Der Bote Gottes

(Mittwoch in der zweiten Adventswoche)

Betrachten wir, von wem diese Botschaft kommt, wer mit derselben beauftragt wurde, an wen sie gerichtet ist und welchen Inhalt sie hat. Gott selbst sendet seinen Erzengel, er, der Herr aller Dinge. Der Erzengel Gabriel ist einer der Ersten am Throne Gottes. Die Botschaft ist an Maria gerichtet, eine arme und unbekannte Jungfrau. Es geht um eine Angelegenheit, die die wichtigste aller Zeiten ist. Es geht um die Kunde, dass das Ewige Wort Mensch werden will, um uns alle zu erlösen, um die Kunde, dass Maria als die Gottesmutter auserkoren wurde. Der Engel sollte ferner bei dieser Botschaft erklären, dass er die Heilige Jungfrau um ihre Einwilligung fragen müsse.

O bewunderungswürdige Herablassung des Schöpfers! „Was ist der Mensch, mein Gott, dass Du seiner gedenkst, und was ist der Menschensohn, dass Du ihn ansiehst?“ (Ps 8,5). Wie sind doch Deine Urteile, o Herr, ganz verschieden von jenen der Menschen! Diese sehen nur auf Personen, die durch Rang, Geburt und Glück ausgezeichnet sind. Vor Dir aber, so groß Du auch bist, ist alles ein Gräuel, was hoch in den Augen der Menschen steht (Lk 16,15). Du schaust auf das Niedrige. Durch das Unbedeutende führst Du Deine großen Absichten aus. Unter wie vielen Personen ersten Ranges, unter wie vielen hohen Prinzessinnen, unter wie vielen würdigen Königinnen hättest Du Dir Deine Mutter suchen können. Aber nein, die einzige die Du mit diesem hohen Titel ehrtest, war die Verlobte eines Handwerkers. Sie war klein in ihren eigenen Augen und unbekannt vor der ganzen Welt. Was sie allein auszeichnete, war eine engelgleiche Reinheit, eine tiefe Demut und eine brennende Liebe zu Dir. Ein solches Herz verdiente Dein Wohlgefallen!

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

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Die Gefolgschaft der Menschen

(Donnerstag in der ersten Adventswoche)

Es gibt drei Arten von Menschen, die sich zur Nachfolge Christi berufen fühlen.

Die erste hört den Ruf, bringt aber nicht den Mut auf, ihm zu folgen. Sie hat ihr Herz zu sehr an die Güter der Erde gehängt. Es geht solchen Leuten am Ende so, wie es den Gästen im Evangelium ging; sie wurden nicht für wert befunden, dem Gastmahle beizuwohnen. Der Hausvater tat den Schwur, dass keiner der Geladenen von seinem Mahle kosten werde (Lk 14,24).

Eine zweite Gruppe will zwar ihrem König folgen, aber sie will es nur halb und unter Bedingungen, wie sie jener Jüngling stellte, der zwar die Gebote Gottes hielt, aber traurig wurde, als ihm der Herr die Befolgung der evangelischen Räte vorschlug. Er senkte den Kopf und ging davon, sagt die Schrift.

Die dritte Art endlich ist die der hochgemuten Seelen, die sich ganz für Christus opfern. Sie überlassen sich ihm ohne Vorbehalt. Sie verzichten aus Liebe zu Gott auf die Güter der Erde und leben nach den Grundsätzen des Evangeliums.

Zu dieser Gruppe gehören die geistlichen Personen, die die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ablegen. Sie erfüllen die evangelischen Räte buchstäblich und sind gewillt, den Fußstapfen des Heilandes bis zu dem Kalvarienberg zu folgen. Welche Ehre bedeutet es, zu einem so ehrwürdigen Stande berufen zu sein! Es ist, sagt der Weise, nichts besser, als Gottes Gebot zu befolgen (Sir 23,27).

Fühlt man aber die heilige Berufung zu einem Orden nicht in sich, so habe man wenigstens Ehrfurcht vor seinen Mitgliedern. Ja, man soll wenigstens den Wunsch in sich tragen, an den Verdiensten der Ordensleute durch Losschälung vom Irdischen und durch Hingabe an den Willen Gottes teilzunehmen. Man sage seinem Herrgott oft: Ich bin bereit, Herr, ich bin bereit. Ich will in allen Dingen Deinen Willen tun. Ich will selbst Deine Räte befolgen. Nichts soll für mich von Wert sein, was nicht Dein Wohlgefallen besitzt.

