gunst zu und ernannte ihn zum Richter in Perugia, welche Stadt er dem Papst weggenommen hatte. Johann erregte Aufsehen durch seine weise Klugheit und strenge Gerechtigkeitsliebe, die jedoch der Güte und Milde nicht entbehrte. Einer der vornehmsten reichsten Bürger der Stadt verlobte ihm seine einzige Tochter, aber die Hochzeit kam durch göttliche Fügung nicht zu Stande. Denn zu eben jener Zeit empörte sich Perugia gegen Ladislaus, um wieder unter dem Krummstab des Papstes zu wohnen. Johann, als treuer Diener des Königs, wollte mit den Feinden vermitteln, wurde aber von der Gegenpartei gefangen und in einen festen Turm geworfen, wo er mehrere Monate in Finsternis und Elend schmachtete. Seine Hoffnung, Ladislaus werde ihn befreien, war vergeblich. Da gab ihm die Verzweiflung Kraft, auszubrechen; allein weil er sich der Fußkette nicht zu entledigen vermochte, wurde er wieder eingefangen und grausam behandelt. Im Dunkel des Kerkers, im Lichte der Gnade sah er klar, daß es besser sei, auf Gott zu vertrauen als auf die Fürsten, daß die irdischen Hoffnungen, die zeitlichen Güter und die Gunst der Menschen nur eitles Schäumen und Träumen, daß er zum Dienst des ewigen Königs berufen sei. Solche Gedanken und eifriges Gebet zum Allmächtigen reiften in ihm den Entschluss, in den Orden des seraphischen Franziskus zu treten.

Um den Preis von 160 000 Franken erkaufte sich Johann die Freiheit, verteilte den letzten Rest seines Vermögens unter die Armen und bat – dreißig Jahre alt – um das Ordenskleid im Kloster bei Perugia; aber erst nach strengen Proben seiner Demut, erlangte er Aufnahme. Mit erstaunlicher Opferwilligkeit widmete er sich dem klösterlichen Beruf, eilte im Fasten und Wachen, im Gebets- und Bußeifer den Meisten voran, machte unter seinem Lehrer, dem hl. Bernhardinus (s. 20. Mai), in der Theologie wunderbare Fortschritte und empfing 1420 die Priesterweihe.

Die Obern übertrugen ihm das Amt eines Buß- und Fastenpredigers, das er fast vierzig Jahre lang in den meisten Ländern Europa`s bei Gläubigen, Irr- und Ungläubigen mit unbeschreiblichem Segen, aber auch mit unsäglicher Selbstaufopferung verwaltete. Von Capistrano bis Trient in Tirol werden wenige italienische Städte sein, in deren seine gewaltige Stimme nicht erscholl. Wo er – klein von Gestalt, bleich von Angesicht, abgezehrt wie ein dem Grabe Entstiegener – auf der Kanzel den Volksmassen sich zeigte und seine Stimme erscholl, da blieb kein Auge trocken, kein Herz ungerührt. Seine Predigten bewirkten nicht bloß, daß die Leute bußfertig sich mit Gott und den Mitmenschen aussöhnten und ihr Leben gründlich besserten, sondern daß sie auch an vielen Orten Spitäler, Armenhäuser, Klöster und andere wohltätige Stiftungen mit rührender Freigebigkeit errichteten. Der Zudrang des Volkes war so groß, daß selten ein Dom die Menge zu fassen vermochte und ihre Zahl bisweilen auf 80000 – 100000 stieg. Des außerordentlichen Ansehens und der gotterleuchteten Weisheit dieses Bettelmönches bedienten sich die Päpste Martin V. und Eugen VI., um durch ihn das damalige Sektenwesen der Fraticelli (Fraticellen) auszurotten, wichtige Geschäfte an den Höfen von Frankreich, Burgund, Savoyen und in verschiedenen Staaten Italiens zu erledigen. Gleichzeitig förderte er in seinem Orden die gelehrten Studien, die genaue Beobachtung der heiligen Regel und erzielte durch sein sechsjähriges unverdrossenes Arbeiten die Heiligsprechung seines teuren Lehrers Bernhardinus.

