Nicht Priesteramt – besser: Priestertum

Der Priester gehört nicht sich selbst,
sondern dem Heiland.
Ewig.

Was ist ein Priester, was schenkt uns eigentlich der liebe Gott heute? Wir hören aus der Heiligen Schrift, dass der liebe Gott sich selbst seine Priester unter den Menschen auserwählt, sie werden nämlich durch die Kirche gerufen, namentlich, das wird in der Zeremonie geschehen, und da soll der Kandidat mit seinem ad sum seine Anwesenheit zeigen, seinen Willen, mitzuwirken; aber er ist es nicht, der entscheidet. Es kommt von Gott, und es ist wirklich der Heiland, der seine Priester bestimmt.

Wir sagen mit Recht: Priesterweihe. Bei einer Weihe gibt es eine grundsätzliche, völlige Hingabe an das Göttliche, für den Dienst Gottes. Sie werden geweiht, und damit verlieren Sie etwas von sich selbst, und zwar unglaublich tief. Sie behalten natürlich Ihre Persönlichkeit, aber trotzdem sind Sie nicht mehr Sie selbst. Bei den höchsten Handlungen des Priestertums gehören Sie sich nicht mehr. Sie werden sagen: „Das ist mein Leib“, und Sie verstehen und wissen, dass dieses mein nicht Ihres ist. Diese Worte – Ihre Worte – Ihre persönlichen Worte, die Sie mit Ihrem ganzen Verstand und Willen aussprechen, gehören Ihnen nicht. Sie gehören dem Heiland. In diesem Augenblick, mit Ihrer ganzen Vernunft, Ihrem Willen, Ihrer Freiheit, sind Sie zu einem bloßen Werkzeug in den Händen des einzigen Priesters des Neuen Bundes, Jesus Christus, geworden. Er nimmt Sie so auf, dass Ihre Worte, Ihre menschlichen Worte, die Sie aussprechen, mit der Allmacht Gottes durchdrungen werden. Ich sage: mit der Allmacht! Diese Macht, die die Schöpfung verwirklicht, diese Macht, die aus einem Wort eine Wirklichkeit macht! Es ist genau diese Macht des Sohnes Gottes, mit der er einen Lazarus aus dem Grab herausruft, aus einem Blinden einen Sehenden macht, aus einem Lahmen einen Gehenden. Aus Nichts das Licht, die Schöpfung. Diese Macht durchdringt Ihre Worte, die unendliche Macht Gottes! Priester – man könnte sagen: Jesus. Nicht bloß ein Vertreter, ein Botschafter, nicht nur im Namen Jesu, sondern, wie die Theologie sagt, in der Person Jesu. Nicht bloß ein anderer Jesus, Jesus selbst. Um das zu verwirklichen, was nur Jesus tut, um seine eigene Sendung weiterzuführen: die Seelen zu retten, die Seelen aus der Sünde, aus dem Zustand der Verdammnis herauszuholen, solange sie leben, um sie in den Himmel zu führen. Unbegreiflich! Aber das bedeutet auch, dass Sie sich die Sendung Jesu zu eigen machen sollen, dass Sie sich die Absichten, die Sicht Jesu zu eigen machen müssen.

Er wird Sie dem Kirchenvolk schenken, dieses nennt er meine Schafe. Zu Petrus sagt er nicht: deine Schafe, er sagt: meine Schafe. Die Seelen bleiben die Seelen Jesu. Und doch sollen Sie mit aller Kraft, mit allen Tugenden, mit dem besten Willen in dieses Priestertum eintreten. Wohl wissend, das gehört nicht mir.