Man kann diesen drei Gattungen von Menschen eine vierte beizählen. Es sind diejenigen, die Gott nicht nur zu seiner Nachfolge erwählt, sondern die er berufen hat, andere zu dieser Nachfolge an zu eifern. Mein Gott, welch hohe Bestimmung ist das! Welchen Dank sind Dir Menschen schuldig, die Du so hoch erhoben hast! Ist es nicht ihre heilige Pflicht, kein anderes Verlangen in ihrem Herzen zu tragen als Dich, Gott, zu verherrlichen, Dein Reich auszubreiten und die Seelen zu gewinnen!

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

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Tränen der Zerknirschung –

… über unsere eigenen Sünden.

Im Missale Romanum von 1570
findet sich unter Oratione diversae No. 21 das
Gebet „pro petitione lacrimarum“:

Omnipotens et mitissime Deus,
qui sitienti populo fontem viventis aquae de petra produxisti:
educ de cordis nostril duritia lacrimas compunctionis;
ut peccata nostra plangere valeamus,
remissionemque eorum,
te miserante mereamur accipere.

„Allmächtiger und mildester Gott,
Du ließest dem dürstenden Volke
den Quell lebendigen Wassers
aus dem Felsen entspringen;
entlocke unserem steinharten Herzen
die Tränen der Zerknirschung:
lass uns unsere Sünden beweinen
und so durch Dein Erbarmen
Verzeihung für sie erlangen.“

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Papst Leo XIII. – 13. Oktober 1884 – Erzengel Michael

Papst Leo XIII. hatte am 13. Oktober 1884 bei der Hl. Messe eine Vision, in der er den Satan sagen hörte, er wolle die Kirche Gottes zerstören. Der Papst zog sich nach der Messe sofort in sein Arbeitszimmer zurück und verfasste ein Gebet zum Erzengel Michael, das er später auch in das Messbuch aufnehmen ließ.

Heiliger Erzengel Michael,
verteidige uns im Kampf;
gegen die Bosheiten und die Nachstellungen des Teufels
sei Du unser Schutz.
Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich.
Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,
stürze den Satan und die anderen bösen Geister,
die zum Verderben der Seelen die Welt durchziehen,
mit der Kraft Gottes hinab in den Abgrund. Amen.

Nach der Feier der Heiligen Messe in der Kapelle des Vatikans (anwesend waren einige Kardinäle und Mitglieder des Personals) blieb Leo XIII. plötzlich – nach Aussagen dieser Zeugen – für etwa 10 Minuten an den Stufen des Altars stehen, wie entrückt, mit leichenblassem Gesicht. Dann ging er unverzüglich von der Kapelle in sein Arbeitszimmer, verfaßte das Gebet zum heiligen Erzengel Michael und ordnete an, es überall nach der Stillen Messe zu beten. Diese Anordnung des Papstes wurde bis zum 2. Vatikanischen Konzil getreu befolgt, danach wurde sie auf dem Altar des Modernismus geopfert.

Als seine Umgebung ihn fragte, was geschehen sei, erklärte der Heilige Vater, dass er, als er sich anschickte, den Altar zu verlassen, plötzlich zwei Stimmen gehört habe: eine milde und wohlwollende, die andere kehlig und heiser. Die Stimmen schienen aus der Nähe des Tabernakels zu kommen. Folgendes Gespräch habe er gehört:

Die heisere Stimme, jene Satans in all seinem Hochmut, tat groß gegenüber unserem Herrn und sagte: „Ich kann deine Kirche zerstören!“ Die milde Stimme des Herrn antwortete: „“Kannst du das? Nun, dann tue es doch.“ Satan: „Dafür brauche ich mehr Zeit und mehr Macht.“ Der Herr: „Wieviel Zeit?“ Satan: „75 bis 100 Jahre, und ich brauche auch mehr Macht über diejenigen, die sich in meinen Dienst stellen.“ Der Herr: „Du hast die Zeit, und die Macht wirst du bekommen. Tue damit, was du willst.