In Folge der Überanstrengung und der verpesteten Luft erkrankte Johann und wurde nach Illok in bessere Verpflegung gebracht. Ungarns König Ladislaus kam von Wien an sein Krankenbett, um das teure Leben noch länger zu erhalten; aber der König des Himmels holte ihn ab in die ewige Ruhe am 23. Oktober 1456. Die Trauer war allgemein: alle Städte Deutschlands und Italiens, wo er gepredigt, hielten ihm Totenämter, Ungarn ehrte ihn als einen Heiligen und wallfahrtete zu seinem Grabe, wo zahlreiche Wunder geschahen. Papst Leo X. gestattete sofort seine Verehrung zu Capistrano, Alexander VIII. kanonisierte ihn 1690, jedoch erst Benedikt XIII. veröffentlichte 1724 die Bulle seiner Heiligsprechung. –

(aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881; 787-790)

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Unsere Liebe für die Kirche gestehen

Jeden Tag lobpreist unsere Seele und bewundert dieses unverdiente Geschenk, der Kirche dienen und sie lieben zu dürfen. Vor diesem Geheimnis verkünden wir mit dem heiligen Augustinus:

»O Geheimnis der Güte,
o Zeichen der Einheit,
o Band der Liebe!
Wer nach Leben verlangt,
findet hier, wo er lebe,
findet hier, wovon er lebe.
Er trete hinzu, er glaube,
er lasse sich einverleiben,
auf dass er mit Leben erfüllt werde.«

Wir wollen uns distanzieren von allem dem, was die Einheit der Kirche verletzen könnte. Die Streitereien, die politischen Manöver, die Machtspiele, die ideologischen Manipulationen und die Kritiken nützen dem Teufel, dem Entzweier, dem Vater der Lüge.

Einzig unsere Liebe zur Kirche hat uns dazu gebracht, für Euch zur Feder zu greifen.

Die Worte des heiligen Paulus hallen wie eine feierliche
Mahnung an alle Bischöfe:
»Ich beschwöre dich
bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden
Richter der Lebenden und der Toten […]. Verkünde das
Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe,
weise zurecht, ermahne, in aller Geduld und Belehrung!
Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die
gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen
Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln;
und man wird von der Wahrheit das Ohr abwenden,
sich dagegen Fabeleien zuwenden.« (2 T im 4,1-4).

Wir erleben diese schwierigen und trüben Zeiten in Traurigkeit und Schmerz. Es gehörte zu unserer heiligen Pflicht, an die Wahrheit des katholischen Priestertums zu erinnern. Denn mit ihm wird die ganze Schönheit der Kirche infrage gestellt. Die Kirche ist keine bloß menschliche Organisation. Sie ist ein Mysterium. Sie ist die mystische Braut Christi. Das ist, woran unser priesterlicher Zölibat die Welt unaufhörlich erinnert.

Kardinal Robert Sarah. Aus der Tiefe des Herzens. 147

Siehe HIER

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In diesen Zeiten: Geistliche Kommunion

Wegen der Ansteckung durch das Coronavirus sollten die Gläubigen, die an der klassischen Römischen Liturgie teilnehmen aufgefordert werden, nicht zur Kommunion zu gehen, und auf die alte Praxis der geistlichen Kommunion hingewiesen werden.

Das gilt auch für die Gläubigen, die an Messfeiern in der ordentlichen Form des römischen Ritus teilnehmen.

Für die Pastoral ist dies eine günstige Gelegenheit, in Predigt und Katechese den Sinn der geistlichen Kommunion in Erinnerung zu rufen.

Dr. Gero P. Weishaupt

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Die Fastenzeit

„Die Kirche weiß, dass der Mensch ohne Entsagung nicht bestehen und auf dem Wege des Guten bleiben kann. Deswegen hat sie ein regelmäßiges Opfergebot eingesetzt, nämlich das Fastengebot.

In Zeiten, in denen die Kirche weniger nachgiebig war als heute, hat das Fastengebot einen großen Umfang gehabt.

Da war zunächst einmal die große Fastenzeit von Aschermittwoch bis Karsamstag. Vierzig Tage lang durfte der Christ sich nur einmal täglich sättigen.

Zu der großen Fastenzeit kamen die vier kleinen Fastenzeiten, nämlich an den Quatembertagen. Viermal im Jahre waren der Mittwoch, der Freitag und der Samstag Fasttage.

Zu diesen beiden Zeiten kamen die Vigiltage. Fünf Tage, die als Vortage von großen Festen gehalten wurden, waren Fasttage. Vigil – Vortag – von Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Maria Himmelfahrt und Allerheiligen.

Beim Fasten unterscheidet die Kirche zwei Arten, das Abbruchsfasten und das Enthaltungsfasten.

Das Enthaltungsfasten besteht darin, dass man auf Fleisch verzichtet, nicht weil das Fleisch böse ist, sondern weil wir die Enthaltung brauchen, um uns zu zögeln, um der Esslust eine Schranke zu setzen. Wer sich im Essen nicht beherrschen kann, der kann sich gewöhnlich auch auf anderen Gebieten nicht beherrschen.

Deswegen hat die Kirche das Freitagsgebot eingeführt, Freitag deswegen, weil dieser Tag der Sterbetag unseres Herrn ist. Wir sollen da nicht nur an sein Leiden denken, wir sollen auch sein Leiden üben, und das geschieht eben durch die Enthaltung von Fleisch.