Die Kirche sieht, sie weiß, wie groß die Amtsgewalt ist, die sie Ihnen anvertraut. Es gibt immer die Gefahr, dass das in den Kopf steigt! Deshalb betont die Kirche das und sagt: Achtung, diese Herrschaft soll ein Dienst sein. Der Heiland selbst hat den Aposteln gesagt: „Ihr wollt groß sein, Ihr wollt die Ersten sein, dann seid die Diener.“ Aber die Herrschaft bleibt, doch in diesem Sinne [des Dienens] sollen Sie sich den Gläubigen nähern. Noch mehr, noch weiter: Die hl. Messe, die Sakramente, der Glaube, die Wahrheiten, die Sie zu verkünden haben, nichts von dem gehört Ihnen, nichts! Deshalb fürchtet die Kirche, nein, viel mehr als fürchten, sie will nichts von eigenständigen Priestern wissen. Der Priester muss in der Kirche eingewurzelt sein. Freie Elektronen gibt es bei den Priestern nicht. Das bedeutet auch, richtig verstanden, Gehorsam, Gehorsam der Kirche gegenüber, Verwalter sein, Rechenschaft ablegen. Die eigentliche Bestimmung des Apostolates, wo Sie wirken werden, das wird durch die Menschen der Kirche festgelegt, durch Ihre Oberen. Da haben Sie nichts zu sagen. Wir leben in einer ganz gefährlichen Zeit: Gerade dieser Gedanke der Gemeinschaft, auch der Kirche, wird unglaublich verletzt durch sehr viele Umstände, Ursachen, aber die Gefahr, sich selbstständig zu machen, ist groß. Aber man soll sich doch verteidigen! Richtig. Man darf nicht mehr alles einfach annehmen. Richtig! Aber was sind die Beweggründe? Meiner Meinung nach, was die Kirche immer gelehrt hat, was die Kirche immer gemacht hat, was wir eben Tradition nennen. Der hl. Thomas sagt es ganz deutlich, er weiß, dass die Menschen, auch die Oberen, zerbrechliche Gefäße sind, sie können sich irren, können Dummheiten machen, bis ganz nach oben! Darum fragt er: „Was sollen wir tun? Dürfen wir etwas Eigenes machen? Sind wir dann frei?“ Er sagt: Nein, wir sind es nicht! Wenn wir in Umständen leben, die mit den allgemeinen Anordnungen der Kirche nicht mehr übereinstimmen, dann sollen wir uns fragen: Was würde der Gesetzgeber unter diesen Umständen tun?“ Der Blick auf die Obrigkeit gerichtet: Was würde sie tun, wenn die Zeiten normal wären? Danach werden wir uns richten, was die Kirche immer getan hat.

Sie wurden vom lieben Gott erwählt, und derselbe Gott bestimmt auch alle Umstände. Er hat Sie auserwählt mit einer unglaublichen Sorgfalt, und diese Umstände, alle Widerwärtigkeiten, diese Gefahren, alles das wurde vom göttlichen Heiland bestimmt oder erlaubt. Auf jeden Fall für Sie gewählt! Wir leben in einer unglaublichen Krise der Kirche, das bedeutet aber nicht, dass der liebe Gott die Kontrolle verloren hätte. Im Gegenteil! Wie Schafe unter die Wölfe werden Sie gesandt, das hat er schon seinen Aposteln gesagt. Nichts Neues! Aber er gibt Ihnen auch die Mittel, um diese Sendung unter diesen Umständen zu erfüllen, nämlich die Seelen zum lieben Gott zu führen, die Seelen zu retten. Und alle diese Umstände: die Macht der Feinde, ihre Arglist, alles, was Sie wollen, es spielt keine Rolle – der liebe Gott steht darüber! Aber das bedeutet nicht, dass es keine Gefahr gibt, dass die Lage der Kirche nicht erbärmlich wäre…

