Was singt die Emanze?

Können Sie sich vorstellen, dass eine Sängerin, die eine mühelose „Königin der Nacht“ singt, die männlichen Sänger um ihre Rollen beneidet und lieber den „Sarastro“ singen würde? Ich war nicht lange, aber lange genug an der Oper, um das für absurd zu halten. Für den Sänger unserer christlich-abendländischen Kultur, der weder elektronisch verstärkt noch frisiert wird, sondern ehrliche Leistung bietet, gilt spätestens seit Orpheus und der Antike die Wahrheit der Natur.

Er ist sich – mit oder ohne Studium – seiner allgemein menschlichen und musischen Natur voll bewusst und verfügt über einen voll aufgeschlossenen Gesangsorganismus. Sein elementares Singen gibt ihm und seinen Zuhörern leibseelische Erfüllung. Umso erstaunlicher ist es, dass der weibliche Typus dieser urtümlich-vitalen Spezies es sich in unserer wissenschaftlich aufgeklärten Zeit immer noch gefallen lässt, sich seine Arien von Männern schreiben bzw. vorschreiben zu lassen. Noch nie stellte eine Sängerin gesellschaftliche Forderungen zum Ausgleich dieser jahrhundertelangen frauen-verachtenden Bevormundung durch den Mann. Lebt sie noch auf dem Mond? Jeder Mensch, nicht nur der Mann, hat in seiner Kehle ein „vollkommenes Instrument“, dessen einzige Bestimmung es ist, sich melodisch zu äußern.

Kennen Sie singende Menschen? Wenn ja, sind das eher mäkelig-kritische Leute? Gibt es feministische Chöre, die melodische Lieder singen und im Kirchenchor mehrstimmig dahinschmelzen, wenn die schönen Terzen, die so schön zu Herzen gehen, sie so schön zu Tränen rühren?

Was singt die Emanze? Singt sie auch beim Duschen oder in der Badewanne? Singt sie melodisch – oder rappt sie nur? Fühlen Sie sich bei ihr von Mensch zu Mensch, oder tritt sie als Abgeordnete der sozial beschleunigten Bildungselite auf, die über das Haar in der Suppe diskutiert und alles weiß, weil sie alles gelesen hat? Kann sie über sich selber lachen?

Durch die Brille meiner Erfahrungen beobachte ich so manche unzufriedene Frau in unserer katholischen Kirche, in der „man“ sich als Frau benachteiligt fühlt. Was genau fehlt ihr eigentlich? Hat sie etwas verloren oder hat ihr jemand widerrechtlich etwas genommen, was sie seit Geburt hatte und nun lebenslang beklagen muss? Wie kann die Rolle des männlichen Priesters einer Frau ersetzen, was sie nicht vermissen kann, weil sie es nie hatte? Warum orientiert sie sich überhaupt am Mann? Und wieso fühlt sie sich von anderen ungerecht behandelt, wenn sie von Anfang an ungerecht gegen sich selbst ist, indem sie sich am Mann misst, statt sich mit einigem Gottvertrauen ihre genetisch vorgegebene weibliche Entwicklung zu gönnen?

Keine Sportlerin würde sich am Mann messen, um anhand dieser Daten zu klagen, dass sie keinen Preis erzielt. Warum verdrängt die unzufriedene Frau die Unterschiede der Geschlechter und neidet dem Mann seinen natürlichen „Vorteil“, um ihn widernatürlich zu begehren? Mit ihrer suggestiven Erwartung: „Sorge Du dafür, dass ich mich wohlfühle!“ überträgt sie ihm die Verantwortung für sich selbst und gibt ihm rückwirkend noch die Schuld an ihrer Unzufriedenheit dazu. In einer Ehe bedeutet das den Verlust des Paradieses mit Umzug in den Teufelskreis gegenseitiger Vorwürfe, in dem die Frau fordert und der Mann sich für sie abstrampelt und als Versager fühlt, bis sich beide ihren Ansprüchen nicht mehr genügen.

In der Kirche könnte die Frau immerhin auf die Idee kommen, aus eigenen Kräften ein ergänzendes weibliches Amt zu entwickeln und dies dem Papst vorzuschlagen, wenn sie meint, auch der Mann habe sich sein Priesteramt mit Gottes Hilfe selbst geschaffen. Oder noch einfacher: Warum wählt sie nicht eine Konfession, die ihr problemlos gibt, was sie verlangt? Muss eine Jahrtausende alte Kultur einen Kniefall vor der Schattenpflanze des Ewig-Weiblichen zelebrieren, damit diese im Licht der Erkenntnis zu blühen beginnt?

Solange die Frau dem Mann seinen „Vorteil“ neidet und ihn anklagt, statt anzuerkennen und davon zu profitieren, wird sie ihn im übertragenen Sinne „kastrieren“ wollen und dabei selber eine „zu kurz gekommene“ bzw. seelisch unterentwickelte Frau bleiben. Sie kann gar nicht anders. Denn Neid ist die blinde = unbewusste Apophis-Schlange, die dem göttlichen Licht seinen Glanz missgönnt, um selber zu glänzen. Sie umarmt, um zu verschlingen … Es ist schwer, einem Menschen alles recht zu machen, der unter sich selber leidet. Das ist wie im Märchen vom Fischer und seiner Frau: „Mantje, mantje, timpete, buttje, buttje, in der See …“ Keiner wird dabei glücklich.

Unsere Erde hat zwei Pole. Dazwischen gibt es viele Übergänge, wie es auch zwischen den Gattungen der Singstimme und den Geschlechtern Übergänge gibt. Aber die Polarität an sich dürfen wir nicht schmelzen. Sie trägt nicht nur unsere Erde, sondern auch unsere Geisteswelt. Nach allem, was wir schon aufgetaut haben, sodass wir auf manchen Gebieten nur noch schwimmen können, sollten wir die Polarität männlich-weiblich als richtungsweisend stehen lassen: Eine kulturfähig potente Männerstimme wird niemals eine glaubwürdige „Königin der Nacht“ singen, auch wenn der Mann endlos falsettieren und wie der schönste Gockel krähen kann. Die in und um uns lebende Natur zeigt uns nicht nur unsere Grenzen, sondern ist wichtigste Voraussetzung für eine gesunde Denkweise und Kultur.

Gott schuf den Menschen nicht als Hermaphroditen, sondern ab Mann und Frau (Gen 1,27). Ihre Leben schaffende Einheit lebt, solange wir auf dem Boden dieser Erde stehen, vom Unterschied, von der Polarität. Wem dient es, wenn wir den göttlichen Eros durch eine wissenschaftlich aufgeblasene Dekadenz ersetzen? Dient diese Verachtung unserer Natur der Erhaltung unseres Planeten?

(Lucia Tentrop: „Welche Lieder singen die Emanzen“ in THEOLOGISCHES Jg. 52, Nr. 03/04, 2022)

Die Erlaubnis zur Übernahme des Artikels wurde von der Autorin erteilt, wofür wir uns herzlich bedanken! – http://www.lucia-tentrop.de/

+

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s