Das ist ein wichtiges Kennzeichen des katholischen Christen.

Dazu kommt das Abbruchsfasten. Ich hatte eben die Zeiten genannt, die als Abbruchs-
Fastenzeiten galten. Sie sind eine Erinnerung.

Es ist fast unverständlich, dass die kirchlichen Autoritäten so nachgiebig sind, dass sie all diese gewichtigen und unerlasslichen Übungen haben fallen lassen.“

(Prälat Prof. Dr. Georg May)

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Ignatius von Antiochien – 1. Februar

„Vor den Irrlehrern muß man sich hüten wie vor bösen Hunden;
Christus ist der wahre Arzt.“

Ignatius von Antiochien (35 – 117) ist einer der ersten großen Heiligen der frühen Kirche. Zudem ist er der erste Schriftsteller der Kirche, der nicht jüdischer Herkunft war, sondern aus dem Heidentum stammte. Er ist ein Bindeglied zwischen den Aposteln und der nachapostolischen Zeit. Der Tradition nach wird er als ein Schüler des Apostels Johannes gesehen und hat auch andere Apostel noch persönlich gekannt.

Als dritter Bischof von Antiochien ist er ein Nachfolger des Apostels Petrus, der erster Bischof von Antiochien war, bevor er als Bischof von Rom das Petrusamt begründete. Ignatius hatte das Bischofsamt von Antiochien vom Jahr 70 bis zu seinem Martyrium im Jahr 107 inne.

Ignatius ist bekannt durch seine Briefe. Über die Zeit vor seiner Bischofsweihe wissen wir nicht viel. Eine Legende sieht in ihm das Kind, das Jesus in Mt 18,2 in die Mitte der Jünger stellte, um ihnen ein Beispiel zu geben, wer im Himmelreich der Größte sei. Ob Ignatius Jesus wirklich begegnet ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, er selbst spricht nicht davon. Über den hl. Ignatius berichtet uns der hl. Polykarp von Smyrna und vor allem Eusebius in seiner Kirchengeschichte.

Unter Kaiser Trajan wurde Ignatius festgenommen und zum Tierkampf in der Arena verurteilt. Während seiner Reise als Gefangener auf dem Weg nach Rom hat Ignatius sieben Briefe geschrieben, die uns erhalten geblieben sind. Von Smyrna aus schrieb Ignatius vier Briefe an die Gemeinden von Ephesus, Magnesia, Tralles und Rom. Später schickte Ignatius von Troas aus drei weitere Briefe ab, an die Gemeinden von Philadelphia und Smyrna und an Bischof Polykarp. Über seine Fahrt nach Rom schreibt Eusebius:

Aus Syrien wurde Ignatius nach Rom geschickt und wegen seines Zeugnisses für Christus den wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen. Während seiner Reise durch Kleinasien, unter strengster Bewachung, stärkte er in den einzelnen Städten, wo er haltmachte, durch Predigten und Mahnungen die Gemeinden, vor allem mahnte er sie inständig, sich vor den Häresien zu hüten, die sich damals zu verbreiten begannen. Und er legte ihnen dringend ans Herz, nicht von der Überlieferung der Apostel abzurücken.

Ignatius von Antiochien warnte vor der Irrlehrern.

Aus seinem Brief an die Epheser:

Es ist nämlich üblich geworden, daß einige in verwerflichem Truge zwar den (Christen-)Namen zur Schau tragen, aber andere Dinge tun, die Gottes unwürdig sind; diesen müßt ihr ausweichen wie wilden Tieren. Das sind nämlich wütende Hunde, die heimlich beißen; vor diesen müßt ihr euch hüten, da sie (ihre Bisse) schwer zu heilen sind.

„Einer ist der Arzt, fleischlich sowohl als geistig, geboren und ungeboren, im Fleische wandelnd ein Gott, im Tode wahrhaftiges Leben, sowohl aus Maria als aus Gott, zuerst leidensfähig, dann leidensunfähig, Jesus Christus unser Herr.“

Keiner soll daher euch verführen, wie ihr euch auch nicht verführen lasset; denn ihr gehöret ganz Gott. Wenn nämlich kein Streit bei euch eingedrungen ist, der euch quälen könnte, dann lebt ihr fürwahr Gott gemäß. Ein Sühnopfer für euch bin ich und werde auch geweiht für euch Epheser, die weitberühmte Kirche für ewige Zeiten.“

Lasset euch nicht irreführen, Brüder; die die Ehre eines Hauses schänden, werden das Reich Gottes nicht erben.