Übrigens ist es unglaublich interessant, gerade, was wir jetzt erleben, was jetzt in der Kirche geschieht mit der Reform der Kurie, mit dieser neuen Amazonas- Synode. Lesen Sie das kleine Buch von einem Bischof von Regensburg, Rudolf Graber, Athanasius und die Kirche unserer Zeit. 1973 hat er es geschrieben, man könnte denken, er bezieht sich auf das Konzil. Sie können es nehmen und lesen. Da wird beschrieben, dass die Feinde der Kirche, also einerseits die Freimaurerei, die Alta Vendita, die okkulten Kräfte, das geplant haben, was wir vor unseren Augen als Versuch der Verwirklichung sehen! Unglaublich! In diesem Buch wird beschrieben, wie ein Apostat, ein Priester, der die Kirche verlassen hat – Rocca ist sein Name – ein Franzose, die Dinge vor dem 20. Jahrhundert beschrieben hat. Er ist, soviel ich weiß, 1890 oder 91 gestorben. In dem Buch Il Santo, der Heilige, beschreibt er, dass es ein ökumenisches Konzil geben wird und dass dank dieses Konzils die hl. Messe geändert wird, angepasst, harmonisiert mit der modernen Welt. Da wird gesagt, dass der Papst selbst das Petrusamt zerstören wird. Da wird beschrieben, wie die Priester ihre priesterliche Kleidung ablegen werden. Es ist schwer zu glauben, dass das genau so beschrieben wurde, was jetzt vor unseren Augen geschieht. Aber es ist so! Dieses Buch haben nicht wir erfunden, ein jeder kann es lesen. Man sieht, es gibt Feinde der Kirche und die sind lebendig, sie sind am Wirken, und es geht weiter. Gut, aber wir wissen, dass es auch den lieben Gott gibt! Und wenn der liebe Gott einmal sagt: Jetzt ist Schluss, dann ist es fertig! Aber bis dahin erlaubt er diese Prüfung. Zurzeit sehe ich eine große Gefahr, und das ist die Gefahr, einfach alles zur Seite zu schieben: Ich will nichts mehr davon hören. Das ist eine große Gefahr: Wir sehen alle die Angriffe gegen den Glauben, gegen alles, was die Kirche gemacht hat, gegen das Heilige, und die Leute sind empört, skandalisiert, das ist schon verständlich, aber aufpassen! Diese Kirche mit all diesem Elend bleibt die Kirche Christi, die heilige Kirche, unsere Mutter. Gott ist gewaltig genug, um es zu wagen, seine Schätze zerbrechlichen Wesen anzuvertrauen; so ist der Priester. Deshalb diese ständige Einladung der Kirche zur Tugend, zum Üben der Tugend, zur Abtötung usw. So soll das Leben des Priesters danach trachten, diesen Schätzen zu entsprechen, die der liebe Gott in die Herzen eingießen wird, weil es keine Aufspaltung gibt zwischen dem Heiligtum, das Sie jetzt werden, und Ihrem Leben, denn Sie bleiben Menschen. Aber wie viele Male in diesen Weihen sagt die Kirche durch den Bischof: Potens est enim Deus ut augeam gratiam suam – der liebe Gott ist mächtig genug, um seine Gnade in dir wachsen zu lassen. Wer heiligt uns? Sind wir es? Es ist der Heiland: Tu solus sanctus. Der einzige Heilige, er heiligt uns. Von uns will er unseren guten Willen. Von uns will er diesen Glauben, wenn möglich einen Glauben, der Berge versetzt.

