Erinnerungen von Pater Franz Schmidberger

Am 1. Juli 2021 zählte die Priesterbruderschaft St. Pius X. „drei Weihbischöfe, 684 Patres, 134 Brüder und 83 Oblatinnen“. Eine der wichtigsten Persönlichkeiten der weithin nur als „Traditionalisten“ bezeichneten katholischen Gemeinschaft ist bis heute der ehemalige Generalobere Pater Franz Schmidberger. In dem vorliegenden Buch beschreibt er die Entwicklung der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Geboren am 19. Oktober 1946, konnte Schmidberger vor wenigen Tagen die Vollendung seines 75. Lebensjahres begehen. Er berichtet aus seinem Leben, das inzwischen selbst zu einem Stück Kirchengeschichte geworden ist. Er ist ja nicht nur an der Entwicklung der Bruderschaft beteiligt, sondern er ist auch Zeuge jener verworrenen Nachkonzilszeit, die er ab 1966 als Student der Mathematik in München erlebte. Hier gelangte er schon früh in jene Kreise, in denen man zahlreiche Fehlentwicklungen des Zweiten Vatikanischen Konzis zu sehen glaubte, wobei insbesondere die neuen liturgischen Vorschriften des Novus Ordo Missae (NOM) Stein des Anstoßes waren.

Als sich der junge Lehrer Schmidberger bereits entschlossen hatte, Theologie zu studieren, um Priester zu werden, hatte er noch eine kurzzeitige Anstellung an einem Landschulheim. Von hier aus besuchte er die Benediktinerabtei St. Ottilien. An der Pforte erkundigte er sich danach, ob es hier sie auch die überlieferte Messe gebe. Er bekam zur Antwort, zwischen dieser und der neuen Messe bestehe kein Unterschied. Diese Aussage ist genau jene, die Hunderttausende Katholiken in jenen Jahren immer wieder gepredigt bekamen, wenn sie ihre Trauer darüber äußerten, dass die alte Messe abgeschafft worden war. Die neuen liturgischen Vorschriften veranlassten viele Gläubige zum Abschied von ihrer Kirche.

Schmidberger fuhr am 14. Oktober 1972 nach Ecône und begann als 26-Jähriger mit dem Theologiestudium. Am 8. Dezember 1975 wurde er von Erzbischof Marcel Lefebvre zum Priester für die Piusbruderschaft geweiht.

Schmidberger berichtet von jenen spannenden Jahren und den Auseinandersetzungen, die der Erzbischof mit den römischen Dikasterien auszutragen hatte. Aufmerksame Leser werden die Tragik dieser Zeit verstehen, in der ein regelrechter Kirchenkampf stattfand. Schmidberger berichtet sachlich und ohne Emotionen. Viele Informationen sind bisher kaum oder nur einem kleinen Kreis bekannt. Schon aus diesem Grund ist das Buch unbedingt empfehlenswert.

Ab 1976 begann sich die Piusbruderschaft im Heimatland des ersten deutschen Priesters der Gemeinschaft, Franz Schmidberger, niederzulassen. Als Generalvikar, Generaloberer und Distriktoberer für Deutschland und Österreich, aber auch als Regens des Priesterseminars hatte Schmidberger großen Einfluss auf einzelne Mitglieder, vor allem aber auch auf die gesamte Priestervereinigung.

Pater Franz Schmidberger hat seine Aufgaben für die Priesterbruderschaft St. Pius X. treu erfüllt; ganz nach dem im Priesterseminar erklärten Wahlspruch „Nichts erbitten, nichts zurückweisen“. Im Buch seiner Erinnerungen, das man gerne auch als eine Chronik der Entstehungsgeschichte der Priesterbruderschaft St. Pius X. ansehen darf, fehlen nicht die Bischofsweihen sowie das Motuproprio „Summorum Pontificum“ und die Aufhebung des Exkommunikationsdekretes der vier Weihbischöfe der Bruderschaft durch Papst Benedikt XVI.

Schmidberger war, ist und wollte immer ein Sohn der Kirche sein. Dies bezeugt er, indem er notiert: „Vor allem hoffen und wünschen wir, dass mit der lehrmäßigen und liturgischen Festigkeit möglichst bald auch eine kirchenrechtliche Lösung gefunden wird.“ Die Piusbruderschaft ist auch dank seines Wirkens heute weltweit in 197 Häusern auf allen Kontinenten vertreten.

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Pater Franz Schmidberger
Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen.
Sarto-Verlag 2021
ca. 206 Seiten; 16,80 Euro
ISBN: 978-3964060549

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