„Wenn nun Leute, die dem Fleische nach solches verübten, dem Tode verfallen sind, um wieviel mehr, wenn einer den Glauben Gottes durch schlechte Lehre schändet, für den Jesus Christus gekreuzigt worden ist? Wer sich dadurch befleckt hat, wird in das unauslöschliche Feuer wandern, ebenso der, welcher ihn hört.“

„Deshalb nahm der Herr Salbe auf sein Haupt, damit er der Kirche Unverweslichkeit zuwehe. Salbet euch daher nicht mit dem üblen Geruch der Lehre des Fürsten dieser Welt, damit er euch nicht aus dem zu erwartenden Leben weg in die Gefangenschaft führe.“

„Warum aber werden wir nicht alle (ohne Ausnahme) verständig, die wir doch die Kenntnis Gottes bekommen haben, das ist Jesus Christus? Warum gehen wir törichterweise verloren, da wir die Gnadengabe verkennen, die uns der Herr wahrhaft gesandt hat?

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Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971 – 2/7

Tausende verzichteten auf ihr Priestertum und ließen sich laisieren! Unter diesen Umständen sollte man die Schuld für den Bruch und die Verwüstung, die das Haus voll Glorie entstellt haben, nicht bei den 68ern suchen, die doch völlig kirchenfern sind, und auch nicht bei der fortschreitenden Säkularisierung, der die Kirche in den letzten Jahrhunderten als Stadt auf dem Berge und als Licht, das man nicht unter den Scheffel stellen darf, so eindrucksvoll widerstanden hat. Man sollte sie im Konzil selber suchen, und zwar nicht so sehr in den unklaren und mißverständlichen Texten, sondern in der neuen und in der Kirche bis dahin unbekannten Fortschrittsfreudigkeit und Begeisterung für die Einheit der Menschheit, die wie ein Rausch über seine Wortführer gekommen ist und vor allem in der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ faßbar ist.

Vor dem Hintergrund dieses gewaltigen geistesgeschichtlichen Dramas, das an Reinhold Schneiders Wort erinnert, daß der Kampf auf dieser Erde ein Nachhall des Kampfes der Geister in den Lüften ist, scheint der bienenfleißige Versuch von Joachim Schmiedl, Professor an der philosophisch-theologischen Hochschule in Vallendar, die Stellungnahmen der deutschen Bischöfe zum Konzil aus den kirchlichen Amtsblättern der damaligen Zeit zu eruieren, auf den ersten Blick verfehlt und von tantenhafter Betulichkeit zu sein. – [Joachim Schmiedl: Dieses Ende ist eher ein Anfang. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils durch die deutschen Bischöfe (1959-1971). Ferdinand Schöningh. Paderborn 2014]

Und doch ist die Arbeit aus »Kein geringerer als der Paderborner Erzbischof Lorenz Jäger verteidigte noch 1958 die lateinische Sprache als „Zeichen für die Einheit der Kirche“ und „Ausdruck unserer Ehrfurcht vor dem heiligen Geschehen im Gottesdienst“.« zwei Gründen sehr aufschlußreich, wenn man nur die Kunst beherrscht, zwischen den Zeilen zu lesen und ihnen […], was eher ungesagt blieb.

Zunächst einmal ist an das Wort Kardinal Sepers, des Vorgängers von Kardinal Ratzinger im Amt des Präfekten der Glaubenskongregation, zu erinnern, daß die Krise der Kirche eine solche der Bischöfe ist. Und in diesem Zusammenhang zeigen uns die Dokumente und Berichte, wie die Bischöfe, hin- und hergerissen zwischen tradierter Frömmigkeit und konziliarer Euphorie, zunächst teilweise warnend und zögernd auf die neuen Entwicklungen reagierten, um am Ende ahnungslos für das, was auf die Kirche zukam, vor dem Mainstream der Veränderung um jeden Preis immer mehr zu kapitulieren.

Sodann zeigen sie uns auch, daß es einfach nicht wahr ist, daß die Kirche schon vor dem Konzil so sehr am Boden gelegen und an Akzeptanz verloren hätte, daß das Aggiornamento und die ,Öffnung für die Welt‘ schließlich unausweichlich gewesen seien.

Die auf den ersten Blick seltsame Methode, die Krise der Kirche durch die quellenkritische Analyse von Amtsblättern aufzubereiten, führt den Verfasser zwischen Scylla und Charybdis. Schlaglichtartig tritt seine persönliche Einstellung in der Bemerkung zutage, daß in der medialen Öffentlichkeit die durch das Motu proprio „Summorum pontificum“ erweiterte Möglichkeit zur liturgischen Feier der alten Messe ein „weitgehend erschrockenes Echo“ hervorgerufen habe. Und doch sprechen die Aufweise eine andere Sprache und zeigen eine Kirche, die noch zu Beginn des Konzils weitgehend intakt war.

(Walter Hoeres: Widerspruchsvolle Bekenner – Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971, KIRCHLICHE UMSCHAU, Januar 2015)

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