Er schenkt Sie der Welt, dieser wahnsinnigen, verrückten, so feindlichen Welt. Er schenkt Sie, er wagt es, jetzt. Aber Sie gehen nicht alleine, er bleibt bei Ihnen, er hat es versprochen, bis zum Ende. Sie gehen nie alleine zu den Seelen! Sie tragen den Heiland zu den Seelen. Wenn wir, meine lieben Gläubigen, um die Liebe Gottes zu seinen Priestern wüssten. Wenn wir wüssten. Das übersteigt jedes Verständnis. Also, haben Sie keine Angst! Auch wenn die Lage angsterregend ist… denn Sie gehen nicht im eigenen Namen, Sie gehen in nomine Domini, im Namen des Herrn, um das weiterzuführen, was er getan hat. Und wenn Sie zu leiden haben, wenn Sie Missverständnisse, Widerwärtigkeiten, wenn Sie sogar, es kann geschehen, ins Gefängnis kommen, und weiß Gott, was noch kommt, haben Sie keine Angst, keine Angst wegen der Ausübung des Priestertums. Wann wurde der Heiland am wirksamsten? Als er am Kreuz angenagelt war. Er konnte sich nicht einmal mehr bewegen, seine Hände: angenagelt, seine Füße: angenagelt, keine Bewegung möglich; ganz gelähmt, menschlich gesehen am Ende. Da bewirkt er das meiste! Wenn Sie irgendetwas für den Heiland zu leiden haben, dann haben Sie eine gewisse Verähnlichung mit der Kreuzigung, mit dem Kreuze Jesu. Und ich kann es Ihnen versprechen: Das gehört zum Priestertum. Sacerdos et victima – Priester und Opfergabe. So ist der Heiland, so sind seine Priester. Erflehen wir vom lieben Gott diesen Opfergeist. Das ist kein Masochismus, ganz und gar nicht, Leid tut weh, immer, aber was für eine Wirkung! Ein Leid, das Seelen rettet, das Seelen für die Ewigkeit in der göttlichen Glückseligkeit gewinnt! Es lohnt sich! Noch dazu jeden Tag, bei jeder hl. Messe eine Verherrlichung Gottes, die nur Gott sich geben kann, die Verherrlichung des Gottmenschen, eine unendliche, ohne Begrenzung, ein Lob Gottes, eine Verherrlichung der unermesslichen Majestät Gottes, das bringen Sie jeden Tag am Altar dar, verbunden mit dieser abgrundtiefen Bitte um Verzeihung, um das Erbarmen des lieben Gottes für diese unbeschreibliche Haltung der Menschen Gott gegenüber.

Priester auf ewig. Ich mag das Wort Priesteramt nicht. Warum? Weil Amt denken lässt, dass es aufhört. 65 – Ruhestand, das gibt es beim Priester nicht. Auf ewig – sacerdos in aeternum. Und genauso wirksam, vom ersten Tag Ihres Priestertums an verlieren Sie überhaupt nichts von dieser priesterlichen Wirksamkeit. Die menschlichen Kräfte können nachlassen, Sie können krank werden, im Bett liegen, macht nichts; die Wirkung bleibt dieselbe, denn wieder einmal: Sie sind nicht mehr Sie selbst, Sie sind Jesus. Aus Ihrem Munde erwarten die Gläubigen das Wort Jesu, nichts anderes, das wollen sie. Heilbringende Worte, Heiligung, Verzeihung.

Gehen wir zur Gottesmutter. Ich glaube, diese Zeit, in der wir leben, gehört der Gottesmutter, das ist die Zeit der Gottesmutter, des barmherzigen Herzens, des Unbefleckten Herzens Mariä. Sie will, sie soll Ihr Priestertum schützen. Arbeiten Sie mit ihr! Sie ist die Vermittlerin aller Gnaden. Alle Gnaden, die durch Sie zu den Gläubigen gelangen, kommen durch die Gottesmutter, so nahe ist sie ihren Priestern. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, die Menschen zur Muttergottes zu bringen, sie wird sorgen, dass sie zum lieben Gott gelangen, keine Angst. Wir wollen ihr heute Ihre ganze priesterliche Tätigkeit anvertrauen, seien Sie Priester Mariens! Erflehen wir von ihr dieses Feuer, diesen unermüdlichen Glauben, Hoffnung schenkend, Liebe verbreitend, zur größeren Herrlichkeit Gottes und für das Heil der Seelen. Amen.