Später erzählte der Papst, dass er eine erschreckende Vision der Hölle gehabt habe, nachdem er den Satan und Jesus gehört habe: „Ich sah die Erde wie in Finsternis und einen Abgrund gehüllt, ich sah eine Unzahl von Dämonen, die sich auf der Erde ausbreiteten, um die Werke der Kirche zu zerstören und die Kirche selbst anzugreifen, die ins Extrem geschrumpft war. Da erschien der heilige Erzengel Michael und stürzte die bösen Geister in den Abgrund. Dann sah ich den heiligen Erzengel Michael nicht in diesem Augenblick eingreifen, sondern dann, als die Menschen immer mehr ihre inbrünstigen Gebete an den Erzengel richteten.

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Von der Bedeutung der Altartücher im Alten Ritus

«Bei seinen Forschungen zur Apokalypse des Johannes hat der Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger eine Aufsehen erregende Entdeckung gemacht. Bei Amalar (775 – 850), dem karolingischen Chef-Liturgiker, Bischof von Metz und Erzbischof von Trier, der 844 von Papst Sergius II. zum Kardinal erhoben wurde und als Wegbereiter einer einheitlichen lateinischen Liturgie nach römischen Ritus gilt, hat er gefunden, dass die liturgisch vorgeschriebenen Altartücher von Anfang an als direkte Entsprechung zu den Tüchern galten, die in den Evangelien im Zusammenhang mit der Passion und Auferstehung Jesu Christi erwähnt werden:

Sie heißen in den lateinischen liturgischen Texten sindon (Leichentuch) oder sudarium (Schweißtuch).

Insbesondere das Einwickeln des Kelches in das Tuch durch den Diakon (in einem Seitenzweig der westlichen Liturgie) steht für das Einwickeln Jesu in seine Grabtücher. Wörtlich: Diaconus … involvit cum sudario calicem, quoniam Ioseph involvit in sindone munda. corporale…ipsum linteum quo totum corpus domini tegebatur in sepulchro. (Der Diakon umhüllt mit dem Schweißtuch den Kelch. Denn Josef von Arimathia wickelte Jesus in ein reines Leinentuch.)

Und dies alles wohlgemerkt schon in karolingischer Zeit, also weit über vier Jahrhunderte, bevor in Europa das Sanctissimum Sudarium von Sankt Peter in Rom erstmals im Jahr 1208 unter Papst Innozenz III. in die Öffentlichkeit getragen und bevor im Jahr 1355 die Santa Sindone in Lirey in der Champagne überhaupt erstmals auftauchte und verehrt wurde! Von hier her wird auch verständlich, dass die Altartücher bis zur Liturgiereform von 1969 in Entsprechung zum Grabtuch aus „reinem Leinen“ sein mussten, und dass das so genannte Corporale immer besonders gefaltet sein musste, in Entsprechung zum Sudarium, von dem es bei Johannes heißt, dass es nach der Auferstehung Christi „gefaltet und abseits der anderen Tücher“ im leeren Grab von Petrus und Johannes aufgefunden wurde. Es ist jenes gestärkte Tüchlein, das vom Priester im alten Ritus jeweils nur noch ehrfurchtsvoll mit Daumen und Zeigefinger angefasst werden durfte, nachdem es auf dem Altar mit den konsekrierten Gestalten von Brot und Wein in Berührung gekommen war

Von Paul Badde – (Hervorhebungen von mir)

Quelle – CNA

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Heiliger Franziskus von Assisi – 4. Oktober

Vielleicht ist es nur eine legendäre, aber den heiligen Franziskus in seiner großen Demut sehr gut charakterisierende Erzählung, weshalb er den Empfang der heiligen Priesterwihe abgelehnt hatte:

Er hatte die Vision eines Engels. Dieser zeigte ihm ein durchsichtiges Gefäß, gefüllt mit reinstem Wasser. Dabei sprache der Engel zu ihm:

„Die Reinheit des Priesters
muss so transparent sein
wie dieses Wasser.“

Diese Vision des heiligen Franziskus von Assisi ist bildlich dargestellt in einem Gemälde eines unbekannten Malers des 17. Jahrhunderts, das im Kapuzinerkloster zu Padua aufbewahrt wird.

Der heilige Kapuziner Pater Leopold Mandic, der in diesem Kloster lebte, rief vor diesem Bild und der darauf dargestellten Vision des hl. Franziskus von Assisi einmal unter Tränen aus:

„E cosi la mia vita? Che il Signore mi usi misericordia.“
„Ist wirklich so lauter und rein mein Leben?
Dass mir doch der Herr seine Barmherzigkeit zeige!“

So müsste wohl jeder Priester sprechen.

(Vgl. Ferdinand Holböck: Vereint mit den Engeln und Heiligen)

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