Aus der Predigt von S. E. Mgr. Bernard Fellay bei den Priesterweihen am 29. Juni 2019 in Zaitzkofen

+

 

Werbeanzeigen

Weit vom Wohnort entfernt – Priesterweihen

„Aber lohnt es sich auch, wegen nur zweier Neupriester die weite Reise nach Zaitzkofen anzutreten? Und ob es sich lohnt! Wegen eines Primizsegens soll man sich ja ein Paar Schuhe durchlaufen. Wie viel mehr soll man dann für die Geburtsstunde eines Priesters, in dessen Hand Gott das ganze Heil des Menschengeschlechtes gelegt hat, lange Wege, eventuelle ungünstige Witterung und vor allem die lange Zeremonie auf sich nehmen. Denn wer soll unsere Kinder taufen, aus Heiden Christen, Tempel des dreifaltigen Gottes, Glieder am Leibe Christi machen? Wer soll uns die Sünden nachlassen, wenn nicht der katholische Priester? Wer soll uns den Leib des Herrn reichen, wenn nicht er? Wer wird unsere Ehen einsegnen, die Familien in ihren Sorgen und Nöten des Lebens begleiten und die Seele mit der letzten Wegzehrung und der Heiligen Ölung auf die große Reise in die Ewigkeit vorbereiten, wenn nicht der katholische Priester, der all dies tut in der Nachfolge und im Auftrag des göttlichen Meisters? Zu unserem Schmerz haben viele, vielleicht sogar die meisten Priester diese über die Natur hinausgehende Ordnung der Dinge aus dem Auge verloren. Die Priester glauben nicht mehr an ihr Priestertum und an jene Mittel, die der Herr ihnen selbst in die Hände gelegt hat.“

Priesterweihe in Zaitzkofen in einer Woche, am 29. Juni 2019

Priesterweihen des Priesterseminars St. Petrus in der Pfarrkirche von Heimenkirch am 29. Juni 2019

+

 

Ein Geheimnis will ich dir verraten

Ein Geheimnis der Heiligkeit und des Glückes möchte ich dir verraten. Bringe jeden Tag während fünf Minuten deine Einbildungskraft zum Schweigen. Verschließe deine Augen allen sichtbaren Dingen und deine Ohren allem Lärm der Welt. Halte Einkehr bei dir und da, im Heiligtum deiner getauften Seele, die der Tempel des Heiligen Geistes ist, sprich zu ihm:

„O Heiliger Geist, Du Seele meiner Seele, ich bete Dich an. Erleuchte mich, führe mich, stärke mich, tröste mich. Lass mich wissen, was ich tun soll; gib mir Deine Weisungen. Ich verspreche Dir, mich ganz Deinen Anordnungen zu fügen und alles anzunehmen, was mir nach Deinen Zulassungen geschehen kann. Lass mich nur Deinen Willen erkennen.“

Impr. Friburgi Helv., 17. 7. 1958 – L. Waeber, vic. gen.

+

 

Gebet vor der Heiligen Kommunion

Herr, ich weiß,
daß ich unwürdig bin, deinen heiligen Leib
und dein kostbares Blut zu empfangen:
Ich bin mir meiner Schuld bewußt und weiß,
daß ich dem Gericht verfalle,
wenn ich gedankenlos
dein Fleisch und Blut empfange.
Christus, mein Gott!
Ich vertraue ganz auf deine Barmherzigkeit
und trete vor dich hin, der du gesagt hast:
„Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt,
der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.“
Hab Erbarmen mit mir, o Herr,
und verleugne mich nicht,
auch wenn ich ein Sünder bin.
Erweise mir deine Barmherzigkeit.
Diese heiligen Geheimnisse
mögen zu meiner Gesundung,
zur Reinheit, Erleuchtung, Verteidigung
und zur Erlösung und Heiligung
des Leibes und des Geistes beitragen.
Halte fern von mir jede Selbsttäuschung,
alle Sünden und jeden Einfluß des Bösen.
Gib, daß mein Vertrauen und meine Liebe
zu dir immer größer werden
und daß mein Lebenswandel dir wohlgefalle,
damit ich in den Tugenden
und in der Heiligkeit wachse.
Laß mich deine Gebote halten
und deinen Heiligen Geist anbeten.
Gib, daß sie das Unterpfand des ewigen Lebens seien,
ein sicherer Schutz vor deinem endgültigen Gericht,
daß sie mir nicht zum Urteil
und zur Verdammung gereichen.

(Basilius von Caesarea)

+

 

 

Advocata miserorum

MARIA ADVOCATA

Fürsprecherin der Elenden,
auf dich richten sich die Augen der Knechte.
Dich nahm der König der Himmel auf
über die Chöre der Engel,
wo die Versammlung der Seligen
dich würdig ehrt und lobpreist
in Ewigkeit mit den Worten:
Gegrüßet seist du, Maria.

Und selig der Leib, der dich getragen.

O glorreiche Herrin, erhaben über die Gestirne,
unsere ohnegleichen erbarmungsvolle Fürsprecherin!
Nimm an die vertrauensvollen Bitten, die Lobgesänge,
die wir zu Ehren der fünf Wunden deines Sohnes
und zum Lob deines heiligen Namens gesungen haben.

Wir bitten dich, beeile dich, für uns einzutreten,
damit dein liebreichster Sohn, unser Herr Jesus Christus,
durch seine große Barmherzigkeit
uns den Fesseln unserer Sünden entreiße
und uns in seinem heiligen Dienst bewahre, stärke
und bis ans Ende ausharren lasse;
denn Er ehrt dich, indem Er dir nichts verweigert,
der mit Gott, dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes
lebt und herrscht in Ewigkeit.

(Bonaventura. Lehrer der Weisheit, EOS-V. 2017, 457f.)

+

 

Christus geistlich empfangen

Wenn eine Seele, in der Hoffnung auf den himmlischen Lohn oder in der Furcht vor ewiger Strafe, oder des Bleibens in diesem Tal der Tränen müde geworden, von neuem durch das Wehen des Heiligen Geistes heimgesucht, von heiliger Liebe durchglüht und von Gedanken an den Himmel gedrängt wird, sie schließlich ihre früheren Mängel von sich wirft und ihre bislang gehegten Wünsche aufgibt, in dem Vorsatz, als neuer Mensch zu leben, „vom Vater der Lichter, von dem jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk stammt“ (Jak 1,17), durch die Gnade geistliche Fruchtbarkeit empfängt: Was geschieht da anderes, als dass die Seele „durch die Kraft des Allerhöchsten“, die über sie herabkommt und sie mit himmlischer Erquickung überschattet (Lk 1,35), geistlich den Samen des Wortes empfängt und schwanger wird?

Diese Überschattung dämpft alle Begierden des Fleisches und stärkt die Augen des Geistes, so dass sie sehen können.

Durch diese Empfängnis wird das Gesicht der Seele blass – durch wahre Demut im Verhalten; dazu kommt ein Widerwillen gegen Speise und Trank – denn es missfällt der auf geistliche Weise schwangeren Seele all das, woran die Welt sich vergnügt; es verändern sich die Wünsche und das Verlangen – die Seele ersehnt nun andere Güter. […]

Selige Empfängnis – der solch eine Verachtung des Weltlichen folgt und ein solches Verlangen nach Taten, die dem Himmel entsprechen, nach der Beschäftigung mit dem, was Gottes ist! Denn selbst wenn man nur ein bisschen „vom Geist gekostet hat, hört das Fleisch auf, einem zu schmecken.“

Die Seele beginnt mit Maria „ins Bergland“ aufzusteigen, sie sehnt sich nach vertrauter Gemeinschaft mit denen, die den Himmel suchen. […]

(Bonaventura. Lehrer der Weisheit, EOS-V. 2017, 459f.)

+